Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 2.3.: Angriff auf den Iran

„DIE USA HABEN GEGENWIND AUS TEHERAN ERHALTEN – WIE GEHT ES IM NAHEN OSTEN WEITER?

Der Krieg im Nahen Osten eskaliert. Der Iran beschießt weiterhin Ziele in Nachbarländern. Gestern beispielsweise griffen Drohnen Saudi-Arabiens größte Ölraffinerie, Saudi Aramco, an. Israelische Raketen flogen auf Teheran, und die iranische Atomanlage in Natanz wurde attackiert.
Die Islamischen Revolutionsgarden meldeten einen Angriff auf die Residenz des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, während israelische Medien einen Angriff auf das Haus des iranischen Interims-Obersten Führers Alireza Arafi verkündeten.

Die Komsomolskaja Prawda befragte Experten zu den wichtigsten Fragen der Lage um den Iran, und zwar:

Semjon Bagdasarow, Direktor des Zentrums für Nahost- und Zentralasienstudien
Die Orientalistin Karine Geworgjan
Konstantin Blochin, führender Forscher am Zentrum für Sicherheitsstudien der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Den ehemaligen Chef der Flugabwehrraketentruppen des Sonderkommandos (ehemals Moskauer Luftverteidigungsbezirk), Oberst a. D. Sergei Chatyljew.
Den international tätigen Journalisten Abbas Dschuma.

1. Warum vertraute der Iran den Verhandlungen mit den USA?

KP: Die Angriffe auf den Iran begannen vor dem Hintergrund iranisch-amerikanischer Gespräche in Genf. Der iranische Außenminister Aragtschi beschwerte sich, Trump habe den Verhandlungstisch »zerbombt«, obwohl eine Einigung kurz bevorstand. Dies ist bereits das zweite Mal – auch im vergangenen Juni liefen Verhandlungen. Warum gelang es den Amerikanern, die Iraner ein zweites Mal in falscher Sicherheit zu wiegen?

Blochin: Ich erinnere daran, dass Israel beim letzten Mal zuerst angriff und die Amerikaner sich erst einige Tage später beteiligten. Daher gingen die Iraner vermutlich davon aus, dass die Amerikaner auch diesmal nicht sofort eingreifen würden. Doch dieses Mal handelte es sich eindeutig um einen gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriff.

KP: Was ist das wahre Ziel der USA im Konflikt mit dem Iran?

Bagdasarov: Das Regime stürzen, es durch ein pro-israelisches, pro-amerikanisches ersetzen – und die Kontrolle über den enormen Reichtum des Landes erlangen.

2. Warum tauchte Ayatollah Ali Khamenei nicht unter?

KP: Irans Oberster Führer Ali Khamenei tauchte nicht unter. Warum? Schließlich kannte er die Risiken. Und warum war seine Familie zum Zeitpunkt des Angriffs bei ihm in Teheran? Hätte er sie – einschließlich seiner 14 Monate alten Enkelin – nicht in einem Bunker verstecken können?

Geworgjan: Israelische und amerikanische Medien berichteten, der iranische Oberste Führer habe sich in einem Bunker versteckt. Er war ein 86-jähriger, kranker Mann. Und er verstand: Was macht es schon für einen Unterschied? Ich werde sowieso sterben, und es wird sofort geschehen.
Er wurde zum heiligen Opfer und bewies damit seine Integrität. Das ist wichtig. Ayatollah Khamenei hat sehr mutig gehandelt.
Es ist schade, dass seine Angehörigen anwesend waren. Ein Kleinkind starb …

Dschuma: Ich erkläre dies mit religiöser und ideologischer Logik. Der Oberste Führer war ein aufrichtiger Gläubiger; seine Priorität war der Erhalt des 1979 etablierten Systems, selbst um den Preis seines eigenen Lebens. In diesem Kontext wird ein würdevoller Tod, insbesondere während des Ramadan, als wertvoller angesehen als ein sicheres Überleben.
Wenn ein Führer zu dem Schluss kommt, dass sein Tod der Sache mehr nützt als sein weiteres Leben, trifft er eine bewusste Entscheidung. In diesem Sinne war Khameneis Entscheidung, nicht in den Bunker zu gehen, seine persönliche.
Was die Todesfälle der Angehörigen betrifft, möchte ich daran erinnern: Der Tag des Angriffs war ein gewöhnlicher Tag, und die Angriffe richteten sich nicht nur gegen militärische, sondern auch gegen zivile Ziele. Kinder wurden getötet. Daher schlage ich vor, dass wir uns nicht fragen, warum Khameneis Enkelin zu Hause war, sondern warum Hunderte anderer Kinder an diesem Tag in der Schule waren.

3. Ist ein Putsch im Iran möglich?

KP: Trump und Netanjahu riefen die iranische Opposition auf, auf die Straße zu gehen und die Macht zu ergreifen. Ist ein solches Szenario realistisch?

Geworgjan: Das ist natürlich eine massive Überschätzung der Fähigkeiten der iranischen Opposition. Sie setzen schlicht auf Kopfabschneider, von denen es viele gibt. So die 25.000 ehemaligen IS-Kämpfer, die von den Kurden in Gefängnissen und Lagern festgehalten und dann in den Irak deportiert wurden. Sie setzen darauf, dass diese Mörder den Iran angreifen. Aber sie sind keineswegs die Opposition. Das ist nicht ernst zu nehmen.
Bomben fallen auf das Land, und jemand kommt heraus und sagt: Lasst uns die Regierung stürzen? Die Antwort wird lauten: Bist du verrückt? So würde jeder reagieren, selbst jemand, der den Ayatollah hasst.

KP: Die iranische Regierung ist nicht homogen. Gibt es derzeit jemanden in der Führung, der mit den USA kooperieren könnte?

Bagdasarov: Es gibt Leute, die mit Washington sympathisieren. Zum Beispiel Mohammad Dschavad Zarif, der ehemalige iranische Außenminister unter Präsident Rohani und ein persönlicher Freund von Präsident Pezeschkian.
Unter Pezeschkian wurde er Vizepräsident für strategische Angelegenheiten. Hinter vorgehaltener Hand wird er als »Amerikaner« bezeichnet; er studierte in den USA und war bereit, in seinen Beziehungen zu ihnen weit zu gehen.
Er verzögerte aktiv die Unterzeichnung eines strategischen Partnerschaftsabkommens zwischen den Iranern und Russland und wartete die US-Wahlen ab. Das war Zarifs Empfehlung, weil: Hätten die Demokraten gewonnen, hätten die Iraner ein solches Abkommen niemals mit Rußland unterzeichnet. Erst nach Trumps Sieg sagten sie: Wir werden unterschreiben.

Dschuma: Es wird über eine ähnliche Rolle für den Vorsitzenden des iranischen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, gesprochen. Ich halte ihn aber nicht für jemanden, der bereit wäre, den Iran den Amerikanern »auszuliefern«, obwohl der Einfluss seiner Familie im Land tatsächlich beträchtlich ist. Laridschani selbst hat Berichte über Versuche zur Wiederaufnahme des Dialogs mit Washington, die zuvor insbesondere im Wall Street Journal erschienen waren, bereits öffentlich dementiert. Teherans offizielle Position schließt Verhandlungen mit den USA derzeit aus.

4. Wie unterscheidet sich die militärische Reaktion des Irans von der in früheren Konflikten?

KP: Wie würden Sie die militärische Reaktion des Irans auf den Angriff charakterisieren? Was ist daran neu im Vergleich zu früheren Konflikten?

Bagdasarov: Meiner Meinung nach handelt der Iran völlig falsch. Sie haben gerade eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien angegriffen. Warum? Versucht Teheran, die Golfkoalition zu provozieren, damit sie sich am Krieg beteiligt? Wird das dem Iran nützen? Ich verstehe es nicht.

Chatyljew: Der Iran führt primär defensive Operationen durch. Die wichtigste Neuerung ist der aktive Einsatz der Luftstreitkräfte, die zuvor praktisch ungenutzt blieben, nun aber in die vorderste Angriffslinie integriert sind.
Bemerkenswert ist auch der Einsatz von mehr als 6 Hyperschallraketen. Dies deutet darauf hin, dass der Iran über entsprechende Bestände verfügt. Meiner Meinung nach bereitet sich Teheran auf komplexe Operationen zu Land und zu Wasser vor: Die Marine operiert aktiv gegen die US-Marinegruppe und greift gemeinsam mit landgestützten Raketenstreitkräften Ziele auf See und an Land an.
Zuvor gab es keine Angriffe auf europäische Stützpunkte in der Region. Und nun »warnt« der Iran Länder, die die amerikanische Linie unterstützen.
Die Aussagen Deutschlands über seine Bereitschaft zu Vergeltungsaktionen muß man ironisch kommentieren: Deutschland verfügt nicht über Flugzeugträger, eine Luftwaffe oder Tanker wie die USA, und ein Teil seiner Ausrüstung wurde an die Ukraine abgegeben, sodass seine Fähigkeit zur tatsächlichen Teilnahme an Kampfhandlungen begrenzt ist.

KP: Wer ist in der Lage, militärisch zugunsten des Irans zu intervenieren?

Bagdasarov: Niemand. Irans verlängerte Arme wie die Hisbollah und die Hamas sind erschöpft und verfügen über keine nennenswerten militärischen Kapazitäten.

5. Wird der Iran die Straße von Hormuz schliessen?

KP: Wird der Iran die Straße von Hormuz schließen (während er beispielsweise chinesischen Tankern die Durchfahrt erlaubt)? Was wird dann mit den Ölmärkten geschehen? Wir beobachten bereits iranische Angriffe auf Ölanlagen – beispielsweise die Raffinerie von Saudi Aramco …

Blochin: Teheran könnte die Straße für kurze Zeit schließen. Aber nicht dauerhaft. Schließlich wird der Druck nicht nur von den USA und Israel kommen. Auch China bezieht seine Energielieferungen durch die Straße von Hormuz. Peking könnte also fordern, dass seine Interessen berücksichtigt werden, und Teheran hat kein Interesse daran, die Chinesen zu verärgern. Darüber hinaus ist allgemein bekannt, dass Trumps Angriff auf den Iran unter anderem durch den Wunsch motiviert ist, Chinas Aufstieg zu stoppen.
Warum sollte man Chinas Feinden helfen, indem man die Straße von Hormuz schließt?“

Eine Teilsperre ist also nicht möglich, nur eine Gesamtsperre?

6. Wird der Iran in einem Krieg standhalten?

KP: Wie schätzen Sie die Lage im Nahen Osten ein? Wie lange könnte der Konflikt dauern, und ist der Iran in der Lage, durchzuhalten?

Blochin: Ich bin Amerikanist, daher kann ich vor allem die Reaktion in den USA vorhersagen. Es wird keinen organisierten Widerstand gegen Trumps Vorgehen geben, da ein Regimewechsel im Iran seit Langem ein zentrales Anliegen beider amerikanischer Parteien ist.
Die öffentliche Meinung in den USA ist bereit, Risiken einzugehen und Geduld zu üben, um dieses Ziel zu erreichen.
Es ist schwierig, die Dauer des iranischen Widerstands vorherzusagen. Eine weitere Möglichkeit ist der Zerfall des Landes entlang ethnischer Linien.

Geworgjan: Es ist in der Tat schwer vorherzusagen … Die Amerikaner könnten sogar einen Atomangriff auf den Iran starten. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass die Winde über dem Iran im März die gesamte Strahlung auf die Arabische Halbinsel, zu ihren Verbündeten in der Region und zu ihren eigenen Stützpunkten treiben werden.“

Es ist beachtlich, daß keiner der Befragten ein Eingreifen Chinas oder Rußlands in Erwägung zieht. Aber vielleicht ist das ein Tabuthema …

https://www.kp.ru/daily/27761/5217013

Pressespiegel El País, 21.2.: Ohne Techno-Rohstoffe kein Sieg im III. Weltkrieg

„DIESE ROHSTOFFE ENTSCHEIDEN KRIEGE (UND EUROPA HAT KEINE KONTROLLE DARÜBER)

Die fehlende Kontrolle über kritische Rohstoffe, bei denen China die Nase vorn hat, überschattet die Rüstungsanstrengungen in der EU (…)

Angesichts der großen geopolitischen Spannungen und der europäischen Aufrüstung benötigt der Verteidigungssektor heute Rohstoffe anderer Länder – aktuell Seltene Erden, Gallium, Graphit, Mangan, Lithium, Kobalt, Aluminium, Kupfer und Wolfram, um nur einige zu nennen –, um seine massiven Militärausgaben überhaupt durchführen zu können.“

Schon im Original ist das seltsam formuliert. Die „massiven Militärausgaben“ sind ja ein Beschluß der jeweiligen Regierungen, dafür brauchen sie keine Rohstoffe. Um die geplante Aufrüstung auch hinzukriegen – dafür brauchen sie diese Rohstoffe.
Aber niemand weiß ja bisher, worin diese Summen genau investiert werden sollen. Darüber muß man sich ständig auf dem ukrainischen Testgelände informieren, wo inzwischen einige Waffengattungen bzw. vieles von dem bisherigen europäischen Gerät stark entwertet worden sind.

Das Geschreibe über die Aufrüstung, die Ausgaben und die fehlenden Rohstoffe hat ein wenig etwas von dem „Wüdn mit seiner Maschin’“ an sich: Ich weiß nicht wohin, aber dafür bin ich schneller dort!

„Von den 12 kritischen Mineralien, die die NATO für die Verteidigung des alten Kontinents als entscheidend erachtet, kontrolliert China 60 bis 90% der Produktionskette.

»Die Verteidigungsindustrie hatte in der europäischen Politik der letzten Jahrzehnte keine Priorität, bis die russische Aggression gegen die Ukraine sie wieder in den Mittelpunkt der politischen Debatte rückte«, sagt Benedetta Girardi, Analystin am Centre for Strategic Studies in Den Haag. »Und offensichtlich gilt das auch für die Lieferketten«, fügt die Expertin hinzu, die die Erstellung eines Berichts über die Verwundbarkeit des Kontinents in diesem Bereich leitete.“

Die „Verwundbarkeit des Kontinents“ – was für Sprachschöpfungen heute durch die Medien schwirren! Man muß sich die EU, dieses imperialistische Staatenbündnis, als eine Art leicht bekleidete Jungfrau vorstellen, die jederzeit von einem Giftpfeil getroffen werden könnte.

„Die Nachfrage nach kritischen Mineralien ist komplex strukturiert, da sich die Prioritäten der Verteidigungsindustrie mit denen der Elektrifizierung und dem Einsatz neuer Technologien überschneiden. Graphit und Aluminium sind beispielsweise die wichtigsten Werkstoffe für den Militärsektor, da sie in nahezu allen Anwendungsbereichen massiv eingesetzt werden: Flugzeuge (Kampf-, Transport-, Seeaufklärungs- und unbemannte Hubschrauber), Hubschrauber (Kampf- und Mehrzweckhubschrauber), Flugzeugträger, amphibische Angriffsschiffe, Korvetten, Patrouillenboote, Fregatten, U-Boote, Panzer, Schützenpanzer, Artillerie und Raketen.
Die EU misst jedoch für die Energiewende die höchste Priorität den Seltenen Erden bei. »Der Energiesektor hat beispielsweise die Diskussion über die in Windkraftanlagen verwendeten Werkstoffe dominiert, und die Verteidigungsindustrie hat unter dieser Konzentration gelitten«, ergänzt Girardi.“

Die Rüstungsindustrie hat gelitten!
Es kommen einem die Tränen …

„»Rohstoffe sind das Fundament unserer Fertigungsindustrie. Ohne sie gäbe es keine Satelliten, Radarsysteme, Kommunikationsnetze, Computerchips, Panzer, Batterien, Artilleriemunition, Granaten, Kampfflugzeuge, Drohnen, Fregatten, U-Boote, MRT-Scanner oder Chips für künstliche Intelligenz«, bemerkt Joris Teer, Analyst am EU-Institut für Sicherheitsstudien (EUISS).

In einem modernen Kampfflugzeug sind strategische Materialien sowohl Rückgrat als auch Nerven. Leichtes Aluminium und Strukturgraphit reduzieren das Gewicht und verbessern die Manövrierfähigkeit. Titan und verstärkter Stahl stützen den Rumpf und die Antriebssysteme unter enormer Belastung. Bordelektronik und Sensorsysteme benötigen Kupfer, Germanium und Nickel, um Kommunikation und Steuerung zu gewährleisten. Hochleistungsmagnete benötigen Metalle wie Kobalt und Seltenerdelemente. Selbst Energie- und Speichersysteme nutzen Lithium und Mangan, um Waffen, Radargeräte und Datenverbindungen bei Langzeitmissionen zu betreiben.

Ein Kriegsschiff ist im Wesentlichen eine Kombination aus Metallen und strategischen Ressourcen. Die Hauptstruktur von Rumpf und Decks besteht aus Eisen und Stahl, verstärkt mit Leichtmetalllegierungen wie Aluminium. Diese Konstruktion reduziert das Gewicht, ohne die Festigkeit zu beeinträchtigen. Detektions- und Kommunikationssysteme nutzen Kupfer, Molybdän und Gold, um Leitfähigkeit und Betriebssicherheit zu optimieren. Graphit- und Lithium-Chrom-Batterien werden im Bugsonar eingesetzt und versorgen Hilfssysteme sowie Energiereserven. »Das Hauptproblem für die EU und die USA ist, dass die Produktion dieser Materialien in wenigen Ländern konzentriert ist, und oft handelt es sich dabei um Länder, die sie als Konkurrenten betrachten, allen voran China«, betont Teresa de Fortuny, Forscherin am Centre Delàs d’Estudis per la Pau.“

Hierbei ist zu beachten, daß sich diese Klage nicht nur auf Seltene Erden oder andere eher seltene Metalle bezieht, sondern auch auf Eisenerz, Graphit oder Bauxit. In Europa selbst gibt es davon eher wenig.
Die Zeiten, wo man mit einem Kanonenboot vorfahren und die Bewohner mit vorgehaltener Pistole darauf verpflichten konnte, ihre Schätze herauszurücken, sind heute definitiv vorbei. Zumindest für die europäischen Mächte.
(Die USA hat dergleichen ja gerade mit Venezuela vorgeführt.)

„Andere wichtige Länder wie Russland, Myanmar, die Demokratische Republik Kongo, Südafrika und Indonesien werden zwar als relevante Lieferanten genannt, liegen aber weit hinter dem asiatischen Riesen zurück.“

Abgesehen davon, daß Rußland und auch Myanmar als Handelspartner eher nicht ins Auge gefaßt werden dürften, sind auch die Demokratische Republik Kongo und Südafrika nicht die Partner, auf die man sich als EU-Staat gerne stützen würde: Der eine Staat hat keinen Zugang zum Meer, der andere ist Mitglied der BRICS.

„Europa und die USA werden nur in wenigen Einzelfällen als bedeutende Produzenten erwähnt, was ihre Abhängigkeit von Importen unterstreicht. Die Länder des alten Kontinents sind Hauptverbraucher kritischer Mineralien, erklärt Ester Sabatino, Verteidigungsforscherin am International Institute for Strategic Studies (IISS) Europe. »Sie verbrauchen derzeit rund 25% des weltweiten Bedarfs an diesen Mineralien, produzieren aber nur etwa 3%«, führt sie aus. »Diese Situation wird sich in naher Zukunft nicht wesentlich ändern, da es in Europa an Minen mangelt und deren Erschließung und Betrieb hohe Investitionen und lange Zeiträume von bestenfalls 10 bis 15 Jahren erfordern«, räumt sie ein.“

Es gebricht nicht nur an den Bergwerken, sondern an den Vorkommen. Die wenigsten dieser Mineralien finden sich in Europa.

„Europa hat mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA) seine strategische Autonomie gestärkt. Im Rahmen dieses Gesetzes wurden 47 Projekte ausgewählt, die 13 der 17 für den grünen und digitalen Wandel sowie für Anwendungen in Schlüsselsektoren wie Verteidigung und Luft- und Raumfahrt benötigten Mineralien abdecken. Ziel ist es, bis 2030 sicherzustellen, dass die Gewinnung, Verarbeitung und das Recycling strategischer Rohstoffe in Europa 10%, 40% bzw. 25% des EU-Bedarfs decken. Ergänzt wird dies durch internationale Partnerschaften und den ReSourceEU-Plan, der eine Diversifizierung der Lieferketten zur Gewährleistung der wirtschaftlichen Sicherheit zum Ziel hat.“

Bei der Erzeugung von Rohstoffen, die nicht da sind, kommt dem Recycling eine wichtige Rolle zu – deshalb werden inzwischen EU-weit Alu-Dosen gesammelt.

„Trotz wichtiger Initiativen wie dem neuen Europäischen Zentrum für kritische Rohstoffe – einer zentralen EU-Institution zur Sicherstellung der Versorgung mit strategischen Mineralien – dessen Inbetriebnahme für 2026 geplant ist, bleibt die Region weiterhin stark von Drittländern abhängig, was sich kurzfristig nicht beheben lässt. »Investitionen in Recycling, alternative Produktionsmethoden und neue Partnerschaften sind zwar grundlegend für die industrielle Resilienz, doch der Weg zur Ressourcensouveränität wird ein langsamer Prozess sein, der eine kontinuierliche Umsetzung erfordert«, ergänzt Sabatino.

Gonzalo García de Miguel, Präsident von Abenójar Tungsten, erklärt, dass die Inbetriebnahme der Wolfram-Mine in Abenójar, Provinz Ciudad Real, im Verzug ist: Sie hätte dieses Jahr in Betrieb gehen sollen, was jedoch aufgrund fehlender Finanzierung, dem größten Hindernis, nicht möglich war. »Wir benötigen 150 Millionen Euro für den Start. 55 Millionen Euro sind bereits zugesagt, die restliche Finanzierung steht kurz vor dem Abschluss. Wir wären seit 2 Jahren startbereit«, so der Projektleiter, dessen Projekt von Brüssel als strategisch wichtig für die Stärkung der Rohstoffversorgung in Europa eingestuft wurde.“

Es sieht ganz so aus, als ob sich hier Möglichkeiten auftun, mit Bergwerksprojekten wedelnd Geld aus Brüssel abzusaugen …

„Das für die Verteidigung benötigte, hochwertige und leistungsstarke Wolfram wird hauptsächlich in China produziert, das einst mit rund 85% den größten Anteil an der Weltproduktion hielt, gefolgt von Vietnam mit 4% und Russland mit 3,5%. Dieses Element wird aufgrund seiner Eigenschaften wie Härte, Festigkeit und Hitzebeständigkeit, die für die Herstellung von Triebwerkskomponenten und Sprengköpfen unerlässlich sind, in zahlreichen Verteidigungsanwendungen (!!! d.h., Waffen!) eingesetzt und ist unersetzlich. Es ist das Metall mit dem höchsten Schmelzpunkt im Periodensystem, etwa 3.460 Grad Celsius. Daher ist es unverzichtbar für die Herstellung von Panzerplatten, Strahltriebwerken – dem letzten Modul des Triebwerks, das für die Beschleunigung des Abgasstroms verantwortlich ist – für Flugzeuge und andere militärische Anwendungen.

Wahrgemachte Ankündigung (Chinas)

Das Abenójar-Projekt »El Moto« würde daher in der Region mit offenen Armen empfangen werden.“

In dieser Abwanderungs-Region wäre jedes Projekt, das Arbeitsplätze schafft, willkommen – das hängt nicht von den Eigenschaften des Produktes ab, sondern nur von der Machbarkeit des Projektes.

„»In der ersten Phase würden wir etwa 3.500 Tonnen pro Jahr produzieren«, erklärt García de Miguel. Diese Menge würde etwas mehr als 20% des Wolframbedarfs der EU decken.
Ziel ist es, in den kommenden Jahren fast 50% des europäischen Verbrauchs zu decken. Dies ist vor allem in der aktuellen geopolitischen Lage von entscheidender Bedeutung, da die potenziellen Sicherheitsrisiken, die mit der hohen Konzentration der Lieferketten für kritische Mineralien einhergehen und vor denen die Internationale Energieagentur (IEA) seit Langem gewarnt hat, nun Realität geworden sind. Jüngstes Beispiel hierfür war Chinas Ankündigung, die Aussetzung der Exporte von Seltenen Erden im Oktober 2025 zu verhängen, was erhebliche Risiken für die nationale und globale wirtschaftliche Sicherheit“

– lies: für die Geschäftsinteressen der EU, das ist die „globale wirtschaftliche Sicherheit“ –

„mit sich brachte und potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf verschiedene strategische Sektoren hatte, darunter Energie, Automobilindustrie, Verteidigung, Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz und Halbleiter.“

Auf einmal ist alles „strategisch“, als ob bereits Krieg herrschen würde.

„Dies kommt zu den Anfang letzten Jahres eingeführten Zöllen auf eine Reihe strategischer Mineralien wie Gallium, Germanium, Graphit und Wolfram hinzu. Diese Zölle wurden als selektive Vergeltungsmaßnahme gegen die von den USA verhängten Zölle erhoben. Damit wurde auch Europa getroffen, da die USA Europas wichtigster Waffenlieferant sind.
Laut dem SIPRI-Institut stiegen die US-Waffenimporte europäischer NATO-Staaten in den letzten fünf Jahren von 52 % auf 64 %. Die USA haben ihre Position als unangefochtener Marktführer gefestigt und sind für 43 % der weltweiten Waffenexporte verantwortlich.
Sie profitieren dabei vom Marktanteilsverlust Russlands, das sich auf seine eigene Front in der Ukraine konzentriert, einem Land, das zum weltweit größten Waffenimporteur mit einem Anteil von 8,8 % an den Gesamtexporte geworden ist. Europa kauft nicht nur mehr US-Waffen, sondern auch zu deutlich höheren Preisen, da die Preise für die beschränkten Mineralien gestiegen sind.“

Damit wird China die Schuld an den Preissteigerungen für Rüstungsgüter gegeben, diese sind jedoch aufgrund der größeren Nachfrage gestiegen, die sich aus dem Ukraine-Krieg ergibt, wodurch viele Waffen knapp wurden.

„Seltene Erden beispielsweise verzeichnen einen Nachfrageboom. Als China im vergangenen Jahr zahlreiche Exportkontrollen für Seltene Erden einführte, ging der globale Spieltisch kaputt.“

Steht im Original so da.
Der Welthandel und die Rüstungsindustrie – ein einziges große Spiel und die Chinesen als Spielverderber! Sowas!

„Bis dahin wurden die Preise praktisch von Peking kontrolliert, und es gab nur einen einzigen Referenzindex. Dieser ist jedoch zusammengebrochen.

Fragmentierung

»Seit dem letzten Jahr ist der Markt fragmentiert: Es gibt einen Index in Nordamerika, einen weiteren in Europa und einen in China, wobei die Preise im Westen deutlich höher sind«, betont Neha Mukherjee, Spezialistin für diese Märkte beim Beratungsunternehmen Benchmark Mineral Intelligence. »Aus China exportiertes Material wurde zu Preisen verkauft, die 3-, 5- oder sogar 10x höher waren als die Inlandspreise. Dies liegt nicht an der traditionellen Logik von Angebot und Nachfrage, sondern an der Knappheit und der strategischen Bedeutung.«“

Oh, liebe Frau Mukherjee, jeder freut sich, wenn er sein Zeug teurer verkaufen kann, das ist die „traditionelle Logik“ der Marktwirtschaft.

„»Die Kontrollen zielten primär auf Rüstungsorganisationen ab, “

– welche Kontrollen? – Wo kontrollierte wer was? –

„was die Preise in die Höhe trieb«, fügt die Expertin hinzu. Die USA und Europa verfügen über hohe Militärbudgets und beherbergen die wichtigsten Rüstungsunternehmen,“

– wichtig für wen? –

„kontrollieren aber nicht ihre eigenen Lieferketten. Hier wird das Problem strategisch kritisch: Im Falle eines geopolitischen Konflikts könnte die Lieferkette unterbrochen werden. »Es wird beispielsweise derzeit viel über Venezuela oder Grönland gesprochen. Warum will Trump Grönland? Nicht nur aus strategischen Gründen, sondern auch, weil Grönland über Bodenschätze verfügt, die die USA haben wollen«, betont Mukherjee.

Die Stärke des US-Militärs hängt zunehmend von Seltenen Erden ab, essenziellen Komponenten seiner modernsten Technologien. Eine F-35, die sich in Europa zum Standard für Kampfflugzeuge entwickelt hat und von Ländern wie Deutschland, Polen und Großbritannien eingesetzt wird, benötigt etwa 418 Kilogramm für ihre Leitsysteme, Sensoren und ihren Antrieb.
Bei einem Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse – dem Rückgrat der NATO-Raketenabwehr im Atlantik und Mittelmeer – steigt diese Menge auf 2.600 Kilogramm, und bei einem U-Boot der Virginia-Klasse, den atomgetriebenen Angriffs-U-Booten, die die modernsten und am besten getarnten Einheiten der US-Marine darstellen, erreicht sie 4.600 Kilogramm pro Einheit. Mehr als 70% der US-Importe dieser Materialien stammen aus China, was eine klare strategische Verwundbarkeit verdeutlicht.

Die Elektrifizierung des Schlachtfelds schreitet im gleichen Tempo wie in der zivilen Wirtschaft voran, jedoch mit weitaus extremeren Anforderungen. Moderne Streitkräfte sind auf tragbare Systeme für die Infanterie angewiesen – von Funkgeräten und Ausrüstung für die elektronische Kampfführung bis hin zu Sensoren und elektronischen Geräten, die per Signal die Detonation von Sprengstoffen auslösen können.
All diese Systeme werden mit Lithiumbatterien betrieben, die für niedrige Temperaturen, hohe Entladeströme und raue Umgebungsbedingungen ausgelegt sind. Das US-Verteidigungsministerium (DoD) steht vor einer erheblichen logistischen und technologischen Herausforderung bei der Verwaltung von über 5.500 verschiedenen Batterietypen.
Der aktuelle Trend geht weg von traditionellen Batterietechnologien wie Blei und Säure hin zu Lithium-Ionen-Batterien – in Anwendungen, die von tragbarer Ausrüstung für Soldaten bis hin zu Weltraumsystemen und Unterwasserdrohnen reichen.
Dies erklärte Eric Shields, führender Experte für Batteriepolitik und -versorgung des US-Militärs, auf einer Konferenz im vergangenen Juni.

Während militärische Ausrüstung mit mehr Batterien ausgestattet wurde, sind Verteidigungssysteme wie Drohnen immer ausgefeilter geworden. Europa fehlt jedoch weiterhin eine adäquate Antwort auf die russischen Technologien, die während des Ukraine-Krieges perfektioniert wurden, argumentiert Oleksij Hontscharuk, ehemaliger ukrainischer Ministerpräsident von 2019 bis 2020, in einem Artikel des Eurasia Center des Atlantic Council.
Ein Beispiel dafür ereignete sich im September 2025, als 19 russische Drohnen in den NATO-Luftraum eindrangen. Dies zwang F-35-Kampfjets zum Abschuss. »Die Reaktion war absurd kostspielig. Wenn unidentifizierte Drohnen den Luftverkehr in Europa stören, weiß niemand genau, wie man reagieren soll«, fügt er hinzu. Nichtsdestotrotz sind alle im Ukraine-Krieg eingesetzten Drohnen in gewissem Umfang von China abhängig. »Von handtellergroßen Quadcoptern zur Artillerielenkung bis hin zu Langstreckenmunition enthalten fast alle unbemannten Systeme beider Seiten Materialien und Komponenten aus Fabriken und Raffinerien des asiatischen Riesen«, erklärt das Center for Strategic and International Studies (CSIS).

Kohlenstofffasern, Seltenerdmagnete, Lithium-Ionen-Zellen und Galliumnitrid-Chips sind essenzielle Bestandteile der chinesischen Lieferkette, die die Grundlage für die Architektur moderner Drohnenkriegsführung bildet. »Der Einsatz eines dieser Geräte verdeutlicht eine einfache Wahrheit der modernen Kriegsführung: Industrielle Widerstandsfähigkeit ist eine Kampfkraft«, so die Experten des CSIS. Für César Ramos, CEO des spanischen Verbandes der Verteidigungs-, Luft- und Raumfahrttechnologieunternehmen (TEDAE), gibt es in dieser Zeit hoher geopolitischer Spannungen noch einen weiteren wichtigen Aspekt zu beachten: »Wir müssen in der Lage sein, globale Lieferketten zu schützen. Um Zugang zu kritischen Materialien zu erhalten, benötigen wir sichere Lieferketten in zweierlei Hinsicht: Schutz und Sicherheit.«“

Da ist aber guter Rat teuer, weil so eindeutig gehören niemandem mehr die Weltmeere. Und die Lagerstätten für Mineralien schon gar nicht.

„Der Branchenvertreter erklärt, es reiche nicht aus, logistische Störungen – wie etwa eine Blockade des Suezkanals – zu verhindern. Vielmehr müsse man sich auch vor Angriffen und Sicherheitslücken schützen, die den Zugang zu Rohstoffen gefährden. »Die Nachfrage ist gestiegen und die Liefergeschwindigkeiten haben sich beschleunigt. Daher ist es unerlässlich, über ausreichend Rohstoffe zu verfügen, um die Lagerbestände aufzufüllen.« Er betont, dass kritische Rohstoffe nicht nur für Regierungen, sondern auch für Unternehmen und Bürger von grundlegender Bedeutung seien. »Wer die Kontrolle über kritische Rohstoffe hat, kontrolliert in gewisser Weise auch die Sicherheit.«“

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Kolonialismus und Plünderung
(eigentlich das Gleiche)

Die Sicherung kritischer Rohstoffe war die Achillesferse des Westens. Gracelin Baskaran, Direktorin des Programms für die Sicherheit kritischer Rohstoffe am CSIS, weist darauf hin, dass die militärische und industrielle Macht der Großmächte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr auf heimischer Produktion beruhte, sondern auf einem globalen Netzwerk der Abhängigkeit und des Kolonialismus.
Großbritannien, Frankreich und Deutschland erkannten, dass eine Wiederbewaffnung ohne Ressourcen aus Übersee unmöglich war. Während sich London Mangan aus Indien und Chrom aus Rhodesien beschaffte, kompensierte Berlin seine geologische Knappheit durch den aggressiven Ankauf ausländischer Minen und die öffentlichen Schuld rohstoffreicher Länder.
Dieser erbitterte Wettbewerb erstreckte sich sogar auf damals exotische Sektoren wie die Seltenen Erden, wo die österreichisch-deutsche Kontrolle über Monazit in Brasilien und Indien die USA für ein halbes Jahrhundert vom Markt verdrängte.

Am Vorabend des I. Weltkriegs verschärfte diesen Druck dramatisch, wie ein Experte in einem Bericht erläutert. Der Ausbruch des Konflikts 1914 legte die Fragilität der Lieferketten offen, insbesondere der USA.
Trotz ihres immensen Reichtums an Kohle und Eisen musste das Land feststellen, dass es an strategischen Reserven und einer effektiven Koordination für die Kriegsmobilisierung mangelte.
Mit Ausbruch des II. Weltkriegs setzten die USA eine aggressive Bergbaudiplomatie ein, um ihre Versorgung zu sichern. In Lateinamerika inspizierten sie 440 Lagerstätten und entdeckten neue Vorkommen an Wolfram, Tantalit und anderen Elementen in Mexiko, Brasilien und Peru.
Gleichzeitig finanzierten die USA in Afrika im Belgischen Kongo den industriellen Abbau von Kupfer und Kobalt und errichteten 1943 ein modernes Nickelwerk in Kuba.
Das Ende des Krieges brachte den Zusammenbruch der europäischen Kolonialreiche; die jungen Nationen Afrikas und Asiens nutzten ihren Mineralienreichtum als Wirtschaftsmotor, während der Kalte Krieg diese Lagerstätten in wichtige Schauplätze geopolitischer Auseinandersetzungen verwandelte.
Mineralien fungieren auch heute als Instrumente der Diplomatie und des Zwangs und gehen damit über ihre Rolle als bloße Handelswaren hinaus.“

Der Autor dieses Artikels in El País muß bedrückt feststellen, daß die EU heute nicht mehr diese Mittel hat, die den Kolonialmächten in den letzten beiden Weltkriegen zur Verfügung standen.

Pressespiegel El País, 18.1.: Der Iran entkam den Bombardements im Januar, aber nicht im Februar

„TRUMP STEHT VOR DEM DILEMMA EINES ANGRIFFS AUF DEN IRAN MIT UNVORHERSEHBAREN FOLGEN

Ein Sturz des Regimes würde einen langwierigen Militäreinsatz erfordern, den der US-Präsident ablehnt, und könnte ein von seinen Verbündeten befürchtetes regionale Chaos auslösen

Das schwere Maschinengewehr DSchK (Degtjarjow Schpagin) ist eine sowjetische Waffe mit einer Feuerrate von 600 Schuss pro Minute. Es wurde zur Flugzeugbekämpfung entwickelt und gehört zu den Waffen, die iranische Sicherheitskräfte gegen Demonstranten einsetzen, die auf den Straßen gegen das Regime protestieren.
Dies bestätigte die in Oslo ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) anhand von Zeugenaussagen, die dieser Zeitung vorliegen. Laut einer ersten Zählung der IHR hat diese Repression mit Kriegswaffen mindestens 3.428 Demonstranten das Leben gekostet und Angst und Schrecken verbreitet.

Seit Mittwoch wurden laut dem Institute for the Study of War keine Proteste mehr im Iran gemeldet. Die von Donald Trump am Dienstag angekündigte Hilfe für die Demonstranten, die »bereits unterwegs« sei, ist bisher nicht eingetroffen.
Laut dem Institut haben die iranischen Behörden eine Ausgangssperre ab 20:00 Uhr verhängt und blockieren weiterhin das Internet. Der Militärschlag, der Mitte der Woche als unmittelbar bevorstehend galt, ist weiterhin ungewiss.

»Die Zeit drängt für Washington [bei seinen Zielen im Iran]«, twitterte Danny Citrinowicz, ehemaliger Chef des israelischen Militärgeheimdienstes. Der Analyst warnt, dass es im Iran möglicherweise »keine nennenswerte Opposition mehr zu retten gibt«, falls der US-Präsident doch noch über die Durchführung der nun verschobenen Bombenangriffe entscheiden sollte.“

Mit einem Wort, der Regime Change ist abgesagt.

„Der Präsident dankte der Islamischen Republik am Freitag sogar auf seinem Social-Media-Account »Truth« für deren angebliche Entscheidung, 800 festgenommene Demonstranten nicht zu hängen.
Er deutete damit implizit an, dies sei der Grund für seinen Sinneswandel gegenüber dem Regime, mit dem er zwei Wochen lang gedroht hatte. Als am Mittwoch bekannt wurde, dass Washington einen Teil seines Personals vom Militärstützpunkt Al-Udeid in Katar evakuiert und seine Mitarbeiter in Saudi-Arabien zur Vorsicht gemahnt hatte, ging man davon aus, dass der Angriff innerhalb weniger Stunden erfolgen würde.

Noch am selben Nachmittag ruderte Trump zurück. Er erklärte, die Tötungen im Iran seien beendet und es werde keine Hinrichtungen von Demonstranten geben – eine Aussage, die auch der iranische Außenminister Abbas Araghchi in einem Interview mit Trumps bevorzugtem Fernsehsender Fox News bestätigte.

Am Donnerstag öffnete Teheran seinen Luftraum wieder. Am Samstag bezeichnete der iranische Oberste Führer, Ayatollah Ali Chamenei, Trump als »Kriminellen« und beschuldigte ihn, die Proteste angezettelt zu haben.“

Das ist eigentlich kein besonderes Geheimnis … Deshalb wurde auch das Internet gesperrt. Unzufriedenheit gibt es genug im Iran, die ist nicht schwierig zu mobilisieren.

„»Diejenigen, die mit Israel und den USA in Verbindung stehen, haben massiven Schaden angerichtet und Tausende von Menschen getötet«, sagte er und räumte damit die hohe Zahl der Todesopfer bei den Zusammenstößen ein.

Mehrere Experten glauben jedoch, dass die Entscheidung, vorerst nicht anzugreifen, wahrscheinlich auf ein von Citrinowicz als »strategisches Dilemma« bezeichnetes Problem Washingtons zurückzuführen ist. Dieses Dilemma besteht in der Wahl zwischen einem gezielten Schlag, der den Protestierenden kaum helfen oder das iranische Regime stürzen wird, und dem Verstricken in einen langwierigen Krieg.

Letzteres Szenario bietet zwar eine größere Chance, den Sturz der Islamischen Republik herbeizuführen, birgt aber die Gefahr, die USA in einen jener »endlosen Kriege« zu verwickeln, deren Beendigung der Präsident versprochen hatte. Ein längerfristiges Engagement Washingtons in einem Konflikt im Nahen Osten – angesichts der verheerenden Präzedenzfälle im Irak und in Afghanistan – würde das Versprechen, Amerika an erste Stelle zu setzen, das Trump bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr gab, bedeutungslos machen.

In diesen 12 Monaten hat Washington den Irak, Somalia, Nigeria, Syrien, Jemen und im Juni den Iran bombardiert, den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen genommen und nach New York überstellt sowie mit der Annexion Grönlands durch Dänemark gedroht.
Zu viele Auslandsfronten, gerade in einem Jahr, in dem die entscheidenden Zwischenwahlen stattfinden, stehen die Umfragewerte für die Republikaner nicht günstig.“

Warum eigentlich?
Wenn Donald seinen MAGA-Fans glaubhaft machen kann, daß diese Interventionen alle erfolgreich waren, so kann das die Leute schon beeindrucken …
Er hat ja nicht versprochen, keine Außenpolitik zu machen oder das Militär abzuschaffen.
In den europäischen Medien werden bei Trump immer mögliche Mißerfolge besprochen, in der Hoffnung, in Washington würde sich irgendetwas grundlegend ändern …

„Laut Regierungsquellen, die von NBC zitiert wurden, hatte Trump das Heimatschutzministerium angewiesen, einen »schnellen und entscheidenden« Angriff auf den Iran durchzuführen, der keinen langwierigen Krieg oder Chaos im Nahen Osten auslösen würde.
Dies war die Befürchtung seiner arabischen Verbündeten, die diese Woche intensive diplomatische Bemühungen unternahmen, um Washington in einer für Trump verständlichen Sprache umzustimmen. Sie warnten ihn, dass ein Angriff auf das Land, das über die drittgrößten Ölreserven der Welt verfügt und die Straße von Hormus kontrolliert, die Rohölpreise destabilisieren würde.

Auch andere US-Verbündete wie die Türkei und Pakistan lehnen die Bombardierungen ab, wie Luciano Zaccara, leitender Forscher bei New Ground Research, aus Katar berichtet.
Ankara will einen potenziell massiven Zustrom iranischer Flüchtlinge im Falle eines langwierigen Krieges vermeiden, während Islamabad eine Zunahme des Aufstands der Belutschen an seiner Grenze zum Iran befürchtet.

Sogar der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der regionale Erzfeind Irans, bat den Präsidenten laut »New York Times«, den Angriff zu verschieben.
Er befürchtete, ein solcher Militäreinsatz wäre angesichts der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste wirkungslos.
Teheran hatte gedroht, dass jeder Bombenangriff Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region und auf israelisches Territorium auslösen würde.“

Und Trump hatte offenbar seinem Freund Bibi glaubwürdig kommuniziert, daß die USA dann keinen Krieg gegen den Iran führen würden.
Die Angriffe des Iran im Juni haben nämlich gezeigt, daß Israels Luftabwehr durchlässig ist.

„»Niemand hat mich überzeugt, ich habe mich selbst überzeugt«, sagte Trump am Freitag Reportern, die ihn zu diesem potenziellen Druck befragten. »[Der Iran] hat die [800] Hinrichtungen abgesagt. Das hatte große Auswirkungen«, erklärte er.

Venezuela

Der Iran »stelle eine fundamentale Herausforderung« für das von Trump bevorzugte Modell »kurzer, entscheidender Kriege dar, die einen sichtbaren und leicht kommunizierbaren Sieg hervorbringen«, erklärt ein Analyst mit guten Kontakten zum iranischen Regime, der anonym aus Teheran spricht. In diesem Land »gab es keinen glaubwürdigen Weg, dieses strategische Ziel zu erreichen«, schlussfolgert er.

Statt des vollständigen Zusammenbruchs des Regimes (wie von Israel angestrebt) könnte Trump laut Andreas Krieg, Professor am King’s College London, in einem BBC-Interview am Donnerstag einen geschwächten Iran anstreben, der zu Verhandlungen mit den USA gezwungen wird.
Dies würde eine Lockerung der Sanktionen (gegen das iranische Atomprogramm), den Markteintritt US-amerikanischer Unternehmen und den Abschluss eines umfassenden Abkommens mit Washington ermöglichen, betonte der Analyst.

Dies ähnelt Trumps Plan für Venezuela, ein Land, dessen Machtstruktur wenig mit der Irans gemein hat. Der Ausdruck »Regime der Ayatollahs« beschreibt nämlich die Situation nur teilweise.“

Eigentlich gar nicht. Mit dem Wort „Regime“ ist ja die eigene Ignoranz ausgedrückt.
Hier wird allerdings zugegeben, daß, „Regime“ hin oder her, Venezuela und der Iran sehr unterschiedliche Regierungsformen haben.

„Die Macht im Iran konzentriert sich nicht allein auf Chamenei, der immerhin bereits 86 Jahre alt ist, sondern beruht auf einem komplexen Bündnis zwischen dem Klerus und den Revolutionsgarden, der Institution, die den Sicherheitsapparat kontrolliert – der Parallelarmee, deren Aufgabe die Verteidigung des Regimes ist.

Die Struktur dieser Körperschaft ist horizontal und ihre organische und geografische Verteilung tentakelartig, daher wäre ein Szenario wie das von Venezuela, bei dem der Führer »aus der Gleichung eliminiert« würde, nicht gleichbedeutend mit dem »Zusammenbruch des Systems«, argumentiert Krieg.

Im Iran gibt es auch keine Delcy Rodríguez, mit der man verhandeln könnte, betont Zaccara. Wenn das Weiße Haus nicht einmal einer Oppositionellen mit breiter Unterstützung in der Bevölkerung, einer Partei und einer einflussreichen Hierarchie wie María Corina Machado vertraut, dann erst recht nicht der einzigen sichtbaren Figur der iranischen Opposition, Prinz Reza Pahlavi.“

Ist der überhaupt Teil einer wie immer gearteten iranischen Opposition oder haben die Exilkreise oder eine USA-Behörde diese Figur in Ermangelung anderer Kandidaten aus dem Ärmel gezogen? Um den Medien der Welt irgendwen präsentieren zu können?

„Trump hat sich sogar geweigert, den Thronfolger des Schahs zu treffen. Pahlavi hat weder eine Partei noch eine nennenswerte Präsenz im Iran, wo die interne Opposition getötet oder inhaftiert wurde. »Mit wem wollen sie denn verhandeln? Mit den Revolutionsgarden?«, spottet Zaccara.
Die Revolutionsgarden sind die Hardliner des Regimes und haben ein großes Interesse an dessen Überleben, da sie 30 bis 40 Prozent der iranischen Wirtschaft kontrollieren.
Um den Demonstranten zu helfen, hätten die USA versuchen können, Irans Repressionskapazitäten durch Bombardierungen von Kasernen und die Tötung seiner Kommandeure zu schwächen, doch die Dezentralisierung und Autonomie des iranischen Sicherheitsapparats erschweren diese Aufgabe.

Der Iran verfügt über zwei Armeen: die reguläre Armee und die weitaus mächtigeren Revolutionsgarden, die zusammen etwa 900.000 Mann stark sind. Allein die Basidsch-Miliz, die den Revolutionsgarden untersteht, zählt laut Zaccara eine Million Mitglieder, von denen einige militärisch ausgebildet sind. Sie ist über das ganze Land verteilt und verfügt über Tausende von Zweigstellen.

Selbst in dem hypothetischen Szenario, dass militärische Angriffe die Führung der Revolutionsgarden und der Basidsch vollständig zerschlagen würden, könnten diese dem Regime treuen militärischen und paramilitärischen Kräfte im Falle eines Sturzes des Regimes einen Bürgerkrieg anheizen und diesen möglicherweise auf Länder wie den Irak ausweiten, ein Land mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit, in dem die Islamische Republik seit Jahrzehnten verbündete Milizen finanziert und ausbildet.
Der Zusammenbruch des zunehmend geschwächten politischen Systems des Iran würde dem kurdischen Separatismus und dem anderer Minderheiten, die ebenfalls in anderen Staaten der Region präsent sind, wahrscheinlich Auftrieb geben.

In diesem komplexen Kontext und angesichts der inzwischen menschenleeren Straßen betont Rass Zimmt vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Israel, dass die Untergrabung des Überlebens des iranischen Regimes »eine sehr umfassende und integrierte US-Aktion erfordern würde«, darunter »die Ermordung hochrangiger Beamter, Angriffe auf Dutzende Hauptquartiere der Sicherheitskräfte, Cyberoperationen und die Zerstörung von Raketensystemen« (die von den Revolutionsgarden kontrolliert werden) sowie weitere Operationen. Mit anderen Worten: ein langer und komplexer Krieg, den weder Trump noch seine Wähler wollen.

Trump hat einen Dialog vorerst ausgeschlossen. Diese Woche habe er ihn »kurz erwogen und dann verworfen, während die Proteste noch andauerten«, fügt Naysan Rafati, Iran-Expertin der International Crisis Group, hinzu.
Sie geht davon aus, dass Washington von Teheran »deutlich bedeutendere Zugeständnisse fordern wird, als es in der Vergangenheit bereit war zu machen«, um eine Einigung zu erzielen.

Alle Optionen lägen weiterhin »auf dem Tisch«, erklärte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt am Freitag. Einen Tag zuvor hatte die New York Times enthüllt, dass der Flugzeugträger USS Lincoln vom Südchinesischen Meer in die Gewässer nahe des Persischen Golfs unterwegs ist. Die Ankunft wird Ende nächster Woche erwartet.

Im Iran argumentieren zivilgesellschaftliche Aktivisten und iranische politische Gefangene – wie die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi –, dass die Rettung nicht von Trump kommen werde und dass die Bombenanschläge sogar »ein noch härteres Vorgehen« provozieren könnten, wie die Anthropologin Narges Bajoghli in einem Meinungsbeitrag für das Time Magazine warnte. Diese Iraner setzen sich für einen friedlichen Übergang ohne ausländische Einmischung ein.

Dies ist der Geist der Bewegung »Frauen, Leben, Freiheit«, des friedlichen Aufstands, der durch den Tod der jungen Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam im Jahr 2022 ausgelöst wurde.
Frauen seien das Beispiel dafür, schreibt Bajoghli, wie iranische Frauen »nach Jahren des Aktivismus, geduldiger Organisation und beharrlichen zivilen Ungehorsams« durch schiere Tapferkeit »das errungen haben, was viele als das größte Zugeständnis der Islamischen Republik seit 1979 betrachten: die faktische Aufhebung des Kopftuchzwangs«.“

Andere Probleme des Iran, wie die anhaltende Dürre und den Wassermangel, könnten die USA auch nicht lösen …