Pressespiegel El País, 31.1.: Staatsschuld weltweit

„DIE STAATSVERSCHULDUNG: EINE TICKENDE ZEITBOMBE?

Die Länder haben ihre Schulden bei den Finanzmärkten massiv erhöht und gefährden damit ihre eigene Finanzpolitik in einer zunehmend instabilen Welt

Wir wissen, dass die Welt bedrohlicher geworden ist. Die Verantwortlichen für die globalen Finanzen verwenden keine beruhigenden Phrasen mehr wie Mario Draghis »Alles, was nötig ist«, um den Euro 2012 zu retten.
Im Gegenteil. Letzte Woche sprach die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Davos darüber, dass das prognostizierte Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3% im Jahr 2026 zwar »eine schöne, aber unzureichende Geschichte« sei. »Ich appelliere an Sie alle: Werden Sie nicht selbstzufrieden. Das Wachstum ist nicht stark genug. Und deshalb wird die Schuldenlast, die sich 100% des BIP nähert, eine sehr schwere Bürde sein«, warnte Kristalina Georgieva.

So schwer, dass die Staatsverschuldung zu einem strukturellen Merkmal der Wirtschaft geworden ist. Weltweit beläuft sich die Verschuldung auf 93 Billionen US-Dollar und wird voraussichtlich bald fast 100 Billionen US-Dollar erreichen.
Besorgniserregend ist neben der schieren Zahl selbst, dass die Verschuldung von privaten Haushalten und Unternehmen zwar seit 2015 stetig sinkt (sie liegt aktuell bei rund 151 Billionen US-Dollar),“

– das ist ja auch nicht gerade wenig, und viel mehr als die öffentliche Schuld –,

„der Finanzbedarf der Regierungen aber weiterhin stetig steigt. Laut OECD liegt die Schuldenquote in den Industrieländern bei über 110% des BIP. Vor der Covid-Pandemie wurde dieses Niveau, wie der Economist ironisch anmerkt, nur während der Napoleonischen Kriege erreicht.“

Das ist allerdings nicht verwunderlich, weil ja seit der Schuldenkrise 2008 ff. die Staaten ihre Wirtschaft und Währung stützen müssen, um einen Crash zu verhindern.
Die Pandemie tat da nicht viel hinzu. Es gibt ja sogar die Theorie, daß sie vielen in der Staatsverwaltung und Wirtschaft gerade recht kam, um diese Dauer-Subventionierung mit einem guten Grund versehen zu können …

„Luiz de Mello, Direktor der Länderstudienabteilung der OECD, blickt mit Sorge zurück. »Vergleicht man die Entwicklung der OECD-Länder, so lag unsere durchschnittliche Staatsverschuldung vor der globalen Krise von 2008 ff. bei 70% des BIP, Ende letzten Jahres bei über 110%. Ein Anstieg in der Höhe von 40% des BIP in weniger als 20 Jahren ist beträchtlich.«
Regierungen weltweit scheinen nicht in der Lage zu sein, ihre Haushalte auszugleichen.“

Wann wäre denn ein Haushalt „ausgeglichen“? – wenn gar keine Schulden mehr gemacht würden? Wenn weniger Schulden als das BIP gemacht würden? – das setzt aber höhere Wirtschaftsleistung voraus, als seit Jahren erreicht wird.
Die 3,3% von Frau Georgieva beziehen sich nämlich auf die ganze Welt, in in Europa liegt das Wirtschaftswachstum jedenfalls niedriger.
Abgesehen davon, daß in der EU solche Zahlen regelmäßig geschönt werden, weil die harte Wahrheit gleich negative Folgen auf Börsen und Kreditwürdigkeit hätte.

„Das US-Defizit (d.h., die Neuverschuldung) erreichte im vergangenen Jahr 6,2%, und die Regierung prognostiziert für dieses Jahr 5,5%, da Donald Trump möglicherweise eine seiner vielgewünschten Steuersenkungen ankündigen wird. Der IWF hat mehrfach vor dem rasanten Anstieg der US-Verschuldung gewarnt – sie überstieg im vergangenen Jahr 36 Billionen US-Dollar und erreichte Werte von rund 123% des BIP.“

Dazu kann man nur sagen: Wer kann, der kann!
Diese Verschuldung können sich die USA leisten, Griechenland nicht.

„In Europa verabschiedete das deutsche Parlament Ende November einen Haushalt, der die zweithöchste Verschuldung in der Geschichte des Landes vorsieht. Von den Ausgaben in Höhe von rund 525 Milliarden Euro werden fast 100 Milliarden Euro über Kredite finanziert.“

Die Neuverschuldung wird hier gar nicht erwähnt, Maastricht-Kriterien und Haushalts-Solidität hin oder her – weil Deutschland noch Kredit hat, im Unterschied zu seinem Juniorpartner:

„Frankreich befindet sich in einer schwierigen Lage. Das Land steckt in einer massiven politischen Krise, und erste Schätzungen gehen davon aus, dass das Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr 5,4% des BIP erreichte, nachdem es bis 2024 auf 5,8% angestiegen war.
Der Haushalt wurde zwar per Dekret verabschiedet, mit dem Versprechen, dass das Defizit in diesem Jahr 5% nicht überschreiten wird, doch bestehen weiterhin Zweifel. Auch die von den Märkten erwarteten Reformen stocken: Ende letzten Jahres wurde die von der Regierung Élisabeth Borne vor 3 Jahren beschlossene Rentenreform zur Anhebung des Renteneintrittsalters von 62 auf 64 Jahre ausgesetzt.

Die Franzosen wissen, dass dies das Subventionssystem untragbar machen könnte.“

Was soll man sich darunter vorstellen – „untragbar“?! Staatsbankrott? Von heute auf morgen keine Renten?
Man sollte bei solchen Vokabeln immer nachfragen, was damit eigentlich gemeint ist – weil es klingt so zwingend: Die Welt geht unter, wenn man das Pensionsalter nicht hinaufsetzt.
Der Staat muß Geld zuschießen, das ist richtig – das System trägt sich nicht mehr selber als Balance zwischen Ein- und Auszahlungen. Das Problem ist allerdings nicht neu und nicht auf Frankreich begrenzt. Und diese Zuschüsse sind nicht der einzige Posten im Budget.

„Doch nach den Protesten von 2023 befürchten manche Politiker wahrscheinlich, ein weiterer Versuch könnte sie aus dem Parlament und von der Macht wegfegen.“

Man merkt, Widerstand, wenn er ernsthaft und groß genug ist, kann die politischen Entscheidungen beeinflussen.

„Auch im Vereinigten Königreich schrillen die Alarmglocken. 2024 verzeichnete das Land mit einem Defizit von 5,75 % eines der höchsten negativen Haushaltsbilanzen des Kontinents, und die Staatsverschuldung stieg 2025 weiter an.
Die Inflation hat in den letzten Wochen wieder angezogen, was laut einer Analyse von Muzinich & Co. die Befürchtung nährt, die Zentralbank habe den Sieg über die Preise zu früh verkündet.“

Während D und Fr unterschiedlich gut mit der immerhin potenteren Währung Euro fahren, hat das UK das Problem, daß es zwar über seine Währung und sein Haushaltsdefizit frei verfügen kann, aber aufgrund von der geringerer Bedeutung des Pfunds in der Welt auf seine Schulden höhere Zinsen zahlen muß als alle Euro-Länder, sogar das BIP-mäßig weitaus leichtgewichtigere Griechenland.

„Eine Art Herzinfarkt

Ray Dalio, Investor und einflussreiche Stimme im amerikanischen Finanzsektor, vergleicht in seinem neuen Buch »How Countries Go Broke: The Big Cycle« (Simon & Schuster, 2025) die Verschuldung mit dem Kreislaufsystem des menschlichen Körpers.“

Der erste, der die Wirtschaft mit einem Kreislaufsystem verglich, war der Leibarzt von Ludwig XV., François Quesnay in seinem „Tableau Économique“ 1758. Dalio hat also hier nicht eine ganz neue Sichtweise erfunden.

„Er glaubt, dass die USA und andere Industrieländer auf etwas zusteuern, das einem »wirtschaftlichen Herzinfarkt« gleichkommt. Wenn Schulden produktiv eingesetzt werden, generieren sie genügend Einkommen und Wachstum, um Kapital und Zinsen zurückzuzahlen.“

Es fragt sich nur, was „produktiv einsetzen“ hier heißt? Wenn man einen Betrieb durch Kreditstützungen am Leben erhält und vor dem Bankrott bewahrt (sog. Zombie-Betriebe), so wird dabei ja auch etwas für die Produktion getan, satte Gewinne, also „Einkommen und Wachstum“, kommen dabei allerdings nicht heraus.

„Bleibt dieses Einkommen jedoch aus, staut sich der Schuldendienst (die Zinszahlungen) wie Cholesterin in den Arterien des Finanzsystems an, behindert schließlich die Konsumausgaben und löst im schlimmsten Fall eine Krise aus.“

Die Krise ist ja schon da, wird aber medial weggeredet und durch Schuldenmachen gemildert.

„Länder stehen dann vor schmerzhaften oder gar schädlichen Entscheidungen für ihre Bevölkerung: Sie können beispielsweise die Zinsen erhöhen lassen – was die Wirtschaft dämpft –, die Währung abwerten,“

– hier muß wieder einmal daran erinnert werden, daß Währungen vom Finanzkapital beurteilt werden und Währungsabwertungen praktisch nie souveräne Entscheidungen von Regierungen und Zentralbanken sind, wie hier lehrbuchmäßig dargestellt wird.
Diese Behauptung, „Länder“ könnten ihre „Währung abwerten“, wird als fertiger Textbaustein immer wieder von irgendwelchen Experten vorgetragen, obwohl es erstens nicht gemacht wird, zweitens in den meisten Fällen (Ausnahme USA) das Eingeständnis einer Niederlage am Weltmarkt wäre und drittens auch in der Eurozone, im Grunde auch in der ganzen EU gar nicht möglich wäre.
Der Unsinn geht noch besser weiter:

„um bestehende Schulden zurückzukaufen“

– von welchem Geld, fragt man sich? Es werden ja immer neue Schulden gemacht, wenn die alten getilgt werden –

 – was Inflation verursacht“

– auch falsche Vorstellungen über die Ursachen von Inflation werden hier so ganz nebenbei verbreitet –

„– oder drastische Ausgabenkürzungen vornehmen, um den Haushalt auszugleichen – was die öffentlichen Dienstleistungen beeinträchtigt und oft zu mehr Armut und Ungleichheit führt.“

Die Krokodilstränen zur Armut und Ungleichheit sind nur die heuchlerische Verbrämung des Umstandes, daß dann auch der Konsum zurückgeht und die Wirtschaft schrumpft.

„Wenn Dalio Recht hat,“

– wobei eigentlich? –

„könnte man die Ereignisse der letzten Tage in Japan eher mit einer Angina pectoris vergleichen:“

Diese Vergleicherei bringt wenig, wenn die Sache an sich nicht begriffen ist.
Der Herzinfarkt selbst wäre dann was?

„Letzte Woche erlebten 30-jährige Staatsanleihen den größten Tagesverlust ihrer Geschichte, während die Zinsen auf 3,85 % schossen.“

Immer noch wenig gegenüber dem UK … Aber Japan subventioniert seine Wirtschaft seit jeher über die Banken und hält deshalb die Leitzinsen niedrig, so gut es eben geht.

„Der Yen stürzte gegenüber dem Dollar ab, erholte sich aber wieder, befeuert von Gerüchten über ein koordiniertes Vorgehen der US-Notenbank und der Bank von Japan.“

Diese Gerüchte werden schon stimmen, weil wenn diese beiden Nationalbanken nichts gemacht hätten, so bringt das In-Umlauf-Setzen von Gerüchten auch nichts.

„Was war geschehen?
Die Regierung von Sanae Takaichi hatte im Herbst ein umfangreiches Steuersenkungspaket angekündigt, um als Reaktion auf die Zölle Investitionen anzukurbeln. Ihr Vorschlag sah unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel vor, um die Haushalte zu entlasten. Doch die sogenannten »Anleihenmarktwächter« waren bereit, Druck auf die Regierung auszuüben.“

Ähnliches ist Liz Truss, der kurzfristigen Regierungschefin des UK, im Oktober 2022 widerfahren. Sie verkündete Steuersenkungen. Die fehlenden Einnahmen sollten durch erhöhte Staatsverschuldung ausgeglichen werden:
„Nach der Ankündigung verlor einerseits das Pfund Sterling deutlich an Wert, andererseits fielen die Kurse auf britische Staatsanleihen, was zu einem Renditeanstieg führte und das Pensionsfondsystem des Landes beinahe zum Kollaps brachte. Die Bank of England konnte dies nur durch ein Notfallprogramm in Form von Anleihekäufen über insgesamt 65 Milliarden Pfund abwenden und den Anleihemarkt so beruhigen.“ (Wikipedia, Liz Truss)

Hat das die Frau Takaichi nicht mitgekriegt oder dachte sie, in Japan ist alles anders?
Dergleiche Abstürze von Währung und Anleihen kommen die entsprechenden Staaten recht teuer, weil die Stützungskäufe wollen ja auch von irgendwoher bezahlt werden, logischerweise aus weiterer Verschuldung.

„Und alles geriet ins Wanken. Mit 7 Billionen Euro im Umlauf ist die Verschuldung der Insel historisch hoch (rund 250% des BIP). Bislang stellte dies kein großes Problem dar, solange die Erwartungen der Gläubiger hinsichtlich der Rückzahlung erfüllt wurden. Ein größeres Defizit aufgrund erhöhter öffentlicher Ausgaben führte jedoch zu größerer Unsicherheit über den langfristigen fiskalischen Kurs.“

Während in der Eurozone Verschuldung über 100% lange als Problem galt – und immer noch als solches problematisiert wird –, ist bei Japan 250% „kein großes Problem“.
Man merkt, wie wenig die ganzen „Experten“ und Ökonomen an ihre eigenen Weisheiten glauben.

„»Bei unzureichendem Wachstum sinkt die Verschuldung nicht von selbst. Japan ist nicht aufgrund eines klassischen Ausfallrisikos relevant – seine Schulden sind in Yen notiert und es gibt eine große inländische Investorenbasis –,“

– auf gut Deutsch: Die japanische Regierung bzw. der Staat ist vor allem bei seinen eigenen Banken verschuldet und der Yen ist eine – inzwischen relativ unbedeutende, aber doch noch – Weltwährung, also eine Devise, die auch außerhalb der Landesgrenzen anerkannt wird.
Deswegen traut man Japan zu, seine Schulden jederzeit bedienen zu können – noch.

„sondern weil ein rascher Renditeanstieg globale Kapitalströme stören kann«, erklärt Santiago Lago, Professor für Angewandte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Santiago de Compostela.
Erwartungen hoher Zinsen, Portfolioverschiebungen großer japanischer Investoren und Phasen von Volatilität, die sich auf den Kreditmarkt auswirken, könnten seiner Ansicht nach weitaus größeren Schaden anrichten.“

D.h., Finanzkapital könnte auf einmal Yen-Anleihen aufkaufen, weil sie billig sind und dafür verhältnismäßig hoch verzinst, und dafür andere Anleihen abstoßen, was deren Wert senken und den Staat, der sie ausgegeben hat, in Schwierigkeiten bringen könnte.
Diese Wirkung wird deshalb befürchtet, weil eben viele Staaten schuldenmäßig auf dem Zahnfleisch gehen.

„2026: Nur ein weiteres Jahr?

Unter normalen Umständen sollte 2026 ein ruhiges Jahr werden. Die Zentralbanken haben eine Phase von Zinssenkungen hinter sich, das globale Wachstum verlangsamt sich, die Aktienmarktbewertungen scheinen ihren Höhepunkt erreicht zu haben, und die Renditen der privaten Wertpapiere versprechen wenig Steigerung.“

Verschiedene Widersprüche in einem kurzen Absatz. Wenn das Wachstum schwächelt, aber die Schulden weiter steigen – das könnte eine Ruhe vor dem Sturm sein. Oder auf das Platzen einer Spekulationsblase hinweisen.
Also hier wird gegen besseres Wissen beschwichtigt.
Zweitens sind die Aktien und die Renditensteigerung bei privater Schuld Eins und das Gleiche.

„Insofern sollten Staatsanleihen eine gute Option für Anleger sein. Doch die Ereignisse zeichnen ein anderes Bild: Überall werden Warnungen vor einem fiskalischen Chaos laut, und das zu einem Zeitpunkt, an dem Zahlungsausfälle paradoxerweise ausgeschlossen scheinen.

Investoren, die sich Sorgen um übermäßige Staatsausgaben machen, verkaufen Staatsanleihen und US-Dollar und suchen nach sicheren Anlagen wie Gold. »Ja, das Markt-Szenario ist im Grunde günstig«, bestätigt Lago. »Das Wachstum ist akzeptabel, die Inflation besser unter Kontrolle, und die Zentralbanken werden die Zinsen umsichtig senken.“

Vor allem deshalb, weil das Wachstum keineswegs „akzeptabel“, sondern zu niedrig ist und nicht mit der Verschuldung Schritt hält.
Das Senken der Zinsen soll die Wirtschaft ankurbeln und die Verschuldung billiger machen.

„Das mindert die Dringlichkeit.“

???

„Doch es ist ein fragiles Gleichgewicht. Bei Staatsanleihen kommt die größte Veränderung in der Regel nicht von einem Zahlungsausfall, sondern von einer veränderten Situation:“

wortwörtlich steht hier: „von einem veränderten Narrativ“.
Damit ist gemeint, daß die Prognosen nicht eingetroffen sind.
Also: erst träumt man von einem Szenario, das den eigenen Zielen entspricht.
Tritt es nicht ein, ist Feuer am Dach.
Wirtschaftswissenschaft 2026.

„einer Überraschung beim Wachstum,“

– fällt niedriger aus als gewünscht/prognostiziert

„einem geopolitischen Schock,“

– imperialistischer Alltag, heute aktueller den je –

„einem politischen Umschwung oder einem Inflationsanstieg, der die Banken zwingt, die Zinsen länger hoch zu halten. In solchen Fällen können sich die Prämien schnell anpassen.«
Für Ernesto Campos, Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Internationalen Universität Valencia, hat das Ausbleiben von Rezessionen in großen Volkswirtschaften und das Vorhandensein institutioneller Schutzmechanismen diese Wahrnehmung eines begrenzten Risikos geschaffen.“

Auf gut Deutsch: Spekuliert nur eifrig, wenn es schiefgeht, springt euer Staat ein!

„»Im Falle Spaniens beispielsweise bleibt die Risikoprämie trotz hoher Verschuldung niedrig, was kurzfristiges Vertrauen widerspiegelt.
Die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen wird jedoch nicht in günstigen Szenarien, sondern im Angesicht von Schocks – Konjunkturabschwächungen, anhaltenden Zinserhöhungen oder strukturellen Ausgabensteigerungen – auf die Probe gestellt.“

Griechenland 2010-2015
Zypern 2013
Portugal 2010-2014

Argentinien 2002 ff.
Sri Lanka 2022
usw.

„Das Risiko, das die Märkte offenbar unterschätzen, ist nicht ein unmittelbarer Zahlungsausfall, sondern ein Jahrzehnt mit geringerem Wachstum, höheren Zinsen und steigendem Steuerdruck.« Kurz gesagt: »Der Markt mag ruhig sein … doch die Verschuldung wird nicht nach dem aktuellen Klima beurteilt, sondern nach dem Sturm, der möglicherweise noch bevorsteht.«“

Die Metaphern aus der Natur weisen darauf hin, wie die menschengemachte Verschuldung wie eine Art Naturgewalt aufgefaßt wird, mit der man eben umgehen muß.

„Eine in Davos vorgestellte IWF-Studie warnt vor den lauernden Gefahren: Die befragten Ökonomen prognostizieren nahezu einhellig einen Anstieg der Verteidigungsausgaben (97 % in Industrieländern und 74 % in Schwellenländern).

Auch die Investitionen in digitale Infrastruktur und Energie werden steigen, während die Ausgaben für Umweltschutz sinken werden. Fast die Hälfte der Befragten geht von einer Staatsschuldenkrise in den kommenden Monaten aus. (Hervorhebung von mir.) Die andere Hälfte rechnet damit, dass Regierungen zur Schuldenreduzierung auf höhere Inflation zurückgreifen werden, und 6 von 10 halten Steuererhöhungen in Industrieländern für wahrscheinlich.

Es gibt 3 Wege zur Schuldenreduzierung: Wirtschaftswachstum, Haushaltsüberschüsse und – ohne beides – dank eines ebenso magischen wie gefährlichen Begriffs: Inflation.“

Die ersten beiden sind seit der Schuldenkrise 2008 ff. Geschichte. Seither gelang es nie wieder, nennenswerte wirtschaftliche Erfolge zu erzielen, und die, die dennoch gelangen, waren – direkt oder indirekt – durch Staatsschulden finanziert.
Wie allerdings durch Inflation Schulden gesenkt werden können, ist unter heutigen Bedingungen ein Rätsel, weil die Auslandsschulden wachsen dadurch. Die Schulden im Inland kann man zwar reduzieren, aber das geht zu Lasten der Ökonomie – sodaß einer sinkenden absoluten dann eine gestiegene relative Verschuldung gegenübersteht.

„Ernesto Campos erklärt, dass Wachstum der beste Weg sei: Mit steigendem BIP sinkt die relative Bedeutung der Schulden. »Primärüberschüsse ermöglichen zwar eine direktere Reduzierung, sind aber in der Regel politisch kostspielig und langfristig schwer aufrechtzuerhalten«, erklärt er.“

Damit sagt der schlaue Mann nichts Neues – das hilft alles nix, wenn das Wachstum nicht da ist …

„Ein trügerischer Ausweg

Inflation hingegen aktiviert den sogenannten Schuldentilgungsmechanismus, insbesondere bei langfristigen Schulden mit festem Zinssatz. »Mit steigendem nominalen BIP verliert die Verschuldung relativ an Bedeutung. Dieser Effekt ist jedoch nur dann vorteilhaft, wenn die Inflation nicht rasch zu höheren Marktzinsen führt. In diesem Fall verpufft der anfängliche Effekt.«

María Jesús Fernández, leitende Ökonomin bei Funcas,

– eine Sozialstiftung der spanischen Sparkassen –

„erklärt, dass Griechenland und Portugal die während der Pandemie entstandenen Defizite durch vorausschauende Maßnahmen beheben konnten.“

Man erfährt allerdings darüber nichts.
Vermutlich handelt es sich um eine Belebung des Tourismussektors, der aber zu einem guten Teil das Resultat internationaler Entwicklungen und weniger der eigenen „vorausschauenden Maßnahmen“ war (Aufstände, Anschläge in Tunesien, Ägypten, der Türkei, Kriege im Nahen Osten und in Nordafrika, Krise in Zypern usw., usf.).

„Dank des Wirtschaftswachstums sank Spaniens Schuldenquote von 125% im Jahr 2021 auf aktuell 103% des BIP. Erstmals seit 2 Jahrzehnten rechnet das Land 2025 mit einem Primärüberschuss. Doch jenseits des Aufschwungs ist der Schuldenabbau »eher eine Folge dieser Verflüssigung.“

???
Was hat sich da „verflüssigt“?!
Und was anderes als eine Folge des Wachstums soll es denn sein, wenn sich die relative Verschuldung reduziert?
Hier wird blöd herumgeredet, um irgendwie die Illusion des „soliden“ Schuldenmachens zu versprühen und zu bekräftigen.

Die Aufsichtsbehörde für Budgetverantwortung (AIReF) warnte bereits, dass sich dieser Abbauprozess ab 2027 verlangsamen oder sogar beschleunigen könnte, falls keine Maßnahmen zur Defizitreduzierung ergriffen werden.“

Welcher Art, fragt man sich?
Der bisherige Text zeigt doch, daß es keine gibt.

„Die Märkte mögen dies eine Zeitlang hinnehmen, doch wenn es zu einer Kapitalflucht kommt, könnten Investoren sich Italien oder Spanien zuwenden«, warnt sie (= Frau Fernández von Funcas).“

2x das gleiche gesagt. Wenn sie kapitalflüchten, so müssen sie ja irgendwo hin gehen. Zu der Kapitalflucht „kommt es“ ganz einfach, sie ist wie ein Tornado.
Man merkt, wie wacklig alles ist und wie wenig die Analysten und Auguren wissen.

„Santiago Lago fügt eine weitere Sorge hinzu, obwohl er die Situation kurzfristig für tragbar hält: »Das Hauptproblem ist struktureller Natur. Der Druck durch die alternde Bevölkerung, den Verteidigungsbedarf und die Energiewende erfordert eine ambitioniertere mittelfristige Haushaltsstrategie.«“

Obwohl man dem Bisherigen entnehmen kann, daß es eine solche nicht gibt.

„Der neue europäische Fiskalrahmen

– dazu KI/Google:
„Der seit 30. April 2024 geltende neue europäische Fiskalrahmen ersetzt das alte Regelwerk (von Maastricht ff.) durch flexiblere, aber verbindlichere Regeln, um hohe Staatsschulden abzubauen und gleichzeitig Investitionen zu ermöglichen. Die Mitgliedstaaten müssen langfristige Fiskalstrukturpläne vorlegen, die den Nettoausgabenpfad festlegen, wobei der Fokus auf Schuldentragfähigkeit und Wachstum liegt.“
Im Grunde wird das, was die Troika für die Schuldnerstaaten machte, jetzt von EU-internen Behörden und der EZB durchgeführt werden.
Das erste Land, auf das es angewendet wird, ist Österreich – es ist sozusagen der Präzedenzfall.

„soll als Leitfaden dienen und es jedem Land ermöglichen, sein Anpassungstempo an seine lokalen Gegebenheiten anzupassen. Wie Campos betont, erfordert er jedoch »klare Verpflichtungen und eine effektive Überwachung. Er wendet sich von einem strafenden Ansatz ab und legt Wert auf Glaubwürdigkeit.«
Es geht nicht mehr um Einhaltung oder Nichteinhaltung: »Er ist keine Zwangsjacke, sondern ein Navigationssystem. Er erlaubt die Wahl des Weges, verpflichtet aber dazu, ihn auch zu erreichen.«“

Diese schönen Worte kommen aus einem Land, das nicht dieser neuen Aufsicht unterworfen ist.

„Antonio Sanabria, Professor für Angewandte Volkswirtschaftslehre an der Complutense-Universität in Madrid, ist der Ansicht, dass die Pandemie-Hilfen die Wirtschaft vor größerem Schaden bewahrt haben und die Verschuldung nun, gemessen am BIP, schneller sinkt als erwartet: »Man kann aber durchaus sagen, dass mehr getan werden könnte. Eine antizyklischere Haltung würde uns zusätzliche Ressourcen für schwierige Zeiten sichern.«

Sanabria spricht einen wunden Punkt an: Politikern fehlen oft Anreize für umsichtiges Handeln, und sie überlassen das Problem häufig ihren Nachfolgern.“

Nachdem nicht einmal ihre Auguren und Experten wissen, was zu tun wäre, kann man ihnen das auch nicht übelnehmen.

„Darüber hinaus üben die Bürger Druck auf die Regierung aus, damit der Sozialstaat seinem Namen gerecht wird, und fordern, dass wichtige öffentliche Dienstleistungen nicht gekürzt werden. »Ein Politiker braucht Anreize, um die Wirtschaft zu stabilisieren, ohne das Wachstum zu gefährden, denn ohne sie ist die Schuldentilgung unmöglich. Logischerweise sollten sie sich auf die Schwächsten konzentrieren«, fügt Sanabria hinzu.“

Welche „Anreize“ sollten denn den „Schwächsten“ geboten werden?
Grundeinkommen, damit sie konsumieren können?

„Was ihnen seiner Meinung nach fehle, sei Spielraum für Steuersenkungen: »Darüber zu reden, ist ein Versuch, die Bevölkerung zu täuschen. Mariano Rajoy sammelte während seines Wahlkampfs Unterschriften für eine Mehrwertsteuersenkung, und als er in La Moncloa ankam, erhöhte er sie. Nicht etwa aus böser Absicht; er dachte wohl, er könne es durchsetzen, aber es war unrealistisch.“

Anläßlich des alles verbergenden Wortes „unrealistisch“ muß man an die Vorkommnisse 2012 erinnern:
Rajoy kam an die Macht und mehr oder weniger am nächsten Tag – Jahresanfang 2012 – mußte er die Provinz Valencia durch staatliche Garantien vor der Insolvenz retten, da sie sich bei der Deutschen Bank bis über die Ohren verschuldet hatte.
Es folgten der Krach von Bankia im Sommer des gleichen Jahres und andere Vorkommnisse der Finanzkrise in Spanien.
Die Steuersenkungen konnte er sich dann in die Haare schmieren.

„Der OECD-Vertreter Luis de Mello nutzt das Beispiel Frankreichs, das mit Kürzungen konfrontiert ist, die die Bürger weder verstehen noch gutheißen, um zum Nachdenken über die Gestaltung öffentlicher Debatten aufzurufen. »Das Thema Altern ist heikel und geht weit über Renten hinaus. Es betrifft Gesundheitsversorgung, Pflege und Betreuung älterer Menschen.«
Die Organisation führt regelmäßig Prognosestudien durch. »Von 2025 bis 2060 wird der Haushaltsdruck im Zusammenhang mit der alternden Bevölkerung die Ausgaben in den OECD-Ländern um 6,5% des BIP erhöhen. Wird die Verschuldung allein zur Finanzierung dieser Ausgaben um diesen Anteil steigen?«, fragt er.
Er plädiert für eine mittel- und langfristige Konsolidierung, die weit über die Amtszeit einer einzelnen Regierung hinausgeht. »Es ist wichtig, dass die Gesellschaft Druck ausübt. Dass Finanzberater die Bedeutung glaubwürdiger und nachhaltiger Anpassungen immer wieder betonen. Es ist wichtig, Puffer für Krisenzeiten zu schaffen. Wie viele Krisen haben wir in den letzten 5 Jahren erlebt? Pandemie, Inflation, Energiekrise … der DANA-Sturm in Spanien.
Wie sollen wir ohne fiskalischen Spielraum künftige Krisen bewältigen?« Vielleicht hat sich die IWF-Chefin bei ihrer Abreise aus Davos dieselbe Frage gestellt.“

Nur wie?! Die Ausgaben steigen stärker als die Einnahmen, die Verschuldung stärker als die BIPs.
Vielleicht weniger für Rüstung und Militär ausgeben?
Oh nein, nur das nicht!!

„KI, eine Technologie, die das System zu lähmen droht

»Schulden sind nicht per se schlecht, es kommt darauf an, wofür man sie ausgibt.« Mit diesen Worten brachte Pakistans Finanzminister Muhammad Aurangzeb vor wenigen Tagen das Dilemma auf den Punkt, vor dem Regierungen weltweit stehen. Er unterzeichnete kürzlich den größten Konsortialkredit in der Geschichte seines Landes, um einem Unternehmen den Bau einer Kupfermine zu ermöglichen. »Für uns ist das erst der Anfang. Wir müssen zukünftiges Wachstum finanzieren. Unsere jungen Programmierer verdienen derzeit 12 Dollar pro Stunde. Wenn wir ihre Fähigkeiten verbessern [mithilfe von Krediten], könnten sie 50 Dollar verdienen.«“

Man merkt an diesem Beispiel, wo das internationale Finanzkapital hineilt, um Geschäfte zu machen. Es ist anzunehmen, daß diese Kredite höher verzinst sind als europäische Staatsanleihen. Sie haben allerdings ein höheres Ausfallsrisiko, da Pakistan mit der p. Rupie nur über eine Weichwährung verfügt, also für den Schuldendienst Devisen an Land ziehen muß.

„Finanzielle Mittel einzusetzen, um Wirtschaftswachstum zu sichern und die Produktivität mittel- und langfristig zu steigern, ist das Gesündeste und Logischste, was eine Regierung tun kann.“

Ja wenn das so einfach ginge!
Jeder – Staat wie Kapital – sucht nach irgendwelchen „Zukunftstechnologien“, in die man investiert und hinten kommt ein satter Profit heraus.
Es kann aber auch das Gegenteil eintreten, dann hat man einen Haufen Geld in den Sand gesetzt.

„Doch mit dem Aufkommen künstlicher Intelligenz scheint diese Gleichung nicht mehr so einfach zu lösen.“

Vorher auch nicht.

„KI verbraucht genauso viel Geld, wie ihre Server Energie zur Datenverarbeitung benötigen. Amazon, Alphabet, Apple, Microsoft, Meta, Nvidia und Tesla haben für dieses Jahr Investitionen in Höhe von 365 Milliarden US-Dollar angekündigt.
Bislang haben diese sogenannten Hyperscaler (Unternehmen, die massive Cloud-Speicher-, Verarbeitungs- und Rechenzentrumsdienste anbieten) ihre Investitionen mit Gewinnen (sowohl gegenwärtigen als auch zukünftigen) finanziert. Da sie jedoch mehr Kapital benötigen, steigen ihre Geschäftsrisiken, und das von ihnen ausgehende Risiko wirkt sich systemisch auf die Wirtschaft aus.

Geld und Entlassungen

Meta sammelte letztes Jahr 27 Milliarden US-Dollar ein, um ein riesiges Rechenzentrum in Louisiana zu finanzieren – die größte private Schuldenaufnahme der Geschichte.“

Beachtlich das Superlativische an der Kreditaufnahme – „größte Schulden der Geschichte“, hier wie in Pakistan.
Der nächste Crash wird auch superlativisch.
Man merkt an diesem Aufsatz auch die Spirale: Immer mehr Kredit wird aufgenommen, um die Gewinne zu generieren, die dann in Jubelmeldungen über die Börsen und Hochglanzprospekten beworben werden – aber praktisch immer hinter den Erwartungen und Krediten zurückbleiben.

„Große Technologieunternehmen emittierten US-Unternehmensanleihen im Wert von 121 Milliarden US-Dollar, verglichen mit einem jährlichen Durchschnitt von 28 Milliarden US-Dollar zwischen 2020 und 2024, wie ein Bericht der Bank of America zeigt.
Ein weiterer Bericht von Barclays prognostiziert für dieses Jahr ein Volumen von 2,46 Billionen US-Dollar an US-Unternehmensanleihen, wobei fast 1 Billion US-Dollar auf neue Nettoverschuldung aufgrund des Bedarfs an KI zurückzuführen sind.
Dies geschieht zeitgleich mit Massenentlassungen, wie beispielsweise den 16.000 Stellen, die Amazon diese Woche weltweit abbauen will (die dritte derartige Ankündigung innerhalb weniger Monate).

Unterdessen fragen sich Regierungen, wie sie im technologischen Wettlauf nicht ins Hintertreffen geraten und fragen sich, ob sie sich damit womöglich ihr eigenes Grab schaufeln.“

Auch im Original bleibt unklar, was jetzt als das eigene Grab betrachtet wird: Die Teilnahme am Wettlauf oder das Draußen-Bleiben?

„Für Jorge Díaz Lanchas, Wirtschaftsprofessor an der Universität Comillas ICADE, ist die zentrale Frage, welche Auswirkungen all diese Investitionen auf die Produktivität haben werden. »Stehen wir vor einer Blase? Wenn sie platzt und den privaten Sektor, der ja investiert, mitreißt, werden die Regierungen zum Handeln gezwungen sein.« Die Datenlage ist besorgniserregend: Im dritten Quartal 2025 (den aktuellsten verfügbaren Daten) stieg die Produktivität in den USA zwar um 2 %, doch der Anteil der Arbeitnehmer am Gesamteinkommen fiel laut dem US-Arbeitsministerium auf einen historischen Tiefstand.“

Und das alles bei Superlativen in der Verschuldung.

„Tiffany Wilding, Ökonomin bei Pimco, äußerte sich diese Woche in einer Mitteilung an Investoren zu möglichen weiteren Entlassungen: »Angefangen bei Computern und Software, und jetzt mit Automatisierung und künstlicher Intelligenz, ersetzen technologische Werkzeuge immer häufiger Fachkräfte mittlerer und zunehmend auch sehr hoher Qualifikation.«
Die Aussichten für die Erwerbsbeteiligung sind düster. »Große, relativ kapitalintensive Unternehmen haben derzeit einen starken steuerlichen Anreiz, in Technologien zu investieren, die Arbeitskosten einsparen. KI bleibt ein vergleichsweise kostengünstiger und einsetzbarer Ersatz für viele Aufgaben, die derzeit von Menschen erledigt werden.«

Für den Ökonomen David Martínez ist es logisch, diese und andere Investitionen in der Überzeugung zu tätigen, dass sie sich in Form von strategischer Autonomie und Wachstum, gesteigerter Aktivität und Schaffung von Arbeitsplätzen auszahlen werden. »In diesen Bereichen, in denen wir vom Ausland abhängig sind, ist es notwendig, ein industrielles Gefüge, ein innovatives Ökosystem mit höherem Wert zu schaffen. Denn unsere Ausgabenkapazität sinkt zunehmend, und Ausgaben müssen Wirkung zeigen.«
Wenn das Setzen auf KI-Technologie scheitert oder ein Land bahnbrechende Fortschritte erzielt, die alle anderen Innovationen wertlos machen, werden künftige Generationen diese schwere Last tragen müssen, ohne etwas dafür zurückzubekommen.“

Unter „schwerer Last“ ist offenbar die Bedienung der Schulden gemeint, die für diesen Wettlauf aufgenommen wurden.

Man bedenke bei dieser Graphik, daß sie nur den relativen Anstieg der Schulden im Verhältnis zum BIP ausdrückt.
D.h., man kann sehen, wie die Schuld in allen 3 Fällen die Einkünfte übersteigt, und daß diese Entwicklung stark durch den Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1990 beeinflußt wurde.


„Ansteckungsgefahr

Schritt für Schritt hat die Welt als Reaktion auf Schocks Schulden angehäuft: Die große Rezession von 2008 mit ihren Folgeerscheinungen in der Staatsschuldenkrise der Eurozone und die Pandemie waren entscheidende Faktoren.
Portugal und Griechenland sind zwei Beispiele für die dramatischen Folgen nicht tragfähiger Staatsfinanzen. Die von der sogenannten Troika (Europäische Kommission, EZB und IWF) erzwungenen Reformen und Kürzungen hinterließen tiefe soziale Narben.

Die globale Eskalation wurde hingenommen – keine einzelne Kennzahl galt als per se gefährlich –, bis die Märkte Alarm schlugen.

Der Stabilitäts- und Wachstumspakt der EU legt einen maximalen Referenzwert für das Haushaltsdefizit von 3% des BIP und für die Staatsverschuldung von 60% fest. »Diese Zahl spiegelt die aktuelle Situation wahrscheinlich nicht mehr wider«, meint David Martínez Turégano, leitender Ökonom bei Caixabank Research.“

Welch eine Erkenntnis!

„Entscheidend ist die Entwicklung der öffentlichen Schulden: Wie hoch sind die Finanzierungskosten, über welchen Zeitraum, in welcher Währung und wächst die Wirtschaft ausreichend, um dies zu tragen?
Der IWF prognostiziert, dass die Staatsverschuldung bis 2030 weltweit fast 150 % des BIP erreichen wird. Dies birgt ein weiteres Problem: »Im Allgemeinen dient der Zinssatz, zu dem sich Staaten finanzieren, als Richtwert für andere Finanzanlagen und kann letztendlich an den privaten Sektor weitergegeben werden.«“


Dieser Graphik kann man entnehmen, daß derzeit das Vertrauen der Finanzwelt gegenüber dem Euro höher ist als gegenüber dem US$ – vom britischen Pfund ganz zu schweigen.
Erstaunlich ist auch, daß der ehemalige Pleitekandidat und Rettungsfall Portugal günstigere Bedingungen hat als z.B. Frankreich.

Pressespiegel El País, 3.5.: Soziale Isolation

DAS GESCHÄFT MIT DER EINSAMKEIT

Die spanische Tageszeitung widmet sich dem immer mehr zunehmenden Problem der Vereinsamung unter der Sparte: „Geschäftswelt“ – eine interessante Zugangsweise. Denn:

„Das Gefühl der Einsamkeit nimmt weltweit zu und verursacht erhebliche Gesundheitskosten und Produktivitätsverluste, ist aber auch ein Multimillionen-Dollar-Geschäft.“

Die Autorin bezeichnet die Einsamkeit als eine

„Epidemie, eine unerbittliche Bedrohung, die Narben an Körper und Geist hinterlässt, erhebliche öffentliche Gesundheits- und Sozialausgaben verursacht und einen wachsenden Verlust an Unternehmensproduktivität mit sich bringt. Aber es schafft auch eines der profitabelsten Geschäfte der kommenden Jahre.

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit leiden unter häufiger oder schwerer Einsamkeit, und die Zahl steigt, insbesondere im Zuge von COVID-19 (d.h., seit 2020). Das ist das große Paradox: Im Zeitalter ständiger Vernetzung – sowohl durch technologische Geräte als auch durch die Verkehrsinfrastruktur – nimmt sie fortwährend zu.
Verschiedene Institutionen, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO), äußern ihre tiefe Besorgnis über das Ausmaß der Krise. Auch die OECD räumt ein, dass die Krise in den meisten Mitgliedsländern eskaliert. Ihre Auswirkungen sind vergleichbar mit denen des Rauchens oder der Fettleibigkeit, wie Analysen der Brigham Young University in den USA zeigen.
Angesichts von Studien, die von »ungewollter« Einsamkeit sprechen, hält WHO so eine Verdopplung für überflüssig. »Für uns gilt sie immer als unfreiwillig und unerwünscht.« Es handelt sich um ein subjektives Empfinden, geprägt vom Wunsch nach mehr menschlichem Kontakt.
Dieser negative emotionale Zustand (…) hat zerstörerische Auswirkungen sowohl auf die Seele als auch auf die staatlichen Kassen.“

Sehr neckisch, diese Aufzählung.

„Die Kosten der Einsamkeit sind ein wenig erforschtes Thema in entwickelten Gesellschaften, obwohl es in Wirtschafts- und Gesundheitsstudien zunehmend präsent ist.“

Die Autorin will damit sagen, daß das Thema Einsamkeit anscheinend für die Psychologie eine heiße Kartoffel ist, obwohl sie als Problem schon länger bekannt ist:

„Die Einsamkeit hat nämlich wichtige Konsequenzen für den geistigen und körperlichen Zustand der Menschen, was wiederum erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringt: Sie erhöht das Risiko von Krankheiten (Depressionen, Angstzustände, Herzkrankheiten, Demenz). Dies geht mit einer stärkeren Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten und Medikamenteneinnahme einher und erhöht auch das Risiko eines frühen Todes (bis zu 26 % mehr).“

Was immer damit gemeint wird, bei angeblich steigender Lebenserwartung …

„Fast die Hälfte (43 %) der Bevölkerung, die darunter leidet, hatte Selbstmord- oder andere selbstzerstörerische Gedanken.

Die OECD weist außerdem darauf hin, dass es schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Bildung und die Beteiligung am Arbeitsmarkt hat.

Ein tödliches Gefühl

In Spanien, wo die Regierung an der Entwicklung einer nationalen Strategie zur Bekämpfung der Einsamkeit arbeitet und viele Gemeinden und Kommunen bereits über konkrete Pläne verfügen, belaufen sich die direkten Ausgaben laut der Studie »Die Kosten unerwünschter Einsamkeit in Spanien« mit Daten aus dem Jahr 2021 der Stiftung ONCE (Blindenorganisation Spaniens) in Zusammenarbeit mit Nextdoor auf 14,141 Milliarden Euro jährlich.
Einerseits belaufen sich die Gesundheitskosten für Arztbesuche und Medikamenteneinnahme auf über 6 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite betragen die Kosten, die durch Produktivitätsverluste (Krankenstände) entstehen, mehr als 8 Milliarden Euro jährlich.“

Es ist beachtlich, wie auch psychische Probleme sofort in Geld umgerechnet werden und dadurch Objektivität erhalten!
Ebenso ist es eigenartig, wie das gelingt – wie kommen diese Zahlen überhaupt zustande? Welche Arztbesuche und welche Krankenstände werden hier als Ergebnis von „Einsamkeit“ zusammengezählt?

„Darüber hinaus kommt es zu einer Verringerung der Lebensqualität von über einer Million Jahren bei voller Gesundheit. Dies bedeutet, dass im Jahr 2021 für jeden spanischen Bürger, der dieses Gefühl der sozialen Isolation erlebte (5.380.853 Menschen), die damit verbundenen Kosten 1.134 Euro betrugen.“

Diese Zahlen sind noch weniger nachvollziehbar, aber da gleich mit Millionen und Milliarden operiert wird, so entsteht – und das ist gewollt – der Eindruck eines wirklich schweren Problems.

„»Das derzeit wachsende Interesse an Einsamkeit ist eine Reaktion auf die deutlich gestiegene Zahl der Betroffenen und ein stärkeres Bewusstsein für die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und Lebensqualität, wodurch Einsamkeit praktisch zu einem globalen Problem wird«, sagt María Teresa Sancho, Generaldirektorin des Instituts für Senioren und soziale Dienste (Imserso).

Weltweit belaufen sich die Ausgaben auf Hunderte Milliarden jährlich. Allein in den USA, wo das Gefühl sozialer Isolation weit verbreitet ist – der ehemalige US-Sanitätsinspekteur Vivek Murthy sagte im Jahr 2023, dass mehr als 50 % der amerikanischen Erwachsenen unter erheblicher Einsamkeit litten –, verursachen Fehlzeiten laut einem Bericht des Center for BrainHealth jährlich Kosten in Höhe von 406 Milliarden US-Dollar.
Dort heißt es weiter: »Die Auswirkungen auf die Produktivität und das Engagement der Belegschaft sind wohl noch weitaus größer.«

Einsamkeit gedeiht und verstärkt sich auf einem hypervernetzten Planeten, auf dem sich die menschlichen Interaktionen und die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen, verändert haben. Die Alterung der Bevölkerung und die steigende Lebenserwartung sind eine der Ursachen. „Im europäischen Kontext liegt Spanien mit 84 Jahren bei der Lebenserwartung an der Spitze und damit über dem Durchschnitt von 81,5 Jahren“, sagt IESE-Professor Guido Stein. Doch es gibt auch andere wichtige Veränderungen, wie etwa immer kleinere Haushalte, die Zunahme alleinlebender Menschen, Telearbeit, Migration in urbane Zentren und digitale Plattformen. All dies hat zu einer Verringerung der persönlichen Interaktionen geführt. (…)“

Man merkt, irgendwie ist der Autorin die immerwährende Betonung der Größe des Problems müde und sie versucht, so etwas wie Gründe für die Erscheinung zu suchen.
Mehr als eine Aufzählung verschiedener Phänomene kommt allerdings dabei nicht heraus.

„Einsamkeit breitet sich aus und befällt (!!) Menschen jeden Alters und jeder sozialen Schicht, besonders häufig ist sie jedoch unter jungen Menschen, älteren Menschen, Menschen mit Behinderungen, Migranten und LGBTI-Personen.“

An solchen Formulierungen merkt man die intellektuelle Hilflosigkeit oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Phänomen besonders deutlich.
So etwas wie „Konkurrenz“ oder „Klassengesellschaft“ als Erklärungsansatz verbietet sich förmlich.

„»Die Folgen sind verheerend, sowohl wirtschaftlich als auch emotional und gesundheitlich«, sagt Eduardo Irastorza, Professor an der OBS Business School und Autor des Berichts »Das Geschäft mit der Einsamkeit in entwickelten Gesellschaften«.“

Hier ist die Reihenfolge bereits umgekehrt … Der wirtschaftliche Schaden hat eindeutig Priorität.

„Doch dieses Problem von enormem Ausmaß, für das ein Preis gezahlt werden muss, stellt zugleich eine klare Geschäftsmöglichkeit dar: Die Menschen verlangen nach Produkten und Dienstleistungen, um ihr Gefühl der Isolation zu lindern.“

Der einsame Mensch als bewußter Konsument verlangt …

„Kann die Geschäftswelt die Chance ignorieren, aus dieser Situation Kapital zu schlagen?“

Eine rein rhetorische Frage. Die Geschäftswelt wartet doch nur auf solche Leiden, um ihnen gegen klingende Münze abzuhelfen.

„»Weltweit nimmt rasch eine neue Einsamkeitsökonomie Gestalt an«, sagt Atanu Biswas, Professor am Indischen Statistischen Institut in Kalkutta. Das Versprechen, menschliche Kontakte zu erleichtern, ist zu einer Goldgrube geworden, deren Wert sich angesichts ihrer Breite und ihres bereichsübergreifenden Charakters nur schwer quantifizieren lässt.“

Auch interessant: Die Kosten lassen sich problemlos errechnen, bei den Gewinnen ist alles zu „bereichsübergreifend“.

„»Es mobilisiert Milliarden für eines der größten Unternehmen der Zukunft und ist gleichzeitig einer der wichtigsten Generatoren für neue Geschäftsideen«, ist Irastorza überzeugt. Und er betont: »Letztendlich werden ausnahmslos alle Branchen diese Chance erkennen und nutzen.« Franc Carreras, Marketingprofessor an der ESADE, stimmt dem zu. »Wir beobachten, dass sich Unternehmen auf die wachsende Zielgruppe alleinlebender Menschen einstellen, indem sie beispielsweise kleinere Fertiggerichte anbieten.«“

!!!

„Von Haustieren bis zum Rendezous

Einige vereinzelte Daten, die das Ausmaß zeigen: Ein Bericht des Beratungsunternehmens Grand View Research schätzt, dass der Markt für virtuelle KI-Freunde bis 2030 140,754 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Der Markt für Dating-Plattformen wird im selben Jahr 17,28 Milliarden US-Dollar erreichen. Der Markt für Apps für psychische Gesundheit wurde im Jahr 2024 auf 7,48 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2033 voraussichtlich 20,92 Milliarden US-Dollar erreichen. Und der globale Markt für Haustier-Haltung wird bis 2032 427 Milliarden US-Dollar übersteigen (gegenüber 259,37 Millionen US-Dollar im Jahr 2024).

John Lanerborg, der Ersteller des YouTube-Kanals Economic Circuit, der tiefgehende Analysen zu wirtschaftlichen, politischen und geopolitischen Themen bietet, wagt es, eine Zahl zu nennen, die allerdings ebenso unsicher wie hoch ist: »Einsamkeit ist ein riesiger Markt, der je nach Wachstum der KI bis 2030 500 Milliarden Dollar übersteigen könnte«.

Die Liste der Unternehmen, die Gegenmittel anbieten, umfasst Haustiere (echte und virtuelle), soziale Roboter für Senioren, generationsübergreifende Unterstützungsprogramme, KI-generierte Freundschaften, Dating-Apps (Tinder, Bumble usw.), Unternehmen, die Freunde vermieten, Kurse aller Art, digitale Kliniken für psychische Gesundheit, Medikamente (Anxiolytika, Antidepressiva usw.), spezielle Seniorenwohnheime (Residenzen zur Förderung eines aktiven Lebensstils), gemeinschaftliches Wohnen, gesellige Räume sowie Gruppenreisen und -erlebnisse … „Es gibt immer mehr kreative Lösungen, wie beispielsweise einen Anti-Einsamkeitsclub in Kalifornien«, erklärt Biswas.
Er bezieht sich auf den Groundfloor Club (mit 4 Standorten in diesem Bundesstaat), der Coworking, unbegrenzten Zugang zu Veranstaltungen und eine Online-Community für 200 Dollar im Monat anbietet. Es ist die B-Seite des zeitgenössischen Kapitalismus.“

Bei dieser eigenartigen Einstufung fragt man sich, was dann die Seite A ist?
Der Trump Tower?

„Einsamkeit schreitet in modernen Gesellschaften unaufhaltsam voran und breitet sich aus. Besonders nach Covid. »Laut verschiedenen Umfragen gaben 2016 12 % der erwachsenen europäischen Bevölkerung an, sich einsam zu fühlen. Im Jahr 2020 stieg dieser Prozentsatz angeblich auf 25 %«, sagen die Verfasserinnen einer Studie Demelova und Sala.
Mehr als 75 Millionen Erwachsene in Europa leiden regelmäßig unter diesem quälenden Gefühl. Weltweit gibt fast jeder Vierte über 15 Jahre (d.h., mehr als 1,4 Milliarden Menschen) an, sich ziemlich oder sehr einsam zu fühlen. Dies geht aus einer Studie von Meta und Gallup hervor, die zwischen Juni 2022 und Februar 2023 in 142 Ländern durchgeführt wurde.

In Spanien wurden bisher keine repräsentativen Umfragen durchgeführt, obwohl einige Analysen vorliegen. Eines davon ist das »Barometer der unerwünschten Einsamkeit in Spanien 2024«, eine von der ONCE Foundation und der AXA Foundation im Rahmen der »SoledadES-Beobachtungsstelle« geförderte Studie.
Sie kommt zu dem Schluss, dass 20 % der Bevölkerung betroffen sind, Frauen häufiger als Männer und das Problem vor allem unter jungen Menschen weiter verbreitet ist (34,6 % zwischen 18 und 24 Jahren).“

Im weiteren verliert sich die Autorin darin, die Probleme der Meßbarkeit von Einsamkeit zu erörtern.

Man erfährt, was sich für eine Art Wissenschaft und Forschung rund um die Erfassung des Phänomens gebildet hat. Vor allem die Quantifizierung des Gefühls bereitet erwartungsgemäß Probleme. Die „Erkenntnisse“ dieser Studien und Organisationen dienen dann der restlichen Geschäftswelt wieder als Datum für die Entwicklung ihrer Produkte.

„Die Unternehmen haben den Bedarf erkannt. »Die enorme Verbreitung von Freizeitaktivitäten wie Koch-, Stick-, Heimwerker-, Buchbinde-, Mal- und Dekorationskursen geht über ihren eigentlichen Zweck hinaus und entspricht dem Bedürfnis, Kontakte zu knüpfen und andere Menschen kennenzulernen, mit denen man einen Freundeskreis gründen oder sogar einen Partner finden kann«, meint der Professor Irastorza. Ein weiterer riesiger Markt ist Wellness: Fitnessstudios, Sportvereine (Wandern, Trekking usw.), Massage- und Schönheitszentren oder Yoga und Meditation. »Ein weiterer wichtiger Faktor dabei ist die Partnersuche«, fügt der Professor hinzu.

Das Kapital eilt herbei

Das Thema Einsamkeit rückt für Startups in den Fokus und Risikokapitalgeber drängen in großem Stil auf diesen Markt.

Einige Unternehmen, die auf die eine oder andere Weise in diesem Bereich tätig sind, sind Papa, das Senioren miteinander verbindet und mehr als 240 Millionen Dollar dafür eingesammelt hat.
Weiters gibt es 222, ein KI-gestütztes soziales Netzwerk, das Treffen mit einander Unbekannten an konkreten Orten organisiert, und Pie, das 24 Millionen US-Dollar eingesammelt hat und über 20.000 aktive Benutzer verfügt, die es durch IRL- (In Real Life) Events verbindet, zählt der bei einer großen europäischen Bank angestellte John Lanerborg auf.
Sonst gibt es noch ElliQ, ein sozialer Roboter für Senioren, oder Cuideo in Spanien, das häusliche Pflege mit sozialer Komponente anbietet.“

Die anderen scheinen eher USA-basiert zu sein.

„»Als wir Timeleft im Mai 2023 auf den Markt brachten, erkannten wir einen klaren globalen Trend: Menschen, insbesondere in Großstädten, suchen zunehmend nach echten, persönlichen sozialen Kontakten«, sagt Marta Unturbe, Strategic Operations Manager des Unternehmens, das Unbekannte zum Abendessen in Restaurants zusammenbringt.
Diese Art von Social-Dining-Plattformen sind auch Teil des Einsamkeits-Business-Ökosystems. Insbesondere dieses ist von 500 auf über 27.000 wöchentlich aktive Benutzer angewachsen und hat sich auf über 300 Städte in 62 Ländern ausgeweitet. »Wir beobachten eine steigende Nachfrage in wichtigen Bevölkerungsgruppen wie Senioren, Telearbeitern und Menschen, die in neue Städte ziehen, was das Bedürfnis nach sozialen Kontakten verdeutlicht«, erklärt Unturbe.

Außerdem hat die Dating-App Bumble“ („Summen“ {wie eine Biene oder Hummel}) „eine eigenständige Plattform nur zum Knüpfen von Freundschaften geschaffen. The Nudge („Der Stupser“) hilft Benutzern, interessante Aktivitäten zu entdecken. The Breakfast ist eine App, die durch tägliche virtuelle Frühstückstreffen Kontakte zwischen kreativen Menschen fördert. RealRoots veranstaltet sechswöchige Programme für gleichgesinnte Frauen und Tribe verwandelt Stadtviertel in stärker vernetzte Gemeinschaften.

Es lohnt sich, einen Blick auf einige Schlüsselmärkte zu werfen. Es war unvermeidlich, dass die Künstliche Intelligenz früher oder später in diesem Bereich Einzug halten würde. So haben sich hier Chatbots etabliert (die Gespräche per Text oder Sprache anbieten), die möglicherweise die Einsamkeit verewigen.
Im Segment der älteren Menschen liegt ihr Nutzen auf der Hand. Im Jahr 2023 brachte AtlanTTic, das Zentrum für Erforschung von Telekommunikationstechnologie der Universität Vigo, Celia auf den Markt, die erste galizische Software zur Bekämpfung der sozialen Isolation. »Die Vision war, Gesprächsassistenten zu entwickeln, die auf die Interessen älterer Menschen zugeschnitten sind, um sie zu unterhalten und zu begleiten. In dieser Bevölkerungsgruppe ist Einsamkeit eines der Hauptprobleme, mit pandemischen Merkmalen«, sagt Francisco Javier González, Professor für Telematiktechnik und Leiter der Gruppe für Informationstechnologie an der Universität Vigo. Jetzt heißt Celia Serenia. Die Universität hat ein Spin-off, Serenia Solutions, gegründet und verfügt derzeit über mehr als 10.000 aktive Benutzer.

Hier sind einige der beliebtesten Gesprächspartner. Character.AI erhielt im März 2023 in einer von der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz angeführten Runde eine Investition von 150 Millionen US-Dollar, wodurch sich seine Bewertung auf 1 Milliarde US-Dollar erhöhte (…). XiaoIce ist ein chinesischer Chatbot von Microsoft mit emotionalen Fähigkeiten und Replika ist ein KI-Begleiter, mit dem Sie chatten, nachdenken, gemeinsam lachen und Freundschaften schließen können.

»Einsamkeit nimmt zu, sowohl in der realen Welt als auch im Internet. Immer mehr Menschen berichten, dass sie sich isoliert fühlen, selbst wenn sie von anderen umgeben sind«, betont Dmytro Klotschko, CEO von Replika, das 2016 gegründet wurde und 35 Millionen registrierte Nutzer hat. Und er fügt hinzu: »Wir haben nicht den Anspruch, die Einsamkeit zu heilen, aber wir bieten etwas, das den Menschen hilft, sich ein bisschen mehr gesehen und verbunden zu fühlen, und manchmal kann das alles verändern.«
Der Chatbot kann eine Version von einem selbst sein, jemand, der den Benutzer kennt, oder eine erfundene Persönlichkeit. Sie können ihr Aussehen, ihre Kleidung, den Raum, in dem sie interagieren, und sogar ihre Stimme auswählen. Es ist auch möglich, gemeinsam Selfies aufzunehmen, und die App ist so konzipiert, dass sie so immersiv und emotional ansprechend ist, wie der Benutzer es wünscht (Auswahl von Gesprächsthemen, Tätigen von Sprachanrufen oder Interaktion in »erweiterter Wirklichkeit«, wofür ein kostenpflichtiges Abonnement erforderlich ist).

Eine weitere Variante ist die Begleitrobotik (tatsächliche Roboter), ein aufstrebender Markt, der sich rasch entwickelt und vor allem durch den demografischen Wandel und die Bedürfnisse einer alternden Bevölkerung vorangetrieben wird. »In Europa erleben wir eine zunehmende Integration von Robotern, insbesondere im Gesundheitssektor. In den kommenden Jahren werden wir Roboter mit größeren emotionalen Fähigkeiten, einer stärkeren multimodalen Interaktion und einer Personalisierung auf Grundlage des Benutzerprofils sehen«, sagt die Website von PAL Robotics, 2004 in Barcelona gegründet und eines der Pionierunternehmen der Servicerobotik in Europa.
Einer ihrer Roboter ist ARI, der 1,65 Meter groß ist und zu dessen Hauptaufgaben es gehört, Gesellschaft zu leisten. Die Investition in diese Roboter kann je nach Modell und Ausstattung mit den Kosten eines Motorrads oder eines Mittel- bis Oberklasseautos verglichen werden.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Branche sind bereits spürbar und nehmen weiter zu: »Im Segment der Serviceroboter für Verbraucher wurden Branchendaten zufolge mehr als 4,1 Millionen Stück verkauft«, heißt es bei PAL.

Risiken und Grenzen

Aus Angst, dass all diese Technologien reale Beziehungen ersetzen werden, sprechen die Befragten lieber davon, daß sie »ergänzen«.“

Sie ersetzen sie doch bereits jetzt …

„»Sie werden ein Instrument zur Förderung der Sozialisierung sein«, glaubt González. Klotschko sagt: »Replika könnte Sie sogar nach Ihren Freunden fragen, Sie ermutigen, auf andere zuzugehen, oder Sie daran erinnern, nach draußen zu gehen.«“

Allerdings etwas überflüssig, wenn es keine realen Freunde gibt, die man draußen treffen könnte – was ja der Ausgangspunkt dafür ist, sich an so einen Chatbot zu wenden.

„Die Gefahr besteht jedoch darin, nicht zu wissen, was real und was simuliert ist. Beispielsweise gaben bei Replika etwa 60 % der zahlenden Benutzer an, eine Liebesbeziehung mit ihrem virtuellen Freund zu haben.

Darüber hinaus müssen ethische und datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen beachtet werden. »Viele technologische Lösungen beinhalten die Überwachung und Analyse sensibler Daten, daher müssen wir die Sicherheit und Autonomie der Benutzer gewährleisten«, bemerkt Borja Sangrador, Partner des Beratungsunternehmens EY, Sparte für Gesundheitswesen und Biowissenschaften.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die digitale Kluft. »Viele Menschen, die unter Einsamkeit leiden, haben keinen einfachen Zugang zu diesen technologischen Lösungen. Inklusion muss Priorität haben«, fügt er hinzu.“

Unter älteren Menschen kann man sich da noch weite Geschäftsfelder erschließen! Der Markt ist praktisch unendlich!

„Ein weiterer Aspekt des Geschäfts, der Aufmerksamkeit verdient, ist die »psychische Gesundheit« und vor allem der Ausbau digitaler Plattformen. Beispiele hierfür sind BetterHelp, das Zugang zu mehr als 28.000 Therapeuten in über 200 Ländern bietet, und Talkspace, das Benutzer ebenfalls über eine mobile App mit diesen Fachleuten verbindet und 2021 an die Börse ging.

Das spanische Startup Aimentia, das auf digitale psychische Gesundheit durch künstliche Intelligenz spezialisiert ist und im Februar 2023 eine Investitionsrunde in Höhe von 500.000 Euro abgeschlossen hat, glaubt, dass KI die psychische Gesundheit demokratisiert.“

Man fragt sich bereits, was denn diese »psychische Gesundheit« eigentlich sein soll? – und dann auch noch demokratisch!!

„»Die Zukunft der psychischen Gesundheit wird hybrid sein: menschliche Empathie, verstärkt durch die Präzision künstlicher Intelligenz«, sagt Edgar Jorba, CEO und Mitbegründer von Aimentia, für den »Einsamkeit die neue stille Pandemie des 21. Jahrhunderts sein wird. … Fast 40 % der betreuten Personen erwähnen direkt oder indirekt Gefühle der Isolation, Trennung oder mangelnder emotionaler Unterstützung«. Das Unternehmen ist bereits nach Mexiko, Chile und Argentinien expandiert. Jorba betont, dass »KI im Bereich der psychischen Gesundheit die Menschen nicht ersetzt: Sie gibt ihnen die Freiheit, sich auf die menschliche Pflege zu konzentrieren.«“

???
Gemeint ist offenbar diejenige, wo jemand körperlich präsent sein muß.

„Ein weiterer Zweig dieser Branche ist die Vermietung von Freunden (aus Fleisch und Blut).
Client Partners (in Japan) und Rent A Friend sind einige der Unternehmen, die diese ungewöhnlichen Dienste anbieten. »Wir reagieren auf einen einzigartigen und bislang ungedeckten Bedarf. Unsere Dienstleistungen können zwar Einsamkeit lindern – ein wertvoller und positiver Nebeneffekt –, aber das ist nicht unser Hauptziel. Unser Kernanliegen ist die Vernetzung«, sagt Andrew Wolf, CEO von Rent A Friend, einem 2009 in New Jersey gegründeten Unternehmen. Die Plattform bietet über ein monatliches Abonnement von 19,99 US-Dollar Zugriff auf ein globales Netzwerk von 40.000 aktiven »Freunden«. Es gibt keinen einheitlichen Benutzertyp: »Es deckt alle Bevölkerungsgruppen ab«, betont Wolf. In Spanien stehen etwa 1.500 Freunde zur Verfügung.

Diese sind echt. (…)“

Ein interessantes Berufsprofil, mit großer Zukunft: Mietbarer Freund für ein paar Stunden …

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Der Artikel ist in mehrer Hinsicht bemerkenswert: Er nimmt sich des Themas der Vereinzelung der Menschen und der Folgen derselben sehr ausführlich an, ohne auch nur einen Gedanken auf deren Ursachen zu verschwenden.

Ein gesellschaftliches Problem interessiert nur mehr unter dem Gesichtspunkt:

1. Handhaben, um unerwünschte Folgen zu vermeiden

2. Kosten minimieren, und

3. Geschäfte machen.

Das unangenehme Bild einer Gesellschaft, wo die Alten von Robotern gepflegt werden, die Jungen mit gemieteten Freunden ausgehen – oder was immer machen – und alle sich hauptsächlich mit Chatbots unterhalten, wird hier gezeichnet.