Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 18.3.: Bilanz nach 19 Tagen Krieg gegen den Iran

„IRANS »GRAUE EMINENZ« LARIDSCHANI WURDE ERMORDET, ÖL- UND GASFELDER STEHEN IN FLAMMEN: DER KRIEG SPALTET SOGAR DAS WEISSE HAUS

Der Iran reagierte auf Israels Tötung Laridschanis mit Raketen, die mit Streumunition bestückt waren

Um Mitternacht (vom 17. auf den 18.3.) bestätigte Teheran offiziell den Tod einer Schlüsselfigur des Irans, die dem Obersten Führer ebenbürtig war – des Vorsitzenden des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani (die Israelis hatten den Tod am Dienstagmorgen bekannt gegeben).

Bis vor Kurzem betrachteten die USA Laridschani als möglichen Führer des Iran während einer »Übergangsphase«. Doch er wurde nicht zum Verräter, sondern zum Helden.

Und US-Präsident Donald Trump erlitt einen schweren Schlag von einem scheinbar loyalen Verbündeten: Der Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joe Kent, trat mit einem Paukenschlag zurück. Er erklärte, Israel habe das Weiße Haus getäuscht und der Krieg mit dem Iran wäre verheerend für Amerika. Handelt es sich hier um eine Spaltung der republikanischen Elite, eine Meuterei an Bord eines Schiffes oder eine isolierte Demarche?

Ein sicheres Indiz dafür, ob das Ende des Konflikts naht oder sich verzögert, sind die Treibstoffpreise. Je höher sie sind (und sie steigen derzeit), desto wahrscheinlicher ist es, dass Washington nachgibt.

Wer war Ali Laridschani?

Obwohl das offizielle Teheran behauptet, für jeden Chef und Kommandeur seien 3 Stellvertreter ausgebildet – sollte einer getötet werden, würde ein anderer die Führung übernehmen –, ist die Bedeutung der Persönlichkeit in der Geschichte nicht verschwunden.

Nach dem Tod von Ayatollah Chamenei übernahm der 67-jährige Ali Laridschani faktisch die Herrschaft über das Land. Zuvor hatte er mit dem Westen über das Atomprogramm verhandelt, Kontakte zu wichtigen Verbündeten gepflegt und Notfallpläne entwickelt.
Offiziell koordinierte er die Zusammenarbeit zwischen dem Präsidenten, den Revolutionsgarden und der Armee, bereitete Entscheidungen für den Obersten Führer vor und sorgte für deren Umsetzung.

Laridschani galt als Befürworter wirtschaftlicher Reformen; es hieß sogar, er würde im Falle eines Erfolgs der Proteste im Iran eine Übergangsrolle in einer vom Westen unterstützten Regierung übernehmen. Doch er ging mit brutaler Härte gegen die Aufstände vor.

Sein Mut war unbestreitbar: Als das Pentagon eine Belohnung von 10 Millionen Dollar für Informationen über iranische Führungskräfte, darunter Laridschani, aussetzte, ging er unbewacht zu Fuß zu einer Demonstration in Teheran. Gestern spotteten die Israelis: »Seht euch die Belohnung an, und wir haben es umsonst getan.«“

Wen trifft der Spott eigentlich?
Den Iran oder die USA?

„Donald Trump reagierte auf Laridschanis Tod: »Ihr oberster Mann wurde getötet. Er war für den Tod der Demonstranten verantwortlich.«“

Wer kann Laridschani ersetzen?

Neben Laridschani wurden auch sein Sohn Morteza und sein Sicherheitschef getötet. Dies geschah vermutlich im Haus der Tochter des Politikers in der Nähe von Teheran. Aufnahmen eines Trümmerhaufens – alles, was von dem Gebäude übrig ist – kursieren im Internet.

Der iranische Präsident Masud Pezeschkian wandte sich an die Nation: »Es ist sehr schwer, diesen Verlust zu verkraften. Doch den reinen Seelen der großen Märtyrer der Islamischen Revolution nahe zu sein, war ein lang gehegter Wunsch meines lieben Bruders.«

Boris Dolgov, ein führender Forscher am Zentrum für Islamwissenschaften des Instituts für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften, erklärte gegenüber KP.RU: »Laridschanis Einfluss auf das politische Leben im Iran war in den letzten 20 Jahren enorm, und er spielte eine entscheidende Rolle bei der Organisation der Landesverteidigung im aktuellen Krieg.

Das wirklich Tragische ist, dass Israel mit solchen gezielten Tötungen von Politikern in anderen Ländern die Büchse der Pandora öffnet. Jede Möglichkeit von Verhandlungen wird dadurch zunichtegemacht.«“

Das ist vermutlich auch genau das, was Israel will.
Wenn es niemanden mehr zum Verhandeln gibt, so kann Israel diktieren – zumindest ist das die Hoffnung der israelischen Führung.

„Zu Laridschanis potenziellen Nachfolgern zählt Ali Bagheri, ein Diplomat und Laridschanis Stellvertreter für internationale Angelegenheiten. Auch der ehemalige Stabschef des Obersten Führers, Saeed Jalili, der die Atomverhandlungen leitete und enge Verbindungen zu den Revolutionsgarden unterhält, steht auf der Liste. Ebenso wie der Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, Ahmad Vahidi, der nach der Ermordung seines Vorgängers das Amt übernahm.

Vahidi ist ehemaliger Verteidigungsminister, ein Veteran des Iran-Irak-Krieges und Gründer der Auslandsoperationskräfte der Revolutionsgarden, die für die Unterstützung von Stellvertretergruppen wie der Hisbollah, der Hamas und den Huthis verantwortlich sind.

Und wo befindet sich der Oberste Führer Modschtaba Chamenei selbst? Die Nachricht von seiner Verlegung nach Russland zur medizinischen Behandlung wurde vom Botschafter der Islamischen Republik in Russland, Kasem Jalali, dementiert. »Dies ist der neue psychologische Krieg«, erklärte er.

Unterdessen prahlten die Israelis damit, den Anführer der Basidsch-Freiwilligenmiliz, Gholamreza Soleimani, bei einem gezielten Luftangriff getötet zu haben.
Israel und die USA schließen einen iranischen Aufstand weiterhin nicht aus – genau deshalb eliminieren sie iranische Führungskräfte. In den sozialen Medien kursieren immer mehr Aufrufe: Eure Anführer sind weg, eure Soldaten desertieren, geht in die Offensive!

Die Behörden ihrerseits haben ihre Anhänger zu Massenprotesten aufgerufen. Eine große Abschiedszeremonie für Laridschani ist geplant, die mit der Beerdigung der gefallenen iranischen Seeleute zusammenfällt.

Wer ist Joe Kent, der wegen des Iran-Krieges zurücktritt?

Donald Trump befand sich trotz seines »durchschlagenden Erfolgs« – den Ansagen aus dem Weißen Haus nach zu urteilen – in einem äußerst nervösen Zustand. Und man musste die Ansagen gar nicht erst ansehen: Personen aus dem Umfeld des US-Präsidenten verkündeten, sie hätten ihn noch nie so wütend erlebt.

Dafür gibt es 3 Gründe. Der erste und wichtigste ist, dass der Krieg nicht nach dem Plan verläuft, der zu Beginn so schön skizziert wurde. Zweitens verweigerten die europäischen Verbündeten den USA in der Straße von Hormuz die Unterstützung und behinderten Washington offen. Drittens wurde Donald Trump öffentlich von seinem Vertrauten, dem hochrangigen Sicherheitsbeamten Joe Kent, verraten.

Kent, ein Veteran der Spezialeinheiten und ehemaliger CIA- und Geheimdienstoffizier, wurde in Trumps zweiter Amtszeit zum Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung ernannt. Dieses Zentrum ist das »Gehirn« der nationalen Terrorismusbekämpfung und koordiniert die Arbeit aller Sicherheitsbehörden. Und wer könnte besser als Kent beurteilen, ob der Iran Amerika tatsächlich bedrohte oder nicht – ob beispielsweise Teheran einen Mordanschlag auf Trump plante, wie die Israelis ihn glauben ließen?
Joe veröffentlichte in den sozialen Medien einen ausführlichen offenen Brief an den Präsidenten und kündigte seinen Rücktritt an. Hier die wichtigsten Punkte seiner Botschaft:

– Der Iran stellte keine Bedrohung für die USA dar; der Krieg wurde unter dem Druck Israels und seiner Lobby in Amerika begonnen.
– Die Israelis und ihre Unterstützer in der amerikanischen Presse täuschten Trump, indem sie ihm vorgaukelten, der Iran stelle eine Bedrohung für die USA dar und die Operation würde einen schnellen Sieg bringen.
– Israel zog die Amerikaner auf ähnliche Weise in den verheerenden Irakkrieg hinein.
– Es ist noch nicht zu spät, den Kurs zu ändern, sonst wird das Land in Niedergang und Chaos versinken.

Kent hat ein zutiefst persönliches Motiv: Seine Frau Shannon, eine Unteroffizierin der Marine, starb 2019 in Syrien, als sich ein Selbstmordattentäter in einem Restaurant in die Luft sprengte. Joe sieht darin eine der fatalen Folgen der amerikanischen und israelischen Nahostpolitik.

Auf die Frage eines Reporters zu Kents Ausführungen antwortete Trump kurz: Er halte ihn für einen netten Kerl, aber in Sicherheitsfragen sei er immer schwach gewesen.
Wenn er schwach war, warum wurde er dann ernannt?

Trumps Aussagen zum Krieg gegen den Iran

Aus den jüngsten – und umstrittenen – Aussagen des US-Präsidenten:

– »Wir haben enorme militärische Erfolge erzielt, aber wir brauchen keine Hilfe von NATO-Staaten im Kampf gegen den Iran. Er ist völlig zerstört.«
– Wenn die (NATO-)Kollegen Washington nicht unterstützen, kommt die Idee eines amerikanischen Austritts aus dem Bündnis auf: »Ich brauche den Kongress nicht für diese Entscheidung. Ich kann sie selbst treffen.«
– Es gibt keine Gefahr, dass eine Bodenoffensive im Iran zu einem zweiten Vietnam führen könnte: »Ich fürchte nichts.«
– Die USA werden sich »in naher Zukunft« aus dem Krieg gegen den Iran zurückziehen.

Und am bemerkenswertesten: Der Iran hat kein Recht, die Straße von Hormuz zu blockieren: »Das ist richtig unfair von ihnen! Wir haben bereits gewonnen!«

Tatsächlich hat Washington keine bahnbrechenden militärischen Lösungen angeboten. Bombardieren, Töten. Töten, Bombardieren. Und was dann?

Doch amerikanische Seeleute scheinen eine Lösung von unten gefunden zu haben. Ein Brand in der Wäscherei des ruhmreichen Flugzeugträgers USS Gerald Ford konnte erst nach 30 Stunden gelöscht werden, und das Schiff kehrt nun nach Kreta zurück. Es besteht der Verdacht, dass die Besatzung das Feuer gelegt hat, um »die lange Mission des Schiffes zu beenden«. Die Ermittlungen laufen.

Die Lage in Israel

Die israelischen Behörden verbrachten den ganzen Tag damit, sich in Spott zu Laridschanis Tod zu ergehen. Ministerpräsident Netanjahu, in dessen Nähe eine iranische Rakete einschlug, träumte weiter: »Wir untergraben das Regime, damit das Volk es stürzen kann.«“

Das ist eigentlich ein Befehl an die iranische Bevölkerung: Räumt die Mullahs weg oder wir bombardieren euch in Grund und Boden!

„Lokale Medien berichten: Seit Beginn des Krieges wurde im Gelobten Land »kein einziges militärisches Ziel getroffen.«
Wirklich?
Wer israelische Online-Foren liest, sieht ständig neue Meldungen: »Sirenenalarm … Alarm … Sirenenalarm … Alle in Sicherheit bringen …«“

Das sind aber in der Tat keine militärischen Ziele.
Außerdem berichtet der Korrespondent des ORF, die Laune in Israel sei gut: Endlich weg mit den Mullahs, dafür ist jedes Opfer recht!
Muß nicht stimmen, ist aber erwähnenswert.

„Nach den Angriffen auf Teheran und andere iranische Städte (eine der Raketen traf das Kernkraftwerk Buschehr, wo ein Reaktor in Betrieb ist) warnte die israelische Armee die Israelis: Der Iran werde den Tod Laridschanis rächen. Bereitet euch auf noch heftigere Angriffe vor.
Und so geschah es: Raketen mit Streumunition wurden auf Israel abgefeuert.

Welche Angriffe hat der Iran am 17. März durchgeführt?“

Hier handelt es sich offenbar um offizielle Verlautbarungen des Iran.

„– Die Revolutionsgarden griffen weiterhin Jerusalem, Tel Aviv und amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten mit überschweren Raketen und Drohnen an.“

Was bedeutet hier „überschwer“?

– In Saudi-Arabien wurde auf dem Flughafen Al-Qaisumah ein wichtiges amerikanisches AN/FPS-117-Luftverteidigungsradar zerstört. Es konnte Drohnen, Raketen und Flugzeuge in einer Entfernung von 500 km erfassen.
– Das Luftverteidigungssystem zum Schutz der US-Botschaft in Bagdad wurde zerstört und geriet in Brand.
– Die Angriffe auf den israelischen Waffenfabrikkomplex Rafael (Hersteller von Raketen und Komponenten des Raketenabwehrsystems Iron Dome) dauerten an.
– Ein hochrangiger israelischer Beamter wurde getötet (Name wird nicht genannt).
– Laut iranischen Geheimdienstquellen haben die US-Streitkräfte an Verlusten 200 Tote und über 3.000 Verwundete. Die Amerikaner und ihre Verbündeten verloren 150 Raketenwerfer, 24 Patriot-Systeme, 37 Flugzeuge und Hubschrauber sowie 43% ihrer Waffenbestände.

– Der Iran griff erstmals Öl- und Gasförderanlagen an – eines der größten Gasfelder der Welt, Schah (VAE), dessen Betrieb eingestellt wurde, sowie das Ölfeld Majnoon im Irak. Der staatliche emiratische Ölkonzern Adnoc stellte die Ölverladung im Hafen von Fudschaira ein, nachdem ein Tanker nach einem Treffer in Brand geraten war.“

Nach Fudschaira am Golf von Oman verläuft die Pipeline der VAE, die den persischen Golf umgeht.
Selbst wenn die Verluste des Gegners übertrieben dargestellt werden, so ist der Schaden dennoch gewaltig.

„Die Lage in der Straße von Hormuz und die Ölpreise

Die Straße von Hormuz bleibt für alle Schiffe gesperrt, mit Ausnahme einiger Tanker, die Öl nach Indien und China transportieren. Gleichzeitig sind die Ölpreise gestiegen – um 3% innerhalb von 24 Stunden.

Das Weiße Haus ist vor allem über den sprunghaften Anstieg der Kraftstoffpreise im Inland besorgt: Der durchschnittliche Dieselpreis hat erstmals seit 4 Jahren die Marke von 5 US-Dollar pro Gallone überschritten. Insgesamt ist der Dieselpreis seit Kriegsbeginn um 34% gestiegen, und Diesel ist für das Wirtschaftswachstum unerlässlich. Die Bevölkerung beginnt sich zunehmend darüber zu ärgern.

Die Dieselprobleme haben auch Polen betroffen: Polen strömten in die Slowakei und leerten dort die Tankstellen an der Grenze. Ministerpräsident Fico drohte, die Preise für Ausländer zu erhöhen oder Beschränkungen einzuführen.“

Wieso ist Diesel in der Slowakei billiger als in Polen?

„Doch Brüssel bereitet sich darauf vor, die Lage für die Europäer noch zu verschärfen: Ein vollständiges Verbot von russischem Öl steht unmittelbar bevor.

Nebenbei bemerkt: Indien kauft unser »schwarzes Gold« bereits für 98,93 Dollar pro Barrel – 40 Dollar mehr als vor dem Krieg im Iran.

Wann wird der Krieg zwischen den USA und dem Iran enden?

Responsible Statecraft analysierte das Vorgehen der Amerikaner. Die Schlussfolgerungen sind unerfreulich für Washington: Das Weiße Haus hatte keinen wirklichen Anlass für den Krieg, und es herrscht kein klares Verständnis über dessen letztendlichen Ausgang.

»Trump und seine Verbündeten scheinen beschlossen zu haben, dass sie durch Zerstörung ohne klares politisches Ziel die geopolitischen Interessen der USA voranbringen und gleichzeitig eine Pattsituation vermeiden können«, so das Fazit der Analyse. »Doch die Zerstörung militärischer Anlagen ist keine Strategie, sondern eine Taktik.«
Der Bewohner des Weißen Hauses, der verkündet hatte, dass große Nationen keine endlosen Kriege führen, hat seine Wahlversprechen gebrochen und das Land in ein Abenteuer gestürzt.

Reuters berichtete, dass das Weiße Haus Teheran einen Waffenstillstand angeboten hatte. Modschtaba Chamenei lehnte ihn ab. Wie hätte er auch zustimmen können, nachdem seine Familie durch Bomben getötet worden war?

Nach Laridschanis Ermordung ist es inzwischen besser, den Waffenstillstand gar nicht erst zu erwähnen. Die Amerikaner mögen sich noch immer der Illusion hingeben, der Krieg könne für beendet erklärt werden, sobald die Treibstoffpreise bereits in Gold gemessen werden. Doch Teheran hat keinerlei Absicht, ihn zu beenden.

Während die Republikaner bei den Zwischenwahlen im November lediglich Sitze im Kongress zu verlieren riskieren, geht es für die Iraner um Leben und Tod. Und um Ehre.“

Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 2.3.: Angriff auf den Iran

„DIE USA HABEN GEGENWIND AUS TEHERAN ERHALTEN – WIE GEHT ES IM NAHEN OSTEN WEITER?

Der Krieg im Nahen Osten eskaliert. Der Iran beschießt weiterhin Ziele in Nachbarländern. Gestern beispielsweise griffen Drohnen Saudi-Arabiens größte Ölraffinerie, Saudi Aramco, an. Israelische Raketen flogen auf Teheran, und die iranische Atomanlage in Natanz wurde attackiert.
Die Islamischen Revolutionsgarden meldeten einen Angriff auf die Residenz des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, während israelische Medien einen Angriff auf das Haus des iranischen Interims-Obersten Führers Alireza Arafi verkündeten.

Die Komsomolskaja Prawda befragte Experten zu den wichtigsten Fragen der Lage um den Iran, und zwar:

Semjon Bagdasarow, Direktor des Zentrums für Nahost- und Zentralasienstudien
Die Orientalistin Karine Geworgjan
Konstantin Blochin, führender Forscher am Zentrum für Sicherheitsstudien der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Den ehemaligen Chef der Flugabwehrraketentruppen des Sonderkommandos (ehemals Moskauer Luftverteidigungsbezirk), Oberst a. D. Sergei Chatyljew.
Den international tätigen Journalisten Abbas Dschuma.

1. Warum vertraute der Iran den Verhandlungen mit den USA?

KP: Die Angriffe auf den Iran begannen vor dem Hintergrund iranisch-amerikanischer Gespräche in Genf. Der iranische Außenminister Aragtschi beschwerte sich, Trump habe den Verhandlungstisch »zerbombt«, obwohl eine Einigung kurz bevorstand. Dies ist bereits das zweite Mal – auch im vergangenen Juni liefen Verhandlungen. Warum gelang es den Amerikanern, die Iraner ein zweites Mal in falscher Sicherheit zu wiegen?

Blochin: Ich erinnere daran, dass Israel beim letzten Mal zuerst angriff und die Amerikaner sich erst einige Tage später beteiligten. Daher gingen die Iraner vermutlich davon aus, dass die Amerikaner auch diesmal nicht sofort eingreifen würden. Doch dieses Mal handelte es sich eindeutig um einen gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriff.

KP: Was ist das wahre Ziel der USA im Konflikt mit dem Iran?

Bagdasarov: Das Regime stürzen, es durch ein pro-israelisches, pro-amerikanisches ersetzen – und die Kontrolle über den enormen Reichtum des Landes erlangen.

2. Warum tauchte Ayatollah Ali Khamenei nicht unter?

KP: Irans Oberster Führer Ali Khamenei tauchte nicht unter. Warum? Schließlich kannte er die Risiken. Und warum war seine Familie zum Zeitpunkt des Angriffs bei ihm in Teheran? Hätte er sie – einschließlich seiner 14 Monate alten Enkelin – nicht in einem Bunker verstecken können?

Geworgjan: Israelische und amerikanische Medien berichteten, der iranische Oberste Führer habe sich in einem Bunker versteckt. Er war ein 86-jähriger, kranker Mann. Und er verstand: Was macht es schon für einen Unterschied? Ich werde sowieso sterben, und es wird sofort geschehen.
Er wurde zum heiligen Opfer und bewies damit seine Integrität. Das ist wichtig. Ayatollah Khamenei hat sehr mutig gehandelt.
Es ist schade, dass seine Angehörigen anwesend waren. Ein Kleinkind starb …

Dschuma: Ich erkläre dies mit religiöser und ideologischer Logik. Der Oberste Führer war ein aufrichtiger Gläubiger; seine Priorität war der Erhalt des 1979 etablierten Systems, selbst um den Preis seines eigenen Lebens. In diesem Kontext wird ein würdevoller Tod, insbesondere während des Ramadan, als wertvoller angesehen als ein sicheres Überleben.
Wenn ein Führer zu dem Schluss kommt, dass sein Tod der Sache mehr nützt als sein weiteres Leben, trifft er eine bewusste Entscheidung. In diesem Sinne war Khameneis Entscheidung, nicht in den Bunker zu gehen, seine persönliche.
Was die Todesfälle der Angehörigen betrifft, möchte ich daran erinnern: Der Tag des Angriffs war ein gewöhnlicher Tag, und die Angriffe richteten sich nicht nur gegen militärische, sondern auch gegen zivile Ziele. Kinder wurden getötet. Daher schlage ich vor, dass wir uns nicht fragen, warum Khameneis Enkelin zu Hause war, sondern warum Hunderte anderer Kinder an diesem Tag in der Schule waren.

3. Ist ein Putsch im Iran möglich?

KP: Trump und Netanjahu riefen die iranische Opposition auf, auf die Straße zu gehen und die Macht zu ergreifen. Ist ein solches Szenario realistisch?

Geworgjan: Das ist natürlich eine massive Überschätzung der Fähigkeiten der iranischen Opposition. Sie setzen schlicht auf Kopfabschneider, von denen es viele gibt. So die 25.000 ehemaligen IS-Kämpfer, die von den Kurden in Gefängnissen und Lagern festgehalten und dann in den Irak deportiert wurden. Sie setzen darauf, dass diese Mörder den Iran angreifen. Aber sie sind keineswegs die Opposition. Das ist nicht ernst zu nehmen.
Bomben fallen auf das Land, und jemand kommt heraus und sagt: Lasst uns die Regierung stürzen? Die Antwort wird lauten: Bist du verrückt? So würde jeder reagieren, selbst jemand, der den Ayatollah hasst.

KP: Die iranische Regierung ist nicht homogen. Gibt es derzeit jemanden in der Führung, der mit den USA kooperieren könnte?

Bagdasarov: Es gibt Leute, die mit Washington sympathisieren. Zum Beispiel Mohammad Dschavad Zarif, der ehemalige iranische Außenminister unter Präsident Rohani und ein persönlicher Freund von Präsident Pezeschkian.
Unter Pezeschkian wurde er Vizepräsident für strategische Angelegenheiten. Hinter vorgehaltener Hand wird er als »Amerikaner« bezeichnet; er studierte in den USA und war bereit, in seinen Beziehungen zu ihnen weit zu gehen.
Er verzögerte aktiv die Unterzeichnung eines strategischen Partnerschaftsabkommens zwischen den Iranern und Russland und wartete die US-Wahlen ab. Das war Zarifs Empfehlung, weil: Hätten die Demokraten gewonnen, hätten die Iraner ein solches Abkommen niemals mit Rußland unterzeichnet. Erst nach Trumps Sieg sagten sie: Wir werden unterschreiben.

Dschuma: Es wird über eine ähnliche Rolle für den Vorsitzenden des iranischen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, gesprochen. Ich halte ihn aber nicht für jemanden, der bereit wäre, den Iran den Amerikanern »auszuliefern«, obwohl der Einfluss seiner Familie im Land tatsächlich beträchtlich ist. Laridschani selbst hat Berichte über Versuche zur Wiederaufnahme des Dialogs mit Washington, die zuvor insbesondere im Wall Street Journal erschienen waren, bereits öffentlich dementiert. Teherans offizielle Position schließt Verhandlungen mit den USA derzeit aus.

4. Wie unterscheidet sich die militärische Reaktion des Irans von der in früheren Konflikten?

KP: Wie würden Sie die militärische Reaktion des Irans auf den Angriff charakterisieren? Was ist daran neu im Vergleich zu früheren Konflikten?

Bagdasarov: Meiner Meinung nach handelt der Iran völlig falsch. Sie haben gerade eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien angegriffen. Warum? Versucht Teheran, die Golfkoalition zu provozieren, damit sie sich am Krieg beteiligt? Wird das dem Iran nützen? Ich verstehe es nicht.

Chatyljew: Der Iran führt primär defensive Operationen durch. Die wichtigste Neuerung ist der aktive Einsatz der Luftstreitkräfte, die zuvor praktisch ungenutzt blieben, nun aber in die vorderste Angriffslinie integriert sind.
Bemerkenswert ist auch der Einsatz von mehr als 6 Hyperschallraketen. Dies deutet darauf hin, dass der Iran über entsprechende Bestände verfügt. Meiner Meinung nach bereitet sich Teheran auf komplexe Operationen zu Land und zu Wasser vor: Die Marine operiert aktiv gegen die US-Marinegruppe und greift gemeinsam mit landgestützten Raketenstreitkräften Ziele auf See und an Land an.
Zuvor gab es keine Angriffe auf europäische Stützpunkte in der Region. Und nun »warnt« der Iran Länder, die die amerikanische Linie unterstützen.
Die Aussagen Deutschlands über seine Bereitschaft zu Vergeltungsaktionen muß man ironisch kommentieren: Deutschland verfügt nicht über Flugzeugträger, eine Luftwaffe oder Tanker wie die USA, und ein Teil seiner Ausrüstung wurde an die Ukraine abgegeben, sodass seine Fähigkeit zur tatsächlichen Teilnahme an Kampfhandlungen begrenzt ist.

KP: Wer ist in der Lage, militärisch zugunsten des Irans zu intervenieren?

Bagdasarov: Niemand. Irans verlängerte Arme wie die Hisbollah und die Hamas sind erschöpft und verfügen über keine nennenswerten militärischen Kapazitäten.

5. Wird der Iran die Straße von Hormuz schliessen?

KP: Wird der Iran die Straße von Hormuz schließen (während er beispielsweise chinesischen Tankern die Durchfahrt erlaubt)? Was wird dann mit den Ölmärkten geschehen? Wir beobachten bereits iranische Angriffe auf Ölanlagen – beispielsweise die Raffinerie von Saudi Aramco …

Blochin: Teheran könnte die Straße für kurze Zeit schließen. Aber nicht dauerhaft. Schließlich wird der Druck nicht nur von den USA und Israel kommen. Auch China bezieht seine Energielieferungen durch die Straße von Hormuz. Peking könnte also fordern, dass seine Interessen berücksichtigt werden, und Teheran hat kein Interesse daran, die Chinesen zu verärgern. Darüber hinaus ist allgemein bekannt, dass Trumps Angriff auf den Iran unter anderem durch den Wunsch motiviert ist, Chinas Aufstieg zu stoppen.
Warum sollte man Chinas Feinden helfen, indem man die Straße von Hormuz schließt?“

Eine Teilsperre ist also nicht möglich, nur eine Gesamtsperre?

6. Wird der Iran in einem Krieg standhalten?

KP: Wie schätzen Sie die Lage im Nahen Osten ein? Wie lange könnte der Konflikt dauern, und ist der Iran in der Lage, durchzuhalten?

Blochin: Ich bin Amerikanist, daher kann ich vor allem die Reaktion in den USA vorhersagen. Es wird keinen organisierten Widerstand gegen Trumps Vorgehen geben, da ein Regimewechsel im Iran seit Langem ein zentrales Anliegen beider amerikanischer Parteien ist.
Die öffentliche Meinung in den USA ist bereit, Risiken einzugehen und Geduld zu üben, um dieses Ziel zu erreichen.
Es ist schwierig, die Dauer des iranischen Widerstands vorherzusagen. Eine weitere Möglichkeit ist der Zerfall des Landes entlang ethnischer Linien.

Geworgjan: Es ist in der Tat schwer vorherzusagen … Die Amerikaner könnten sogar einen Atomangriff auf den Iran starten. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass die Winde über dem Iran im März die gesamte Strahlung auf die Arabische Halbinsel, zu ihren Verbündeten in der Region und zu ihren eigenen Stützpunkten treiben werden.“

Es ist beachtlich, daß keiner der Befragten ein Eingreifen Chinas oder Rußlands in Erwägung zieht. Aber vielleicht ist das ein Tabuthema …

https://www.kp.ru/daily/27761/5217013

Pressespiegel El País, 18.1.: Der Iran entkam den Bombardements im Januar, aber nicht im Februar

„TRUMP STEHT VOR DEM DILEMMA EINES ANGRIFFS AUF DEN IRAN MIT UNVORHERSEHBAREN FOLGEN

Ein Sturz des Regimes würde einen langwierigen Militäreinsatz erfordern, den der US-Präsident ablehnt, und könnte ein von seinen Verbündeten befürchtetes regionale Chaos auslösen

Das schwere Maschinengewehr DSchK (Degtjarjow Schpagin) ist eine sowjetische Waffe mit einer Feuerrate von 600 Schuss pro Minute. Es wurde zur Flugzeugbekämpfung entwickelt und gehört zu den Waffen, die iranische Sicherheitskräfte gegen Demonstranten einsetzen, die auf den Straßen gegen das Regime protestieren.
Dies bestätigte die in Oslo ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) anhand von Zeugenaussagen, die dieser Zeitung vorliegen. Laut einer ersten Zählung der IHR hat diese Repression mit Kriegswaffen mindestens 3.428 Demonstranten das Leben gekostet und Angst und Schrecken verbreitet.

Seit Mittwoch wurden laut dem Institute for the Study of War keine Proteste mehr im Iran gemeldet. Die von Donald Trump am Dienstag angekündigte Hilfe für die Demonstranten, die »bereits unterwegs« sei, ist bisher nicht eingetroffen.
Laut dem Institut haben die iranischen Behörden eine Ausgangssperre ab 20:00 Uhr verhängt und blockieren weiterhin das Internet. Der Militärschlag, der Mitte der Woche als unmittelbar bevorstehend galt, ist weiterhin ungewiss.

»Die Zeit drängt für Washington [bei seinen Zielen im Iran]«, twitterte Danny Citrinowicz, ehemaliger Chef des israelischen Militärgeheimdienstes. Der Analyst warnt, dass es im Iran möglicherweise »keine nennenswerte Opposition mehr zu retten gibt«, falls der US-Präsident doch noch über die Durchführung der nun verschobenen Bombenangriffe entscheiden sollte.“

Mit einem Wort, der Regime Change ist abgesagt.

„Der Präsident dankte der Islamischen Republik am Freitag sogar auf seinem Social-Media-Account »Truth« für deren angebliche Entscheidung, 800 festgenommene Demonstranten nicht zu hängen.
Er deutete damit implizit an, dies sei der Grund für seinen Sinneswandel gegenüber dem Regime, mit dem er zwei Wochen lang gedroht hatte. Als am Mittwoch bekannt wurde, dass Washington einen Teil seines Personals vom Militärstützpunkt Al-Udeid in Katar evakuiert und seine Mitarbeiter in Saudi-Arabien zur Vorsicht gemahnt hatte, ging man davon aus, dass der Angriff innerhalb weniger Stunden erfolgen würde.

Noch am selben Nachmittag ruderte Trump zurück. Er erklärte, die Tötungen im Iran seien beendet und es werde keine Hinrichtungen von Demonstranten geben – eine Aussage, die auch der iranische Außenminister Abbas Araghchi in einem Interview mit Trumps bevorzugtem Fernsehsender Fox News bestätigte.

Am Donnerstag öffnete Teheran seinen Luftraum wieder. Am Samstag bezeichnete der iranische Oberste Führer, Ayatollah Ali Chamenei, Trump als »Kriminellen« und beschuldigte ihn, die Proteste angezettelt zu haben.“

Das ist eigentlich kein besonderes Geheimnis … Deshalb wurde auch das Internet gesperrt. Unzufriedenheit gibt es genug im Iran, die ist nicht schwierig zu mobilisieren.

„»Diejenigen, die mit Israel und den USA in Verbindung stehen, haben massiven Schaden angerichtet und Tausende von Menschen getötet«, sagte er und räumte damit die hohe Zahl der Todesopfer bei den Zusammenstößen ein.

Mehrere Experten glauben jedoch, dass die Entscheidung, vorerst nicht anzugreifen, wahrscheinlich auf ein von Citrinowicz als »strategisches Dilemma« bezeichnetes Problem Washingtons zurückzuführen ist. Dieses Dilemma besteht in der Wahl zwischen einem gezielten Schlag, der den Protestierenden kaum helfen oder das iranische Regime stürzen wird, und dem Verstricken in einen langwierigen Krieg.

Letzteres Szenario bietet zwar eine größere Chance, den Sturz der Islamischen Republik herbeizuführen, birgt aber die Gefahr, die USA in einen jener »endlosen Kriege« zu verwickeln, deren Beendigung der Präsident versprochen hatte. Ein längerfristiges Engagement Washingtons in einem Konflikt im Nahen Osten – angesichts der verheerenden Präzedenzfälle im Irak und in Afghanistan – würde das Versprechen, Amerika an erste Stelle zu setzen, das Trump bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr gab, bedeutungslos machen.

In diesen 12 Monaten hat Washington den Irak, Somalia, Nigeria, Syrien, Jemen und im Juni den Iran bombardiert, den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen genommen und nach New York überstellt sowie mit der Annexion Grönlands durch Dänemark gedroht.
Zu viele Auslandsfronten, gerade in einem Jahr, in dem die entscheidenden Zwischenwahlen stattfinden, stehen die Umfragewerte für die Republikaner nicht günstig.“

Warum eigentlich?
Wenn Donald seinen MAGA-Fans glaubhaft machen kann, daß diese Interventionen alle erfolgreich waren, so kann das die Leute schon beeindrucken …
Er hat ja nicht versprochen, keine Außenpolitik zu machen oder das Militär abzuschaffen.
In den europäischen Medien werden bei Trump immer mögliche Mißerfolge besprochen, in der Hoffnung, in Washington würde sich irgendetwas grundlegend ändern …

„Laut Regierungsquellen, die von NBC zitiert wurden, hatte Trump das Heimatschutzministerium angewiesen, einen »schnellen und entscheidenden« Angriff auf den Iran durchzuführen, der keinen langwierigen Krieg oder Chaos im Nahen Osten auslösen würde.
Dies war die Befürchtung seiner arabischen Verbündeten, die diese Woche intensive diplomatische Bemühungen unternahmen, um Washington in einer für Trump verständlichen Sprache umzustimmen. Sie warnten ihn, dass ein Angriff auf das Land, das über die drittgrößten Ölreserven der Welt verfügt und die Straße von Hormus kontrolliert, die Rohölpreise destabilisieren würde.

Auch andere US-Verbündete wie die Türkei und Pakistan lehnen die Bombardierungen ab, wie Luciano Zaccara, leitender Forscher bei New Ground Research, aus Katar berichtet.
Ankara will einen potenziell massiven Zustrom iranischer Flüchtlinge im Falle eines langwierigen Krieges vermeiden, während Islamabad eine Zunahme des Aufstands der Belutschen an seiner Grenze zum Iran befürchtet.

Sogar der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der regionale Erzfeind Irans, bat den Präsidenten laut »New York Times«, den Angriff zu verschieben.
Er befürchtete, ein solcher Militäreinsatz wäre angesichts der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste wirkungslos.
Teheran hatte gedroht, dass jeder Bombenangriff Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region und auf israelisches Territorium auslösen würde.“

Und Trump hatte offenbar seinem Freund Bibi glaubwürdig kommuniziert, daß die USA dann keinen Krieg gegen den Iran führen würden.
Die Angriffe des Iran im Juni haben nämlich gezeigt, daß Israels Luftabwehr durchlässig ist.

„»Niemand hat mich überzeugt, ich habe mich selbst überzeugt«, sagte Trump am Freitag Reportern, die ihn zu diesem potenziellen Druck befragten. »[Der Iran] hat die [800] Hinrichtungen abgesagt. Das hatte große Auswirkungen«, erklärte er.

Venezuela

Der Iran »stelle eine fundamentale Herausforderung« für das von Trump bevorzugte Modell »kurzer, entscheidender Kriege dar, die einen sichtbaren und leicht kommunizierbaren Sieg hervorbringen«, erklärt ein Analyst mit guten Kontakten zum iranischen Regime, der anonym aus Teheran spricht. In diesem Land »gab es keinen glaubwürdigen Weg, dieses strategische Ziel zu erreichen«, schlussfolgert er.

Statt des vollständigen Zusammenbruchs des Regimes (wie von Israel angestrebt) könnte Trump laut Andreas Krieg, Professor am King’s College London, in einem BBC-Interview am Donnerstag einen geschwächten Iran anstreben, der zu Verhandlungen mit den USA gezwungen wird.
Dies würde eine Lockerung der Sanktionen (gegen das iranische Atomprogramm), den Markteintritt US-amerikanischer Unternehmen und den Abschluss eines umfassenden Abkommens mit Washington ermöglichen, betonte der Analyst.

Dies ähnelt Trumps Plan für Venezuela, ein Land, dessen Machtstruktur wenig mit der Irans gemein hat. Der Ausdruck »Regime der Ayatollahs« beschreibt nämlich die Situation nur teilweise.“

Eigentlich gar nicht. Mit dem Wort „Regime“ ist ja die eigene Ignoranz ausgedrückt.
Hier wird allerdings zugegeben, daß, „Regime“ hin oder her, Venezuela und der Iran sehr unterschiedliche Regierungsformen haben.

„Die Macht im Iran konzentriert sich nicht allein auf Chamenei, der immerhin bereits 86 Jahre alt ist, sondern beruht auf einem komplexen Bündnis zwischen dem Klerus und den Revolutionsgarden, der Institution, die den Sicherheitsapparat kontrolliert – der Parallelarmee, deren Aufgabe die Verteidigung des Regimes ist.

Die Struktur dieser Körperschaft ist horizontal und ihre organische und geografische Verteilung tentakelartig, daher wäre ein Szenario wie das von Venezuela, bei dem der Führer »aus der Gleichung eliminiert« würde, nicht gleichbedeutend mit dem »Zusammenbruch des Systems«, argumentiert Krieg.

Im Iran gibt es auch keine Delcy Rodríguez, mit der man verhandeln könnte, betont Zaccara. Wenn das Weiße Haus nicht einmal einer Oppositionellen mit breiter Unterstützung in der Bevölkerung, einer Partei und einer einflussreichen Hierarchie wie María Corina Machado vertraut, dann erst recht nicht der einzigen sichtbaren Figur der iranischen Opposition, Prinz Reza Pahlavi.“

Ist der überhaupt Teil einer wie immer gearteten iranischen Opposition oder haben die Exilkreise oder eine USA-Behörde diese Figur in Ermangelung anderer Kandidaten aus dem Ärmel gezogen? Um den Medien der Welt irgendwen präsentieren zu können?

„Trump hat sich sogar geweigert, den Thronfolger des Schahs zu treffen. Pahlavi hat weder eine Partei noch eine nennenswerte Präsenz im Iran, wo die interne Opposition getötet oder inhaftiert wurde. »Mit wem wollen sie denn verhandeln? Mit den Revolutionsgarden?«, spottet Zaccara.
Die Revolutionsgarden sind die Hardliner des Regimes und haben ein großes Interesse an dessen Überleben, da sie 30 bis 40 Prozent der iranischen Wirtschaft kontrollieren.
Um den Demonstranten zu helfen, hätten die USA versuchen können, Irans Repressionskapazitäten durch Bombardierungen von Kasernen und die Tötung seiner Kommandeure zu schwächen, doch die Dezentralisierung und Autonomie des iranischen Sicherheitsapparats erschweren diese Aufgabe.

Der Iran verfügt über zwei Armeen: die reguläre Armee und die weitaus mächtigeren Revolutionsgarden, die zusammen etwa 900.000 Mann stark sind. Allein die Basidsch-Miliz, die den Revolutionsgarden untersteht, zählt laut Zaccara eine Million Mitglieder, von denen einige militärisch ausgebildet sind. Sie ist über das ganze Land verteilt und verfügt über Tausende von Zweigstellen.

Selbst in dem hypothetischen Szenario, dass militärische Angriffe die Führung der Revolutionsgarden und der Basidsch vollständig zerschlagen würden, könnten diese dem Regime treuen militärischen und paramilitärischen Kräfte im Falle eines Sturzes des Regimes einen Bürgerkrieg anheizen und diesen möglicherweise auf Länder wie den Irak ausweiten, ein Land mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit, in dem die Islamische Republik seit Jahrzehnten verbündete Milizen finanziert und ausbildet.
Der Zusammenbruch des zunehmend geschwächten politischen Systems des Iran würde dem kurdischen Separatismus und dem anderer Minderheiten, die ebenfalls in anderen Staaten der Region präsent sind, wahrscheinlich Auftrieb geben.

In diesem komplexen Kontext und angesichts der inzwischen menschenleeren Straßen betont Rass Zimmt vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Israel, dass die Untergrabung des Überlebens des iranischen Regimes »eine sehr umfassende und integrierte US-Aktion erfordern würde«, darunter »die Ermordung hochrangiger Beamter, Angriffe auf Dutzende Hauptquartiere der Sicherheitskräfte, Cyberoperationen und die Zerstörung von Raketensystemen« (die von den Revolutionsgarden kontrolliert werden) sowie weitere Operationen. Mit anderen Worten: ein langer und komplexer Krieg, den weder Trump noch seine Wähler wollen.

Trump hat einen Dialog vorerst ausgeschlossen. Diese Woche habe er ihn »kurz erwogen und dann verworfen, während die Proteste noch andauerten«, fügt Naysan Rafati, Iran-Expertin der International Crisis Group, hinzu.
Sie geht davon aus, dass Washington von Teheran »deutlich bedeutendere Zugeständnisse fordern wird, als es in der Vergangenheit bereit war zu machen«, um eine Einigung zu erzielen.

Alle Optionen lägen weiterhin »auf dem Tisch«, erklärte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt am Freitag. Einen Tag zuvor hatte die New York Times enthüllt, dass der Flugzeugträger USS Lincoln vom Südchinesischen Meer in die Gewässer nahe des Persischen Golfs unterwegs ist. Die Ankunft wird Ende nächster Woche erwartet.

Im Iran argumentieren zivilgesellschaftliche Aktivisten und iranische politische Gefangene – wie die Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi –, dass die Rettung nicht von Trump kommen werde und dass die Bombenanschläge sogar »ein noch härteres Vorgehen« provozieren könnten, wie die Anthropologin Narges Bajoghli in einem Meinungsbeitrag für das Time Magazine warnte. Diese Iraner setzen sich für einen friedlichen Übergang ohne ausländische Einmischung ein.

Dies ist der Geist der Bewegung »Frauen, Leben, Freiheit«, des friedlichen Aufstands, der durch den Tod der jungen Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam im Jahr 2022 ausgelöst wurde.
Frauen seien das Beispiel dafür, schreibt Bajoghli, wie iranische Frauen »nach Jahren des Aktivismus, geduldiger Organisation und beharrlichen zivilen Ungehorsams« durch schiere Tapferkeit »das errungen haben, was viele als das größte Zugeständnis der Islamischen Republik seit 1979 betrachten: die faktische Aufhebung des Kopftuchzwangs«.“

Andere Probleme des Iran, wie die anhaltende Dürre und den Wassermangel, könnten die USA auch nicht lösen …