Eine weitere Zusammenstellung der Auswirkungen des Iran-Kriegs

DIE KOSTEN DER GLOBALISIERUNG – TEIL 2: AFRIKA UND DIE MOBILITÄT

1. Afrika

Im ölproduzierenden Algerien scheint die Welt trotz steigender Energiepreise in Ordnung zu sein: Die Exporterlöse steigen und damit kann sich Algerien problemlos leisten, Lebensmittel und Treibstoff zu subventionieren – was es auch bisher schon getan hat. Das sind die Überbleibsel des Sozialismus, und dank des Öls konnte das auch kein IWF beseitigen und keine Schuldenlast gefährden. Sogar für das benachbarte Tunesien fällt laut einem marokkanischen Ökonomen etwas ab, um dort gröbere Störungen zu verhindern.
Algerien steht so gefestigt da, daß es auch nicht vor hat, den Ölsektor auszubauen, weil es mit der derzeitigen Förderung gut fährt.

Weniger rosig steht Marokko da, wo es keine fossilen Energieträger gibt und das noch dazu mit Algerien wegen der Westsahara verfeindet ist. 2022 verdreifachte sich die Inflation, davor fürchtet man sich jetzt. Der Staat subventioniert den Transportsektor, aber wie lange ist noch Geld in der Kasse?
Außerdem machen einen wichtigen Faktor die Auslandsüberweisungen der Arbeitsmigranten und die Einnahmen aus dem Tourismussektor aus und beides wird sich dadurch verringern, daß die Krise auch an der europäischen Wirtschaft nicht spurlos vorübergehen wird. Der Tourismus ist zudem durch die steigenden Kerosinpreise betroffen.
Seit Jahren baut Marokko den Hafen von Nador (neben Melilla) aus, um sich dann als eine Art Speicher und Verbindungsglied zwischen seinen Freunden am Golf und Europa zu positionieren – eine Berechnung, die jetzt gefährdet ist. Das Öl müßte nämlich erst einmal durch 2 Meerengen, den Suezkanal und das Mittelmeer kommen, bevor es seiner weiteren Bestimmung harren darf.

Apropos Suezkanal: Die Haupt Einnahme-Quelle Ägyptens ist der Suezkanal. Kommen jetzt Tanker nicht aus dem persischen Golf heraus und dann nicht durch das Rote Meer, so ist der Devisenhaushalt und die Wirtschaft Ägyptens gefährdet.
Außerdem erhält Ägypten auf diesem Weg sein Öl und dieses wiederum ist die Grundlage der Stromerzeugung, sodaß jetzt dort Strom rationiert wird und die Geschäfte abends finster bleiben.

Im Afrika südlich der Sahara ist die Lage schon allein deshalb ernst, weil aller Warenverkehr über LKWs erfolgt und die steigenden Spritpreise alles sofort verteuern. Nur wenige Staaten können sich Treibstoff-Subventionen leisten.

Besonders absurd präsentiert sich die Lage in Nigeria, das an sich Ölproduzent und -Exporteur ist. Aber erstens sowieso kein besonders wichtiger – gerade 1,6% der weltweiten Förderung im Jahr 2022, Tendenz leicht steigend.
Zweitens aber, und das ist wirklich bemerkenswert, besitzt es inzwischen die größte und modernste Raffinerie Afrikas, die ist jedoch völlig unterausgelastet, sodaß ihre Produkte nicht einmal den Inlandsbedarf decken.
Wie das?
Nigeria ist nämlich aus verschiedenen Gründen hoch verschuldet und verwendet seine Öl-Exporte, um die Schuld zu bedienen. Es muß also einen guten Teil seines Rohöls exportieren. Die staatliche Ölförder-Firma kann die Raffinierie daher gar nicht in nötigem Ausmaß versorgen, damit diese den Inlandsmarkt sättigen könnte. Nigeria exportiert daher Rohöl und importiert sowohl – jawohl!, Rohöl, sowie Diesel und Benzin, wodurch die Preissteigerungen unmittelbar und verstärkt im Land ankommen.
Das Land hat keine Reserven und offenbar auch kein Geld zum Subventionieren. Dergleichen ist jedenfalls nicht vorgesehen.

In Angola gibt es zwar Öl, aber zu wenig Raffinerien, weshalb Treibstoff importiert wird.
Als im Vorjahr die Treibstoff-Subventionen auf Druck des IWF aufgehoben wurden – Angola ist ebenfalls hochverschuldet –, kam es gleich zu Unruhen.
Da es weder allzu viel öffentlichen Verkehr und erst recht keinen Individual-Verkehr gibt, ist im Personenverkehr das Taxi die einzige Option, und die Taxler – mitsamt einem guten Teil ihrer Kundschaft – waren die Initiatoren der Proteste.
Der steigende Ölpreis bringt zwar kurzfristig Einnahmen, wird aber wenig helfen, da 1. die Produktion veraltet ist und wenig ausgebaut wurde, und 2. Angola nach wie vor sehr am Öl hängt und daher kurzfristige Gewinne nirgendwohin investieren könnte.

Südafrika schließlich hat die Preise für Treibstoff stark hinaufgesetzt, den Treibstoff rationiert und die Mineralölsteuer gesenkt.
Zu den Preissteigerungen trägt neben dem erhöhten Ölpreis auch der Kursverlust der nationalen Währung, des Rand, bei.

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2. Der Flugverkehr und das Transportwesen

Der Flugverkehr hat nach der Pandemie wieder an Fahrt aufgenommen und zwar sowohl beim Passagier- als auch beim Frachtaufkommen. Das könnte bald wieder vorbei sein.
Erstens senken steigende Kerosin- und in Folge Ticketpreise die Urlaubsgelüste und lassen einige Leute günstigere, auf dem Landweg erreichbare Ziele ins Auge fassen.

Dann haben ein paar Golfstaaten im Verlauf des letzten Jahrzehnts ihre Flughäfen zu großen Drehkreuzen ausgebaut, die jetzt sehr plötzlich ausgefallen sind. In diesem Zusammenhang fällt der gesperrte Luftraum über Rußland sehr unangenehm auf. Von Europa nach Asien gelangt man inzwischen nur über einen recht schmalen Flugkorridor durch den Transkaukasus, der zwar Georgien und Aserbaidschan erhöhte Überflug-Einnahmen beschert, aber im Grunde eine Art Nadelöhr darstellt.

Die Behinderung der Luftfracht durch diese Einschränkungen wiegt bei heiklen Produkten wie Medikamenten weitaus schwerer, da Kühlung und Transportgeschwindigkeit auf einmal gefährdet bzw. verunmöglicht sind. Auch das Umsteigen von Landfracht auf Luftfracht bei Behinderungen am Boden fällt fast völlig weg.

Der ganze Frachtverkehr am Boden ist durch die steigenden Treibstoffpreise oder oft den gar nicht vorhandenen Treibstoff an den leeren Tankstellen in Frage gestellt. Waren können nicht geliefert werden, verderben gegebenenfalls, der Adressat kann nicht weiter produzieren oder muß sein Geschäft oder seine Gaststätte zusperren.

Die Neue Seidenstraße gerät ins Stocken, weil der Diesel entweder zu teuer ist oder bei den Verbindungspunkten gar nicht da ist. Damit entsteht ein regelrechter Warenstau beim Produzenten China. In Europa jammert man besorgt über gefährdete bzw. gestörte Lieferketten.

Manche Golfstaaten-Airlines haben ihre Flugzeuge an sichere Orte verbracht, weil sie in absehbarer Zeit gar nicht mit Wiederaufnahme des regulären Flugverkehrs rechnen.

Angesichts der Größe des Problems kann man mit einer Menge Konkurse bei Fluglinien und im Transportwesen gerechnet werden, vor allem, wenn der Krieg noch länger andauert und auch nach seiner Beendigung die Reparatur der Schäden an Föderanlagen, Raffinerien und Verladeeinrichtungen länger dauert, d.h., die Ölpreise hoch bleiben.

Manche Fluglinien rechnen sich auf lange Sicht Konkurrenzvorteile aus, weil die Fluglinien der Golfstaaten ins Hintertreffen geraten sind, aber das erscheint angesichts der Größe des Problems eher Wunschdenken zu sein.

Fortsetzung folgt: Währungen, der Kapitalmarkt und die Börsen

Eine Zusammenstellung der Auswirkungen des Iran-Kriegs weltweit

DIE KOSTEN DER GLOBALISIERUNG – TEIL 1: ASIEN

Man hat sich daran gewöhnt, Birnen aus Argentinien, Mangos und Fische, Edelhölzer, Kleidung und vieles andere mehr aus der ganzen Welt zu beziehen. Dazu kommen, mehr im Hintergrund für den Verbraucher, Rohstoffe und Chemikalien.

Jetzt werden wir daran erinnert, was für diesen sehr verschwenderischen Zirkus vor allem notwendig ist: Energie.

Eine wichtige Energiequelle ist plötzlich verstopft und das ganze Uhrwerk läiuft sehr unrund.

In Indien können viele ärmere Menschen nicht mehr kochen oder warm essen, weil dafür Gasflaschen notwendig sind. Das bevölkerungsreichste Land der Welt steht ohne Kochmöglichkeit da, was auch deswegen tragisch ist, da das Kochen ja auch desinfiziert. Der Zwang zu Rohkost könnte also im Ausbruch von Krankheiten münden.
Kantinen müssen schließen, was Existenzen gefährdet. Dabei war das zentrale Herstellen von Mahlzeiten sogar noch energiesparender als das jetzt vermehrt notwendige individuelle Kochen – mit was auch immer.
Düngemittelfabriken mußten ihren Betrieb einstellen, was trübe Aussichten für die Landwirtschaft bedeutet, wo jetzt Aussat ist. Es nutzt also nichts, wenn Indien oder andere Staaten eigene Fabriken haben – ohne Energie sind die nichts wert.
Die industrielle Produktion wurde gedrosselt und viele Leute verlassen die Städte, um in ihre Heimatdörfer zurückzukehren.

In Thailand haben die LKW-Fahrer und die Fischer keinen Treibstoff. Die Regierung hat bereits bei Rußland um Öllieferungen angeklopft, was für ein Land mit solcher Westorientierung beachtlich ist. Die Fischindustrie ist exportorientiert, ansonsten ist der Tourismus gefährdet, falls die Energieversorgung stockt. Das Land, das bisher 68% seines Gas- und 90% seines Ölbedarfs aus den Golfstaaten gedeckt hat, hat angeblich noch Reserven für 2 Monate. Einige Kohlekraftwerke wurden wieder in Betrieb genommen.
In Büros soll man sich leichter bekleiden, die Klimaanlagen zurückfahren und Stiegen statt Aufzügen benutzen.
Thailand exportiert auch Reis in den Nahen Osten, der jetzt liegenbleibt. Sein Wirtschaftswachstum könnte sich halbieren.
Nach viel BitteBitte soll der Iran Tankern mit Ziel Thailand das Passieren der Straße von Hormuz erlaubt haben. (Auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weil das betrifft ja nur Tanker, die dort vor Anker liegen. Hineinfahren wird keiner mehr.)

Auf den Philippinen, wo über 90% des Öls aus dem Persischen Golf stammt, wurde vorige Woche der Notstand ausgerufen. Auch hier soll Öl aus Rußland gekauft werden und es wurde eine 4-Tage-Arbeitswoche für Beamte eingeführt. Viele Fährverbindungen wurden gestrichen, Taxifahrer erhalten Subventionen.

In Südkorea ist zwar mehr Geld da, aber auch ein größerer Energieverbrauch. Es will die Atomkraft ausbauen, hat aber kein Uran. Urankäufe müssen nach dem »123-Abkommen« durch die USA genehmigt werden.
Das meiste Uran kam bisher aus Rußland. Uran aus Australien, Kanada oder Mittelasien ist teurer und aufgrund der längeren Transportwege unsicherer.
Außerdem steht Südkorea militärisch ziemlich nackt da, weil die USA alle ihre Abwehrbatterien von ihren Basen abgezogen und nach Nahost transferiert haben, vermutlich alle nach Israel.

Auch in Japan, das über 90% seines Öls aus dem Persischen Golf bezieht, ist die Sache haarig. Die Regierung hat 80 Millionen Faß aus Reserven freigegeben, was 45 Tage reichen sollte. (Seit Fukushima ist die Atomkraft für die Energieerzeugung zurückgegangen.) Außerdem werden Preissteigerungen durch Subventionen abgefedert, so gut es geht. Die Inflation zieht weiter an, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt, die Börse in Tokio hat 12% verloren und der Yen schwächelt.
Dazu kommt noch die große Klappe der Regierungschefin gegen China und ihre unverbrüchliche Allianz mit Trump, was aber auch nicht gereicht hat, um Soldaten und Schiffe an den Persischen Golf zu schicken, das kann sie in Japan nicht durchsetzen.
Sie streckt jetzt außenpolitisch die Arme Richtung Philippinen und Australien aus.

Ziemlich schlecht steht Sri Lanka da, das ja vor einigen Jahren (2022) pleite war und daher auf dem Weltmarkt sowieso sehr sehr schlecht agieren kann, da es nirgends Kredit hat. Schulen und Unis haben mittwochs frei, Beamte eine 4-Tage-Woche. (Wie weit das mit Home Office ergänzt wird, ist unklar.) Benzin wird rationiert. Allerdings hat sich angeblich die Ölgesellschaft Versorgung bis Ende April gesichert, nachher –?

In muslimischen Staaten wie Pakistan und Bangla Desh fällt die Energiekrise mit dem Ende des Ramadan zusammen, was in einem großen Fest – Eid Al-Fitr – und großen Gelagen und Umzügen begangen wird. Beide Regierungen tun alles, um dieses wichtige Fest gut über die Bühne zu bringen, wegen Sorgen vor Unruhen.
Nachher die Sintflut … ?
Pakistan hat die 4-Tage-Woche in Behörden und Schulen eingeführt und betätigt sich als Vermittler zwischen 2 Kriegsparteien, die beide keinen Schritt zurück tun wollen.
Bangla Desh hat sich an Indien und China gewendet, um von dort Öl zu kriegen.

Vietnam zapft Geldreserven an, um Diesel zu subventionieren und hat sich angeblich an Japan und Südkorea gewendet, um „Zugang zu Rohöl zu erhalten“.
Wie nur?
Die stecken doch auch in der Klemme.

China schließlich hat seine Reserven, die für mehr als 100 Tage reichen sollen, an seine Bevölkerung freigegeben und gleichzeitg einen Exportstop erlassen, damit nicht findige Kaufleute daraus ein Geschäft machen. Vor allem die Ölindustrie selbst und die petrochemische Industrie sollen über Wasser gehalten werden.

In einer ganz anderen Situation ist der Transkaukasus. Aserbaidschan mit seinem Öl ist einer der Gewinner der Situation. Das Land versorgt sogar über die Türkei Israel mit Öl und bezieht von dort Rüstungsgüter.
Es ist auch bereit, seine Lieferungen an verschiedene (v.a. europäische) Kunden zu erhöhen.
Aserbaidschan will nicht, daß der Iran plattgemacht wird, das würde nur Probleme bringen: Flüchtlinge, Elend, Aufruhr.
Aber ein etwas geschwächter Iran würde nicht stören … Und solange der Iran zu den Bösen gehört, kann sich Aserbaidschan als Hort des Guten profilieren.

Ein weiteres Moment ist, daß aufgrund des gesperrten russischen Luftraums und des Kriegs im Iran ein großer Teil des Flugverkehrs nach Asien jetzt über einen relativ engen Korridor durch Georgien und Aserbaidschan verläuft, was die geopolitische Position beider Staaten aufwertet und vermutlich auch Einnahmen bringt.

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All das betrifft die Treibstoff- und Energieknappheit und die daraus entstehenden Probleme.

Hinzu kommt jedoch, daß die arabischen Golfstaaten hauptsächlich von arbeitenden Menschen aus anderen Staaten bevölkert sind, während das dortige Herrenvolk sich auf den Konsum verlegt hat.
Die Rücküberweisungen dieser Arbeitsmigranten machen einen bedeutenden Teil der BIPs dieser Staaten aus. Je kleiner, d.h. geringer bevölkert der Staat, desto größer der Anteil der Überweisungen für das BIP.
Nepal, Jordanien, der Libanon, Pakistan, Ägypten, Sri Lanka, Bangla Desh, die Philippinen und der Sudan werden in dieser Reihenfolge einer Graphik der Weltbank angeführt, die erahnen läßt, was dort los wäre, würden diese Überweisungen ausbleiben.

Fortsetzung folgt: Afrika, der Flugverkehr usw.

Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 18.3.: Bilanz nach 19 Tagen Krieg gegen den Iran

„IRANS »GRAUE EMINENZ« LARIDSCHANI WURDE ERMORDET, ÖL- UND GASFELDER STEHEN IN FLAMMEN: DER KRIEG SPALTET SOGAR DAS WEISSE HAUS

Der Iran reagierte auf Israels Tötung Laridschanis mit Raketen, die mit Streumunition bestückt waren

Um Mitternacht (vom 17. auf den 18.3.) bestätigte Teheran offiziell den Tod einer Schlüsselfigur des Irans, die dem Obersten Führer ebenbürtig war – des Vorsitzenden des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani (die Israelis hatten den Tod am Dienstagmorgen bekannt gegeben).

Bis vor Kurzem betrachteten die USA Laridschani als möglichen Führer des Iran während einer »Übergangsphase«. Doch er wurde nicht zum Verräter, sondern zum Helden.

Und US-Präsident Donald Trump erlitt einen schweren Schlag von einem scheinbar loyalen Verbündeten: Der Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joe Kent, trat mit einem Paukenschlag zurück. Er erklärte, Israel habe das Weiße Haus getäuscht und der Krieg mit dem Iran wäre verheerend für Amerika. Handelt es sich hier um eine Spaltung der republikanischen Elite, eine Meuterei an Bord eines Schiffes oder eine isolierte Demarche?

Ein sicheres Indiz dafür, ob das Ende des Konflikts naht oder sich verzögert, sind die Treibstoffpreise. Je höher sie sind (und sie steigen derzeit), desto wahrscheinlicher ist es, dass Washington nachgibt.

Wer war Ali Laridschani?

Obwohl das offizielle Teheran behauptet, für jeden Chef und Kommandeur seien 3 Stellvertreter ausgebildet – sollte einer getötet werden, würde ein anderer die Führung übernehmen –, ist die Bedeutung der Persönlichkeit in der Geschichte nicht verschwunden.

Nach dem Tod von Ayatollah Chamenei übernahm der 67-jährige Ali Laridschani faktisch die Herrschaft über das Land. Zuvor hatte er mit dem Westen über das Atomprogramm verhandelt, Kontakte zu wichtigen Verbündeten gepflegt und Notfallpläne entwickelt.
Offiziell koordinierte er die Zusammenarbeit zwischen dem Präsidenten, den Revolutionsgarden und der Armee, bereitete Entscheidungen für den Obersten Führer vor und sorgte für deren Umsetzung.

Laridschani galt als Befürworter wirtschaftlicher Reformen; es hieß sogar, er würde im Falle eines Erfolgs der Proteste im Iran eine Übergangsrolle in einer vom Westen unterstützten Regierung übernehmen. Doch er ging mit brutaler Härte gegen die Aufstände vor.

Sein Mut war unbestreitbar: Als das Pentagon eine Belohnung von 10 Millionen Dollar für Informationen über iranische Führungskräfte, darunter Laridschani, aussetzte, ging er unbewacht zu Fuß zu einer Demonstration in Teheran. Gestern spotteten die Israelis: »Seht euch die Belohnung an, und wir haben es umsonst getan.«“

Wen trifft der Spott eigentlich?
Den Iran oder die USA?

„Donald Trump reagierte auf Laridschanis Tod: »Ihr oberster Mann wurde getötet. Er war für den Tod der Demonstranten verantwortlich.«“

Wer kann Laridschani ersetzen?

Neben Laridschani wurden auch sein Sohn Morteza und sein Sicherheitschef getötet. Dies geschah vermutlich im Haus der Tochter des Politikers in der Nähe von Teheran. Aufnahmen eines Trümmerhaufens – alles, was von dem Gebäude übrig ist – kursieren im Internet.

Der iranische Präsident Masud Pezeschkian wandte sich an die Nation: »Es ist sehr schwer, diesen Verlust zu verkraften. Doch den reinen Seelen der großen Märtyrer der Islamischen Revolution nahe zu sein, war ein lang gehegter Wunsch meines lieben Bruders.«

Boris Dolgov, ein führender Forscher am Zentrum für Islamwissenschaften des Instituts für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften, erklärte gegenüber KP.RU: »Laridschanis Einfluss auf das politische Leben im Iran war in den letzten 20 Jahren enorm, und er spielte eine entscheidende Rolle bei der Organisation der Landesverteidigung im aktuellen Krieg.

Das wirklich Tragische ist, dass Israel mit solchen gezielten Tötungen von Politikern in anderen Ländern die Büchse der Pandora öffnet. Jede Möglichkeit von Verhandlungen wird dadurch zunichtegemacht.«“

Das ist vermutlich auch genau das, was Israel will.
Wenn es niemanden mehr zum Verhandeln gibt, so kann Israel diktieren – zumindest ist das die Hoffnung der israelischen Führung.

„Zu Laridschanis potenziellen Nachfolgern zählt Ali Bagheri, ein Diplomat und Laridschanis Stellvertreter für internationale Angelegenheiten. Auch der ehemalige Stabschef des Obersten Führers, Saeed Jalili, der die Atomverhandlungen leitete und enge Verbindungen zu den Revolutionsgarden unterhält, steht auf der Liste. Ebenso wie der Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, Ahmad Vahidi, der nach der Ermordung seines Vorgängers das Amt übernahm.

Vahidi ist ehemaliger Verteidigungsminister, ein Veteran des Iran-Irak-Krieges und Gründer der Auslandsoperationskräfte der Revolutionsgarden, die für die Unterstützung von Stellvertretergruppen wie der Hisbollah, der Hamas und den Huthis verantwortlich sind.

Und wo befindet sich der Oberste Führer Modschtaba Chamenei selbst? Die Nachricht von seiner Verlegung nach Russland zur medizinischen Behandlung wurde vom Botschafter der Islamischen Republik in Russland, Kasem Jalali, dementiert. »Dies ist der neue psychologische Krieg«, erklärte er.

Unterdessen prahlten die Israelis damit, den Anführer der Basidsch-Freiwilligenmiliz, Gholamreza Soleimani, bei einem gezielten Luftangriff getötet zu haben.
Israel und die USA schließen einen iranischen Aufstand weiterhin nicht aus – genau deshalb eliminieren sie iranische Führungskräfte. In den sozialen Medien kursieren immer mehr Aufrufe: Eure Anführer sind weg, eure Soldaten desertieren, geht in die Offensive!

Die Behörden ihrerseits haben ihre Anhänger zu Massenprotesten aufgerufen. Eine große Abschiedszeremonie für Laridschani ist geplant, die mit der Beerdigung der gefallenen iranischen Seeleute zusammenfällt.

Wer ist Joe Kent, der wegen des Iran-Krieges zurücktritt?

Donald Trump befand sich trotz seines »durchschlagenden Erfolgs« – den Ansagen aus dem Weißen Haus nach zu urteilen – in einem äußerst nervösen Zustand. Und man musste die Ansagen gar nicht erst ansehen: Personen aus dem Umfeld des US-Präsidenten verkündeten, sie hätten ihn noch nie so wütend erlebt.

Dafür gibt es 3 Gründe. Der erste und wichtigste ist, dass der Krieg nicht nach dem Plan verläuft, der zu Beginn so schön skizziert wurde. Zweitens verweigerten die europäischen Verbündeten den USA in der Straße von Hormuz die Unterstützung und behinderten Washington offen. Drittens wurde Donald Trump öffentlich von seinem Vertrauten, dem hochrangigen Sicherheitsbeamten Joe Kent, verraten.

Kent, ein Veteran der Spezialeinheiten und ehemaliger CIA- und Geheimdienstoffizier, wurde in Trumps zweiter Amtszeit zum Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung ernannt. Dieses Zentrum ist das »Gehirn« der nationalen Terrorismusbekämpfung und koordiniert die Arbeit aller Sicherheitsbehörden. Und wer könnte besser als Kent beurteilen, ob der Iran Amerika tatsächlich bedrohte oder nicht – ob beispielsweise Teheran einen Mordanschlag auf Trump plante, wie die Israelis ihn glauben ließen?
Joe veröffentlichte in den sozialen Medien einen ausführlichen offenen Brief an den Präsidenten und kündigte seinen Rücktritt an. Hier die wichtigsten Punkte seiner Botschaft:

– Der Iran stellte keine Bedrohung für die USA dar; der Krieg wurde unter dem Druck Israels und seiner Lobby in Amerika begonnen.
– Die Israelis und ihre Unterstützer in der amerikanischen Presse täuschten Trump, indem sie ihm vorgaukelten, der Iran stelle eine Bedrohung für die USA dar und die Operation würde einen schnellen Sieg bringen.
– Israel zog die Amerikaner auf ähnliche Weise in den verheerenden Irakkrieg hinein.
– Es ist noch nicht zu spät, den Kurs zu ändern, sonst wird das Land in Niedergang und Chaos versinken.

Kent hat ein zutiefst persönliches Motiv: Seine Frau Shannon, eine Unteroffizierin der Marine, starb 2019 in Syrien, als sich ein Selbstmordattentäter in einem Restaurant in die Luft sprengte. Joe sieht darin eine der fatalen Folgen der amerikanischen und israelischen Nahostpolitik.

Auf die Frage eines Reporters zu Kents Ausführungen antwortete Trump kurz: Er halte ihn für einen netten Kerl, aber in Sicherheitsfragen sei er immer schwach gewesen.
Wenn er schwach war, warum wurde er dann ernannt?

Trumps Aussagen zum Krieg gegen den Iran

Aus den jüngsten – und umstrittenen – Aussagen des US-Präsidenten:

– »Wir haben enorme militärische Erfolge erzielt, aber wir brauchen keine Hilfe von NATO-Staaten im Kampf gegen den Iran. Er ist völlig zerstört.«
– Wenn die (NATO-)Kollegen Washington nicht unterstützen, kommt die Idee eines amerikanischen Austritts aus dem Bündnis auf: »Ich brauche den Kongress nicht für diese Entscheidung. Ich kann sie selbst treffen.«
– Es gibt keine Gefahr, dass eine Bodenoffensive im Iran zu einem zweiten Vietnam führen könnte: »Ich fürchte nichts.«
– Die USA werden sich »in naher Zukunft« aus dem Krieg gegen den Iran zurückziehen.

Und am bemerkenswertesten: Der Iran hat kein Recht, die Straße von Hormuz zu blockieren: »Das ist richtig unfair von ihnen! Wir haben bereits gewonnen!«

Tatsächlich hat Washington keine bahnbrechenden militärischen Lösungen angeboten. Bombardieren, Töten. Töten, Bombardieren. Und was dann?

Doch amerikanische Seeleute scheinen eine Lösung von unten gefunden zu haben. Ein Brand in der Wäscherei des ruhmreichen Flugzeugträgers USS Gerald Ford konnte erst nach 30 Stunden gelöscht werden, und das Schiff kehrt nun nach Kreta zurück. Es besteht der Verdacht, dass die Besatzung das Feuer gelegt hat, um »die lange Mission des Schiffes zu beenden«. Die Ermittlungen laufen.

Die Lage in Israel

Die israelischen Behörden verbrachten den ganzen Tag damit, sich in Spott zu Laridschanis Tod zu ergehen. Ministerpräsident Netanjahu, in dessen Nähe eine iranische Rakete einschlug, träumte weiter: »Wir untergraben das Regime, damit das Volk es stürzen kann.«“

Das ist eigentlich ein Befehl an die iranische Bevölkerung: Räumt die Mullahs weg oder wir bombardieren euch in Grund und Boden!

„Lokale Medien berichten: Seit Beginn des Krieges wurde im Gelobten Land »kein einziges militärisches Ziel getroffen.«
Wirklich?
Wer israelische Online-Foren liest, sieht ständig neue Meldungen: »Sirenenalarm … Alarm … Sirenenalarm … Alle in Sicherheit bringen …«“

Das sind aber in der Tat keine militärischen Ziele.
Außerdem berichtet der Korrespondent des ORF, die Laune in Israel sei gut: Endlich weg mit den Mullahs, dafür ist jedes Opfer recht!
Muß nicht stimmen, ist aber erwähnenswert.

„Nach den Angriffen auf Teheran und andere iranische Städte (eine der Raketen traf das Kernkraftwerk Buschehr, wo ein Reaktor in Betrieb ist) warnte die israelische Armee die Israelis: Der Iran werde den Tod Laridschanis rächen. Bereitet euch auf noch heftigere Angriffe vor.
Und so geschah es: Raketen mit Streumunition wurden auf Israel abgefeuert.

Welche Angriffe hat der Iran am 17. März durchgeführt?“

Hier handelt es sich offenbar um offizielle Verlautbarungen des Iran.

„– Die Revolutionsgarden griffen weiterhin Jerusalem, Tel Aviv und amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten mit überschweren Raketen und Drohnen an.“

Was bedeutet hier „überschwer“?

– In Saudi-Arabien wurde auf dem Flughafen Al-Qaisumah ein wichtiges amerikanisches AN/FPS-117-Luftverteidigungsradar zerstört. Es konnte Drohnen, Raketen und Flugzeuge in einer Entfernung von 500 km erfassen.
– Das Luftverteidigungssystem zum Schutz der US-Botschaft in Bagdad wurde zerstört und geriet in Brand.
– Die Angriffe auf den israelischen Waffenfabrikkomplex Rafael (Hersteller von Raketen und Komponenten des Raketenabwehrsystems Iron Dome) dauerten an.
– Ein hochrangiger israelischer Beamter wurde getötet (Name wird nicht genannt).
– Laut iranischen Geheimdienstquellen haben die US-Streitkräfte an Verlusten 200 Tote und über 3.000 Verwundete. Die Amerikaner und ihre Verbündeten verloren 150 Raketenwerfer, 24 Patriot-Systeme, 37 Flugzeuge und Hubschrauber sowie 43% ihrer Waffenbestände.

– Der Iran griff erstmals Öl- und Gasförderanlagen an – eines der größten Gasfelder der Welt, Schah (VAE), dessen Betrieb eingestellt wurde, sowie das Ölfeld Majnoon im Irak. Der staatliche emiratische Ölkonzern Adnoc stellte die Ölverladung im Hafen von Fudschaira ein, nachdem ein Tanker nach einem Treffer in Brand geraten war.“

Nach Fudschaira am Golf von Oman verläuft die Pipeline der VAE, die den persischen Golf umgeht.
Selbst wenn die Verluste des Gegners übertrieben dargestellt werden, so ist der Schaden dennoch gewaltig.

„Die Lage in der Straße von Hormuz und die Ölpreise

Die Straße von Hormuz bleibt für alle Schiffe gesperrt, mit Ausnahme einiger Tanker, die Öl nach Indien und China transportieren. Gleichzeitig sind die Ölpreise gestiegen – um 3% innerhalb von 24 Stunden.

Das Weiße Haus ist vor allem über den sprunghaften Anstieg der Kraftstoffpreise im Inland besorgt: Der durchschnittliche Dieselpreis hat erstmals seit 4 Jahren die Marke von 5 US-Dollar pro Gallone überschritten. Insgesamt ist der Dieselpreis seit Kriegsbeginn um 34% gestiegen, und Diesel ist für das Wirtschaftswachstum unerlässlich. Die Bevölkerung beginnt sich zunehmend darüber zu ärgern.

Die Dieselprobleme haben auch Polen betroffen: Polen strömten in die Slowakei und leerten dort die Tankstellen an der Grenze. Ministerpräsident Fico drohte, die Preise für Ausländer zu erhöhen oder Beschränkungen einzuführen.“

Wieso ist Diesel in der Slowakei billiger als in Polen?

„Doch Brüssel bereitet sich darauf vor, die Lage für die Europäer noch zu verschärfen: Ein vollständiges Verbot von russischem Öl steht unmittelbar bevor.

Nebenbei bemerkt: Indien kauft unser »schwarzes Gold« bereits für 98,93 Dollar pro Barrel – 40 Dollar mehr als vor dem Krieg im Iran.

Wann wird der Krieg zwischen den USA und dem Iran enden?

Responsible Statecraft analysierte das Vorgehen der Amerikaner. Die Schlussfolgerungen sind unerfreulich für Washington: Das Weiße Haus hatte keinen wirklichen Anlass für den Krieg, und es herrscht kein klares Verständnis über dessen letztendlichen Ausgang.

»Trump und seine Verbündeten scheinen beschlossen zu haben, dass sie durch Zerstörung ohne klares politisches Ziel die geopolitischen Interessen der USA voranbringen und gleichzeitig eine Pattsituation vermeiden können«, so das Fazit der Analyse. »Doch die Zerstörung militärischer Anlagen ist keine Strategie, sondern eine Taktik.«
Der Bewohner des Weißen Hauses, der verkündet hatte, dass große Nationen keine endlosen Kriege führen, hat seine Wahlversprechen gebrochen und das Land in ein Abenteuer gestürzt.

Reuters berichtete, dass das Weiße Haus Teheran einen Waffenstillstand angeboten hatte. Modschtaba Chamenei lehnte ihn ab. Wie hätte er auch zustimmen können, nachdem seine Familie durch Bomben getötet worden war?

Nach Laridschanis Ermordung ist es inzwischen besser, den Waffenstillstand gar nicht erst zu erwähnen. Die Amerikaner mögen sich noch immer der Illusion hingeben, der Krieg könne für beendet erklärt werden, sobald die Treibstoffpreise bereits in Gold gemessen werden. Doch Teheran hat keinerlei Absicht, ihn zu beenden.

Während die Republikaner bei den Zwischenwahlen im November lediglich Sitze im Kongress zu verlieren riskieren, geht es für die Iraner um Leben und Tod. Und um Ehre.“