Direkte Demokratie

DAS GRIECHISCHE NEIN
Angesichts des Aufruhrs um die griechische Abstimmung und der Kommentare zu ihr einmal eine Untersuchung der Gründe, Verlaufsform und Folgen derselben.
1. Volksabstimmungen überhaupt
Bei allem Gefasel um das liebe Volk und wie sehr die Demokratie auf seine Bedürfnisse angeblich Rücksicht nimmt, ist die Volksbefragung jenseits der Wahl nicht sehr beliebt. Im Gegenteil, es wird als Zeichen schlechten Regierens, als Schwäche der Herrschenden ausgelegt, wenn sie sich zu sehr um die Meinung der Untertanen kümmern. „Populismus“ heißt das, und gilt als ein mieser Trick, sich mittels Anschleimen ans Stimmvieh unfaire Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten zu verschaffen, und die Machtausübung zu erschweren. (–> Was ist eigentlich Populismus?)
Die Schweiz wird gern belächelt, weil sie es mit dieser Mitbestimmung des Volkes gar so genau nimmt. Die häufigen Volksbefragungen dort werden als Ausnahme, als Besonderheit eines spleenigen Alpenvolkes verbucht. Vorbild für andere Länder ist die Schweiz in dieser Frage nicht.
Wenn sonstwo in Europa eine Volksabstimmung einberufen wird, so ausschließlich deshalb, um eine Regierungsmaßnahme absegnen zu lassen. Bei Volksabstimmungen will die Obrigkeit ein schallendes JA! zu irgendeiner Maßnahme, die sie gerade auf die Tagesordnung gesetzt hat. Eine solche wird deshalb im allgemeinen nur dann anberaumt, wenn eine Regierung erstens die Bürger auf ihre Politik einschwören will und zweitens sicher ist, daß sie die Zustimmung kriegen.
In Österreich ist so etwas einmal in die Hose gegangen. Die damalige Regierung Kreisky war sich sicher, für ihre Atompolitik die Unternehmerschaft und ihre Parteimitglieder auf ihrer Seite zu wissen. Das war ein Irrtum, aber es wurde zusätzlich außer Acht gelassen, daß es andere Stimmberechtigte auch gab.
So kommt das zweite Moment auch ins Spiel, an dem sich solche Volksbefragungen entscheiden: das der Beteiligung. Solche Befragungen haben im allgemeinen eine Mindesbeteiligung von 40 % zur Grundlage. Es geht also darum, zumindest einen Teil der Bevölkerung zu mobilisieren, um dieses Plebiszit gültig zu machen und sich nicht darüber zu blamieren, daß man doch ausnahmsweise einmal das Volk gefragt hat und dieses sich gar nicht dafür interessiert hat.
2. Der Grund für die griechische Abstimmung
war das Programm, mit dem Syriza angetreten ist – die Austeritätspolitik in der EU zu beenden und die EU-Spitze dazu zu bewegen, auf keynesianisch inspirierte Konjunkturprogramme umzusteigen, um die Rezession in der Eurozone zu beenden.
Einerseits ganz schön frech von den Burschen von Syriza. Sie haben ja damit nicht weniger gesagt als daß die deutschen Politiker und ihre Parteigänger in Fragen Sparpolitik sich bisher getäuscht hätten und nichts von Ökonomie verstehen, wohingegen die flotten Griechen das Rezept für die Belebung der Wirtschaft in der Tasche hätten.
Es war weiterhin etwas naiv von Syriza. Immerhin hatten sich die EU-Politiker ja in Maastricht Verschuldungs-Obergrenzen in ihre Gründungsurkunde geschrieben. Die Sparpolitik hat also ihren Ursprung bereits in den Grundlagen der EU.
Es war drittens sehr optimistisch von Syriza. Sie waren überzeugt, daß die langen Jahre der Krise und die offensichtliche Erfolgslosigkeit des Krisenmanagements ein Umdenken bei der EU-Spitze verursachen könnten.
Es war viertens sehr berechnend. Syriza wußte gewichtige Stimmen außerhalb der EU auf ihrer Seite. In den USA hält man nicht so viel von der Sparerei, der Dollar ist immer noch die Weltwährung Nr. 1, und dort druckt man einfach jede Menge Dollars auf Grundlage der ausgegebenen Staatsanleihen. Deshalb gab es ja auch einige Male vor der Weltöffentlichkeit ein Theater um die Verschuldung und ob die Weltmacht Nr. 1 Bankrott anmelden muß. Führende Ökonomen und Nobelpreisträger halten diesen Weg jedenfalls für richtig.
Mit ihren Versuchen, die EU-Spitze zum Umdenken zu bewegen, haben die griechischen Politiker auf Granit gebissen. Sie wollten sich also für die weiteren Verhandlungen ein Mandat holen. Die mit dieser Abstimmung verbundenen Berechnungen waren auch einfach und durchschaubar: Im Falle eines Ja! hätte ihnen das Ergebnis der Abstimmung freie Hand gegeben, ihre Wahlversprechen zu brechen und die Ultimaten der EU zu unterschreiben.
Es mag sein, daß sie sich dachten – na ja, das letzte Wort ist damit auch nicht gesprochen und vielleicht können wir weiter verhandeln, mit etwas mehr Luft bezogen auf die Zahlungstermine an IWF und EU.
Im Falle eines Nein!, so dachten sie, haben wir wieder eine Karte in der Hand gegen Brüssel und Berlin – die müssen doch jetzt zur Kenntnis nehmen, daß unser Volk einig hinter uns steht und wir nicht so einfach über uns drüberfahren lassen, wie das von der EU-Führung beabsichtigt wird.
Es ist übrigens weniger Demokratie-Idealismus als vielmehr die Realität der demokratischen Herrschaft, die in diesen Überzeugungen zum Ausdruck kommt: der demokratische Politiker bezieht sich auf Volk und Territorium als Mittel seines Gewaltmonopols und läßt sich in regelmäßigen Abständen dazu ermächtigen, diese in seinem Sinne zu verwalten.
Es ist eher die EU-Spitze selbst, die dieses demokratische Prozedere zusehends als lästig empfindet, weil es die Zentrifugalkräfte stärkt und das Staatenbündnis selber dadurch schwächt. Auch nach innen gefährdet die demokratische Parteienkonkurrenz den Zusammenhalt der EU, weil sie EU-feindliche Parteien stärkt.
Es ist also richtig, wenn manche EU-Kritiker feststellen, daß die EU-Spitze sich zusehends von den demokratischen Institutionen entfernt und ihre Schwächung bzw. Aufhebung betreibt.
3. Die Durchführung und das Ergebnis
Als Tsipras verkündete, ein Referendum abhalten zu wollen, bemächtigte sich zunächst eine Schockstarre der führenden EU-Politiker und der Medien. Dann brach ein Shitstorm los: ja, derfen die des eigentlich? Syriza habe sich vollends unmöglich gemacht, Griechenland hat in der EU nichts mehr verloren, und nach der Schockstarre begann die EU-Spitze den Druck zu erhöhen, indem der Geldhahn der BZE zur Finanzierung der Banken zugedreht wurde und die griechische Ökonomie seither am Notstromaggregat der beschränkten Geldversorgung hängt.
Damit, so hofften alle, hätte die griechische Bevölkerung verstanden, daß sie gefälligst mit Ja! zu antworten hätte.
Dann wurden in den Medien pro-Ja-Demonstrationen gezeigt, über deren Mickrigkeit auch die größte fotographische Kunst nicht hinwegtäuschen konnte, während man im Internet auf unabhängigen Websites die machtvollen pro-Nein-Kundgebungen betrachten konnte.
Anhänger des Ja! wurden vor die Mikrofone geschubst und konnten ihren EU-konformen Schmarrn in volkswirtschaftlichem Jargon von sich geben.
Meinungsumfragen wurden in Auftrag gegeben, die ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraussagten. Offen ein pro-Ja herbeizulügen trauten sich diese Institute trotz eindeutigem Auftrag nicht, weil sie wußten, daß es für ihren zukünftigen Geschäftsgang nachteilig sein könnte, wenn sie ihr „Ergebnis“ so offensichtlich am Wunsch des Auftraggebers ausrichten.
Wer sich ein bißl im Internet umschaute, wußte jedenfalls, daß das Ergebnis Nein! lauten würde – lediglich die Frage der Wahlbeteiligung war offen. Auch da haben sich die Griechen nicht zurückgehalten und zumindest eine den landesweiten Wahlen vergleichbare Performance hingelegt.
So. Und damit war der Salat fertig. Das Volk war gefragt worden und hatte seine Meinung gesagt. Jetzt war guter Rat teuer.
4. Folgen und Reaktionen
Der Beobachter hatte in den Tagen seit dem Referendum den Eindruck, daß es der Syriza-Führung selber lieber gewesen wäre, das Ja! hätte gewonnen. Durch den Sieg des Nein! haben sie sogar in ihrer eigenen Partei jede Menge Kritiker, die ihnen vorwerfen, den Volkswillen zu mißachten. Von der Straße ganz zu schweigen, auf der sich noch einiges ankündigt.
Die EU-Spitze hat zunächst empört reagiert und gedroht, Griechenland ohne Wenn und Aber durch völliges Abdrehen des Geldhahns aus dem Euro zu werfen.
Hinter den Kulissen ging eine hektische Diplomatie los. Nur kein Grexit! Kein Failed State in Südosteuropa, der sich in seiner Not womöglich den Russen ohne Wenn und Aber öffnet, die NATO verläßt und Europa noch mehr als bisher mit Flüchtlingen überschwemmt. Das wurde der deutschen Führung von jenseits des Atlantiks unmißverständlich mitgeteilt und von diversen Deutschland-Kritikern innerhalb der EU bereitwillig ge-echot.
Gleichzeitig wurde auch der griechischen Führung bedeutet, doch nicht weiter störrisch zu sein und diese Austeritäts-Papierln doch endlich zu unterschreiben.
Und plötzlich kam ein Umschwung, alles scheint lösbar, die Syriza-Jungs wurden „vernünftig“, ihre „Vorschläge“ (eigentlich Zustimmung zu EU-Vorgaben) sind „seriös“, die Einigung ist nahe, usw.
Worin sich das, was jetzt ausverhandelt wurde, von dem Papier vor 2 Wochen unterscheidet, das Syriza mit Rotstift korrigiert zurückgeschmissen worden ist, ist nicht ganz klar. Es scheint, daß von Seiten der EU auf die vorher geforderte Pensionsreform größtenteils verzichtet wurde, Syriza im Gegenzug allem anderen zugestimmt hat.
Aber auch so haben erstens die Politiker Griechenlands so agiert, wie wenn Griechenland Ja! gesagt hätte, haben einmal mehr gegen ihr Mandat verstoßen und werden im Land selbst die Konsequenzen erfahren.
Zweitens ist Griechenlands Wirtschaft durch die jetzt schon ca. 2 Wochen geschlossenen Banken und Kapitalsverkehrskontrollen schwer geschädigt und das wird in Zukunft in einem weiteren Rückgang des BIP und dadurch erschwerten Schuldendienst zum Ausdruck kommen. Die jetzt bevorstehende „Einigung“ ist somit der Ausgangspunkt für weiteren Streit.
Drittens hat die EU-Spitze bei diesem Schauspiel nicht gut ausgeschaut, auch wenn das Ausscheiden Griechenlands aus der EU vorerst vermieden werden konnte.:
Es hat aller Welt vor Augen geführt, daß der Euro nicht stabiler geworden ist und die Euro-Krise in die nächste Runde geht.
Es hat sich herausgestellt, daß die deutsche Position der unbedingten Härte, auf die die deutsche Führung den Rest der EU verpflichtet hat, die Problematik der Eurozone nur verschärft hat.
Es hat, ähnlich wie die Ukraine-Krise gezeigt, wie sehr die EU gespalten ist und welchen Einfluß die USA auf die Politik der EU hat. Die EU wurde vorgeführt als ein Haufen Halbwüchsiger, deren Zwist nur durch ein Machtwort aus Washington zumindest auf Zeit gelöst werden konnte.
Deutschland und seine Eiserne Lady wurden ein Stück weit demontiert.
Die Zukunft wird weisen, welche Schlüsse die deutsche Führung daraus zieht.

NATO, Rußland, USA, EU und der Konflikt um Ukraine und Donbass

FORTSETZUNG NR. 3
Derzeitige Situation
Aufmarsch von ukrainischen und Söldnertruppen im Süden, Konzentration von schwerem Gerät: Versuch einer Isolierung von Transnistrien
Stationierung von NATO-Panzerbrigaden und anderem schweren Gerät im Baltikum, Polen, Rumänien
Aufgrund eines Urteils in einem von Chodorkowksi angestrengten Prozesses mögliche Beschlagnahmung von russischem Eigentum in Europa

Off topic: Der Balkan

UNZUFRIEDENHEIT MIT DEM EU-HINTERHOF
Obwohl sich die großen Zeitungen Europas in ihren Schlagzeilen auf die Hot Spots und auf solche Themen konzentrieren, die die Gemüter bewegen, so fließt doch in letzter Zeit immer wieder Berichterstattung über Ex-Jugoslawien ein, der man anmerkt, daß die Staaten Europas mit dem Fleckerlteppich, den sie dort einrichten geholfen haben, sehr unzufrieden sind.
Das Prinzip: „aus 1 mach 7“ hat zwar den für die EU erfreulichen Effekt gehabt, daß dort lauter schwache und abhängige Staatsgebilde entstanden sind, die sich nur über ihr Verhältnis zur EU definieren, aber ebenso ist eine gewisse Unkontrollierbarkeit eingetreten. Das Ideal, daß man bei einer abhängigen Regierung seine Wünsche deponiert, die unterschreibt alles, und dann führt sie das auf ihrem Territorium durch – diese einfache Handhabung ist bei praktisch keinem der Nachfolgestaaten Jugoslawiens gegeben.
Da man ja dort jetzt auch formell die Demokratie eingeführt hat und die dortigen Regierungen per Wählerstimme ermächtigt werden müssen, ist ein weiteres Ärgernis gegeben. Die EU kann nicht ihre Statthalter einfach ernennen, und es funktioniert auch nicht so recht, den Wählern anzuschaffen, wen sie gefälligst zu wählen haben. Es kommt sogar vor, daß ein Wunschkandidat der „westlichen Staatengemenschaft“ – die USA und die EU arbeiten da meistens Hand in Hand – an die Macht kommt und sich dann nach einiger Zeit im Amt plötzlich als sperrig erweist und die Hand anknurrt, die ihn füttern möchte.
Besonders ärgerlich sind diese ganzen orthodoxen Völker und Regierungen, die plötzlich anfangen, mit Rußland zu flirten.
Im letzten Jahrzehnt hat Rußland außenpolitische Offensiven gemacht, um das seit Ende des Kalten Krieges verlorene Terrain zurückzuerobern. Das betrifft diplomatische Tätigkeiten, wie eine gesteigerte Frequenz von Staatsbesuchen oder verstärkte Aktivitäten der Botschaften. Das betrifft erhöhte Geheimdienstaktivitäten und eine Aufstockung des Personals diverser Auslandsressorts. Vor allem aber hat Rußland einen Medienfeldzug gestartet: RIA Novosti, Russia Today, diverse Blogs in verschiedenen Sprachen versuchen auf unverschämte Weise und mittels diffamierender Berichterstattung den Westen so schlecht zu machen, wie er wirklich ist. Dann werden noch von russischen halbstaatlichen Firmen Investitionen in strategisch wichtigen Bereichen getätigt und rußlandfreundliche Parteien unterstützt, wobei die russische Führung in ideologischer Hinsicht ausgesprochen tolerant ist. Gerade das Opium des Volkes, die Religion wirkt als weiterer Faktor der Attraktivität Rußlands: es präsentiert sich als christliche Schutzmacht gegen den radikalen Islam und wirkt in dieser Rolle weitaus glaubwürdiger als die USA oder sogar die EU.
Und das bringt die EU- und NATO-Pläne am Balkan durcheinander. Gelang es in Bulgarien noch, durch Sturz der Regierung die Pipeline-Pläne Rußlands zu vereiteln, so ist das bei Mazedonien nicht auf Anhieb geglückt. Die USA arbeiten weiter daran, aber der Mißerfolg ist vorläufig unübersehbar.
Dazu kommt die Griechenland-Euro-Krise, die auch die griechische Regierung mit Rußland liebäugeln läßt. In Serbien wächst die rußlandfreundliche Fraktion in allen Parteien, und die Kosovo-Frage verstärkt diese panslawistischen Neigungen nur noch. Gerade hat der Regierungschef der Republika Srpska in Bosnien ein Vertragspapier mit der EU nicht unterschrieben. Daß es darin um weitere Verelendung und Verschuldung Bosniens ging, ist nur eine Randinformation. Das wirklich Ärgerliche ist, daß man nicht einmal in diesem Protektorat seine Bedingungen wirklich diktieren kann.
Die Führung des Kosovo ist natürlich sehr EU-treu, solange die ihr zugesteckten Kuverts dick genug sind. Dieser Umstand hinderte allerdings zehntausende von Kosovaren nicht daran, diesen Winter ihrer Heimat den Rücken zu kehren und sich in Richtung EU aufzumachen. Sie wurden inzwischen wieder postwendend zurücktransportiert, aber die Episode hat doch wieder einmal den EU-Politikern und auch der Öffentlichkeit vor Augen geführt, daß dort ein failed state entstanden ist, der nur Kosten und Gscher verursacht.
Neben dem Kosovo ist Montenegro Zentrum für Menschen- und Drogenschmuggel, hat noch dazu mit Häfen für diese Handelstätigkeit bessere Voraussetzungen.
Sogar die in die EU aufgenommenen Staaten Slowenien und Kroatien sind kein Quell reiner Freude für die EU. Kroatien steckt seit dem Zusammenbruch der Hypo Alpe Adria in Rezession und Kreditklemme, woran auch der EU-Beitritt nichts geändert hat. Slowenien hat aufgehört, ein Balkan-Tiger zu sein und ist froh, nicht weiter im Gerede wegen seines krisengeschüttelten Bankensektors zu sein. Seit Ende 2013 ist eine Privatisierungswelle angelaufen, deren Ausgang zweifelhaft ist, da Sloweniens Erfolgsweg gerade darin bestanden hat, daß die Wirtschaft nach der Unabhängigkeit weiterhin größtenteils staatlich gelenkt war.
Das Problem als ganzes ist aber größer dimensioniert. Die trostlose Lage der meisten Balkanstaaten, ihre Perspektivlosigkeit und das unverschämte Auftreten der EU, die sie als Märkte benutzt, ihre Ökonomie größtenteils zerstört hat und mit Handelsverträgen und Zollabkommen weiter daran arbeitet, jegliche noch bestehende Produktion dort zu ruinieren – diese Schieflage hat viele Politiker und Wähler nachdenklich werden lassen, ob die Vorgaben der EU wirklich gedeihlich und alternativlos sind. Der immer hysterischere Ton der dort von diversen ausländischen Stiftungen gepäppelten liberalen Presse, die alle EU-Kritik als Nationalismus brandmarkt und damit immer weniger durchkommt, und nicht zuletzt das Beispiel Ungarns, das trotz seiner EU-Mitgliedschaft immer EU-kritischer auftritt – all das läßt den Balkan als Hinterhof fraglich werden. Dazu kommt die strategische Bedeutung dieser Region als Aufmarschgebiet gegen Rußland, als das es in den letzten 2 Weltkriegen gedient hat.
Sowohl die EU als auch die USA verstärken ihre diplomatischen und geheimdienstlichen Aktivitäten auf dem Balkan, schlagen immer unverschämtere Töne an, die die Anerkennung der fremden Souveränität eigentlich schon ad absurdum führen, und versuchen, die Regierungen dieser Region auf Linie zu bringen oder zu stürzen.
Die Befürchtung, daß der Balkan der Kontrolle des Westens entgleiten und ihre rußlandfeindlichen Pläne durchkreuzen oder behindern könnte, ist jedenfalls vorhanden. Man sollte die Berichte der nächsten Monate über diese Region unter diesem Gesichtspunkt lesen und verstehen.