Pressespiegel El País, 21.2.: Ohne Techno-Rohstoffe kein Sieg im III. Weltkrieg

„DIESE ROHSTOFFE ENTSCHEIDEN KRIEGE (UND EUROPA HAT KEINE KONTROLLE DARÜBER)

Die fehlende Kontrolle über kritische Rohstoffe, bei denen China die Nase vorn hat, überschattet die Rüstungsanstrengungen in der EU (…)

Angesichts der großen geopolitischen Spannungen und der europäischen Aufrüstung benötigt der Verteidigungssektor heute Rohstoffe anderer Länder – aktuell Seltene Erden, Gallium, Graphit, Mangan, Lithium, Kobalt, Aluminium, Kupfer und Wolfram, um nur einige zu nennen –, um seine massiven Militärausgaben überhaupt durchführen zu können.“

Schon im Original ist das seltsam formuliert. Die „massiven Militärausgaben“ sind ja ein Beschluß der jeweiligen Regierungen, dafür brauchen sie keine Rohstoffe. Um die geplante Aufrüstung auch hinzukriegen – dafür brauchen sie diese Rohstoffe.
Aber niemand weiß ja bisher, worin diese Summen genau investiert werden sollen. Darüber muß man sich ständig auf dem ukrainischen Testgelände informieren, wo inzwischen einige Waffengattungen bzw. vieles von dem bisherigen europäischen Gerät stark entwertet worden sind.

Das Geschreibe über die Aufrüstung, die Ausgaben und die fehlenden Rohstoffe hat ein wenig etwas von dem „Wüdn mit seiner Maschin’“ an sich: Ich weiß nicht wohin, aber dafür bin ich schneller dort!

„Von den 12 kritischen Mineralien, die die NATO für die Verteidigung des alten Kontinents als entscheidend erachtet, kontrolliert China 60 bis 90% der Produktionskette.

»Die Verteidigungsindustrie hatte in der europäischen Politik der letzten Jahrzehnte keine Priorität, bis die russische Aggression gegen die Ukraine sie wieder in den Mittelpunkt der politischen Debatte rückte«, sagt Benedetta Girardi, Analystin am Centre for Strategic Studies in Den Haag. »Und offensichtlich gilt das auch für die Lieferketten«, fügt die Expertin hinzu, die die Erstellung eines Berichts über die Verwundbarkeit des Kontinents in diesem Bereich leitete.“

Die „Verwundbarkeit des Kontinents“ – was für Sprachschöpfungen heute durch die Medien schwirren! Man muß sich die EU, dieses imperialistische Staatenbündnis, als eine Art leicht bekleidete Jungfrau vorstellen, die jederzeit von einem Giftpfeil getroffen werden könnte.

„Die Nachfrage nach kritischen Mineralien ist komplex strukturiert, da sich die Prioritäten der Verteidigungsindustrie mit denen der Elektrifizierung und dem Einsatz neuer Technologien überschneiden. Graphit und Aluminium sind beispielsweise die wichtigsten Werkstoffe für den Militärsektor, da sie in nahezu allen Anwendungsbereichen massiv eingesetzt werden: Flugzeuge (Kampf-, Transport-, Seeaufklärungs- und unbemannte Hubschrauber), Hubschrauber (Kampf- und Mehrzweckhubschrauber), Flugzeugträger, amphibische Angriffsschiffe, Korvetten, Patrouillenboote, Fregatten, U-Boote, Panzer, Schützenpanzer, Artillerie und Raketen.
Die EU misst jedoch für die Energiewende die höchste Priorität den Seltenen Erden bei. »Der Energiesektor hat beispielsweise die Diskussion über die in Windkraftanlagen verwendeten Werkstoffe dominiert, und die Verteidigungsindustrie hat unter dieser Konzentration gelitten«, ergänzt Girardi.“

Die Rüstungsindustrie hat gelitten!
Es kommen einem die Tränen …

„»Rohstoffe sind das Fundament unserer Fertigungsindustrie. Ohne sie gäbe es keine Satelliten, Radarsysteme, Kommunikationsnetze, Computerchips, Panzer, Batterien, Artilleriemunition, Granaten, Kampfflugzeuge, Drohnen, Fregatten, U-Boote, MRT-Scanner oder Chips für künstliche Intelligenz«, bemerkt Joris Teer, Analyst am EU-Institut für Sicherheitsstudien (EUISS).

In einem modernen Kampfflugzeug sind strategische Materialien sowohl Rückgrat als auch Nerven. Leichtes Aluminium und Strukturgraphit reduzieren das Gewicht und verbessern die Manövrierfähigkeit. Titan und verstärkter Stahl stützen den Rumpf und die Antriebssysteme unter enormer Belastung. Bordelektronik und Sensorsysteme benötigen Kupfer, Germanium und Nickel, um Kommunikation und Steuerung zu gewährleisten. Hochleistungsmagnete benötigen Metalle wie Kobalt und Seltenerdelemente. Selbst Energie- und Speichersysteme nutzen Lithium und Mangan, um Waffen, Radargeräte und Datenverbindungen bei Langzeitmissionen zu betreiben.

Ein Kriegsschiff ist im Wesentlichen eine Kombination aus Metallen und strategischen Ressourcen. Die Hauptstruktur von Rumpf und Decks besteht aus Eisen und Stahl, verstärkt mit Leichtmetalllegierungen wie Aluminium. Diese Konstruktion reduziert das Gewicht, ohne die Festigkeit zu beeinträchtigen. Detektions- und Kommunikationssysteme nutzen Kupfer, Molybdän und Gold, um Leitfähigkeit und Betriebssicherheit zu optimieren. Graphit- und Lithium-Chrom-Batterien werden im Bugsonar eingesetzt und versorgen Hilfssysteme sowie Energiereserven. »Das Hauptproblem für die EU und die USA ist, dass die Produktion dieser Materialien in wenigen Ländern konzentriert ist, und oft handelt es sich dabei um Länder, die sie als Konkurrenten betrachten, allen voran China«, betont Teresa de Fortuny, Forscherin am Centre Delàs d’Estudis per la Pau.“

Hierbei ist zu beachten, daß sich diese Klage nicht nur auf Seltene Erden oder andere eher seltene Metalle bezieht, sondern auch auf Eisenerz, Graphit oder Bauxit. In Europa selbst gibt es davon eher wenig.
Die Zeiten, wo man mit einem Kanonenboot vorfahren und die Bewohner mit vorgehaltener Pistole darauf verpflichten konnte, ihre Schätze herauszurücken, sind heute definitiv vorbei. Zumindest für die europäischen Mächte.
(Die USA hat dergleichen ja gerade mit Venezuela vorgeführt.)

„Andere wichtige Länder wie Russland, Myanmar, die Demokratische Republik Kongo, Südafrika und Indonesien werden zwar als relevante Lieferanten genannt, liegen aber weit hinter dem asiatischen Riesen zurück.“

Abgesehen davon, daß Rußland und auch Myanmar als Handelspartner eher nicht ins Auge gefaßt werden dürften, sind auch die Demokratische Republik Kongo und Südafrika nicht die Partner, auf die man sich als EU-Staat gerne stützen würde: Der eine Staat hat keinen Zugang zum Meer, der andere ist Mitglied der BRICS.

„Europa und die USA werden nur in wenigen Einzelfällen als bedeutende Produzenten erwähnt, was ihre Abhängigkeit von Importen unterstreicht. Die Länder des alten Kontinents sind Hauptverbraucher kritischer Mineralien, erklärt Ester Sabatino, Verteidigungsforscherin am International Institute for Strategic Studies (IISS) Europe. »Sie verbrauchen derzeit rund 25% des weltweiten Bedarfs an diesen Mineralien, produzieren aber nur etwa 3%«, führt sie aus. »Diese Situation wird sich in naher Zukunft nicht wesentlich ändern, da es in Europa an Minen mangelt und deren Erschließung und Betrieb hohe Investitionen und lange Zeiträume von bestenfalls 10 bis 15 Jahren erfordern«, räumt sie ein.“

Es gebricht nicht nur an den Bergwerken, sondern an den Vorkommen. Die wenigsten dieser Mineralien finden sich in Europa.

„Europa hat mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA) seine strategische Autonomie gestärkt. Im Rahmen dieses Gesetzes wurden 47 Projekte ausgewählt, die 13 der 17 für den grünen und digitalen Wandel sowie für Anwendungen in Schlüsselsektoren wie Verteidigung und Luft- und Raumfahrt benötigten Mineralien abdecken. Ziel ist es, bis 2030 sicherzustellen, dass die Gewinnung, Verarbeitung und das Recycling strategischer Rohstoffe in Europa 10%, 40% bzw. 25% des EU-Bedarfs decken. Ergänzt wird dies durch internationale Partnerschaften und den ReSourceEU-Plan, der eine Diversifizierung der Lieferketten zur Gewährleistung der wirtschaftlichen Sicherheit zum Ziel hat.“

Bei der Erzeugung von Rohstoffen, die nicht da sind, kommt dem Recycling eine wichtige Rolle zu – deshalb werden inzwischen EU-weit Alu-Dosen gesammelt.

„Trotz wichtiger Initiativen wie dem neuen Europäischen Zentrum für kritische Rohstoffe – einer zentralen EU-Institution zur Sicherstellung der Versorgung mit strategischen Mineralien – dessen Inbetriebnahme für 2026 geplant ist, bleibt die Region weiterhin stark von Drittländern abhängig, was sich kurzfristig nicht beheben lässt. »Investitionen in Recycling, alternative Produktionsmethoden und neue Partnerschaften sind zwar grundlegend für die industrielle Resilienz, doch der Weg zur Ressourcensouveränität wird ein langsamer Prozess sein, der eine kontinuierliche Umsetzung erfordert«, ergänzt Sabatino.

Gonzalo García de Miguel, Präsident von Abenójar Tungsten, erklärt, dass die Inbetriebnahme der Wolfram-Mine in Abenójar, Provinz Ciudad Real, im Verzug ist: Sie hätte dieses Jahr in Betrieb gehen sollen, was jedoch aufgrund fehlender Finanzierung, dem größten Hindernis, nicht möglich war. »Wir benötigen 150 Millionen Euro für den Start. 55 Millionen Euro sind bereits zugesagt, die restliche Finanzierung steht kurz vor dem Abschluss. Wir wären seit 2 Jahren startbereit«, so der Projektleiter, dessen Projekt von Brüssel als strategisch wichtig für die Stärkung der Rohstoffversorgung in Europa eingestuft wurde.“

Es sieht ganz so aus, als ob sich hier Möglichkeiten auftun, mit Bergwerksprojekten wedelnd Geld aus Brüssel abzusaugen …

„Das für die Verteidigung benötigte, hochwertige und leistungsstarke Wolfram wird hauptsächlich in China produziert, das einst mit rund 85% den größten Anteil an der Weltproduktion hielt, gefolgt von Vietnam mit 4% und Russland mit 3,5%. Dieses Element wird aufgrund seiner Eigenschaften wie Härte, Festigkeit und Hitzebeständigkeit, die für die Herstellung von Triebwerkskomponenten und Sprengköpfen unerlässlich sind, in zahlreichen Verteidigungsanwendungen (!!! d.h., Waffen!) eingesetzt und ist unersetzlich. Es ist das Metall mit dem höchsten Schmelzpunkt im Periodensystem, etwa 3.460 Grad Celsius. Daher ist es unverzichtbar für die Herstellung von Panzerplatten, Strahltriebwerken – dem letzten Modul des Triebwerks, das für die Beschleunigung des Abgasstroms verantwortlich ist – für Flugzeuge und andere militärische Anwendungen.

Wahrgemachte Ankündigung (Chinas)

Das Abenójar-Projekt »El Moto« würde daher in der Region mit offenen Armen empfangen werden.“

In dieser Abwanderungs-Region wäre jedes Projekt, das Arbeitsplätze schafft, willkommen – das hängt nicht von den Eigenschaften des Produktes ab, sondern nur von der Machbarkeit des Projektes.

„»In der ersten Phase würden wir etwa 3.500 Tonnen pro Jahr produzieren«, erklärt García de Miguel. Diese Menge würde etwas mehr als 20% des Wolframbedarfs der EU decken.
Ziel ist es, in den kommenden Jahren fast 50% des europäischen Verbrauchs zu decken. Dies ist vor allem in der aktuellen geopolitischen Lage von entscheidender Bedeutung, da die potenziellen Sicherheitsrisiken, die mit der hohen Konzentration der Lieferketten für kritische Mineralien einhergehen und vor denen die Internationale Energieagentur (IEA) seit Langem gewarnt hat, nun Realität geworden sind. Jüngstes Beispiel hierfür war Chinas Ankündigung, die Aussetzung der Exporte von Seltenen Erden im Oktober 2025 zu verhängen, was erhebliche Risiken für die nationale und globale wirtschaftliche Sicherheit“

– lies: für die Geschäftsinteressen der EU, das ist die „globale wirtschaftliche Sicherheit“ –

„mit sich brachte und potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf verschiedene strategische Sektoren hatte, darunter Energie, Automobilindustrie, Verteidigung, Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz und Halbleiter.“

Auf einmal ist alles „strategisch“, als ob bereits Krieg herrschen würde.

„Dies kommt zu den Anfang letzten Jahres eingeführten Zöllen auf eine Reihe strategischer Mineralien wie Gallium, Germanium, Graphit und Wolfram hinzu. Diese Zölle wurden als selektive Vergeltungsmaßnahme gegen die von den USA verhängten Zölle erhoben. Damit wurde auch Europa getroffen, da die USA Europas wichtigster Waffenlieferant sind.
Laut dem SIPRI-Institut stiegen die US-Waffenimporte europäischer NATO-Staaten in den letzten fünf Jahren von 52 % auf 64 %. Die USA haben ihre Position als unangefochtener Marktführer gefestigt und sind für 43 % der weltweiten Waffenexporte verantwortlich.
Sie profitieren dabei vom Marktanteilsverlust Russlands, das sich auf seine eigene Front in der Ukraine konzentriert, einem Land, das zum weltweit größten Waffenimporteur mit einem Anteil von 8,8 % an den Gesamtexporte geworden ist. Europa kauft nicht nur mehr US-Waffen, sondern auch zu deutlich höheren Preisen, da die Preise für die beschränkten Mineralien gestiegen sind.“

Damit wird China die Schuld an den Preissteigerungen für Rüstungsgüter gegeben, diese sind jedoch aufgrund der größeren Nachfrage gestiegen, die sich aus dem Ukraine-Krieg ergibt, wodurch viele Waffen knapp wurden.

„Seltene Erden beispielsweise verzeichnen einen Nachfrageboom. Als China im vergangenen Jahr zahlreiche Exportkontrollen für Seltene Erden einführte, ging der globale Spieltisch kaputt.“

Steht im Original so da.
Der Welthandel und die Rüstungsindustrie – ein einziges große Spiel und die Chinesen als Spielverderber! Sowas!

„Bis dahin wurden die Preise praktisch von Peking kontrolliert, und es gab nur einen einzigen Referenzindex. Dieser ist jedoch zusammengebrochen.

Fragmentierung

»Seit dem letzten Jahr ist der Markt fragmentiert: Es gibt einen Index in Nordamerika, einen weiteren in Europa und einen in China, wobei die Preise im Westen deutlich höher sind«, betont Neha Mukherjee, Spezialistin für diese Märkte beim Beratungsunternehmen Benchmark Mineral Intelligence. »Aus China exportiertes Material wurde zu Preisen verkauft, die 3-, 5- oder sogar 10x höher waren als die Inlandspreise. Dies liegt nicht an der traditionellen Logik von Angebot und Nachfrage, sondern an der Knappheit und der strategischen Bedeutung.«“

Oh, liebe Frau Mukherjee, jeder freut sich, wenn er sein Zeug teurer verkaufen kann, das ist die „traditionelle Logik“ der Marktwirtschaft.

„»Die Kontrollen zielten primär auf Rüstungsorganisationen ab, “

– welche Kontrollen? – Wo kontrollierte wer was? –

„was die Preise in die Höhe trieb«, fügt die Expertin hinzu. Die USA und Europa verfügen über hohe Militärbudgets und beherbergen die wichtigsten Rüstungsunternehmen,“

– wichtig für wen? –

„kontrollieren aber nicht ihre eigenen Lieferketten. Hier wird das Problem strategisch kritisch: Im Falle eines geopolitischen Konflikts könnte die Lieferkette unterbrochen werden. »Es wird beispielsweise derzeit viel über Venezuela oder Grönland gesprochen. Warum will Trump Grönland? Nicht nur aus strategischen Gründen, sondern auch, weil Grönland über Bodenschätze verfügt, die die USA haben wollen«, betont Mukherjee.

Die Stärke des US-Militärs hängt zunehmend von Seltenen Erden ab, essenziellen Komponenten seiner modernsten Technologien. Eine F-35, die sich in Europa zum Standard für Kampfflugzeuge entwickelt hat und von Ländern wie Deutschland, Polen und Großbritannien eingesetzt wird, benötigt etwa 418 Kilogramm für ihre Leitsysteme, Sensoren und ihren Antrieb.
Bei einem Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse – dem Rückgrat der NATO-Raketenabwehr im Atlantik und Mittelmeer – steigt diese Menge auf 2.600 Kilogramm, und bei einem U-Boot der Virginia-Klasse, den atomgetriebenen Angriffs-U-Booten, die die modernsten und am besten getarnten Einheiten der US-Marine darstellen, erreicht sie 4.600 Kilogramm pro Einheit. Mehr als 70% der US-Importe dieser Materialien stammen aus China, was eine klare strategische Verwundbarkeit verdeutlicht.

Die Elektrifizierung des Schlachtfelds schreitet im gleichen Tempo wie in der zivilen Wirtschaft voran, jedoch mit weitaus extremeren Anforderungen. Moderne Streitkräfte sind auf tragbare Systeme für die Infanterie angewiesen – von Funkgeräten und Ausrüstung für die elektronische Kampfführung bis hin zu Sensoren und elektronischen Geräten, die per Signal die Detonation von Sprengstoffen auslösen können.
All diese Systeme werden mit Lithiumbatterien betrieben, die für niedrige Temperaturen, hohe Entladeströme und raue Umgebungsbedingungen ausgelegt sind. Das US-Verteidigungsministerium (DoD) steht vor einer erheblichen logistischen und technologischen Herausforderung bei der Verwaltung von über 5.500 verschiedenen Batterietypen.
Der aktuelle Trend geht weg von traditionellen Batterietechnologien wie Blei und Säure hin zu Lithium-Ionen-Batterien – in Anwendungen, die von tragbarer Ausrüstung für Soldaten bis hin zu Weltraumsystemen und Unterwasserdrohnen reichen.
Dies erklärte Eric Shields, führender Experte für Batteriepolitik und -versorgung des US-Militärs, auf einer Konferenz im vergangenen Juni.

Während militärische Ausrüstung mit mehr Batterien ausgestattet wurde, sind Verteidigungssysteme wie Drohnen immer ausgefeilter geworden. Europa fehlt jedoch weiterhin eine adäquate Antwort auf die russischen Technologien, die während des Ukraine-Krieges perfektioniert wurden, argumentiert Oleksij Hontscharuk, ehemaliger ukrainischer Ministerpräsident von 2019 bis 2020, in einem Artikel des Eurasia Center des Atlantic Council.
Ein Beispiel dafür ereignete sich im September 2025, als 19 russische Drohnen in den NATO-Luftraum eindrangen. Dies zwang F-35-Kampfjets zum Abschuss. »Die Reaktion war absurd kostspielig. Wenn unidentifizierte Drohnen den Luftverkehr in Europa stören, weiß niemand genau, wie man reagieren soll«, fügt er hinzu. Nichtsdestotrotz sind alle im Ukraine-Krieg eingesetzten Drohnen in gewissem Umfang von China abhängig. »Von handtellergroßen Quadcoptern zur Artillerielenkung bis hin zu Langstreckenmunition enthalten fast alle unbemannten Systeme beider Seiten Materialien und Komponenten aus Fabriken und Raffinerien des asiatischen Riesen«, erklärt das Center for Strategic and International Studies (CSIS).

Kohlenstofffasern, Seltenerdmagnete, Lithium-Ionen-Zellen und Galliumnitrid-Chips sind essenzielle Bestandteile der chinesischen Lieferkette, die die Grundlage für die Architektur moderner Drohnenkriegsführung bildet. »Der Einsatz eines dieser Geräte verdeutlicht eine einfache Wahrheit der modernen Kriegsführung: Industrielle Widerstandsfähigkeit ist eine Kampfkraft«, so die Experten des CSIS. Für César Ramos, CEO des spanischen Verbandes der Verteidigungs-, Luft- und Raumfahrttechnologieunternehmen (TEDAE), gibt es in dieser Zeit hoher geopolitischer Spannungen noch einen weiteren wichtigen Aspekt zu beachten: »Wir müssen in der Lage sein, globale Lieferketten zu schützen. Um Zugang zu kritischen Materialien zu erhalten, benötigen wir sichere Lieferketten in zweierlei Hinsicht: Schutz und Sicherheit.«“

Da ist aber guter Rat teuer, weil so eindeutig gehören niemandem mehr die Weltmeere. Und die Lagerstätten für Mineralien schon gar nicht.

„Der Branchenvertreter erklärt, es reiche nicht aus, logistische Störungen – wie etwa eine Blockade des Suezkanals – zu verhindern. Vielmehr müsse man sich auch vor Angriffen und Sicherheitslücken schützen, die den Zugang zu Rohstoffen gefährden. »Die Nachfrage ist gestiegen und die Liefergeschwindigkeiten haben sich beschleunigt. Daher ist es unerlässlich, über ausreichend Rohstoffe zu verfügen, um die Lagerbestände aufzufüllen.« Er betont, dass kritische Rohstoffe nicht nur für Regierungen, sondern auch für Unternehmen und Bürger von grundlegender Bedeutung seien. »Wer die Kontrolle über kritische Rohstoffe hat, kontrolliert in gewisser Weise auch die Sicherheit.«“

___________________________________

Kolonialismus und Plünderung
(eigentlich das Gleiche)

Die Sicherung kritischer Rohstoffe war die Achillesferse des Westens. Gracelin Baskaran, Direktorin des Programms für die Sicherheit kritischer Rohstoffe am CSIS, weist darauf hin, dass die militärische und industrielle Macht der Großmächte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr auf heimischer Produktion beruhte, sondern auf einem globalen Netzwerk der Abhängigkeit und des Kolonialismus.
Großbritannien, Frankreich und Deutschland erkannten, dass eine Wiederbewaffnung ohne Ressourcen aus Übersee unmöglich war. Während sich London Mangan aus Indien und Chrom aus Rhodesien beschaffte, kompensierte Berlin seine geologische Knappheit durch den aggressiven Ankauf ausländischer Minen und die öffentlichen Schuld rohstoffreicher Länder.
Dieser erbitterte Wettbewerb erstreckte sich sogar auf damals exotische Sektoren wie die Seltenen Erden, wo die österreichisch-deutsche Kontrolle über Monazit in Brasilien und Indien die USA für ein halbes Jahrhundert vom Markt verdrängte.

Am Vorabend des I. Weltkriegs verschärfte diesen Druck dramatisch, wie ein Experte in einem Bericht erläutert. Der Ausbruch des Konflikts 1914 legte die Fragilität der Lieferketten offen, insbesondere der USA.
Trotz ihres immensen Reichtums an Kohle und Eisen musste das Land feststellen, dass es an strategischen Reserven und einer effektiven Koordination für die Kriegsmobilisierung mangelte.
Mit Ausbruch des II. Weltkriegs setzten die USA eine aggressive Bergbaudiplomatie ein, um ihre Versorgung zu sichern. In Lateinamerika inspizierten sie 440 Lagerstätten und entdeckten neue Vorkommen an Wolfram, Tantalit und anderen Elementen in Mexiko, Brasilien und Peru.
Gleichzeitig finanzierten die USA in Afrika im Belgischen Kongo den industriellen Abbau von Kupfer und Kobalt und errichteten 1943 ein modernes Nickelwerk in Kuba.
Das Ende des Krieges brachte den Zusammenbruch der europäischen Kolonialreiche; die jungen Nationen Afrikas und Asiens nutzten ihren Mineralienreichtum als Wirtschaftsmotor, während der Kalte Krieg diese Lagerstätten in wichtige Schauplätze geopolitischer Auseinandersetzungen verwandelte.
Mineralien fungieren auch heute als Instrumente der Diplomatie und des Zwangs und gehen damit über ihre Rolle als bloße Handelswaren hinaus.“

Der Autor dieses Artikels in El País muß bedrückt feststellen, daß die EU heute nicht mehr diese Mittel hat, die den Kolonialmächten in den letzten beiden Weltkriegen zur Verfügung standen.

Pressespiegel El País, 15.2.: Kuba im Würgegriff der USA

„KUBAS BÜNDNISSE ZERBRÖCKELN IN TRUMPS WELT

Das von den USA gegen die Insel verhängte Energieembargo stößt kaum auf Widerstand, abgesehen von Rhetorik und humanitärer Hilfe

Jedes Mal, wenn US-Präsident Donald Trump nach Kuba gefragt wird, gibt er die gleiche Antwort: »Es sieht so aus, als stünde es kurz vor dem Zusammenbruch.« Ohne venezolanisches Öl »wird es nicht überleben können«, prahlt er.
Er ist nicht der erste Präsident, der den baldigen Sturz der Regierung der Castro-Brüder und Miguel Díaz-Canels voraussagt. Ihm vorausgegangen sind 66 Jahre Druck, das Ende des Kalten Krieges, 12 US-Präsidenten und unzählige Vorhersagen über die Unmöglichkeit des Überlebens des Regimes. Doch der Castrismus, wie der Dinosaurier in Augusto Monterrosos Roman, bleibt ist noch immer da.“

Man merkt die Schwierigkeit der Autorin – und sie ist nicht die Einzige – das System Kubas zu charakterisieren. „Sozialistisch“ oder „kommunistisch“ will niemand sagen. Das wäre ja die Erinnerung daran, daß es einmal eine Gesellschaftskritik gab, die das Eigentum und den Profit für die Quelle der Armut der Massen hielt und sich daran machte, ein anderes System zu schaffen, wo der nationale Reichtum allen zugute kommen soll.
34 Jahre nach der Auflösung der Sowjetunion und der gewaltsamen Zerteilung Jugoslawiens in den 90-er Jahren soll jegliche Erinnerung daran ausgelöscht werden und die kubanische Gesellschaftsordnung wird als eine Art Spleen der Brüder Castro aufgefaßt.

Dabei hat sich das System Kubas deswegen so lange gehalten, weil ein großer Teil der Bevölkerung es unterstützt hat, vor allem die schwarze und farbige – die im benachbarten Haití ein warnendes Beispiel dafür hat, wie es Gegnern einer imperialistischen Weltordnung ergehen kann.
Es mag sein, daß Letzteres das „Modell“ ist, das Trump und seine Mannschaft für Kuba vorgesehen haben.

„Bestärkt durch den Erfolg der Militäroperation, die am 3. Januar zur Gefangennahme von Nicolás Maduro in Caracas führte, glaubt Trump, dass die Unterbrechung der Öllieferungen von mehr als 27.000 Barrel täglich, die Kuba vom Chavista-Regime erhielt, den endgültigen Schlag für Havanna bedeuten wird.
Nun droht er zusätzlich mit Sanktionen gegen weitere Länder, die möglicherweise Treibstoff auf die Insel liefern, wobei Mexiko im Fokus steht. Dies ist ein schwerer Schlag für Kuba, das bereits unter seiner schwersten Wirtschaftskrise seit der Revolution von 1959 leidet und mit Stromausfällen, Lebensmittel- und Medikamentenknappheit sowie schwindenden Devisenreserven zu kämpfen hat.“

Das ist ein wenig so formuliert, als wären alle diese Schwierigkeiten vom Himmel gefallen oder bloß hausgemacht.

„Kuba ist heute verwundbar, und das nicht nur wegen der Energieblockade und der chronischen Wirtschaftskrise. Kubas Einfluss auf die internationale Linke und verbündete Regierungen ist deutlich geringer als früher.“

Vor allem deshalb, weil es keine „internationale Linke“ gibt. Was heute als „links“ bezeichnet wird, sind konservative Regierungen, die am Status quo festhalten wollen und die Marktwirtschaft mit einem Sozialstaat kombinieren, damit das ganze Werkl ihrer Nationalökonomien nicht zusammenbricht.

„»Die internationale Linke zeigt sich nicht sehr engagiert. Man betrachte beispielsweise Brasilien. [Lula beschränkte sich darauf, die Blockade zu verurteilen.] Auch die spanische Regierung reagiert nicht öffentlichkeitswirksam«, bemerkt Rafael Rojas, ein kubanischer Historiker am Colegio de México.
Russland hat zwar finanzielle Hilfe zugesagt, jedoch nur halbherzig. Der Besuch des kubanischen Außenministers Bruno Rodríguez Parrilla in Peking vergangene Woche brachte nichts als leere Worte. »Aufgrund des Mangels an Demokratie und der systematischen Repression schwindet Kubas Legitimität auf der Weltbühne, und dieser Solidaritätsaufruf hat nur eine sehr begrenzte Wirkung.“

Das kann für China keineswegs zutreffen, weil die „demokratische Legitimation“ fehlt China nicht, und die Repression, sofern vorhanden, würde die chinesische Führung auch nicht stören.
Es muß also andere Gründe dafür geben.

„Er erreicht vielleicht bestimmte Kreise der Linken, aber derzeit schlägt sich die Ablehnung der US-Blockade nicht in konkreter Hilfe nieder, die über humanitäre Unterstützung hinausgeht und nicht ausreicht, um einen Zusammenbruch zu verhindern«, erklärt der Historiker.

Trumps Rückkehr an die Macht leitet eine neue internationale Ordnung ein, in der Multilateralismus und internationale Organisationen, allen voran die UNO, an Bedeutung verlieren.
In dieser neuen Welt wird Kubas Rolle zunehmend unklarer und seine Isolation immer deutlicher. Mexiko, Chile und Russland gehören zu den wenigen Ländern, die Kuba beigestanden und Trumps Aggression öffentlich verurteilt haben. »Die kubanische Regierung versucht, globale Solidarität zu mobilisieren, indem sie eine Analogie zu den Ereignissen in Gaza zieht und von einem vom Imperium verübten ‚Völkermord‘ spricht«, erklärt Rojas.“

Man merkt aber auch bei Gaza, daß das nicht viel hilft. Der Genozid-Vorwurf ist inzwischen eher ein schwachbrüstiger Weheschrei der Ohnmächtigen und nicht, wie bei Jugoslawien, ein Interventionstitel der Mächtigen.

Dmitri Rozental, Direktor des Instituts für Lateinamerika an der Russischen Akademie der Wissenschaften, räumt die Ohnmacht der traditionellen Verbündeten Kubas angesichts der neuen globalen Lage und der Entschlossenheit der USA ein, die sogenannte Donroe-Doktrin umzusetzen.
Diese Doktrin weist Washington eine Kontrollrolle in allen Geschehnissen auf dem amerikanischen Kontinent zu und hindert Moskau und Peking daran, eine bedeutende Rolle auf dem zu spielen, was die USA als »ihren« Kontinent betrachten.“

Das ist etwas seltsam formuliert.
Zunächst wurde diese Doktrin einmal verkündet, um sie dann umzusetzen.
In der obigen Formulierung scheint sie als eine Art ehernes Gesetz vom Himmel gefallen zu sein und verwandelt sich dann in ein Subjekt, das die Regierung in Washington geradezu nötigt, sich ihr zu unterwerfen.

„»Wir werden weiterhin Öl liefern, aber wir werden die Lieferungen nicht erhöhen können. Es ist sehr teuer und logistisch problematisch. Daher ist es für uns (Russland) sehr schwierig, die Situation ohne Hilfe von außen zu verbessern. Ich weiß nicht, ob China bereit ist, seine Lieferungen zu erhöhen. Ich bezweifle, dass Brasilien dazu in der Lage ist, angesichts der globalen politischen Risiken. Russland kann moralische Unterstützung leisten, vielleicht humanitäre Hilfe, aber ich weiß nicht, ob viel mehr möglich ist«, erklärte er am Donnerstag auf einem Seminar des Stimson Centers in Washington.“

Man sollte das wirklich als die offizielle Stellung Rußlands betrachten.
Rußland lieferte auch bisher eher weniger, angesichts der Distanz und der Zahlungsunfähigkeit Kubas – die durch den Einbruch des Tourismus’ infolge der Covid-Pandemie verschärft worden war.
Aber auch das wenige – wie soll das durch die Blockade der US durchkommen? Die haben ja an dem Tanker, der unter russischer Flagge fuhr und dennoch geentert wurde, klargestellt, daß sie die Karibik inzwischen als Mare Nostrum betrachten, und weite Teile des Atlantiks ebenso. Und auch die Flotte haben, um diesen Anspruch zu untermauern.

Rußland ist diese Ohnmacht auch unangenehm und es wird ständig daran herumüberlegt, wie man aus dieser Position der Schwäche herauskommen kann.
Man erinnere sich, daß die Kuba-Krise die Welt seinerzeit, 1962, an den Rand eines 3. Weltkrieges brachte – unter einem vergleichsweise besonneren US-Präsidenten, den wahrscheinlich der Umgang mit Kuba das Leben kostete.

„Milchpulver aus Mexiko

Obwohl die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum beteuert, die Öllieferungen wieder aufnehmen zu wollen, wurden diese derzeit eingestellt.
Aktuell werden Milchpulver und andere Grundnahrungsmittel geliefert. Auch Chile verurteilte die Blockade und kündigte die Lieferung humanitärer Hilfe an.“

Das ist jedoch nur ein formeller Akt der abtretenden Regierung Boric und wird unter seinem Nachfolger Kast sicherlich aufgehoben werden.

„Doch Trumps Einkreisung verschärft sich durch die Nachbarländer: Nicaragua, eine mit Kuba verbündete Diktatur, gab diese Woche nach und schloss die wichtigste Route für kubanische Exilanten, wodurch Kubanern die Einreise verweigert wird.“

Der Hinweis auf die böse Diktatur darf nicht fehlen.
Es ist natürlich eine Lüge, daß Kubanern „die Einreise verweigert wird“. Für sie gilt ab jetzt eine Visapflicht. Bei der Erteilung der – kostenlosen – Vida wird den Kubanern nur klargemacht, daß eine Weiterreise in die USA nicht gestattet ist.
Ob sie dann unbedingt in Nicaragua bleiben wollen, ist eine andere Frage.

„Guatemala kündigte die Ausweisung aller im Land tätigen kubanischen Ärzte an.“

Eine Katastrophe vor allem für Guatemala. Die ca. 400 kubanischen Ärzte und Pflegekräfte stellen in weiten Teilen Guatemalas die einzige medizinische Versorgung dar. Dort wird wieder zu Naturheilern gegriffen werden müssen.

„Während des Kalten Krieges war Kuba ein wichtiges Glied im internationalen Bündnissystem der ehemaligen Sowjetunion.
Nach dem Zerfall des Ostblocks gelang Havanna jedoch, die Beziehungen zu Russland wiederaufnehmen und neue Verbindungen zu China und Vietnam knüpfen.“

Aber dazwischen lagen mehr als 15 Jahre „periodo especial“.
Es war nämlich bereits Gorbatschow, der Kuba als Bündnispartner fallenließ – aus ähnlichen Gründen, wie sie Herr Rozenthal nennt: Ein teurer Zuschußposten, der auch das angestrebte gute Verhältnis zu den USA belastete.
Unter Jelzin wurde diese Politik fortgesetzt.
Erst Putin begann, die alten Verbündeten der SU als neue Verbündete Rußlands wieder zu entdecken und einzubinden.

„Ab 2002 entstand durch das enge Bündnis zwischen Hugo Chávez’ Venezuela und Fidel Castro eine tiefe Verbindung, die den Grundstein für den bolivarischen Block und andere Organisationen wie Petrocaribe, CARICOM, UNASUR und die ALBA-Staaten legte, wie Rojas betont.
Die aufeinanderfolgenden Wahlniederlagen der Linken in Ecuador, Bolivien und Honduras haben diese Verbindungen nach und nach aufgelöst. Maduros Sturz besiegelte ihr Ende.“

Hier ist zu bemerken, daß der Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, aufgrund seiner Allianz mit Chávez 2009 vom Militär gestürzt wurde. Die USA haben sich nicht immer auf Wahlen alleine verlassen. Auch in Bolivien wurde zunächst geputscht.

„»Sheinbaum in Mexiko und [Gustavo] Petro in Kolumbien, beides linksorientierte Regierungen innerhalb des kubanischen Einflussbereichs, haben die Blockade zwar verurteilt, jedoch in einem eher vagen Ton und ohne die USA zu erwähnen«, erklärt Sergio Ángel, Leiter des Kuba-Programms an der kolumbianischen Universität Sergio Arboleda. »Beide loten jedoch Grauzonen aus, um Havanna weiterhin zu unterstützen, während ein mögliches völliges Abdrehen des Ölhahns droht«, fügt er hinzu.“

Etwas komisch formuliert.
Es ist weder „möglich“, noch „droht“ es, der Öllieferstop ist ja schon da.

„Die Situation könnte sich aber noch weiter verschärfen. Sollte das Castro-Regime am Rande des Zusammenbruchs stehen, könnte auch Washington in eine Zwickmühle geraten. Nämlich so, wenn es an dem festhält, was William LeoGrande, Politikwissenschaftler an der American University und Autor des Buches »Back Channel to Cuba«, als »kollektive Bestrafung, die einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt«, bezeichnet.“

Verstöße gegen das Völkerrecht sind heute sowieso täglich Brot, nachdem der oberste Hüter desselben es als obsolet bezeichnet hat.

„Andere humanitäre Krisen auf der Insel führten zu einer Fluchtwelle an die Küste Floridas, wie etwa während der Rafting-Krise in den 1990er Jahren. »Sind die USA bereit, die Verantwortung für eine Hungersnot unter kubanischen Kindern zu übernehmen? Werden wir es hinnehmen, Bilder von hungernden Kindern in Havanna zu sehen, wie wir sie im Sudan gesehen haben?«, fragt Vicky Huddleston, ehemalige Leiterin der US-Interessenvertretung in Havanna (1999–2002), in einem kürzlich vom Thinktank Quincy Institute for Responsible Statecraft organisierten Vortrag.“

Warum an den Sudan erinnern?
Bei Gaza schaute auch die ganze Welt zu. Weder die USA noch Israel erlitten einen besonderen Reputationsverlust und die westliche Presse überschlug sich im Ausmalen des „schrecklichen Massakers“ der HAMAS, um diese Aushungerung zu rechtfertigen.
Im Kuba benachbarten Haití sind dergleichen Dinge gar keine Berichte wert.

„»Die kubanische Wirtschaft erlebt die wohl schwerste Krise ihrer Geschichte, geprägt von einer Kombination interner und externer Faktoren“, heißt es in einer Studie der Schweizer Botschaft in Havanna, die zwischen Kuba und den USA vermittelt. Der US-Präsident beteuert, ein Abkommen angeboten zu haben und dass die beiden Regierungen verhandeln. Havanna bestätigt lediglich Kontakte zu technischen Fragen und dementiert ernsthafte Gespräche. Präsident Díaz-Canel kündigt unterdessen Rationierungsmaßnahmen an, die an die schlimmsten Zeiten der Sonderperiode erinnern.

Die Optionen sind für die kubanische Regierung jedenfalls äußerst unattraktiv: Entweder sie gibt Washington nach und befürchtet Maßnahmen, die ihr Überleben gefährden könnten, wie etwa die Abhaltung von Wahlen,“

Wie würden die aussehen?
Die USA präsentieren Kandidaten – entweder direkt aus dem Exil, oder vom Exil gesteuerte Strohmänner.
Werden die gewählt, so wird das kubanische System ungefähr so abgewickelt wie die DDR, was die Parteimitglieder der Verfolgung und den Rest der Insel der Armut und Verwahrlosung aussetzt.
Werden sie nicht gewählt, so wird die Blockade fortgesetzt, oder die USA intervenieren direkt, wegen „Wahlmanipulation“.

„oder sie sieht sich einer humanitären Krise enormen Ausmaßes gegenüber, die von ihrem Nachbarn bewusst provoziert wurde. In der Vergangenheit reagierte das Regime in solchen Situationen stets mit verschärfter Repression.“

Hier wird so getan, als gäbe es in Kuba nur ein „Regime“ und eine unterdrückte Bevölkerung, die dieses „Regime“ lieber heute als morgen loswürde.
Ein solches „Regime“ könnte keine Woche überleben.

„Für die US-Regierung ist die Situation in Kuba diesmal beinahe eine persönliche Angelegenheit. Der für Washingtons Außenpolitik zuständige Marco Rubio ist der Sohn kubanischer Einwanderer, für den der Sturz des Castro-Regimes die Erfüllung eines Lebenstraums wäre.
Bei einer Anhörung vor dem US-Kongress im Januar dieses Jahres betonte er, der Druck auf die Insel ziele nicht auf den Sturz des Regimes ab, fügte aber hinzu: »Wir würden uns einen Regimewechsel wünschen.« Diese Ansicht teilt er mit der einflussreichen kubanisch-amerikanischen Gemeinde, deren Stimmen für die Republikanische Partei von entscheidender Bedeutung sind.

»Es muss keine humanitäre Krise sein. Ich denke, sie würden wahrscheinlich auf uns zukommen und ein Abkommen aushandeln wollen … wir wären großzügig«, erklärte Trump kürzlich.

Doch Kuba ist, wie Experten betonen, nicht Venezuela. Seit der Revolution von 1959, die Fidel Castro an die Macht brachte, haben die USA versucht, das Regime mit allen Mitteln zu stürzen, einschließlich Gewalt bei der desaströsen Invasion in der Schweinebucht 1962.“

Diese Invasion fand im April 1961 statt und wurde zurückgeschlagen.
1962 war die Kubakrise.
Es ist nicht klar, ob sich die Autorin nur zu wenig informiert hat oder ob es Absicht ist, die beiden Ereignisse in der Berichterstattung zu vermischen.

„Die CIA unternahm mehrere Attentatsversuche auf Castro. Die USA verhängen ein Wirtschaftsembargo; seit den 1990er Jahren sanktionieren ihre Gesetze ausländische Unternehmen, die nach Ansicht Washingtons von enteigneten US-Vermögenswerten auf der Insel profitieren.

Das kubanische Militär ist deutlich erfahrener als das venezolanische. Ebenso das politische System. Die Kommunistische Partei genießt absolute Kontrolle: Anders als in Venezuela gibt es keine organisierte Opposition oder eine starke Zivilgesellschaft. Die meisten prominenten Dissidenten haben die Insel verlassen, zusammen mit 2 bis 3 Millionen ihrer Landsleute seit dem Triumph der Revolution.

»Es gibt keine Delcy Rodríguez … in Havanna. Falls es sie gibt, wissen die USA nicht, wer sie ist, und haben auch keine Möglichkeit, sie zu kontaktieren, ohne dass die kubanischen Geheimdienste davon erfahren«, sagt Professor LeoGrande.

Also eine Person, die bereit ist, dem Willen der USA zu entsprechen, um selbst an der Macht zu bleiben.
Es kann so eine Person in Kuba gar nicht geben, weil eben das politische System, wie immer man es nennen mag, weitaus gründlicher in der Gesellschaft verwurzelt als in Venezuela und nicht im US-Sinne reformierbar ist.

Obst- und Gemüsestand in Havannas Altstadt, wo men traurigen Zustand dieses einstigen städtebaulichen Juwels studieren kann.

_________________________

Siehe auch: Amtsantritt von Díaz-Canel 2018

Serie „Lateinamerika heute“. Teil 25: Suriname

LIEFERANT VON ALUMINIUM UND FUSSBALLSPIELERN

Suriname entwickelte sich aufgrund mehrerer Umstände topographischer und politischer Natur etwas anders als das benachbarte Guyana. Die Plantagen gingen über den unmittelbaren Küstenstreifen hinaus und zogen sich entlang der verschiedenen Flüsse ein Stück weit ins Hinterland, allerdings nur im östlichen Teil Surinames, der höher gelegen war als der westliche. Die Anbauprodukte waren außer Zucker auch Kaffee, Kakao, Indigo und Tabak.
Nachdem die Kolonie im 17. Jahrhundert von der Provinz Zeeland an die Westindische Kompanie verkauft worden war, begann eine regere wirtschaftliche Tätigkeit: Plantagen wurden gegründet und Kredit wurden vergeben. Außerdem kamen protestantische und jüdische Flüchtlinge aus den spanischen Niederlanden nach Suriname.
Der östliche Teil wurde im 18. Jhd. durch militärische Befestigungen gegen Piratenangriffe geschützt.

Die Nachfahren der Sklaven, die im 17. und 18. Jahrhundert zum Betreiben der Plantagenwirtschaft in das Gebiet des heutigen Suriname gebracht worden waren, teilen sich in zwei Gruppen. Das eine sind die Nachfahren derjenigen Sklaven, die im 19. Jahrhundert schließlich mit der gesetzlichen Aufhebung der Sklaverei zu freien Bürgern wurden und sich hauptsächlich in Paramaribo und entlang des östlich davon gelegenen Küstenstreifens ansiedelten.
Das andere sind die Maroons, deren Vorfahren in den Urwald entkamen und dort nach afrikanischen Sitten ihrer Herkunftsländer Dorfgemeinschaften bildeten und den Sklavenjagden der Plantagenbesitzer sowie den unwirtlichen Bedingungen des Urwalds trotzten. Die Nachfahren der Maroons machen heute mehr als ein Fünftel der Einwohner Surinames aus. Sie haben für die schmalen politischen Eliten Surinames, ob schwarz, farbig oder weiß, wenig übrig.

Der Rest der Bevölkerung teilt sich auf in die Nachfahren der weißen Plantagenbesitzer sowie der nach Aufhebung der Sklaverei eingeführten Arbeiter aus China, Indien und Java.

Die Wirtschaft Surinames

bestand mehr als 2 Jahrhunderte aus dem Anbau landwirtschaftlicher Produkte, bis im 20. Jahrhundert das Bauxit dazu kam. Während des 2. Weltkriegs erlebte die Nachfrage nach Bauxit einen Höhepunkt. In den 50-er Jahren wurde von der Firma Alcoa ein Staudamm gebaut, um das Bauxit auch zu Aluminium zu verarbeiten. Der Bauxitabbau und die Aluminiumproduktion sind seit 2020 Geschichte – geblieben sind Ablagerungen aller Art. Alcoa betreibt den Staudamm und das daran angeschlossene E-Werk weiter und verkauft den Strom zu Monopolpreisen an den Staat.

Als Bergbauprodukt hat inzwischen Gold die Nase vorne. Goldbergwerke haben sich im letzten Jahrzehnt im östlichen Teil Surinames ausgebreitet und operieren dort relativ ungestört, da ihnen niemand irgendwelche Umwelt-Auflagen erteilt. Verträge und Konzessionen sind in diesem Staat ausschließlich eine Frage des Geldes.

Goldabbau in Suriname

Auch Ölfirmen sind unterwegs, um dort noch irgendwelche weiteren Bodenschätze abzustauben. Sie sind aber noch nicht so weit, wie ExxonMobil im benachbarten Guyana, auch hier reichlich sprudelnde Ölquellen erschlossen zu haben.

Die politische Verwaltung

Als Suriname 1975 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, nutzte mehr als ein Drittel seiner Bewohner die holländische Staatsangehörigkeit und übersiedelte nach Holland.
(Der Abwanderung aus Suriname verdankte die holländische Nationalmannschaft bzw. die Fußballwelt Spieler wie Ruud Gullit, Frank Rijkaard, Clarence Seedorf, Patrick Kluivert u.a.)
Das Land hat heute geschätzt 620.000 Einwohner, die doppelte Einwohnerzahl von Graz, bei einer Größe, die das Doppelte von Österreich ausmacht.

Die Selbst-Regierung mündete 1980 in einen Militärputsch, der von den Niederlanden und den USA unterstützt worden war. Der starke Mann Surinames, Desi Bouterse, der in den Niederlanden zum Offizier ausgebildet worden war, regierte im Grunde bis zu seinem Tod im Jahre 2024. In den 90-er Jahren führte seine Clique noch einen Bürgerkrieg gegen die Maroons.
Am Schluß einigte er sich mit anderen Guerilla- und Stammesführern und sie stiegen in den Drogenhandel ein.
Suriname ist heute ein wichtiges Transitland für Kokain, zusammen mit seinen europäischen Andockstationen Belgien und Holland. Im unbewohnten Urwald, der niemandem gehört, passen Goldabbau und Landpisten für Drogenflugzeuge gut zusammen, während die spärlichen Exportprodukte des Landes mit Kokainladungen aufgefettet werden.

Dazwischen finden sich dann auch noch Angebote für Touristen, die ganz unberührten Dschungel oder touristisch nicht überlaufene Destinationen bevorzugen.