Japans Supergau

ATOMPOLITIK
Japan besitzt (inklusive der 4 inzwischen zerstörten Blöcke von Fukushima) 55 in Betrieb befindliche Reaktoren und damit nach den USA und Frankreich die höchste Anzahl an Atomkraftwerken in einem Land. Mehr als ein Drittel seines Strombedarfs wird aus AKWs gedeckt. Japans Atomindustrie ist der größte Exporteur weltweit von Atomtechnologie. Die Bestimmungen des Kyoto-Protokolls über Reduktion von Schadstoffemissionen sehen Japans Politiker und Kernkrafttechnologie-Erzeuger als eine große Chance, ihre Marktposition weiter auszubauen: Atomenergie sei umweltfreundlich. In Japan selber sollen bis 2050 die Schadstoffemissionen um 50% halbiert werden, durch zügigen Ausbau der Kernkraftwerke. 2006 kaufte Toshiba den US-amerikanischen Rivalen Westinghouse, um seine Marktanteile international zu vergrößern.
Aufgrund der Auflagen, die Japan von der Siegermacht USA auferlegt wurden, hat Japan keine Atomwaffen. In der japanischen Verfassung ist festgelegt, daß Japan „für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation“ verzichtet. Mit Berufung auf die erlittene Bombardierung hat Japan immer wieder betont, keine Atomwaffen herstellen oder auf seinem Territorium dulden zu wollen. In den letzten Jahren sind jedoch diese ehernen Grundsätze von den japanischen Politikern zum Gegenstand öffentlicher Diskussion gemacht worden. Mit Berufung auf die nordkoreanische Gefahr solle man sich vielleicht doch ein paar Atombomben zulegen, für den Notfall … Schön langsam wurde unter dem Namen „Selbstverteidigungsstreitkräfte“ eine Armee aufgebaut, die jetzt zur Bewältigung der Erdbebenschäden, und auch in Fukushima eingesetzt wird.
Daß Japan in einer extrem erdbebengefährdeten Zone liegt, hat nie einen japanischen Politiker oder Unternehmer an der Atomkraft zweifeln lassen. Die japanischen AKWs würden bebensicher gebaut (als ob das ginge!), hieß es immer wieder. Gegen Tsunamis wurden sie vom Meer her mit Mauern „geschützt“. Die Geschichte des japanischen AKW-Betriebes ist dabei voll von Störfällen, und schon vor einigen Jahren, anläßlich eines kleineren Erdbebens in der Region, schrammte das leistungsstärkste AKW der Welt, Kashiwazaki-Kariwa knapp an einem Super-Gau vorbei und mußte dann für mehr als eininhalb Jahre abgeschaltet werden. (Es wird übrigens von der gleichen Gesellschaft betrieben wie Fukushima.) Es stellte sich heraus, daß es auf einer Erdbebenlinie gebaut ist.
Bei all diesen Pannen und Störfällen fand stets die gleiche bewährte Form der demokratischen Bewältigung statt: Erst wurde ein kleiner Skandal hochgekocht. Dann wurden irgendwelche Manager oder technischen Leiter dingfest gemacht, die sich Versäumnisse oder Verfehlungen zuschulden kommen gelassen hatten, die wurden dann entlassen oder vor Gericht gestellt. Unangenehme Gutachten wurden durch Gegengutachten aus dem Weg geräumt, und die Atomindustrie hatte weiter freie Bahn.
Denn die Kernkraft ist einer der Eckpfeiler, wenn nicht überhaupt die Grundlage des japanischen Wirtschaftserfolges. Sie stellt den billigen Strom für die japanische Industrie her und sorgt dadurch für die Konkurrenzfähigkeit Japans auf dem Weltmarkt. Außerdem ist sie selber ein bedeutender Wirtschaftszweig und steht für die zukunftsorientierte Technologie, als deren Hort sich Japan ebenfalls sieht. Deshalb, und nicht weil die „Atomlobby“ so „einflußreich“ ist, hat die Kernkraft stets die Rückendeckung der japanischen Politiker gehabt.
Diese Sichtweise – Japans Größe steht und fällt mit der Kernkraft! – haben Japans Politiker ihrer Bevölkerung auch über die Jahrzehnte nahegelegt und in Schulen, Unis und Medien verbreiten lassen. So kommt die „Mentalität“ zustande, mit der die Japaner jetzt etwas verwundert auf den Bildschirmen den Super-Gau verfolgen (solange noch Strom da ist, natürlich).
Als der Unfall in Fukushima losging, hat die russische Atombehörde Rosatom sofort ihre Hilfe und ihr Know-How im Bewältigen von Atomunfällen angeboten. Die japanische Regierung hat diese Hilfe abgelehnt. Ähnlich wie die spärliche Information, die sie zu dem Unfall an die Öffentlichkeit weitergibt, ist diese Ablehnung eine Folge des Umstandes, daß es hier wirklich um das Eingemachte dieser Nation geht, um ihre Staatsräson, und man da keineswegs Mitgliedern einer anderen, noch dazu nicht allzu befreundeten Nation (Kurilen usw.) Einblick in die Geheimnisse der heimischen Energieproduktion gewähren will.
Die Izvestija („Japans Halbwertszeit“) kommentiert diese Episode leicht hämisch: Von Anfang an seien die Japaner eher stümperhaft vorgegangen, jetzt könne man sowieso nicht mehr viel retten. Sie hätten es zu sehr mit Konfuzius und Lao-Tse gehalten: „Nichts übereilen, lieber beobachten!“ Aber diese beiden Herren hätten eben nie in einem AKW gearbeitet …
Ansonsten beschwichtigt die russische Regierungszeitung: Alles halb so schlimm, einen Super-Gau übersteht man auch, wie wir wissen. Bei Tschernobyl wurde ja sooo übertrieben. Gut, unter den Rettungsleuten gab es eine erhöhte Zahl von Todesfällen durch Krebs. Und viele Kinder erkrankten an Schilddrüsenkrebs, aber das ist bei rechtzeitiger Diagnose heilbar. Keine Rede von Tausenden und Zehntausenden von Todesopfern! Lauter Märchen. Und die Jod-Tabletten sind auch eine gute Sache. Das wichtigste sei jetzt, Panik zu vermeiden, wie sie ja leider gerne ausbricht, wenns um Stahlung geht. Die Strahlung selbst ist halb so wild.
Putin hat vor einigen Tagen erklärt, auf jeden Fall an der Atomtechnologie festhalten zu wollen, und mit Lukaschenko einen Vertrag zu Bau eines AKWs unterschrieben.
Der Zynismus, mit dem solche Politiker ihr Volk blöd halten und für ihre nationalen Ziele verheizen, ist also in beiden Ländern gleich.

50 Gedanken zu “Japans Supergau

  1. Es verwundert mich, daß du als erste Abwiegler Rußland unter Putin anführst. Da wäre doch Deutschland unter Merkel wahrlich “naheliegender” gewesen. (Selbst Österreich wollte ja mit dem AKW Zwentendorf aufschließen zum fortschrittlichen Rest der Welt.)

  2. @ NEoprene: Weder Deutschland noch Österreich bekennen sich derzeit so rabiat zur Atomkraft, ein eigenes Kapitel ist vielleicht die derzeitige Rhetorik von Bundeskanzler Feymann die mindestens so bodenlos ist wie die schwarzgelbe “Energiewende” in Deutschland.
    Im Artikel gehts freilich um eine ganz andere scheinbar rätselhafte Tatsache, die auf einen banalen Kern reduziert wird. Wer da wirklich was zu verbergen hat ist unklar, vielleicht gibt die Sache mit reaktor 3 und dem Plutonium einen Hinweis darauf dass hier auch im laufenden betrieb experimeniert wird….

  3. Frau Merkel betont rund um die Uhr, daß Atomstrom eine unverzichtbare “Brückentechnologie” sei, und hatte gerade erst ganz “rabiat” die Laufzeitverlängerung durchgesetzt. Ich sehe da keinen Grund, irgeneinen qualitativen Unterschied in den imperialistischen wet dreams der diversen Atomstrommächte zu machen.
    Was die “ganz andere scheinbar rätselhafte Tatsache, die auf einen banalen Kern reduziert wird” sein soll in Nestors Artikel, erschließt sich mir selbst beim mehrmaligen Nachlesen nicht. Könntest du das noch näher ausführen?
    Daß die japanischen Behörden und Medien (wohl aufgrund freundlicher dementsprechender “Hinweise” der Regierung) so gut wie alles verborgen haben über Ursachen, Ablauf, Gegenmaßnahmen, Gefahren, Opfer der Katastrophe, das ist offensichtlich. Dazu braucht es nun wirklich keine “illegale” Vorbereitung von Atomwaffen, die du praktisch unterstellt hast.

  4. Ob tatsächlich in Richtung Bomben gearbeitet wird, wie slowglass vermutet, ist möglich. Sicher ist aber, daß die japanische Regierung den gesamten AKW-Sektor als eine strategische Priorität behandelt: Diese Form der nationalen Energieversorgung ist sakrosankt, steht nicht zur Debatte, und macht Japans Größe aus. Nach 14 Jahren Pause (!) ist voriges Jahr wieder der Schnelle Brüter in Betrieb gegangen. Japan will durch einen solchen Reaktor den Brennstoff-Kreis schließen und den Import des Urans durch Wiederaufbereitung verringern.
    Bomben kann man dann vielleicht auch machen, aber ich halte einfach die zivile Nutzung in Japan für den Hammer, die offenbar weiterhin nicht in Frage gestellt wird.

  5. In der Tat: Wenn erst die (nicht sonderlich) geheime Atombombenproduktionsvorbereitung der Skandal ist, dann ist schon fürchterlich viel gegessen an “Skandal” der ganz normalen Energieversorgung mit Atomenergie.

  6. Zu der Bombenproduktion gibt es in China unter Atomphysikern folgende These: Die Japaner machen seit Jahren Unterwasser-Atomversuche und haben zu diesem Zweck Installationen unter Wasser. Die sind mit der Gegend um Fukushima verbunden, durch Tunnels.
    Dabei kooperieren sie mit Frankreich, das ihnen ihre Brennstäbe in La Hague wiederaufbereitet und selbst Atomversuche im Pazifik durchgeführt hat, allerdings offiziell schon länger nicht mehr.
    Das Kraftwerk von Fukushima war für Bomben-Produktion zuständig, möglicherweise auch die anderen 2 Kraftwerke an der Nordostküste. Das Erdbeben wurde durch einen Atomversuch ausgelöst, der etwas zu stark ausgefallen ist. Deswegen wollen die Japaner auch keine ausländische Hilfe, weil da könnte wer was sehen, das nicht gesehen werden soll. Und deshalb ist auch Benzin in Japan knapp, damit nicht zu viele Leute in die Gegend kommen.
    Einmal schauen, ob ich auf Russisch was finde im Internet.

  7. Weil mir dieses Totschläger-Argument „Verschwörungstheorie“! schon seit geraumer Zeit auf die Nerven geht, wenn man über Dinge nachdenkt, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen, aber auf deren Vorhandensein man schließen kann, in der Folge einige Überlegungen.
    Es spricht viel dafür, daß Japan Atombomben will und auch baut. Schließlich ist es eine große Macht mit vielen Ambitionen, die sie ja auch im Laufe der Geschichte immer wieder gezeigt hat. Und die Beteuerungen der japanischen Politiker, man wollte so eine Bombe überhaupt nicht, weil man hätte ja erlitten, wie furchtbar die ist und würde das niemand anderem antun wollen, sind so dümmlich verlogen, daß man sie nicht näher kommentieren muß. Gerade weil die Japaner zwei dieser Dinger auf den Kopf gekriegt haben, haben deren Politiker mitgekriegt, was so eine Bombe kann. Ist doch ein Unterschied, ob man wie in Nanking 200.000 Leute mühsam händisch umbringen muß, oder einfach ein Bomberl abwirft und die Sache ist erledigt.
    Der Friedensvertrag von San Francisco (1951) enthält zwar keine spezielle Klausel über die Art der Bewaffnung, untersagt aber Japan generell Bewaffnung und Militär, das auf „Großmachtambitionen“ schließen ließe. Japan tut aber mit dem plakativen Verzicht auf Atomwaffen so, als sei das seine freie Entscheidung.
    Inzwischen kann es ja auch sein, daß die USA wegschauen und zulassen, daß sich Japan atomar bewaffnet. Aber so richtig ein Coming Out zu machen und zu sagen: Hurrah, wir sind jetzt auch Atommacht! – wie Indien und Pakistan es vor einigen Jahren gemacht haben – hätte doch eine sehr schiefe Optik, und könnte zu allen möglichen Verwicklungen führen, vor allem mit den Nachbarstaaten. Und außerdem, wenn die japanischen Politiker an einer Atombombe arbeiten, dann tun sie das schon länger.
    Also müssen sie es im Geheimen machen.
    Gut. Jetzt haben sie eine Mords Atom-Industrie, den Kreislauf zu schließen ist ihnen aber bisher noch nicht gelungen, weil ihnen der Schnelle Brüter in Monju bald nach seiner Betriebnahme fast um die Ohren geflogen ist, dann 14 Jahre stillgelegt war und jetzt auch nur im Probebetrieb läuft. In Fukushima ist ein Reaktor teilweise mit Plutonium bestückt – bei Druckwasserreaktoren unüblich. Der Reaktor 3 soll offenbar irgendwie den schnellen Brüter ersetzen. So genau kenn ich mich auch nicht aus, was man alles für eine Bombe braucht. Klar ist aber: Frankreich hat das alles.
    Außerdem hat Frankreich den Vorteil, keine politischen Ambitionen im Pazifik zu haben. Es ist also kein potentieller Rivale.
    Frankreich hat schon lange keine Atomversuche mehr gemacht. Was ist los? Hat die Grande Nation zurückgesteckt? Wohl kaum. Ist schon alles ausgetestet? Auch unwahrscheinlich.
    So Tests machen ja auch Wirbel und bringen Anrainerstaaten auf. Bei den letzten Versuchen Frankreichs in den 90-er Jahren gingen weltweit die politischen Wellen hoch. Wenn sie sich daher im Geheimen abwickeln lassen, um so besser. Und wenn man dann noch einen Partner hat, mit dem sich das abwickeln läßt und der dafür Territorium zur Verfügung stellt …
    Also ist auch die Idee mit den Unterwasser-Versuchen nicht so abwegig.
    Aber wenn man sagt, ich glaub nur das, was in den Zeitungen steht, so ist das natürlich alles Spekulation.
    Ruhe sanft auf deinen Gewißheiten …

  8. Wenn es nun schon um Verschwörungstheorien geht, dann stifte ich auch einen Beitrag:
    Ein durchgeknallter semifaschistischer ehemaliger Trotzkist reiht das Erdbeben und den Tsunami ein unter “Another Geophysical Attack-This Time Japan”
    http://groups.google.com/group/alt.politics.socialism.trotsky/browse_thread/thread/dbe6b771800be7fd/eb0e9f173567af7a?show_docid=eb0e9f173567af7a#
    Da kommen dann so Sachen mit ins Spiel wie HAARP
    http://de.wikipedia.org/wiki/HAARP
    To whom it may concern! (Mich interessiert es schon mal nicht.)

  9. nestor, das epizentrum des bebens lag >130 km von der japanischen küste entfernt, büsschen lang für einen tunnel – mal ganz abgesehen davon, dass atombomben ganze größenordnungen zu wenig energie abgeben, um erdbeben der stärke 9,0 auszulösen. mir scheint, da wurde eine schon jahre ältere verschwörungstheorie auf fukushima geupdated, vgl.: http://truthhunter.blog.de/2010/01/19/haiti-erdbeben-absicht-zufall-genug-geroell-stoebern-7788545/
    hast du einen link? mit google translate kann ich mir zum. einen groben eindruck verschaffen auch von russischen seiten

  10. zum rest: israel hat wohl einige dutzend sprengköpfe mit einem einzigen forschungsreaktor gefüllt gekriegt. wenn pakistan, indien und china alleine atombomben bauen können, vor jahrzehnten, und das mit einem bruchteil der ressourcen der japaner – wieso sollte ausgerechnet japan da franz. hilfe brauchen?
    was das mit dem schnellen brüter zu tun hat, verstehe ich auch nicht. den braucht man ja nicht unbedingt für waffenfähiges plutonium, sonst hätte das manhattan project über keines verfügen können. mal abgesehen davon, dass angereichtertes uran ja eh reicht.
    mox-brennelemente wandeln potentiell waffenfähiges, wenn auch schwer zu separierendes plutonium (239 + 240) in plutonium höherer kernzahl um, das nicht mehr waffenfähig ist

  11. @bigmouth:
    Zur Plutoniumgewinnung braucht man eine Wiederaufbereitungsanlage, die das Plutonium aus den verbrauchten Brennstäben isoliert. Dazu braucht Japan z.B. Frankreich, da Japan keine Wiederaufbereitungsanlage besitzt.
    Ob Japan herkömmliche Atomwaffen (ich glaube auf U235 Basis) herstellen kann, hängt von der Qualität ihrer Anreicherungsanlage ab.
    @all:
    An den Vermutungen von Nestor halte ich für interessant, dass auf den tatsächlichen Zweck der Kernenergie hingewiesen wird, nämlich sich in den Besitz von Atomwaffen zu bringen. Das ist m.E. der Grund, warum Nationalstaaten sich AKW’s hinstellen und dabei besonders auf die Anreicherung Wert legen. Die Energiegewinnung ist ein willkommener ziviler Nebeneffekt, der den Aufbau dieser militärischen Option mit Kollateralnutzen ermöglicht. Hat man sich das Land dann ersteinmal voller AKW’s gestellt, sind die Teil des nationalen Energiekonzepts und können eben nicht einfach abgeschaltet werden (und sollen das auch nicht). In dem Maß, wie die Waffenoption nicht mehr interessant ist, fällt die Verstrahlung, die von AKW’s ausgeht politisch anders ins Gewicht und macht einen Verzicht auf Atomkraft zur politischen Option.
    AKW’s werden von Staaten gerade unabhängig von ihrer Verfügung über Energieträger hingestellt (siehe z.B. Iran, Russland, aber auch Deutschland). Sie eignen sich nicht besser oder schlechter als z.B. Kohle, Wasserkraft oder Gas für die Bereitstellung von Energie f. die Kapitalakkumulation.
    edit: Japan hat seit 2010 auch eine Wiederaufbereitungsanlage.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wiederaufbereitungsanlage_Rokkasho

  12. Es ist eine arge Verkürzung des imperialistischen Programms der Kernenergietechnik, das ganz krude darauf zu verkürzen, daß es um den “Besitz von Atomwaffen” ginge. Daß schon in der erfolgreichen Herstellung eines unschuldigen nationalen Energiemixes eine handfeste imperialistische Waffe vorliegt, ganz ohne Bomben und Bombenträger, das wollen die meisten Kritiker der Atomttechnik nicht erkennen.
    Jonas Köper hat erst vor Kurzem in Berlin versucht, diese umfassende imperialsistische Zielsetzung ausführlich herauszuarbeiten. Der Mitschnitt der Veranstaltung ist bei den Berliner GSPlern zu haben:
    http://www.archive.org/download/JonasKpergegenstandpunktWorumGehtEsBeimSogenanntenSparpaketDer/gegenstandpunktKper-SparpaketDerRegierung3.12.2010Berlin2.mp3

  13. @Neoprene & bigmouth
    Der Hinweis auf Haití und diesbezügliche „Verschwörungstheorien“ ist wenig zielführend, da die USA ja ihre Atomwaffen nicht verheimlichen müssen und auch getestet haben. Live in Japan, und die Wasserstoffbombe später in den Castle-Serien. Also, die haben keinen Grund, da irgendwelche geheimen Tests zu machen. Das ist etwas anderes als bei Japan.
    Was Japan betrifft: Warum sollten die in den Indischen Ozean gehen, wenn sie den Pazifik, und ziemlich ausreichend, vor der Tür haben? Und leichter zugänglich, für Transporte von was auch immer und wie auch immer?
    Das mit dem Tunnel ist in der Tat reine Hypothese, vielleicht läßt sich das auch anders lösen. Daß das Epizentrum des Bebens 130 km vor der japanischen Küste war, ist auch kein Einwand. Es sagt ja niemand, weder ich, noch diese chinesischen Blogger, daß das Erdbeben gleichzusetzen ist mit einem Atomtest, sondern daß Ersterer Letzteres ausgelöst hat – wenn man in einer erdbebengefährdeten Zone – Aufeinandertreffen von Kontinentalplatten – so Experimente macht, so ist das eben riskant.
    Japan hat übrigens, nur zur Info, vor 1945 selber an einer Atombombe gearbeitet, die Versuchsstation befand sich im heutigen Nordkorea, bei der Stadt Hüngjan.
    Was Israel betrifft, so braucht es m.E. nicht testen, weil es alle notwendigen Infos von den USA erhält, als befreundete Nation.
    @_nobody
    Japan hat angeblich eine Wiederaufbereitungslage in Tokai, die irgendwie nicht optimal funktioniert und hin und wieder abgeschaltet wird, auf Jahre hinaus. Sie ist auch an der betroffenen Ostküste. Kurz war sie auch im Gerede wegen Erdbeben-Schäden, dann hörte man wieder nichts davon.
    In der Frage der „friedlichen Nutzung“ als reines Feigenblatt der Waffenproduktion stimme ich dir nicht zu. Gerade in Japan haben sie auch für Ersteres gute Gründe: wirtschaftliche Autarkie, billiger Strom für die eigene Industrie. Viele Länder setzen auf Atomenergie, aus genannten Gründen: Ungarn, Tschechien, Südkorea – m.E. ohne irgendwelche Bomben-Ambitionen.

  14. @neoprene, nestor
    1. Jonas Köper@neoprene
    Warum hast Du die Vorstellung von Köper nicht zitiert? Ich werde bestimmt nicht versuchen aus dem Hetzzeug des GSP das zu extrahieren, was Du meinen könntest. So viele Stunden habe ich für sowas nicht übrig.
    2. Mal das, was ich zum Verhältnis von ziviler Nutzung und militärischer Option denke:
    a) Die militärische Nutzung (der Bau von Atomwaffen) ist der Grund, warum aus Uran Strom gewonnen wird. Alle Staaten, die eine entwickelte Kernindustrie haben und den Brennstoffkreislauf beherrschen zielen auf die militärische Nutzung und dafür haben sie ihre Atomindustrien auch aufgebaut. (Russland, USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Japan, China, Indien, Pakistan usw…)
    b) Die Kernenergiegewinnung ist dabei die Art, wie der unter a) genannte Zweck in diesen Ländern als Beitrag zur nationalen Energieversorgung realisiert bzw. verfolgt wird. Das hat (@nestor) mit einem Feigenblatt nichts zu tun, sondern ist der dual use, den Atommächte bzgl. der Kernkraft ausgehend von ihrem unter a) genannten Zweck praktizieren. Dieser Zweck entscheidet nämlich darüber, dass sich die Breitstellung von Strom als Grundlage für den Nationalreichtum auf Uran und nicht andere ggf. (und teilweise im Übermaß) vorhandene sonstige Energieträger stützt.
    c) Für die Kernenergiegewinnung und die damit verbundenen Industrien ist damit ein Rentabilitätsstandpunkt in der Welt, nämlich der, wie die Kernenergiegewinnung im Verhältnis zu den Alternativen (Öl, Kohle, Gas usw..) als Bestandteil der nationalen Enegrieversorgung rentabler gestaltet werden kann und wie die Atomindustrien sonst noch zum nationalen Reichtum beitragen können.
    d) Alle Begleitumstände der Kernenergiegewinnung (Atommüll, Umgang mit dem Risiko, Wiederaufbereitung, Anreicherung, Energieausbeute, Kosten) werden damit auch dem Gesichtspunkt effektiver nationaler Energieversorgung unterworfen und man hat bis zu einem gewissen Grad erfolgreich versucht aus der Kernenergie eine zivile Alternative zu machen, die dann auch exportiert werden sollte (mit dem Widerspruch, dass damit gleichzeitig die Proliferation verhindert werden soll)
    e) Teilweise waren solche Angebote dann auch für Nichtatommächte wegen ihrer mangelnden Verfügung über sonstige Energieträger interessant (Tschechien, Bulgarien, Südkorea usw..). Für solche Staaten ist die Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Atomkraftwerken aber eine ganz andere als für Staaten, die Atommächte werden wollen: Da steht nämlich Kernkraft wirklich in Konkurrenz zu den Alternativen und man sieht, in welchem Umfang das, was da für die zivile Nutzung entwickelt worden ist erfolgreich ist – eben in einem gewissen, beschränken Maß.
    3. Atomstrom als „imperialistische Waffe“
    Über die Blödheit solcher Formulierungen, kann man sich Klarheit verschaffen, wenn man sich überlegt, dass Kohle, Ölschiefer, Biomasse usw… in diesem Sinn genauso als „imperialistische Waffen“ fungieren. Nur sagt das bei diesen Energieträgern kein Mensch. Das nur mal als kleine Randbemerkung. Das nationale Energiekonzept unterliegt eben einem imperialistischen Vorbehalt, ob mit oder ohne Atomstrom.

  15. Du bist ein wirklich selten ignoranter Hetzer, nobody:
    Wenn du wie jeder vernünftige und wirklich interessierte Netzleser entweder einen Feedreader einsetzt (ich empfehle “Feedreader3” oder RSSOwl oder eingeschränkt FeedDemon), der über alle Blogprovider hinweg “Alles” was einem interessant erscheint, abgrast, oder wenigstens den planeten kommunismus, auf dem ja die meisten Blogs und Seiten aus dem “Umkreis des GegenStandpunkts” gelistet sind (aber nicht nur die, der Macher von pk ist da auf neue Vorschläge ansprechbar, wie sich ja in letzter Zeit gezeigt hat), oder wenigstens contradictio, die elektronische Hauptlitfaßsäule des GegenStandpunkt-Umfelds, dann hätte dir als Atom-Interessierten eigentlich die Teilübersetzung des Vortrags (wohl) von Jonas Köper auffallen können, den die US-Freunde des GegenStandpunkts von Ruthless Criticism vor ein paar Tagen ins Netz gestellt haben:
    http://www.contradictio.de/blog/archives/3426

  16. OK, bin ich eben ein ignoranter Hetzer, mir egal. Solche sich als abgrundtief gut wissenden Leute vertragen eben keine Kritik.
    Unabhängig davon hat Köper doch irgend eine Position zum Verhältnis zwischen ziviler und militärischer Nutzung der Atomkraft, die er in seinem Vortrag vertritt. Wenn da etwas von Wert gesagt wird, wäre es doch angebracht damit mein Zeug zu kritisieren, oder festzuhalten, dass Köper genau das Gleiche (und vielleicht noch mehr) sagt. Wenn ich nach den Sachen urteile, die ich auf Blogs mitbekommen habe, erklärt die GSP-Szene sich dieses Verhältnis nicht richtig (und hetzt blöd herum, wie immer).

  17. verlink’ doch mal diesen blogger, den angebliochen physiker, der glaubt, dass atombomben erdbeben auslösen können!

  18. @neoprene:

    The special feature of nuclear energy is that a nation disposes over only a limited amount of raw materials, so it’s just a matter of national technical abilities to gain a very large and expandable amount of energy from them. Even if the nation has to acquire the initial volume from overseas, it then has a bit of self-sufficiency. And that’s what competing states seek in the long run, even if they seek self-sufficiency neither in their policies towards the world market or their energy.

    Das erklärt nicht, warum es AKW’s gibt! Das kann man sich ganz einfach darüber überlegen, dass dieses Argument nur für Staaten gilt, die arm an Energieträgern sind. Das gilt aber nicht für Russland, die USA, den Iran, Indien usw… Auf manche Staaten könnte man die Vorstellung vielleicht anwenden, allerdings greifen diese Staaten dann auf etwas zu, das zu anderen Zwecken (entweder von ihnen oder von anderen Atommächten) entwickelt worden ist, die heute nicht aus der Welt sind.
    Die Frage “Warum gibt es Atomkraftwerke?”, beantwortet der Artikel also nicht.

  19. mal noch ein bisschen Backup für meine Behauptung, dass die Energiegewinnung Resultat der Bombenproduktion ist:

    Zündung der Bombe [Bearbeiten]
    Ab Juni 1946 machte das sowjetische Projekt rasante Fortschritte: metallisches Uran wurde produziert, man plante den ersten Reaktor zur Produktion von Plutonium, ein Trennwerk und ein Waffenlabor. Am 25. Dezember 1946 wurde der erste experimentelle Atomreaktor F1 am Stadtrand von Moskau das erste Mal kritisch. Beschickt wurde er größtenteils mit dem in Deutschland erbeuteten Uran aus Belgien, welches wiederum aus der damaligen Kolonie Belgisch Kongo stammt [2]. Den Plan der Vereinigten Staaten, eine Atomagentur einzurichten, lehnte die sowjetische Regierung als Versuch ab, deren Monopol zu sichern.
    Den ersten Reaktor zur industriellen Produktion von Plutonium nahm man im Juni 1948 in Tscheljabinsk-40 (Chemiekombinat Majak) in Betrieb.
    Schneller als man im Bericht geschätzt hatte, erklärte Kurtschatow die erste sowjetische Atombombe für einsatzbereit. Während der Berlinblockade 1948 war der Abschreckungseffekt der Atombombe zum ersten Mal zu erkennen gewesen. Dies war der Startschuss für das atomare Wettrüsten der kommenden Jahrzehnte. Die erste sowjetische Kernwaffe RDS-1 wurde am 29. August 1949 um 7 Uhr Ortszeit auf dem Testgelände Semipalatinsk in der Kasachischen SSR gezündet.[4] Die Waffe entsprach weitestgehend dem amerikanischen Fat-Man-Design. In den folgenden Jahren begannen beide Staaten den Kalten Krieg mit ihren Wissenschaftlern auch in der Internationalen Atomenergiekommission zu führen.

    Und daran, dass AKW’s Produktionsstätten für Plutonium sind hat sich bis heute nichts geändert. Die Anlage in Majak (Tscheljabinsk 40) gibt es ja heute noch.

  20. guck mal, frankreich hatte für kernwaffen ende der 60er genug plutonium. die akw-neubauten der 70er/80er gehen auf den ölschock zurück, als apokalyptische szenarien über rohstoffpreise entstanden. das heisst: es gibt mehrere gründe für AKWs, sogar in einem land.
    die im westen üblichen reaktormodelle taugen auch nicht so wirklich richtig gut zum kernwaffenbau, da hatten die russen zb modelle (wie akw tschernobyl), wo der brennstoff extra kurz im reaktor blieb, ständig wieder entnommen werden konnte und besonders viel PLU 239 anfiel
    dass deutschland und japan auf militärische nutzung zielen, ist eine bloße behauptung. israel dagegen hat erst gar keine AKWs!.
    guck dir mal die liste der akw-staaten an:
    3 Afrika
    3.1 Südafrika
    4 Asien
    4.1 Armenien
    4.2 China
    4.3 Indien
    4.4 Iran
    4.5 Japan
    4.6 Kasachstan
    4.7 Pakistan
    4.8 Südkorea
    4.9 Taiwan
    5 Europa
    5.1 Belgien
    5.2 Bulgarien
    5.3 Deutschland
    5.4 Finnland
    5.5 Frankreich
    5.6 Italien
    5.7 Litauen
    5.8 Niederlande
    5.9 Rumänien
    5.10 Russland
    5.11 Schweden
    5.12 Schweiz
    5.13 Slowakei
    5.14 Slowenien
    5.15 Spanien
    5.16 Tschechien
    5.17 Ukraine
    5.18 Ungarn
    5.19 Vereinigtes Königreich
    die wollen also alle atommächte werden? die schweiz?

  21. womit würden denn die finnen ihre atombombe abwerfen? mit ner F18? wieso baut der iran denn an trägersystemen? wieso hat israel extra cruise-missile-fähige uboote?

  22. @nestor: die japaner sollten nicht in den indischen ozean – aber warum bitteschön sollten die tests direkt vor der eignenen küste machen? alle staaten habren bisher atombomben irgendwo im nichts getestet, ob atolle im ozean oder menschenleere wüsten

  23. @bigmouth
    Die Liste kenne ich. Überleg’ mal wie viele dieser 443 Reaktoren es ohne die Atommächte gäbe! Antwort: Keinen Einzigen! Ein Land, das einen geschlossenen Brennstoffkreislauf ausschließlich zur zivilen Nutzung entwickelt hat gibt es nicht (meines Wissens jedenfalls nicht).
    Zu Japan zitierst Du oben selbst das Notwendige – es hat sich eben grundsätzlich in die Lage versetzt Atomwaffen zu bauen. Das Gleiche galt für das deutsche Atomprogramm, nur dass da die Idee im europäischen rahmen aufgegeben worden ist (und die Meiler als bloße Stromversorger eben gleich anders bewertet worden sind).
    Und auch wenn die Franzosen kein waffenfähiges Plutonium mehr herstellen und ihre Meiler vorwiegend zur Stromerzeugung nutzen, bleibt der Grund, warum sie auf Atomstrom als Technologie setzen und diese Form der Energieproduktion weiterentwickeln der, dass sie über ein atomares Waffenarsenal verfügen wollen.
    Der Zweck der potentiellen Autarkie in Sachen Energieversorgung erklärt nicht, warum dafür ausgerechnet diese Technologie entwickelt werden sollte – vor allem von Staaten, die über billigere Alternativen verfügen. Dass Atommächte dann ihr Programm kosteneffizient machen wollen und auch mal ein paar AKWs exportieren, andere Staaten das als Alternative ihrer Energieversorgung angeboten bekommen und Atomtechnologie von den Atommächten unter dem Aspekt der Nützlichkeit und Konkurrenzfähigkeit der Meiler in Sachen Energieerzeugung entwickelt wird, soll damit nicht bestritten werden. Dennoch bleibt der letzte Grund, warum es sowas gibt und warum es weiter betrieben wird die atomare Bewaffnung.

  24. “Und daran, dass AKW’s Produktionsstätten für Plutonium sind hat sich bis heute nichts geändert.”
    das ist UNSINN. für kernwaffen ist ein spezialisierter forschungsungsreaktor viel sinnvoller, weil die ausbeute viel besser ist
    mit dem ganzen plutonium wissen die staaten meist gar nix anzufangen. deswegen ja die MOX-brennstäbe, die das plutonium zur energiegewinnung benutzen, und dabei in gar nicht mehr waffenfähiges umwandeln

  25. du verwechselst die historischen entwicklung der atomenergie mit der frage, warum staaten die hier und heute anstreben – wo es halt verschiedene gründe gibt

  26. Nachtrag zur deutschen nuklearen Option für die Bundeswehr (S.162 ff., insbesondere S.164):
    http://books.google.com/books?id=IljdO2tmOtQC&pg=PA164&lpg=PA164&dq=Interatom+br%C3%BCter+frankreich&source=bl&ots=E0fgH3-P3d&sig=oc-Srla7Pdplr43aZkiQcbqeVcw&hl=de&ei=wzcnTbKfHJHtsgbU05SoAg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=8&ved=0CEMQ6AEwBw#v=onepage&q=Interatom&f=false
    @bigmouth:

    du verwechselst die historischen entwicklung der atomenergie mit der frage, warum staaten die hier und heute anstreben – wo es halt verschiedene gründe gibt

    Man kann diese historischen Gründe nicht von dem, was es heute gibt abtrennen. Dass die Kernkraft als zivile Option ausgebaut worden ist, steht schon in meinem zweiten Beitrag – mit den Ergebnissen, die es eben heute hat: AKWs sind zum Geschäft geworden und die Atomstaaten beliefern die Welt mit Kernkraftwerken. Es wird da auch allerhand versucht (Thoriumreaktoren in China und Indien, früher auch mal in DE (Hamm) usw…) – nur ist es bei der Kernkraft immer noch nicht so, dass sie entwickelt wird wie z.B. Gaskraftwerke, sondern diese technologische Fähigkeit halten sich Staaten unter einem militärischen Aspekt.
    Damit sind nicht Staaten gemeint, die ein paar AKWs von Westinghouse o.ä. gekauft haben, sondern die Staaten, die das Zeug technologisch entwickeln (die Atommächte) und die bestimmen letztendlich, was es gibt.
    Der Artikel blendet diese Sachen aus und kann damit nicht begründen, warum es heute AKWs gibt.

  27. @bigmouth
    Wegen dem Link: Das ist ein Chat-Forum auf Chinesisch. Ich kann der Sache nachgehen und den Typen fragen, der mir die Sache erzählt hat, aber wäre dir oder wem anderen hier damit wirklich gedient?
    Ja, es direkt vor der eigenen Tür Atomversuche zu machen, ist vielleicht nicht schlau, aber unter besonderen Bedingungen – wie hier der Wunsch zur Geheimhaltung – muß man halt zu solchen Mitteln greifen. So haben die Amis, weil Krieg war, ja auch ihre ersten Tests direkt im eigenen Land gemacht.
    @Neoprene und _nobody
    Ich weiß ja nicht, was für eine Vorgeschichte eure Auseinandersetzung hat, aber muß man sich ohne Not gleich so beflegeln?
    Um so mehr, als ich gar nicht verstehe, was der Streit eigentlich soll. Nobody sagt, ohne Bombenabsicht keine Atomindustrie. Das ist historisch sicher richtig, so fängt die organisierte Atomspaltung an. Dann kann man in Folge unterscheiden zwischen Atom-Mächten, die Bomben und eine satte Atomindustrie haben, und Staaten, die zwar AKWs betreiben, aber wirklich nur zur Stromerzeugung. Hier geht doch die Debatte darum, welcher der beiden Gruppen Japan zuzuordnen ist. Und daß auch die Atommächte ihre Berechnungen mit der Atom-Wirtschaft haben, das bestreitet Nobody ja nicht.
    Also, wenn ihr einen Gegensatz habt, so benennt ihn bitte, und laßts diese leere Schimpferei.
    😉

  28. Ich halte die Geschichte mit dem japanischen Atomtest für nebensächlich, weil man eine Sache ja mitbekommen kann, wenn man sich ein bisschen mit Atomenergie beschäftigt: Entscheidend für die Produktion von Waffen sind Anreicherung und Wiederaufbereitung. Das ist auch Inhalt des Streits mit dem Iran. Japan beherrscht den Prozess von A-Z und in dem von bigmouth verlinkten Artikel wird ihnen ja die Fähigkeit zugestanden innerhalb eines Jahres Kernwaffen bauen zu können.
    Es gibt sehr einfache Kernwaffen, für die man eigentlich keine Atomtests braucht. Frankreich kann Tests mit Lasern und Großrechnern simulieren. Die Japaner werden sich schon entsprechend ausstatten bzw. ausgestattet haben.
    Zur Atommacht macht sie, dass sie die Technologie wirklich beherrschen.

  29. Sag mal, Nestor, willst du ernsthaft mit einer hanebüchenen Verschwörungstheorie argumentieren, die du aus der umwerfend zuverlässigen Quelle “jemand hat mir erzählt, was in einem chinesischen Chat-Forum stand” hast? Angesichts dessen, was du sonst so schreibst, komm ich grade aus dem Kopfschütteln nicht heraus.

  30. Sag mal, Nestor, willst du ernsthaft jemand wie nobody, der – für ihn sachgerecht – gleich damit losgeholzt hat “Ich werde bestimmt nicht versuchen aus dem Hetzzeug des GSP das zu extrahieren, was Du meinen könntest” damit verteidigen, daß du schreibst
    ” muß man sich ohne Not gleich so beflegeln?
    Um so mehr, als ich gar nicht verstehe, was der Streit eigentlich soll”.
    Was verstehtst du denn da nicht: Daß nobody, der wieder mal, aber eben ganz klar auch hier, argumentlos dem GSP Hetze unterstellt?? Oder ist sowas für dich schon nichts mehr, was dir auch nur einen Kommentar entlocken könnte? “Ohne Not” habe ich das zurückgewiesen?? Ich bin wahrlich kein Parteibuch-GSPler, die gibt es ja eh (nicht) mehr. Aber so ein Mist wie leider wieder mal von nobody geht mir genauso auf den Keks wie die Ausrastereien die ein Hinweis oder weitere Nicks sich geleistet haben. Und ob das nun alle der oder die Gleiche waren, oder ob es mehr von solchen Typen gibt, die “hier” posten, ist mir dann eh schon egal.
    Angesichts dessen, was du sonst so schreibst, komm ich (nicht nur) grade aus dem Kopfschütteln nicht heraus.

  31. @neoprene: Zur Sache hast Du offenbar nichts zu sagen.
    Zur GSP-Hetze: Die ganze Art, wie über die Kernkraft z.B. in dem Artikel (oder nimm’ Hintergrundstrahlung, auf das Du in Deinem Blog verweist) geredet wird ist Hetze. Du kannst es auch Feindbildpflege nennen, der GSP sagt dazu wahrscheinlich Polemik. Dass ich keine Lust habe mich durch den Dreck zu wühlen ist nun mal mein Standpunkt. Und wenn ich’s mal mache, dann nur mit dem Zweck klarzustellen, wie Ideologieproduktion da geht. Ich weiß, dass Wissen nur als Mittel der Feinbildpflege in solchen Äußerungen vorkommt und darüber eine verkehrte Auffassung von der Welt erzeugt wird, weshalb mir das Zeug nachhaltig unsympathisch ist. Du bringst es nicht fertig die Argumente, die Du in den Aussagen Köpers ausgemacht haben willst einfach anzubringen, sondern verweist auf wahrscheinlich stundenlange Ergüsse, in denen die Welt am Thema Atomkraft in Freund und Feind eingeteilt wird. Fällt dir auf, dass diesem Einteilungsbedürfnis etwas zugrunde liegt, das aus der Kritik der Atomkraft nicht folgt? Wenn ja, dann hast Du das ideologische Interesse von Vereinen wie dem GSP ausgemacht. Selbstverständlich ist nicht alles falsch, was der GSP sagt, weil man auch mit einem ideologischen Standpunkt Erklärungen, die den eigenen Standpunkt bestätigen brauchen kann. Insofern es die gibt, findet man sie heraus und benutzt sie selbstverständlich.

  32. Nein, _nobody, der GSP redet handfest über Energiepolitik. Von jemanden wie dir kommen dagegen Spekulationen, die du gegen handfeste Informationen über Energiepolitik, in die Wagschaale wirfst (könnte, sollte, dürfte). Nichts ist sicher, die Wirklichkeit spielt sich im Erwartungshorizont von bestimmten Alternativen ab. Abgesichert wird diese Herangehensweise mit Hetze, weil Informationen bzw. Wissensproduktion im gesellschaftspolitischen Bereich zunächst immer interpetiert werden müssen. Dass gibt dir den Spielraum gegenstandsbezogene Wissensvermittlung über Toleranzverbote zu perpetuieren.

  33. Ich stelle hier allgemein einige Mängel in der Diskussionskultur fest.
    Wenn man Sichtweisen bringt, die über das hinausgehen, was unsere Öffentlichkeit zu bieten hat, hängt man „Verschwörungstheorien“ an, noch dazu „hanebüchenen“.
    Wenn man Einwände gegen Atomkraft hat, betreibt man „Hetze“ und teilt die Welt in Freund und Feind ein.
    Wenn irgendetwas einem anspruchsvollen Teilnehmer hier nicht genügt, so kann er nur den Kopf schütteln.
    Vor allem letztere oberlehrerhafte Bemerkung hat etwas Befremdliches. So auf die Art: Sonst ein guter Schüler, aber hier ist leider ein Nichtgenügend fällig!
    Der Satz von nobody

    Zur Atommacht macht sie, dass sie die Technologie wirklich beherrschen.

    ist irgendwie erheiternd angesichts der rauchenden Ruinen von Fukushima.
    Abgesehen davon ist das Wort „beherrschen“ im Zusammenhang mit einer Kettenreaktion nicht ganz das richtige Vokabel.
    Wenn es so einfach wäre, Bomben zu bauen, wie du schreibst, und es auch der Wikipedia-Artikel zur De-facto-Atommacht suggeriert, so frag ich mich schon, warum es überhaupt je Atomtests gegeben hat. Aus Jux und Tollerei, oder um einen schönen Atompilz einmal live zu sehen, werden die wohl nicht gemacht.

  34. Nachsatz:
    Ich wäre schon neugierig, wie

    Ergüsse, in denen die Welt am Thema Atomkraft in Freund und Feind eingeteilt wird

    ausschauen sollen, weil ich entnehme das den GSP-Ausführungen nicht.

  35. Wenn man Sichtweisen bringt, die über das hinausgehen, was unsere Öffentlichkeit zu bieten hat, hängt man „Verschwörungstheorien“ an, noch dazu „hanebüchenen“.

    Tja, das kommt ganz auf die Art der “Sichtweise” an. Wenn es sich um eine abstruse, auf keinerlei nachvollziehbaren Quellen basierende Erklärung für ein Phänomen handelt, für das es viel naheliegendere Erklärungen gibt – in der Gegend treten halt auch ohne hochgeheime Atombombenversuche immer mal wieder schwere Erdbeben auf – dann kann diese “Sichtweise” problemlos als hanebüchene Verschwörungstheorie bezeichnet werden. Darüber den Kopf zu schütteln ist gewiss nicht oberlehrerhafter als “Mängel in der Diskussionskultur” festzustellen. (à la “So, meine Herren, jetzt kommen wir aber mal zu einem sachlichen und respektvollen Disput zurück!”)

  36. du bringst ne sichtweise, für die es keinerlei belege gibt, und die eine geheime aktion von hunderten, ja tausenden von leuten vorraussetzen, von denen dann keiner etwaige gewissenbisse haben darf, weil er gerade 15.000 leute auf dem gewissen hatte. was ist denn das sonst als eine verschwörung?

  37. @bigmouth
    Wenn was dran ist an der „Verschwörungstheorie“ mit den Versuchen unter Wasser, so ist das natürlich nicht so, daß ein Erdbeben beabsichtigt war. Und was die Gewissensbisse angeht: wenn man ein erdbebengefährdetes Land mit AKWs vollstellt, sich und den Rest der Bevölkerung in dem Glauben wiegt, man könnte „erdbebensichere“ AKWs bauen, und dann kommt ein Erdbeben und eines geht hops (hätten ja auch mehrere sein können) – dann hat man entweder Gewissensbisse, oder nicht. Wer weiß, ob nicht einige Verantwortliche Harakiri machen, wenn der Schaden von Fukushima zu groß wird. Aber generell ist das Gewissen nicht das Moment, das Politiker leitet.
    Was die Belege angeht: Ich hatte die Debatte schon einmal auf diesem Blog, daß man für alle Behauptungen „Belege“ anführen muß. Das hat was von akademischen Debatten an sich, wo man für alle Aussagen eine Fußnote anführen muß. Es gibt ja viele Dinge, die aus guten Gründen geheim gehalten werden, da tut man sich schwer mit Fakten, die Behauptungen oder Schlüsse „belegen“.
    (Ich weiß nicht, ob du dich an die Geschichte erinnerst, die fällt mir jetzt ein, wo in den 80er Jahren ein koreanisches Passagierflugzeug über dem Osten der Sowjetunion abgeschossen wurde, eine Mords Anti-SU-Hetze losgegangen ist und ein paar Jahre später der Außen- oder Verteidigungsminister Haig zugegeben hat, daß sie dem Piloten was gerieben haben, damit er diese Route fliegt, weil dadurch sowjetische Radarstationen für US-Spionagesatelliten erfaßbar geworden sind.)
    Es mag ja auch sein, daß es nicht stimmt. Ich habe weiter oben angeführt, was mir daran plausibel erscheint. Sollte einmal später etwas auftauchen, was diese Spekulationen stützt oder widerlegt, so werde ich es auch posten.

  38. @Nestor: Ich kann Dir Deine den GSP betreffenden Fragen schon beantworten, weise Dich aber vorher darauf hin, dass man dann das Thema verlässt. Ich halte das nicht für furchtbar schlimm, weil Spekulationen über einen japanischen Atomwaffentest müßig sind (die Gewissheit, dass es einen gegeben hat zieht man dann eben aus dem eigenen Glauben und nicht aus den Sachen, die man weiß). Der entscheidende Punkt ist, dass die Japaner die Atomtechnologie beherrschen und sich damit in die Lage versetzt haben Bomben zu bauen – dann werden sie sie wohl auch bauen, wenn sie sie brauchen und alles Notwendige dafür unternehmen. Bzgl. Atomtests verweise ich Dich einfach mal auf ein paar Artikel darüber, welche Typen von Atomwaffen es gibt und warum Frankreich keine Atomtests herkömmlicher Art mehr durchführen muss.
    Mit der Beherrschung der Atomtechnologie war nicht die Reaktorsicherheit gemeint, sondern lediglich der Umstand, dass die Japaner alle Elemente dieser Technologie (Reaktorbau, Anreicherung, Wiederaufbereitung) beherrschen.
    Wenn Du willst beantworte ich Dir Deine GSP Fragen nächste Woche am Gegenstand Atomtechnologie, will nur den Thread hier nicht zweckentfremden. Das ist eben keine einfache Kritik der Kerntechnik – da würden ganz andere Sachen dazugehören.
    p.s.: Liest Du z.B. hier:
    http://www.atomwaffena-z.info/atomwaffen-wissen/atomtests/index.html

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