Pressespiegel El País, 25.7.: Gewinne der Ölgiganten

„RAFFINERIEN – GOLDMINEN FÜR DIE ÖLGESELLSCHAFTEN

Wenn die Treibstoffpreise anziehen, schaut jeder zunächst auf die Preise für Rohöl, den Rohstoff, der die Grundlage für die Erzeugung von Benzin und Diesel sind. Derzeit jedoch ist es geraten, andere Blickwinkel im Auge zu behalten, um den Preisauftrieb zu begreifen.
Das Faß der Marke Brent ist mit einem Preis von rund 100 Euro noch weit weg – 50% niedriger – von seinem historischen Höchstpreis im Sommer 2008, dennoch haben die Brennstoffe in den letzten Wochen neue Maximalwerte erreicht. Den Grund für dieses scheinbare Paradoxon muß man in der Verarbeitung suchen, in dem weniger sichtbaren Teil des Ölgeschäfts, wo das Rohöl mittels chemischer Prozesse in Treibstoff für Autos, LKWs und Flugzeuge verwandelt wird. Dort hat sich eine Art Trichter gebildet, der ebenso große Freude bei den beteiligten Firmen erzeugt wie Gram bei den Konsumenten, die von der Inflation geplagt werden.
Die Ölfirmen durchleben eine ihrer besten Zeiten der letzten Jahre. Nachdem Rußland – einer der größten Ölexporteure – aus dem Spiel ist, und nachdem in den letzten Jahren eine beträchtliche Anzahl von Raffinerien zugesperrt hat, füllen sich die großen Ölfirmen mit dem Raffinieren des Rohöls kräftig die Taschen. Die Raffinerien wurden nämlich immer weniger und in letzter Zeit übertrafen die Schließungen die Öffnungen dieser Verarbeitungs-Anlagen.

Kurzfristig
Die Gründe für diese Entwicklung sind kurz- und langfristig.
Die kurzfristigen Motivationen waren, daß während der COVID-Pandemie die Nachfrage nach Treibstoff stark zurückging und sich dadurch die Verarbeitungskapazitäten um rund 3 Millionen Faß pro Tag reduzierten, eine barbarische Schrumpfung.
Mittel und langfristig jedoch haben die Fristen für Verbrennungsmotor-Autos ein Umdenken im Sektor bewirkt und Investitionen in Raffinerien wurden genauer überdacht.
Die Wende geschah allerdings im Rekordtempo: Die schnelle Erholung des Konsums und die schrittweise Reduktion der Raffinerien (20 im letzten Jahrzehnt) hat denjenigen Firmen, die die ihrigen weiterbetrieben haben, einen unerwarteten Impuls verpaßt. Ein schönes Beispiel ist Repsol: Die Gewinnspanne hat sich hier zwischen April und Juni im Vergleich mit den vorhergehenden 3 Monaten verdreifacht, und im Vergleich mit dem gleichen Zeitraum im Vorjahr ver15facht.
»Das beschränkte Angebot im Vergleich zur Nachfrage nach Diesel, Benzin und Kerosin hat die Gewinnspannen weltweit bedeutend erhöht, vor allem nach der Unterbrechung der Lieferketten aufgrund des Krieges«, bekräftigt Repsol. Das ist kein Einzelfall. Die portugiesische Firma Galp, die heute ihre Ergebnisse vorgelegt hat, berichtet von ähnlichen Gewinnsteigerungen: Von 7 $ Gewinn pro Faß ist er auf 13 $ gestiegen.
Die anglo-holländische Firma Shell berichtet von einer Gewinnsteigerung von 2,8 in den letzten 3 Monaten im Vergleich zu den 3 vorhergehenden, was Gesamteinnahmen von 0,8 bis 1,2 Milliarden zum Ergebnis hat. Die britische Firma BP konnte ebenfalls mehr als das Doppelte an Gewinnen einfahren. Es ist anzunehmen, daß der Rest der Giganten der Branche ähnliche Ergebnisse präsentieren kann.
Exxon Mobil …, die größte Firma der USA bezüglich Raffineriekapazitäten, hat im 2. Quartal dieses Jahres einen Gewinn von 4,4 Milliarden eingefahren. Das ist das Fünffache dessen, was sie an Gewinn mit dieser Aktivität vor der Pandemie erzielen konnte. Diese … Extragewinne sind vor allem das Ergebnis zu geringer Investitionen vieler Akteure der Energiewirtschaft in der jüngeren Vergangenheit, wie Exxon Mobil anführt.

18 Milliarden $
Wenn ihre Berechnungen aufgehen, so wird diese Firma nur von April bis Juni 18 Milliarden $ verdient haben, … was sie zu einem Ziel der Beschimpfungen des Präsidenten Biden macht, der sie beschuldigt hat, auf Kosten der Konsumenten »mehr Geld zu verdienen als Gott«.“

In den USA scheint auch der liebe Gott im Big Business zu sein.

„Dieser Stand der Dinge wird sich so schnell nicht ändern: »Die Gewinne werden noch eine Zeitlang sehr hoch bleiben«, bekräftigt Alistair Syme von Citigroup. »In den letzten Monate waren die Gewinne bedeutend höher als in der Goldenen Zeit des Sektors zwischen 2004 und 2007«, wie ein Analyst der Beraterfirma Wood Mackenzie erklärt. Andere Analysten kommen zu dem Schluß, daß das noch einige Zeit so bleiben wird.

Die Wiederbelebung des Sektors führt wieder verstärkt zum Bau von Raffinerien – vor allem in Asien und Afrika – aber das wird nach Einschätzung der IAEA schwerlich zur Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage in diesem Sektor führen. Vor allem Diesel und Flugbenzin dürften weiter sehr teuer bleiben.

Auf einen Rückgang der Nachfrage kann man erst in ein paar Jahren rechnen, wenn der Anteil der Autos mit Verbrennungsmotor am allgemeinen Fuhrpark sinkt.“

13 Gedanken zu “Pressespiegel El País, 25.7.: Gewinne der Ölgiganten

  1. Verstehe ich das richtig, dass der Benzinpreis gar nicht wegen den Rohölpreisen so hoch ist, sondern weil während Corona Raffinerien geschlossen wurden, obwohl die Preise und die Verbräuche nur kurzfristig gefallen sind? Dann müsste ja jetzt der gegenteilige Effekt eintreten. Dass die Verbrennermotoren kurzfristig oder mittelfristig strak abnehmen, glaube ich nicht.

    Die schnelle Erholung des Konsums und die schrittweise Reduktion der Raffinerien (20 im letzten Jahrzehnt) hat denjenigen Firmen, die die ihrigen weiterbetrieben haben, einen unerwarteten Impuls verpaßt.

    20 in 10 Jahren kann ja wohl kaum aktuelle Preissprünge erklären. Möglich, dass das Schließen der Raffinerien verschärfend wirkt, aber mehr auch nicht.

    Neues von Nordstream 2 (einen passenderen Thread hab ich nicht gefunden)

    Hier ist jetzt auch wieder von 40% der Kapazität die Rede, statt 40% Reduzierung. In jedem Artikel steht das anders. Irgendwie scheint das egal zu sein. Es scheint noch unklar was wirklich geliefert wird. Anscheinend ist die Turbine immer noch nicht in Russland, weil Gazprom irgendwelche Papiere verlangt. Und zusätzlich wird noch eine zweite Turbine repariert.

    Bürgermeister auf Rügen: Macht Nord Stream 2 auf

  2. Gasumlage wohl ab Oktober bis 2024

    Stand: 28.07.2022 12:12 Uhr

    Gaskunden müssen ab Oktober mit zusätzlichen Kosten rechnen. Dann können Gasimporteure über eine Umlage gestiegene Preise an Verbraucher weitergeben. Wirtschaftsminister Habeck geht von mehreren hundert Euro jährlich pro Haushalt aus.

    Die geplante Umlage für alle Gaskunden soll voraussichtlich ab dem 1. Oktober gelten. Das berichten die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters unter Berufung auf Regierungskreise. Wie stark der Gaspreis für die Verbraucher damit zusätzlich steigt, bleibt aber vorerst offen. Die Höhe der Umlage solle bis Ende August im Internet veröffentlicht werden. Sie hängt davon ab, welche Ausgleichsansprüche die Gasimporteure geltend machten.

    Bezahlt werden sollen mit der Umlage die Extrakosten der Importeure, die sie wegen der Drosselung russischer Lieferungen für die kurzfristige und teure Ersatz-Beschaffung von Gas aufbringen müssen. Die Versorger sollen darüber die stark gestiegenen Einkaufspreise an alle Verbraucher weitergeben können.

    Wohlgemerkt die Gasumlage kommt zusätzlich zu den gestiegen Gaspreisen von über 1000-2000 € noch oben drauf.  Die Umlage zahlen alle Verbraucher, Privathaushalte und Unternehmen. Was wird da eigentlich bezahlt mit dieser Umlage? 

    Rettungspaket für Uniper steht – Umlage für Gaskunden

    Mit anderen Worten wird hier eine Unternehmensrettung durch die Gaskunden finanziert. So umgeht der Staat bestehende Verträge, die Gaspreise festschreiben. Und dazu sagt der Kanzler  noch frech wie Oskar bzw. Olaf: You'll never walk alone – Uniper gerettet, Gas wird teurer

    Als sei das ein Dienst an den privaten Gasverbrauchern, die ihre Wohnung heizen. In Wirklichkeit wird nicht nur die Geschäftemacherei von Uniper gerettet, es wird auch die Gasspekulation ins Recht gesetzt. Im Sommer heizt eh niemand. Die Industrie verbraucht aber Gas durchgängig das ganze Jahr. Der unmittelbare Preisanstieg für die Geschäftskunden wird abgepuffert, indem man die Kosten teilweise auf die Privathaushalte abwälzt und das wird dann noch als Dienst an den Gasverbrauchern verkauft. Was heißt hier "kurzfristig teure Ersatzbeschaffung" für russisches Gas. Meines Wissens halten die Russen ihre Lieferversprechen immer noch ein. Würde dort mehr gekauft, bräuchte es keine Ersatzbeschaffung. Das ist also eine eiskalte L ü g e, dass wegen der Russen teure Ersatzbeschaffung notwendig sei. Warum darf man eigentlich als Kunde nicht entscheiden, ob man lieber billiges russisches Gas verbrennt oder teures LNG. Wo bleibt denn da der Markt? Das wird einfach von der Politik entschieden. Wieso kaufen die Energieversorger eigentlich immer "kurzfristig" auf den Spotmärkten ein, wo sie der Spekulation ausgeliefert sind, statt langfristige Verträge mit den Russen zu schließen. Wie dämlich kann man eigentlich sein? Und jetzt soll der Kunde ausbaden, dass der Gasmarkt liberalisiert wurde. Außerdem feuert das die Spekulation nur noch mehr an, wenn die Gasversorger egal zu welchem Preis sie kaufen, ihren Verlust einfach abwälzen können. Das lädt ja geradezu ein, dieses System auszunutzen. Zuerst vergoldet man den Ölgesellschaften ihre Traumgewinne zusätzlich, indem man 35cent Steuern pro liter senkt. Beim Verbraucher kommt das vielleicht zu einem Drittel an und gleichzeitig zieht man den Leuten beim Gas das Geld aus der Tasche. 

    In der gleichen Sendung im Deutschlandfunk, in der diese Umlage verkündet wird, wird darüber berichtet welche gigantischen Gewinne die Ölgesellschaft einstreichen. Teilweise bis zum Fünffachen. Aber auf die Idee den Ölgesellschaften den Gewinn wegzusteuern und ihn für Gaskäufe aufzuwenden kommt wieder mal niemand. Ich mein, wenn das Kapital Gewinne macht und Extragewinne ist das in Ordnung. Wenn das Kapital aber Verluste macht und als Resultat die Versorgungssicherheit in Frage steht, dann sollen die Gaskunden zahlen? 

    Das ist von der Ampel genau so gewollt. Die Grünen wollen fossile Energien absichtlich teurer machen, damit eine Abkehr vom Gas erfolgt. Die FDP will die Unternehmer bedienen (kam heute auch im Deutschlandfunk: Anscheinend hat der neue Porsche/Volkwagenchef Oliver Blume damit geprahlt, dass er während der Koalitionsverhandlungen stündlich mit Christian Lindner telefonisch in Kontakt stand). Olaf Scholz will wahrscheinlich das was Grüne und FDP wollen. 

    Das ist langsam nicht mehr der normale Wahnsinn, sondern der total durchgeknallte außerordentliche Wahnsinn. 

  3. @Leser:

    Ich mein, wenn das Kapital Gewinne macht und Extragewinne ist das in Ordnung. Wenn das Kapital aber Verluste macht und als Resultat die Versorgungssicherheit in Frage steht, dann sollen die Gaskunden zahlen? 

    Das war das Erfolgsrezept von Beresovski: Gewinne privatisieren, Unkosten auf die Gesellschaft abwälzen.

  4. Aus den veröffentlichten Halbjahresergebnissen der Multis liest die KP andere Entwicklungen heraus als El País:

    Verluste in Milliardenhöhe: Diejenigen 7 Unternehmen, die durch den Rückzug aus Rußland am meisten  verloren haben.

    Shell, Renault, McDonald's und anderen Unternehmen legen ihre Verluste offen, die sie durch den Verlust des russischen Marktes erlitten haben

    1. BP (GB)
    25,5 Mrd. $ Verlust

    BP hatte in Rußland:
    19,75% der Aktien von Rosneft, 20 % Aktienanteil am Ölfördergebiet Taas-Jurjach (Jakutien), jeweils 49% an der Prospektionsfirma Jermak-Neftegas (Komi/Archangelsk) und der Ölfirma Charampurneftegas (ebenfalls Archangelsk)

    2. Shell (GB)
    4-5 Mrd. $ (Daten nur fürs erste Quartal 2022 vorhanden)

    Shell hatte in Rußland:
    17,5% am Projekt „Sachalin-2“ (Gasverflüssigung), 50% am Projekt Salym Petroleum Development (Sibirien). Außerdem hat die Firma ihre 370 Tankstellen in Rußland verkauft. Außerdem war Shell am Nord Stream II-Projekt beteiligt, diese Beteiligung wurde abgestoßen.

    3. Société Générale (F)
    3,3 Mrd. $ Verlust

    Der wichtigste russische Vermögenswert der französischen Finanzgruppe Societe Generale ist Rosbank. Es ist in der Liste systemrelevanter Kreditinstitute der Zentralbank enthalten und betreut etwa 4 Millionen Kunden. Im Frühjahr kaufte der russische Milliardär Vladimir Potanin Rosbank von den Franzosen und behielt alle Filialen und Mitarbeiter.

    4. Renault (F)
    2,3 Mrd. $ Verlust

    Renault besaß in Rußland: 68% des Konzerns AvtoVAZ (Togliatti) und 100% Anteil an Renault Russia (Fabrik in Moskau). Der AvtoVAZ-Anteil wurde von den Franzosen an das zentrale wissenschaftliche Forschungsinstitut für Autos und Motoren verkauft, mit dem Recht des Rückkaufs in 5-6 Jahren. Die Moskauer Fabrik wurde der Stadt geschenkt. (?)

    5. Carlsberg (Dänemark)
    1,4 Mrd. $ Verlust

    Carlsberg war Eigentümer der Firma „Baltika“ (Brauereien in Petersburg, Woronesch, Novosibirsk, Rostov am Don, Samara, Tula, Chabarovsk, Jaroslawl), mit 8400 Angestellten. Die Firma gab 55 verschiedene Biermarken heraus. Die Liquidation der russischen Geschäftstätigkeit ist noch im Gange.

    6. McDonalds (USA)
    1,3 Mrd. $ Verlust

    McDonalds betrieb fast 850 Freßtempel in Rußland, die zum Frühjahrsende an den sibirischen Geschäftsmann Aleksandr Govor verkauft wurden und jetzt unter „Schmeckt, und Punkt“ weiterbetrieben werden.

    7. British American Tobacco (GB)
    1,2 Mrd. $ Verlust

    BAT ist die zweitgrößte Zigarettenfirma der Welt. Sie vertrieb in Rußland die Marken Kent, Rothmans, Vogue, Lucky Strike, Java und andere. Die zentrale Fabrik war in Petersburg. Derzeit läuft die Liquidation.

    Auch H&M bemüht sich derzeit um Käufer für seine russischen Aktiva: Verteilerzentrum, 170 Geschäfte und Waren um ca. 210 Mill. $.
    In der Warteschlange zum Abgang aus Rußland stehen noch: Volvo, Inditex und Uniqlo (Japan).

    (KP, 29.7.)

  5. Weitere Kriegsgewinnler:

    Russland-Geschäft beschert der RBI kräftigen Gewinnsprung

    Die Moskau-Tochter der Raiffeisen Bank International (RBI) hat ihren Gewinn im ersten Halbjahr ungefähr verdreifacht. Was mit der Bank geschehen soll, ist offen

    Wien – Der schlimmste Fall sei leider eingetroffen, "Menschen sterben, und Menschen sterben in unseren Märkten": Mit diesen Worten leitete der Vorstandschef der Raiffeisen Bank International (RBI), Johann Strobl, am Dienstag die Präsentation der Halbjahresergebnisse des Instituts ein.

    Die RBI ist in der Ukraine und als eines der wenigen europäischen Institute auch in Russland tätig – und, das sei vorweggenommen, sie hat im ersten Halbjahr in Russland prächtig verdient. Der Gewinn nach Steuern ist in Russland zwischen Jänner und Juni auf rund 630 Millionen Euro nach Steuern gestiegen, im Jahresvergleich bedeutet das einen Anstieg um 201 Prozent: Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag der Gewinn bei 209 Millionen Euro.

    Eine Entwicklung, die Strobl unter anderem auf gestiegene Zinsen und vor allem den stark gestiegenen Kurs des Rubels gegenüber dem Euro zurückführte, der sich stark auf die absoluten Zahlen auswirke, berichte man doch in Euro. Zudem verwies der Banker auf die Devisengeschäfte, die mit den von der russischen Zentralbank vorgeschriebenen Devisenbeschränkungen bzw. damit verbundenen Zwangskonvertierungen zusammenhängen.

    (…)

    https://www.derstandard.at/story/2000137958727/rbi-passt-ausblick-fuer-gesamtjahr-an-halbjahresgewinn-klar-gestiegen

  6. Probleme bei Frankreichs Atomkraftwerken treiben Strompreise in die Höhe

    Weil es bei den Wartungsarbeiten zu Verzögerungen kommt, ist das Land auf Stromimporte angewiesen. Normalerweise zählt Frankreich zu den großen Energieexporteuren

    Nicht nur verringerte Gaslieferungen aus Russland, auch Verzögerungen bei der Wartung französischer Atomkraftwerke treiben die Strompreise in Europa derzeit in die Höhe. Neben Problemen mit der Kühlung der Atomkraftwerke seien heuer umfangreichere Wartungsarbeiten notwendig, und es sei unklar, wann die Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen. Das führe zum Ausfall großer Erzeugungskapazitäten und "hat natürlich Auswirkungen auf die Preise", erklärte Johannes Mayer von der E-Control.

    (…)

    Die Stromgroßhandelspreise sind derzeit auf einem Rekordhoch, an den Terminmärkten rechne man für den Winter mit weiteren Anstiegen. “Die Preise sind schon jetzt sehr hoch, obwohl wir Sommer haben”, sagte Mayer. Üblicherweise sei in Europa jetzt die Zeit der niedrigsten Preise. (…)

    https://www.derstandard.at/story/2000138198538/franzoesische-atomkraftwerke-treiben-wegen-problemen-die-strompreise-in-die-hoehe

    Das heißt, die Preissteigerungen für Lebensmittel gehen auch weiter.

  7. Die OPEC reduziert die Ölförderung um 100.000 Faß pro Tag ab 1. Oktober. … Die Maßnahme wird einige Wochen nach der Reise Bidens nach Saudi Arabien verkündet, wo er eine Erhöhung der Produktion zur Bekämpfung der Inflation verlagte. (El País, 6.9.)

    Da kommt Freude auf.

  8. Heizöl Leicht statt Gas: Umrüstung bei Agrana "grosse Herausforderung"

    Rund die Hälfte des Energiebedarfs der Agrana in Österreich wird durch Gas gedeckt. Die Umrüstung geht voran, stellt den Konzern jedoch vor große Herausforderungen. Dabei ist die unterbrochene Versorgung durch die OMV in Schwechat nur eine.

    Der Nahrungshersteller Agrana veredelt landwirtschaftliche Rohstoffe zur Weiterverarbeitung in der Industrie: Von Fruchtzubereitungen über Stärke bis hin zur klassischen Zuckerproduktion ist das ein sehr energieintensives Geschäft. Der Gesamtenergiebedarf alleine in Österreich liegt bei 2,75 Mio. Megawattstunden, wovon bisher gut die Hälfte mit Gas (1,5 Mio. MWh) und rund 16 Prozent mit Strom (440.000 MWh) gedeckt wurde. Nun hat man Kontrakte für 40.000 Tonnen Heizöl-Leicht.

    Die Umrüstung von Gas auf Öl wegen der Energiekrise ist dabei in vollem Gange und hat bisher 10 Mio. Euro gekostet, sagte Generaldirektor Markus Mühleisen. Es handle sich um eine "große Herausforderung". Sofort sei klar gewesen, schnell handeln zu müssen, nachdem Russland die Ukraine überfiel – was im abgelaufenen Geschäftsjahr auch in Abschreibungen in der Höhe von 70 Mio. Euro mündete.Denn aufgrund des bisherigen Energiemixes gab es eine hohe Abhängigkeit von russischem Gas in den österreichischen und osteuropäischen Werken des weltweit tätigen Konzerns. Als Alternative zum Gas komme nur Heizöl-Leicht infrage.

    Warten auf den Wiederbetrieb der beschädigten OMV-Anlage in Schwechat

    "Überall wo möglich, rüsten wir um", sagte Mühleisen. "Das sind Sachen, mit denen will man sich eigentlich nicht beschäftigen – Stichwort Nachhaltigkeit." Die 10 Mio. Euro sind noch ohne angekündigter staatlicher Hilfe investiert worden, die Ausgestaltung des entsprechenden Fördergesetztes ist vorerst noch offen. Die Umstellung ist an den österreichischen Standorten im Großen und Ganzen bis auf gewisse Anlagenteile möglich. "Es ist eine riesengroße Herausforderung", sagte Mühleisen. "Nicht alles ist im Trockenen." Man hat zwar die Kontrakte fürs Öl, aber es muss auch erst einmal herbeigeschafft werden. Auch die Menge dürfte noch etwas gesteigert werden – hierbei wartet man auf den Wiederbetrieb der beschädigten OMV-Anlage in Schwechat, so Mühleisen.

    Erdöl statt Gas: Diese Probleme gibt es bei der Umrüstung.

    Allgemein seien jetzt auch staatliche Energiehilfen für Unternehmen angebracht, sagte Mühleisen auf Nachfrage. "Wir sind groß und können daher auch viel aus eigener Kraft schaffen." Heute brauche die Agrana keine Unterstützung. "Aber am Ende des Tages hängt es auch davon ab, wie lange eine Situation anhält."

    Dass nicht jetzt endlich auf E10 gesetzt wird, kann der Agrana-Chef gar nicht verstehen. Aus Abfall werde Bioethanol hergestellt und exportiert, anstatt in Österreich den Beimischungsgrad von 5 auf 10 Prozent zu erhöhen. "Leider ist bei E10 nichts weitergegangen. Das ist für mich unerklärbar, weil es zumindest als Zwischenlösung angewendet werden sollte. Wir bleiben hier am Ball." Die Sache findet sich eigentlich auch im Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen. Auf eine Journalistenfrage wer hier bremst, sagte Mühleisen: "Die Grünen." Zur Herstellung sagte er: "Eigentlich ist das Werk in Pischelsdorf ein europäische Paradebeispiel für gelebte Kreislaufwirtschaft. Alles was in die Fabrik reingeht, wird in irgendeiner Form verarbeitet." Durch den derzeit hohen Ethanolpreis habe man als Unternehmen auch Rückenwind.

    Standorte in Russland und der Ukraine

    Die Agrana hat auch Standorte in der Ukraine und in Russland. Nahe Moskau arbeiten 300 Menschen für den heimischen Konzern, der dort Fruchtzubereitungen erzeugt. Da man "Teil der Lebensmittelkette" sei und Grundnahrungsbestandteile erzeuge, bleibe man mit der Produktion an Ort und Stelle obwohl dies aus politischen Gründen keine leichte Entscheidung sei. Jedenfalls produziere man weder Luxus- noch Lifestyleprodukte oder gar Dinge für Armee oder Krieg. Das weitere Engagement werde laufend überprüft.

    In der Ukraine sind rund 800 Menschen an zwei Standorten für die Agrana tätig. Derzeit läuft dort je nach aktueller Sicherheitslage eine eingeschränkte Produktion um Aufträge regionaler Kunden zu erfüllen. Für Luftalarme mussten wegen des russischen Angriffs Schutzräume eingerichtet werden.

    Zur weiteren Konzernstrategie sagte der Generaldirektor, dass der Strategieprozess wegen der Pandemie und des russischen Krieges gebremst worden sei, aber laufe. Mitarbeiter aller Ebenen sind beteiligt. Es gehe darum, noch innovativer zu werden und auch neue Geschäftsfelder außerhalb der Nahrungsmittelindustrie zu erschließen. Eines von vielen Themen seien hochinnovative Lösungen mit Stärke – etwa für Klebstoffe, Biokunststoffe oder biologisch abbaubaren (Nicht-)Plastiksackerln bis hin zu Pharmaprodukten. "Es sollen Dinge identifiziert werden, bei denen wir mehr Gas geben und auch welche, die eher zurückgestellt werden", sagte Mühleisen vor Journalistinnen und Journalisten.

    https://industriemagazin.at/konsumgueterindustrie/heizoel-leicht-statt-gas-umruestung-bei-agrana-grosse-herausforderung/

  9. Mineralölindustrie
    „Wir sehen die beste Entwicklung seit rund einem Jahrzehnt“

    Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern mag ein übergeordnetes Ziel sein, Investitionen in die Öl- und Gasförderung steigen weltweit trotzdem dramatisch: Die Schoeller Bleckmann Oilfield AG, der niederösterreichische Hersteller von Bohrstrangtechnologie für die Ölindustrie, steht vor einer Rekordbilanz. Warum sich das auch in Zukunft nicht ändern wird.

    Die Öl- und Gasförderung wächst stark, und das wird nach Einschätzung von Gerald Grohmann, dem CEO des österreichischen Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO) auch noch lange so bleiben. „Wir sehen die beste Entwicklung seit einem Jahrzehnt", derzeit würden mehr neue Felder erschlossen und bestehende Felder modernisiert als im letzten Jahrzehnt, sagte Grohmann zuletzt am Industriekongress des INDUSTRIEMAGAZINS.

    Diese hohe Investitionstätigkeit liege aber nicht nur an der Diversifikation im Einkauf der Importländer nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Seit 2015, als der Ölpreis ein Tief erreicht hatte, gab es viel zu wenige Investitionen in die Förderinfrastruktur. Bei den niedrigen Preisen hätten sich damals Erneuerungen und Ausbau oft gar nicht gelohnt. Zugleich, so Grohmann, lag auf den Mineralölkonzerne ein "sehr starker Druck, neue nichtfossile Geschäftszweige zu erschließen. Jetzt hat sich die Situation geändert.“

    Dementsprechend berichtet das Unternehmen nicht nur von rekordhohen Auftragseingängen sondern meldet nach den ersten neun Monaten des Jahres hervorragende Geschäftszahlen. Der Umsatz legte von 208,3 auf 361,3 Millionen Euro zu, das Betriebsergebnis von 16,1 auf 72,6 Mio. Euro und das Ergebnis nach Steuern von 8,9 auf 55,3 Mio. Euro. Der Auftragseingang belief sich auf 431,1 Millionen Euro, der Auftragsstand belief sich Ende September auf 189,5 Millionen Euro. "Wir steuern wir auf ein extrem starkes Jahr zu", so Grohmann. Auf die steigende Nachfrage reagiert SBO auch mit der Erweiterung seiner Kapazität. Der Personalstand wurde von 1.267 im der ersten Jahreshälfte 2021 auf zuletzt 1.417 Beschäftigte aufgestockt.

    (…)

    https://industriemagazin.at/energie/sbo-chef-gerald-grohmann-wir-sehen-die-beste-entwicklung-seit-rund-einem-jahrzehnt/

  10. Zu den staatlichen Absichten, in den Energiemarkt hoheitlich einzugreifen, sei angemerkt, dass es sich hier um Gewinne von Eigentümern handelt – und die sind ja als Zweck der Wirtschaftsweise sakrosankt bzw. eigentliches Ziel der ganzen Scheiße. Da man daran aber ja gar nicht kratzen will,  und die komplette Buchhaltung von Konzernen will man deswegen ja auch nicht offenlegen lassen, – will mn nun als "objektive Berechnungsgrundlage" – ausgerechnet den Börsenwert heranziehen ….

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/energiekosten-massnahmen-101.html

    (Das mit dem Börsenwert als Berechnungsgrundlage kam gerade erst in den tagesschau24-Nachrichten.)

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