Der Schweizer Franken – besser als Gold?

VON DEM ÜBEL, ÜBER EINE HARTWÄHRUNG ZU VERFÜGEN
„Die Schweiz gibt ihre Währung frei, um den Untiefen der globalen Geldpolitik auszuweichen“ (Schlagzeile im El País)
Schon die Überschrift der spanischen Tageszeitung verrät, daß sowohl die Akteure der Schweizer Geldpolitik als auch die Kommentatoren dieses Schrittes nicht so recht wissen, was sie tun bzw. was sie dazu sagen sollen.
Man vergißt ein wenig, daß die von der Schweizer NB verfügte Bindung des Franken an den Euro ein Kind der Finanzkrise war. Es handelte sich nicht um so etwas wie die seinerzeitige Bindung des Schilling an die DM – obwohl jetzt in diversen Kommentaren so getan wird, als sei diese „Bindung“ etwas ganz Selbstverständliches, so in der Art: der natürliche Gang der Dinge wird hier umgeschmissen!
Die „Bindung“ war auch nicht, – um abermals das Schilling-DM-Beispiel zu strapazieren, ein Ergebnis einer zwischenstaatlichen Übereinkunft –, sondern beruhte auf dem einseitigen Beschluß der Schweizer NB und auf den durch sie getätigten Stützungskäufen. Die Schweiz stützte also seit Jahresende 2011 den Euro. Und genau das scheint ihr jetzt zu blöd geworden zu sein.
Erstens, was hat das für die Schweizer NB bedeutet? Sie hat jede Menge Franken in die Welt gesetzt, um damit Euro zu kaufen. Das heißt, daß das Gewicht des Franken unter den Weltwährungen zumindest nicht gesunken ist – denn auch auf der Euro-, Dollar und Yen-Seite wurde jede Menge Geld in Umlauf gebracht, um die eigene Ökonomie zu stützen. Die Schweiz stützte mit ihrer Geldvermehrung fremde Ökonomien.
Sie kaufte also Euro ein und was machte sie dann mit diesen Euros? Sie hatte das Problem aller Euro-Besitzer, die nicht so recht wissen, wohin mit ihrem Geld. Welche Anlageformen die SNB gewählt hat, wissen wir nicht – sie kann es sich als nationales Geldinstitut aber vermutlich nicht leisten, in riskante Immobilien-, Rohstoff- oder Derivatespekulationen einzusteigen. Sodaß ihr wieder nur die sattsam bekannten Staatsanleihen übrig bleiben. Ein Teil des Kredites der Euro-Staaten kam also aus der Schweiz.
Bei den Euro-Anleihen wiederum stand die SNB – genauso wie jeder andere Euro-Investor – dem mißlichen Umstand gegenüber, daß die halbwegs verzinsten Staatsanleihen von Staaten an der Stufe zum Ramschstatus wie Italien oder Spanien ausgegeben werden, die sicheren wie die Deutschlands hingegen Negativzinsen haben.
„Die Schweizer Notenbank, von Experten als größter Hedgefonds der Welt bezeichnet, hält vermutlich deutsche Bundesanleihen im Wert von 100 Milliarden Euro … rund ein Zwölftel der gesamten deutschen Staatsschulden.“ (HB, 16.1.)
Die SNB machte also Verluste oder zumindest keinen Gewinn bei ihren Stützungskäufen.
Der Grund dafür, den Euro zu stützen, ist der gleiche wie vor 3 Jahren: die Aufwertung des Frankens im Interesse der Schweizer Exporte zu stoppen. Aber die SNB hat offenbar beschlossen, daß der Preis dafür zu hoch ist.
Vor 3 Jahren schien es, als ob der Euro auseinanderbrechen würde, und deshalb flüchteten viele in den Franken. Es mag sein, daß die Schweizer Währungshüter damals dachten, ihre Stützungskäufe würden helfen, das Vertrauen in den Euro wiederherzustellen. Ein Kassensturz zum Jahresende hat gezeigt, daß das auf lange Sicht ein Irrtum war und der Euro weiterhin gefährdet ist, – schon allein wegen der bald anstehenden griechischen Wahl, aber auch deshalb, weil sich die Eurozone wirtschaftlich keineswegs erholt hat, im Gegenteil.
Während sich die Medien vor allem auf die negativen Folgen dieses Beschlusses für die Wirtschaft der Schweiz konzentrieren, sollte man auch diejenigen für die Eurozone im Auge behalten: schlimmer als das Wegfallen der Stützungskäufe, also der finanziellen, materiellen Stützung des Euro wiegt die ideelle Abkehr von der europäischen Einheitswährung. Ein Land, das aus guten Gründen als eines der Zentren der internationalen Finanzwelt gilt, läßt den Euro praktisch fallen, und er fällt daher weiter – nicht nur gegenüber dem Franken, sondern auch gegenüber der Weltwährung Dollar.
Das geschwätzige Zeigen auf die Folgen für die Schweiz selbst – Börsensturz, Export- und Tourismus-Rückgang – ist begleitet vom stillen Bangen darum, was das für Folgen für den Euro haben wird. Denn der Fall des Euro hat eine Entwertung der Devisenschätze der Käuferländer zur Folge, die wiederum deren Notenbanken zum Abstoßen von Euro veranlassen könnte, wodurch der Euro weiter fällt.
Da kommt die Ankündigung der EZB, in Zukunft unbeschränkt Staatsanleihen der Euro-Länder aufzukaufen, gerade recht. Vermutlich ist sie bald der einzige Aufkäufer der Kreditzettel diverser Euro-Länder …

19 Gedanken zu “Der Schweizer Franken – besser als Gold?

  1. “Der Grund dafür, den Euro zu stützen, ist der gleiche wie vor 3 Jahren: die Aufwertung des Frankens im Interesse der Schweizer Exporte zu stoppen.” Also kann man sagen der feste Kurs zum Euro wirkte wie eine Exportsubvention. Das war sozusagen der Preis dafür, dass der Franken als Reservewährung so stark nachgefragt wird. Alle Welt kauft Franken, um ihr Kapital in der Schweiz zu parken. Das hätte normalerweise eine Verteurung des Franken zur Folge. Damit aber der heimischen (Export)Wirtschaft dadurch nicht die Gurgel zugedrückt wird, hat die Schweiz den festen Wechselkurs eingeführt.
    Jetzt weiß sie offenbar nichts mehr sinnvolles mit den Euros anzufangen und hat deshalb beschlossen, das ihre Währung wichtiger ist als eine konkurrenzfähige Exportwirtschaft.

  2. “Denn der Fall des Euro hat eine Entwertung der Devisenschätze der Käuferländer zur Folge, die wiederum deren Notenbanken zum Abstoßen von Euro veranlassen könnte, wodurch der Euro weiter fällt.” (Nestor)
    Wie der derzeitige Fall des Euro letztlich ausgeht, ist mitnichten klar. Möglich also auch, dass der gefallene Preis anziehend für den oder jenen Käufer sein mag, der sein Portefeuille diversifizieren will. Es hängt also daran, wie die Finanzer die Aussichten der Währungen relativ zueinander einschätzen. So lange die EU keinen gemeinsamen eigenen EU-Kurs zur Ukraine und zu Russland hinkriegt – schiebt sich da aber wohl nicht so viel (dass das Merkel und Hollande kalt lässt, glaube ich aber wiederum auch eher nicht…). Offiziell wird ja heruntergebetet, dass der Fall des Euro günstig für die Krisenbewältigung sei, weil er die europäische Exportindustrie stütze (was man früher der italienischen Lira nachgesagt hat). Das hat allerdings immer die Gefahr des weiteren Wertverlustes zur Folge, weswegen dann Spekulanten aus dem Geld rausgehen.
    Ist also die Frage, wie die Spekulanten die mittelfristigere Perspektive des Euro einschätzen werden …

  3. @Krim
    So ist es. Aber es ist der Schweizer Position selbst anzumerken, daß den Notenbankern etwas mulmig ist und sie sich bewußt sind, daß sie sowohl inner- als auch außerhalb der Schweiz einiges lostreten.
    @dazu
    Die medialen Beruhigungspillen, daß Abwertung dem Export dient, klingen etwas gestreßt – es ist immer ein „Think positive!“-Auftrag, der da an die Meinungsmacher ergeht.
    Immerhin wird aller in Euro gemessene Reichtum damit gegenüber anderen Währungen entwertet, also nicht nur die Exportgüter.
    Außerdem können sich die Euro-Währungshüter eben des Verdachtes nicht erwehren, daß damit ein prinzipielles Mißtrauen gegenüber dem Euro und auch ihren Bemühungen, ihn zu retten, ausgesprochen ist. Und das mit den griechischen Wahlen und dem Schuldenschnitt vor der Tür … Während also in den Medien über die angeblich wohltuenden Folgen des Euro-Falles geflötet wird, runzeln hinter verschlossenen Türen die Politiker die Stirn über seine Ursachen.

  4. Eine Front der Franken-Aufwertung sind die in Franken aufgenommenen Devisenkredite. Was da in Ungarn wieder losgeht, weiß man nicht. In Polen sollen 700.000 Hypothekarkredite auf Franken lauten, auch in Österreich gibt es immer noch einen Haufen Leute, die trotz der Turbulenzen vor 4 Jahren dabei geblieben sind und den Kredit nicht in Euro konvertiert haben.

  5. Was ist denn genau das Problem an einem schwachen Euro? Für die exportorientierten Kapitale im Euro-Raum dürfte er doch erstmal ein Segen sein.

  6. In der Funktion als Weltgeld gehen die weltweiten Geldanleger ungern in ein Geld hinein, für das sie, wenn sie dann wieder in eine andere Geldware hinein wollen, zwischenzeitlich weniger von diesem anderen Geld kriegen, weil der Wert des Euros gefallen ist. Solches Geld ist damit weder als Sicherheit gut benutzbar (quasi für das Aufschatzen bis man das Geld anderswo anlegen will, denn zwischenzeitlich ist es weniger wert geworden) noch ist es als Kaufmittel eine gern genommene Bezahlung, weil es immerzu in der Gefahr steht, demnächst noch weniger wert zu sein. Beides zusamen erzeugt eine “Flucht aus dem Euro” – falls der Dollar demgegenüber ganz anders bewertet wird, (Oder das demnächstige chinesische Weltgeld)
    Ältere mögen sich an die italienische Lira erinnern…
    (Oder jetzt nach Russland schauen.)
    “Es hängt also daran, wie die Finanzer die Aussichten der Währungen relativ zueinander einschätzen” (dazu) – und da behaupten die USA zumindestens von sich, dass ihre Konjunktur wieder anspringt, was den Wert des Dollars relativ stärkt (und was man hierzulande so als Botschaft über den gesamten Euro-Raum doch eher nicht hört.)
    (Übrigens fällt mir grad der Nachteil solcher Namensgebung darin auf, dass du eine ganz andere Person bist als mein hiesiger Mitbewohner, welcher hier auch schon mal als “Frage” unterwegs war… Aber das kann ja bei “Eva” oder “Guenther” ebenfalls häufiger auftreten…)

  7. Ein weiterer Nachteil für die nationale Wachstumsföderung durch die Abwertung de eigenen Währung ist die Gefahr, daß die Handelskonkurrenten mit gleicher Münze zurückzahlen. Dann gibt es einen “Währungskrieg”, also einen genseitigen Abwerungswettlauf, sowas hat es vor dem 2. Weltkrieg ja schon mal gegeben. (“Eine bewusste Politik, durch Abwertung heimische Beschäftigungsprobleme zu Lasten des Auslandes lösen zu wollen, bezeichnet man heute allgemein als “beggar-my-neighbour-policy” (den Nachbarn zum armen Mann machen).”
    Alle großen Währungsnationen beteuern dieser Tage offiziell immer wieder, diesmal natürlich keinen Währungskrieg anfangen zu wollen. Trotzdem versuchen reihenweise Staaten doch, ihre Währung durch Eingriffe ihrer eigenen Notenbank im Kurs zu drücken. Japan hat das ewig so geamcht, die VR China praktisch auch (auch wenn der Renminbi noch nicht vollständig konvertibel ist).

  8. @ Neoprene,
    heute ist das Geld als Zweck des Kapitalismus ganz anders durchgesetzt als in den 20ern. (Das wird von so Gruppen wie ‘attac’ immerzu damit bebildert, wieviel zigfaches des Warenwertes grad als Geldumlauf weltweit bei den Spekulanten unterwegs ist.)
    Insofern wird heute von den siegreichen Nationen des Kapitalismus eher der Wert der eigenen Währung gehochschätzt – und die Verlierernationen versuchen, aus ihrer miesen Situation das vergleichsweise nicht ganz so schlechte zu machen. (Darüber gehen hierzulande die Meinungen im EZB-Rat anscheinend etwas durcheinander, scheint mir, weil die kap. europ. Verlierernationen über ihre Beteiligung im EZB-Rat auch über die Positionierung der Euro-Währung mitentscheiden.)

  9. Dazu:
    Der Abwertungswettlauf war in den 30ern, in und nach der Weltwirtschaftskrise.
    Es stimmt doch gar nicht, daß alle führenden/siegreichen kapitalistischen Nationen den Wert ihrer Währung hochschätzen:
    “Auch in vielen asiatischen Ländern (beispielsweise VR China und Japan) gehören Devisenmarktinterventionen zu den grundlegenden wirtschaftspolitischen Instrumenten. Dort werden die Interventionen dazu genutzt, um den Außenwert der inländischen Währung gering und somit die Wettbewerbsfähigkeit des Landes hoch zu halten. So kauft China z.B. ständig US-amerikanische Staatsanleihen, um eine gleichbleibende Dollar-Nachfrage zu erwirken und dessen Wert konstant zu halten. Da der Renminbi an den Dollar gekoppelt ist, wertet auch er nicht auf oder ab, wenn der Dollar seinen Wert konstant hält.” http://de.wikipedia.org/wiki/Devisenmarktintervention

  10. Aber zumindestens eine Währung, die das Weltgeld einer Weltmacht sein will, muss Wert darauf legen, dass ihre Zettel überall heiß begehrt sind:
    “Amerika hat kein Problem, die Welt mit Dollars auszustatten (und zu überschwemmen), denn das ist die materielle Garantie dieser Ordnung. Damit steht Amerika nicht nur auf dem Standpunkt, sondern damit ist der amerikanische Standpunkt in diese Ordnung eingebaut: Das Vorankommen des Dollars und sein internationaler Gebrauch, der Schutz der Freiheit des Eigentums und der Nutzen dieser Ordnung für Amerika, fällt in eins. Also muss man gar nicht rumrechten, sind sie Urheber oder sind sie dem unterworfen. Es wird kein Geheimnis daraus gemacht, dass sich so alle andern Staaten darauf festlegen lassen, daran interessiert sind und somit diese Ordnung überhaupt zu einer international gültigen Geschäftsordnung machen.”
    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2014/jf141117.html
    Japan hat anscheinend ein anderes Weltordnungsprogramm; China noch ein anderes. Daher sind beide Staaten keine tauglichen Gegenbeispiele, behaupte ich jetzt ins Blaue (muss den Beweis aber schuldig bleiben).

  11. Zunächst einmal ist Pacos Hinweis zu würdigen, daß eine Währung, die kontinuierlich an Wert verliert, damit auch als Wertaufbewahrungsmittel mäßig attraktiv ist. Das ist allerdings nur eine der Funktionen des Geldes.
    Was Neoprene betrifft, so liegt eine Themaverfehlung vor, weil die gegenwärtigen Währungsturbulenzen ja gerade nicht das Ergebnis der Währungspolitik der EZB sind. Die Ankündigung, Staatsschuld unbegrenzt aufzukaufen, war – soweit ich das beurteilen kann – nicht dazu gedacht, den Euro zu schwächen, sondern sollte im Gegenteil das Vertrauen in diese Währung stärken: Die in Euro aufgenommene Schuld wird bedient!
    Und dann kommen so entgegengesetzte Wirkungen wie die griechischen Wahlen und die Position von Syriza einerseits, der Entschluß der SNB andererseits, und lösen eine Mißtrauenswelle aus.
    Wobei wir bei Frage angekommen sind: das Blabla, wie wohltuend ein schwacher Euro doch auf die schwache Konjunktur wirken könnte, ist Schönwetterpolitik angesichts des Umstandes, daß diese Schwäche ja Ergebnis einer grundliegenden Unsicherheit um diese Währung ist. Der Euro ist keineswegs endgültig „gerettet“, der in Euro aufgehäufte Schuldenberg ist weiter fragwürdig, da er durch keinerlei Wachstum beglaubigt wird, und mit der Ukraine und den Sanktionen gegen Rußland tun sich weitere düstere Aussichten auf.
    Insofern ist es die Frage nach der Qualität dieses Geldes als Maß der Werte und als Weltgeld, die als ein quantitatives Problem abgehandelt wird, und das ist zwar einerseits dem imperialistischen Treiben angemessen, andererseits aber sehr verlogen.

  12. Mir scheint, die EZB hat beschlossen,
    a) dass die Spekulation gegen ein einzelnes Euro-Land keine Chancen haben wird, weil die EZB dann unbeschränkt entsprechende europäische Staatsschuldtitel aufkaufen würde (wenn diese Titel also ansonsten nur gegen zu hohe Zinsen Käufer finden würden)
    b) dass damit den europäischen Verlierernationen aus deren Zahlungsklemmen herausgeholfen wird, sie mit weiteren Krediten versorgt werden, in der – irren – Hoffnung, dass damit nicht nur eine Prolongierung von Schulden einträte, sondern ein Anschub für Wachstum erfolgen würde.
    (Damit einhergehend, haben sie ihre eigenen “Stabilitätskriterien” grad mal wieder eingebuddelt, was der “Stabilität” sicherlich auch nicht förderlich sein dürfte…)
    Damit ist nicht als Zweck intendiert, dass der Wert des Euros sinken soll (diese Argumente von Neoprene leuchten mir nach wie vor nicht ein), aber es wird sehr wohl in Kauf genommen, d a s s er sinkt.
    “Insofern ist es die Frage nach der Qualität dieses Geldes als Maß der Werte und als Weltgeld, die als ein quantitatives Problem abgehandelt wird, und das ist zwar einerseits dem imperialistischen Treiben angemessen, andererseits aber sehr verlogen.” (Nestor)
    Das finde ich eine gute Zusammenfassung.

  13. Das ist wohl das deutsche Zugeständnis an die Krisenländer incl. Frankreich und Italien, wobei man den Titel Euro-Bonds aber absolut nicht verwenden wollte.
    http://de.wikipedia.org/wiki/EU-Anleihe
    Was Frankreich für dieses Zugeständnis an seine klamme Lage hergegeben hat, wird Teil eines Geschacheres sein. (Zwischendurch schien es europäisch abweichende “Sonderbeziehungen” zwischen Hollande und Putin zu geben, Russland hat ja mit Klagen wegen der Kriegsschiffe gedroht – vielleicht ist diese Kuh nun im Sinne Frankreichs u n d im Sinne Gesamteuropas vom Eis.)

  14. @Paco
    Im Grunde, was jetzt die Politik der EZB und der EU überhaupt betrifft, so nähert sich die EU mit ihrer Form der Geldschöpfung dem an, was die USA machen – der Staat gibt Anleihen aus, die Notenbank kauft sie und schiebt ihm das Geld hinüber.
    Seinerzeit wurde der Euro so geschaffen, daß die EZB nur von Privatbanken Wertpapiere kaufte. Ich erinnere mich nicht genau, aber ich glaube, ursprünglich waren Staatsanleihen da sogar ausgenommen. Die Anleihen wurden erst unter Trichet nach Ausbruch der Krise von der EZB in gro0em Umfang aufgekauft, aber auch nur von der privaten Bank. Jetzt werden sie auch von den Notenbanken der Mitgliedsländer übernmmen, sodaß praktisch der Kreislauf des Gelddruckens kurzgeschlossen worden ist.
    Damit hat die EZB bzw. die EU nach den Maastricht-Kriterien ein weiteres Prinzip ihrer Geld- und Schuldenpolitik zu Grabe getragen, um ihre Einheitswährung zu retten.
    Soviel einmal dazu, was diese Entscheidung der EZB für die EU bedeutet.
    Was die Absicht der Geldhüter angeht, so wurde die ja durch ihre Herolde in den Medien mit Pauken und Trompeten verbreitet: es soll mehr Liquidität geschaffen werden, um den Konsum zu heben, die Investitionstätigkeit anzuregen usw.
    Das kann nicht gehen – das viele Geld, das die EZB ausschüttet, landet ja wieder bei Staaten und Banken und fördert den privaten Konsum überhaupt nicht – da müsste man den Niedriglöhnern und Hartz 4-Beziehern das Geld schenken, und dergleichen ist nicht vorgesehen.
    Sodaß diese Geldausschüttung nur den Schuldenberg der EU erhöhen wird, ohne nennenswerte Verbesserungen in Sachen Gewinn und Wachstum in den diversen Volkswirtschaften voranzubringen.
    Nach außen, von den „Märkten“ – und deswegen vermute ich ein weiteres Sinken des Euro –, wird dieser Schritt sowohl als Zeichen der Entschlossenheit, den Euro zu retten, als der Ratlosigkeit, wie dies denn zu bewerkstelligen sei, aufgefaßt werden.
    Was schließlich die Pleitestaaten betrifft, so soll das offenbar ein Anreiz sein, ihnen das Aufkaufen ihrer Staatsanleihen quasi zu garantieren, damit sie sich Ideen einer Schuldenstreichung a la Syriza aus dem Kopf schlagen.
    Das Erhöhen der Schulden ist also das erklärte Mittel der Euro-Rettung, so sieht es die EU inzwischen.

  15. “Trotzdem versuchen reihenweise Staaten doch, ihre Währung durch Eingriffe ihrer eigenen Notenbank im Kurs zu drücken” Ja und nicht zu vergessen bis vor ein paar Tagen noch die Schweiz.
    Der Nachteil einer fallenden Währung, das ist das grundlegende Argument, das meistens vergessen wird, ist dass sämtlicher in dieser Gelduniform bezifferte Geldreichtum sich entwertet. Das ist ja nicht wenig, was sich bei den Eurobesitzern derzeit im Verhältnis z.B. zu den Dollarbesitzern in Luft auflöst. Alles weitere sind sozusagen entgegenwirkende Folgen z.B. dass die Eurowaren auf dem Weltmarkt billiger werden. Was ein ordentliches Weltgeld ist muss sowas aber wegstecken können. Der Dollar fiel jahrelang im Verhältnis zum Euro. Was umgekehrt heißt, wenn der Euro das nicht wegstecken kann, leidet seine Weltgeldqualität.
    Was den aktuellen Fall des Euro betrifft, so schätze ich das als Auswirkung 1. der Schweizer Entscheidung ein die Anbindung an den Euro aufzugeben und 2. der Entscheidung der EZB unbeschränkt Anleihen aufzukaufen, um der Spekulation entgegenzuwirken.
    Das schlägt jetzt bloß höhere Wellen, weil die Zukunft des Euroraumes wegen des Konflikts mit Russland nicht rosig aussieht. Langfristig wird dieser Grund gravierender sein als jetzt die zwei Aktionen von EZB und Schweizer Notenbank. Die Sanktionen einseitig abzublasen und sich den USA entgegenzustellen würde m.E. im Endeffekt nützlicher für den Euro sein.

  16. @Krim
    Diese Entscheidung ist aber nicht zu erwarten.
    Das wichtige ist, daß die EU und EZB das Prinzip aufgegeben haben, auf das der Euro gegründet war – daß Staatsschuld nicht aufgekauft wird und man sich, was die Verschuldungsfähigkeit angeht, dem Urteil der Finanzmärkte unterwirft.
    Zu dieser Position hat sich die EZB über mehrere Stufen hinbewegt: erst war die Entscheidung, noch unter Trichet, überhaupt Staatsanleihen aufzukaufen – das war vor allem ein Zugeständnis an französische und deutsche Banken, die damit ihre griechischen Staatsanleihen bei der EZB abladen konnten.
    Dann war Ende 2011, Anfang 2012 der Versuch des neuen Besens Draghi, mit billigem Kredit die Banken zum Kauf von Anleihen der Pleitestaaten zu animieren:
    http://NestorMachno.blogsport.de/2012/03/30/neues-von-der-eurorettung/
    Und jetzt wurden alle Vorbehalte aufgegeben und das System des direkten Ankaufs gewählt – wie es die USA und ich glaube auch Japan machen.
    Damit ist auch klar, daß der Wert des Euro nur mehr durch die Staaten beglaubigt ist und nicht mehr durch Gewinn, Wachstum und den ganzen ökonomischen Plunder. Wir kriegen auf absehbare Zeit kein Wirtschaftswachstum mehr hin, das ist das Eingeständnis, also müssen wir mit unserer Gewalt für das Geld gradestehen.
    Als kleine Rückerinnerung: Irland wollte genau das machen: Anleihen drucken, die von der Nationalbank kaufen lassen und bei der EZB irgendwie deponieren – das war der Grund, warum es damals unter den Rettunsschirm geschubst wurde. Damit ist nämlich die Schuld für die Bankenrettung bei Irland geblieben und nicht zur EZB gewandert.
    Die Zeiten ändern sich …

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