Die Ermordung Darja Duginas, Teil 2

DAS ATTENTAT SELBST: SELTSAME ZIELSETZUNG VERSCHIEDENER GEHEIMDIENSTE

Darja Dugina war ein einfaches Ziel für ein Attentat. Niemand nahm an, daß dieser jungen Frau eine gewaltsame Auslöschung drohen könnte. Auch sie selbst nicht. Sie traf daher auch keinerlei Sicherheitsvorkehrungen.

1. Das Setting

Wie die Nachforschungen der „Komsomolskaja Pravda“ (KP) und anderer Zeitungen ergaben, lebte sie in einem Haus mit 33(!) Stockwerken am südwestlichen Stadtrand Moskaus. Diese Gegend war in den letzten Jahrzehnten durch viel Neubautätigkeit vor allem für junge Leute attraktiv geworden, weil sich viele Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen dort angesiedelt hatten.
Das Haus war vom Standpunkt der Bewohner ein richtiges Vogelhaus. In einem fort zogen Leute ein oder aus. Die meisten Leute hatte keine Ahnung, wer ober oder neben ihnen wohnte. Genausowenig interessierte es irgendjemanden, ob der- oder diejenige, die dort aus- und eingingen, auch tatsächlich dort wohnten oder zu einem tatsächlichen Bewohner unterwegs waren.
Es war also praktisch überhaupt nicht überwacht, und auch sehr schwer überwachbar. Niemand nahm an, daß dort jemand aus- und eingehen könnte, der Böses im Schilde führte. Gegen Einbruch waren die Wohnungstüren halbwegs abgesichert, und auch die Garage wurde offenbar noch nie für Raubüberfälle genutzt, sonst hätte das alles anders ausgesehen.
Ähnlich ideal für das Verüben von Attentaten war das Festival im Westen Moskaus, von wo aus Darja Dugina die Reise in den Tod antrat. Jede Menge Leute, aufgrund der Menge praktisch nicht zu kontrollieren, ein überfüllter Parkplatz, auf dem es auch keine oder nicht funktionierende Überwachungskameras gab, und eine eigentlich überraschende Sorglosigkeit der Veranstalter in einem Land, das sich immerhin seit 6 Monaten im Krieg befindet, auch wenn man den offiziell nicht so nennen darf.

2. Die Täter

Die Hauptverdächtige, Natalja Wowk, stammt aus Mariupol. Den Recherchen der KP zufolge hatte sie eine unglückliche Ehe hinter sich, mit einem Mann, der sie beinahe totprügelte. Nach der Trennung von ihm hatte sie das Problem, wie sie in der Ukraine in einer höchst trostlosen wirtschaftlichen Situation ihre beiden Kinder ernähren sollte. Sie schrieb sich daher bei der Nationalgarde ein und wurde Soldatin der ukrainischen Streitkräfte. Die Vermutung liegt nahe, daß sie dort vom SBU, dem ukrainischen Geheimdienst angeworben wurde, für den sie aufgrund ihrer prekären Situation eine willige Mitarbeiterin wurde.
Sie reiste gegen Ende Juli mit ihrer 12-jährigen Tochter aus dem russisch besetzten Teil des Donbass in einem Auto mit ukrainischer Nummer nach Rußland ein. Die Tochter diente sozusagen als Mittel, um jeden Verdacht von sich zu lenken. So entging es den Grenzkontrolloren, daß diese Frau ursprünglich bei der ukrainischen Nationalgarde gedient hatte, angeblich sogar beim Azov-Batallion.
Sie mietete sich dann in dem bewußten Haus mit den 33 Stockwerken in Moskau ein, und zwar so, daß sie von ihrem Fenster aus in ein oder mehrere Fenster der Dugina-Wohnung hineinschauen konnte, möglicherweise unter Zuhilfenahme eines Fernglases. Sie wußte also um deren Lebensgewohnheiten – wann sie heimkam, wann sie das Haus verließ, usw.
In der Tiefgarage besaß sie einen Stellplatz relativ nahe dem von Darja Dugina. Die Tiefgarage ist schlecht beleuchtet, sie verfügte über wenige Überwachungskameras und diese deckten nur einen kleinen Teil des gesamten Raumes ab.
Natalja Wowk verwendete auf dem gleichen Auto, mit dem sie eingereist war – einem Mini-Cooper – während ihres einmontigen Aufenthalts in Moskau ein kasachisches Kennzeichen und reiste am Tag nach dem Attentat mit dem gleichen Auto, diemal mit russischem Kennzeichen und wieder in Begleitung ihrer Tochter über die Grenze nach Estland aus. Am gleichen Tag bot ihr – bereits erwachsener – Sohn in der Ukraine das Auto bereits im Internet zum Verkauf an.

Die Anwesenheit von Natalja Wowk ist durch Videoaufnahmen gut dokumentiert. Es ist klar, daß sie nur der sichtbare Teil einer Organisation zur Abwicklung des Attentats war. Man weiß derzeit nicht, ob sie selbst die Autobombe im Auto ihres Opfers plaziert hat, und ob das in der Tiefgarage oder auf dem Parkplatz des Festivals geschah.
Es ist ziemlich sicher, daß der ukrainische Geheimdiens SBU das Attentat organisiert hat. Wowk hatte auf jeden Fall einige weniger sichtbare Mittäter. Immerhin besaß sie 3 Autokennzeichen mitsamt der nötigen Dokumentation für den Fall einer Kontrolle. Auch die Wohnung wurde vermutlich von jemandem anderen angemietet. Moskau hat sie bereits vor dem Attentat verlassen, um es rechtzeitig über eine EU-Grenze zu schaffen.
Die russischen Behörden halten es auch nicht für ausgeschlossen, daß der SBU mit dem CIA und MI6 zusammengearbeitet hat.

3. Das Opfer

Darja Dugina war 29 Jahre alt. Wie ihr Vater hatte sie Philosophie studiert. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über die Neo-Platoniker. Sie betrieb ein Doktoratsstudium zu einem verwandten Thema. Außerdem sprach sie Französisch.
Sie war seit Jahren aktiv als Rednerin, Journalistin, wurde zu Talkshows eingeladen und hielt Vorträge zu verschiedenen Gegenständen – von der Innenpolitik Frankreichs über griechische Philosophie bis zu Themen, die mit der eurasischen Bewegung zusammenhingen, deren Vorsitzender ihr Vater ist. Sie machte auch kein Geheimnis daraus, daß sie den russischen Einmarsch in die Ukraine unterstützte.
Dennoch, die Wahl fiel wahrscheinlich auf sie, weil sie die Tochter Alexander Dugins war. Es ist auch ziemlich sicher, daß die Zielperson des Attentats er war und der Tod der Tochter als Kollateralschaden in Kauf genommen worden wäre.
Aber Dugin, der ebenfalls dieses Festival besuchte und auch ursprünglich mit seiner Tochter zusammen nach Moskau zurückfahren wollte, entschied sich im letzten Augenblick dazu, mit einem Freund die Heimreise anzutreten, weil er während der Autofahrt noch etwas mit ihm besprechen wollte.

Als die Täter den Zeitzünder aktivierten, wußten sie vermutlich, daß sie nur die Tochter erwischen würden und dachten sich, besser als gar nichts. Immerhin war die Bombe am Auto befestigt. Sie zu entfernen, wäre schwierig und riskant gewesen, und eine zufällige Detonation irgendwo hätte keinerlei erwünschten Effekt gehabt.

4. Warum dieses Attentat?

Ausgehend von der Überzeugung, daß das Attentat eigentlich Alexander Dugin gegolten hat, erhebt sich die Frage, was der SBU und andere Geheimdienste eigentlich mit einem solchen Attentat bezwecken?

Erstens überschätzen sie die Rolle von Ideologen auf die russische und überhaupt jede Gesellschaft. Abgesehen davon, daß diese Leute nicht die Entscheidungsträger sind, so ist Dugin eben nur der Vorsitzende der Eurasischen Bewegung. Diese Bewegung existiert auch ohne ihn, weil die Gründe für das Aufkommen dieser Art von Gedankengut nicht in seiner Person liegen.
Zweitens werden solche Personen wie die Dugins ausgewählt, weil die wirklich wichtigen Akteure in Rußland natürlich gut bewacht sind. An Putin, Schoigu, Medwedjew usw. kommen solche Bombenattentäter nicht heran. Selbst wenn diese Personen einmal ein Bad in der Menge nehmen, sind dort die höchsten Sicherheitsvorkehrungen angesagt.

Die Idee war also, eine bekannte Persönlichkeit umzubringen, um zu zeigen, daß die Unterstützer der russischen Politik ihres Lebens nicht sicher sind.
Sogar wenn das gelingen würde, so hätte das nur eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen für solchermaßen gefährdete Personen zur Folge.
Die Wahnvorstellung westlicher Geheimdienste ist jedoch, daß nach einem solchen Mord in Rußland Zittern und Bangen losgeht, und sich alle von dem Diktator abwenden.
Das ist eine völlig verkehrte Vorstellung gegenüber der Bevölkerung Rußlands – oder irgendeines anderen Staates. Das Gegenteil ist nämlich der Fall – wie man es bei islamistisch inspirierten Attentaten in ganz Europa sehen konnte: Ein solches Attentat schweißt die Bevölkerung und ihre Herrschaft zusammen.

Um so mehr, als das Opfer eine junge Frau war, die niemandem etwas zuleide getan hat.

Zusatzinfo: Die Eurasier

Ausführlicheres hier.

18 Gedanken zu “Die Ermordung Darja Duginas, Teil 2

  1. Die weiteren Nachforschungen von Polizei und Geheimdienst haben ergeben, daß die Attentäterin Wowk mindestens einen Komplizen hatte, einen Ukrainer, der über Estland einreiste und einen Tag vor dem Attentat Rußland wieder verließ.
    Der versorgte Wowk mit den falschen Autonummern und Dokumenten. Da eine Autonummer plus Dokumentation auf Kasachstan lautete, ist anzunehmen, daß es auch dort Mittäter gab bzw. gibt.

    Außerdem mieteten die beiden – oder noch ein Dritter – eine Garage im Süden Moskaus an, wo sie die Bombe bastelten.

    Es ist zwar immer noch nicht klar, wo und von wem die Bombe am Auto montiert wurde. Es kann aber als sicher angenommen werden, daß Wowk diejenige war, die sie schließlich per Auslöser zur Detonation brachte, weil ihre Anwesenheit auf dem Festival durch Überwachungskameras festgehalten wurde. Sie wußte also, wann Dugina mit dem Auto den Heimweg antrat.

    Vor allem die sehr professionelle Aufmachung der Kennzeichen und dazugehörigen Dokumente schließt irgendwelche privaten Täter aus und weist eindeutig auf einen Geheimdienst hin.

    In österreichischen Medien tauchten Fake News auf, Natalia Wowk wäre irgendwo in einem Hotel tot aufgefunden worden.

    Dergleichen Fake News könnten natürlich der Auftakt zu einer tatsächlichen Beseitigung Wowks durch den- oder diejenigen Geheimdienste sein, die mit dem Mord an Dugina zu tun haben. Wowk weiß zuviel.
    Es ist auch sonst sehr üblich, bei Mafias und Geheimdiensten, Killer zu beseitigen, um Spuren zu löschen.

  2. Der zweite Verdächtige, Bogdan Tsyganenko, stammt aus Donezk. Wie Natalja Wowk hatte er eine gescheiterte Familiengründung hinter sich.
    Die Biographien beider werfen in erster Linie ein bezeichnendes Licht auf die prekären wirtschaftlichen Verhältnisse der Ostukraine, ob jetzt im ukrainisch verwalteten Mariupol oder im seit Jahren beschossenen Volksrepublik-Donezk. Für viele Leute bleiben nur das Militär oder der Geheimdienst als Verdienstmöglichkeit, wenn man nicht emigrieren will.

    Es ist ist anzunehmen, daß der SBU gerne Leute aus dem Donbass für dergleichen Attentate anwirbt. Erstens rufen sie beim Überschreiten der Grenze weniger Verdacht hervor. Schließlich sind es „Unsrige“ aus „befreiten Gebieten“. Sie werden daher weniger kontrolliert, vor allem, wenn es sich um eine Frau mit Kind oder einen Mann handelt, zu dem keine Vermerke vorliegen.

    Bei Tsyganenko wird übrigens immer angegeben, daß er über Estland eingereist ist, aber nicht, bei welchem Grenzübergang er ausgereist ist. Es muß aber den russischen Behörden bekannt sein, weil das Datum der Ausreise – 19. August – veröffentlicht wird.
    Offenbar gibt es bei dieser Grenze jetzt ein Köpferollen bei den Verantwortlichen …

    Die KP weist auch zweitens auf den propagandistischen Effekt hin, wenn Leute aus dem Donbass für dergleichen Attentate rekrutiert werden: Kiew kann sagen, das ist die Rache der durch den russischen Bären unterdrückten Ostukrainer!

    Der Schreiber des Artikels meint spöttisch, vermutlich werden die Attentäter bald für den Nobelpreis vorgeschlagen, die allgemeine Stimmung und auch die Nobelpreis-Vergabekriterien sind inzwischen derartig, daß so etwas durchaus drin wäre.

  3. Laut einem Artikel in der New York Times beschuldigen US-Geheimdienste den ukrainischen Geheimdienst der Ermordung Darja Duginas und gehen damit sogar an die Öffentlichkeit.
    In dem Artikel wird ziemlich genau das bestätigt, was die russischen Ermittler herausbekommen haben.

    Diese Enthüllungen sind angeblich Ergebnis der Unzufriedenheit der Zusammenarbeit mit den ukrainischen Partnern, die sich nicht immer mit den USA absprechen, und auch untereinander zerstritten sind.

    (El País, 6.10.)

  4. Das Attentat auf den russisch-ukrainischen Blogger und Milizionär Tatarskij/Fomin wurde nach Angaben des russischen Antiterror-Komitees vom ukrainischen Geheimdienst in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des von Nawalny ins Leben gerufenen und inzwischen verbotenen Fonds zur Korruptionsbekämpfung (FDK) durchgeführt.

    Das hat die verhaftete und diesem Komitee angehörige Attentäterin Darja Trepowa gestanden.

    Sie hatte nicht nur – ähnlich wie die Attentäterin Duginas – eine Wohnung in der Nähe gemietet, sondern auch eine zweite, wo sie sich nach dem Attentat verstecken wollte. Für den Tag nach dem Attentat hatte sie bereits ein Flugticket nach Usbekistan gekauft.

    Nach der Übergabe der Statue, in der der Sprengstoff versteckt war, flüchtete sie und schnitt sich die Haare kürzer. Sie war aber auf diversen Kameras erfaßt, deswegen gelang es, sie aufzuspüren, bevor ihr die Flucht gelang.

    (KP, verschiedene Artikel, 3.4.)

    Gegenüber dem Attentat auf Dugina wurde vom ukrainischen diesmal eine russische Staatsbürgerin ausgesucht. Inzwischen erregt nämlich das Anmieten einer Wohnung durch Ausländer(innen) Verdacht und muß vermutlich gemeldet werden.
    Trepowa war noch dazu aus St. Petersburg, also diesbezüglich völlig unverdächtig.

    Was noch zu klären ist, ist, warum eine Sprengstoff enthaltende Statue erstens überhaupt in das Lokal gebracht und zweitens dem späteren Opfer direkt übergeben werden konnte.

  5. Das Opfer des Attentats, Maxim Fomin alias Tatarskij (das Wählen von Pseudonymen ist im Ukraine-Krieg auf beiden Seiten üblich) war, im Unterschied zu Darja Dugina, genau die Art von Feind, die die ukrainischen Dienste eliminieren wollen.

    Er stammte aus Makejewka bei Donetsk und gehört damit also erstens zu dem Teil der Bevölkerung der Ukraine, die die ukrainische Führung – verschiedene Regierungen, so auch der inzwischen in der Versenkung verschwundene Poroschenko oder Juli Timoschenko – spätestens seit dem Maidan vertreiben oder sonstwie eliminieren wollten, weil sie nicht ins Konzept der unabhängigen Ukraine paßten: Russischsprachige, die sich als ethnische Russen definierten und ihre Hauptstadt in Moskau sahen und nicht in Kiew.

    Außerdem schloß er sich 2014 den Milizionären der Donbass-Rebubliken an und kämpfte gegen die ukrainische Armee, die, man vergesse es nicht, 8 Jahre ihre eigene Bevölkerung im Donbass bekämpfte und beschoß.

    Diese Erlebnisse von der Front verarbeitete er literarisch und eröffnete 2019 einen Blog, auf dem er Nachrichten aus dem Donbass und seit 2022 als Kriegsberichterstatter aus den Kriegsgebieten brachte, die nicht nur von Parteigängern des Krieges in Rußland, sondern auch in der Ukraine unter Militärangehörigen und Zivilisten gelesen wurden, weil sie als Nachrichten „von unten“ galten, die vertrauenswürdiger waren als die Veröffentlichungen offizieller Medien.

    Er war also für die ukrainische Führung ein in mehrfacher Hinsicht lästiger Zeitgenosse.

    In Moskau, wo er offenbar seinen Hauptwohnsitz hatte, verbreitete er seine Ansichten, auch bei Buchpräsentationen seiner beiden bisher erschienen Bücher „Krieg“ und „Laufen“ und bei Diskussionen in einem Buchgeschäft mit Veranstaltungslokal namens „Laub“.

    Dieses Lokal, das auch einen Ableger in Petersburg hat (das Attentat war aber woanders) ist einer der Treffpunkte einer patriotischen Szene, die den Krieg in der Ukraine und andere Aktionen und Ansichten, die der Größe Rußlands dienen, begrüßen und unterstützen.

    Das Buchgeschäft meldet in seinem Untertitel, es sei das Buchgeschäft der „Schwarzen Hundertschaft“.

    Die ersten „Schwarzen Hundertschaften“ waren die Leute unter den Handwerkern von Nischnij Nowgorod, die sich zu den 1612 aufgestellten Truppen von Minin und Poscharskij meldeten und die polnische Soldateska aus Moskau vertrieben, während der „Zeit der Wirren“. Das gilt als die erste „Wiedergeburt“ oder „Rettung“ Rußlands.

    Diesen Namen übernahmen die Todesschwadronen des Ancien Regimes in Rußland, die sich nach der Revolution von 1905 bildeten und Pogrome gegen Juden und Morde an sozialistischen und anderen linken Akteuren sowie bürgerlichen Politikern verübten. Ihr prominentes Opfer war der liberale Premierminister Pjotr Stolypin.
    Sie waren in der ebenfalls 1905 gegründeten Duma mit mehreren Abgeordneten vertreten und benutzten sie als Bühne für ihre reaktionären Vorstellungen, gestützt durch die halblegale Organisation „Bund des russischen Volkes“.

    Jetzt gibt es also eine Neuauflage dieser Art von Vaterlandsverteidigern …

  6. Für das Attentat auf Tatarskij dürfte sich nach derzeitigem Wissensstand der ukrainische Geheimdienst nicht nur auf das Nawalny-Umfeld, zu dem die Attentäterin gehörte, sondern vor allem auf die 1993 von Eduard Limonow und Alexander Dugin gegründete Nationalbolschewistische Partei gestützt haben, deren Mitglieder teilweise nach ihrem Verbot 2005 und vor allem nach dem Majdan 2014 in die Ukraine übersiedelten.

    Der 2020 verstorbene Limonow selbst hatte mit diesem Wandel nichts zu tun, er unterstützte die Volksrepubliken.

  7. Auch die Sache mit der Statue hat sich geklärt.

    Die junge Dame betätigte sich künstlerisch. Sie gestaltete nicht nur Postkarten mit Motiven aus dem derzeitigen Krieg, die sie dann dem Lokal „Laub“ brachte, als ihren Beitrag zur guten Sache. Sie machte auch Statuen, wie ihren Veröffentlichungen in sozialen Medien zu entnehmen ist. Es ist also wahrscheinlich, daß sie diese Statue selbst gemacht hat.
    In den 2 Monaten, die sie in Moskau lebte, machte sie sich mit der dortigen Szene vertraut und war auch Tartarskij bekannt. Es ist möglich, daß sie ihm das Geschenk sogar angekündigt hatte, sodaß er keinen Verdacht schöpfte und es auch nicht überprüfen ließ.

    Darja Trepowa trug sich mit Selbstmordgedanken, wie ihren Spuren in den sozialen Netzen zu entnehmen ist. Sie und vor allem ihre Hintermänner rechneten vermutlich damit, daß sie bei dem Attentat selbst sterben und daher auch den Untersuchungsbehörden nicht als Auskunftsperson zur Verfügung stehen würde.

  8. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß ein Ukrainer namens Jurij Denisov, der sich eine Zeitlang in der Nähe der Wohnung von Tatarskij/Fomin eingemietet und ihn beschattet hatte, der Attentäterin die Statue übergeben hatte. (Ursprünglich behauptete sie, sie von einem Taxifahrer erhalten zu haben.)

    Er entkam nach der Übergabe der Bombe über Armenien und die Türkei nach ?

    Noch fehlen Angaben zur Zündung und woher die Bombe kam.

    (KP, 14.4.)

  9. Nach dem 3. Attentat gegen Vertreter der russischen intellektuellen Kriegsunterstützer stellt ein Geheimdienstler der Gruppe Alfa im Gespräch mit der KP fest, daß die Behörden dagegen nicht sehr viel machen können.

    Man kann nicht hinter jeden potentiell gefährdeten Menschen einen Sicherheitsbeamten stellen.

    Der Attentäter gegen Prilepin war ein Kleinkrimineller aus der Ukraine, der seit dem Vorjahr in Rußland lebt und auch die russische Staatsbürgerschaft erhalten hat.

    Es gibt Millionen von Ukrainern, die seit dem Maidan 2014 und erst recht seit dem Vorjahr nach Rußland geflüchtet sind. Dazu kommen noch die Arbeitsmigranten, die in ebenso hoher Zahl schon vorher nach Rußland gekommen sind. Unmöglich, die alle zu überprüfen. Und vor allem: Was sollte da überprüft werden? Der Job? Die Sozialkontakte? Die Auslandsreisen?

    Die einzige Möglichkeit ist, die Wachsamkeit in der Bevölkerung anzuregen. Mehr darauf achten, was die Nachbarn so treiben, wer bei ihnen aus und eingeht, oder Fremde wahrnehmen, die Orte auskundschaften.

    Der Herr von Alfa meint aber leicht resigniert, es werden vermutlich weitere Attentate dieser Art folgen.

    (KP, 7.5.)

  10. Eine etwas seltsame Überschrift für einen Bericht über das verfahren gegen Darja Trepova:

    „Was an Antiwar Russian Tricked Into Carrying Out an Assassination Plot?

    Darya Trepova admits that a network of handlers in Ukraine recruited her to hand an explosive device to a far-right propagandist in St. Petersburg – but, she says, they never told her it was a bomb. (…)“

    (The New Yorker, 6.2.)

    Allerdings kann man sie auch so deuten, daß Gegnerschaft gegen den Ukraine-Krieg in Rußland Leute mit gutem Grund verdächtig macht …

  11. Zum Attentat auf Kirillov:

    Der Täter war ein Usbeke, der 29-jährige Achmad Kurbanov. Es ist noch nicht klar, wo er vom ukrainischen Geheimdienst angeworben wurde – ob in Usbekistan oder in Rußland.

    Man sieht hier, wie sich der ukrainische Geheimdienst der zahlreich vorhandenen Arbeitsmigranten aus den verarmten mittelasiatischen Staaten bedient, um sie gegen Standard-Versprechungen (Bezahlung in Dollars, gefälschter westlicher Paß) zur Ausführung von Attentaten zu bewegen.

    Das ganze kommt den ukrainischen Geheimdienst sehr billig, weil die Betroffenen nie weit genug kommen, um diese Leistungen auch entgegenzunehmen.

    Kurbanow plazierte den Sprengstoff nach Instruktionen über das Handy auf dem Lenkrad des Elektrorollers. Der Roller und die verschiedenen Komponenten der Bombe kamen in getrennten Sendungen per Post zu ihm.

    Dann saß er in einem Mietwagen in der Nähe des Eingangs in das Wohnhaus, in dem Kirillov lebte und wo er von seinem Mitarbeiter abgeholte wurde. In dem Mietauto hatte Kurbanov eine Kamera montiert, die zeigte, wann die beiden Männer das Haus verließen. Darauf wurde die Bombe aus der Ukraine aktiviert. Die Hintermänner sollen in der Stadt Dnipro/Dnepropetrowsk gesessen sein. Woher diese Information stammt, ist aus den bisherigen Meldungen nicht erkenntlich.
    Es ist auch nicht klar, ob Kurbanov noch zusätzlich einen Zünder betätigte oder ob die Bombe nur aus der Ferne gezündet wurde.

    Kurbanov wurde schnell ausgeforscht, weil er das Mietauto – es handelt sich um ein Car-Sharing-Auto – mit seinem Handy gemietet bzw. geöffnet hatte.

    Kirillov und seine Abteilung waren zuständig für die Erforschung der Chemielabors, die die USA in der Ukraine betrieben hatten.
    Obwohl die USA jede Beteiligung von sich weisen, ist anzunehmen, daß die dortigen zuständigen Behörden – Geheimdienst und Pentagon – ein gesteigertes Interesse an der Beseitigung Kirillovs hatten.
    Allerdings hat er auch noch andere Mitarbeiter und seine Abteilung hat eine umfangreiche Dokumentation angelegt, sodaß der Tod zweier führender Militärs die Untersuchung höchsten verzögern, aber nicht wesentlich beeinträchtigen kann.

    (El País, KP, 18.12.)

  12. „Zu den Terroranschlägen in den USA gibt es neue Details: Es stellte sich heraus, dass die Person, die den Tesla vor dem Trump Tower in Las Vegas in die Luft jagte, ein Fan der Streitkräfte der Ukraine war

    Der Verdächtige des Tesla-Bombenanschlags auf das Trump-Hotel in Las Vegas diente in der Ukraine

    Matthew Livelsberger kam ums Leben, als der Tesla Cybertruck vor dem Trump International Hotel Tower explodierte. Er selbst starb noch vor Ort, sieben Unbeteiligte wurden verletzt. (…)

    Wie der Sheriff von Las Vegas, Kevin McMahill, den Medien sagte, bildete der Angehörige der »Green Berets« in Deutschland Militärpersonal der Aufklärungs- und Sabotageeinheiten der Streitkräfte der Ukraine aus und unternahm 2016 eine Dienstreise in die Ukraine. Nach seiner Rückkehr in die USA veröffentlichte der Amerikaner in sozialen Netzwerken Fotos von sich selbst, in denen er Kleidung mit einem ukrainischen Dreizack und einem Bandera-Slogan trug. (…)“

    Die Dienstreise war ja sehr wirkungsvoll.

    „Der Sprengstoff, mit dem der Terrorist das Auto vollgestopft hatte – mehrere Böller und ein paar kleine Kanister Benzin – sorgte bei Experten für Verwirrung. Der Schaden durch die Explosion entstand hauptsächlich im Inneren des Tesla. »Das Niveau der Ausführung des terroristischen Aktes entspricht nicht dem, was wir von jemandem mit solch militärischer Erfahrung erwarten würden«, sagte FBI-Agent Kenny Cooper gegenüber The Guardian.

    Die Motive des Attentäters sind noch unklar. Es werden verschiedene Annahmen getroffen – von persönlichen Gründen bis hin zu politischen.
    Es ist bekannt, dass Livelsberger am Tag zuvor eine schwere Meinungsverschiedenheit mit seiner Frau hatte. Vielleicht hat der ehemalige Green Beret, der angeblich eine negative Einstellung zu Trump hatte, beschlossen, sich an ihm für seinen Wahlsieg und seine Absicht, die Unterstützung für … die Kiewer Regierung zu verringern, zu rächen, indem er an der Tür seines Hotels … in Las Vegas eine Explosion auslöste. Und das tat er bewusst in einem gemieteten Tesla Cybertruck, einer Schöpfung von Elon Musk, Trumps derzeit engstem Vertrauten.“

    Was sich im Nachhinein als konterproduktiv herausgestellt hat, weil der größte Schaden im Inneren des gemieteten Gefährts entstand.

    „Übrigens hat das FBI für alle Fälle Musk selbst bereits einen Personenschutz zugewiesen.“

    (KP, 3.1.)

  13. „Laut der Analyse eines Gerichtsmediziners aus Las Vegas starb Livelsberger vor der Explosion an einer Schusswunde am Kopf.

    Er war Mitglied der 10. Special Forces Group. Er war in den USA auf Weihnachtsurlaub. Seine Basis sei in Deutschland, versicherten zwei Pentagon-Quellen dem Wall Street Journal.

    Der Soldat wurde mit zwei Bronzesternen ausgezeichnet, einer davon für Verdienste im Kampf, und hatte in seinen 19 Jahren bei den Streitkräften, weder im aktiven Dienst noch in der Reserve, keinerlei Verhaltensauffälligkeiten gezeigt.

    Seine letzte Stelle war laut seiner LinkedIn-Seite, die nach dem Vorfall deaktiviert wurde, die Leitung autonomer und Remote-Systeme. Das bedeutet, dass er für den Betrieb und die Wartung von Heeresdrohnen verantwortlich war.“

    (El País, 2.1.)

  14. Zum gelungenen Attentat auf Armen Sarkisjan:

    „Ein Bombenanschlag in Moskau tötet den Chef eines prorussischen Bataillons

    Der Anschlag ereignete sich in einem Wohnkomplex in der russischen Hauptstadt. Die Ukraine suchte den Gründer der Arbat-Einheit Armen Sarkisjan seit geraumer Zeit wegen seiner Beteiligung an der Niederschlagung der Maidan-Demonstranten im Jahr 2014.

    Bei einem erneuten Bombenanschlag in Moskau sind am Montag nach russischen Medienberichten der Gründer einer prorussischen Kampfeinheit und einer seiner Leibwächter ums Leben gekommen.

    Armen Sarkisjan wurde von den ukrainischen Behörden gesucht, weil er zu den Trupps gehört hatte, die 2014 die Maidan-Demonstranten niederschlugen.
    Er war Anführer des Arbat-Bataillons und Präsident des Boxverbandes der selbsternannten Volksrepublik Donezk. Sarkisjan wurde zusammen mit seinem Gefolge“ (!!! Die wohlbegründeten Leibwächter und sonstige Begleiter sind ein »Gefolge«) „am Eingang eines Wohnkomplexes im Nordwesten der russischen Hauptstadt getötet.

    Die russischen Behörden ermitteln gegen die Täter des Anschlags, bei dem drei Menschen verletzt wurden. Zu den überlebenden Opfern gehörte der Militäroffizier Oleg Kaspirowitsch, Sarkissians Leibwächter und Oberstleutnant der vom Kreml eingesetzten Sicherheitskräfte auf der annektierten Krim. Der Sprengsatz explodierte im Foyer eines der Luxusgebäude des Komplexes »Alje Parusa« (Scharlachrote Segel) in der Avjatsjonnaya-Straße 77.
    Durch den Anschlag wurden die Türen blockiert und einige Bewohner flohen laut russischen Medien durch die Fenster aus dem Gebäude.

    Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass der Sprengsatz von einem Boten am Eingang des Gebäudes plaziert wurde und eine Sprengkraft hatte, die etwa 300 Gramm TNT entsprach.
    Der Gründer des Arbat-Bataillons wurde im Koma ins Krankenhaus eingeliefert. Laut Telegram-Kanälen, die den russischen Sicherheitskräften nahestehen, hätten Ärzte ihm ein Bein amputiert, bevor er auf der Intensivstation starb.“

    (El País, 3.2.)

  15. Weitere Tätigkeit des ukrrainischen Geheimdienstes:

    „Bekannter ukrainischer Politiker in Madrid erschossen

    Er war einer der engsten Berater des russlandfreundlichen ukrainischen Ex-Präsidenten Janukowitsch. Nun wurde Andrij Portnow in Spanien auf offener Straße mit fünf Schüssen getötet.

    Madrid. In der spanischen Hauptstadt Madrid ist der bekannte ukrainische Jurist und Politiker Andrij Portnow auf offener Straße erschossen worden. Der Mann wurde unweit der Amerikanischen Schule mit 5 Schüssen getötet, davon mehrere in den Kopf, bestätigte die spanische Polizei der Deutschen Presse-Agentur in Madrid.

    Medienberichten zufolge hatte der 51-Jährige zuvor seine Kinder zum Unterricht in die Privatschule gebracht. Bilder zeigten die Leiche neben seinem Auto. Medien in Kiew bestätigten die Tat unter Verweis auf Quellen in ukrainischen Sicherheitskreisen.

    Zwischen 2010 und 2014 arbeitete der Ostukrainer als Berater und Vizechef des Präsidialamts unter dem damaligen russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch und war maßgeblich für den Umbau des Gerichtssystems verantwortlich.

    Zuvor war Portnow mehrere Jahre Jurist und Parlamentsabgeordneter der Partei von Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Nach dem Sturz von Janukowitsch 2014 lebte er zunächst im russischen Exil und kehrte kurz vor dem Wahlsieg von Wolodymyr Selenskyj 2019 in die Ukraine zurück.

    Nach dem russischen Einmarsch von 2022 verließ der mehrfache Familienvater das Land wieder – diesmal gen Westen. In den vergangenen Monaten hatte er in der Ukraine vor allem durch erfolgreiche Klagen gegen Medien Aufmerksamkeit erregt, die ihn als »prorussisch« bezeichnet hatten. Die USA hatten 2021 Sanktionen gegen ihn verhängt. EU-Sanktionen mussten nach erfolgreichen Klagen wieder aufgehoben werden.“

    (Handelsblatt, 21.5.)

    Laut russischen Medien hatte Portnov vor, Enthüllungen zu Zelenskij zu publizieren. Das ist ihm nicht gut bekommen.

  16. Zum Attentat auf Alexejew am 6.2.:

    „Der russische Inlandsgeheimdienst FSB beschuldigt ukrainische und polnische Geheimdienste des versuchten Attentats auf Wladimir Alexejew, den stellvertretenden Chef des russischen Militärgeheimdienstes, am vergangenen Freitag.
    Kiew bestreitet dies, während es sich von den Attentatev auf 3 weitere russische Generäle weniger entschieden distanziert hatte.“

    Mit dieser eleganten Formulierung versucht der Autor von El País die Ukraine praktisch zu exkulpieren.
    Gemeint sind die Anschläge auf Kirillow, Moskalik und Sarwarow.
    Kirillow untersuchte die US-Biolabore in der Ukraine, er war sicher verschiedenen Leuten sehr lästig.

    „Einer der festgenommenen Verdächtigen arbeitete für ein mit dem FSB verbundenes Militärunternehmen, obwohl der russische Geheimdienst lediglich seine mutmaßliche Unterstützung für Oppositionsführer Alexei Nawalny erwähnte. Wahrheit und Lüge umgeben diesen Anschlag, der den Kreml angesichts der Leichtigkeit, mit der seine Generäle ins Visier genommen werden können, vorerst in eine heikle Lage gebracht hat.“ (El País, 10.2.)

    Daß russische Offiziere nicht gut geschützt sind, wenn sie in normalen Wohnblocks wohnen, hätte in der Tat schon vorher auffallen können.
    Es ist allerdings schwierig, das ganze, noch aus sowjetischen Zeiten stammende System zu ändern und alle hohe Offiziere in einem Hochsicherheitsgebäude zu konzentrieren. Die Leute haben ja auch Familie usw.

    Zu den Beschuldigten gibt es von der KP folgende Angaben:

    „Der Killer – Ljubomir Korba

    Geboren 1960 in der Region Ternopil der Ukrainischen SSR, ist er russischer Staatsbürger und erhielt seinen Pass im Jahr 2001.
    Er war fast sein ganzes Leben in der geschäftlich tätig: Er war Anteilseigner des russischen Unternehmens Tradeconsult LLC und leitete von 1993 bis 2009 das ukrainisch-polnische Unternehmen Terpol in Ternopil. Daher dürfte Korba Verbindungen nicht nur zu ukrainischen Geheimdiensten, sondern auch zu Polen unterhalten.

    Er reiste Ende Dezember 2025 … nach Moskau.“

    Von wo?

    „Seine Komplizin, Zinaida Serebritskaja, verschaffte ihm Zutritt zum Gebäude. Er flüchtete vom Tatort mit öffentlichen Verkehrsmitteln und flog wenige Stunden später in die VAE, wo er festgenommen wurde.

    Die Überwachungsagentin – Zinaida Serebritskaja

    Die 1971 geborene Frau observierte General Alexejew, sammelte Informationen über seine Gewohnheiten, seinen Tagesablauf und seine Bewegungen und bereitete so ein Attentat vor.

    Kurz vor ihrem Umzug nach Moskau verkaufte Serebritskaya ein Haus in der LVR.“

    Eine Bewohnerin des Donbass also.

    „Ende Dezember mietete sie eine Wohnung in dem Gebäude, in dem der General lebte. Sofort begann sie, sich in lokalen Chatrooms zu beteiligen, fragte nach Haushaltshilfe und gab Ratschläge, um sich in die Hausgemeinschaft einzuschleichen und den Code für die Gegensprechanlage zu erhalten.

    Serebritskajas letzte Aktivität in den sozialen Medien wurde am 4. Dezember registriert. Offenbar floh sie, nachdem sie alle ihre Daten an den Täter weitergegeben hatte, in die Ukraine und ist damit die einzige Angeklagte in diesem Fall, der die Flucht gelang.“

    Woher ist bekannt, daß sie in die Ukraine floh?
    Der 3. Festgenommene ist der mit militärischer Vergangenheit, auf den sich El País bezieht:

    „Der Verbindungsmann – Viktor Vasin

    Geboren 1959, absolvierte er die Fernmeldeschule in Kemerowo. Laut einigen Quellen hatte er Erfahrung bei der Marine oder im Bereich der Spezialkommunikation.

    Vasins Aufgabe war es, den Attentäter logistisch, finanziell und mit Waffen zu unterstützen. Vasin kannte Korba schon länger. Wann er rekrutiert wurde, ist unbekannt, doch seine Unterstützung extremistischer politischer Kräfte und seine öffentliche Kritik an der Regierung in den sozialen Medien könnten der Grund dafür gewesen sein.

    Vasin wurde am 7. Februar in Moskau festgenommen. Ihm werden »Angriff auf einen Polizeibeamten« und »illegaler Waffenhandel« vorgeworfen. (…)

    Info zu Alexejew:

    Wladimir Alexejew wurde am 24. April 1961 im Dorf Golodki in der Oblast Winniza der Ukrainischen SSR geboren. Er absolvierte die Fallschirmjägerschule in Rjasan. Er nahm an nahezu allen bewaffneten Konflikten der späten Sowjetunion und Russlands teil.

    Während des Militäreinsatzes in Syrien befehligte er Operationen des militärischen Nachrichtendienstes, wofür er mit dem Goldenen Stern des Helden Russlands ausgezeichnet wurde. Er ist Träger zahlreicher Orden: des St.-Georgs-Ordens, des Verdienstordens für das Vaterland 4. Klasse mit Schwertern, zweier Tapferkeitsorden sowie des Alexander-Newski- und des Suworow-Ordens.“ (alles KP, 8.2.)

    „Alexejew ist eine umstrittene Persönlichkeit. Zum einen aufgrund seiner Rolle bei der Gründung der Gruppe Wagner und deren anschließender Auflösung nach dem gescheiterten Putschversuch der Söldnergruppe im Jahr 2023. Der russische General wurde verdächtigt, den Putsch unterstützt zu haben.“

    Hierzu fand und findet sich in russischen Medien nichts. Es ist auch unwahrscheinlich, daß das für ihn folgenlos geblieben wäre.
    Vermutlich handelt es sich um eine Erfindung des Autors, um den Verdacht weg von der Ukraine und hin auf den russischen Geheimdienst zu lenken.

    „Andererseits war er als Chef des GRU für die Überwachung der Aktionen der Einheit 29155 verantwortlich, die vom Westen beschuldigt wird, 2016 einen Putschversuch in Montenegro organisiert und zahlreiche Anschläge und Sabotageakte in Europa verübt zu haben, darunter einige mit Todesopfern, wie die Vergiftung der Skripals 2018 und der Bombenanschlag auf ein Munitionsdepot in Tschechien 2014.“ (El País, 10.2.)

    Wenn die anderen Beschuldigungen ebenso wohlbegründet sind wie das angebliche „Skripal-Attentat“, so kann man das alles getrost ins Reich der Phantasie bzw. der Erfindungen westlicher Geheimdienste verweisen.

    „Obwohl der russische Geheimdienst seinen General nicht schützen konnte, “

    – damit sollen die Ermittlungsergebnisse entwertet werden –

    „gelang es ihm schneller,

    – schneller als was? –

    „nicht nur die Identität der Angreifer zu ermitteln, sondern auch, dass Korbas Sohn Lubosz Korba, ein 27-jähriger polnischer Staatsbürger, der Berichten zufolge in Kattowitz lebt, mit dem polnischen Geheimdienst bei der Rekrutierung seines Vaters zusammengearbeitet hat.

    Warschau hat sich zu diesem Vorwurf nicht geäußert. Der FSB veröffentlichte am Montag nach der Auslieferung von Korba an Russland die mutmaßliche Geständnisse von ihm und Vasin. Laut dem Geheimdienst wurden Vasin und der mutmaßliche Attentäter im August 2025 von der Ukraine rekrutiert, wo Korba eine Waffenausbildung und eine Einweisung in die Nutzung von Zoom-Videokonferenzen erhielt. Moskau zufolge versprach Kiew Korba 30.000 US-Dollar für die Ermordung von General Alexejew.
    Der russische Geheimdienst behauptet weiters, Korba sei über Moldawien und Georgien nach Moskau geflogen. Nach der FSB-Version spionierte er eine Zeit lang russisches Militärpersonal aus, bevor er in einem Versteck eine schallgedämpfte Pistole abholte und die Schlüssel von Serebritskaja erhielt.“

    Während der Autor das alles als „mutmaßlich“ und „Behauptungen“ darstellt, was vom FSB kommt, geht er bei „verläßlichen“ Quellen von Sicherheit aus:

    „Der FSB wirft Vasin vor, an Protesten gegen den Kreml teilgenommen, den Anführer der Linken Front, den Kommunisten Sergei Udaltzow, nach dessen Inhaftierung unterstützt und mit der Anti-Korruptions-Stiftung (FBK) des Dissidenten Alexej Nawalnyj sympathisiert zu haben, der 2024 im Gefängnis starb. (…)“

    Man bemerke die feine Unterscheidung zwischen „unterstützt“ und „sympathisiert.“

    „Vasins mutmaßliche Verbindung zum Geheimdienst selbst wurde vom FSB jedoch ignoriert. »Eine unerwartete Wendung«, erklärte der ebenfalls vom russischen Geheimdienst ins Visier genommene Forscher Christo Grosew am Sonntag. »Vasin arbeitet für ein dem FSB nahestehendes Unternehmen, das Überwachungstechnik herstellt«, verkündete der Leiter der Rechercheplattform Bellingcat auf X. »Viktor Vasin war mindestens bis August 2025 als leitender Experte bei NTC Atlas angestellt, einem vom FSB unterstützten Unternehmen, das heute zum Rüstungskonzern Rostec gehört«, fügte Grozev hinzu und präsentierte einen Lebenslauf des Inhaftierten aus dem Jahr 2014, in dem dieser mit seinen »Fachkenntnissen in militärischen Angelegenheiten« prahlt.

    Vasins Lebenslauf wies ihn als Stabschef eines Regiments und Leiter einer Satellitenkommunikationsstation aus. Laut dem unabhängigen russischen Medienportal »Vazhnye Istorii« erfordern diese Positionen den militärischen Rang eines Oberstleutnants.
    Die Ermittlungen gegen Vasin ergaben zudem, dass sein Sohn Offizier der russischen Streitkräfte war und jahrelang im Telekommunikationssektor als Vertragsangestellter tätig war. Der FSB äußerte sich nicht zu möglichen Verbindungen des mutmaßlichen Angreifers zu russischen Geheimdiensten. Auch der Kreml gab sich zurückhaltend. (…)“

    Ist ja auch peinlich, wenn ein hoher Offizier von einem ausländischen Dienst für Attentate angeworben wird.
    Man darf bei solchen Geschichten nicht vergessen, daß der russische Geheimdienst aus sowjetischen Zeiten auch mit Ukrainern besetzt und deshalb nicht allzuschwer zu unterwandern ist.
    Der Autor des Artikels versucht jedoch, hieraus eine Verwicklung des russischen Geheimdienstes abzuleiten.

    „Alexejews Vorgesetzter, Igor Kostjukow, leitet das russische Verhandlungsteam, das derzeit Gespräche mit der Ukraine führt. Obwohl der russische Außenminister Sergej Lawrow Kiew vorgeworfen hat, den Verhandlungsprozess stören zu wollen, hat Moskau bisher keine Anzeichen dafür gegeben, dass dieser Anschlag den Dialog beendet haben könnte.“ (El País, 10.2.)

    Oleg Tzarjov, ehemaliges Rada-Mitglied und Politiker meint:
    »Stepanych«, wie die Soldaten Aleksejew nennen, »ist direkt an allen wichtigen Prozessen in der Ukraine und anderswo beteiligt. Er kennt jeden persönlich, der die Ukraine verlassen hat. Und für Zelenskij ist Aleksejew ein unerwünschter Zeuge, der ihn vor den ukrainischen Ultrapatrioten in ein sehr schlechtes Licht rücken könnte.“ (KP, 8.2.)

    Tzarjov hält auch die Briten für mitbeteiligt, allerdings ohne besondere Indizien.

  17. „Warum leben unsere Generäle unbewacht in gewöhnlichen Hochhäusern? Wäre es möglich, sie alle in einem einzigen, hochgesicherten Bunker einzuschließen?
    Oberst Baranets sprach über den Schutz russischer Generäle vor Attentaten (…)

    Alle unsere Offiziere sind wertvoll

    Nach den Attentatsversuchen ukrainischer Geheimdienstagenten auf russische Generäle in Moskau (auf Igor Kirillow, Chef der ABC-Abwehrtruppen; Jaroslaw Moskalik, stellvertretender Chef der Hauptoperationsdirektion des Generalstabs; Fanil Sarwarow, Chef der operativen Ausbildungsdirektion der russischen Streitkräfte; und nun Wladimir Alexejew, stellvertretender Chef des GRU) haben viele Bürger verständlicherweise Fragen gestellt. Und die erste lautet wie folgt:

    Warum schützen wir nicht unsere Generäle (nicht nur die mit bürokratischen Aufgaben betrauen, sondern die hochqualifizierten Generäle, die einen wesentlichen Beitrag zur Operation in der Ukraine leisten)? Erstens einmal ist zu sagen: Wir unterscheiden nicht zwischen »wertvollen« und »weniger wichtigen« Generälen. Jeder einzelne ist für den Ukraine-Einsatz von Bedeutung: Einige befehligen Truppen im Gefecht, andere planen Operationen an der Front, wieder andere (im Generalstab und anderen Hauptquartieren und Direktionen, darunter auch der GRU, wo Alexejew dient) entwickeln Taktiken und Strategien für verschiedene Operationen, und andere (eben genau diejenigen Bürokraten im Hinterland) organisieren die Versorgung der Truppen mit Waffen, Munition, Lebensmitteln und Medikamenten.

    Würde man auch nur einen dieser Generäle aus diesen Versorgungsketten entfernen, wäre die Armee geschwächt.“

    Was ja mit den Attentaten auch bezweckt wird.

    „Doch kommen wir zum Kernpunkt: Wie können wir die Sicherheit der Generäle gewährleisten?

    Es gibt zwei Möglichkeiten:

    Ein Leibwächter bietet keinen absoluten Schutz

    Zunächst einmal sollte jedem höheren Offizier (beginnend mit einem Generalmajor) ein Leibwächter zugeteilt werden. Und das ist nicht nur ein kräftiger Mann mit Schieß- und Nahkampffähigkeiten, sondern zwei oder drei – sie müssen sich abwechseln, schlafen, essen und werden mitunter krank.

    Rechnen wir einmal nach: Die russische Armee hat derzeit 1.317 Generäle. Können Sie sich vorstellen, wie viele Leibwächter rekrutiert und ausgebildet werden müssten? Kein Sicherheitsdienst würde ausreichen!

    Ja, es gibt Kategorien von höheren Generälen, die gemäß der genehmigten Personalstärke von Offizieren des Auswärtigen Dienstes bewacht werden. In manchen Fällen stellen Generäle Untergebene als Leibwächter ein, die (um Kosten zu sparen,) auch als Fahrer von Dienstwagen und Assistenten fungieren.
    Aber selbst sie können ihre Vorgesetzten nicht immer schützen – wir haben beispielsweise gesehen, wie General Kirillow sein Haus mit einem Fahrer verließ, der gleichzeitig Leibwächter war. Die Bombe verschonte sie beide nicht …

    Und sie hätten auch Sprengstoff unter dem Auto plazieren können (wie es bei den Generälen Sarvarov und Moskalik geschah).

    General Alexejews bewaffneter Leibwächter saß zum Zeitpunkt des Attentats im Auto.
    Nach der Logik des Leib-Wächters hätte er seinen Chef bereits an der Wohnungstür abholen sollen.
    Doch auch das unbeaufsichtigte Auto hätte vermint werden können.
    Bedeutet das also, dass sowohl der General als auch das Auto Schutz benötigen? Das könnte den Bedarf an Leibwächtern ins Unendliche erhöhen.“

    Nach den letzten Attentaten, die allesamt mit Autobomben erfolgten, wurde offenbar reagiert und die Offiziere werden aus ihrem Wohnhaus mit sicheren Autos abgeholt – weswegen die Attentäter sich aufs Stiegenhaus verlegten.

    „Auch Kasernen können zum Ziel werden

    Eine zweite Möglichkeit, die Generäle vor Attentaten zu schützen, besteht darin, sie alle in Kasernen zu verlegen. Das heißt, sie alle an einem streng bewachten Ort zusammenzubringen, wo sie bis zum Ende der Auseinandersetzung in der Ukraine leben und arbeiten.
    Das Verteidigungsministerium und der Generalstab verfügen über zahlreiche Büros und Säle, in denen sich problemlos Betten aufstellen ließen. So geschah es bereits während der Krim-Operation 2014. Damals brachten einige Generalsfrauen ihren geliebten Männern Thermoskannen mit selbstgemachtem Borschtsch und warmen Pasteten an die bewachte Portierloge. Und das, obwohl die Kantine rund um die Uhr geöffnet war. Und es gab keine Attentate.

    Doch angeblich haben die Generäle diesen Plan dieses Mal verworfen – die Ukraine-Sonderoperation dauert, anders als die Krim-Operation, nicht Wochen, sondern Jahre, und kaum jemand möchte so lange auf seine Familie und den gewohnten Komfort verzichten.

    Zudem müssen wir die neue Natur militärischer Operationen und die terroristischen Methoden des Kiewer Regimes (selbstverständlich in Zusammenarbeit mit seinen Unterstützern in London und Washington) berücksichtigen.

    Diese Methoden sind so beschaffen, dass jedes streng geheime Gebäude, in dem sich Generäle aufhalten, sofort zu einem begehrten Ziel für einen Raketen- oder Drohnenangriff wird. Nur wenige wissen, daß solche Versuche bereits unternommen wurden. Ein großes Lob an unsere Luftverteidigung, die die ukrainischen Drohnen abschoss, bevor diese ihr anvisiertes Ziel erreichen konnten.

    Keine Kommandanten mehr in Datschen in Rubljowka

    Und noch eine interessante Beobachtung: Videos von den Tatorten zeigen, dass alle vom ukrainischen Geheimdienst ins Visier genommenen Generäle in gewöhnlichen Hochhäusern in Moskauer Wohngebieten und sogar außerhalb des Moskauer Autobahnrings lebten. Kirillow wohnte in Tekstilschtschiki, Moskalik in Balaschicha, Sarwarow in Jasenewo, Alexejew in Wolokolamsk… Der Durchschnittsmensch denkt in den Stereotypen der 90er-Jahre und glaubt, unsere Militärführer lebten in bewachten „Generals-Datschen“ irgendwo in Rubljowka. In Wirklichkeit leben sie hier in Wohnungen mitten im Nirgendwo, mit ganz normalen Nachbarn, und im Morgengrauen – um 6 oder 7 Uhr – verlassen sie das Haus, um früh zur Arbeit zu kommen, Staus zu vermeiden, ohne Blaulicht…

    Für den Uneingeweihten ist das eine echte Offenbarung – wie ist das möglich? Leben etwa nur ehrliche, hart arbeitende Generäle so? Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Viele, viele leben genau so.

    Übrigens sind Stereotypen aus den 90er-Jahren auch unter unseren potenziellen Gegnern weit verbreitet. Ich war einst Pressesprecher des russischen Verteidigungsministers und hatte Zugang zu geheimen Dokumenten. Eines davon beschrieb ein Telegramm eines amerikanischen Agenten, das von unserem Geheimdienst abgefangen worden war. Er berichtete dem Hauptquartier, dass seinen Angaben zufolge 15 bis 25 Prozent der Generäle des Verteidigungsministeriums und des Generalstabs in den neuen Gebäuden aus der Jelzin-Ära in Rubljowka lebten. Im Falle eines Krieges mit Russland, so schrieb der Agent, würde der Abwurf einer kleinen Atombombe auf dieses Gebiet Moskau ein Viertel seiner militärischen »Köpfe« berauben.

    Ich kenne die in dem Telegramm erwähnten Gebäude in Rubljowka sehr gut – gewöhnliche Plattenbauten. Sie werden heute größtenteils von pensionierten Militärangehörigen bewohnt. Und die aktiven Militärkommandeure, wie wir sehen, leben in verschiedenen Teilen der Hauptstadt.

    Die Leute machen sich Sorgen

    Währenddessen überschlägt sich unsere Bevölkerung, besorgt über die Jagd nach den Generälen, mit Vorschlägen, wie dem zu begegnen sei! Neben verstärkten Sicherheitsvorkehrungen fordern sie unter anderem die Pflicht zum Tragen von persönlichen Waffen und Schutzwesten, ein Verbot der Nutzung von Privatwagen, obligatorische Hintergrundüberprüfungen für neue Bewohner von Gebäuden, in denen Generäle wohnen, und vieles mehr.
    Ja, glauben Sie mir, all diese Vorschläge werden geprüft. Und ich hoffe, dass Lösungen gefunden werden.“

    (KP, 10.2.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert