Die Weltfinanzbehörde als etwas hilflose Krisenfeuerwehr

DER IWF, TEIL 8: DIE EUROZONE ALS SANIERUNGSFALL
Als die EU 1992 in Maastricht die Richtlinien für ihre Mitglieder und für die Einführung des Euro festlegte, um damit „Stabilität“ zu sichern, gab es schon ein Bewußtsein davon, daß das sich gar nicht auf diese Art und Weise regeln lassen würde und es vor allem ein großer Propagandaluftballon für die geliebten „Märkte“ sein sollte – es wurde damals nämlich festgehalten, daß sich die EU-Politiker vorbehalten würden, wann sie diese Kriterien im Falle von Übertretungen in Anschlag bringen würden, und es wurden auch keine ernsthaften Sanktionen für den Fall des Nicht-Einhaltens beschlossen.
Alle waren jedoch offenbar davon überzeugt, daß die Sache schon gutgehen würde.
Es ist völlig absurd, den Erfolg einer Nation an Verhältnis von Schulden zu BIP feststellen zu wollen, und noch absurder, ihn dadurch hervorrufen zu wollen.
Es ist schon fast erheiternd, was manche Regierungen aufgeführt haben, um ihre Finanzen zu beschönigen, auch und gerade das sich als Hort der Rechtschaffenheit aufführende Deutschland, das es auch vermied, 2002 und 2003 die als „blauer Brief“ bezeichnete Warnung zu kriegen, die inzwischen gar nicht mehr erwähnt wird, weil man sie praktisch an alle EU-Mitglieder verschicken müßte.
Daß diese Warnung als „blauer Brief“ bezeichnet wird, ist Ausdruck davon, wie kindisch die EU-Politiker ihrer eigenen Schöpfung gegenüberstehen: Blaue Briefe bekommen Schüler, die vom Durchfallen bedroht sind. Die Politiker der EU-Staaten, die ihre Nationalökonomien verwalten, werden als bessere oder schlechtere „Schüler“ betrachtet, von denen einige „ihre Hausübungen machen“, andere nicht, und dafür dann Schelte von der Direktion einstecken müssen. Die Entscheidung über die Ausgabe von Staatsanleihen in Milliardenhöhe, die Gesundheit- und Bildungspolitik und überhaupt das Funktionieren der einzelnen Staaten wird damit auf eine Art Rechtschreibübung oder Lösung von Gleichungssystemen heruntergebracht, – etwas Watscheneinfaches, man braucht dazu nur diejenigen Eigenschaften, die Lehrer an ihren Schülern am meisten schätzen: Fleiß und Gewissenhaftigkeit.
Mit dieser völlig unangemessenen Auffassung, die leider anscheinend zur selbstverständlichen Sichtweise von Volkswirten und Politikern geworden ist, wurde entsprechend auf die Schuldenkrise Griechenlands reagiert: „Die Griechen“ – auf einmal alle – hätten „geschummelt“, und müßten jetzt bestraft werden. Es stellte sich heraus, daß Durchfallenlassen nicht möglich war.
Und die EU-Politiker liefen wieder zum Stadtschulrat, in diesem Falle dem IWF und baten um Intervention. Und der IWF ließ sich nicht lange bitten, erfreut über den Aufwind, den diese vor der Krise bereits etwas ramponierte Instittution inzwischen wieder erhalten hatte.
Natürlich eilte der IWF wieder mit seinem bewährten Rezept herbei: Ausgaben einschränken, Pensionen und Gehälter einfrieren; alles verkaufen, was noch zu verkaufen geht, und auf bessere Zeiten hoffen. Mit diesem Rezept haben die IWF-Spezialisten (für was eigentlich?) die Schuldenkrise in Griechenland verschärft, und werden sie anderswo auch noch vertiefen. Diese Art von Ausgaben-Einschränkung, völlig irreführend „Sparen“ genannt, verringert nämlich die Einnahmen gewaltig und sorgt dafür, daß sich das ungünstige Verhältnis zwischen BIP und Schulden weiter verschlechtert.
Das Jahr 4 der Finanzkrise hat der Öffentlichkeit deutlich gemacht, daß weder die Ökonomen des IWF noch die Politiker der EU wissen,
– was Geld ist
– was Schulden sind,
– was sie eigentlich in die Welt setzen, wenn sie Anleihen ausgeben,
– wie eine Bank funktioniert,
– wie die von ihnen einst ach so geschätzten und gelobten Märkte funktionieren
usw.
Angesichts des Geldes und des Kreditüberbaus, die sie beide selbst indie Welt gesetzt haben, sind sie völlig ratlos und stottern im Chor mit dem IWF irgendwelchen Schmarrn von „alle müssen zahlen“, „Haushalt sanieren“, „die Banken müssen zahlen“, „Eurobonds“, „Aufsichtsbehörde“ vor sich hin, um jeden Beschluß, den sie heute fassen, übermorgen wieder für hinfällig zu erklären.
Der IWF, der als Retter in der selbstgeschaffenen Not betrachtet wurde, kann natürlich auch nichts anderes, als gebetsmühlenartig sein „Sanierung“ genanntes Programm zur Vernichtung von Zahlungsfähigkeit verkünden – derjenigen Zahlungsfähigkeit, die durch Kredit geschaffen worden war.
Es ist also nicht Führungsstärke, an der es den Verantwortlichen mangelt, sondern die Abwesenheit des Steins der Weisen, also einer Zauber-Methode, wie aus in großen Mengen in die Welt gesetzten Zahlungsversprechen jemals wieder reale Werte werden sollen – um so mehr, als das Maß dieser Werte, der Euro, ja auch nichts anderes als ein Zahlungsversprechen ist.

39 Gedanken zu “Die Weltfinanzbehörde als etwas hilflose Krisenfeuerwehr

  1. Wenn du recht vollmundig schreibst:

    Das Jahr 4 der Finanzkrise hat der Öffentlichkeit deutlich gemacht, daß weder die Ökonomen des IWF noch die Politiker der EU wissen,
    – was Geld ist
    – was Schulden sind,
    – was sie eigentlich in die Welt setzen, wenn sie Anleihen ausgeben,
    – wie eine Bank funktioniert,
    – wie die von ihnen einst ach so geschätzten und gelobten Märkte funktionieren
    usw.

    dann klingt das so, als wenn wenigstens du die Antworten zugeben gewillt bist, die die Politiker der EU und der IWF offensichtlich nicht geben wollen und wohl auch nicht können. Wobei wohl auch von dir kein Stein der Weisen zu erwarten und zu bekommen ist.

  2. Ja, und was die Antworten betrifft, so stehen sie – zugegeben, etwas verschnörkelt und nicht ganz leicht verdaulich – in einem dreibändigen Werk (+ Suplemente) aus dem 19. Jahrhundert …

  3. Ich will die Korrektheit deines Verweises gar nicht bestreiten. Ein solcher recht unkonkreter Verweis auf Marx ist aber meist nichts wert, wenn es darum gehen soll, jemand bestimmte Argumente näherzubringen (insbesondere hier, wo man eh ins Dunkel hineinargumentiert. Denn dann müssen die eben bestimmt sein und es reicht nicht zu sagen, “geh doch einfach in eine Bibliothek und schau dich unter “M” ein bißchen um!”

  4. Na ja, ich habe dazu ja auch einiges Schrifttum verfaßt.
    Hier gings mir um den IWF uund was der so treibt.
    Aber bitte, weiterführende Literatur zu Geld & Kredit:
    Karl Marx: Das Kapital I-II (in jeder guten Bibliothek zu finden …)
    Das Finanzkapital I-IV: Die hervorragende Vierteljahreszeitschrift Gegenstandpunkt, und zwar die Nummern 3/08, 2/09, 1/10, 1/11
    Zu Banken im Speziellen:
    Hier als Downloads: Die Pleite der Hypo Alpe Adria
    Die österreichischen Banken,
    und für sonstige Anregungen bin ich dankbar!
    😉

  5. Die von Nestor erwähnten Artikel des GegenStandpunkt kann man übrigens zumeist bei mir auch online nachlesen:
    GSP 2-11 – Die Ret­tung des Euro– OCR-​PDF-​Ver­si­on des Ar­ti­kels „EMS, Pakt für den Euro, Wirt­schafts­re­gie­rung etc – Die Ret­tung des Euro“ aus Ge­gen­Stand­punkt Heft 2-11
    GSP 1 10: Fi­nanz­ka­pi­tal III– OCR-​PDF-​Ver­si­on des Ar­ti­kels „Das Fi­nanz­ka­pi­tal III. Die ,sys­te­mi­sche‘ Be­deu­tung des Fi­nanz­ge­schäfts und die öf­fent­li­che Ge­walt“ aus Ge­gen­Stand­punkt Heft 1-10
    GSP 2 09: Fi­nanz­ka­pi­tal II — OCR-​PDF-​Ver­si­on des Ar­ti­kels aus Ge­gen­Stand­punkt Heft 2-09 „Das Fi­nanz­ka­pi­tal II. Die Ent­fal­tung der Kre­dit­macht des Fi­nanz­ka­pi­tals: Die Ak­ku­mu­la­ti­on des „fik­ti­ven“ Ka­pi­tals“
    GSP 3-08: Fi­nanz­ka­pi­tal I — OCR-​PDF-​Ver­si­on des Ar­ti­kels „Das Fi­nanz­ka­pi­tal. I Die Be­deu­tung des Kre­dit­sys­tems: von der Kunst des Geld­ver­lei­hens“ aus Ge­gen­Stand­punkt Heft 3-08
    http://neoprene.blogsport.de/downloads/

  6. @ Nestor

    Daß diese Warnung als „blauer Brief“ bezeichnet wird, ist Ausdruck davon, wie kindisch die EU-Politiker ihrer eigenen Schöpfung gegenüberstehen: Blaue Briefe bekommen Schüler, die vom Durchfallen bedroht sind. Die Politiker der EU-Staaten, die ihre Nationalökonomien verwalten, werden als bessere oder schlechtere „Schüler“ betrachtet, von denen einige „ihre Hausübungen machen“, andere nicht, und dafür dann Schelte von der Direktion einstecken müssen.

    “Irgendwie werde wir dass schon richten”, heißt der Machbarkeitswahn der national gefärbten Gewaltponopole der jeweiligen Staaten. Zumindest der erfolgreichen Staaten, während die bis dato weniger potenten Staaten an eine weiterführende Beteiligung, der in Aussicht gestellten (weiteren) Wachtumsaussichten, sich versprechen.
    Da spricht aus der Sicht der weniger potenten Staaten die
    Ökonomie-Illusion eines positiv austarierten Gemeininteresses, ihrer nationalen Ökonomie, zur Sprache. Für die potenten Staaten spricht für diese Ausgangsthese die Verklärung ihres Imperialismus in ein großangelegtes Gemeinschaftswerk, während sie bei Mißerfolg ihrer global getriebenen Kredit-Geschäftemacherei, den tadelnden Zeigefinger auf die weniger potenten Staaten/Gewaltmonopole/Geschäftetreiber und ihrer Manövriermassen des Volkes richten.
    Denn dass auf der Konkurrenzebene der Ökonomie Gewinner und Verlierer produziert werden (ihr Bewußt-Werden durch die Politik), zeigt doch schon (was Europa angeht) das Konstruktionswerk der Maastricht-Kriterien, wie auch die zugleich institionell verankerte, lockere Handhabung, der auf dieser Zwecksetzung beruhenden, Erfüllungskriterien. Überrascht werden sie deswegen also nicht gewesen sein, a) dass Gewinner- und Verliererstaaten entstehen b) dass Verliererstaaten in einem Verliererstrudel durch übermäßige Verschuldung geraten, der die paneuropäische Gemeinschaftswährung Euro ernsthaft in Mißkredit bringen könnte.
    Wer in die kapitalistische Konkurrenz um Marktanteile eintritt, tritt allerdings in die Erwartung in ihr, dann doch mal zu den Gewinnern zählen zu können. Nur die endgültige Niederlage zwingt zum Umdenken gegen großangelegte „Gemeinschaftswerke“, wie einige lateinamerikanische Staaten gezeigt haben.

  7. Nur die endgültige Niederlage zwingt zum Umdenken gegen großangelegte „Gemeinschaftswerke“, wie einige lateinamerikanische Staaten gezeigt haben.
    So endgültig sind derlei Niederlagen nie, dass das ‘Umdenken’ nicht stets auf Widerstände träfe, welche danach trachteten, die tradierten (ökonomischen) Methoden beizubehalten, gerade weil der Sieg innerhalb der Konkurrenz nach wie vor als erstrebenswert gilt, und daher jeder Crash als quasi der Natur der Sache selber entsprechend angesehen wird; schon Marx hat das im Manifest quasi kritisch gewürdigt:

    Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose “bare Zahlung”. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt.

    Im Übrigen sollte man nicht vergessen, dass die EU inkl. der Maastrich-Kriterien eine direkte Folge der deutschen ‘Wieder’vereinigung war/ist, resp. den EG-‘Partnern’ die Furcht davor nehmen soll(te), die Deutschen könnten ökonomisch bewerkstelligen, was ihnen militärisch im 20. Jahrhundert zwei Mal misslngen war.
    Auch daran lässt sich erkennen, dass die Vorstellung, es handele sich um nationale oder supranationale ‘Gemeinschaftswerke’ nur den wirklichen Zusammenhang verschleiert, dass nämlich ökonomisch Klassen miteinander im Clinch liegen und eben dieser die Form ihres gesellschaftlichen Auf-einander-angewiesen-seins ist.

  8. @ Samson

    Im Übrigen sollte man nicht vergessen, dass die EU inkl. der Maastrich-Kriterien eine direkte Folge der deutschen ‘Wieder’vereinigung war/ist, resp. den EG-‘Partnern’ die Furcht davor nehmen soll(te), die Deutschen könnten ökonomisch bewerkstelligen, was ihnen militärisch im 20. Jahrhundert zwei Mal misslungen war.

    Versteh ich nicht was du meinst. Die Konkurrenz um Marktanteile am Weltmarkt war doch nicht erst dass Produkt der (deutschen) Wiedervereinigung, aber abgesehen davon war doch Deutschland schon vor der Wiedervereinigung eine ernstzunehmende Macht gewesen. Und gerade diese (die Konkurrenz um Marktanteile am Weltmarkt) ist doch ohne eine, im europäischen Maßstab, aufeinander abgestimmte (wenn auch in unterschiedlichen Regulationsformen, und nationalen Politikstilen austarierte) Geld, Wirtschafts-, Sozial- und Haushaltspolitik nicht zu haben (EU-Projekt, die EG gab es schon früher).
    Dass die zivilisierte Form der direkten Konkurrenzaustragung innerhalb der EU (Einbindung der “Partner” in “gemeinsame” Konkurrenzprojekte gegen Dritte) allerdings beruhigender auf die EU-“Partner” wirken könnte als Krieg ist nicht zu unterschätzen (von daher auch Kohls´ Beunruhigung gegen Merkels Muskelspiele gegen „Schuldensühner“, anläßlich Konkurrenzdiktate der deutschen Regierung gegen sogenannte „EU-Partner“, zu verstehen. Der mußte ja über jahrzehntelange Bemühungen seine EG/EWG-Partner für ein solches “Geminschaftswerk” erst begeistern, vor dem Hintergrund dass Deutschkland nicht “neue” Großmachtambitionen, gar innerhalb Europas, pflegen möchte).

    Auch daran lässt sich erkennen, dass die Vorstellung, es handele sich um nationale oder supranationale ‚Gemeinschaftswerke‘ nur den wirklichen Zusammenhang verschleiert, dass nämlich ökonomisch Klassen…

    Nicht nur Klassen, sondern ganzer nationale Zusammenhänge. Und hier wirkt sogar die vorherrschende, neoliberale Strategie Deutschlands (Sparen um jeden Preis) nach.

  9. @ Samson

    So endgültig sind derlei Niederlagen nie, dass das ‚Umdenken‘ nicht stets auf Widerstände träfe, welche danach trachteten, die tradierten (ökonomischen) Methoden beizubehalten, gerade weil der Sieg innerhalb der Konkurrenz nach wie vor als erstrebenswert gilt, …

    Sag dass doch mal Argentinien, oder in zunehmender Art und Weise, Griechenland. Der (drohende) Staatsbankrott wirkt hier schon als bittere Pille, auch gegen forcierte Beitrittsambitionen, gegenüber sogenannte “Gemeinschaftsunionen”. Das Gegenbeispiel Mexiko (Südamerika) existiert bloß (oder wegen) des engen ökonomischen Beziehungsgepflechts dieses Staates zu Washington (Exportwalze der Amis), während Brasilien die Rolle eines polit-ökonomischen Gleichgewichts in Südamerika übernehmen könnte (wegen Wachstumserwartungen). Und alle (bzw. eine große Anzahl) lateinamerikanischer Staaten solidarisieren sich gegen die politökonomisch drohenden Expansionsbestrebungen der USA.
    Und was Europas “Ostflanke” angeht, gilt wohl die Maxime der Expansionsstrategen “je gößer, je doller”. Der Imperialismus ist, auch aus geographischer Sicht betrachtet, eine Expansionsfrage.

  10. Versteh ich nicht was du meinst. Die Konkurrenz um Marktanteile am Weltmarkt war doch nicht erst dass Produkt der (deutschen) Wiedervereinigung, aber abgesehen davon war doch Deutschland schon vor der Wiedervereinigung eine ernstzunehmende Macht gewesen.

    1) ist der ‘Weltmarkt’ selber Folge der Kapitalbewegung, 2) tendiert Kapital trotz aller Konkurrenz zum Monopol, weswegen Marx bspw. in bezug auf den gesellschaftlichen Charakter der (arbeitsteiligen) Produktion nicht von ungefähr vom Schein der Konkurrenz schrieb.
    Weshalb daher diese Konkurrenz, wenn sie denn wer (warum auch immer) für das ‘Nonplusultra’ von ‘Wirtschaft’, also quasi deren Natur hält, folglich Sieg und Niederlage von vornherein für unvermeidlich ansieht, weshalb also derlei Veranstaltung organisiert werden müsste, wüsste ich nicht zu sagen. Man kann vielleicht sagen resp. beschreiben, was von wem organisert wird, also auf dessen Absichten reflektieren und ggf. darüber ‘räsonnieren’, warum das regelmäßig ‘schief’ geht i.d.S. etwa, dass die Zahl der Verarmten als Folge solchen ‘Wirtschaften’ beständig zunimmt und sich quasi ‘reziprok dynamisch’ zur Zahl der Wohlhabenden verhält. Und zwar durchaus ‘grenzübergreifend’.
    Man könnte sogar noch weiter ausholen und sagen, der Inhalt von EG-Geld, Wirtschafts-, Sozial- und Haushaltspolitik war vor der Selbstaufgabe des Ostblocks durch zwei wesentliche Kriterien bestimmt: 1) die Bedingungen fürs profitable Geschäftemachen einzurichten, 2) die Leute davon abzuhalten, diese Bedingungen statt grundsätzlich Frage zu stellen als quasi unvermeidlich anzusehen und sich deswegen quasi ‘von selber’ darin einrichten zu wollen. Kriege sind so gesehen bloßes Mittel von 1). Diesbezüglich ‘Zurückhaltung’ während des ‘Kalten Krieges’ speiste sich gerade nicht aus ‘friedlichen Absichten’ sondern aus der begründeten Überlegung, dass ein Krieg gegen die Rote Armee nicht nur nicht zu gewinnen war, sondern sehr wahrscheinlich den eigenen Untergang bedeutet hätte.
    Insofern ist die ‘Kritik’ des Dicken aus der Pfalz an seiner Nachfolgerin nicht mehr als Schaumschlägerei, die Gürtel-enger-schnallen- resp. Ende-des-Wohlfahrtsstaates-Parolen stammen ursprünglich aus seiner eigenen Agitprop-Abteilung.

    Nicht nur Klassen, sondern ganzer nationale Zusammenhänge. Und hier wirkt sogar die vorherrschende, neoliberale Strategie Deutschlands (Sparen um jeden Preis) nach.

    Wie schon erwähnt, die ‘nationalen Zusammenhänge’ sind (wenn man vom ursprünglichen Nationenbegriff absieht) nicht mehr als die Verschleierung des wirklichen Zusammenhangs, der durch Eigentumsverhältnisse an den Mitteln grundsätzlich gesellschaftlicher Produktion charakterisiert ist. Daran ändern unterschiedliche Währungen sowenig wie meinetwegen länderübergreifender ‘Streubesitz’ von Aktien. Dass demgegenüber inzwischen Ausbeuter und Ausgebeutete sich mehrheitlich einbilden, irgendwelchen quasi ‘naturwüchsigen nationalen Kollektiven’ anzugehören, die ihrerseits alle möglichen Gründe hätten, gegeneinander zu konkurrieren, verdankt sich einerseits, wie nahezu alle Einbildung, erfolgreicher Agitprop, widerspricht andererseits den objektiven Gegebenheiten. Und genau deswegen folgt, solange Wirtschaft eine Veranstaltung ist, in der es um ‘Marktanteile’ geht, eine Krise der vorangegangenen und die ‘Experten’ üben sich in mehr oder weniger erfolgreichen ‘Bewältigungsszenarien’.
    Btw, paar Südamerikaner machen zwar prinzipiell nicht anderes, stellen indes bezüglich Geld, Wirtschafts-, Sozial- und Haushaltspolitik unter andere Kriterien. Ob das was ändert (vor allem im Denken der Leute), wird man wohl abwarten müssen.

  11. @ Samson

    Wie schon erwähnt, die ‚nationalen Zusammenhänge‘ sind (wenn man vom ursprünglichen Nationenbegriff absieht) nicht mehr als die Verschleierung des wirklichen Zusammenhangs, der durch Eigentumsverhältnisse an den Mitteln grundsätzlich gesellschaftlicher Produktion charakterisiert ist.

    Hab ich auch nichts anderes behauptet. Andererseits läßt sich, trotz der Verschleierung des wirklichen Zusammenhangs, der durch Eigentumsverhältnisse an den Mitteln grundsätzlich gesellschaftlicher Produktion charakterisiert ist (Marx schrieb deswegen das Fetisch-Kapitel im “Kapital”), und auf Grundlage eines falschen Bewußtseins über diese, um die kollektiv abstrakte Verfügung über Reichtumsvoraussetzungen international gegeneinander konkurrieren (wegen grundsätzlich gesellschaftlicher Produktion in Eigentumsverhältnissen, in einem gewaltmonopolierten Ausschluß über Gewaltrepräsentanz, den Staatsouverän, kulminierend).
    Die Konkurrenz ist deswegen auch nicht bloß Schein, sondern sie wird durch Eigentumsverhältnisse an den Mitteln grundsätzlich gesellschaftlicher Produktion, durch die Subjekte diese staatlich geschützten Eigentumsordnung, im gegensätzlichen Bezug aufeinander nämlich, hervorgebracht.

  12. Die Konkurrenz ist deswegen auch nicht bloß Schein …

    Analytisch betrachtet schon, und zwar insofern einerseits alle Produktion für den Markt als eben gesellschaftliche vorausgesetzt und der Markt als der Ort bestimmt ist, an dem sich der Zweck der Produktion realisiert (oder eben nicht). Der gesellschaftliche Zusammenhang der Individuen besteht daher schon vor der Produktion, ist aber im Produkt selber unterschlagen, insofern dieses als Resultat privater Produktion erscheint.
    Andererseits, unterstellt die Produktion sei kapitalistisch, stammen alle Elemente der Produktion selber vom Markt, sind folglich als Resultate gesellschaftlicher Produktion vorausgesetzt.
    Das falsche Bewusstsein rührt wesentlich aus dem Umstand, dass sich nicht bloß der Zusammenhang der Individuen anders als in früheren Epochen nahezu ausschließlich vermittelt über Geld darstellt, sondern praktisch die individuelle Existenz als quasi abhängige Variable des Gelderwerbs erscheint. Obwohl Produkte zur Bedürfnisbefriedigung ohne Rücksicht auf tatsächlichen Bedarf engros produziert werden und/oder zuhauf bereits existieren, geht man vor die Hunde, wenn einem das Geld fehlt, sie in seinen Besitz zu bringen. (Und sie anders in Besitz zu nehmen, ist halt verboten)

  13. Wie schon erwähnt, die ‚nationalen Zusammenhänge‘ sind … nicht mehr als die Verschleierung des wirklichen Zusammenhangs, der durch Eigentumsverhältnisse an den Mitteln grundsätzlich gesellschaftlicher Produktion charakterisiert ist.

    Kann mich dem nicht anschließen. Der „nationale“ bzw. staatliche „Zusammenhang“ schafft doch erst einmal die Grundlage, indem die übergeordnete Gewalt das Eigentum einrichtet bzw. garantiert. Also von wegen „verschleiern“!

  14. @ Nestor

    Kann mich dem nicht anschließen. Der „nationale“ bzw. staatliche „Zusammenhang“ schafft doch erst einmal die Grundlage, indem die übergeordnete Gewalt das Eigentum einrichtet bzw. garantiert.

    Ja was denn nun, Nestor, geht es hier um “den nationalen Zusammenhang” oder den “staatlichen Zusammenhang”. Ein Zusammenhang bildet Verhältnisse ab, du dagegen bildest bloß wieder einen Staatsleviathan ab (setzt ihn voraus), der von dir als Macher vorstellig wird.

  15. Der „nationale“ bzw. staatliche „Zusammenhang“ schafft doch erst einmal die Grundlage, indem die übergeordnete Gewalt das Eigentum einrichtet bzw. garantiert. Also von wegen „verschleiern“!

    Die Debatte darüber, wer was einrichtet, geht doch schon bei Neoprene ergebnislos.
    Davon unberührt ist freilich, dass sich der materielle Inhalt von Eigentum stets gesellschaftlicher Produktion verdankt, und zwar insofern diese ausdrücklich als kapitalistische daherkommt, was sich eben gesellschaftlich als Prinzip G-G’ darstellt. Entspräche Eigentum quasi der Natur der Produktion, brauchte es keine “übergeordnete Gewalt” um dieses einzurichten bzw. zu garantieren. Anderfalls ‘verschleiert’ eben die Produktion durch Privateigentümer den gesellschaftlichen Charakter von deren Produktion resp. deren Aufeinander-angewiesen-sein.

  16. @star wars

    Sag dass doch mal Argentinien, oder in zunehmender Art und Weise, Griechenland. Der (drohende) Staatsbankrott wirkt hier schon als bittere Pille, auch gegen forcierte Beitrittsambitionen, gegenüber sogenannte „Gemeinschaftsunionen“.

    Die Argentinier als Staat haben’s ja schon hinter sich. Die Frage ist halt immer, wer die Suppe wirklich ‘auslöffelt’, i.e. für wen die ‘Sparmaßnahmen’ den Ruin bedeuten und wer davon profitiert. Der Staatsbankrott bedeutet ja nicht, dass die keine Schulden mehr bedienen täten. Umgekehrt, die ‘Rettungsschirme’ gibts doch überhaupt nur, damit die Gläubiger nicht auf ihren Forderungen sitzen bleiben und der ganze Schwindel, die ‘Realwirtschaft’ sei abhängig von ‘Finanzmärkten’, auffliegt. Was an Staatsausgaben gestrichen wird, ist ohnehin, gesellschaftlich betrachtet, Teil des variablen Kapitals, gleichgültig ob es konkret Staatsbedienstete oder ‘normale’ Lohnarbeiter trifft. Gleiches gilt für allen übrigen ‘Sozialklimbim’. Umgekehrt erhöhen sich die Staatsausgaben eben nicht bloß in Form ‘Rettungsschrimen’ sondern in allen möglichen Formen von ‘Investitionszuschüssen’ etc. (Wal Buchenberg hat vor Jahren mal ausgerechnet, dass bpsw. das deutsche Baugewerbe zu ca. zwei Dritteln von Staatsaufträgen lebt). Blöd halt nur, wenn als Geldgeber für die Staatsausgaben dieselben ‘Finanzmärkte’ in Frage kommen, die schon Gläubiger unbezahlter Rechnungen sind. Dann heißt deren ‘Rezept’ regelmäßig, ‘Sozialklimbim’ abschaffen und ‘wettbewerbsfähig’ werden.
    Der Haken an der ganzen Geschichte ist eben, was eine ‘Volkswirtschaft’, meinetwegen gemessen an sowas krudem wie dem BSP, ‘wettbewerbsfähig‘ macht, nämlich die Steigerung der Produktivität, senkt tendenziell die Profitrate. Das interessiert indes Kapitalisten sowenig wie deren politische Funktionäre. Denn denen geht es im ‘Wettbewerb’ stets nur um die Profitmasse. Die aber kann zunehmen, obwohl erstere gleichzeitig sinkt.

    Der Imperialismus ist, auch aus geographischer Sicht betrachtet, eine Expansionsfrage.

    Kein Widerspruch. Der Witz ist halt, ökonomisch macht die Expansion aus der Perspektive der Imperialisten selber nur ‘Sinn’, wenn sich dadurch der Anteil des variablen Teils am Gesamtkapital verringern lässt, resp. wenn bspw. ‘Demokratie-Export’ primär in Erweiterung des Arbeitskraftmarktes resultiert. Strategisches Mittel ist eben, analytisch gesehen, die formale Vergrößerung der ‘globalen Reservearmee’, was ähnliche ‘Maßnahmen’ inkludiert wie zu Zeiten der sogenannten ursprüngliche Akkumulation.
    Wie jeder Markt funktioniert indes auch der Arbeitskraftmarkt nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Sinkt bspw. die Nachfrage, weil die Produktivität gestiegen ist, so sinkt zwangsläufig, gesellschaftlich betrachtet, der Wert der Arbeitskraft. I.d.R. drückt sich dass so aus, dass 1) Leute entlassen oder zu einem geringeren Lohn beschäftigt werden, 2) ‘natinalökonomisch’ gesehen die ‘Kaufkraft’ sinkt, 3) analytisch betrachtet der Wert des konstanten Kapitals mindestens in Abteilung II (Lebensmittel etc.) ebenso sinkt, was 4) Rückwirkungen auf konstantes Kapital in Abteilung I (Produktionsmittel) hat und daher 5) auch auf das GeldKapital (‘Finanzmärkte’). Kreditfinanzierter Konsum ist nach innen ebenso eine Methode, diese Wechselwirkung quasi zu verzögern, wie Imperialismus nach außen.
    Die Frage ist halt, wie lange derlei Veranstaltung machbar ist, ohne dass die ‘globale Reservearmee’ sich zur Wehr setzt.

  17. Anderfalls ‚verschleiert‘ eben die Produktion durch Privateigentümer den gesellschaftlichen Charakter von deren Produktion resp. deren Aufeinander-angewiesen-sein.

    Verschleiert wird hier gar nichts, und schon gar nicht der „gesellschaftliche“ Charakter des Kapitalverhältnisses. Der Umstand, daß die einen sich unbezahlte Arbeit der anderen aneignen, wird als eine Art Arbeitsteilung besprochen. Es ist ja in der Tat so, daß viele falsche Erklärungen im Umlauf sind, aber mit „verschleiern“ im Sinne von was verdecken, verstecken ist das m.E. nicht richtig wiedergegeben.

  18. Du ‘verschleierst’ selber mehr als du denkst.

    Der Umstand, daß die einen sich unbezahlte Arbeit der anderen aneignen, wird als eine Art Arbeitsteilung besprochen.

    Und genau das ist halt Quatsch, deswegen lässt du auch den Umstand nebulös und heraus kommt bloß “eine Art Arbeitsteilung”, also keine wirkliche. Kein Lohnabhängiger, der auf seiner individuellen Unabhängigkeit besteht, würde sich darauf einlassen, unbezahlt zu arbeiten, dann wäre er nämlich nichtmal formal unabhängig. Ist Arbeitskraft dagegen Ware wie jede andere, dann wird die entweder auf den Markt zu ihremWert verkauft oder es ist kein Markt. Und Wert ist nunmal nix, was Käufer oder Verkäufer von Waren direkt bestimmen können. Bestenfalls können sie einen Preis aushandeln. Aber selbst wenn der nicht dem Wert der Ware Arbeitskraft entspricht, kann nicht umstandslos davon sprechen, Arbeit werde unbezahlt verrichtet.
    Von wirklicher Arbeitsteilung lässt sich nur analytisch in Bezug auf ein Gesamtprodukt reden. Dessen Existenz ist indes solange Ideologie oder Wahn wie es allenfalls statistisch als Summe von Warenwerten bestimmbar ist. Weil diese Werte aber nur den Sinn haben, gegeneinander getauscht zu werden, braucht die Nationalökonomie auch eine ‘doppelte Buchrechnung’, die strenggenommen nur dann ‘funktional richtig’ ist, wenn sie sich als ‘Nullsummenspiel’ erweist.

  19. @ Samson

    Was an Staatsausgaben gestrichen wird, ist ohnehin, gesellschaftlich betrachtet, Teil des variablen Kapitals, gleichgültig ob es konkret Staatsbedienstete oder ‚normale‘ Lohnarbeiter trifft. Gleiches gilt für allen übrigen ‚Sozialklimbim‘.

    Sozialversicherungsbeiträge bzw. Steuerausgaben sind doch nicht Teil des variablen Kapitals. Variables Kapital ist doch nur der Lohnanteil (Netto), den der Kapitalist dem Lohnarbeiter monatlich abgibt. Was der (Sozial-)Staat alles abzwackt ist, von der Logik des Profitstrebens der Kapitalisten aus betrachtet, unproduktive Kost, die Arbeiterklasse im Einzelnen (Arbeiter), und im Allgemeinen, immer selbst in und über Tarifauseinanadersetzungen selbst ausbaden, also zusätzlich zum Netto-Lohntarifkampf, für die Solidarität der Arbeiterklasse untereinander, noch berücksichtigen müssen.
    Diese (zusätzliche) Verantwortungslast durch die (organisierten) Interessenvertretungen wirft ihnen also beständig zusätzliche Knüppel zwischen den Füßen, und schwächt systematisch die Position der Interessenvertretungen der Arbeiter(-klasse), in Tarifauseinandersetzungen mit den jeweiligen Arbeitgeberverbänden.

    Das interessiert indes Kapitalisten sowenig wie deren politische Funktionäre. Denn denen geht es im ‚Wettbewerb‘ stets nur um die Profitmasse.

    Es interessiert schon auch noch die allgemeine Durchschnittsprofitrate. Gemessen im Vergleich mit der durchschnittlich organischen Zusammensetzung der nationalen Gesamtkapitale eröffnen sich a) immer wieder neue, durch den Fall der Duchschnittsprofitrate sich anbietenden, Geschäftsfelder (Technologiesprünge, Konsumtionsmittel- und Produktionsmittelindustrie, Dienstleistungen) an denen sich ein Investitionsstandort über Markterschließung beteiligen möchte und b) gerade wegen a) interessiert dann doch schon der Vergleich nationaler Durchschnittsprofitraten untereinander. Gerade Deutschland, um dieses naheliegende Beispiel zu nennen, war im Vergleich zu USA, GB, Niedriglohnparadiese dazu gezwungen a) dem Fall der allgemeinen Durchschnittsprofitrate durch (politisch wirksame) Maßnahmen entgegenwirken zu können (z.B. Erweiterung bzw. Expansionsbestrebungen im Niedriglohnsektor) b) um eine agressive Exportoffensive gegen unliebsame politische Konkurrenten (weiterhin), im politischen Gegensatz zu anderen Gewaltrepräsentanten (nationaler) Gesamtkapitale, also sich im politischen und ökonomischen Standortwettbewerb, durchsetzen zu können.

  20. @star wars

    Sozialversicherungsbeiträge bzw. Steuerausgaben sind doch nicht Teil des variablen Kapitals. Variables Kapital ist doch nur der Lohnanteil (Netto), den der Kapitalist dem Lohnarbeiter monatlich abgibt.

    Widerspruch.
    Sozialversicherung ist was anderes als Steuer, also nicht„ bzw.“. Diese Beiträge werden doch vom Staat deshalb eingehoben, weil sie für den Erhalt der Arbeiterklasse als notwendig erachtet werden/wurden. Sie sind also Lohnanteil, den der Staat verwaltet, um die Verfügbarkeit der Ware Arbeitskraft zu gewährleisten.
    Der Beschluß der Schröder-Regierung, die herabzusetzen, ist gleichbedeutend mit dem Beschluß, klein v zu verbilligen, damit sich die Ausbeutung richtig lohnt!

  21. @ Nestor

    Diese Beiträge werden doch vom Staat deshalb eingehoben, weil sie für den Erhalt der Arbeiterklasse als notwendig erachtet werden/wurden. Sie sind also Lohnanteil,…

    Sie sind doch gerade deshalb kein Lohnanteil sondern Abzug vom Lohn. Die Reproduktionskosten der Arbeiterklasse als (ständig verfügbare) Manövrieklasse des Kapitals sind zwar notwendige, aber für dass Kapital tote Kosten, die deswegen beständig auf ein Minimum herabgesenkt werden müssen. Und genau deswegen muß die Lohnsumme dafür gerade stehen, um die Verantwortungslast auf die Arbeiterklasse abwälzen zu können.

  22. Wenn sie vom Lohn abgezogen werden – was ja tatsächlich so ist – so müssen sie Bestandteil des Lohnes sein, weil sonst könnte man sie ja nicht abziehen. Also sind sie Teil von klein v und nicht von c und auch nicht von m.

  23. Ich meine sie sind keines von dreien, aber darüber läßt sich noch trefflich darüber streiten. Vielleicht frage ich mal beim Forum von Wal Buchenberg nach, der weiss meistens über solche Sachen recht gut Bescheid.

  24. Variables Kapital ist doch nur der Lohnanteil (Netto), den der Kapitalist dem Lohnarbeiter monatlich abgibt.

    Streng genommen ist das grober Unfug (jedenfalls wenn man die Marxsche Theorie als wissenschaftliche Erklärung ranzieht). Lohn ist überhaupt kein Kapital sondern, in Geld ausgedrückt der Wert der Ware Arbeitskraft, die der Kapitalist dem Arbeiter resp. die Kapitalistenklasse der Arbeiterklasse abkauft. Diese Arbeitskraft macht folglich einen Eigentümerwechsel durch und fungiert danach, resp. während der gesamten Arbeitszeit ebenso wie alle anderen Kapitalelemente gemäß den Zwecken der Kapitalisten. Variabel ist dieser Kapitalteil auch keineswegs, weil der Lohn Gegenstand von Tarifverhandlungen ist, sondern weil der Wert der Arbeitskraft, der sich im Lohn ausdrückt, zwar Teil des analytisch gesehen vorgeschossenen Kapitals ist, die Arbeitskraft selber indes mehr Wert zu produzieren imstande ist, als sie selber darstellt. Marx selber hat das so beschrieben:

    Was überhaupt an den Produktionsmitteln verzehrt wird, ist ihr Gebrauchswert, durch dessen Konsumtion die Arbeit Produkte bildet. Ihr Wert wird in der Tat nicht konsumiert, kann also auch nicht reproduziert werden. Er wird erhalten, aber nicht weil eine Operation mit ihm selbst im Arbeitsprozeß vorgeht, sondern weil der Gebrauchswert, worin er ursprünglich existiert, zwar verschwindet, aber nur in einem andren Gebrauchswert verschwindet. Der Wert der Produktionsmittel erscheint daher wieder im Wert des Produkts, aber er wird, genau gesprochen, nicht reproduziert. Was produziert wird, ist der neue Gebrauchswert, worin der alte Tauschwert wieder erscheint.
    Anders mit dem subjektiven Faktor des Arbeitsprozesses, der sich betätigenden Arbeitskraft. Während die Arbeit durch ihre zweckmäßige Form den Wert der Produktionsmittel auf das Produkt überträgt und erhält, bildet jedes Moment ihrer Bewegung zusätzlichen Wert, Neuwert. Gesetzt, der Produktionsprozeß breche ab beim Punkt, wo der Arbeiter ein Äquivalent für den Wert seiner eignen Arbeitskraft produziert, durch sechsstündige Arbeit z.B. einen Wert von 3 sh. zugesetzt hat. Dieser Wert bildet den Überschuß des Produktenwerts über seine dem Wert der Produktionsmittel geschuldeten Bestandteile. Er ist der einzige Originalwert, der innerhalb dieses Prozesses entstand, der einzige Wertteil des Produkts, der durch den Prozeß selbst produziert ist. Allerdings ersetzt er nur das vom Kapitalisten beim Kauf der Arbeitskraft vorgeschoßne, vom Arbeiter selbst in Lebensmitteln verausgabte Geld. Mit Bezug auf die verausgabten 3 sh. erscheint der Neuwert von 3 sh. nur als Reproduktion. Aber er ist wirklich reproduziert, nicht nur scheinbar, wie der Wert der Produktionsmittel. Der Ersatz eines Werts durch den andren ist hier vermittelt durch neue Wertschöpfung.
    Wir wissen jedoch bereits, daß der Arbeitsprozeß über den Punkt hinaus fortdauert, wo ein bloßes Äquivalent für den Wert der Arbeitskraft reproduziert und dem Arbeitsgegenstand zugesetzt wäre. Statt der 6 Stunden, die hierzu genügen, währt der Prozeß z.B. 12 Stunden. Durch die Betätigung der Arbeitskraft wird also nicht nur ihr eigner Wert reproduziert, sondern ein überschüssiger Wert produziert. Dieser Mehrwert bildet den Überschuß des Produktenwerts über den Wert der verzehrten Produktbildner, d.h. der Produktionsmittel und der Arbeitskraft.
    Indem wir die verschiednen Rollen dargestellt, welche die verschiednen Faktoren des Arbeitsprozesses in der Bildung des Produktenwerts spielen, haben wir in der Tat die Funktionen der verschiednen Bestandteile des Kapitals in seinem eignen Verwertungsprozeß charakterisiert. Der Überschuß des Gesamtwerts des Produkts über die Wertsumme seiner Bildungselemente ist der Überschuß des verwerteten Kapitals über den ursprünglich vorgeschoßnen Kapitalwert. Produktionsmittel auf der einen Seite, Arbeitskraft auf der andren sind nur die verschiednen Existenzformen, die der ursprüngliche Kapitalwert annahm bei Abstreifung seiner Geldform und seiner Verwandlung in die Faktoren des Arbeitsprozesses.
    Der Teil des Kapitals also, der sich in Produktionsmittel, d.h. in Rohmaterial, Hilfsstoffe und Arbeitsmittel umsetzt, verändert seine Wertgröße nicht im Produktionsprozeß. Ich nenne ihn daher konstanten Kapitalteil, oder kürzer: konstantes Kapital.
    Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals verändert dagegen seinen Wert im Produktionsprozeß. Er reproduziert sein eignes Äquivalent und einen Überschuß darüber, Mehrwert, der selbst wechseln, größer oder kleiner sein kann. Aus einer konstanten Größe verwandelt sich dieser Teil des Kapitals fortwährend in eine variable. Ich nenne ihn daher variablen Kapitalteil, oder kürzer: variables Kapital. Dieselben Kapitalbestandteile, die sich vom Standpunkt des Arbeitsprozesses als objektive und subjektive Faktoren, als Produktionsmittel und Arbeitskraft unterscheiden, unterscheiden sich vom Standpunkt des Verwertungsprozesses als konstantes Kapital und variables Kapital.

    Es interessiert schon auch noch die allgemeine Durchschnittsprofitrate.

    Noch nicht mal alle, die sich als Systemkritiker verstanden wissen wollen und sich auf Marx berufen, halten den tendenziellen Profitratenfall für tatsächlich nachweisbar. Die Kapitalisten selber dagegen halten höchstens ihren eigenen Profit für relevant. Um den zu steigern kennen die nur ein einziges Mittel: Vergrößerung ihres ‘Marktanteils’, also ausdrücklich durch Verdrängen von Konkurrenz. Das wiederum funktioniert, eben weil Markt, i.d.R. nur, in dem sie ihre eigene Produktivität steigern und dadurch in der Lage sind, billiger anzubieten. Die Steigerung der Produktivität macht aber nur dann ‘Sinn’, wenn bezogen aufs Einzelprodukt Arbeitsstunden eingespart werden, was bei vertraglich fixierter Arbeitszeit bedeutet entweder mit weniger Arbeitern dieselbe Produktmenge zu fabrizieren oder mit denselben Arbeitern mehr Produkte. Wie sich derlei aufs jeweilige vorgeschossene Kapital auswirkt, hängt eben vom Markt ab. In jedem Fall verändert sich das Verhältnis zwischen konstantem und variablem Kapital dergestalt, dass ersteres sich vergrößert, was indes nicht zwingend größeren oder kleineren Profit bedeutet (obwohl ersteres der Zweck ist).
    Auf eine allgemeine Durchschnittsprofitrate wirkt sich das nur aus, wenn ganze Branchen resp. ‘Volkswirtschaften’ sukzessive solche Produktivitätssteigerungen durchmachen (wie bspw. im frühen 20. Jahrhundert Fließbandarbeit, im späten Automatisierung durch Elektronik).
    Wie ‘Standortpolitiker’ damit in wessen Auftrag ‘umgehen’, ist nochmal eine andere Frage. Was die Lohnempfänger angeht, die i.d.R. froh sind, überhaupt für irgendeinen Job bezahlt zu werden, hat Jürgen Kuczynski die Angelegenheit mal so bestimmt:

    Worauf es ankommt, das ist das Verhältnis zwischen Produktion und Produktivität. Steigt die Produktion wie von 1790 bis 1990 im allgemeinen schneller als die Produktivität, dann werden im Laufe der Zeit immer mehr Menschen beschäftigt. Steigt die Produktivität schneller als die Produktion, wie Jahr für Jahr seit 1990, dann steigt die Arbeitslosigkeit von Jahr zu Jahr, ganz gleich, wie sich die Produktion entwickelt.

    Anders gesagt, was die Schröder-Regierung gemacht hat, war zwar so nicht prognostizierbar, aber dass dergleichen zum ‘Instrumentarium’ kaptalistischer Administration gehört, war Marx im Gegensatz zu heutigen Gewerkschaftsbonzen schon bewusst:

    II. Herunterdrücken des Arbeitslohns unter seinen Wert
    Dies wird hier nur empirisch angeführt, da es in der Tat, wie manches andre, was hier aufzuführen wäre, mit der allgemeinen Analyse des Kapitals nichts zu tun hat, sondern in die, in diesem Werk nicht behandelte, Darstellung der Konkurrenz gehört. Doch ist es eine der bedeutendsten Ursachen, die die Tendenz zum Fall der Profitrate aufhalten.

    Der Grund, weshalb derlei nicht in die allgemeine Analyse des Kapitals gehört ist offensichtlich der, dass solches Herunterdrücken eben wirklicher Klassenkampf ist, den man aber geradezu ad absurdum führt, wenn man sich mit ‘Arbeitgebern’ in einem Boot sitzend o.s.ä. glaubt. Nur ist das halt Politik resp Interessenvertretung und keine Analyse mehr.

  25. Alles sehr schön, aber die Frage, ob die Sozialversicherungsbeiträge jetzt Teil von v sind oder nicht, ist nicht geklärt.
    Wenn du eingangs sagst, Lohn sei kein Kapital, stellst du eigentlich den Begriff von v in Frage und damit Marx ganze Theorie.

  26. … die Frage, ob die Sozialversicherungsbeiträge jetzt Teil von v sind oder nicht, ist nicht geklärt.

    Als, analytisch gesehen, vorgeschossenes Kapital sind sie es zweifellos, selbst die ‘Nationalökonomie’ bezeichnet sie als ‘Lohnnebenkosten‘. Und wie oben zitiert, wird im Produktionsprozess der Wert des konstanten Kapitals aufs Produkt zwar sukzessive übertragen, aber nicht verändert, wirklich produziert resp. reproduziert dagegen variables + Mehrwert. Derlei Bestimmung bezieht sich aber stets auf Kapital als gesellschaftliches Verhältnis, was bspw. den Staat als besonderes Subjekt desselben ausschließt.

    Wenn du eingangs sagst, Lohn sei kein Kapital, stellst du eigentlich den Begriff von v in Frage und damit Marx ganze Theorie.

    Marx schreibt selber irgendwo gegen Ende des ersten Bands (ich find’s jetzt nicht auf die Schnelle), da, wo die Arbeit wertbildend ist, also im Produktionsprozess, ist sie keine Lohnarbeit, eben weil Wert Angelegenheit des Kapitals ist, strenggenommen das Kapital die Arbeit verrichtet. Das ist etwa so, wie wenn du einen Hammer benutzt, um einen Nagel in die Wand zu schlagen. Dann sagst du hinterher auch nicht, es wäre der Hammer gewesen, obwohl du den benutzt hast.

  27. @ Samson

    Lohn ist überhaupt kein Kapital sondern, in Geld ausgedrückt der Wert der Ware Arbeitskraft, die der Kapitalist dem Arbeiter resp. die Kapitalistenklasse der Arbeiterklasse abkauft.

    Lohn erscheint als die in Geld ausgelegte Ausdrucksform des Wertes der Ware Arbeitskraft, sie oszilliert allerdings am Arbeitsmarkt um ihren (wirklichen) Wert, und bekommt daher eine, um ihren Wert schwankende gesonderte Ausdrucksform, sozusagen einen „Preisschild“, verpaßt. (diese Preisform muss daher von Interessenvertetungen in Tarifauseinandersetzungen beständig neu ausgehandelt werden).
    Die ausbezahlte Lohnsumme durch den Kapitalisten muss also als Kapitalvorschuß, muss in ständiger Auszahlung von Löhnen und Gehältern, als variables Kapital, von ihm ausgelegt werden.
    Der Kapitalvorschuß teilt sich dementsprechend dann auf, in c (konstantes Kapital), v (variables Kapital), dessen Preisform an den Gütermärkten beständig um den Wert der Waren entlang oszillieren. Wobei die Arbeitskraft mehrwertbildend im Produktionsprozess des Kapitals fungieren soll (exklusive Aneignung des Mehrprodukts =>m).

    Noch nicht mal alle, die sich als Systemkritiker verstanden wissen wollen und sich auf Marx berufen, halten den tendenziellen Profitratenfall für tatsächlich nachweisbar.

    Doch natürlich ist er nachweisbar. Der Fall der Profitrate wird immer wieder statistisch dokumentiert, z.B. als “rate of profits” o.s.ä.. In der VWL ist der tedendezielle Fall der Profitrate bestens bekannt, empririsch nachgewiesen (Deutschland, USA usw.).

    Auf eine allgemeine Durchschnittsprofitrate wirkt sich das nur aus, wenn ganze Branchen resp. ‚Volkswirtschaften‘ sukzessive solche Produktivitätssteigerungen durchmachen (wie bspw. im frühen 20. Jahrhundert Fließbandarbeit, im späten Automatisierung durch Elektronik).

    Hast du schon mal was von Akkumulation, sowie der Reproduktion und Zirkulation des gesellschaftlichen Gesamtkapitals bei Marx gelesen? Nur eine Anmerkung, die Durchschnittsprofitraten unterscheiden sich von Gesamtkapital zu Gesamtkapital, weil die durchschnittliche organische Zusammensetzung der Kapitale sich voneinander systematisch unterscheiden (aus qualitativer, aber auch quantitativer Perspektive aus betrachtet). Volkswirtschaften wachsen, andere Volkswirtschaften müssen sich mit dem tendenziellen Fall ihrer Durchschnittsprofitraten rumschlagen, andere gehen unter. Dass ist keineswegs ein harmloser Prozess, sondern führt überhaupt zu den Staatenkonflikten, die immer wieder von einigen beklagt werden.
    Bevor der Ausgleich der Profitraten überhaupt stattfindet (manchmal gewaltsam ausgeführt, Krise), müssen sie sich voneinanader unterschieden haben können. Abgesehen davon verändert der kapitalistische Produktionsperozess, akkumulationshistorisch betrachtet, beständig seine äußerliche Physiognomie (Zunahme der Dienstleistungen, quantitative Zunahme der Kreditverpflechtungen zwischen den Staaten), was nicht nur die weitere Vertiefung der internationalen Arbeitsteilung zu Tage fördert.

  28. @Samson

    da, wo die Arbeit wertbildend ist, also im Produktionsprozess, ist sie keine Lohnarbeit, eben weil Wert Angelegenheit des Kapitals ist, strenggenommen das Kapital die Arbeit verrichtet.

    Das kanns irgendwie nicht sein. Ich vermute, du beziehst dich auf irgendwelche Bemerkungen im 22. oder 23. Kapitel. Da müßte man schon am Zitat selbst weitermachen, weil wenn du sagst, Marx behaupte, nicht die Lohnarbeit, sondern das Kapital schaffe den Wert, so ist das im Widerspruch zu allem, was ich aus dem Kapital herausgelesen habe – Marx zufolge schafft nur die Lohnarbeit Wert!
    Der Eingriff des Sozialstaates in das Klassenverhältnis ist eben bei Marx nicht untersucht, weil es ihn damals nicht gab – deshalb kommen wir hier nicht weiter mit dem Nachschlagen bei Marx. Es ist doch so: Der Staat sammelt Teile der Revenue beider Klassen ein, um den Erhalt der Arbeiterklasse zu gewährleisten.
    Aus der Tatsache, daß diese Sozialversicherungsbeiträge gekürzt wurden, kann man schließen,
    1. daß damit dem Unternehmerstandpunkt recht gegeben wird, der sie als Abzug von seinem Gewinn sieht,
    2. Daß dem Staat der Erhalt seiner Klasse entweder weniger wert ist (es gibt ja kein konkurrierendes System mehr, gegen das man punkten muß), und er meint, mit weniger Geld lassen sich die Ausgesteuerten auch bei der Stange halten (ist bis jetzt aufgegangen), und
    3. im Grunde der ganze Sozialstaat neu interpretiert wird.

  29. Lohn erscheint als die in Geld ausgelegte Ausdrucksform des Wertes der Ware Arbeitskraft …

    … das Kapital als gesellschaftlichen Produktionsprozess betrachtet, ja. Insofern ist es vorgeschossener Kapitalteil, obwohl die wirkliche ‘Auslage’ erst hinterher erfolgt.
    Während des Produktionprozesses ist die Arbeitskraft dagegen Kapitalteil wie jeder andere. Sie ist nicht variabel, weil ihr ein verhandelbares Preisschild ‘umgehängt’ wird. Dass Preise auf dem Markt um Werte ‘oszillieren’, trifft auf alle Waren gleichermaßen zu. Es ist das Charakteristikum des Markts, dass die Regulation der dort gehandelten Werte resp. deren Preisausdrücke sich durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage dergestalt erfolgt, dass ersteres letztere befriedigt. Diesen Markt als meinetwegen gesamtgesellschaftlichen Tauschplatz angesehen, also alle diesbezüglich notwendige Arbeit kapitalistisch organisiert (was praktisch nie der Fall ist), ergibt sich eine gesellschaftliche Durchschnittsprofitrate auf der Basis der durchschnittlichen ‘organischen’ Zusammensetzung der Kapitale. Gemessen daran wird das eine Kapital höheren oder niedrigeren Organisationsgrad aufweisen und folglich höhere oder niedrigere Preise verlangen. Ob dabei höherer oder niedrigerer Profit erzielt wird, ist eine ganz andere Frage. Weil der dem konstanten Kapitalteil zugesetzte, und also nicht bloß übertragene Wertteil ausschließlich von der Arbeitskraft produziert wird, folglich der im Idealfall tatsächliche Wertzuwachs sich der Anwendung dieses Kapitalteils verdankt, sich mithin dessen Wertquantum verändert im Vergleich zum ‘vorgeschossenen’ Wert, nur deshalb nennt Marx diesen Kapitalteil variabel.

    In der VWL ist der tedendezielle Fall der Profitrate bestens bekannt, empririsch nachgewiesen

    Das nachzuweisen dürfte ziemlich schwer fallen. Mir ist keine diesbezügliche Empirie bekannt. Aber selbst wenn, lässt sich aus aller Empirie keine Gesetzmäßigkeit logisch bestimmen. Die Frage ist nämlich weniger ob es die Tendenz tatsächlich gibt, sondern warum sie, wenn sie denn nach Marx gesetzmäßig, also unvermeidlich ist, nicht längst zum Zusammenbruch des Kapitals als gesellschaftlicher Produktionsweise geführt hat. Bei Marx ist es Tendenz, weil vom Standpunkt des indiviuellen Kapitals die Produktivitätssteigerung Mittel gegen die Konkurrenz darstellt, diese auf dem Markt zunächst zu unterbieten, was aber stets Vergrößerung des konstanten Kapitalteils bedeutet, der Mehrwert aber ausschließlich durch Anwendung des variablen produziert wird, was wieder impliziert, die Ausbeutung zu verschärfen, um die Einbuße beim einzelnen Produkt durch größere Produktenmenge wettzumachen. Gesetzmäßig ist es dagegen deshalb, weil innerhalb der Konkurrenz (und Kapital kann überhaupt nur als konkurrierendes existieren) eben mittelfristig alle Kapitale dieselben Methoden anwenden, was dazu führt, dass auf höherer gesellschaftlicher Produktivitätsstufe sich ein Ausgleich individueller Profitraten zu einer Durchschnittsrate einstellt, der gesellschaftliche Gesamtprofit sich also entsprechend der veränderten gesellschaftlichen organischen Kapitalzusammensetzung unter der Kapitalistenklasse verteilt. Zudem ist diese gesetzmäßige Tendenz einerseits nicht ohne Entgegenwirkende Ursachen zu haben, die ihrerseits wesentlich Klassenkampf sind, andererseits sagt die Profitrate wenig über die Profitmasse aus, und letztlich kommt es den Kapitalisten darauf an.

  30. @ Samson

    Während des Produktionprozesses ist die Arbeitskraft dagegen Kapitalteil wie jeder andere. Sie ist nicht variabel, weil ihr ein verhandelbares Preisschild ‚umgehängt‘ wird. Während des Produktionprozesses ist die Arbeitskraft dagegen Kapitalteil wie jeder andere.

    Nein umgekehrt, nur weil sie als lebendige Arbeitskraft fungiert, kann sie zugleich vom Kapital auch als wertbildende in Betracht gezogen werden. Bloß wegen der Aneignung des Mehrprodukts ist der Produktionsprozess nämlich, in seiner Doppelförmigkeit als Arbeits- und Wertbildungsprozess, als kapitalistischer gekennzeichnet. Durch die Formverwandlung der ausgelegten Kapitals (G-W-G´) wird die, vom Kapitaleigener ausgelegte Wertsumme an Kapital, schrittweise übertragen. So fungiert daher der Kapitalvorschuss für den Kapitaleigener fortlaufend als geldheckendes Kapital.

    Die Frage ist nämlich weniger ob es die Tendenz tatsächlich gibt, sondern warum sie, wenn sie denn nach Marx gesetzmäßig, also unvermeidlich ist, nicht längst zum Zusammenbruch des Kapitals als gesellschaftlicher Produktionsweise geführt hat.

    Na, vielleicht weil in der Theorie von der fallenden Profitrate bei Marx kein (ökonomisch-notwendiger) Zusammenbruch der kapitalistischen Produktion impliziert wird? Die Theorie von der Fallenden Profitrate ist eine qualitative Betrachtung, sie fungiert nicht mit Zahlen, oder Prognosen.
    Der Fall der Profitrate unterstellt den erfolgreichen Einsatz verfügbarer Ausbeutungsmittel in der Konkurrenz der Kapitalisten untereinander. Es sind die gleichen Erfolgsmittel (rücksichtslose Steigerung der Produktivkraft der Arbeit) die gegen die Erfolgskriterien der kapitalistischen Ausbeutung selbst rückwirkend wieder durchschlagen. Der erfolgreiche Einsatz der Ausbeutungsmittel rebelliert gegen dass Ausbeutungsprinzip selber. Also müssen Fabriken geschlossen werden, Arbeitskräfte entlassen, die Mehrwertrate erhöht werden usw..

  31. Das kanns irgendwie nicht sein. Ich vermute, du beziehst dich auf irgendwelche Bemerkungen im 22. oder 23. Kapitel. Da müßte man schon am Zitat selbst weitermachen, weil wenn du sagst, Marx behaupte, nicht die Lohnarbeit, sondern das Kapital schaffe den Wert, so ist das im Widerspruch zu allem, was ich aus dem Kapital herausgelesen habe – Marx zufolge schafft nur die Lohnarbeit Wert!

    Freilich wird’s an der Stelle pedantisch. Der Witz ist doch aber, dass (und das kannst du bspw. im 3. Band unter Die trinitarische Formel nachlesen) strengenommen die Arbeit überhaupt nix schafft, sondern die Arbeitskraft, und zwar indem sie gesellschaftliche Arbeit verrichtet, leistet etc. Unter Verhältnissen, wo die Produkte dieser gesellschaftlichen Arbeit von Privateigentümern angeeignet werden, stellt sich aber zwingend die Frage, wessen Privateigentum ist die Arbeitskraft in der Zeit, in welcher die gesellschaftliche Arbeit verrichtet wird. Anders lässt sich doch die Bestimmung, dass vorgeschossene Kapital zerfalle analytisch in zwei Teile, wovon einer seinen Wert erhalte, hingegen nur der andere neuen Wert bilde, überhaupt nicht vornehmen.
    Was den Sozialstaat angeht, würde ich den eben ursprünglich weniger als Eingriff ins Klassenverhältnis ansehen, als vielmehr als meinetwegen historische Form von Klassenkampf. Sozialistenverbot und Reichsversicherungsgesetz liegen zeitlich ziemlich nahe bei einander. Wenn die MLer mit irgendwas wenigstens prinzipiell nahe an dem gewesen sind, was Marx bezweckt haben könnte, dann doch mit der These, dass jeder ‘Überbau’ auf bestimmtem Produktionsverhältnis basiert und folglich jeder Staat Instrument der jeweils herrschenden Klasse ist. Gerade daran ist doch der Osten eingegangen, dass die Herrschaft der kommunistischen Parteien eben nicht die der proletarischen Klasse über die ‘Rest-Bourgeoisie’ o.s.ä. war.
    Was die Staatsvertreter glauben tun zu müssen und welcher meinetwegen ‘Wahl-Klientel’ sie sich dabei ‘verpflichtet’ fühlen, spielt doch nicht die geringste Rolle im Vergleich zu dem was notwendig ist, um trotz steigender organischer Kapitalzusammensetzung Voraussetzungen für profitable Produktion zu haben. Nicht die Ausgesteuerten sollen sich mit weniger zufriedengeben, sondern die Arbeiter sollen für weniger Geld länger arbeiten. Deswegen wurde Hartz eingführt. Nach Marxschen Kriterien haben die damit m.E. an der Profitrate gedeichselt, obwohl denen vermutlich etliche am ‘nationalen Fortkommen’ o.s.ä. mindestens genauso interessierte ‘Nationalökonomen’ vermutlich vertickert haben, dass mit derlei Maßnahmen irgendwann die ‘Binnennachfrage’ ebenso in den Keller sackt wie die ‘Kaufkraft’. Das Kapital resp. die Kapitalisten selber scheren sich darum indes einen Dreck, solange sie ihre Gewinne eben anderswo machen können.
    Theoretisch, d.h. unter der Voraussetzung, die Agitprop-Abteilung verbreitet die ‘richtige’ Ideologie, könnten Abteilung I und Abteilung II auch direkt miteinander tauschen resp. konkurrieren. Dann gäbe es überhaupt kein variables Kapital mehr, wenn bspw. Bett, Kochtopf, Fernseher, Betäubungsmittel (vielmehr brauchen ‘zivilisierte’ Menschen im Spätkapitalismus offenbar ohnehin nicht) vom jeweils fungierenden Kapital gestellt werden täten. Und so unwahrscheinlich ist das selbst in den Metropolen nicht, wenn man bedenkt, wie bspw. ‘Saisonarbeiter’ teilweise zusammengepfercht werden.
    Ob das dann noch kapitalistische Produktionsweise wäre, ist eine ganz andere Frage.

  32. @Samson
    Ich bin jetzt ganz durcheinander bezüglich dessen, was hier der Gegenstand des Diskurses ist.
    Daß Arbeit Wert schafft, zieht sich durch das ganze K I, und ist überhaupt die Grundlage dessen, wie Marx auf Mehrweert und Ausbeutung kommt. Was denn sonst als die menschliche Arbeit schafft den Reichtum, den konkreten wie den abstraken! – so dachte Marx.
    Was bei der trinitarischen Formel steht, hat mit dieser Frage gar nichts zu tun. Da gehts um bürgerliche Ideologie, also VWL-Sprüche darüber, warum die einen für die anderen arbeiten müssen.
    Wessen Privateigentum die eingekaufte Lohnarbeit während ihrer Verrichtung ist, ist doch eine absurde Frage – wichtig ist, wem das Produkt dieser Arbeit, die Ware, gehört, und das ist nicht der, der sie hergestellt hat.
    Ich weiß auch nicht, was der Umstand, daß etwas „vorgeschossen“ ist, hier zur Begriffsklärung beitragen soll. Um einen Produktionsprozeß anzuleiern, muß doch sowohl konstantes und variables Kapital vorgeschossen werden.
    Also, ich kenn mich nicht aus, worum es hier geht.

  33. … wichtig ist, wem das Produkt dieser Arbeit, die Ware, gehört, und das ist nicht der, der sie hergestellt hat.

    Ja und? Der, der die Waren hergestellt hat, hat vor der Produktion seine Arbeitskraft an den Eigentümer der Produktionsmittel verkauft. Insofern gehört diesem die Ware rechtmäßig. Anders wird das doch erst, wenn man die Sache als gesellschaftlichen Prozess betrachtet:

    Sosehr die kapitalistische Aneignungsweise also den ursprünglichen Gesetzen der Warenproduktion ins Gesicht zu schlagen scheint, so entspringt sie doch keineswegs aus der Verletzung, sondern im Gegenteil aus der Anwendung dieser Gesetze. Ein kurzer Rückblick auf die Reihenfolge der Bewegungsphasen, deren Schlußpunkt die kapitalistische Akkumulation ist, stelle dies nochmals klar.
    Zuerst haben wir gesehn, daß die ursprüngliche Verwandlung einer Wertsumme in Kapital sich durchaus gemäß den Gesetzen des Austausches vollzog. Der eine Kontrahent verkauft seine Arbeitskraft, der andre kauft sie. Der erstre empfängt den Wert seiner Ware, deren Gebrauchswert – die Arbeit – damit an den zweiten veräußert ist. Dieser verwandelt nunmehr ihm bereits gehörende Produktionsmittel mit Hilfe von ihm ebenfalls gehörender Arbeit in ein neues Produkt, das ihm ebenfalls von Rechts wegen gehört.
    Der Wert dieses Produkts schließt ein: erstens den Wert der verbrauchten Produktionsmittel. Die nützliche Arbeit kann diese Produktionsmittel nicht verbrauchen, ohne ihren Wert auf das neue Produkt zu übertragen; um aber verkäuflich zu sein, muß die Arbeitskraft imstande sein, in dem Industriezweig, wo sie verwandt werden soll, nützliche Arbeit zu liefern.
    Der Wert des neuen Produkts schließt ferner ein: das Äquivalent des Werts der Arbeitskraft und einen Mehrwert. Und zwar deshalb, weil die für einen bestimmten Zeitraum, Tag, Woche etc., verkaufte Arbeitskraft weniger Wert besitzt, als ihr Gebrauch während dieser Zeit schafft. Der Arbeiter aber hat den Tauschwert seiner Arbeitskraft bezahlt erhalten und hat damit ihren Gebrauchswert veräußert – wie das bei jedem Kauf und Verkauf der Fall.
    Daß diese besondre Ware Arbeitskraft den eigentümlichen Gebrauchswert hat, Arbeit zu liefern, also Wert zu schaffen, das kann das allgemeine Gesetz der Warenproduktion nicht berühren. Wenn also die in Arbeitslohn vorgeschoßne Wertsumme sich in Produkt nicht bloß einfach wieder vorfindet, sondern um einen Mehrwert vermehrt vorfindet, so rührt dies nicht her aus einer Übervorteilung des Verkäufers, der ja den Wert seiner Ware erhalten, sondern nur aus dem Verbrauch dieser Ware durch den Käufer.
    Das Gesetz des Austausches bedingt Gleichheit nur für die Tauschwerte der gegeneinander weggegebenen Waren. Es bedingt sogar von vornherein Verschiedenheit ihrer Gebrauchswerte und hat absolut nichts zu schaffen mit ihrem Verbrauch, der erst nach geschloßnem und vollzognem Handel beginnt.
    Die ursprüngliche Verwandlung des Geldes in Kapital vollzieht sich also im genauesten Einklang mit den ökonomischen Gesetzen der Warenproduktion und mit dem daraus sich ableitenden Eigentumsrecht. Trotzdem aber hat sie zum Ergebnis:
    1. daß das Produkt dem Kapitalisten gehört und nicht dem Arbeiter;
    2. daß der Wert dieses Produkts, außer dem Wert des vorgeschoßnen Kapitals, einen Mehrwert einschließt, der dem Arbeiter Arbeit, dem Kapitalisten aber nichts gekostet hat und der dennoch das rechtmäßige Eigentum des Kapitalisten wird;
    3. daß der Arbeiter seine Arbeitskraft forterhalten hat und sie aufs neue verkaufen kann, wenn er einen Käufer findet. (…)
    Es verschlägt auch nichts, wenn die einfache Reproduktion ersetzt wird durch die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter, durch die Akkumulation. Bei jener vermöbelt der Kapitalist den gesamten Mehrwert, bei dieser beweist er seine Bürgertugend durch Verzehrung nur eines Teils, und Verwandlung des Restes in Geld.
    Der Mehrwert ist sein Eigentum, er hat nie einem andern gehört. Schießt er ihn zur Produktion vor, so macht er, ganz wie am Tag, wo er zuerst den Markt beschritt, Vorschüsse aus seinem eignen Fonds. Daß dieser Fonds diesmal aus der unbezahlten Arbeit seiner Arbeiter stammt, tut absolut nichts zur Sache. Wird Arbeiter B beschäftigt mit dem Mehrwert, den Arbeiter A produziert hat, so hat erstens A diesen Mehrwert geliefert, ohne daß man ihm den gerechten Preis seiner Ware um einen Heller verkürzt hat, und zweitens geht dies Geschäft den B überhaupt nichts an. Was B verlangt und das Recht hat zu verlangen, ist, daß der Kapitalist ihm den Wert seiner Arbeitskraft zahle. (…)
    Allerdings sieht die Sache ganz anders aus, wenn wir die kapitalistische Produktion im ununterbrochnen Fluß ihrer Erneuerung betrachten und statt des einzelnen Kapitalisten und des einzelnen Arbeiters die Gesamtheit, die Kapitalistenklasse und ihr gegenüber die Arbeiterklasse ins Auge fassen. Damit aber würden wir einen Maßstab anlegen, der der Warenproduktion total fremd ist.
    In der Warenproduktion stehn sich nur, voneinander unabhängig, Verkäufer und Käufer gegenüber. Ihre gegenseitigen Beziehungen sind zu Ende mit dem Verfalltag des zwischen ihnen abgeschloßnen Vertrags. Wiederholt sich das Geschäft, dann infolge eines neuen Vertrags, der mit dem vorhergehenden nichts zu tun hat und bei dem nur ein Zufall denselben Käufer mit demselben Verkäufer wieder zusammenbringt.
    MEW 23, S. 605ff.

    Zudem gings m.W. um die Frage, ob gesellschaftlich betrachtet, Sozialausgaben Teil von v sind oder nicht, und darin haben wir gar keinen Dissenz.

  34. @ star wars
    auch wenn’s nervtötend erscheint:

    … umgekehrt, nur weil sie als lebendige Arbeitskraft fungiert, kann sie zugleich vom Kapital auch als wertbildende in Betracht gezogen werden.

    Wertbildend ist nicht die Lebendigkeit der Arbeitskraft, sondern, wie oben ausführlich zitiert, einzig der Umstand, dass der besondere Gebrauchswert der Arbeitskraft darin besteht, während seiner Benutzung größeren Wert zu produzieren als beim Kauf dieses Gebrauchswerts als Äquivalent eingetauscht wurde. Andernfalls müsste die lebendige Arbeitskraft eines Pferdes gleichermaßen wertbildend sein. Sie ist es deshalb nicht, weil das Pferd ähnlich wie die Sklaven früherer Epochen ganz Eigentum ihres Besitzers sind, der folglich deren Unterhalt als seinen Aufwand, Kosten etc. betrachten muss. Der Wert der Ware Arbeitskraft bemisst sich dagegen wie der jeder anderen Ware, eben nach dem zu ihrer Herstellung resp. Reproduktion notwendigen Aufwand, der sich beim formal unabhängigen Arbeiter, der als Lebewesen gerade nicht Eigentum des Kapitalisten ist, nach dem Wert der dafür notwendigen Lebensmittel bestimmt. Dies Notwendige ist eben ‘flexibel’, weswegen gesellschaftlich gesehen die ‘Reservearmee’ möglichst mit noch weniger hinzukommen hat als die beschissenst bezahlten Lohnarbeiter, um letzteren ein ‘Motiv’ zu geben, ihr ‘Schicksal’ zu ertragen o.s.ä.

  35. Wertbildend ist nicht die Lebendigkeit der Arbeitskraft, sondern, wie oben ausführlich zitiert, einzig der Umstand, dass der besondere Gebrauchswert der Arbeitskraft darin besteht, während seiner Benutzung größeren Wert zu produzieren als beim Kauf dieses Gebrauchswerts als Äquivalent eingetauscht wurde

    Worin soll denn der Gebrauchswert der Arbeitskraft anders abgeschöpft werden, als über die Betätigung des körperlichen und geistigen Potenzen, die dem leiblichen Körper des Arbeiters nun mal zur Verfügung stehen. Dass ist doch alles quatsch. Dass konstante Kapital ist jedenfalls nicht dazu in der Lage einer Ware (einen über den Kapitalvorschuss) zusätzlichen Wert zuzusetzen.

  36. Dass konstante Kapital ist jedenfalls nicht dazu in der Lage einer Ware (einen über den Kapitalvorschuss) zusätzlichen Wert zuzusetzen.

    Du hast es anscheined immer noch nicht begriffen, der besondere Gebrauchswert der Arbeitskraft besteht einzig darin:

    Der Wert des neuen Produkts schließt ferner ein: das Äquivalent des Werts der Arbeitskraft und einen Mehrwert. Und zwar deshalb, weil die für einen bestimmten Zeitraum, Tag, Woche etc., verkaufte Arbeitskraft weniger Wert besitzt, als ihr Gebrauch während dieser Zeit schafft. Der Arbeiter aber hat den Tauschwert seiner Arbeitskraft bezahlt erhalten und hat damit ihren Gebrauchswert veräußert – wie das bei jedem Kauf und Verkauf der Fall.
    Hervorhebung von mir

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