Nachruf auf Václav Havel

DIE SCHÖNE SEELE DER FREIHEIT IN OSTEUROPA GEHT VON UNS
Was ist bzw. war ein „Dissident“?
Der Begriff Dissident „(von lat. dissidere „nicht übereinstimmen, getrennt sein, widersprechen“), auch Systemkritiker, bezeichnet einen Andersdenkenden.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Dissident)
Damit wurden nach 1945 alle Personen, die mit den Zuständen im ehemaligen sozialistischen Lager unzufrieden waren, in einen Topf geworfen und für „uns“, die Demokratie, die beste aller möglichen Welten vereinnahmt. Mit „Dissident“ wurden nur die Kritiker des falschen Systems bezeichnet – Regimegegner in Lateinamerika, wie Neruda, oder in Afrika, wie Mandela, kamen nicht in den Genuß dieser Hofierung. Wer im Westen als Dissident anerkannt war, bekam eine gute Presse, und galt fraglos als ein Vertreter „unserer“ Werte. Es gab manchmal kleinere Mißtöne, wie im Falle Solschenizyns, der bald nach seiner Ausbürgerung öffentlich bekanntgab, daß er das westliche System – Konsumismus, keine spirituellen Werte! – auch für Scheiße hielt, aber da war in der Gestalt Sacharows schnell ein Ersatz gefunden, an dem man weiter die Unmenschlichkeit des kommunistischen „Systems“ anprangern konnte.
Man muß erwähnen, daß die Gründe, aus denen die verschiedenen Gegner des Realen Sozialismus zu solchen wurden, der westlichen Öffentlichkeit herzlich wurscht waren. Ob sie, wie Solschenizyn, die Abkehr vom Glauben und seinem Wertesystem beklagten, wie Sacharow mit dünner Stimme auf die Einhaltung der Menschenrechte beharrten, wie Milovan Djilas eine wahrhaft sozialistische Gesellschaft ohne „neue Klasse“ der Bürokratie anstrebten, oder wie Jacek Kuron ein „Komittee zur Verteidigung der Arbeiterklasse“ (KOR) einrichteten, tat ihrer Klassifizierung als Dissident keinen Abbruch.
Vor 1989 waren sie bloße nützliche Idioten der demokratischen Propaganda und, sofern sie ihren Staaten den Rücken kehrten und „rübermachten“, Aushängeschilder der demokratischen Meinungsfreiheit, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit das Loblied des Pluralismus singen durften.
Ihre große Stunde schlug jedoch mit dem Systemwechsel 1989, als sie sich auf einmal als die Wir-haben-es-immer-schon-gesagt-Kronzeugen westlicher Werte zu den Anführern der Implantierung des Kapitalismus in Osteuropa machen wollten und durften. Die zu Staatsmännern aufgestiegenen Systemkritiker vereinigten besonders glaubwürdig den Idealismus des Humanisten mit dem Realismus des Politikers, der im Namen höherer Werte seiner Bevölkerung die Scheidung in Arm und Reich, in Proletarier und Kapitalisten verordnete.
Niemand jedoch verkörperte diese Karriere reiner als Václav Havel.
Vom Dramatiker zum Dissidenten
Havel entstammte einer großbürgerlichen Familie, deshalb wurde ihm in der sozialistischen Tschechoslowakei der Zugang zur höheren Bildung verwehrt. Als Autodidakt und nach Absolvierung eines Fernstudiums begann er Theaterstücke zu schreiben. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings erhielt er Publikationsverbot und wurde mehrmals inhaftiert. Er war einer der Mitinitiatoren der „Charta 77“, deren Mitglieder sich für die Einhaltung der Menschenrechte in der Tschechoslowakei einsetzten, und deshalb von der tschechoslowakischen Regierung als Staatsfeinde behandelt wurden. „Menschenrechte“ hieß für deren Verteidiger in der Tschechoslowakei vor allem: Zulassung von Rockmusik, Dichtung und anderen künstlerischen Ausdrucksformen. Die Charta 77 wendete sich gegen deren „Gängelung“ und strafrechtliche Verfolgung.
Der Inhalt der Kritik von Václav Havel am sozialistischen System war vor allem philosophischer Natur: Er wendete sich gegen die Realität der vom sozialistischen System verkündeten Ideale, und bezichtigte die Politiker der Heuchelei. Er warf ihnen vor, sie predigten Wasser und tränken Wein. Dieses langweilige Evergreen untertäniger Meckerei, die übrigens systemübergreifend ist, ist eine rein moralische Kritik an den Zielen der Machtausübung, die sie an ihren eigenen Kriterien mißt und für zu leicht befindet. Weder die Ziele des Sozialismus und deren unbestreitbare Errungenschaften, wie eine flächendeckende Versorgung und Bildung der Bevölkerung, noch deren häßliche Seiten und Widersprüche waren für ihn Thema, sondern das Auseinanderklaffen von Ideal und Realität: Seine Kritik arbeitete sich unter anderem daran ab, daß z.B. die Tschechoslowakei wie alle sozialistischen Staaten den Frieden propagierte, und gleichzeitig eine beachtliche Rüstungsindustrie unterhielt.
Um den Fehler dieser Art von Kritik kurz zu skizzieren:
Warum unterhielt die Tschechoslowakei eine solche gewaltige Rüstungsindustrie, während sie gleichzeitig das Ideal des Friedens propagierte?
War es, um den Sozialismus zu verteidigen, oder diente sie nicht vielmehr der Erwirtschaftung von Devisen? (Die Tschechoslowakei war der 7-größte Rüstungsproduzent der Welt. Ihre Waffen wurden unter anderem in den Iran und den Irak exportiert, während des zwischen den beiden Staaten von 1980-88 ausgefochtenen Krieges.)
Warum braucht ein sozialistischer Staat unbedingt Devisen? Um beim Klassenfeind Waren einzukaufen?
Warum braucht man die von der westlichen ausgebeuteten Arbeiterklasse erzeugte Waren? Weil man die selber nicht herstellen kann?
Warum kann die sozialistische Ökonomie diese Waren nicht herstellen? Obwohl sie angeblich den Widerspruch zwischen Produktionsmitteln und Produktionsverhältnissen aufgehoben hat?
Hat sie vielleicht andere Widersprüche eingerichtet, die die Produktion behindern? Unter anderem den Hauptwiderspruch, für Versorgung und gleichzeitig mit Geld zu produzieren?
Aber solche Fragen, die auf eine Analyse der bestehenden Verhältnisse hinauslaufen, kommen gar nicht auf, wenn jemand immer nur das Sollen einer besseren Welt gegen das Sein der schlechten Wirklichkeit in Anschlag bringt. Das ist übrigens keine Besonderheit des Dissidententums, sondern gehört zum guten Ton demokratischer Kritik.
Präsident der Tschechoslowakei
Mit Bauchweh – man ist schließlich Intellektueller und nicht Politiker – übernahm Havel zur Zeit der Wende das Präsidentenamt der Tschechoslowakei. Und er setzte einige Maßnahmen, aus denen man ersehen kann, daß Schöngeister nur mäßig für das Amt des Politikers geeignet sind.
Er verkündete eine Generalamnestie. Er ging davon aus, daß alle Menschen, die zum Zeitpunkt der Wende in Gefängnissen saßen, Opfer des sozialistischen Systems waren und sofort freigelassen gehörten. (Es gab zwar einige Einschränkungen für Gewaltverbrecher, aber im Grunde wurden ein Großteil der Häftlinge amnestiert.) Erstens verlor dadurch die Autofabrik Skoda einen Teil ihrer „Mitarbeiter“, die aus Häftlingen bestand, und mußte die Produktion beträchtlich zurückfahren. Zweitens, und das war schlimmer, kümmerte sich Herr Havel & Co. überhaupt nicht darum, was aus diesen Leuten, die durch den Gefängnisaufenthalt aus ihren vorherigen Verhältnissen herausgerissen worden waren, geschehen sollte. Die Amnestie wurde ohne Auffang- und Reintegrationspläne durchgeführt, mit dem Ergebnis, daß jede Menge gescheiterte Existenzen plötzlich auf der Straße standen, ohne Wohnraum und Jobs, und naturgemäß (wieder) kriminell wurden. Sie kamen noch dazu in eine Welt der Entlassungen und der flächendeckenden Verarmung, und verunsicherten den Rest der Bevölkerung. Havel wurde schlagartig unpopulär.
Sein zweiter Beschluß war, die Rüstungsindustrie zuzusperren. Er wollte ein Friedensbringer sein.
Damit ging der einzig konkurrenzfähige Teil der tschechoslowakischen Industrie flöten. Der Rest der Wirtschaft war auch in Nöten, aber dieser Beschluß Havels hatte besonders verheerende Folgen für die Slowakei, wo ein Großteil der Rüstungsindustrie konzentriert war. Die Privatisierungspolitik von Václav Klaus und die friedenstaubenmäßigen Maßnahmen von Havel führten zur Abspaltung der Slowakei, die in der internationalen Presse als Ergebnis der nationalistischen Verbohrtheit der Slowaken dagestellt wurde.
Havels politisches Vermächtnis ist also die Spaltung der Tschechoslowakei, eines Staates, der
1918 in Pittsburgh in den USA von Tomás Masaryk und seinen Haberern gegründet,
1939 von den Nationalsozialisten besetzt und aufgelöst, und
1945 von den Siegermächten des II. Weltkriegs wiedereingerichtet worden war.
Präsident der Tschechischen Republik
Nach der Trennung von der Slowakei 1993 wurde Havel wieder zum Präsidenten der Tschechischen Republik gewählt, ein Amt, das er bis 2003 innehatte.
Er erhielt jede Menge Auszeichnungen und Preise für die Verteidigung von Freiheit und Frieden, und die Einrichtung und Verteidigung der Zivilgesellschaft. Besonders gewürdigt wurde sein Beitrag zur Einigung Europas.
Seinen letzten großen internationalen Auftritt hatte er 2003 kurz vor seinem Rückzug ins Privatleben. Zusammen mit den ehemaligen Dissidenten Adam Michnik (Polen) und György Konrád (Ungarn) befürwortete er eine militärische Invasion des Iraks. Er unterzeichnete damals sogar den „Brief der 8“ (neben Aznar und Blair), die diesen Krieg forderten.
Eine perfekte Karriere eines „Andersdenkenden“: Aus der Friedenstaube wurde ein Kriegstreiber, am Schluß im besten Einvernehmen mit den Chefs der Weltordnung, den imperialistischen Schlächtern von heute.

27 Gedanken zu “Nachruf auf Václav Havel

  1. Warum braucht ein sozialistischer Staat unbedingt Devisen? Um beim Klassenfeind Waren einzukaufen?

    Weil der Klassenfeind darauf beharrt, Waren gegen Geld zu liefern.

    Warum braucht man die von der westlichen ausgebeuteten Arbeiterklasse erzeugte Waren? Weil man die selber nicht herstellen kann?
    Warum kann die sozialistische Ökonomie diese Waren nicht herstellen? Obwohl sie angeblich den Widerspruch zwischen Produktionsmitteln und Produktionsverhältnissen aufgehoben hat?

    Weil die dazu erforderlichen Produktionsmittel nicht im eigenen Schuppen stehen, aber der Klassenfeind darauf beharrt, …

  2. Dein Kommentar lauft eigentlich darauf hinaus, daß Kommunismus nicht geht. Weil der Kapitalismus in Sachen Produktionsmittel immer überlegen ist …

  3. Nein, Samsons Hinweise belegen “nur”, daß es für Kommunismus eben ein Mindestmaß an Ausdehnung proletarischer Macht geben muß, damit das Sinn macht. Ganz unten und klein angefangen ist es offensichtlich unmöglich, in irgendeiner Wendlandkommune dem Kapitalismus trotzen zu wollen und was grundlegend anderes aufzuziehen. Es sei denn, man ist so schrecklich anspruchslos, daß man mit all den dann offensichtlichen Einschränkungen bereit ist zu leben und auch sonst nicht soviel anders macht als vorher.
    Diese vage “Ausdehnung” ist zudem nicht in erster Linie geographisch wichtig, sondern in Bezug auf die kontrollierten Produktionsmittel. Je mehr man davon hat/übernimmt bzw. “schnell” herstellen kann, umso “freier” ist diese Gesellschaft in ihren Planungs- und Produktionsalternativen.
    Deshalb war es vernünftigen Kommunisten auch immer wichtig, sich nicht mit den paar eroberten Flecken zufrieden zu geben, die sie schon geschafft hatten, wenn es überhaupt so weit gekommen war, sondern allen, die es hören wollten oder auch nicht, zu erklären, daß für eine möglichst friktionsfreie weitere Entwicklung diese ersten Bastionen unbedingt ausgeweitet werden müssen auf die Weltgegenden, die schon über entwickelte Produktionsmittel verfügen (oder sogar aufgegeben werden müssen, um anderswo siegreich sein zu können, Lenin hat z.B. so gedacht).
    Das Stichwort war da immer “Weltrevolution”. Und nicht nur weil es schöner ist, wenn der Klassenfeind weltweit weggeräumt ist (dann kann man sich nämlich eine Menge Unkosten sparen, die bis dahin leider unvermeidlich sind), sondern weil eine vernünftige anspruchsvolle differenzierte Versorgung der Menschen eben erst dann möglich ist, wenn man “Alles” einsetzen kann, was dafür zu haben wäre.
    Und bis dahin muß jede Inselrevolution wüste Kompromisse machen. darauf weist du ja hin, als wenn das unbekannt wäre: entweder sie entsagt dem Welthandel und setzt auf Autarkie (oder wird vom Imperialismus solcher Art eingekesselt) und backt dann sehr sehr kleine Brötchen, oder sie versucht, wenigstens die gröbsten Defizite durch Handel zu besorgen. Dann muß natürlich in dem Umfang, in dem man das machen will, hartes Geld her, um diese Sachen auf dem Weltmarkt kaufen zu können. Dann müssen dafür Sachen hergestellt werden, die dem Revolutionskonsum entzogen werden, um sie verscheuern zu können.
    Letztendlich könnte man dieses Thema an jedem Staat abhandeln, in dem es eine Revolution gegeben hat: in offensichtlich lausigen Ausgangsgebieten wie der VR China oder Kuba bis hin zur DDR, die das Pech hatte, direkt an die BRD anzugrenzen. Selbst die Sowjetunion als Ganze war zwar riesig groß aber im mittel schrecklich unentwickelt nach allen Parametern, die man da als Meßlatte anlegen könnte.

  4. Mein Kommentar läuft darauf hinaus, dass es bezügl. Produktionsmittel, die man nicht hat kein Produktionsverhältnis und folglich nicht mal einen angeblich aufzulösenden Widerspruch gibt. Deine Art Kritik setzt dagegen einen Begriff vom Kommunismus voraus, der von jeglichen materiellen Bedingungen abstrahiert.
    Würdest du den gewesenen Ostblock dafür kritisieren wollen, dass dort die Warenproduktion nicht wirklich beseitigt wurde resp. die Aneignung des Mehrprodukts durch den Staat die meinetwegen falsche Methode war, ließe sich darüber diskutieren. Dafür wäre aber einer, der “einer großbürgerlichen Familie” entstammt, der falsch Kritikgegenstand, es sei denn, der hätte jemals von sich gegeben, was mit Sozialismus am Hut zu haben …

  5. Würdest du den gewesenen Ostblock dafür kritisieren wollen, dass dort die Warenproduktion nicht wirklich beseitigt wurde resp. die Aneignung des Mehrprodukts durch den Staat die meinetwegen falsche Methode war,…

    Das hat er doch, die Staaten des realen Sozialismus wollten ein institutionelles Gepflecht zwischen Geld bzw. Warenproduktion bei ihnen zu Hause einrichten. Man kennt dass doch alles, den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, mit Hilfe bzw. Einrichtung von Kommandoeinrichtungen beseitigen, usw..
    Weswegen über Warenproduktion Widersprüche eingerichtet wurden, die die Produktion behindern, unter anderem den Hauptwiderspruch, für Versorgung und gleichzeitig mit Geld zu produzieren.
    Das waren beileibe nicht nur falsche Methoden, sondern Stalin, Chruschtschow usw. standen hinter dem was sie mit Geld und Warenproduktion angrichtet haben insitutionell, aber auch ideologisch noch dahinter. Und genau aus dem Grund ist auch die SU nicht einfach an ihren Widersprüchen entlang gemessen einfach “untergegangen”, sondern Gorbatschow hat irgendwann entschieden dass es andere Methoden geben könnte, die für die Erfolgsbestrebungen Rußlands den weiteren Weg besser einebnen könnten…

  6. Das Absurde an der Debatte ist, daß es hier um eine industrialisierte Nation und die 70-er Jahre geht und alle wieder mit der Oktoberrevolution ff.daherkommen.
    Ich möchte nur einmal auf den kleinen Widerspruch hinweisen, daß die CSSR zwar Waffen aller Art herstellen konnte, und die auch durchaus weltmarktfähig waren. Heute – später wurde die Rüstungsindustrie ja wiederbelebt und weiterentwickelt – steht die CR u.a. deshalb relativ stabil da, weil sie eben mit den Waffen immer schon ein Standbein im Weltmarkt hatte.
    Und dann soll irgendein anderes Zeug, irgendwelche Konsumgüter oder Maschinen, partout nicht zum Herstellen gehen und das mußte unbedingt im Westen eingekauft werden? Da lachen ja die Hühner!
    Der springende Punkt war doch, daß sie in den ganzen Volksdemokratien bei der Rüstung das Hebelsystem ausgesetzt haben, mit dem der Rest der Ökonomie sich herumgefrettet hat. Da wurde auf den Gebrauchswert von dem Zeug Wert gelegt, und Plan- und Kennziffern waren kein Thema.

  7. … die Staaten des realen Sozialismus wollten ein institutionelles Gepflecht zwischen Geld bzw. Warenproduktion bei ihnen zu Hause einrichten.

    Pauschal ist das falsch. Anfangs wollten die keineswegs, sonst hätten die 1) keine zentrale Planung ‘eingerichtet’ und 2) ihr Geld an einen Wechselkurs ‘gebunden’.
    Im Übrigen ist Mehrprodukt was anderes als Mehrwehrt. Ersteres braucht jede Gesellschaft, die nicht von der Hand in den Mund leben will, letzteres ist das Resultat von Ausbeutung.

    Man kennt dass doch alles, den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, mit Hilfe bzw. Einrichtung von Kommandoeinrichtungen beseitigen …

    Den “Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen” erlebst du gerade als “Finanzkrise” o.s.ä., d.h., als Geleichzeitigkeit von fehlendem Geld für Investitionen (als Ausdruck von zu geringer Rentabilität des produzierenden Kapitals) und fast schon verzweifelter Anlagesuche seitens des Geldkapitals. Und das alles bei stetig wachsendem Druck, die Löhne der Arbeiter immer weiter zu senken, resp. deren Produktivität fürs Kapital zu steigern, was inzwischen dazu führt, das selbst in ‘gods own country’ Millionen hungern.
    Die Produktivkraft gesellschaftlicher resp. inkorporierter Arbeit hängt indes ab von den Produktionsmitteln. Und die muss man halt erst mal haben. Deswegen wurde im Osten auch stets deren Fehlen bzw. der Mangel an Arbeitskräften moniert. Es wäre aber niemand auf die Idee gekommen, Geld sparen zu wollen resp. Produktionsmittel zu vernichten, weil sie nicht profitabel einsetzbar wären.

  8. @ Samson

    Pauschal ist das falsch. Anfangs wollten die keineswegs, sonst hätten die 1) keine zentrale Planung ‚eingerichtet‘ und 2) ihr Geld an einen Wechselkurs ‚gebunden‘.

    Der Gegensatz (Geld vs zentrale Einrichtung) ist doch von dir hier vollkommen verkehrt offengelegt. Es mag zwar für jemanden wie dich oder mich vorkommen diesen Gegensatz (Geld vs zentrale Einrichtung) ausschließlich auszutragen, die Bolschewiki der damaligen Zeit haben dass jedenfalls nicht so gesehen.
    Die haben nämlich die offene Trennung zwischen Geld, als ökonomische Einrichtung des Tausches, sowie Geld als Bereicherungsmittel, praktiziert. Als (provisorisches) Tauschmittel haben sie Geld nämlich geschätzt, nur als vorherrschendes Schmiermittel kapitalistischer Profitgier ist es bei ihnen unten durchgegangen. Diese offene Trennung (Geld als Bereicherungs- vs. Tauschmittel) kam nicht durch eine Bedrängnis von außen zustande, daß war der Interpretationsleistung der Bolschewiki eigen.

    Die Produktivkraft gesellschaftlicher resp. inkorporierter Arbeit hängt indes ab von den Produktionsmitteln. Und die muss man halt erst mal haben. Deswegen wurde im Osten auch stets deren Fehlen bzw. der Mangel an Arbeitskräften moniert.

    Aber was hat das jetzt mit der Interpretation von Geld bzw. Warenproduktion durch die Bolschewiki bzw. den Sowjets zu tun? Wird jemand schnurstracks zum Anhänger verkehrter Vorstellungen über Geld bzw. Warenproduktion weil Produktionsmittel fehlen?
    Und warum war die Tschchoslowakei überhaupt auf Rüstungsausgaben angewiesen? Du produzierst doch als “aufrechter” Kommunist keine Waffen um an Produktionsmittel bzw. Devisen Zwecks Versorgung zu kommen…

  9. Nein, so “absurd” war das wirklich nicht, auf den grundlegenden Zusammenhang aller wesentlichen Staaten dieser Welt hinzuweisen. die CSSR war z.B. in den RGW integriert (nun ja, eher weniger als mehr), der Staat ist auch nicht gerade so groß wie die SU gewesen. Daß auch in einem solchen, vergleichsweise kleinem Gebiet die Abhängigkeiten vom integrierten Weltmarkt in Rechnung zu stellen sind, jedenfalls nicht per purem Willen zu überspielen, das sollte man schon bedenken.

  10. Als (provisorisches) Tauschmittel haben sie Geld nämlich geschätzt, nur als vorherrschendes Schmiermittel kapitalistischer Profitgier ist es bei ihnen unten durchgegangen.

    Das ist halt deine, zudem ziemlich ahistorische, Interpretation. Lenin war bspw. schon klar, dass die NEP ein ‘Schritt zurück’ gewesen ist. Irgendwo in seinen Schriften (bin jetzt zu faul zum Suchen, ich glaube in irgendeiner Parteitags-Debatte) weist er darauf hin, gegen Handel nix zu haben, aber Sachen gegen Sachen eintauschen zu wollen. Dass es dazu eines, analytisch gesehen, Mehrprodukts bedarf, versteht sich fast von selbst, hat aber mit einem “Schmiermittel kapitalistischer Profitgier” nix zu tun.

    Und warum war die Tschchoslowakei überhaupt auf Rüstungsausgaben angewiesen?

    Klar, das siehst du doch heute wieder. Warum fordert der ‘friedliebende’ Westen bspw. Nordkorea möge sein Atomprogramm aufgeben, marschiert dort aber nicht ein, um, wie etwa in Lybien, eine ‘Oppositionsbewegung’ zu ‘unterstützen’?

    Du produzierst doch als „aufrechter“ Kommunist keine Waffen um an Produktionsmittel bzw. Devisen Zwecks Versorgung zu kommen…

    … aber vielleicht, um bedrängten ‘Klassenbrüdern und -schwestern’ zu helfen, sich gegen imperialistische Agressoren zu verteidigen, wie etwa in Korea, Vietnam etc. …

  11. @Samson

    sonst hätten die 1) keine zentrale Planung ‚eingerichtet‘ und 2) ihr Geld an einen Wechselkurs ‚gebunden‘

    Kann ich nicht nachvollziehen und schließe mich star wars an. Wieso soll „zentral“ und „Geld“ einander widersprechen? Das Geld wird übrigens sogar im Kapitalismus zentral ausgegeben. (Was den Euro betrifft, inzwischen schon etwas zu zentral …)
    Schließlich diese ewigen „Produktivkräfte“, die immer herumgeistern … Was ein Land bei sich an Produktionsmitteln herumstehen hat, ist heute ein Ergebnis der Konkurrenz. So wurden einstmals industrialisierte Länder wie Argentinien unter dem Druck des IWF fest desindustrialisiert, Jugoslawiens Nachfolgestaaten durch Krieg und Zerfall, aber auch die einstige Weltmacht Großbritannien ist industriemäßig auch nicht das, was es sie einmal war. Also vielleicht einmal zur Kenntnis nehmen, daß es nicht „entwickelte“ Länder gibt, und solche, wo es noch nicht so weit ist.
    Schließlich, noch einmal wegen der Rüstung: Um die Revolution zu verteidigen und womöglich voranzutreiben, unterhielten die gesamten COMECON-Staaten ihre Rüstungsindustrie nicht, sondern bestenfalls, um sich im Rahmen der „friedlichen Koexistenz“ als Staatswesen gegen den Feind zu behaupten. (Das ist noch einmal etwas anderes als die Export- und Devisenfrage.) Der Weltrevolution hatten sie schon vor Stalin abgeschworen, wie man an der Komintern-Politik der 20-er Jahre sehen kann. Und Samson und Neoprene, ihr wißt das alle beide ganz genau. Warum im Nachhinein so tun, als wäre dort nur die schlechte Verwirklichung besserer Zwecke zugegen gewesen?

  12. Ja, “Was ein Land bei sich an Produktionsmitteln herumstehen hat, ist heute ein Ergebnis der Konkurrenz”, und insofern ist es auch richtig “daß es nicht „entwickelte“ Länder gibt, und solche, wo es noch nicht so weit ist”. In einem mittlerweile völlig einheitlichen integrierten Weltmarkt sind eben alle Ecken der Welt schon durchsortiert und umgestaltet worden in hinblick darauf, ob und wie man dort Geld machen kann.
    Nur bedeutet daß eben, daß man als Haufen siegreicher Kommunisten, die sich irgendwo irgendeine Ecke aus diesem zweifelhaften “Kuchen” herausgeschnitten hatten oder zukünftig hoffentlich doch auch mal wieder werden herausschneiden können, dann eben mit der – gemessen an den Bedürfnissen, die sie haben – völlig verzerrten Produktionsmittelstruktur erstmal werden leben müssen. Dann kann man eben erst mal auch schon mal nur Zucker produzieren, wie im Fall Kuba. Oder hätte einen riesigen Haufen von Rüstungsbetrieben geerbt, mit dem man prima Handfeuerwaffen oder Panzerplatten herstellen kann aber nicht ganz so gut und schnell auch Autobusse oder Penicillin.
    Es ist dann nicht nur eine pure Frage des Beschlusses, was man mit den vorhandenen Mitteln herstellen will, sondern würde enorme Konversionsanstrengungen und Neuinvestitionen erfordern. Und in diesem Zusammenhang wäre es auch nicht per se abwegig, sich zu überlegen, ob man nicht die Produktionsergebnisse XXX auf dem Weltmarkt “umtauscht” gegen eine Menge YYY, die man besser brauchen könnte. Anders als bei der eigenen Produktions- und Investitionsplanung ist man nur viel weniger Herr der Austauschelationen, wie gerade die RGW-Staaten ja durch die Bank feststellen mußten.
    Ja, Nestor, “Um die Revolution zu verteidigen und womöglich voranzutreiben, unterhielten die gesamten COMECON-Staaten ihre Rüstungsindustrie nicht”, so blauäugig sind wir nicht, nur ist da kein Argument dagegen, daß ein Haufen (bewaffneter) Kommunisten leider noch eine ins Gewicht fallend lange Zeit Zugriff auf Waffen braucht, also eigene Rüstungsindustrie. Wenn der RGW wirklich kommunistisch gewesen wäre, hätten sich die Staaten (wenn es denn dann überhaupt noch eigenständige Staaten geblieben wären) vernünftigerweise sicherlich auf eine Arbeitsteilung geeinigt, damit nicht jedes Gebiet seine eigene Flugabwehrraketenproduktion aufmachen muß.
    Es ist auch falsch, daß die Behauptung als “Staat” nur dann anfällt, wenn man auf friedliche Koexistenz setzt. Oder denkst du ernsthaft, daß ein “wahrer” Sozialismus auf eine gerüstete Abwehr von imperialistischen Rückeroberungsversuchen verzichten könnte und nur die Realsozialisten sich das blöde Ziel gesetzt hatten, sich nicht von der NATO abräumen lassen zu wollen?
    Ab wann die Komintern nicht mehr die Weltrevolution als Ziel hatte (immerhin billigst du deren Gründern, also im wesentlichen den Bolschewiki das noch zu), darüber kann man sicherlich streiten, daran scheiden sich ja auch einige Tendenzen des revolutionären Linksradikalismus. Es scheint mir aber kaum grundsätzlich bezweifelbar zu sein, daß zu einem wirklichen Projekt Weltrevolution auch die Befestigung der Herrschaft in den jeweils schon dem Imperialismus entrissenen Gebieten/Staaten gehört.

  13. @Neoprene
    Du redest immer im Konjunktiv und „was wäre, wenn“. Ich wollte nur einmal drauf hinweisen, was in der CSFR los war, warum sie ihre Rüstungsindustrie hatte und wie sie sie einsetzte. Und auch das nur als Randbemerkung dazu, wie sich diese miese Figur H. drauf bezogen hat.
    Ein weiterer empfehlenswerter Artikel zu Havel:
    http://www.wsws.org/de/2011/dez2011/have-d21.shtml

  14. Was ist denn auch an der traurigen Geschichte der CSSR und an Havel, dieser Lichtgestalt so fürchterlich wichtig, daß es jetzt, wo sogar beide tot sind, noch nötig wäre, sich darüber auszulassen? Daß da vor der demokratischen Wende keine Propagandisten und Aktivisten einer Weltrevolution zum Sturz des Kapitalismus zugange waren ist ja nicht erst seit ein paar Jahren bekannt. Und was Havel für ein Typ war, darauf hast du ja dankenswerterweise auch kurz, knapp und erbittert hingewiesen.

  15. Ich wollte nur einmal drauf hinweisen, was in der CSFR los war, warum sie ihre Rüstungsindustrie hatte und wie sie sie einsetzte.

    Das hat dich aber nicht davon abgehalten, in Gemeinplätzen ausführen zu müssen, was Sozialismus eigentlich zu sein hätte, ganz so als existierte der auf einer einsamen Insel inmitten lauter Freunde, Bewunderer etc. und werde von niemandem in Frage gestellt, angefeindet, angegriffen etc.
    Im Übrigen dreht sich m.E. der heutige Streit unter denen, die noch was mit Sozialismus am Hut haben, im Wesentlichen gerade darum, ob, ab wann, wo “Revisionismus” war/ist und ob “friedliche Koexistenz” der Sowjetunion ab Chrustschow war anderes war als bei Lenin. So lange darüber keine Einigung erzielt wird, ist m.E. jeder Versuch die Arbeiter agitieren resp. bezügl. Ausbeutung aufklären zu wollen, ein Schuss in den Ofen.
    Ab wann wer die Weltrevolution abgeschrieben hat, ist noch mal eine andere Frage. Nur sollte man m.E. den Bolschewiki nicht vorwerfen, dass sie ihre Konsequenzen daraus gezogen hatten, dass die nicht stattgefunden hatte. Dann kann man gleich in die Jubelgesänge eines Robert Schlosser einstimmen, der den Rückzug der Sandinisten gefeiert hat, weil er meinte, die Ausbeutung sollten die Kapitalisten selber besorgen, während Marxisten sich auf die Kritik zu beschränken hätten.

  16. @ Samson

    Das ist halt deine, zudem ziemlich ahistorische, Interpretation.

    Das ist nicht meine, sondern dass steht schon in Trotzkis´Schrift über die Verratene Revolution schon drin. Darüber hinaus sind diese Schriften (es gibt mehrere Darstellungen der sowjetischen Nationalökonomie) sehr historische Interpretationen dessen, was die Sowjets schon unter Stalin getrieben haben (und was die Opponenten eigentlich genau wollten, sollte an Trotzkis Auffassungen selbst noch studiert werden).

    Lenin war bspw. schon klar, dass die NEP ein ‚Schritt zurück‘ gewesen ist.

    Einen “Schritt zurück” in Bezug auf was? An Lenin´ s und an deinem (selbstgebstalten) Ideal einer kommunistischer Versorgungswirtschaft?
    Lenin war bereits in seiner Schrift über Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen (Thesen) für das „Selbstbestimmungsrecht der Nationen„ eingetreten. Außerdem solltest du seine ziemlich aufschlußreiche Schrift Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus lesen (empfehlenswert), wo er ausdrücklich nicht den Profit, sondern allenfalls die Profitgier der Kapitalisten, und vor allem der Banken, für den globalen Imperialismus verantwortlich macht. So verkehrt wird also meine Vermutung, (auch) über Lenin´s, Auffassung von Geld & Warenproduktion der Sowjets nicht gewesen sein können.

    Dass es dazu eines, analytisch gesehen, Mehrprodukts bedarf, versteht sich fast von selbst, hat aber mit einem „Schmiermittel kapitalistischer Profitgier“ nix zu tun.

    Um “Mehrprodukt” geht es an dieser Stelle ja auch nicht sondern um weiterführende Begriffsbildung. Es ging darum welche Auffassungen über Geld, Warenproduktion und Planwirtschaft in den zentralistischen Planungseinrichtungen der SU (ansatzweise schon vor Stalin) vorgeherrscht haben müssen (Auf “Mehrprodukt” kommst du auch nur deswegen gleich, weil du der Sowjetwirtschaft gern dein eigenes Ideal einer Versorgungswirtschaft überstülpeln möchtest).
    Und diese Auffassungen entscheiden zentral darüber was, auch in Einbettung der SU sowie des Ostblocks in einer imperialistisch strukturierten Weltgesellschaft, als Mehrprodukt rationiert bzw. eingeteilt werden, ja sogar wofür überhaupt produziert, also Produktionsmittel eingespannt werden soll(ten).

    … aber vielleicht, um bedrängten ‚Klassenbrüdern und -schwestern‘ zu helfen, sich gegen imperialistische Agressoren zu verteidigen, wie etwa in Korea, Vietnam etc. …

    Ja klar Samson, die CSSR war, nach eurer Auffassung, nicht dazu in der Lage ausreichend Produktionsmittel, Zwecks Versorgungswirtschaft, zu unterhalten. Aber eine konkurrenzträchtige Waffenproduktion, dazu waren sie in der Lage versetzt worden… (dafür stellten sie plötzlich doch noch Produktivkräfte zur Verfügung).
    In Wirklichkeit ging es um einen Abnutzungswettbewerb zwischen (miteinander) vergleichbaren Systemen (Planung oder Markt). Was auch für die weittragende Verwendung von Produktionsmitteln, sowie für dass gesellschaftlich produzierte Mehrprodukt, nichts gutes bedeutet. Und auch dass spricht darüber Bände dass die Sowjets, und ihre Verbündeten, so einiges an der Realität, und ihren Wunschvorstellungen entlang gemessen, durcheinander gebracht haben könnten.

  17. zu Samsons

    “Ab wann wer die Weltrevolution abgeschrieben hat, ist noch mal eine andere Frage. Nur sollte man m.E. den Bolschewiki nicht vorwerfen, dass sie ihre Konsequenzen daraus gezogen hatten, dass die nicht stattgefunden hatte.”

    Das klingt so, als ob die Bolschewiki so eine Art unkundige Astronomen gewesen seien, die fälschlicherweise dem Himmel eine seltene Sternenkonstellation namens Weltrevolution abgelesen/bzw vorausgesagt hätten, die dann ähnlich den Prognosen der Zeugen Jehovas oder dem Maya-Kalender dann nicht ganz überraschend doch nicht gekommen ist. Und die dann die “Konsequenz” gezogen hätten, es eben mit solch Sternschnuppenzeugs sein zu lassen. Als wenn das ein überflüssiger Luxus gewesen wäre, der zwar ganz nett aber eigentlich fürs nationale Werkeln aka Aufbau des Sozialismus (in einem Land) völlig überflüssig gewesen wäre.

  18. @Samson

    Das hat dich aber nicht davon abgehalten, in Gemeinplätzen ausführen zu müssen, was Sozialismus eigentlich zu sein hätte

    Wo bitte?
    Mit dem Robert Schlosser ff. kann ich nichts anfangen.
    Meine Absicht bei der Erwähnung der Rüstungsindustrie war eine andere. Ich wollte Dissidenten nicht vorwerfen, daß sie eine Kritik am realen Sozialismus hatten, sondern was für eine das war. Ich wollte gerade nicht in eine Debatte darüber einsteigen, was am Realsozialismus falsch war. Das würde ja unterstellen, daß ich mich zumindest in Ansatzpunkten mit diesem Gesellschaftssystem identifiziere, was mir jedoch nicht in den Sinn kommt.
    Es befremdet mich daher, daß du meinst, ich hätte mich darüber ausgelassen, was Sozialismus „zu sein hätte“. Ich hab nämlich mit „Sozialismus“ nix am Hut.

  19. So ein Zufall, dass ein real existierender Staatsführer tatsächlich kein Dissident ist! Heißt das gar umgekehrt, dass Dissidenten keine Staatsführer sind, wenn sie dissidieren?!!!

  20. Nein, Havel war kein Gegner des Realsozialismus, weil er abstrakt und wohlmöglich immer gegen “Alles” gewesen wäre. nicht umsonst hat er selber betont, nie dissident gewesen zu sein, weil das zu sehr danach klingen würde, früher mal kein dissident gewesen zu sein. Der Mann ist sich und seinen politischen Auffassungen weitgehend treu geblieben, grob mit philosophisch angehauchtem Antikommunismus umschrieben. Von daher war seine Präsidentschaft eher dem entsprechend als ein Widerspruch zu seiner früheren “Untergrund”-Arbeit.

  21. Ich verstehe eigentlich nicht ganz, worum es bei euren Beiträgen geht.
    Daß Havel an dem einen System eine Kritik hatte und am anderen nicht, sondern die Demokratie und Marktwirtschaft ausdrücklich gewollt hat, wird doch hier keiner bestreiten.
    Also ist es auch kein Widerspruch, in der sozialistischen CSSR im Häfn zu sitzen und in der demokratischen CSFR/CR Staatspräsident zu werden.
    Worum geht es also?

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