Serie „Lateinamerika heute“. Teil 25: Suriname

LIEFERANT VON ALUMINIUM UND FUSSBALLSPIELERN

Suriname entwickelte sich aufgrund mehrerer Umstände topographischer und politischer Natur etwas anders als das benachbarte Guyana. Die Plantagen gingen über den unmittelbaren Küstenstreifen hinaus und zogen sich entlang der verschiedenen Flüsse ein Stück weit ins Hinterland, allerdings nur im östlichen Teil Surinames, der höher gelegen war als der westliche. Die Anbauprodukte waren außer Zucker auch Kaffee, Kakao, Indigo und Tabak.
Nachdem die Kolonie im 17. Jahrhundert von der Provinz Zeeland an die Westindische Kompanie verkauft worden war, begann eine regere wirtschaftliche Tätigkeit: Plantagen wurden gegründet und Kredit wurden vergeben. Außerdem kamen protestantische und jüdische Flüchtlinge aus den spanischen Niederlanden nach Suriname.
Der östliche Teil wurde im 18. Jhd. durch militärische Befestigungen gegen Piratenangriffe geschützt.

Die Nachfahren der Sklaven, die im 17. und 18. Jahrhundert zum Betreiben der Plantagenwirtschaft in das Gebiet des heutigen Suriname gebracht worden waren, teilen sich in zwei Gruppen. Das eine sind die Nachfahren derjenigen Sklaven, die im 19. Jahrhundert schließlich mit der gesetzlichen Aufhebung der Sklaverei zu freien Bürgern wurden und sich hauptsächlich in Paramaribo und entlang des östlich davon gelegenen Küstenstreifens ansiedelten.
Das andere sind die Maroons, deren Vorfahren in den Urwald entkamen und dort nach afrikanischen Sitten ihrer Herkunftsländer Dorfgemeinschaften bildeten und den Sklavenjagden der Plantagenbesitzer sowie den unwirtlichen Bedingungen des Urwalds trotzten. Die Nachfahren der Maroons machen heute mehr als ein Fünftel der Einwohner Surinames aus. Sie haben für die schmalen politischen Eliten Surinames, ob schwarz, farbig oder weiß, wenig übrig.

Der Rest der Bevölkerung teilt sich auf in die Nachfahren der weißen Plantagenbesitzer sowie der nach Aufhebung der Sklaverei eingeführten Arbeiter aus China, Indien und Java.

Die Wirtschaft Surinames

bestand mehr als 2 Jahrhunderte aus dem Anbau landwirtschaftlicher Produkte, bis im 20. Jahrhundert das Bauxit dazu kam. Während des 2. Weltkriegs erlebte die Nachfrage nach Bauxit einen Höhepunkt. In den 50-er Jahren wurde von der Firma Alcoa ein Staudamm gebaut, um das Bauxit auch zu Aluminium zu verarbeiten. Der Bauxitabbau und die Aluminiumproduktion sind seit 2020 Geschichte – geblieben sind Ablagerungen aller Art. Alcoa betreibt den Staudamm und das daran angeschlossene E-Werk weiter und verkauft den Strom zu Monopolpreisen an den Staat.

Als Bergbauprodukt hat inzwischen Gold die Nase vorne. Goldbergwerke haben sich im letzten Jahrzehnt im östlichen Teil Surinames ausgebreitet und operieren dort relativ ungestört, da ihnen niemand irgendwelche Umwelt-Auflagen erteilt. Verträge und Konzessionen sind in diesem Staat ausschließlich eine Frage des Geldes.

Goldabbau in Suriname

Auch Ölfirmen sind unterwegs, um dort noch irgendwelche weiteren Bodenschätze abzustauben. Sie sind aber noch nicht so weit, wie ExxonMobil im benachbarten Guyana, auch hier reichlich sprudelnde Ölquellen erschlossen zu haben.

Die politische Verwaltung

Als Suriname 1975 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, nutzte mehr als ein Drittel seiner Bewohner die holländische Staatsangehörigkeit und übersiedelte nach Holland.
(Der Abwanderung aus Suriname verdankte die holländische Nationalmannschaft bzw. die Fußballwelt Spieler wie Ruud Gullit, Frank Rijkaard, Clarence Seedorf, Patrick Kluivert u.a.)
Das Land hat heute geschätzt 620.000 Einwohner, die doppelte Einwohnerzahl von Graz, bei einer Größe, die das Doppelte von Österreich ausmacht.

Die Selbst-Regierung mündete 1980 in einen Militärputsch, der von den Niederlanden und den USA unterstützt worden war. Der starke Mann Surinames, Desi Bouterse, der in den Niederlanden zum Offizier ausgebildet worden war, regierte im Grunde bis zu seinem Tod im Jahre 2024. In den 90-er Jahren führte seine Clique noch einen Bürgerkrieg gegen die Maroons.
Am Schluß einigte er sich mit anderen Guerilla- und Stammesführern und sie stiegen in den Drogenhandel ein.
Suriname ist heute ein wichtiges Transitland für Kokain, zusammen mit seinen europäischen Andockstationen Belgien und Holland. Im unbewohnten Urwald, der niemandem gehört, passen Goldabbau und Landpisten für Drogenflugzeuge gut zusammen, während die spärlichen Exportprodukte des Landes mit Kokainladungen aufgefettet werden.

Dazwischen finden sich dann auch noch Angebote für Touristen, die ganz unberührten Dschungel oder touristisch nicht überlaufene Destinationen bevorzugen.

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