Pressespiegel: Komsomolskaja Pravda, 15.7.

DIE UKRAINE – EIN OPFER DES KRIEGES ZWISCHEN DEN USA UND CHINA UM DIE MÄRKTE DER EU
Interview der KP mit dem Ökonomen Michail Chasin
„KP: Ich gestehe, Ihre Äußerung ist überraschend. Sie unterscheidet sich sehr grundlegend von allen bekannten Versionen des Kiewer Umsturzes.
Ch: Ich bin Ökonom und gehe von objektiven Fakten und Faktoren aus. Der Haupt-Mechanismus der Weltwirtschaftskrise, die 2008 begonnen hat, ist der Rückgang der privaten Nachfrage. Das bestimmende Element des Überlebens der größten Volkswirtschaften der Welt ist die Suche nach neuen Absatzmärkten. Der optimale Markt ist die EU. Die Operation zur Eroberung dieses Marktes begann am 8. Feber 2013. An diesem Tag beschlossen die USA und die EU die Einrichtung der transatlantischen Handels- und Investitions-Partnerschaft. Natürlich auf Initiative der Yankees. Es wird behauptet, so würde Ende 2014 die größte Freihandelszone der Welt entstehen. Sie würde die europäische Wirtschaft retten und 13 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Das Handelsvolumen zwischen der Alten und der Neuen Welt würde um 300 Milliarden Dollar wachsen, usw. usf. …
KP: In Wirklichkeit jedoch?
Ch: Meiner Ansicht nach würde die Durchführung dieses Projektes Westeuropa in genau das verwandeln, was aus Bulgarien, dem Baltikum und anderen Staaten Osteuropas geworden ist, die der EU beigetreten sind. Die EU erwartet eine völlige Desindustrialisierung! Die Absatzpreise in der EU sind höher als in den USA, aufgrund der Steuern und Sozialabgaben. Deswegen würde die EU zum Markt der USA.
Die Initiatoren dieses ehrgeizigen Projektes verbargen nicht, daß eines der Haupt-Ziele der Errichtung dieser Freihandelszone der Schutz des Westens vor Billigprodukten aus China und anderen asiatischen Staaten ist. Die erste Runde dieser Gespräche der transatlantischen Partner sollte im Juli 2013 in den USA stattfinden.
Im Juni jedoch tauchte wie der Teufel aus dem Waschtisch der Alles-Seher/Brillenträger Snowden mit seinen alptraummäßigen Berichten auf: Die hinterhältigen US-Geheimdienste hören auch dann zu, wenn die Bundesbürger aufs Klo gehen, und Frau Merkel ihre Freundinnen anruft.
KP: Und wer hat ihn „angeschoben“? (Also: in den Waschtisch gesteckt?)
Ch: Dreimal dürfen Sie raten.
KP: Offenbar nicht Rußland, obwohl er sich bis heute in Moskau versteckt. Snowden hat Chinesisch gelernt. Im Juni flüchtete er aus dem Paradies Hawai nach Hongkong – einen Teil Chinas mit Sonderstatus. Dort verkündete er seine ersten sensationellen Enthüllungen. Hatte er es eilig, einen Keil zwischen die USA und die EU zu treiben? Es gibt eine Menge von Versionen, wer hinter dem universellen und einsamen Wistleblower stehen soll. Vielleicht doch die Chinesen? Nachher schoben sie ihn zu uns weiter, um den Verdacht von sich abzulenken.
Ch: Hongkong ist eine Beute der Rothschilds, der Eliten des einstigen Britischen Empire. Deshalb wurde er auch nicht den USA übergeben, obwohl es eine Übereinkunft über die Auslieferung von Verbrechern gibt. Die Enthüllungen Snowdens bremsten den Prozeß der Einrichtung der euro-atlantischen Freihandelszone, aber sie brachten ihn nicht zum Erliegen. Die zweite Runde der Verhandlungen zwischen Brüssel und Washington wurde für Oktober (2013) anberaumt. Und wiederum gab China dem Westen eine assymetrische Antwort. Diesmal ganz offiziell. Der chinesische Regierungschef Xi Jinping kündigte die Idee einer „neuen Seidenstrasse“ an.
KP: Was für eine Idee ist das?
Ch: Vor langer Zeit gab es die Große Straße, auf der die Kamel-Karawanen aus China Seide, Tee und andere exotische Waren nach Westeuropa brachten. Xi Jinping beschloß, diese Straße im 21. Jahrhundert zu reaktivieren. Denn schon bald (möglicherweise Ende 2015) wird es zu einem starken Rückgang des Lebensstandards der Bevölkerung der EU kommen. Die Europäer werden genötigt sein, teilweise von den teuren deutschen Waren auf die billigen chinesischen umzusteigen.“ (Ganz was Neues. Als ob die chinesischen Produkte heute in der EU nicht gekauft würden. Chasin meint offenbar, noch mehr als bisher.)
„Der Regierungschef der Volksrepublik China schritt sogleich von Worten zu Taten. Vorigen September unternahm er eine „historische Tournee“ durch Zentralasien. Er traf sich mit den Regierungschefs Kasachstans, Turkmenistans, Usbekistans, Tadschikistans, Kirgisiens. Er kehrte nach Peking mit Verträgen im Umfang von 60 Milliarden Dollar zurück. Darunter viele für den Bau von Eisenbahnen und Straßen. Der Bau der neuen Seidenstraße kam in Bewegung. Mittelasien wurde zum Verbündeten. Rußland kann man auch nicht gerade als Hindernis bezeichnen. Als einzige Schranke auf der großen Handelsstraße zwischen China und der EU erwies sich die Ukraine.
KP: Endlich kommen wir zur Ukraine!
Ch: Das Spiel um die Absatzmärkte der Welt wird nämlich in der Tat global geführt. Der listige Janukowitsch beschloss, sich daran zu beteiligen. Aus irgendeinem Grund betrachten und bezeichnen ihn bis heute alle als prorussischen Präsidenten. Obwohl er gegenüber Moskau bloß nach außen um ein klein wenig loyaler als Juschtschenko war. Aber er blickte nach Westen. Er hatte persönliche Motive, Ende November in Vilnius den Assoziationsvertrag mit der EU zu unterzeichnen – die Vergrößerung seines familiären Kapitals. Er dachte, mit der Unterschrift hätte er eine Art Freibrief erhalten, mit der sein persönliches Kapital geschützt würde. Aber er wurde mit der tatsächlichen Situation konfrontiert und war gezwungen, die Unterschrift zu verweigern.
KP: Dieses Mal frage ich nicht, wer …
Ch: Janukowitsch gefiel der Druck Moskaus überhaupt nicht. Während er erst im Inland, und dann der EU in Vilnius im letzten Moment verkündete, daß er VORLÄUFIG das Abkommen mit der EU nicht unterzeichnen wird, organisierte er selbst den ersten studentischen Euromaidan. Um damit zu zeigen, bitte, schaut her, das Volk der Ukraine verlangt die Integration in die EU.
KP: Nehmen Sie das wirklich an?! Obwohl ich bereit wäre, es zu glauben. Im Internet kursieren Bilder aus dem Programm des ukrainischen Fernsehkanals „Inter“, auf denen zu sehen ist, wie Janukowitsch Ende November vor laufender Kamera die Teilnehmer des Maidan zu ihrer Zivilcourage beglückwünscht.
Ch: In Vilnius äußerte er übrigens, daß er das Abkommen auf jeden Fall innerhalb der nächsten 3 Monate unterzeichnen wird, man muß nur vorher bei den Russen einiges an Geld einsammeln. Gleich nach dem Vilnius-Gipfel reiste er selbst nach Peking. Und nicht einfach so, sondern um einen Teil der Ukraine zu verkaufen. Dieser Schachzug gefiel Washinton gar nicht. Ich weiß nicht, ob es auf Aufforderung des amerikanischen Botschafters oder direkt des Außenministeriums geschah, aber am 30 November ließen hohe Beamte, sogar der Chef der Präsidialverwaltung, Lewotschkin, vor laufender Kamera den Maidan – in für damalige Verhältnisse ziemlich rauher Manier – räumen.
KP: Obwohl der Protest sich praktisch schon totgelaufen hatte. Der Präsidentensessel unter Janukowitsch begann plötzlich zu wackeln. Und dennoch, er reiste nach China ab. Eigenartig! Er erhielt dort aber gar nichts …
Ch: Chinesischen Quellen zufolge unterstützte Janukowitsch dort die Idee der Großen Seidenstraße wärmstens und beschloß, sich persönlich an ihrer Verwirklichung zu beteiligen. Er kam allerdings nicht mehr dazu.
KP: Wie hätte er sich daran beteiligen können?
Ch: Indem er China die Krim als strategischen Verkehrsknotenpunkt übergeben hätte, als Umladestelle der Chinesen für die EU. Laut den chinesischen Zeitungen sahen die Vereinbarungen vor, daß die VR China im Bezirk Jewpatoria auf der Krim einen Tiefwasserhafen mit einem Frachtaufkommen von 140 Millionen Tonnen pro Jahr baut. Für die Einfahrt großer Schiffe war der Bau eines Kanals von 9 Kilometer Länge vorgesehen. Dazu ein Flughafen, Werften, Fabriksanlagen – eine Raffinerie und ein Werk zur Herstellung von Flüssiggas, IT-Unternehmen, Strände, Schulungszentren usw. Sie hätten 160.000 Hektar gepachtet, um dort Weizen und Kukuruz für das Reich der Mitte anzubauen. Der Anfang der Bautätigkeit war schon für Ende 2014 geplant! Die Ausführung der Bauten hätte die Firma HKND Group des Milliardärs Wang Jing übernommen, die den viel besprochenen Kanal durch Nicaragua bauen soll.
Auf diese Weise erwartete Janukowitsch bis zu den Präsidentschaftswahlen 2015 Investitionen in der Höhe von 10-15 Milliarden Dollar aus China. Ein gewichtiger Trumpf für den Wahlsieg. 2 bis 2,5 Millionen Chinesen hätten die Erlaubnis erhalten, ohne große Prozeduren auf die Krim einzureisen, um beim Bau dieser Anlagen zu arbeiten und die ganze Hafentätigkeit und die dazugehörige Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Im Wesentlichen ging es um die Besetzung der Krim durch die Chinesen. Aber der superschlaue Präsident rechnete nicht mit der Reaktion Washingtons. Die aufgebrachten Yankees, die in Hinsicht auf die Krim und Sewastopol eigene Pläne hegten (von den Märkten der EU ganz zu schweigen) beschlossen, sich Janukowitschs zu entledigen und so dessen Flirt mit China zu beenden. Auf den Maidan kamen die Schläger des „Rechten Sektors“ und andere Sturmtrupps, die von westlichen Ausbildern nach amerikanischen Methoden trainiert worden waren. Die Assistentin des Außenministers, Nuland, verteilte persönlich Kekse. Janukowitsch mußte abhauen.
KP: Und was wurde aus dem Projekt „chinesische Krim“?
Ch: Die Krim gehört jetzt uns! Wie sich Moskau und Peking zusammenreden werden, weiß ich derzeit noch nicht. China sucht jedoch Alternativrouten – so hat es einen langfristigen Pachtvertrag für den Hafen von Piräus abgeschlossen.
KP: Und die transatlantische Freihandelszone zwischen den USA und der EU?
Ch: Bisher ist nicht klar, was daraus wird. Aber ich habe so meine Zweifel – bis Ende 2014 bleibt nicht mehr viel Zeit. Und unter den führenden Politikern der EU setzt sich die Erkenntnis durch, daß das wirtschaftliche Ziel der USA die Zerstörung der EU als Konkurrent ist.
China agiert wie immer „unter dem Teppich“. Möglicherweise sehen wir das Ergebnis seiner Betätigung etwas später – genau dann, wenn sich die Lage in der Ukraine irgendwie geklärt und beruhigt hat.“
Das Interview für die KP führte Jewgenij Tschornych.
Die Ukraine kann die Notbremse nicht mehr ziehen, der Zug ist abgefahren
Die Ukraine kann die Notbremse nicht mehr ziehen, der Zug ist abgefahren.
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Man muß noch hinzufügen, daß das gewaltige Handelsvolumen, das bereits heute zwischen der EU und China abgewickelt wird, größtenteils über den Seeweg geschieht. Deshalb findet derzeit auch der Ausbau von Piräus zu einem zentralen Umschlagplatz im Mittelmeer statt.
Das Nadelöhr dieser Handelsstrecke ist der Suezkanal. Die Ereignisse der letzten Jahre in Ägypten haben gezeigt, daß diese Handelsstraße gefährdet ist, falls in Ägypten ähnliche Kämpfe entstehen wie derzeit in Syrien und dem Irak. (Und es scheint, daß die Politik der USA darauf abzielt, diese führungslosen Bürgerkriegs-Zustände in möglichst vielen Staaten des Nahen Ostens herzustellen.) Müßten die Schiffe jedoch Afrika umfahren, so würde das die Waren verteuern.
Daher stammt die Idee der chinesischen Führung, den Landweg als alternative Transitroute auszubauen.

23 Gedanken zu “Pressespiegel: Komsomolskaja Pravda, 15.7.

  1. “Ich bin Ökonom und gehe von objektiven Fakten und Faktoren aus.” Und dann kommen die größten Klopper. Solche Typen liebe ich:
    “Die Operation zur Eroberung dieses Marktes begann am 8. Feber 2013”, Nein seit Bretton Woods läuft diese Chose.
    “Die EU erwartet eine völlige Desindustrialisierung!” Das erwartet die EU natürlich nicht, so blöde, als Selbstmörder in diesen Deal zu gehen, sind die ja auch nicht. Wer da wen “desindustrialisieren” kann, das wird man noch sehen, sichere Erwartungen gibt es jedenfalls nicht.

  2. Also einmal die Ruhe. Wie dieser Typ sich selbst darstellt, ist eine Sache. Was er zum Thema zu sagen hat, ist eine andere Sache.
    Natürlich kommt das ein bißl so herüber, als ob die USA und China bisher nicht präsent gewesen wären, aber das weiß ja jeder, daß dem nicht so ist, also ist das bloß eine etwas unpräzise Ausdrucksweise.

    Das erwartet die EU natürlich nicht, so blöde, als Selbstmörder in diesen Deal zu gehen, sind die ja auch nicht.

    Welch ein Unsinns-Satz.
    Erstens meint Chasin, daß das Abkommen, so wie es geplant war, diesen Effekt gehabt hätte. Ob es jetzt auch wirklich in Kraft treten wird, ist ja auch nicht ganz sicher. Vielleicht wäre es gut, wenn du den Text erst einmal durchlesen würdest, bevor du ihn kommentierst.
    Zweitens spricht er aus – was Kennern der Szene bekannt ist, aber selten ausgesprochen wird – daß ein guter Teil der EU desindustrialisiert ist. So ging ja die Osterweiterung, daß als Bedingung die meiste dortige Produktion ruiniert und dann mit Hilfe von Krediten ein Markt geschaffen wurde.
    Übrigens nicht nur in Osteuropa. Griechenland, Portugal, Spanien lassen grüßen. Die meisten dortigen Industrien wurden durch die überlegene Konkurrenz aus Deutschland, Holland, Frankreich ruiniert. Bei GB hast du einmal selber drauf hingewiesen.
    Und natürlich könnte die USA nur so von dem Freihandelsabkommen profitieren, indem sie das genauso macht.
    Die Berechnungen der EU-Politiker gehen offenbar so: Wenn wir den Sozialstaat endgültig über Bord werfen, dann können wir den US-Markt erobern!
    Diese Art von Kalkulationen mit dem eigenen Menschenmaterial als „blöde“ zu bezeichnen, ist erstens dumm und zweitens sehr unangenehm besserwisserisch – als wüßtest du, wie Freihandelsabkommen ausschauen müßten, damit das heimische Kapital als Sieger hervorgeht. Solche Überlegungen sollte man schon den Zuständigen überlassen, die kennen sich da besser aus.
    Übrigens waren die Regierungen der betroffenen Länder –Ungarn, Bulgarien, Lettland, Rümänien. Griehenland usw. – ja auch „so blöde“, du Oberlehrer, der EU beizutreten, obwohl ihnen nicht unbekannt war, daß sie mit sehr schlechten Karten in diesen Deal gehen.
    Diese Art von „Blödheit“, wie du die Berechnungen von Politikern und Wirtschaftstreibenden charakterisierst, gehört offenbar zu imperialistischen Konkurrenz dazu.

  3. Die Einschätzung von Chasin kann ich auch nicht teilen. Wenn die EU als Markt für die USA herhalten soll und nicht umgekehrt, hätte man davon ja etwas merken müssen. Amerikanische Waren müssten auch schon jetzt auf den Markt drücken. Davon sehe ich aber nichts. Dagegen drücken chinesische Waren auf den EU Markt ganz ohne Freihandelsabkommen. Ich sehe nicht, dass in den USA das Produzieren so wahnsinnig viel günstiger wäre als in den EU, dass US-Waren automatisch den Markt erobern und europäische Produzenten bankrott gehen. Verschiebungen in einzelnen Branchen gibt es sicherlich, aber dass eine überlegene Kostenstruktur amerikanischer Unternehmen, europäische Konkurrenten großflächig in den Bankrott treibt, dafür sehe ich keine Hinweise.
    “Übrigens waren die Regierungen der betroffenen Länder –Ungarn, Bulgarien, Lettland, Rümänien. Griehenland usw. – ja auch „so blöde“” Die hatten mehr oder weniger keine andere Wahl. Die EU hat schon eine Wahl, die hat ein Weltgeld, ist im Prinzip erfolgreich. Die EU ist gegenüber den USA garantiert nicht in der Position wie Lettland gegenüber der EU.

  4. Es reicht der Hinweis auf die Rothschilds, um jegliches Nachdenken über diesen Idioten einzustellen und ihn genau da einzuordnen, wo er hingehört. Aus dem Nähkästchen können sie plaudern und sich einem Publikum interessant machen, das geil nach tieferen Zusammenhängen giert. Ich setz mir einen Aluhut auf. Solltet ihr Drei auch tun.

  5. @Krim
    Amerikas Stärke war und ist der Kapital- nicht der Warenexport. Aber in den letzten Jahren ist ihnen die negative Handelsbilanz unangenehm aufgefallen. Irgendein Motiv müssen sie ja haben, wenn sie so ein Freihandelsabkommen aushandeln wollen, oder?
    Beide Blöcke – USA und EU – wollen auf den Markt des anderen, und glauben, daß sie ihn als Konkurrenten aus dem Feld schlagen können.
    Chasins Argument ist, daß die USA geringere Steuern und Sozialabgaben haben, und deshalb bei gleicher Produktivität kostengünstiger wären. Wie die Sache ausgeht und ob das Abkommen zustandekommt, wissen wir nicht. Aber es geht ja um die Berechnungen, aus denen heraus die Verhandlungen geführt werden.

    Dagegen drücken chinesische Waren auf den EU Markt ganz ohne Freihandelsabkommen.

    Eben. Deswegen wollen die Chinesen ja auch kein Freihandelsabkommen, sondern sichere Transportwege.

    Die hatten mehr oder weniger keine andere Wahl.

    Einerseits ja, andererseits wird mit diesem Standardsatz auch immer der Subjektcharakter der dortigen Regierungen geleugnet, und ihre Berechnungen fallen unter den Tisch. Außerdem sieht man das vom Endergebnis gescheiterter Nationen, wie Ungarns oder Rumäniens. Tschechien hingegen steht weitaus besser da als manche Mitglieder der Eurozone und konnte es sich auch leisten, auf den Euro zu verzichten. Und genau so etwas haben die Politiker der anderen Staaten auch angestrebt, als sie sich an die EU angenähert, Verträge unterschrieben und Bedingungen akzeptiert haben.
    Also nicht immer so mit dem lockeren Spruch: Das war doch eh klar! – Was dir oder mir klar war, war den dortigen Politikern und Bürgern nicht klar, und auch heute ist es sehr populär, die unerfreulichen Ergebnisse mit der Dummheit und Korruption der eigenen Führung zu erklären, um das gute System Kapitalismus reinzuwaschen.

  6. @stankovic
    Der Satz mit den Rothschilds hab ich extra auch mitübersetzt, um so Ignoranten wie dich unter den Aluhut zu treiben und dich davor zu bewahren, deine graue Materie in Betrieb zu nehmen.
    ——————————
    Vielleicht noch was zu dem ganzen Interview – weil mich jemand gefragt hat, wer eigentlich dieser Chasin ist.
    Die KP ist die populärste Zeitung Rußlands. Sie hat einen Boulevard-Teil mit allerlei Adabei-Seiten zum Leben der russischen Kultur- und Sportszene, aber auch einen analytischen Teil, wo dann immer wieder einzelne Personen ihren Senf abgeben.
    Ich vermute, daß das eine Form ist, wie die russische Regierung manche Dinge unters Volk bringen will, ohne daß es gleich hochoffizielle Regierungslinie wäre.

  7. “Irgendein Motiv müssen sie ja haben, wenn sie so ein Freihandelsabkommen aushandeln wollen, oder?” Da steht in dem neuen Jour Fix Protokoll ja einiges dazu. Die Amis denken halt es läuft was schief, wenn das Kapitalwachstum woanders in der Welt stattfindet als bei ihnen. Also schaffen Sie mit politischen Mitteln günstige Bedingungen für ihr Kapital. Das ist zwar nicht unerheblich, aber es ist auch keine Garantie für den Erfolg. Zumal sie gegenüber Europa nicht in der Position sind Bedingung einfach diktieren zu können.
    “andererseits wird mit diesem Standardsatz auch immer der Subjektcharakter der dortigen Regierungen geleugnet,” Es ging aber gerade gar nicht darum, warum Ungarn und Rumänien sich von der Eu irgendweche Bedingungen aufdrücken lassen, sondern um das Verhältnis der EU zu Amiland, das sich eben vom Verhältnis der EU zu ihrem Hinterhof unterscheidet. “Also nicht immer so mit dem lockeren Spruch: Das war doch eh klar!” Du phantasierst wieder.

  8. Ganz gewiss, Nestor, allein deswegen hast Du die Übersetzung geleistet! Ich verrat dir mal was: ein Aluhut kann weder jemandes graue Materie lahmlegen, noch hilft er dabei, einer gedanklichen Einstrahlung sich zu erwehren, ganz einfach deshalb, weil Menschen ihre Gedanken, so bescheuert sie auch sein mögen, sich immer noch selber machen. Ein vernünftiger Mensch zieht sich einen Aluhut nur über, um sich über eine Person lustig zu machen, von der man weiß, dass die angebotenen Einsichten einem Verschwörungsdenken entspringen, welches im Geheimen zersetzend wirkende Finanzoligarchien mit dem Ziel der Zerstörung Russlands und Europas halluziniert.
    Einige wenige Minuten hätte es gekostet, um herauszufinden, dass Hr. Chasin gerne des Öfteren mit einem anderen , jedoch prominenteren Irren, der sich auch für einen Ökonomen hält, Lyndon LaRouche, verkehrt, mit dem man ungezwungen über die Rothschilds und Rockefellers plaudern kann, ohne dass Ignoranten das Geschwätz stören. Stattdessen erfährt man über Chasin etwas von Nestors Vermutungen über die Zeitung, für die der auf Fakten bedachte Ökonom Rede und Antwort gestanden hat.
    Was muss eigentlich passiert sein, damit Leute mit einem kommunistisch geschulten Kopf anfangen, in verschwörungstheoretischer Scheiße zu rühren? Ist es ein geiles Gefühl, wenn von Ägypten über TTIP und die Rothschilds bis hin zu China und Snowden alles unter einen Hut zu kriegen ist und alles schlagartig einen Sinn ergibt? Oder bleibt doch die Unzufriedenheit darüber, dass zwei verschwundene Flugzeuge der malaysischen Airline in dem ganzen Geschehen noch nicht richtig eingeordnet werden können? Ist es wirklich so, dass nichts abstrus genug sein kann, um nicht in der einsamsten Ecke des Webs in einem Wettstreit unter Blitzbirnen zu enden, die mit ihrer Einschätzungsgabe sich gegenseitig imponieren wollen und dabei den Hinweis auf die Judenbande ignorieren? Überhaupt: der Hinweis auf die Rothschilds macht einen nicht mehr verdächtig?

  9. Was er zum Thema zu sagen hat, ist eine andere Sache.

    Und was er da sagt, ist mehr als zweifelhaft:

    Der Haupt-Mechanismus der Weltwirtschaftskrise, die 2008 begonnen hat, ist der Rückgang der privaten Nachfrage.

    Das ist dasselbe Märchen, das den Bankencrash seinerzeit damit erklären wollte, paar blöde Banker hätten zuviele Kredite an Leute ausgegeben, die nicht kreditwürdig gewesen seien …

  10. Noch eine Blitzbirne mehr, die den vermeintlich faktensicheren Ökonomen an den Fakten blamieren will und die Ideologie, aus der das falsche Wissen abzuleiten wäre, unberückscihtigt lässt.
    Hier, bitte schön, arbeitet Euch ganz gewissenhaft an den Fakten ab:
    http://www.bueso.de/

  11. @Samson

    „Der Haupt-Mechanismus der Weltwirtschaftskrise, die 2008 begonnen hat, ist der Rückgang der privaten Nachfrage.“
    Das ist dasselbe Märchen, das den Bankencrash seinerzeit damit erklären wollte, paar blöde Banker hätten zuviele Kredite an Leute ausgegeben, die nicht kreditwürdig gewesen seien …

    Also von wegen Märchen. Der Typ drückt sich ein wenig komisch aus, er ist halt ein Ökonom, was solls.
    Er meint nicht: „die Ursache“, sondern das Hauptproblem. Ein guter Teil des Konsumentenkredites weltweit ist gecrasht, die Leute werden überall immer ärmer, natürlich geht die Nachfrage zurück. Das ist doch kein Märchen, das kann man jeden Tag in allen Zeitungen nachlesen.
    Und darauf reagieren eben sowohl die Amis, als auch die Schlitzaugen – beide hätten gern mehr Marktanteile außerhalb ihrer Grenzen.
    Übrigens auch die EU: Das ganze Schlamassel um die Ukraine ist teilweise dadurch entstanden, daß die EU auf Teufel-komm-raus dorthin expandieren wollte.
    @stankovic
    Ich würde dir empfehlen, erst einmal zu lesen, was da steht, und dir darüber den Kopf zu zerbrechen, anstatt herumzuassoziieren und mit abstrusen Hintergrundinfos zu punkten.
    Übrigens zwingt dich niemand, dich hier zu beteiligen, also laß es doch, wenn es dein Nervenkostüm so belastet.
    Dein zweiter Post gehört übrigens nicht hierher, sondern zu dem Argentinien-Thema.
    @Krim

    Es ging aber gerade gar nicht darum, warum Ungarn und Rumänien sich von der Eu irgendweche Bedingungen aufdrücken lassen, sondern um das Verhältnis der EU zu Amiland, das sich eben vom Verhältnis der EU zu ihrem Hinterhof unterscheidet.

    Wie mans nimmt. Es wurde gegen Neoprene von mir der Vergleich deswegen angestrengt, um darauf hinzuweisen, daß sich in den Absichten die subalternen Staaten nicht von den siegreichen unterscheiden, sondern nur in den Mitteln, dieselben durchzusetzen. Und daß mit so einer angestrebten Freihandelszone zwischen USA und EU natürlich beide die Absicht haben, sich des Marktes des anderen zu bemächtigen. Wer dabei die Oberhand behalten würde, stellt sich immer erst mit der Zeit heraus.
    Aber einmal sehen, ob daraus was wird. Derzeit kracht es ja ziemlich im Gebälk zwischen USA und manchen EU-Staaten. Und soweit ich dieses TTIP verfolge, scheint es vor allem Deutschland zu sein, daß mit Industrieprodukten auf den Ami-Markt will, also innerhalb der EU die treibende Kraft ist.

  12. Was ist, das ist – zur abstrusen Hintergrundinformation gerät eine Tatsache erst für denjenigen, der sie partout nicht hinnehmen will. Ich fass mal zusammen: ein dem Verschwörungsdenken verfallener russischer Ökonom im regen Austausch mit einem Verein, deren Mitglieder man ungestraft Antisemiten nennen darf, macht einen Hinweis auf die Rothschilds und punktet in der populärsten Zeitung Russlands mit abstrusen Hintergrundinfos, weil womöglich die Regierung etwas ins Publikum bringen will, was nicht gleich als Generallinie verkündet werden soll. Sicherlich gäbe es genug, was daran zu diskutieren wäre – auch käme die Idelogiekritik nicht zu kurz. Doch präsentiert sich gediegenes Verschwörungsdenken und Ihr wollt ernsthaft den Mann als Wissenschaftler kritisieren, also als etwas, was er nicht ist, und dabei ausser Acht lassen, was er ganz gewiss ist? Es stimmt, das belastet meine Nerven, und ich will nicht weiter stören bei Eurem Wettstreit. Nichts für ungut!

  13. Er meint nicht: „die Ursache“, sondern das Hauptproblem

    Mag sein, dass der das meint, ich hab die Übersetzung nicht gemacht und kann nicht so russisch, um das selber zu machen. Aber selbst wenn, dann ist für Ökonomen bürgerlicher Provenienz das Hauptproblem zutreffend wohl eher so beschrieben:

    Fakt ist, nahezu alle Probleme, die 2008 zum Ausbruch der Finanz-, Banken- und Schuldenkrise geführt hatten, sind weiter existent: Extrem aufgeblähte Finanzmärkte, ein Bankensystem mit Billionenrisiken und vor allem ein gigantisches Übermaß an Geld – sowohl der Notenbanken als auch aus realisierten Krisengewinnen. Es braucht nur einen geringen Anlaß – beispielsweise die Schieflage von Portugals zweitgrößtem Kreditinstitut –, daß daraus der nächste Crash entsteht. Deshalb ist die Banco Espírito Santo (BES) inzwischen ein Politikum, mühen sich Portugals Staatspräsident und EU-Kommission, die Gefahr kleinzureden. Sollten die Kunden der BES tatsächlich erneut die Schalter stürmen, wäre das Ergebnis womöglich schlimmer als der drohende kalte Winter in Westeuropa.
    http://www.jungewelt.de/2014/07-22/057.php

  14. @Samson
    Also, mit dem Hauptproblem gebe ich Chasin recht und halte mich an Marx:
    „Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihr Grenze bilde“.
    Der ganze aufgeblasene Kredit, der dann zusammengebrochen ist und jetzt als Zeitbombe in den Bilanzen der meisten Banken liegt, war doch ein Versuch, die Schranken der Zahlungsfähigkeit immer weiter hinauszuschieben.
    Auch Österreich hat mit seinen Banken, allen voran Erste und Hypo AA das Potential, diesen ganzen entwerteten und vor sich hergeschobenen Kredit wieder mit einem Schlag fragwürdig werden zu lassen.
    Aber das wirkliche Problem der EU und auch der anderen Wirtschaftsblöcke ist, daß das Wachstum sich nicht einstellen will, die Konjunktur rückläufig ist und alle Maßnahmen, die zur Euro-Rettung ergriffen worden sind, dieses Problem noch verstärken.
    Deshalb kommen die Banken auch nicht aus dem Tief heraus – nicht nur, daß sie jede Menge Miese in den Bilanzen haben, sie können auch das Kreditgeschäft nicht ausweiten, und sie finden aufgrund der Niedrigzinspolitik wenig und nur hochriskante Anlagemöglichkeiten vor.

  15. “Und daß mit so einer angestrebten Freihandelszone zwischen USA und EU natürlich beide die Absicht haben, sich des Marktes des anderen zu bemächtigen.” Absichten und ihre Verwirklichung sind zwei paar Stiefel. Der Chasin sagt ja nicht wie du, dass wer sich welchen Markt einverleibt sich erst noch herausstellt, sondern er sagt: “Die EU erwartet eine völlige Desindustrialisierung! Die Absatzpreise in der EU sind höher als in den USA, aufgrund der Steuern und Sozialabgaben. Deswegen würde die EU zum Markt der USA.” Der Mensch hat offenbar eine Kristallkugel. Wenn die Absatzpreise so viel höher sind, frage ich mich, warum man von Amiwaren so wenig bemerkt.

  16. @Nestor
    Dass du das Marx-Zitat aus der Schublade holst, hab ich mir fast gedacht, nur müsste der Chasin, wenn er den letzten Grund in Erwägung zieht (was er als bürgerlicher Ökonom in diesem Leben bestimmt nicht mehr macht), die Verhungernden in Afrika und sonstwo in seine Rechnung einbeziehen.
    Dass die Konjunktur ausbleibt, hat aber was mit dem Verhältnis zwischen Produktivität und Produktion zu tun. Wächst erstere schneller als letztere, dann wird halt mehr Kapital vernichtet als ‘frisches’ ensteht (v.a. Profitratenfall) und dann stehen die Banken mit ihren Geldforderungen blöd da.
    Ansonsten gebe ich Krim recht, der Chasin schwurbelte übers Verhältnis EU USA

  17. Nur zwecks der Klarstellung, dass Marx in diesem Spruch sicherlich nicht, wie der Russe oder Nestor, das gewerkschaftliche Unterkonsumtionsargument im Sinn hatte ein kleines Zitat aus einem älteren Jour Fixe zur Krise:

    Dieser Widerspruch, für den der tendenzielle Fall der allgemeinen Profitrate steht, und der in seiner allgemeinen Fassung heißt: Die Methoden der Steigerung der Produktivkraft des Kapitals wirken dieser entgegen, macht sich in der Marktwirtschaft über die Konkurrenz der Kapitalisten, also darüber geltend, dass sie dauernd in der Konkurrenz gegen ihresgleichen mit den Schranken der Zahlungsfähigkeit des Publikums zu tun haben – sei es des kapitalistischen Publikums, das Maschinerie und Luxusgüter kauft, sei es am Ende auch mit der beschränkten Zahlungsfähigkeit der kleinen Leute. Wenn Marx davon redet, der letzte Grund der Krise ist die Armut der arbeitenden Klassen, dann geht dies nicht nur auf Zahlungsfähigkeit, sondern er meint damit den Widerspruch, wie die Arbeit als Mittel der Akkumulation des Kapitals beansprucht wird. Dieser Widerspruch, dass Steigerung der Produktivkraft der Arbeit gleichzeitig Minderung der angewandten Arbeit als Quelle des Reichtums einschließt, macht sich am Kapital als tendenzieller Fall der Profitrate bemerkbar. Bei der Arbeiterklasse macht er sich bemerkbar als im Maße der Steigerung der Produktivkraft ihrer Arbeit wachsender Ausschluss vom Produkt; und zwar nicht bloß von den produzierten Sachen, sondern von dem geschaffenen Geldwert, in dem sich die Ware realisiert. Diesen Widerspruch hat Marx im Auge, wenn er sagt, der letzte Grund aller Krisen ist die Lage der arbeitenden Klasse als diese Manövriermasse, deren profitable Benutzung Ausschluss vom Produkt im Sinne vom neu geschaffenen Eigentum bedeutet. Wenn vom letzten Grund der Krise gesprochen wird, meint dies den eigentlichen Grund – heutzutage würde man vom systemischen Grund sprechen. Die Notwendigkeit der Krise liegt in dieser Konstruktion, in dieser Doppelnatur der Arbeit: Als Quelle neuen Eigentums und als eine, die wegen des Interesses des Kapitals an Produktivkraftsteigerung laufend reduziert wird. Damit senkt das Kapital nicht bloß seine Profitrate, sondern es verschärft den Ausschluss der arbeitenden Klasse vom gesellschaftlichen Eigentum. Profitrate und Verelendung sind die beiden Seiten derselben Sache.

  18. @Samson

    nur müsste der Chasin, wenn er den letzten Grund in Erwägung zieht (was er als bürgerlicher Ökonom in diesem Leben bestimmt nicht mehr macht), die Verhungernden in Afrika und sonstwo in seine Rechnung einbeziehen.

    Versteh ich nicht. Warum müßte er etwas einbeziehen?
    Er sagt doch nur, die Nachfrage geht zurück, und das Kapital bzw. in diesem Fall die Regierungen suchen daher nach neuen Absatzmärkten, bzw. versuchen, die Konkurrenten von den vorhandenen zu verdrängen.
    Daß die Nachfrage weltweit zurückgeht, noch einmal, ist eine Tatsache, die man der Zeitungslektüre entnehmen kann.
    @bla
    Das Jour Fixe-Protokoll in Ehren, aber erstens weiß ich nicht, wie hier „das gewerkschaftliche Unterkonsumtionsargument“, das hier niemand zur Sprache gebracht hat, in die Debatte kommt.
    Auch der tendenzielle Fall der Profitrate gehört m.E. nicht hierher. Die Debatte hier dreht sich daoch darum: Ist der Versuch der Eroberung von Märkten eine Strategie des Kapitals, und speziell der Krisenbewältigung, ja oder nein? Warum wollen die USA ein Freihandelsabkommen abschließen?
    Statt dessen kommt ihr alle daher mit Gründen, warum die zahlungsfähige Nachfrage zurückgeht. Das ist aber nicht das Thema hier.
    Zur Erinnerung – das Marx-Zitat, was ich „aus der Schublade geholt“ habe (? ist das vielleicht was Verkehrtes?), kam ja nur so ins Spiel, daß Samson behauptet hat, nicht im Rückgang der Nachfrage, also der Verarmung der Arbeiterklasse läge die Krise, dies sei ein „Märchen.“ Und da habe ich darauf hingewiesen, daß dieser Vorgang – immer weniger Leute stellen immer mehr Waren her, der Rest wird überflüssig und kommt daher nicht als Nachfrager in Frage – zum Kapitalismus dazugehört.

  19. Versteh ich nicht. Warum müßte er etwas einbeziehen?

    Der Russe lässt ziemlich abstruse Spekulationen vom Stapel, du hälst das für gescheit o.s.ä., und willst dich gleichzeitg auf Marx berufen. In dessen Text geht es aber ausdrücklich nicht darum, welches Kapital in der Konkurrenz Erfolg hat, sondern um die Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft. Zu der gehören die Verelendeten halt dazu, selbst wenn sich bestenfalls noch ‘caritative’ Vereine darum kümmern.
    Dass Chasin derlei nicht interessiert, ist mir klar. Aber wenn man schon mit Marx argumentiert, dann sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Konsumtionsfähigkeit was anderes ist als Zahlungsfähigkeit.

    …daß Samson behauptet hat, nicht im Rückgang der Nachfrage, also der Verarmung der Arbeiterklasse läge die Krise, dies sei ein „Märchen.

    Das habe ich auch nicht behauptet, sondern der Chasin sagt laut dir

    Der Haupt-Mechanismus der Weltwirtschaftskrise, die 2008 begonnen hat, ist der Rückgang der privaten Nachfrage.

    Und dass das gequirlter Quark ist, beschreibst du ja selber

    Der ganze aufgeblasene Kredit … war doch ein Versuch, die Schranken der Zahlungsfähigkeit immer weiter hinauszuschieben.

    Aber das wirkliche Problem der EU und auch der anderen Wirtschaftsblöcke ist, daß das Wachstum sich nicht einstellen will …

    Aber warum das so ist, interessiert dich nicht, stattdessen fragst du warum die Amis ein Freihandelsabkommen haben wollen, geradeso als ob das eine mit dem anderen nichts zu tun hätte.

  20. In dessen Text geht es aber ausdrücklich nicht darum, welches Kapital in der Konkurrenz Erfolg hat, sondern um die Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft.

    Wie kommt das Kapital und die Konkurrenz jetzt hierher? Noch dazu in negativer Form? („geht nicht darum“ …)
    „sondern um die Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft“ – seltsames „sondern“, nachdem ja vorher etwas Nichtexistentes negiert wurde.

    Zu der gehören die Verelendeten halt dazu

    Nur insofern sie zahlungsfähig sind.

    selbst wenn sich bestenfalls noch ‚caritative‘ Vereine darum kümmern.

    Sofern die zahlungsfähig sind. Sowas ist aber mit einem richtigen „Markt“ nicht zu verwechseln. Deswegen ist ja die EU interessant und nicht Schwarzafrika.

    sondern der Chasin sagt laut dir

    Wieso „laut dir“?
    Warum ist das „gequirlter Quark“?
    Kannst du dir bitte eine etwas vernünftigere Art des Argumentierens angewöhnen, weil diese richtungslose Laarschatzerei nervt. Es ist weder klar, wogegen du dich richtest, noch, was du eigentlich herüberbringen willst.

  21. Die SU ist nicht an einer Kombination aus Verbilligung des Erdölpreises und Verteuerung seines außenpolitischen Engagements zugrunde gegangen, sondern an dem Schluss, den die Su-Führung aus der Situation gezogen hat, in die der Westen sie gebracht hat.
    Und deswegen wird das auch nicht nochmal funktionieren. Zumindest solange Putin regiert. Denn das haben die Russen ja bitter lernen müssen, dass es überhaupt nichts bringt, sich als weltpolitische Gegenmacht zum Westen durchzustreichen und als kapitalistischer Staat mit dem Westen zu kooperieren. Das wurde vom Westen nur ausgenutzt. Deshalb wird es auch wenn Putin nicht mehr regiert, zu einem ähnlichen Rückzug wie unter Gorbatschow nicht mehr kommen. Damals dachten sie ja, dass das Loswerden der Feindschaft gegen den Westen, wegen der Unkosten dieser Feindschaft, die Entwicklung von Staat und Gesellschaft voranbringt. Das Gegenteil war der Fall.
    Ansonsten schätzt der Geheimdienstchef m.E. die Lage im Großen und Ganzen richtig ein.

  22. Das ist alles richtig, allerdings bleibt mit und ohne Putin das Problem, daß man als kapitalistischer Staat – gerade im Rahmen der Staatenkonkurrenz – mit den Rivalen auch kooperieren muß, weil man sie ja benützen will.
    An diesem Knochen nagt die russische Führung derzeit.
    Was den Geheimdienstchef betrifft: die Absichten und die Rolle der USA bzw. des Westens überhaupt ist natürlich gut getroffen, aber die der SU bzw. Rußlands natürlich nicht. Man gibt ja nicht gern zu, daß man selber und freiwillig die Hose hinuntergelassen hat …

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