Serie Daten und Statistiken, Teil 4

DIE INFLATION

Über das, was die Inflation ist – oder auch nicht ist –, wurde schon einiges geschrieben.

Hier soll es darum gehen, wie sie berechnet wird.

Immerhin werden wir regelmäßig mit Meldungen über steigende – oder zu niedrige – Inflationsraten gefüttert, und die bereiten Ökonomen und Politikern Kopfzerbrechen.

„Was bedeutet Inflation? Laut Definition handelt es sich dabei um eine anhaltende, allgemeine Erhöhung von Preisen für Güter, die dafür verantwortlich ist, dass die Kaufkraft von Geld schwindet. Eine Teuerung von Waren und Dienstleistung (= inflationärer Anstieg) führt dazu, dass für denselben Preis weniger Dinge erworben werden können. Im Zuge der Frage, was Inflation ist, wird meist auch die Inflationsrate erwähnt. … Die Definition der Inflationsrate ist schnell gegeben: Es handelt sich um eine Angabe darüber, wie sehr sich ein Preis für ein und dasselbe Gut in einem bestimmten Zeitraum verändert hat.“ (Ofina, Ratgeber)

Wenn wir uns an diese Definition halten – die, wohlgemerkt, keine Erklärung ist – so fragt sich, wie diese ganzen sich verändernden Preise festgestellt werden?

Der Warenkorb

Zu diesem Zweck werden verschiedene Ausgabeposten, die man dem durchschnittlichen Bürger zurechnet, auf ihre Preissteigerungen untersucht.

Der Warenkorb für Österreich setzt sich 2021 zusammen wie folgt:

„Zusammensetzung des durchschnittlichen Warenkorbs privater Haushalte in Österreich im Jahr 2021“

„Der Warenkorb dient der Berechnung der Verbraucherpreisindizes und der daraus abgeleiteten Inflationsrate in Österreich. Er enthält eine wirklichkeitsnahe Auswahl der von den privaten Haushalten konsumierten Waren und Dienstleistungen und ist in zwölf Ausgabenbereiche (Hauptgruppen) unterteilt. Jede Hauptgruppe ist entsprechend ihrem Anteil an den Haushaltsausgaben gewichtet.“ (Statista)

Bei der Auswahl der 12 Ausgaben-Gruppen (die in der ganzen EU üblich sind, das Verfahren wurde vereinheitlicht) fällt als erstes auf, daß manche von minderbemittelten Mitbürgern kaum in Anspruch genommen werden, wie Hotels. Auch unter „verschiedene Waren und Dienstleistungen“ wird viel Unterschiedliches einen Topf geworfen.

Es ist also schon einmal eine Entscheidung der Statistiker, was sie alles in den Warenkorb aufnehmen. Irgendwie soll der gesamte Konsum der Gesellschaft abgedeckt sein, auch wenn die Mitglieder in verschiedener Art daran teilnehmen.

Zweitens wird auch von den Warenkorb-Erstellern entschieden, welcher Stellenwert einem bestimmten Ausgabeposten zukommt.

Der Grund für die zwei unterschiedlichen Farben lassen sich der Website nicht entnehmen, also nicht, ob sich die eine auf den Vormonat oder das Vorjahr bezieht. Das ist aber zum Begreifen dessen, was mit dieser Gewichtung geschieht, unwesentlich.

Wohnung, Wasser & Energie sowie Haushalt überhaupt machen in der Graphik insgesamt ein Viertel der Ausgaben eines Haushaltes aus, obwohl inzwischen diejenigen, die über ein geringes Einkommen verfügen, zwischen einem Drittel und der Hälfte für die Wohnung aufwenden. D.h., Steigerungen auf diesem Gebiet gehen nicht in dem Maße in den gesamtgesellschaftlichen Kaufkraftverlust ein, wie es den Geldbörsen der Mehrheit entspräche.

Ebenso wie bei „Verkehr“ der Kauf des SUV genauso erfaßt ist wie die Monatskarte für den öffentlichen Verkehr, fällt unter „Nachrichtenübermittlung“ alles mögliche an Elektronik vom neuesten Smartphone bis zum überalterten Computer, der mit updates noch am Laufen gehalten wird, und der Briefmarke auf einer Urlaubspostkarte.

Nicht, daß sich hier zuwenig Mühe gemacht würde. Die Warengruppen werden alle 5 Jahre neu gewichtet und modifiziert. Die Waren selber werden monatlich neu erfaßt, um am Puls der Zeit zu bleiben. In Deutschland werden monatlich die Preise von rund 300.000 Waren durchforstet. In Österreich gibt es zusätzlich einen Mikrowarenkorb, der die täglichen Einkäufe abbilden soll, Tausende von Artikeln erfaßt und ebenfalls monatlich upgedated wird.

Dennoch gibt, wegen des Durchschnitts durch alle privaten Haushalte, der Warenkorb und die Inflationsrate nicht viel her, was das Ausmaß der Teuerung für die Einzelnen betrifft – sowohl bei den Armen als auch bei den Reichen.

Die viele Mühe und die Berechnung überhaupt werden deshalb gemacht, weil die Inflationszahlen sowohl für politische und ökonomische Entscheidungen wichtig sind, als auch der geistigen Betreuung des p.t. Publikums dienen.

Die Besprechung der ermittelten Inflationsrate

Das genaue Nachschauen auf Tausenden von Preiszetteln und deren Aufrechnen in die Inflationsrate wird als eine Art Dienst am Kunden dargestellt. Regelmäßig wird die Menschheit mit den betreffenden Zahlen beglückt – was teurer geworden ist, was viiiiel teurer geworden ist und was sich – oh Glück, oh Wunder – verbilligt hat.

Die Preise und ihre Bewegung werden dem Hörer bzw. Leser der Medien als eine Art Natur vorgestellt, so wie Jahreszeiten oder das Wettergeschehen. Die Berichte über die Inflation haben also etwas vom Wetterbericht an sich.

Das ist die erste ideologische Leistung dieser Art von Datenerhebung und -vermittlung: Waren und Preise sind etwas Natürliches und Selbstverständliches.

Dann kommen als nächstes die braven Leute ins Spiel, die diese Preise erheben, die Statistiken errechnen und die dann mitteilen und sogar analysieren.

Das ist die nächste ideologische Leistung: Die Behörden werden als Freund und Helfer vorgestellt, die dieses Ungetüm „Inflation“ beobachten, zügeln und handhabbar machen und der Menschheit mitteilen,wie es darum steht, sodaß diese sich drauf einstellen kann.

Es kann sich zwar niemand drauf einstellen, aber das macht nichts.

Die praktische Bedeutung der Inflationsrate

Die Inflationsrate ist nämlich über diese beiden Momente hinaus ein fester Bestandteil des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit.

Die Inflationsrate ist nämlich ein Moment für Lohnverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmerverbänden.

Ist die Inflationsrate hoch, so wird daraus geschlossen, daß höhere Lohnforderungen anstehen.

Sofort werden warnende Stimmen laut, daß man die Löhne nicht zu sehr erhöhen dürfe, weil sonst eine „Inflationsspirale“ losgetreten würde. Man darf also keineswegs der arbeitenden Menschheit ihren durch die Inflationsrate errechneten Kaufkraftverlust durch höhere Löhne ausgleichen, weil das würde wieder höhere Preise bedingen, und damit höhere Löhne, usw.

Ist die Inflationsrate niedrig, so sind Gehaltsforderungen sowieso vom Tisch. Warum auch, es geht doch ohnehin allen so gut wie nie zuvor.

Man erkennt hier auch ein Interesse der Inflationsraten-Berechner, selbige niedrig zu halten, und sei es durch gelegentliche Warenkorb-Kosmetik: Manche Artikel werden höher, andere niedriger gewichtet. Also das Verhältnis, in dem diese Ausgaben zueinander gestellt werden, kann große Preissteigerungen einzelner Güter für die Inflationsratenberechnung verringern.

Die Umsatzsteuer

Während so getan wird, als spiegle die Inflationsrate mehr oder weniger die Marktverhältnisse und die Preise, die auf dem Markt erzielt werden, gibt es dennoch einen äußeren Faktor, der dieselbe beeinflußt. Und der ist die Umsatzsteuer. Ob Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Genußmittelsteuer usw. – diese Steuern erhöhen die Preise, ohne daß Angebot, Nachfrage, Produktionskosten, Rohstoffkosten oder irgendetwas anderes teurer geworden wäre. Diese Art von Preiserhöhung setzt sich sozusagen von außen auf den ganzen Markt oder die Ökonomie drauf und entspringt nicht den Handlungen der Produzenten oder Konsumenten.

Von Seiten des Gesetzgebers bzw. des Finanzministers sind die Umsatzsteuern die nächstliegende Art der Einnahmensteigerung. Gegenüber Schuldenmachen haben sie den Vorteil, daß sie mit keinen Verbindlichkeiten einhergehen. Gegenüber anderen, direkten Steuern haben sie den Vorteil, daß sie keine gesellschaftlichen Schichten gegen sich aufbringen, die ihre Einkünfte gefährdet sehen. Die Umsatzsteuern betreffen doch „alle“, nicht wahr?

In Zeiten der zunehmenden Verarmung der Gesellschaft können allerdings auch solche durch Umsatzsteuern verursachten Preissteigerungen zu Aufruhr führen, wie in jüngerer Vergangenheit der Aufstand der „Gelbwesten“ gezeigt hat. Ein weiter zurückliegendes Beispiel dafür war das „Caracazo“, wo die politische Karriere von Hugo Chavez ihren Anfang nahm.

Für größtmögliche Freiheit der Finanzminister und -ämter ist es jedoch wichtig, daß die Inflationsrate niedrig ist. Fortlaufende Entwertung der nationalen Währung würden nämlich die erhöhten Einnahmen aus der Umsatzsteuer zunischte machen.

Bei der Einführung der Maastricht-Kriterien 1991 wurden deshalb 3% Inflation jährlich als anzustrebende Höchstmarke angegeben.

Diese Kriterien gelten erstens praktisch nicht mehr.

Aber die ganze Inflationsrate ist inzwischen mehr denn je geschönt, weil eine zu hohe Inflationsrate gar nicht ins Bild der krisengeschüttelten EU mit ihren Null- und Negativzinsen passen würde.

75 Gedanken zu “Serie Daten und Statistiken, Teil 4

  1. Nicht die im Thread thematisierten Fragwürdigkeiten der Erstellung bzw. Errechnung der “Inflationsrate” interessieren Stephan Kaufmann. Sondern die Sorte Einschränkungen, also auch “Berechnungen”, die den Käufern durch den Anstieg der Warenpreise aufgehalst werden:

    “Sie gilt als eine Gefahr, als ein Gespenst, das den Wert unseres Geldes bedroht und das wir daher alle fürchten sollten. Denn von der Stabilität des Geldes hängt unser aller Wohlstand ab. Die Inflation ist allerdings kein anonymer Prozess, der sich vollzieht – Inflation wird gemacht, und zwar nicht von Konjunktur, Zins und Geldmenge, sondern von den Unternehmen.

    Auf der Suche nach maximalem Profit setzen sie die Preise für ihre Güter so hoch wie möglich, um die Kaufkraft an sich zu ziehen. Und wenn die Kundschaft über mehr Geld verfügt, ist das stets eine Gelegenheit für die Unternehmen, ihre „Preisgestaltungsmacht“ zu nutzen, mehr zu verlangen und so die Abnehmer relativ ärmer zu machen. Die Inflationsrate gibt an, wie gut ihnen das gelingt.

    Die Preisentwicklung ist also auch eine Verteilungsfrage, weswegen sie für Linke immer ein Thema ist, und sie hat Klassencharakter. So misst die am stärksten im öffentlichen Fokus stehende Inflationsrate die Entwicklung der Verbraucherpreise, also wie teuer die Lebenshaltung ist. [Von den eigentümlichen Kriterien solches Messens handelt ja nestors Thread…]
    Von einer Erhöhung dieser Rate sind nicht alle gleich betroffen: Eine Geringverdienerin, die ihr gesamtes Budget für den Konsum ausgeben muss, leidet stärker unter der Teuerung als ein Großverdiener, dem nach allen Einkäufen noch Geld übrig bleibt.

    Kein Wunder also, dass die „Sparneigung“ gerade bei wohlhabenden Haushalten besonders hoch ist, wird diese „Neigung“ doch durch hohe Einkommen gestärkt. Während ärmere Konsumenten also der Preisgestaltungsmacht der Unternehmen ausgeliefert sind, können die Wohlhabenden von einer anderen Inflation profitieren: der „Vermögenspreisinflation“, sprich dem Anstieg von Aktienkursen und Immobilienpreisen. Denn auch beim Sparen sind nicht alle gleich: Je weniger Geld ein Haushalt übrig hat, je stärker er also auf Sicherheit angewiesen ist, umso eher spart er sein überschüssiges Vermögen in festverzinslichen Anlagen, die seit einiger Zeit kaum noch Erträge bringen. Wer dagegen viel Geld übrig hat, kann sich Investmentrisiken leisten und geht beispielsweise in Aktien, die von einem Hoch zum anderen klettern und die Wohlhabenden wohlhabender machen.

    Die aktuell höhere Inflationsrate dürfte schon bald wieder sinken, prognostizieren Ökonomen, und das dürfte auch so eintreffen. Was die Ökonomen so zuversichtlich macht, ist die absehbar schwache Lohnentwicklung in Europa. Denn dort schwächt die hohe Arbeitslosigkeit die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften. Dazu kommen längerfristige Trends wie „Digitalisierung“ und „Globalisierung“, also die Tatsache, dass Unternehmen über Automatisierung und Produktion in Niedriglohnstandorten ihre Kosten senken. Die Ökonomen der Commerzbank erwarten daher in Europa absehbar keine größeren „Spannungen am Arbeitsmarkt“ – sprich stärker steigende Löhne.

    Etwas anders sieht es in den USA aus. Denn dort hat die Regierung in der Corona-Krise den Lohnabhängigen finanziell unter die Arme gegriffen, weswegen viele dem Arbeitsmarkt vorerst fernbleiben und die Unternehmen daher Probleme haben, schlecht bezahlte Jobs im Servicesektor zu besetzen: Das „deutlich aufgestockte Arbeitslosengeld“, erklärt die Commerzbank, habe „den Anreiz zur Arbeitsaufnahme vermindert“, also die Erpressungsmacht der Unternehmen geschwächt. Sie müssen daher höhere Löhne bieten, was laut Commerzbank das Inflationsrisiko erhöht. Denn die Ökonomen gehen fest davon aus, dass die Unternehmen die erhöhte Kaufkraft der Lohnabhängigen durch Preiserhöhungen wieder abgreifen.

    Man sieht: Wer über Inflation spricht, spricht nicht über eine mysteriöse Entwertung des Geldes, die uns alle bedroht. Sondern über Macht und Ohnmacht auf dem Markt und die Verteilung des produzierten Reichtums. Eben über linke Themen.”
    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/inflation-ist-ein-linkes-thema

  2. “Der Grund für die zwei unterschiedlichen Farben lassen sich der Website nicht entnehmen”

    Doch:

    “Ausgaben für Wohnung, Wasser und Energie gehen im Jahr 2021 nach nationaler Berechnung (VPI – Inländerkonzept) mit rund 18,7 Prozent in den durchschnittlichen Warenkorb privater Haushalte in Österreich ein und sind damit der größte Posten. Nach international harmonisierter Berechnung (HVPI – Inlandskonzept), die auch Touristen mit einbezieht, sind es circa 15,3 Prozent.” (Statista)

  3. “Wohnung, Wasser & Energie sowie Haushalt überhaupt machen in der Graphik insgesamt ein Viertel der Ausgaben eines Haushaltes aus, obwohl inzwischen diejenigen, die über ein geringes Einkommen verfügen, zwischen einem Drittel und der Hälfte für die Wohnung aufwenden. D.h., Steigerungen auf diesem Gebiet gehen nicht in dem Maße in den gesamtgesellschaftlichen Kaufkraftverlust ein, wie es den Geldbörsen der Mehrheit entspräche.”

    Das ist immer bei der Ermittlung eines Durchschnitts der Fall, wenn das, was man untersucht, nicht homogen ist, sondern wie hier in Klassen zerfällt. Für Leute wie mich ist deshalb die Preissteigerungsrate bei SUVs völlig uninteressant, selbst die krass gestiegenen Mieten sind zufällig für mich kein Thema, weil ich erstens eine “Altmiete” habe, die weit unter den Preisen liegt, die dieser Tage bei Neuvermietungen aufgerufen werden und weil ich zweitens schon vor Jahren aufgegeben habe, nach einer anderen Wohnung zu suchen.

    “Die” Inflationsrate ist also ein interessiertes Konstrukt, das mit der Lebenswirklichkeit von Beziehern geringer Lohneinkommen nicht sonderlich viel zu tun hat.

  4. @Leser

    Kaufmann verortet die Subjekte der Preissteigerungen bei der Ökonomie und dagegen ist ja nichts zu sagen.

    Allerdings weise ich in meinem Beitrag darauf hin, daß sie nicht die einzigen sind, die an der Preisspirale drehen.
    Preiserhöhungen haben eben auch sehr mit Steuern und Politik zu tun. In den traditionell inflationsgebeutelten lateinamerikanischen Staaten wurde selbige auch immer durch IWF-Auflagen angeheizt, die verordneten: Steuern erhöhen, Sozialabgaben kürzen, sonst gibts keinen Kredit!

    Schließlich ist die „Inflation“ auch eine Schöpfung der Statistik, indem sie einen Durchschnitt erstellt, der mit der Lebenswirklichkeit der Konsumenten wenig zu tun hat.

    Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem pro-Kopf-Einkommen, mit dem die Staaten in „arme“ und „reiche“ eingeteilt werden, was auch wenig über Armut und Reichtum in diesen Staaten aussagt, aber eine gewisse Wirkung auf die Spendenfreudigkeit zu Weihnachten hat, weil einem da auch aus allen Rohren suggeriert wird, „uns“ ginge es doch sooo gut und deswegen ist ein Schuft, wer nichts locker macht.

    @Neoprene

    Danke für die Info.

    Dieses Inlandskonzept erklärt sozusagen die Wohnbedürfnisse von Reisenden als gleichwertig mit denen der Lohnabhängigen vor Ort, auch eine interessante Gleichsetzung unterschiedlicher Qualitäten.

    Was mir hier auffällt, ist, daß „Durchschnitt“ nicht gleich Durchschnitt ist.
    Es macht bei Statistiken nämlich auch einen Unterschied aus, ob mit dem Durchschnitt nur unterschiedliche Quantitäten vermischt werden, oder wie bei Inflationsrate oder Pro-Kopf-Einkommen sehr unterschiedliche Qualitäten.

  5. Also ich finde die Texte von Kaufmann nicht besonders – streng genommen sind sie ideologisch.

    Seine These, dass die Unternehmen die Inflation machen würden ist eine interessierte Auslegung des Phänomens. Durchgesetzt wird Inflation in der Konkurrenz zwischen Verkäufer und Käufer. Es ist also nicht die Unterscheidung zwischen Lohnarbeitern, Grundeigentümern und Kapitalisten, die auf die “Verursacher” der Inflation deutet, sondern schlicht und ergreifend die Konkurrenz der oben genannten Marktteilnehmer, die die Änderung des Maßstabes der Preise durchsetzt. Schaut man sich die Klassen dann an, ist leicht festzustellen, dass jeder Klassenangehörige beide Rollen im Markt spielt – er ist also zugleich Verkäufer und Käufer. Und das bedeutet, dass die Inflation selbst nicht festlegt, wer ihr Nutznießer und wer ihr Opfer ist, sondern dass das eine Frage der Konkurrenz dieser Klassen bzw. auch der innerhalb dieser Klassen ist. Es geht also bei der Konkurrenz am Markt auch um die Lokalisierung des Schadens der Geldwentwertung. Es sind die gleichen Tendenzen wie im KI (relative Überbevölkerung), die dafür sorgen, dass die Inflation tendenziell zu Lasten der Lohnarbeiter geht. Das können Letztere nur durch Klassenkampf (Gewerkschaften) verhindern.

    Die Quelle der Inflation hat man so nicht ausfindig gemacht. Die ist – allgemein ausgedrückt – die Geldschöpfung d.h. fiktive Akkumulation. Deshalb haben Konjunkturzyklen inflationäre Tendenzen, die aber mit der Kontraktion des Kredits immer wieder korrigiert werden und natürlich hat die staatliche Geldschöpfung dauerhaft inflationäre Tendenzen.

    Das alles ist die “normale” Inflation. Eine Hyperinflation unterscheidet sich davon.

    Problematisch finde ich auch, dass Kaufmann die Alternativen beim Sparen mit der Höhe dessen, was man in der Lage ist zurückzulegen gleichsetzt. Man kann 20 € in einen ETF sparen und so in Aktien investieren d.h. geringe Sparbeträge zwingen überhaupt nicht dazu festverzinslich zu Sparen. Recht hat er damit, dass man das Geld, was man als kurzfristige Reserve hat nicht in den Aktienmarkt investieren sollte – dazu schwankt er zu sehr und dass diejenigen, bei denen der Lohn gerade mal dazu reicht ein paar kurzfristige Reserven (für Urlaub, Auto usw..) zu bilden darüber von der Börse ausgeschlossen sind.

  6. Die Texte von Kaufmann sind unterschiedlich.
    Neoprene hat ihn einmal als Keynesianer entlarvt. 😀

    Meine Überlegungen zur Inflation haben mich dazu gebracht, daß nicht klar ist, was dieser Begriff eigentlich bezeichnet. Also ob er eine korrekte oder eine falsche Abstraktion ist. Ich neige inzwischen zu letzterem. Es werden Dinge in einen Topf geworfen, die nicht zusammengehören.

    Was klar ist, ist, daß damit Politik gemacht wird.

    Die Inflation hat also ihre Bedeutung nicht über ihre diffuse Herkunft, sondern über ihre politökonomische Verwendung, als ein Instrument der Wirtschaftspolitik.

  7. Die Preissteigerungen, mit denen normale Menschen am meisten zu kämpfen haben, sind sicherlich die Mieten. Warum gelingt es eigentlich den Vermietern “jetzt” (also in den letzten Jahren) den Mietern einen erheblich höheren Teil von deren Löhnen und Gehältern abzupressen, oder andersrum, warum war ihnen das früher noch nicht möglich?

  8. Darüber habe ich mir auch schon öfter Gedanken gemacht.

    I. Historisches
    In Österreich gab es bis 1981 einen Mietzinsstop – seit 1914! Die Mieten konnten nur inflationsangepaßt werden. De facto zahlte man meistens eine gewisse Summe unter dem Tisch, die sogenannte „Ablöse“, die oft auch mit Investitionen wie Küchenkastln oder ähnlichem Mist gerechtfertigt wurde.
    DIE MIETVERTRÄGE WAREN UNBEFRISTET.
    Der sogenannte Friedenskronenzins – in Kronen für die Zeit vor der Kriegserklärung berechnet – wurde 1981 aufgehoben. Ohne Proteste, übrigens.

    Dann kam der Kategorienzins, wo immer noch eine Mietzinsbeschränkung je nach Ausstattung der Wohnung hinzukam.

    Rund um den EU-Beitritt Österreichs 1995 wurden dann diese Beschränkungen auch abgebaut. Heute kriegt man hierzulande kaum mehr unbefristete Mietverträge, das übliche sind 1-3 Jahre.

    Die Freiheit der Mietzinsgestaltung ist also ein Postulat der EU. Genauso wie mit dem normalen Zinsfuß wird jede Regulierung als „wettbewerbsverzerrend“ eingestuft. Der Markt hat das letzte Wort.

    II. Wohnen überhaupt
    Die Mieten konkurrieren mit dem Wohnungseigentum. Zur Zeit der Mietzinsbindung war das Eigenheim eher als Haus am Land üblich, Eigentumswohnungen waren selten.
    Der meiste Wohnbau war öffentlich und die Gemeindewohnung – also Mietwohnungen in gemeindeeigenen Gebäuden – war weit verbreitet.
    Die Häuslbauer waren wirklich welche, die mit Freunden, Verwandten und Kindern ihre Häuser erbauten, mit wenig Fremdmitteln.

    In den 90-er Jahren wurden die Immobilienkredite und überhaupt die Konsumentenkredite sehr forciert. Die Gesetze wurden geändert, die Banken sprangen auf diese neue Geschäftssphäre ein. (In den 70-er Jahren mußte man für einen Autokauf einen Bürgern mitbringen, Ende der 90-er Jahre wurden Lehrlingen und ähnlich zahlungsschwachen Klienten Kredite für Autokauf nachgeschmissen.) Die Überschuldung der Haushalte nahm zu.

    Heute zahlen die glücklichen Eigentümer ihre Kredite ab und konkurrieren mit den Mietern um den Preis des Wohnens. Die Mieten erhöhten sich auch kräftig, weil sie mit den Hypothekarkredit-Zinsen konkurrieren.

    III: Die Rolle des Staates
    Der Staat, in seiner Rolle als Gesetzgeber und in seiner Rolle als Grundeigentümer, hat somit mehreres getan, um das Wohnen zu verteuern und den Grundeigentümern freie Bahn zur Bereicherung zu verschaffen.
    Erstens hat er die Mietzinsbindung aufgehoben.
    Zweitens hat er die Eigentumsbildung gefördert und damit auch den Banken eine Geschäftssphäre eröffnet.
    Drittens hat er in seinen eigenen Wohnbauten, ob die jetzt dem Bund, dem Land oder den Gemeinden gehörten, die Mieten kräftig erhöht und erhöht sie weiter. Der staatliche Eigentümer unterscheidet sich inzwischen kaum mehr vom privaten.
    Viertens hat er auch viele der staatlichen Immobilien verkauft. Hierzulande läuft seit Jahren ein Gerichtsverfahren über die Summen, die bei solchen Verkäufen in private Politiker-Taschen geflossen sind.

    Es handelt sich also um einen staatlichen Beschluß, das Einkommen der arbeitenden Menschheit in vermehrter Form dem Grundeigentum zu überantworten – was neben den Unannehmlichkeiten für diese auch auf Kosten anderer Wirtschaftszweige geht, wie dem Lebensmittelhandel, der Autobranche usw.
    All das wurde bis 2008 durch Kredit ausgeglichen, das geht aber inzwischen auch nicht mehr.

    Warum das so ist, also warum dem Grundeigentum derartige Freiheiten eingeräumt werden, wäre noch weiter zu überlegen.

  9. Ja, im Wesentlichen ging diese Verarmung der arbeitenden Bevölkerung und der Bereicherung der Grundeigentümer nicht ohne staatliche Vorgaben und “Erleichterungen”. Warum aber wurde ausgerechnet das Grundeigentum so gefördert und nicht das “normale” kapitalistische Eigentum? Nun gut, auch das wurde allenthalben als politisches Programm durchgezogen von Maggie Thatcher bis Gerhard Schröder. Aber warum haben die Staaten durch die Bank weg das Grundeigentum gehätschelt und gepampert? (Selbst in der BRD als einem der reichsten kapitalistischen Staaten setzt der Staat seit vielen Jahren ganz bewußt auf Schwarzgeld-Investitionen in deutsche Immobilien und bürstet alle Ansinnen, doch endlich was gegen Geldwäsche zu machen, interessiert ab, weil für ihn halt immer noch gilt, daß Geld nicht stinkt.)

  10. “Durchgesetzt wird Inflation in der Konkurrenz zwischen Verkäufer und Käufer. ”
    Also wenn ich im Laden etwas kaufen will dann zahle ich entweder den verlangten Preis oder lasse die Ware im Regal. Der Mensch muss aber essen, bestimmte Dinge muss er kaufen. Sonnenblumenöl kostet z.B. statt 1€ 1,39€. Das sind rund 40% mehr. Und da kannst du von Laden zu Laden gehen, das kostet überall gleich. Und das ist bei allen Konsumtionsmitteln so. Der Käufer hat kein Mittel sich dagegen zu wehren. Da möcht ich mal wissen, wie da die Preisbildung zustande kommt. Irgendwie sprechen sich der Handel und die Hersteller ab. Und ich bin mir nicht sicher, ob das auf gestiegene Kosten zurückgeht. Auf gestiegene Löhne jedenfalls nicht.

    “Die Preissteigerungen, mit denen normale Menschen am meisten zu kämpfen haben, sind sicherlich die Mieten.” Sicher. Aber der Rest summiert sich auch. Lebensmittel, Benzin, Krankenversicherung usw.

    “Warum gelingt es eigentlich den Vermietern “jetzt” (also in den letzten Jahren) den Mietern einen erheblich höheren Teil von deren Löhnen und Gehältern abzupressen, oder andersrum, warum war ihnen das früher noch nicht möglich?”

    Zu einem Teil weil die Kosten steigen weil höhere energetische Auflagen erfüllt werden müssen. z.B. müssen obere Geschossdecken und Dächer besser gedämmt sein. Neue Ölheizungen sind nicht mehr erlaubt. Das soll sich über die verringerten Heizkosten amortisieren, tut es aber meist nicht. Die höheren Kosten würden aber den nicht zu solchen Mietsteigerungen führen. Die Immobilienpreise sind ja enorm gestiegen. Und diese Summen sollen Kapital sein, die eine Rendite abwerfen müssen, deshalb wird mit allen Mitteln versucht die Mieten bis zur Grenze des erlaubten und darüber hinaus in die Höhe zu schrauben. Vorreiter sind meist mächtige Immobilienkonzerne wie Black Rock die international tätig sind und die Kapitalmacht haben, die besten und skrupellosesten Anwälte anzuheuern, um ihre abenteuerlichen Forderungen durchzusetzen. Das ist die eine Seite des Hebels.

    Zweitens aber haben die Mieter keine Alternativen. Der kommunale Wohnungsbestand wurde schon vor Jahren in großem Stil verscherbelt und zwar an genau solche Immobilienunternehmen, die jetzt die Mieten nach oben treiben.
    Es gibt also überhaupt keine günstigen Wohnungen mehr, die auf der Seite des Angebots eine Ausweichmöglichkeit bieten würden. Der Staat wollte den sozialen Wohnungsbau dem Markt überlassen und das ist nun das Ergebnis. Früher mal wurde sozusagen anerkannt, dass Wohnraum, wegen der nötigen Kapitalmasse nicht aus dem Lohn zu finanzieren ist. Deshalb gab es verschiedene Formen, wie Wohnungsbau auf die Beine gestellt wurde. Das eine ist, dass der Staat selbst Kapital zur Verfügung stellt oder zinsverbilligte Darlehen an Private vergibt und dafür gedeckelte Mieten verlangt. Früher gab es auch mal Wohnungsgesellschaften, denen monatlich ein bestimmter Betrag gezahlt wurde und damit hat man sich dann nach einigen Jahren das Anrecht auf eine Wohnung erworben, deren Miete sehr günstig war.

    Neoliberalismus darf man das ja nicht nennen, weil man dann sofort verprügelt wird, aber genau das ist es.

    “Heute kriegt man hierzulande kaum mehr unbefristete Mietverträge, das übliche sind 1-3 Jahre.” In Deutschland ist das nicht so.

    “Es handelt sich also um einen staatlichen Beschluß, das Einkommen der arbeitenden Menschheit in vermehrter Form dem Grundeigentum zu überantworten” Das ist vielleicht das Ergebnis. Der Zweck war aber von Seiten des Staates unrentable Kosten loszuwerden und daraus eine profitable Geschäftssphäre zu machen an deren Gewinnen der Staat dann wieder über Steuern beteiligt ist. Die alte Erkenntnis, dass das in manchen Bereichen schlecht geht und zu Friktionen in der Geschäftemacherei insgesamt führt wurde interessiert vergessen.

  11. Es gab ja einmal – angeblich bis in die 20-er Jahre – bei Nationalökonomen die Überlegung, dem Staat eine Beschränkung des Grundeigentums zu empfehlen, oder gleich die Verstaatlichung von Grund und Boden.
    Selbst Denker, die sich keiner Anhängerschaft im linken Lager erfreuen, wie Léon Walras („Der Boden ist aufgrund des natürlichen Rechts Eigentum des Staates“, 1896) oder Franz Oppenheimer, ein Theoretiker der Kibbuzim-Bewegung, fanden, Grund und Boden dürfe kein Privateigentum sein.
    Sie und alle anderen dachten weniger ans Wohnen und die durch Mietwucher und Delogierungen gebeutelte Arbeiterklasse, als eher an die Landwirtschaft und die Industrie, die ja auch mit dem Grundeigentum kooperieren muß, um ihre Fabriken irgendwo hinzustellen.
    Sie meinten, daß die Bodenspekulation die wirtschaftliche Entwicklung hemmen würde, weil jemand aus seiner bloßen Verfügung über Grund ein Einkommen beziehen könnte, ohne zur Marktwirtschaft etwas beizutragen.

    Mit dem Erstarken der Sowjetmacht hörte diese Debatte auf, weil klar wurde, daß jedes Rühren an der Eigentumsfrage das ganze kapitalistische System in Frage stellen würde.

  12. “Warum aber wurde ausgerechnet das Grundeigentum so gefördert und nicht das “normale” kapitalistische Eigentum?” Weil die Förderung des Grundeigentums gar nicht die Absicht war, sondern das Resultat. Die Absicht war eine Geschäftssphäre zu privatisieren uns sich als Staat dann daran zu bereichern. Also will der Staat a l l e s was in seinem Hoheitsbereich an wirtschaftlicher Tätigkeit staatfindet zu einer Profitmaschine machen auch dann wenn einiges eben nur Voraussetzung für den Profit ist, wie das Wohnen der Arbeiterklasse oder das Gesundheitswesen…

  13. Die EU sah zunächst einmal alles als Geschäftsmittel an, und kannte gar keinen Unterschied zwischen Grundeigentum und anderen Eigentumsformen – geistiges oder materielles. Mit allem sollte G-G’, also Gewinn gemacht werden.

    3 Jahrzehnte später schaut die Landschaft anders aus: Zombie-Firmen, Desindustrialisierung, Abhängigkeit von China und den USA und lebende Bank-Leichname wie die Deutsche Bank.
    Das einzige, wo man noch irgendwie satte Gewinne machen kann, sind die Wertpapierspekulation und das Grundeigentum.

    Ich nehme an, deshalb wird es so gepäppelt und alle diesbezügliche Kritik in den Wind geschlagen. Oder dort, wo sie praktisch wird, bekämpft.

  14. “Sie meinten, daß die Bodenspekulation die wirtschaftliche Entwicklung hemmen würde, weil jemand aus seiner bloßen Verfügung über Grund ein Einkommen beziehen könnte, ohne zur Marktwirtschaft etwas beizutragen.” Argumente gegen Bodenspekulation sind ungefähr dasselbe wie Argumente gegen die Profitgier. Nicht der Profit wird kritisiert, sondern die Gier also das zuviel an Profit. Bei der Bodenspekulation wird nicht Grund und Boden als Quelle von Gewinn kritisiert, sondern das zuviel, dass sich gegen das Produktive Kapital geltend macht.

    Grundrente ist im übrigen Differentialrente. Das heißt sie gleich den Vorteil der Lage aus, indem die Grundrente diese Differenz abschöpft und so gleiche Konkurrenzbedingungen herstellt.

  15. @Kehrer

    Mich stört es auch sehr, daß man nicht editieren kann, aber ich kann im Augenblick nix machen.

  16. @Kehrer

    Grundrente ist im übrigen Differentialrente. Das heißt sie gleich den Vorteil der Lage aus, indem die Grundrente diese Differenz abschöpft und so gleiche Konkurrenzbedingungen herstellt.

    Damit ist wohl gemeint, Grund mitten in der Pampa ist billig, Grund in urbanen Zentren ist teuer?

    Ich verstehe nur nicht, was damit „ausgeglichen“ wird. Wie man gerade beobachten kann, wirkt es umgekehrt: Alles zieht weg aus der Pampa in die urbanen Zentren, und der Unterschied vergrößert sich.

  17. “Ich nehme an, deshalb wird es so gepäppelt und alle diesbezügliche Kritik in den Wind geschlagen.” Nochmal: Das Grundeigentum wird nicht gepäppelt. Das war nie der staatlich Zweck bei der Abwicklung der kommunalen Wohnungsbestände. Das Grundeigentum und die Bauwirtschaft der nur der Nutznießer. Eigentlich waren auch Immobilienkonzerne die Nutznießer, die ja nicht gleichzusetzen sind mit der Klasse der Grundeigentümer. Immobilienkonzerne sind ja nicht nur Grundeigentümer, sondern auch Eigentümer von den Gebäude, die darauf stehen und deren Wert übersteigt bei weitem den des Grundeigentums. Ihr seid da einfach auf der falschen Schiene unterwegs.

  18. Steht schon da. Ausgeglichen werden damit die Konkurrenzbedingungen des Kapitals.
    Wenn Boden a pro Flächeneinheit auf dem schlechtesten in Bebauung befindlichen Boden 100 coins abwirft und Boden B 200 coins z.B. auf Grund seiner Fruchtbarkeit, dann gelingt es dem Besitzer von Boden B durch die Konkurrenz der Nachfrager 100 coins sich anzueignen. Da gibt es dann noch den Unterschied von Differentialrente 1 und Differentialrente 2, die von einem Kapital ausgeht, das auf den Boden verausgabt wird, z.B. Drainage, Trockenlegen oder das Draufbauen von Gebäuden. Es ist einfach eine völlig falsche Vorstellung wenn man Grund und Boden als einen Erpressungshebel bestimmt, der überhaupt nur den Anspruch des Grundeigentümers als ökonomisches Maß hat. Kann man alles im K3 nachlesen. Und bitte jetzt keinen verächtlichen Spruch über Marx bringen, der das eigene Unwissen ins Recht setzt.

  19. Mag ja sein, daß das im K3 steht, aber das Grundeigentum heute steht ganz woanders. Schlechte und gute Böden sind in Zeiten des globalen Land-grabbings nicht mehr der Witz in der Landwirtschaft.
    Auch nicht bei urbanen „Developern“. Die schaffen sogar, wenn sie sich dabei Gewinn ausrechnen, Grundeigentum aus dem Nichts durch Überbauen von Straßen oder Bahntrassen.

    Irgendwie schadet es nicht, sich ein bißl mit den Vorgängen um das Grundeigentum heute auseinanderzusetzen. Wir reden nämlich darüber und nicht über LW-Profitraten im 19. Jahrhundert.

    Was den „Erpressungshebel“ angeht, so ist „Erpressung“ sowieso ein falscher Begriff, um die alltägliche Konkurrenz zu beschreiben. Und zwar sowohl die zwischen den Kapitalbesitzern als die zwischen Kapital und Arbeit.

    Viele Grundeigentümer gehen heute anders vor. Wenn sie mit einer Immobilie kein Geschäft machen können, so lassen sie sie verfallen. Der Grundpreis steigt, wenn das Grundstück zentral gelegen ist.
    Wenn es mitten in der Pampa ist, so gibt es niemanden, der sich dafür interessiert.
    Da wird niemand „erpresst“, weil das entweder von den Gewinnaussichten des Grundeigentümers nicht nötig, oder aber aus Mangel an Interessenten nicht möglich ist.
    Es werden aber auch keine Verbesserungen vorgenommen, um irgendetwas „auszugleichen“.

    Bitte nicht Positionen erfinden, die niemand hier vertritt, um dann dagegen zu polemisieren.

    Was es z.B. auch gibt, ist, von Wohnwilligen Vorauszahlungen einzukassieren, dann Bankkredite aufzunehmen und schließlich nach einiger Pro-Forma-Tätigkeit Konkurs anzumelden und das noch vorhandene Geld irgendwo verschwinden zu lassen.
    Das ist heute auch relativ üblich, und zwar für die Betroffenen unerfreulich, aber nicht mit dem Wort „Erpressung“ zu charakterisieren.

    Und natürlich, das alles geht nur, weil der Gesetzgeber dem Grundeigentum Freiheiten eingeräumt hat, die es vor einigen Jahrzehnten noch nicht hatte.

  20. “da kannst du von Laden zu Laden gehen, das kostet überall gleich. Und das ist bei allen Konsumtionsmitteln so. ”
    Natürlich nicht. Egal was du nimmst, von Klamotten über Schuhe bis zu Handys, von Obst bis Dauerwurst, von je her ist das Angebot aufgefächert von ganz billig bis sauteuer (immer im Vergleich zum Durchschnitt). Die Entwicklung des Einzelhandels in den letzten Jahrzehnten zeigt, wie teils Ketten größer wurden, weil sie im Schnitt billiger waren oder auch nur schneller nicht gleich sondern “anders”(z.B. bei Mode), teils teure Läden mit dem ewig “exklusiven” Zeugs groß rausgekommen sind. Seit dem Vorherschen von Massenmärkten ist es das ewige Gesetz, daß Anbieter immerzu versuchen gerade nicht gleich zu sein und noch aus einem popeligen Standardprodukt ihre “Marke” zu machen versuchen.

    “Da möcht ich mal wissen, wie da die Preisbildung zustande kommt. Irgendwie sprechen sich der Handel und die Hersteller ab.”
    Manchmal ja, denn sind das meist von den beaufsichtigenden Staaten nicht gern gesehene Kartelle, oder es handelt sich um Waren, wo wirklich mal der Wert den Preis bestimmt und der ist dann eben manchmal Ausdruck der aktuell geltenden Produktionsbedingungen.

    “Aber der Rest summiert sich auch. Lebensmittel, Benzin, Krankenversicherung usw. ”
    Ja natürlich, wer ein geringes Einkommen hat, der tut sich schwer mit buchstäblich allem, was er kauft, zum Teil ja sogar kaufen muß. Aber die relative Verarmung zu früher wird halt weniger von steigenden Krankenversicherungsbeiträgen sondern in erster Linie von steigenden Mieten bewirkt.
    Und die steigen nun wirklich nicht in erster Linie wegen steigender Baukosten, sonst würden ja nur Neubauwohnungen teurer und nicht die Bestandswohnungen, bei denen ja zumeist nichts mehr investiert wird.

    “Die Immobilienpreise sind ja enorm gestiegen. Und diese Summen sollen Kapital sein, die eine Rendite abwerfen müssen, deshalb wird mit allen Mitteln versucht die Mieten bis zur Grenze des erlaubten und darüber hinaus in die Höhe zu schrauben. ”
    Das ist aber wirklich nichts Neues, daß Hausbesitzer versuchen, ihre Rendite dadurch zu steigern, daß sie die Mieten erhöhen. Zu erklären ist, warum sie das jetzt können und früher nicht. Und da kommen deine staatlichen Politikänderungen ins Spiel. Da wurde ja entschieden, daß die Mieten auch steigen sollen um den Immobilienwerten bzw. deren rasanten Steigerungen “Recht” zu geben. Da wurde alles weggeräumt, was diesem Anstieg im Wege stand.

    ““Heute kriegt man hierzulande kaum mehr unbefristete Mietverträge, das übliche sind 1-3 Jahre.” In Deutschland ist das nicht so. ”
    In der Tat, das hat in Deutschland, vor allem in den Großstädten, zu einem starken Auseinanderklaffen von Mietpreisen bei Neuvermietungen und Mieten bei Dauermietverhältnissen geführt. Und tendenziell deshalb auch zu einem starken Absinken der Wohnungskündigungen, weil selbst schlechtere Wohnungen neu angemietet halt erheblich teurer sind als die bisherige.

  21. “Marx ist überholt” Kann ich echt nicht mehr hören. Genau das hab ich mir verbeten, die eigene Unkenntnis zum Argument zu machen.

    “Schlechte und gute Böden sind in Zeiten des globalen Land-grabbings nicht mehr der Witz in der Landwirtschaft.” Langgrabbing hat auch nichts mit Landwirtschaft zu tun. Nicht überall findet Landgrabbing statt. Landgrabbing hat auch nichts mit Grundrente zu tun. Erst recht erklärt Langgabbing keine Mietpreissteigerungen.

    “Die schaffen sogar…, Grundeigentum aus dem Nichts durch Überbauen von Straßen oder Bahntrassen.” Was? Seit wann wird irgendwas durch überbauen zu Grundeigentum? Grundeigentum war es wohl schon vorher. Das musst du schon anständig erklären und nicht kryptisch andeuten.

    “Irgendwie schadet es nicht, sich ein bißl mit den Vorgängen um das Grundeigentum heute auseinanderzusetzen. Wir reden nämlich darüber und nicht über LW-Profitraten im 19. Jahrhundert.” Dazu muss man aber die Begriff aus dem K3 kennen und davon hast du keine Ahnung. Die gelten nämlich nach wie vor. Ich kenne mich sowohl mit Marx als auch mit dem heutigen Grundeigentum besser aus als du, um das mal so direkt zu sagen.

    “Viele Grundeigentümer gehen heute anders vor. Wenn sie mit einer Immobilie kein Geschäft machen können, so lassen sie sie verfallen.” Das “heute” kannst du dir sparen. Das ist ganz und gar keine neue Entwicklung, einerseits.
    Zweitens ist “verfallen lassen” kein Zweck, sondern auch nur das Resultat dessen, dass es keine zahlungsfähige Nachfrage gibt. Man kriegt ja auch keine Lebensmittel geschenkt, bloß weil sie niemand kauft. Dann werden sie halt weggeworfen.

    “Was den „Erpressungshebel“ angeht, so ist „Erpressung“ sowieso ein falscher Begriff, um die alltägliche Konkurrenz zu beschreiben.” Gut, dann haben wir beide festgehalten, dass Grundrente nicht durch Erpressung bzw. die Vorenthaltung von der Benutzung von Boden entsteht.
    “Der Grundpreis steigt, wenn das Grundstück zentral gelegen ist.” Du redest daher wie ein Makler. Dass ein Zentral gelegenes Grundstück teurer ist, weiß jeder. Aber erklär’s mal. Magst du aber nicht, weil das ja angeblich überholtes Marxwissen aus dem 19. Jh. ist.

    “Wenn es mitten in der Pampa ist, so gibt es niemanden, der sich dafür interessiert.”
    Klar interessiert sich jemand. In der Pampa kann man prima Landwirtschaft machen.

    “Da wird niemand „erpresst“, weil das entweder von den Gewinnaussichten des Grundeigentümers nicht nötig, ” Also wenn die Abpressung von Grundrente erfolgreich ist, weil viele Interessenten wegen des Lagevorteils an einem Grundstück interessiert sind, dann ist das in deinen Augen schon keine Erpressung mit dem Eigentum, also mit dem Ausschluss anderer Von der Verfügung.
    “Es werden aber auch keine Verbesserungen vorgenommen, um irgendetwas „auszugleichen“.” Das hat auch keiner behauptet. Bei Differentialrente müssen keine Verbesserungen vorgenommen werden, allein die Spezifische Qualität des Boden, entweder seiner Natürlichen Fruchtbarkeit oder seiner Lage, erhöht den Ertrag, der weil er dem Boden zuzuschreiben ist vom Grundeigentümer angeeignet werden kann. Das unbeabsichtigte Resultat ist aber, dass ein Pächter bzw. ein Kapitalist, durch den Boden keinen Konkurrenzvorteil hat, weil dieser an den Grundeigentümer geht. Niemand will hier etwas ausgleichen. Das Resultat sind aber gleiche Konkurrenzbedingungen für das Kapital, das den Boden benutzt und Grundrente zahlt.

    “Was es z.B. auch gibt, ist, von Wohnwilligen Vorauszahlungen einzukassieren, dann Bankkredite aufzunehmen und schließlich nach einiger Pro-Forma-Tätigkeit Konkurs anzumelden und das noch vorhandene Geld irgendwo verschwinden zu lassen.”
    Im Ernst? Das ist Betrug. Betrug hat aber nichts spezifisch Mit Grundeigentum oder Wohnen zu tun. Das ist Whataboutismus. Ach übrigens es gibt auch Betrug. Meine Güte!

    “Und natürlich, das alles geht nur, weil der Gesetzgeber dem Grundeigentum Freiheiten eingeräumt hat, die es vor einigen Jahrzehnten noch nicht hatte.” Humbug. Welche Freiheiten denn?

  22. “Egal was du nimmst, von Klamotten über Schuhe bis zu Handys, von Obst bis Dauerwurst, von je her ist das Angebot aufgefächert von ganz billig bis sauteuer.”
    Schreibe ich so kryptisch? Meinst du ich weiß nicht, dass man Milch und Biomilch kaufen kann? Ich rede von den Grundnahrungsmittel. Milch (nicht Bio) kosten überall zur Zeit 79cent. Oder überall 75cent. Rapsöl überall 1,19, Sonnblumenöl 1,29, Spaghetti (die Billigsten) 49cent, früher 39cent überall, Bodenhaltungseier 1,39 usw. Freilandeier kosten entsprechend mehr. Natürlich kannst du statt Freilandeier, Bodenhaltung kaufen, statt Biomilch normale Milch usw. Dann hast du aber ein schlechteres Produkt. Und was machst du, wenn du vorher schon das billigste gekauft hast? Dann kannst du halt nicht ausweichen, sondern musst bezahlen was verlangt wird oder du verzichtest auf Eier und frisst bloß noch Mehlbrei. Von wegen es gäbe eine Konkurrenz zwischen Verkäufer und Käufer. Die teureren Produkte kosten im Übrigen auch mehr. Es steigen ja nicht nur die Preise bei den billigen. Wer also teuer kauft zahlt mehr und wer billig kauft zahlt auch mehr. Wo ist da die Konkurrenz, wenn der Käufer gar nicht ausweichen kann.

    “Die Entwicklung des Einzelhandels in den letzten Jahrzehnten zeigt, wie teils Ketten größer wurden, weil sie im Schnitt billiger waren oder auch nur schneller nicht gleich sondern “anders”(z.B. bei Mode), teils teure Läden mit dem ewig “exklusiven” Zeugs groß rausgekommen sind. ” Über Luxus rede ich nicht. Da musst du aber schon einen “Schnitt” um rauszufinden, das ein Laden billiger ist und das bezieht sich dann auf einzelne Produkte. Aber die Standardwaren sind überall gleich teuer. Selbst wenn ein Discounter “im Schnitt” billiger ist, lässt sich daraus kein Hebel für den Verbraucher machen, um der Inflation entgegenwirken zu können. “Durchgesetzt wird Inflation in der Konkurrenz zwischen Verkäufer und Käufer. ” Das stimmt nicht. Darum ging es mir. Nicht darum, dass es für fast jeden Geldbeutel (außer dem kleinsten) die preislich zugeschnittene Ware gibt.

    “oder es handelt sich um Waren, wo wirklich mal der Wert den Preis bestimmt und der ist dann eben manchmal Ausdruck der aktuell geltenden Produktionsbedingungen.”
    Das möchte ich aber erstmal sehe, warum praktisch zeitgleich überall die Preise hochgehen. Ist da etwa überall Erdöl als Vorprodukt drin oder was? Oder denken nur alle, wenn die anderen die Preise erhöhen mach ich es auch, weil dann geht es und dem Verbraucher bleibt sowieso nichts übrig als das Zeug zu kaufen?

    “Aber die relative Verarmung zu früher wird halt weniger von steigenden Krankenversicherungsbeiträgen sondern in erster Linie von steigenden Mieten bewirkt.” Von allem. Ich halte gar nichts davon, das gegeneinanderzuhalten.

    “sonst würden ja nur Neubauwohnungen teurer und nicht die Bestandswohnungen, bei denen ja zumeist nichts mehr investiert wird.” Das hab ich doch oben erklärt, warum auch in Bestandswohnungen investiert werden muss! Der Gesetzgeber schreibt z.B. vor, dass oberste Geschossdecken einen gesetzlich vorgeschriebenen Wärmedämmstandard aufweisen müssen, sonst gibt es Strafen. Das ist Klimaschutz. Auch in Bestandwohnung muss im Übrigen ständig investiert werden.

    “Das ist aber wirklich nichts Neues, daß Hausbesitzer versuchen, ihre Rendite dadurch zu steigern, daß sie die Mieten erhöhen.” Es geht nicht um Erhöhung, sondern um das Maß der Erhöhung. Klar – Mieten wurden auch schon früher erhöht. Wenn es aber früher der Vermieter übertrieb, sagt der Mieter “tschüß”, oder er hat jedes Jahr einen neuen Mieter, was auch Kosten verursacht. Der Unterschied ist, dass erstens die Mieten allgemein in die Höhe gehen und dadurch die Vergleichsmiete weniger als Bremse wirkt, sondern als Verallgemeinerungsmittel des Mietpreisanstiegs. Zweitens sind das heute zunehmende keine “kleinen” Hausbesitzer mehr, sondern riesige international tätige Vermögensverwaltungs und Immobilienkapitale, die wegen ihrer Finanzmacht viel aggressiver gegen Mieter vorgehen können und ihre Forderungen durchsetzen. Der private Hausbesitzer will nicht ständig vor Gericht mit seinem Mieter streiten. Das Immobilienkapital schon.

    “Da wurde ja entschieden, daß die Mieten auch steigen sollen um den Immobilienwerten bzw. deren rasanten Steigerungen “Recht” zu geben.” Hm. Das müsstest du ausführen. Mach mal Beispiele. Die Städte haben ja auch erkannt, dass die meisten die verlangten Mieten nicht mehr zahlen können. Diese “Recht” geben geht nicht ewig.

  23. @Kehrer

    Bitte brems dich ein blßl ein, sonst sperre ich dich wieder.

    Dieses oberlehrerhafte Getue, mit dem du dich als Marx-Kenner und die anderen als Ignoraten abtust, will ich hier nicht haben.
    Wenn du zum Grundeigentum nichts Vernünftiges zu vermelden hast, so laß das Kommentieren doch bleiben.

  24. “Die Städte haben ja auch erkannt, dass die meisten die verlangten Mieten nicht mehr zahlen können. Diese “Recht” geben geht nicht ewig.”
    Natürlich geht das “ewig”. Und es geht schon ewig lange: Ich kann mich noch gut an einen Münchner Sozialdemokraten erinnern, der in den 60ern oder 70ern auch schon im Wahlkampf darüber gewettert hat, daß ein Postbote, der in der Innenstadt seine Post austrägt, sich dort keine Wohnung mehr leisten kann. In Deutschland ist diese Entwicklung zu teuren Städten sicherlich langsamer abgelaufen als in anderen Staaten, wo es das in der Tat schon “ewig” gibt. In Filmen, die in den 50ern in New York gespielt haben, gab es manchmal noch die gute alte Tradition, daß sich zwei Mieter eine Wohnung teilen, der eine schläft tagsüber und arbeitet nachts, der andere andersrum.
    Die letzte neue Welle der Preissteigerungen macht mittlerweile selbst Apple Sorge:
    “The company has been losing talent who, despite being high earners by most standards, have said they could barely afford the extraordinary cost of living in the San Francisco Bay Area. Many engineers lamented that they couldn’t balance living expenses with other pursuits like college tuition for their children and long-term savings.”
    https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2021-07-04/apple-hq-is-no-longer-the-center-of-the-company-s-universe-kqpi2879
    Aber im Wesentlichen ist das halt kapitalistisches Business as usual. (Wie in London oder Paris usw.)

  25. “Der Zweck war aber von Seiten des Staates unrentable Kosten loszuwerden und daraus eine profitable Geschäftssphäre zu machen an deren Gewinnen der Staat dann wieder über Steuern beteiligt ist. Die alte Erkenntnis, dass das in manchen Bereichen schlecht geht und zu Friktionen in der Geschäftemacherei insgesamt führt wurde interessiert vergessen.” (Krim)

    Das hört sich an wie die Zusammenfassung der Projekte der ersten rotgrünen deutschen Reform-Koalition (Schröder/Fischer) an, die den Staat der BRD deswegen reformieren wollte, weil er ihrer Ansicht nach nicht mehr zum Wachstumsmotor und Vorbild Europas taugte. Im öffentlichen Gedächtnis sind HartzIV geblieben, nicht aber die damals als Reformprojekte angepriesene Privatisierung von Post und Bahn und weiteren öffentlichen ‘Vorsorgebereichen’, Ausgaben für Sozialwohnungen gehörten also schon mal radikal gekürzt, Wohnungsgesellschaften dem freien Markt überantwortet, und gleichfalls wurde das Krankenhauswesen mit der doppelten Aufgabe versehen, einerseits profitable Anlagesphäre für Krankenhauskapital werden zu sollen, gleichzeitig die Anwendbarkeit der Arbeiterklasse gewährleisten zu sollen (Volksgesundheit). Selbst die eigenen Planungsbehörden für Bildungsinhalte wollte man loswerden, die Wirtschaft sagt ja, was sie als Kompetenzen braucht, überhaupt Behörden wurden zusammengestrichen, Vorbild dafür die Bilder vom flachen und smarten und reformierten Staat der Freidemokraten, die inzwischen deswegen minoritär geworden sind, weil das kein Extra-Programmpunkt mehr ist.

    Im Zusammenhang mit Europa wurden solche Maßnahmen unter dem Stichpunkt “Stabilität” btw. Maastricht-Kriterien, Verschuldungsquote etc. europaweit in Anwendung gebracht, weil man nur so die Weltgeldfähigkeit bzw. Akzeptanz des neuen Euro-Geldes schien erreichen zu können. Europa als Weltmacht aufstellen zu wollen, das war der Zweck, nicht nur, aber ganz plakativ, von Fischer und Schröder, und die sozialdemokratischen Weltstrategen sind, über die Jahre, inzwischen ziemlich komplett bei den heutigen Grünen gelandet.

    Nicht eine übertriebene Spar-Ideologie ist der historische Springpunkt gewesen, sondern die Ausrichtung auf Europa als angestrebte Weltmacht und vorgesehene Anlagesphäre für Weltkapital.

  26. @Neoprene

    Du erinnerst mich mit dem New York-Beispiel an die gute alte Tradition in der österreichisch-ungarischen Monarchie, als es in Wien die „Bettgeher“ gab.

    Da vermiteten Leute aus der Arbeiterklasse am Tag eines der Betten, in denen sie selber nachts schliefen, am Tag an jemanden, der in der Nachtschicht arbeitete.
    Oder es gab für ein vermietetes Bett 2 Benutzer: einer tagsüber, einer nachts.
    Nachzulesen in Petzolds Buch „Das rauhe Leben“.

    Es ist also in Sachen Mietwucher noch Luft nach oben.

    @Leser

    die Ausrichtung auf Europa als angestrebte Weltmacht und vorgesehene Anlagesphäre für Weltkapital.

    Eben.
    Und von diesen hochfliegenden Plänen sind zwar ein paar große Firmen, Multis entstanden oder haben sich noch vergrößert, aber flächendeckend ist nur der Immobilien- und Bausektor als einzige Sphäre übrig geblieben, wo noch fest investiert und kassiert werden kann.
    Die kann auch nicht outgesourct werden nach Fernost.

  27. Zunächst einmal noch ein Nachtrag dazu, wer denn überhaupt das Geld hat in Aktien zu investieren. Das Ergebnis ist, dass mindestens 50% der Menschen dieses Geld weltweit nicht haben. Insofern sind Dinge wie die Riester-Rente, die die Leute auffordern doch für ihr Alter zurückzulegen, da die staatliche Rente gekürzt wird, zynische Schönfärbereien. Ein großer Teil (ca. 60% der Bevölkerung) hat dieses Geld nicht in nennenswertem Umfang (wenn an eine Rentendauer von ca. 25 Jahren annimmt und man zur Rente (bescheidene) 500 € im Monat zusteuern will braucht man (ohne Berücksichtigung von Zinseffekten) ca. 150.000 €). Das heißt, um das zu können muss man schon zur “reichen” Minderheit der Bevölkerung gehören. Mit Zinsen wird es natürlich weniger – aber man kann auch keine großen Risiken eingehen, da man das Geld ja verbraucht.

    libelle:
    “Durchgesetzt wird Inflation in der Konkurrenz zwischen Verkäufer und Käufer. ”

    Kehrer:
    Also wenn ich im Laden etwas kaufen will dann zahle ich entweder den verlangten Preis oder lasse die Ware im Regal. Der Mensch muss aber essen, bestimmte Dinge muss er kaufen. Sonnenblumenöl kostet z.B. statt 1€ 1,39€. Das sind rund 40% mehr. Und da kannst du von Laden zu Laden gehen, das kostet überall gleich. Und das ist bei allen Konsumtionsmitteln so. Der Käufer hat kein Mittel sich dagegen zu wehren. Da möcht ich mal wissen, wie da die Preisbildung zustande kommt. Irgendwie sprechen sich der Handel und die Hersteller ab. Und ich bin mir nicht sicher, ob das auf gestiegene Kosten zurückgeht. Auf gestiegene Löhne jedenfalls nicht.

    Ich stimme dir zu, dass wir einen größeren Inflationsschub haben. Da rennst du bei mir offene Türen ein. Dennoch wird die Inflation in der Konkurrenz zwischen Verkäufer und Käufer durchgesetzt. Der Supermarkt (Verkäufer) will möglichst hohe annähernd markträumende Preise und die Käufer jagen Schnäppchen. Der Supermarkt selbst mit seinen variierenden Packungsgrößen, mit seiner ständigen Umräumerei usw… ist in seinem Aussehen das Produkt dieser Konkurrenz. Die Alternative als Käufer ist dabei immer auf den Kauf angesichts des mitgeteilten Preises zu verzichten. Das gilt nicht nur für Supermärkte, sondern z.B. auch für Beschäftigte, die man einstellt oder nicht usw… Auf dieser Grundlage konkurrieren dann die Verkäufer um die vorhandene Zahlungsfähigkeit. Höhere (von den Verkäufern gewünschte) Preise müssen eben durchsetzbar sein und das hängt in allen Sphären vom Stand der Konkurrenz der Verkäufer ab und da haben die Lohnarbeiter wegen der ständigen Freisetzung von Arbeitskräften schlechte Karten und müssen ihre Konkurrenz aussetzen und ein (Lohn-)Kartell bilden (Gewerkschaft).

    @Nestor: Wenn du sagst es gäbe keine Inflation, was ist dann mit 1923? Gab’s das auch nicht? Die Geldentwertung Was ist damit.

  28. Nachtrag: Ich hatte ja im anderen Thread schon erwähnt, dass die USA entweder die Kontraktion des Kredits irgendwann zulassen werden oder zur Finanzierung der Lohn-Preis Spirale übergehen müssen. Die stimulus checks lassen sich nicht so leicht zurücknehmen.

  29. “Die Alternative als Käufer ist dabei immer auf den Kauf angesichts des mitgeteilten Preises zu verzichten. ” Kann er doch gar nicht. Er muss ja essen.

    “das hängt in allen Sphären vom Stand der Konkurrenz der Verkäufer ab ” Das ist ein anderes Argument, das ich richtig finde. Trotzdem ist mir schleierhaft, wie das abläuft, dass bestimmte Produkte überall den genau gleichen Preis haben. Und wenn du irgendwo einen niedrigeren Preis findest ist die Ware garantiert falsch ausgezeichnet, was spätestens an der Kasse klar wird. Klar manche Discounter gehören zu größeren Konzernen. Aber nicht alle. Und plötzlich sind alle der Meinung, dass das Sonnenblumenöl 1,39 kosten muss.

  30. “Wenn du zum Grundeigentum nichts Vernünftiges zu vermelden hast, so lass das Kommentieren doch bleiben.” Immerhin halte ich mich so sehr zurück, dass ich dir diesen Vorschlag nicht mache, obwohl du derjenige bist, der meint gescheiter zu sein, weil er später wie Marx lebt. Ja klar, zu Marx Zeiten gab es auch noch keine Bodenspekulation. Also bitte statt Ordnungsrufe Gegenargumente bringen. Und nicht welche von der Sorte: Marx ist veraltet. Das hat nämlich noch nie gestimmt.

  31. “Die Alternative als Käufer ist dabei immer auf den Kauf angesichts des mitgeteilten Preises zu verzichten. ” Kann er doch gar nicht. Er muss ja essen.

    Das findet täglich statt. Du schaust ins Regal, was das Olivenöl kostet und wenn es zu teuer ist lässt du es stehen.

    Irgendwann muss man natürlich kaufen, aber es geht ja nicht um die Wegelagerei eines Adligen o.ä., sondern darum Kapital zu vermehren, also will der Verkäufer auch verkaufen. Für 8 € a 500 ml bekommt er das Olivenöl nicht los. Wäre es umgekehrt,. hätten die Käufer wirklich keine Macht. Sowas gibt es im Kapitalismus aber nur bei Monopolen. Würden die Käufer umgekehrt eine Ware nicht kaufen, würde sie aus dem Markt fallen.

  32. Um Verwechslungen vorzubeugen: Die Käufer haben auch keine Macht über die Verkäufer, aber sie haben die Möglichkeit den Kauf zu verweigern und so den Verkäufer zu bewegen den Preis zu senken. Genau über diesen Vorgang wird doch das Wertgesetz in Kraft gesetzt.

  33. “Nicht eine übertriebene Spar-Ideologie ist der historische Springpunkt gewesen, sondern die Ausrichtung auf Europa als angestrebte Weltmacht und vorgesehene Anlagesphäre für Weltkapital.” Ja danke für die Ergänzung. Eine Sparideologie wollte ich nicht behauptet haben. Natürlich ging es darum die Wirtschaft noch schlagkräftiger auf dem Weltmarkt zu machen. Zumindest kann man sagen, dass das die Konsequenzen des verwirklichte politischen Willens sind und keine anonymen Entwicklungen auf die, die Politik nur reagiert.

  34. Vor allem können Kunden fast immer schauen, was das gewünschte Zeugs bei der Konkurrenz kostet. Vor allem, wenn es mehrere Anbieter dafür gibt. Und es gibt eben sowieso nicht “das” Olivenöl sondern ein ganzes Regal voll mit verschiedenen Preisen, die auch schon mal das 10fache des billigsten Produkts aufrufen.
    Und bei “exklusiven” Sachen, z.B. einem Sofa, machen es die Hersteller den Läden sogar zur Auflage, die ganz unverbindlichen Preise bei Strafe des Rausschmißes nicht zu unterbieten. Aber dafür müssen diese Produkte eben eklusiv sein und nicht in den Augen der Verbraucher austauschbar. Bei M8-Schrauben schauen noch alle Käufer sicherlich auf den Preis und nicht auf den Anbieter. Wenn das Zeugs aber eh nur Beipackware ist, dann schaut auch bei Bauhaus keiner genau hin oder fährt wegen 10 Cent doch zu Obi.

  35. “Du schaust ins Regal, was das Olivenöl kostet und wenn es zu teuer ist lässt du es stehen.” Olivenöl ist ja schon ein Luxusprodukt. Das manchmal auch 8€ kosten kann und auch für 8€ weggeht, wenn der Verkäufer nur eine besondere Qualität glaubhaft machen kann.

    Ich spreche aber von discount Spaghetti 500g für 49 cent. Früher 39 cent. Da kannst du nicht mehr ausweichen. Das musst du kaufen auch wenn es teurer ist. Genauso Eier, Öl, Milch, usw. Überall kommen 10, 20, 40 cent drauf. Ich sehe nicht wo der Käufer hier eine Macht hätte das nicht zu kaufen. Ausweichen kann er jedenfalls nicht.

  36. Ja, bei manchen Sachen kann ein armer Mensch in der Tat nicht ausweiche, wenn die Preise erhöht werden. Wenn man z.B. auf den örtlichen ÖPNV angewiesen ist, dann kann man sich zumeist kein Auto kaufen, wenn die Stadt die Abopreise hochsetzt. “Macht” haben Konsumenten eben regelmäßig nicht, Schnäppchen-Jägerei Hin oder Her.

  37. Ich spreche aber von discount Spaghetti 500g für 49 cent. Früher 39 cent. Da kannst du nicht mehr ausweichen. Das musst du kaufen auch wenn es teurer ist. Genauso Eier, Öl, Milch, usw. Überall kommen 10, 20, 40 cent drauf. Ich sehe nicht wo der Käufer hier eine Macht hätte das nicht zu kaufen. Ausweichen kann er jedenfalls nicht.

    Das ändert nichts. Wenn man sich weigert zur Kenntnis zu nehmen, dass Käufer nicht gezwungen sind zu kaufen, dann leugnet man das Wertgesetz. Bei den Nudeln macht sich das so geltend, dass man, wenn sie zu teuer werden auf Alternativen (Kartoffeln z.B.) ausweicht. Dieses Kaufzwangsargument ist linke Ideologie.

  38. A) Dass bei Preiserhöhungen auch ohne offizielle Kartelle Verkäufer danach schauen, was die Konkurrenz für ihren Krams haben will, und dann auch den Preis anheben, das gibt es genau so, wie es Rabattschlachten, Unterbietungswettbewerbe, ruinöse Preiswettbewerbe etc gibt. Je härter die Konkurrenzbedingungen, desto mehr gibt s vermutlich von beiden Varianten ….

    B) Bei einer sog. ‘Galloppierenden Inflation’ vermutet der Geldbesitzer, dass die Werthaltigkeit seiner Geldware bereits in der kurzen Zeit zwischen Erhalt des Lohns und z.B. dem Gang zum Bäcker sich vermindert hat, weswegen er wie alle Welt nur darauf bestrebt ist, möglichst schnell Ware gegen das rapide an Wert verlierende Geld eintauschen zu können, denn Franz Löhner weiß, dass sein Bäcker in zwei Studen das Dreifache des Preises verlangen wird, weswegen auch der Bäcker möglichst schnell die Geldware wieder (z.B. gegen Mehl) loswerden will.
    Bekantermaßen konnten unsere Ur-Urgroßväter am Schluss die Milliarden-Geldscheine nur noch zum Zigaretten-Anzünden gebrauchen…
    Als Erklärung habe ich dafür als Schüler vernommen, dass der deutsche Staat dem französischen Staat nach dem Ersten Weltkrieg demonstrieren wollte, dass aus Deutschland nichts mehr zu holen sei. Nachdem Industrie demontiert und Kriegsschuld abgezahlt sei, könne man nur noch die Druckerpresse anwerfen. Jedenfalls müsse Frankreich sich nunmehr mit nur einem Teil der Reparationen begnügen.
    Phänomene galloppierender Inflation gab es auch in anderen Weltgegenden, – da müsste man sich jeweils anschauen, was da los war.

    C. Attac hatte, lange schon vor der Finanzlrise 2007, minutiös aufgelistet, das Wieviel Zigfache (!) der ‘realen Warenberge’ vom Finanzkpital in jeder Viertel-Sekunde ratzfatz quer über den Globus geschickt werde, um entsprechende aktuelle Anlagevorteile ausnutzen zu können.

    Das bloße Phänomen bereits wiederspricht der Vorstellung eines Gleichheitsverhältnisses zwischen Geld, sei es mit Gold, sei es mit irgendwelchen Warenbergen (letztere Vorstellung hat ein paar weitere Denkwürdigkeiten, denn der Warenberg bemisst sich tautologisch … – in Geld)

    Das Phänomen der Unmassen von Geldkapital weist darauf hin, dass Symbolisierungen von Geld, Geldschöpfungen etc. an diversen Stellen der Akkumulation passieren, und auch von Staats wegen ins Werk gesetzt werden.

    D) Obendrein gibt es spätestens seit der Finanzkrise 2007 staatliche SWAP-Garantien für die paar Weltgelder – wechselseitig verbürgt:

    Technisch läuft das als Kauf mit Rückkauf-Verpflichtung: “1.: Die EZB ‚zieht‘ ihre Swap-Linie, die ihr von der Fed eingeräumt wird. Das bedeutet, dass sie der Fed einen Euro-Betrag (z. B. 100 Mrd. Euro), den sie ‚aus dem Nichts‘ schafft, zum gegebenen EUR/USD-Wechselkurs (z. B. 1,30) verkauft. Sie erhält dafür einen entsprechenden US-Dollar-Betrag (in diesem Beispiel 130 Mrd. US-Dollar), den die Fed ebenfalls ‚aus dem Nichts‘ schafft. 2.: Die EZB verpflichtet sich, die 100 Mrd. Euro in der Zukunft (z. B. in drei Monaten) zurückzukaufen, und zwar zum unveränderten Wechselkurs, d. h., sie wird der Fed die 130 Mrd. US-Dollar zurückzahlen.” („Wirtschaftswoche“ vom 3.11.13) In den Spitzenzeiten beträgt der Umfang der Swap-Vereinbarungen eine halbe Billion Dollar, der größte Teil davon geht auf die europäischen Partner
    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/weltkapitalismus-krisenmodus#fn7

    “Es gibt kein Zuviel, wenn es um Sicherheitsnetze für die weltweiten Märkte geht‘, sagt Daisuke Karakama, Marktökonom bei Mizuho Bank Ltd. ‚Es ist derzeit nicht notwendig, aber die Dinge passieren immer schnell.‘” („Die Welt“, 31.10.13)

    Kurzgefasst: Whatever it takes (Draghi, Scholz. Trump, Biden etcpp)

  39. Dass auch ein “Negativzins” – also der Preis, den man für die Anlage einer Geldsumme bei einer Bank nicht als Zins bekommt, sondern bei ihr zahlen soll, zulässig sei, und damit nicht der gesetzliche Schutz des Eigentums verletzt sei, wurde in D gerade gerichtlich festgestellt:

    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Gericht-erklaert-Negativzinsen-fuer-zulaessig-article22669715.html

    —-

    Übrigens wird an der Börse immer mal wieder Geld verbrannt, z.B. im März 2020:

    “An den Finanzmärkten ist ordentlich Geld verbrannt worden. Von Mitte Februar bis zu Beginn dieser Woche hatte die Coronakrise weltweit bereits Finanzvermögen über zehn Billionen Dollar vernichtet. Bis diesen Donnerstag dürften nochmal zehn Billionen dazugekommen sein. 20 Billionen, das sind 20 000 Milliarden Dollar – eine Stange Geld. Damit könnte man 120 Jahre lang die gesamte weltweite Entwicklungshilfe des Jahres 2019 finanzieren oder über 4000 Jahre die Weltgesundheitsorganisation WHO. Man könnte jedem der extrem Armen auf dem Globus 33 000 Dollar in die Hand drücken – genug um 48 Jahre auf Armutsniveau zu überleben – oder jedem Geflüchteten knapp 480 000 Dollar. Aber vorerst sind diese Billionen weg, und an den Börsen hofft man, dass sie bald wiederkommen. Allerdings nicht zu den Armen. »Anleger sollten sich nach Abklingen der Pandemie mittelfristig auf eine der besten Anlagemöglichkeiten am Aktienmarkt während der vergangenen Jahrzehnte vorbereiten«, rät eine deutsche Bank.

    Goldene Zeiten: Nicht alle verlieren im Crash. Denn schlaue Finanzarchitekten haben Mittel und Wege ersonnen, wie man auch an fallenden Kursen verdienen kann. Zum Beispiel mit QQQ Capital. 77 Prozent Gewinn machte der Hedge Fonds laut Agentur Bloomberg allein im Januar und Februar. Der Fonds aus Singapur wettete gegen die Aktienkurse von Fluggesellschaften, Hotels und gegen den amerikanischen Aktienindex S&P 500. Zudem rechneten die Manager von QQQ Capital damit, dass die Menschen wegen des Virus zu Hause am Computer bleiben und setzten daher auf Aktien wie Netflix, das Online-Bildungsportal TAL sowie auf Titel von Online-Spieleanbietern.

    Sichere Orte: Von der Suche der Investoren nach »sicheren Häfen« für ihr Geld profitierten vor allem die Heimatstaaten des globalen Kapitals. Die Staatsanleihen von Ländern in Westeuropa und Nordamerika legten kräftig zu. Spiegelbildlich ist ihre Rendite gesunken: Zehnjährige Schuldscheine der US-Regierung bringen erstmals in der Geschichte weniger als ein Prozent. Deutsche Bundesanleihen rentieren mit -0,8 Prozent. Sichere Anlagen bringen also sichere Verluste. Oder anders: Sicherheit gibt es an den Finanzmärkten nicht mehr. Noch vor kurzem wurden die niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank zur Last gelegt – sie würde »die deutschen Sparer enteignen«, hieß es. Die jüngsten Entwicklungen an den Aktien- und Anleihemärkten zeigen jedoch: Niemand enteignet so schwungvoll wie der Markt selbst.

    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1134277.coronakrise-die-stunde-der-spekulanten.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

  40. “Dass auch ein “Negativzins” – also der Preis, den man für die Anlage einer Geldsumme bei einer Bank nicht als Zins bekommt, sondern bei ihr zahlen soll, zulässig sei, und damit nicht der gesetzliche Schutz des Eigentums verletzt sei, wurde in D gerade gerichtlich festgestellt.”
    Ja, was auch sonst.
    “Nicht alle verlieren im Crash. Denn schlaue Finanzarchitekten haben Mittel und Wege ersonnen, wie man auch an fallenden Kursen verdienen kann. ”
    Nein haben sie nicht. Bei Wettgeschäften, bei denen vorher keiner wissen kann, wie die Entwicklung sein kann, verlieren halt die einen und die anderen gewinnen. Bei Abschluß der Wetten denkt natürlich jeder, daß der Vertragspartner ein Idiot ist, der keine Ahnung hat, was kommen wird und man selber im Besitz der Kristallkugel sei.
    “Oder anders: Sicherheit gibt es an den Finanzmärkten nicht mehr.”
    Ja, so wird es wohl sein, bei Lichte besehen war es wohl immer so, denke ich.

  41. Also leser hat oben etwas zur Hyperinflation geschrieben, auf das ich eingehen möchte.

    Den Unterschied zwischen “normaler” Inflation und einer Hyperinflation stellt er richtig fest:

    Bei einer sog. ‘Galloppierenden Inflation’ vermutet der Geldbesitzer, dass die Werthaltigkeit seiner Geldware bereits in der kurzen Zeit zwischen Erhalt des Lohns und z.B. dem Gang zum Bäcker sich vermindert hat, weswegen er wie alle Welt nur darauf bestrebt ist, möglichst schnell Ware gegen das rapide an Wert verlierende Geld eintauschen zu können, denn Franz Löhner weiß, dass sein Bäcker in zwei Studen das Dreifache des Preises verlangen wird, weswegen auch der Bäcker möglichst schnell die Geldware wieder (z.B. gegen Mehl) loswerden will.

    Während also die “normale Inflation” das Geld als Mittel den Wert (oder in GSP- Sprech: die Zugriffsmacht auf sachlichen Reichtum) festzuhalten nicht in Frage stellt, sondern das Geld nur graduell entwertet, den normalen Gang der Akkumulation also nur um den Gesichtspunkt erweitert Vorsorge für zukünftige Preis- und Lohnsteigerungen zu treffen, ist die Ursache der Hyperinflation, dass man den Wert im Kreditgeld nicht mehr so festhalten kann, wie die Verwertung das braucht. Und das heißt eben, dass der Wertverfall des Kreditgeldes es als Stadium der Kapitalzirkulation ausschließt. Da hat es in den 20’er Jahren des 19. Jhd dann Warenkörbe als Verrechnungseinheiten gegeben, in denen z.B. Grundstoffe wie Kohle enthalten waren etc…

    Der Umschlag aus einer Inflation in eine Hyperinflation findet also dann statt, wenn die Inflation die Kapitalakkumulation verhindert. Und dann will jeder aus dem betreffenden Kreditgeld heraus und seinem Schatz (oder Kapital) eine Gestalt geben, in der er den Wert festhalten kann. Und darüber steht einiges Kopf, weil nicht das Geld, sondern die Waren als Inkarnation des Werts behandelt werden. Mit Geld, Ersparnissen, Schätzen werden dann eben Waren gekauft, um den Wert zu konservieren. Unmittelbar sieht man, dass eine Hyperinflation eine kurzlebige Erscheinung ist, die dafür sorgt, dass das Kreditgeld aus der Zirkulation eliminiert wird. Und da kann 1923 keine Vorlage für eine heute vielleicht mal stattfindende, das Dollar-System betreffende Hyperinflation sein. Auch nicht Simbabwe oder Venezuela. In den Zeiten moderner Kommunikationsmittel und Handelsplattformen wäre das theoretisch eine Sache von ein paar Stunden (und nicht 6 oder 9 Monaten wie 1923). Die Plethora an fiktivem Kapital, die Leser erwähnt könnte ihn dann auf den Flaschenhals der Hyperinflation aufmerksam machen: Nach sehr kurzer Zeit wäre das gesamte weltweite Warenangebot als Wertspeicher des fiktiven Kapitals allokiert und die sachliche wie auch die wertmäßige Reproduktion käme ins Stocken, weil die Waren eben zusätzlich zu ihrer Rolle als Teil der Zirkulation des real akkumulierenden Kapitals und der stofflichen Reproduktion der Gesellschaft eben Wertspeicher des fiktiven Kapitals wären. Was genau da herauskommt kann man nicht sagen – außer Krise, was im Kapitalismus immer stimmt, wenn sich etwas ändert. Und nach diesen Wenigen Stunden (vielleicht auch Tagen) wären alle nominell auf das Kreditgeld lautenden Titel (Rentenansprüche, Sparguthaben, Versicherungen, Kredite usw.) im Verhältnis zu den inlationierten Warenpreisen entwertet.

    Das würde den Staat auf den Plan rufen, der dann u.U. das Horten und Zurückhalten von Waren kriminalisieren würde, vielleicht Preiskontrollen einführen würde etc..

    Wichtig war mir nur festzuhalten, dass eine Hyperinflation ein Kreditgeld aus der Zirkulation eliminiert und zwangsläufig eine Währungsreform und staatliche Zwangsbewirtschaftungsmaßnahmen zur Folge hat.

  42. In der Zeit nach WK II wurde die Funktion des hiesigen wertlos gewordenen Geldes (Reichsmark) einerseits durch ein neues allgemeines Äquivalent beim Tauschen übernommen: in (US-) Zigaretten wurde nämlich verbotener Weise allgemein getauscht (Zigarettenwährung), oder in Kartoffeln und Steckrüben, die der Landbevölkerung abgeluchst oder geklaut worden waren.

    Fundamental geändert wurde die Lage aber erst, als in den USA der Beschluss gefasst wurde, das vorherige Nazi-Feindesland nun für den Kampf gegen die Soffjetts herrichten zu wollen: Zwangsbewirtschaftung, Abgabewesen, Lebensmittelkarten, Marshall-Plan, Währungsreform, Festlegung einer 1:4 “Parität” zwischen Dollar und neuer Deutscher Mark.
    Die politische Gewalt (hier die der USA) war nach WK II das den Ausschlag gebende Moment.

  43. “Wenn man sich weigert zur Kenntnis zu nehmen, dass Käufer nicht gezwungen sind zu kaufen, dann leugnet man das Wertgesetz. Bei den Nudeln macht sich das so geltend, dass man, wenn sie zu teuer werden auf Alternativen (Kartoffeln z.B.) ausweicht.”

    Libelle hier geht es doch um Inflation und nicht um die normale Preisbildung. Und selbst bei der normalen Preisbildung, sagt das Wertgesetz nicht, dass sich die Preise in der Konkurrenz von Käufer und Verkäufer bilden. Das Wertgesetz sagt, dass die Waren zu ihren Werten verkauft werden, also im gesellschaftlichen Durchschnitt zu der in ihnen vergegenständlichte abstrakten menschlichen Arbeit. Angebot und Nachfrage bestimmen den Marktpreis, also die Schwankungen um den Wert der Waren.

    Inflation betrifft alle Waren, also kann man nicht ausweichen auf Kartoffeln, weil Inflation eine allgemeine Preissteigerung ist, also auch Kartoffeln im Preis steigen. Und genau das erleben wir gerade und das heißt der Verbraucher kann nicht ausweichen, hat kein Mittel gegen diese Preissteigerung. So ist das immer mit Inflation. Der Verbraucher kann nur darauf reagieren, indem er spart. Das heißt aber dass er weiter verarmt, sich nicht mehr soviel leisten kann.

    Die Erklärung von Inflation ist, dass Geldzettel, die nicht aus dem normalen Kapitalkreislauf G-W-W’-G’ stammen, die also staatlich geschöpft wurden und nur wegen der staatlichen Hoheit über das Geld als Kaufmittel dienen, aber keinen Wert darstellen in die Ökonomie gepumpt werden. Das heißt die gleiche Wertsumme der Waren steht einer höheren Geldsumme gegenüber. Das Wertgesetz macht sich hier so geltend, dass die Werte der Waren sich in einer höheren Geldsumme ausdrücken, also zuvor. Das ist Inflation.

  44. Laut diversen vermutlich wissenschaftlich verkehrten, desungeachtet als wichtig eingeschätzten Übersichten von Inflation, steige die Inflation gerade insgesamt in der BRD an (angeblich auf 3 Prozent), 2020 habe sie angeblich hingegen nur ein halbes Prozent betragen.

    Die Botschaft, dass bei den Käufern entweder eigenes Geld oder geliehener Kredit zum Ausgeben bereit stünde, ist das Marktsignal, das von ‘erfolgreichen’ Preiserhöhungen allgemein ausgeht – und dem Signal schließen sich dann weitere Unternehmen an und erhöhen ebenfalls die Preise, hoffend, dass der Markt das dann für sie hergibt.
    Diese Preiserhöhung kalkuliert also damit, dass der Unternehmer mehr an Geld aus seiner Ware erlösen kann. Wenn sich dieser Unternehmerkalkultion viele Konkurrenten anschließen (z.B. mit der Meinung, die Konsumenten hätten nach Corona Nachholbedarfe o.ä.). dann setzen sie eher darauf, gleichfalls die Preise zu erhöhen, anstatt durch Niedrigpreise ihren eigenen Marktanteil auf Kosten der Konkurrenz zu erhöhen.

    Bei Hyperinflation ist es hingegen ein Notkauf, denn weil man unbedingt das rapide noch wertloser werdende Geld loswerden will, nimmt man Ware.

    (Die Frage, woher solches o.g. Mehr an Geld für die kleine Reproduktion der kleinen Leute kommt, ist eine an diese als Geldausgeber, die meist über Lohn oder Konsumentenkredite an Geld herankommen.)

  45. Dass Geld und Vermehrung von Geld Sinn und Zweck dieser Produktionsweise ist, – davon zeugt eben auch, dass die Unternehmer die Preise erhöhen, sobald sie kalkulieren, dass der Markt für sie das Mehr an Gelderlös herausrücken wird.
    (Dass sie damit auch auf den Bauch fallen können, bemerkt z.B. manches 2019 munter erweiterte Reisebüro vermutlich seit Corona.)

  46. “Inflation betrifft alle Waren”. Nein, weil es “die” Preissteigerungen eben nicht gibt (wenn man mal die Hyperinflation außer acht läßt). Es gibt sogar bei einer mäßigen Inflationsrate immer auch Waren, die im Preis gesunken sind, teil, weil sie weniger nachgefragt werden, teils weil sie billiger herzustellen waren.
    Müßten nicht eigentlich die Preise im Schnitt sinken, wo doch die Produktionskosten wegen dem technischen Fortschritt sinken?

  47. Lesetipp für neo:
    Neuer GSP, S. 47 bis 56
    (dort kommt auch das Kartellwesen von Preisabsprachen vor, die ja deswegen verboten sind, weil sie stattfinden:..)
    (sorry, habe grad keine Zeit)

  48. ““Inflation betrifft alle Waren”. Nein, weil es “die” Preissteigerungen eben nicht gibt”
    Doch “die” Preissteigerungen gibt es sehr wohl und sie betrifft vielleicht nicht gleich aber irgendwann alle Waren, weil die teuren Waren in den Kostpreis eingehen und dann die anderen Kapitalisten so sie es noch nicht getan haben ebenfalls die Preise zu erhöhen, schließlich wollen die immer noch Durchschnittsprofit machen, wie in anderen Branchen auch. Wenn sie den aber nicht machen, wandert das Kapital in profitablere Branchen, die Preise erhöhen sich, weil das Angebot sinkt und du hast das selbe Ergebnis. Außerdem ist das zur Zeit evident, dass überall die Preise steigen.
    Merkst du bei jedem Einkauf.

    “Müßten nicht eigentlich die Preise im Schnitt sinken, wo doch die Produktionskosten wegen dem technischen Fortschritt sinken?” Tun sie ja auch. Das ist aber eine Gegenbewegung zur eh ständig laufenden Inflation. Das heißt wenn die Preise gleichbleiben, dann sinken sie in Wirklichkeit durch die ständige Veränderung der organischen Zusammensetzung des Kapitals also dadurch, das weniger abstrakte Arbeit auf ein Produkt verausgabt werden muss und andererseits steigen sie wegen der ständigen Inflation durch die Schuldenmacherei des Staates. Und im Moment haben wir eben die Situation, dass die Waren teurer werden, obwohl sie eigentlich billiger werden, bzw. billiger werden müssten, weil sie weniger abstrakte Arbeit enthalten.

  49. Noch vor wenigen Jahren galt übrigens nicht eine Inflation als größte Gefahr, sondern ein mögliches Sinken der Preise auf breiter Front, die Deflation.

  50. “Unter Deflation versteht man in der Volkswirtschaftslehre einen allgemeinen, signifikanten und anhaltenden Rückgang des Preisniveaus für Güter und Dienstleistungen. Deflation entsteht, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage geringer ist als das gesamtwirtschaftliche Angebot (Absatzkrise). Deflation, insbesondere Schuldendeflation kann Ursache einer Depression werden. (…)
    Preissenkungen wirken sich positiv auf die Wohlfahrt aus, wenn sie auf gestiegener Effizienz beruhen. Im Gegensatz dazu beruhen die Preissenkungen bei Deflation meist auf fehlender Nachfrage. Dies führt dazu, dass Unternehmen nicht mehr investieren, weil Investitionen keinen Gewinn mehr versprechen und Konsumenten ihre Konsumausgaben möglichst nach hinten schieben, weil die Produkte immer billiger werden. (…) Die sinkende Nachfrage wiederum bewirkt eine niedrigere Auslastung der Produktionskapazitäten oder gar Insolvenzen, und damit weiter sinkende Preise und Einkommen. Aufgrund der negativen Auswirkungen auf die Gläubiger, z. B. Banken, schränken diese ihre Kreditvergabe ein, was die Geldmenge vermindert und Wirtschaftswachstum erschwert. Diesen Kreislauf bezeichnet man im Allgemeinen als Deflationsspirale. (…) Wenn z.B. eine Regierung die Staatsausgaben drastisch kürzt, etwa um das Budgetdefizit zu verringern oder einen Budgetüberschuss zu erzielen, fällt die staatliche Nachfrage auf den Märkten kleiner aus. (….)” (Wikipedia)

    Letzteres, im Zusammenhang mit der Eurokrise und den entsprechenden Sparauflagen vor allem an die südlichen Länder, dürfte wohl der ideologische Hintergrund dafür gewesen sein, dass man in Europa eine Deflationsspirale als Folge der Euro-Politik befürchtet hat.
    Wobei das zentrale ideologische Element zunächst mal darin bestand, dass die Finanzmärkte dem Euro das Vertrauen nicht entziehen sollten, was mittels dieser angemeckerten Sparauflagen angeblich aber ja vortrefflichst zu bewerkstelligen gewesen sei. Angst vor einer Deflationsspirale spielte keine größere Rolle, allenfalls bei linksliberalen bzw. gewerkschaftsnahen Zeitungskommentatoren in FR, SZ o.ä. Mag übrigens sein, dass die EZB bei der Formulierung, sie sei für eine europaweite Inflationsrate von 2 Prozent, solchen Prozessen von Deflationsspiralen hat ideologisch entgegen treten wollen (schließlich ist ansonsten ihr Nimbus doch eher, ein Anker von Stabilität sein zu sollen; so zumindestens der deutsche Auftrag an die EZB).

  51. Ich kann bei diesen vielen Beiträgen kaum Schritt halten!

    Nur eines, weil mir vorkommt, daß ihr den Kapitalisten eine gewisse Willkür bei der Preisgestaltung andichtet: Preise erhöhen sich im Kapitalismus nicht dadurch, daß die Unternehmer sagen: Die Marktlage ist günstig, ich kann mit dem Preis hinaufgehen!
    Sondern vor allem deshalb, weil die Produktionskosten gestiegen sind, oder weil irgendein Gut knapp ist, die Nachfrage aber hoch.
    Ansonsten versuchen die Verkäufer doch, über den niedrigeren Preis die Konkurrenten aus dem Markt zu werfen.

    Bei Gütern des täglichen Gebrauchs konkurrieren Diskonter um die geringe Kaufkraft, und Bio-Anbieter um die gutbürgerliche Börse.

    Immerhin ist ja einiges geschehen bei den Lieferketten. Die Suezkanal-Blockade und Corona-Sperren in China und anderswo haben sich auf Transportkosten geschlagen und bei manchen Gütern Mangel erzeugt.

  52. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr In!ationsziel geändert und auf exakt zwei Prozent festgelegt. Bei der Zielvorgabe handele es sich nun um ein „symmetrisches In!ationsziel“, erklärte die EZB am Donnerstag (8. Juli).
    Abweichungen nach oben und nach unten sollen künftig somit gleichermaßen verhindert werden. Die EZB hatte seit 1998 ein In!ationsziel von unter zwei Prozent verfolgt, seit 2003 gilt das Mantra „unter, aber nahe zwei Prozent“. (…)

    Der Ökonom Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim warnte, das neue Ziel bereite höheren In!ationsraten den Weg.
    „Weil eine In!ation unter zwei Prozent jetzt als genauso schlecht wie eine In!ation über zwei Prozent gilt, wird es der EZB-Rat künftig noch leichter haben, in den kommenden Jahren eine Fortdauer der extrem lockeren Geldpolitik und der Anleihekäufe zu rechtfertigen“, erklärte er.
    Die EZB nehme damit zu viel Rücksicht auf die Absicherung hoher Schuldenstände einzelner Euro-Staaten, kritisierte er.

    https://www.euractiv.de/section/finanzen-und-wirtschaft/news/ezb-aendert-ihr-inflationsziel-auf-exakt-zwei-prozent/

  53. “Preise erhöhen sich im Kapitalismus nicht dadurch, daß die Unternehmer sagen: Die Marktlage ist günstig, ich kann mit dem Preis hinaufgehen! Sondern vor allem deshalb, weil die Produktionskosten gestiegen sind, oder weil irgendein Gut knapp ist, die Nachfrage aber hoch.” Falscher Gegensatz. Unter einer “günstigen Marktlage” versteht der Verkäufer üblicherweise, dass die Nachfrage hoch in Relation zum Angebot ist.

  54. Andersrum, Preise werden von Unternehmen imer dann erhöht, wenn sie meinen, “die Marktlage ist günstig”. Hinterher erweist es sich, ob das gestimmt hat und sie damit durch kommen oder ob die Konkurrenz sie dazu zwingt, die erhöhten Preise wieder zurück zu nehmen. Natürlich sind gestiegene Produktionskosten ein “Anreiz”, aber wenn die Einschätzung der Marktlage ergibt, daß man diese Kostensteigerungen nicht weitergeben kann, dann unterbleibt eine Erhöhung auch schon mal fürs Erste. Aussagen wie, “ein Gut ist knapp” oder “die Nachfrage ist hoch” sind zumeist inhaltlos, denn was ist denn der Beweis für “Knappheit” oder “hoher” Nachfrage außer den steigenden Preisen?

  55. Libelle hier geht es doch um Inflation und nicht um die normale Preisbildung. Und selbst bei der normalen Preisbildung, sagt das Wertgesetz nicht, dass sich die Preise in der Konkurrenz von Käufer und Verkäufer bilden. Das Wertgesetz sagt, dass die Waren zu ihren Werten verkauft werden, also im gesellschaftlichen Durchschnitt zu der in ihnen vergegenständlichte abstrakten menschlichen Arbeit. Angebot und Nachfrage bestimmen den Marktpreis, also die Schwankungen um den Wert der Waren.

    1. Und wer fragt nach und wer bietet an? Könnten das nicht alles irgendwie Käufer und Verkäufer sein?

    2. Was ändert denn die Inflation an dem Umstand, dass auf dem Markt Verkäufer und Käufer unterwegs sind, die Preise bilden?!

    Nochmal zu den Nudeln: Nur bei einem Kartell ist es so, dass man eine Ware zu einem angegebenen Preis kaufen muss (weil es die betreffende Ware wg. Kartell nicht billiger gibt). Sonst hat der Käufer immer die Möglichkeit auf sein Beburfnis nach Nudeln zu verzichten, wenn sie ihm zu teuer erscheinen und sich nach Alternativen umzuschauen. Er verhungert als Lohnarbeiter durch diesen Verzicht auch nicht, weil er durch den Markt als das – Lohnarbeiter – versorgt wird, wie der Markt umgekehrt den Kapitalen ihren Mehrwert versibert. Die Mögloichkeit sich gegen die eine oder andere Sache zu entscheiden hat er, da der Kapitalismus ihn als Geldbesitzer hervorbringt und (bezogen auf die Klasse) sich Lohnarbeiter so reproduzieren.

    Oben habe ich schon festgestellt, dass genau diese Konkurrenz zwischen Verkäufer und Käufer die Grindlage der Konkurrenz der Produzenten um die Versilberung ihrer Waren ist.

  56. “Könnten das nicht alles irgendwie Käufer und Verkäufer sein?” Steht oben schon. Angebot (Verkäufer) und Nachfrage (Käufer) bestimmen den Marktpreis, der um den Wert der Ware schwankt.

    Die Preiserhöhung bei Inflation erklärt sich aber anders – siehe oben. Und bitte jetzt auch mal Argumente zur Kenntnis nehmen. Bei einer allgemeinen Preiserhöhung hat der Käufer eben nicht die Möglichkeit auszuweichen, weil es sonst keine allgemeine Preiserhöhung wäre. Momentan kosten 2 kilo Kartoffeln 3 €, das ist also sicher keine Alternative für 50cent für 500g Nudeln. Reis genauso wenig.

    “Er verhungert als Lohnarbeiter durch diesen Verzicht auch nicht, weil er durch den Markt als das – Lohnarbeiter – versorgt wird, wie der Markt umgekehrt den Kapitalen ihren Mehrwert versibert. ” Er verhungert nicht gleich, aber während dessen hungert er freilich oder muss irgendeinen anderen Mangel in Kauf nehmen.
    “Die Möglichkeit sich gegen die eine oder andere Sache zu entscheiden hat er, ” Ja freilich hat er die Möglichkeit, bloß wird davon sein Geldbeutel nicht voller, sondern leerer egal wie er sich entscheidet. Angenommen er hat 1000€. Die kann er sich bloß anders einteilen, aber mehr werden die 1000 € durch eine allgemeine Preiserhöhung nicht sondern seine Armut wird insgesamt größer. Und jetzt Schluss mit der Leugnerei der Vergrößerung der Armut der Arbeiterklasse durch Inflation. Die kann sich dagegen nicht wehren. Wenn das anders wäre, wäre Inflation nicht so ein Schreckgespenst.

  57. Die Preiserhöhung bei Inflation erklärt sich aber anders – siehe oben. Und bitte jetzt auch mal Argumente zur Kenntnis nehmen. Bei einer allgemeinen Preiserhöhung hat der Käufer eben nicht die Möglichkeit auszuweichen, weil es sonst keine allgemeine Preiserhöhung wäre. Momentan kosten 2 kilo Kartoffeln 3 €, das ist also sicher keine Alternative für 50cent für 500g Nudeln. Reis genauso wenig.

    Es beschließt aber niemand eine allgemeine Preiserhöhung, sonder die ist bestenfalls das Resultat ganz vieler individueller Preiserhöhungen, die genau so durchgesetzt werden wie z.B. die Teuerung einer Ware, wenn ihr Wert steigt. Der Mechanismus der Durchsetzung ist also immer der gleiche, gleichgültig welcher Grund zur Preissteigerung führt (Anstieg des Werts der Ware oder Anstieg der Zahlungsfähigkeit durch Geldschöpfung). Deshalb ist es eben linke Ideologie, wenn man meint “bei der Inflation” könne niemand an den höheren Nudelpreisen vorbei. Richtig ist, dass sie in der Konkurrenz von Verkäufer und Käufer hergestellt werden, was immer ihr Grund ist. Und das erklärt auch, dass “allgemeine Preiserhöhung” immer in jeder Sphäre, für jede Ware extra durch die oben genannte Konkurrenz hergestellt wird.

  58. Ich verstehe den Hinweis von

    @Hinweis

    so, daß er meint, die Inflation werde nicht nur von den Marktteilnehmern gemacht, wie die anderen Diskutanten unterstellen, sondern auch durch staatliche Vorgaben.

    Ich bin dafür, Preissteigerungen und „Inflation“ zu trennen.

    Warum Preise steigen oder fallen, muß man sich bei den jeweiligen Gütern anschauen, es läßt sich jedenfalls nicht aus allgemeinen Gesetzmäßigkeiten ableiten.

    @Kehrer, libelle

    Was das angebliche „Wertgesetz“ angeht, so muß man hier zwischen verschiedenen Begriffen trennen.
    Marx schreibt meines Wissens nichts vom „Wertgesetz“, oder wenn, dann irgendwie beiläufig.
    Um was es ihm geht, ist, daß man unterstellen muß, daß die Waren zu ihren Werten verkauft werden, weil wenn jeder Verkäufer auf seine Produktionskosten draufschlagen würde, wie ihm gerade lustig ist, so würde das nur zu Geldentwertung führen. Daraus ließe sich aber gerade nicht erklären, wie der Warenwert zustande kommt.
    Daran sei einmal erinnert gegen die hier vertretene Stellung, daß die Verkäufer ja immer nur die Preise erhöhen würden.

    Also sagt Marx: Die Willkür des Produzenten kann es nicht sein, und auch Angebot und Nachfrage bringen einen die dieser Frage nicht weiter. Die Waren müssen einen Wert haben, der sich dann im Preis ausdrückt, von mir aus mit Schwankungen nach oben oder unten.

    Und dann fragt er, wie kommt der Wert zustande?
    Daß Arbeit Wert schafft, war damals übrigens die übliche Auffassung, also da mußte Marx nicht weit gehen, um da draufzukommen.. Er führte nur, auf Grundlage der Auseinandersetzung mit Proudhon, die gesellschaftlich notwendige Durchschnittsarbeit in die Theorie ein, gegenüber der individuellen, wie bei Smith, Ricardo, Proudhon usw.

    Daraus ein „Wertgesetz“ abzuleiten, demzufolge das immer so sein muß, sogar in einer anderen Produktionsform, ist eine Leistung der Rezeption, nicht von Marx selber.

    Marx bestimmte die in der Produktion nötige Arbeit als wertbestimmend.

    Demgegenüber vertrete ich die Theorie, daß die Kosten der Distribution inzwischen auch in den Wert oder Marktpreis eingehen, und nicht mehr, wie bei Marx, aus dem allgemeinen Mehrwert-Kuchen abgezwackt werden. Die Logistik und die Werbung sind inzwischen große Geschäftszweige, und gerade bei Markenwaren wird einiges für deren Bewerbung ausgegeben, wie z.B. von Coca Cola beim Sponsern einer Fußball-EM. Also für dieses Gesöff wird, ähnlich wie bei Red Bull, ein Preis verlangt, der aus den Produktionskosten nicht ableitbar ist, und auf sie berechnet einen enormen Mehrwert erzeugt, von dem aber eben all das abgezogen werden muß, was Werbung, Transport und Distribution ausmachen.

  59. Noch was zu dem Hinweis von

    @Hinweis

    Es ist schon eigenartig, wenn die EZB von „Inflationsziel“ schreibt. Erstens, sie will Inflation. Zweitens, sie will Inflation steuern.
    Drittens, so ist die Bemerkung des Ökonomen, will sie damit vor allem ihre Niedrigzinspolitik absichern. Es geht also gar nicht in erster Linie um die Inflation, sondern um die Verhinderung von Staatspleiten.

    In dem zitierten Papier finden sich Sätze wie:

    „Der EZB-Rat bestätigte außerdem, dass die EZB-Zinsraten das primäre geldpolitische Instrument der Zentralbank bleiben werden.“

    Man fragt sich, was denn die „sekundären“ wären? Was anderes als die Zinsraten hat sie ja kaum.

  60. Neues Protokoll des Jour Fixe vom 05.07.2021:
    „Der Fall Wirecard – Über die vielfältigen Möglichkeiten, am Geldverdienen Geld zu verdienen“ (GS 1-21)

    (…) Der Artikel im GS 1-21 legt Wert darauf, dass ‘staatliches Kontrollversagen’ bzw. ‘Betrug’ nicht der Witz an der Angelegenheit ist. Erklärenswert ist vielmehr, was der Sache nach praktiziert wurde, bevor überhaupt etwas schief gegangen ist.
    Das macht der Artikel in drei Abteilungen: Als erstes wird der Frage nachgegangen, worin das Geschäft von Wirecard eigentlich bestanden hat. Als zweites wird erklärt, dass dieses Geschäft groß geworden und gewachsen ist, weil Dritte damit ebenfalls Geld verdient haben und dafür sorgten, dass Wirecard zu dem DAX-Konzern geworden ist, der er am Schluss war. Der dritte Punkt zeigt, dass es gar nicht so war, dass staatliche Stellen nicht kontrolliert hätten. Bemerkenswert ist, von welchem Standpunkt aus und wie diese Sphäre staatlicherseits betreut, geregelt und kontrolliert wird.

    Beim Geschäftsmodell von Wirecard ist es wichtig sich klarzumachen, was es heißt, „am Geldverdienen Geld zu verdienen“. Existenz und Erfolg von so einem Finanzdienstleister machen deutlich, welche Rolle das Geld in der Marktwirtschaft spielt. Man kann sich dann ganz schnell von dem Gedanken verabschieden, dass das Geld dafür da wäre, die Waren zum Kunden zu bringen oder dem Unternehmer dafür dient, die Sachen zu kaufen, die er für seine Produktion braucht. (…)

    Was also stattdessen ‘Wirecard’ (und umzu) lehrt, dazu vgl.:

    https://de.gegenstandpunkt.com/sites/default/files/jf-protokolle/jf210705-Wirecard.pdf

    https://de.gegenstandpunkt.com/jfp/jf-protokolle

    Vgl. auch den betr. Artikel im GSP 1/2021 – mit dieser Gliederung:

    1. Das Geschäftsmodell von Wirecard: Internet-Finanzdienstleistungen
    2. Geschäftsmodell „Kapitalanlage“: Spekulatives Geldverdienen am Geldverdienen von Wirecard
    a) Finanzinvestoren und Wirecard: Zukunft schafft Kapital – ganz ohne Betrug
    b) Der Börsengang: Verallgemeinerung und Vollendung einer wundervollen Partnerschaft
    c) Der Aufstieg der Wirecard-Aktie: Über die Vernunft spekulativen Geldverdienens
    d) Skepsis – die Kehrseite spekulativer Selffulfilling Prophecy und ihre produktive Verarbeitung
    e) Vom illegalen Fingieren von Gewinnen fürs fortgesetzt legale Fingieren von Kapital und anderen Fußnoten eines ehrenwerten Geschäfts
    3. Staatliche Aufsicht, Lobbyismus und die nationale Bedeutung von Wirecard: noch ein paar Umdrehungen mehr

    Der Text ist im Internet noch nicht frei verfügbar.

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/fall-wirecard

  61. ” Also sagt Marx: Die Willkür des Produzenten kann es nicht sein, und auch Angebot und Nachfrage bringen einen die dieser Frage nicht weiter. Die Waren müssen einen Wert haben, der sich dann im Preis ausdrückt, von mir aus mit Schwankungen nach oben oder unten.”

    Komisch. Wenn ich dasselbe sage, interessiert das offenbar niemanden.

    Marx bestimmte die in der Produktion nötige Arbeit als wertbestimmend.

    Auch das steht oben schon und das ist es war zumindest von mir unter Wertgesetz im Kapitalismus verstanden wird.

    Demgegenüber vertrete ich die Theorie, daß die Kosten der Distribution inzwischen auch in den Wert oder Marktpreis eingehen, und nicht mehr, wie bei Marx, aus dem allgemeinen Mehrwert-Kuchen abgezwackt werden.

    1. Nein nicht wie bei Marx. Marx behauptet nicht, dass die Transportkosten aus dem Mehrwert bezahlt werden. 2. Sagst du ein Satz weiter unten genau das Gegenteil, nämlich dass “Werbung, Transport und Distribution, [ist letzteres nicht dasselbe] vom Mehrwert abgezogen wird, also doch wohl vom “Mehrwertkuchen abgezwackt” wird.

    Also für dieses Gesöff wird, ähnlich wie bei Red Bull, ein Preis verlangt, der aus den Produktionskosten nicht ableitbar ist, und auf sie berechnet einen enormen Mehrwert erzeugt, von dem aber eben all das abgezogen werden muß, was Werbung, Transport und Distribution ausmachen.

    Also für dieses Gesöff wird, ähnlich wie bei Red Bull, ein Preis verlangt, der aus den Produktionskosten nicht ableitbar ist,

    Mal was davon gehört, dass kein einziger Preis sich aus den Produktionskosten ableiten lässt, weil der Preis einer Ware gar nicht bestimmt wird durch die in ihr individuell vergegenständlichte menschliche Durchschnittsarbeit, sondern durch Kostpreis und Durchschnittsprofit. Steht alles in K3, das man ja bekanntlich nicht lesen muss, weil Marx ja angeblich eh überholt ist

    Ganz zu schweigen davon dass es nicht um das Wertgesetzt, sondern um I n f l a t i o n geht.

    Es beschließt aber niemand eine allgemeine Preiserhöhung, sonder die ist bestenfalls das Resultat ganz vieler individueller Preiserhöhungen, die genau so durchgesetzt werden wie z.B. die Teuerung einer Ware, wenn ihr Wert steigt.

    Wer hat denn behauptet, dass jemand eine allgemeine Preiserhöhung beschließt? Die Frage ist nicht wie sich die Preiserhöhung durchsetzt, sondern warum sie durchgesetzt werden kann. Und darin unterscheidet sich eben Inflation von einer normalen Preiserhöhung. Während die Preiserhöhung einer einzelnen Ware durchgesetzt werden kann, weil z.B. der Kostpreis der Ware steigt und das alle Produzenten dieser Ware betrifft.
    Also alle den Preis erhöhen müssen, wenn sie noch Durchschnittsprofit machen wollen. Verändert sich bei einer Inflation der Wert des Geldes als Maßstab der Preise. Durch die Schuldenmacherei des Staates steht eine größere Geldsumme der selben gesamtgesellschaftlichen Wertsumme gegenüber, was zur Folge hat, dass sich der gleiche Wert einer Ware in einem höheren Preis ausdrückt.

    @Libelle: Was soll denn das für ein (Un) Logik sein, dass weil der Mechanismus der Durchsetzung höherer Preis gleich ist, der Grund der Preiserhöhung egal ist. Nein ist es nicht. Das stimmt ja noch nicht mal bei normalen Preiserhöhungen, denn wenn der Unternehmer die Preise erhöht, weil er mehr Geld verdienen will oder weil ihn jemand beim Einkauf übers Ohr gehauen hat, dann kann er seine Preiserhöhung eben nicht durchsetzen. Der Grund entscheidet also ganz wesentlich darüber, ob eine Preiserhöhung durchgesetzt werden kann. Und so ist es auch bei Inflation. Die kanndurchgesetzt werden, weil sich die gleiche Wertsumme in einer höheren Geldsumme ausdrückt.

    Und natürlich kann dieser Erhöhung niemand ausweichen. Die kommt über die Marktteilnehmer wie eine Naturgewalt.

    “Richtig ist, dass sie in der Konkurrenz von Verkäufer und Käufer hergestellt werden,”

    Merkst du nicht wie nichtssagend das ist. Ja, ja Konkurrenz von Verkäufer und Käufer existiert auch bei Preiserhöhungen. Das heißt aber nicht, dass diese Konkurrenz auch der Grund der Preiserhöhung oder Senkung ist. Wie soll auch der gleiche Grund einmal zu Senkung das andere Mal zu Preiserhöhung führen.

  62. “Mal was davon gehört, dass kein einziger Preis sich aus den Produktionskosten ableiten lässt, weil der Preis einer Ware gar nicht bestimmt wird durch die in ihr individuell vergegenständlichte menschliche Durchschnittsarbeit, sondern durch Kostpreis und Durchschnittsprofit.”
    Mal was davon gehört, daß das nur generische Standardwaren gilt, meinetwegen M8-Schrauben. Schon bei Wasser in Flaschen geht da erheblich mehr ein in die Preise als der “Kostpreis”. Und bei allen “Edel”-Getränken, also bei allem, wo die Anbieter es geschafft habe, daß Kunden das Zeugs als edel ansehen, gehen die Preise halt leicht ein Vielfaches über die Kostpreise hinaus. Standardschnaps wird hingegen sicherlich nur zu seinem Kostpreis, Profitaufschlag und Steuern obendrein verkauft werden. Schon wenn da auch nur eine Mirabelle drin gewesen sein soll, wird der Fusel teurer.

  63. Ich weiß jetzt nicht mehr, um was es eigentlich geht.

    Was heißt denn:

    Die Frage ist nicht wie sich die Preiserhöhung durchsetzt, sondern warum sie durchgesetzt werden kann.

    Also ich frage nach sowas nicht, auch der ganze Text des Beitrags dreht sich nicht darum.
    Nur soviel dazu. DU setzt diese Frage auf die Tagesordnung.

    Inflation bestimmst du als Erhöhung von mehreren Preisen. Dazu ist schon soviel gesagt worden, daß man sich da eben bei allen Waren anschauen muß, warum sich ihr Preis erhöht. Es kann ja auch, wie ich oben festgestellt habe, an der höheren Besteuerung liegen.

    Was heißt jetzt „die Preiserhöhung durchsetzt“? Die Erhöhung des Preises einer einzelnen Ware setzt sich so durch, daß die Leute den höheren Preis entweder zahlen, weil sie die Ware haben wollen, oder eben nicht.
    Wenn es sich um Wohnraum handelt, so zahlen die einen mehr, die anderen werden obdachlos.
    Auf der anderen Seite stehen Wohnungen – oder auch Geschäftslokale – leer.
    Bei anderen Konsumgütern werden die unverkäuflichen weggeschmissen.

    Und genauso ist es, wenn sich mehrere Waren verteuern. Rätsel ist das keines, also auch keine Frage, die zu klären wäre.

  64. Auszüge aus einem Artikel GSP 4/1994:

    “Weltmarkt und Geldmarkt: Die Währung und ihr Wert”

    (…) Moderne Nationen erfüllen ihre Pflicht zur Begleichung auswärtiger Forderungen nur noch in letzter Instanz mit einem Goldschatz, erst einmal mit Devisenreserven, die sich ansammeln, solange Unternehmen von ihrem Boden aus ausländisches Geld verdienen. Gefordert ist aber auf alle Fälle, daß der Souverän nachweislich in einem anderen Geld als demjenigen zahlungsfähig ist, für das er selber mit seiner bloßen Gewalt die Gewähr übernimmt: Er muß ein Geld vorweisen, das dem jeweiligen Gläubiger – dem Besitzer seines Geldes bzw. von Forderungen gegen ihn – dort den Zugriff sichert, wo ein aussichtsreiches Geschäft ihn hinverschlägt; ein Geld also, das es gestattet, die lokale Beschränktheit der fälligen Zahlung abzustreifen; ein Geld, über das der in die Pflicht genommene Staat allein aufgrund erfolgreicher ökonomischer Aktivitäten seiner Gesellschaft verfügt und nicht bloß, weil er es sich „geprägt“ hat – insoweit also echtes Weltgeld. (…)

    Wenn der internationale Handel von Dauer sein soll, dann müssen nicht bloß alle technischen Vorkehrungen dafür getroffen sein, daß über die Währungsschranke hinweg ge- und verkauft, Kapital angelegt und Profit abgeholt werden kann. Der Herr des Geldes, der Staat, muß dafür geradestehen, daß wirklicher, kapitalistisch verwendbarer – also Geld- – Reichtum abfließen kann aus der Nation. Und das nicht bloß zeitweilig, und um alsbald wieder zurück-verdient zu werden. Er muß von vornherein für einen Fall Vorsorge treffen, der sich als Konsequenz dauerhaft negativer Handelsbilanzen einstellt: für den Effekt, daß die Außenhandelspartner nicht mehr bereit sind, das Verdiente in Landeswährung davonzutragen, um es daheim als wertvollen Devisenschatz aufzustapeln, sondern andere Valuta sehen wollen. Die Befriedigung dieses Anspruchs muß die Nation mit ihrem Bestand an Gold und Devisen sicherstellen – also einen Transfer von Reichtum, der auch dann weitergeht, wenn die konvertible Währung des Landes – dessen autonomer Geldreichtum – nicht mehr gefragt ist. Das ist unerläßliche Bedingung, um am internationalen Geschäft teilzunehmen.
    Und wenn das die Bedingung ist, dann wird das freie Ex- und Importieren auch mit einer gewissen Folgerichtigkeit und Zielstrebigkeit darauf hinauslaufen, daß eine Nation einseitig an der anderen verdient, Reichtum in Geldform übertragen wird.

    Dieser Endzweck des gesamten Unternehmens, das mit ein bißchen Ex- und Import so unschuldig anfängt, ist dem einzelnen Außenhandelsgeschäft nicht anzusehen: Da kauft und verkauft ein Kapitalist, um mit überlegener Rentabilität für seine Produkte Kaufkraft auf sein Unternehmen zu ziehen, Konkurrenten auszubooten und Profit zu machen. Wenn er damit Konkurrenten im eigenen Land ruiniert, dann hat er dort ein neues Preis- und Profitniveau durchgesetzt; und auf der Basis geht die Konkurrenz ums rentabelste Produzieren weiter. Mit dem Wachstum des Kapitals wächst der Reichtum der Nation.
    (…)

    Mit diesem Kunstgriff sind gewisse Neuerungen in den Alltag des Währungsvergleichs eingezogen. (…)

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/waehrung-wert

  65. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist derzeit dabei, ihre Geldpolitik umzukrempeln. An diesem Mittwoch soll über die Einführung eines digitalen Euro entschieden werden. Allerdings beginnt erst eine mehrjährige Testphase, so dass sich für den Verbraucher im Alltag vorerst nichts ändern wird.

    Bei einem weiteren Beschluss sieht es anders aus: Vergangene Woche hatte der EZB-Rat eine Änderung des Inflationszieles beschlossen. Preisstabilität, das oberste Gebot für die Frankfurter Währungshüter, lag bisher bei »unter, aber nahe zwei Prozent«. Künftig verfolgt die EZB ein »symmetrisches Zwei-Prozent-Inflationsziel«. Das heißt, dass Abweichungen nach unten genauso unerwünscht sind wie nach oben. Dies gehe unter Umständen damit einher, dass die Inflation vorübergehend leicht über dem Zielwert liegen werde, teilte die Notenbank mit.

    Seit der Finanz- und vor allem seit der Eurokrise hat sich geldpolitisch vieles verändert. Vor allem dreht die EZB ein immer größeres Rad: Ankäufe von Staats- und Unternehmensanleihen, langfristige Ausleihungen und eine Politik des »Forward Guidance« – mit eigenen Prognosen nimmt Zentralbankpräsidentin Christine Lagarde Einfluss auf die Zukunftserwartungen der Akteure auf den globalen Finanzmärkten. Die Bilanzsumme der EZB ist seit der Finanzkrise von 1,5 Billionen auf gut 7 Billionen Euro gestiegen, was etwa dem Wachstum bei der US-amerikanischen Federal Reserve entspricht. (…)

    Immerhin modernisiert die EZB nun auch ihre Inflationsmessung. Die zuletzt vielerorts heftig gestiegenen Wohnungskosten werden stärker in die Preisberechnung einbezogen. Auch die weitreichenden Folgen des Klimawandels werden künftig in einem »ambitionierten« Maßnahmenplan berücksichtigt.

    Das neue Inflationsziel bereitet höheren Teuerungsraten den Weg, sind viele Analysten überzeugt. Außerdem werde es der EZB-Rat noch leichter haben, in den kommenden Jahren die extrem lockere Geldpolitik und die Anleihekäufe fortzuführen..” (…)

    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1154416.ezb-die-sache-mit-der-richtigen-inflationsrate.html

    – Dass die Folgen des Klimawandels die EZB beschäftigen werden, weist m.E. darauf hin, dass das Ziel, zum Vorreiter für Grünkapitalismus werden zu wollen, die dafür notwendigen Instrumente einerseits staatlich bezuschussen muss, das ist ja der Inhalt etlicher sogenannter “EU-Corona-Gelder”, andererseits muss der EU-Markt davor geschützt werden, dass billigere Waren, die nicht mit solchen Instrumenten hergestellt wurden, als billigere nun den europäischen Markt erobern….

  66. … damit nicht wieder so etwas geschieht wie mit den Solarzellen, die dann in großen Mengen aus China kamen, mit Energie aus der Verbrennung von Kohle hergestellt.

    Andererseits: Irgendwo waren die günstigen Solarzellen ja auch wieder recht, und auch der Umstand, daß die CO2-Emissionen woanders stattfanden.

    Diese Ankündigungen der EZB sollen Aktivismus vortäuschen und den Umstand verbergen, daß außer der Fortsetzung des Anleihenaufkaufs, d.h. Geld-Emission zu Niedrigzinsen, nichts vorgesehen ist.

  67. “Mal was davon gehört, dass das nur generische Standardwaren gilt, ” “generisch Standardwaren” – was soll das denn sein. Es gilt für alle Waren, die beliebig vermehrbar sind und der Konkurrenz unterworfen. Also so ungefähr 90% aller Waren. Und den Rest hat Marx auch erklärt. Also ja, hab davon gehört. Aber “neu”, oder von Marx vergessen, weil er so alt oder überholt ist, ist das nicht.

    “Und bei allen “Edel”-Getränken, also bei allem, wo die Anbieter es geschafft habe, daß Kunden das Zeugs als edel ansehen, gehen die Preise halt leicht ein Vielfaches über die Kostpreise hinaus.” Genau und die Erklärung steht bei Marx. Das ist das Luxussegment. Und wenn die Proleten so dumm sind Red Bull zu saufen, weil sie dann denken sie seien was besseres, dann löhnen sie halt für diese blöde Einbildung.

    “DU setzt diese Frage auf die Tagesordnung.” Ich bin hier nicht der Zeremonienmeister, der die Tagesordnung bestimmt. Ich halte nur die eine Frage für vernünftig und die andere nicht. Also bitte mir nicht vorwerfen, was ich nicht bin, sondern die Frage kritisieren, wenn es daran eine Kritik gibt.

    “Es kann ja auch, wie ich oben festgestellt habe, an der höheren Besteuerung liegen.”
    Es ging um die Inflation, die im Moment in D stattfindet. Und gibt es im Moment eine höhere Besteuerung? Du tust ja gerade so als hätte ich behauptet, dass jede Preiserhöhung Inflation sein muss. Natürlich können einzelne Preiserhöhungen andere Gründe haben. Wir diskutieren aber gerade nicht die Preiserhöhung bei Einwegrasierern, sondern eine allgemeine Preiserhöhung die offensichtlich nicht auf eine Umsatzsteuererhöhung zurückgeht.

    “Ware setzt sich so durch, daß die Leute den höheren Preis entweder zahlen, weil sie die Ware haben wollen, oder eben nicht.” Ja so wird es wohl sein. Das ist aber eine Binse. Deshalb habe ich oben drauf verwiesen, dass die Frage w i e sich die Preiserhöhung durchsetzt eben nichts über ihren G r u n d verrät und mit diesem auch nicht verwechselt werden darf.

    “Und genauso ist es, wenn sich mehrere Waren verteuern. Rätsel ist das keines, also auch keine Frage, die zu klären wäre.” Das Rätsel ist, w a r u m sich mehrere Waren praktisch gleichzeitig verteuern und die Erklärung ist n i c h t, dass eben zur gleichen Zeit die Preise hochgesetzt werden. Das wäre nämlich eine Tautologie. Ich habe oben die Erklärung schon geliefert. Scheint aber irgendwie für unerheblich gehalten zu werden.

  68. "“generisch Standardwaren” – was soll das denn sein. Es gilt für alle Waren, die beliebig vermehrbar sind und der Konkurrenz unterworfen. Also so ungefähr 90% aller Waren. "

    generisch ist eigentlich englisch: Waren, die keine "Markenwaren" sind. Sowas gibt es eigentlich so gut wie nicht mehr, ich würde umgekehrt schätzen, daß sicher 90% von allem Zeugs mittlerweile Markenware sind. Selbst deine Nudeln kommen eben nicht als Nudeln, sondern als Barilla oder höchstens als "ja!"-Angebote bei REWE. Selbst eine echte Standardware, billige Mengen herstellbar mit lange bekannter Technologie, wie Waschmittel bei ALDI heißt nicht einfach Vollwaschmittel, sondern "Tandil". Frühkartoffeln und M8-Schrauben sind so ungefähr das Einzige, was mir für markenloses Zeugs noch einfällt. Was an dieser offensichtlichen Feststellung nun unmarxistisch sein soll, müßtest du erst noch sagen. Denn dein "Luxussegment" fängt eben schon beim Popelflaschenbier an, was Brauereien, die es nicht zu einem Jever oder Köpi gebracht haben, massiv zusetzt. Diese "Blödheiten" der "Proleten", also so gut wie aller Konsumenten sind mittlerweile enorm wichtig für alle Konsumgüterhersteller.

  69. Barilla sind teurer. Billignudeln heißen z.B.  Mondo Italiano. Diese "Markenware" gibt es nur in einem Discounter. Das ist deine "generische" Standardware. Die sind nicht teurer, weil statt "ja" "mondo italiano" draufgedruckt ist. Kostet auch in der Herstellung keinen Cent mehr.

    Was an dieser offensichtlichen Feststellung nun unmarxistisch sein soll,

    Unmarxistisch wäre, wenn man Marx für überholt hält, weil er sich nicht zu Markenware geäußert hat. 

     Denn dein "Luxussegment" fängt eben schon beim Popelflaschenbier an, was Brauereien, die es nicht zu einem Jever oder Köpi gebracht haben, massiv zusetzt

    Jever ist kein Luxussegment. Luxusbiere kosten 3€ und mehr die Flasche. Gerade beim Bier gibt es schon seit längerem eine Gegenbewegung. Da bei den Kunden der Einheitsgeschmack den die großen Brauereiketten unter die Leute bringen wollen, nicht mehr zieht. Deshalb gibt es von jedem Markenbier mittlerweile immer ein Kellerbier, naturtrüb oder ein anderes Bier "das nicht so bitter" ist. Was den kleinen guten Brauereien viel mehr zusetzt, dass sie es mit der Marktmacht der großen Kapitale zu tun kriegen, was z.B. Werbung und Vertriebswege betrifft.

  70. Werbungsaufwand und Vertriebsapparate waren ja schon Teil der Diskussion. Natürlich gehört sowas nicht zu den eigentlichen Produktionskosten, aber um einen Scheiß-Plastik-Schuh für einen dreistelligen Betrag loswerden zu können, "muß" Nike oder Adidas eben den irren Aufwand betreiben, damit das seinen Status als Luxus/Mode-Treter hat.

    Ja, Jever ist noch kein "Luxussegment". Ich habe nur den Biermarkt als typischen Beispiel dafür gebracht, daß bei Standardwaren wie Pilsner Bier eben die "Aufwertungen" eben schon sehr weit unten anfangen und höhere Preise eben nicht nur für Boutiquen-Gebräu aufgerufen werden und bezahlt werden. (Das Craft-Beer-Segment spielt ja bisher eh keine große Rolle, in Deutschland sind das 0,13 % der Menge und 0,38% des Umsatzes in 2019 gewesen, Tendenz eher sinkend.)

  71. @Kehrer

    Du erfindest oft Positionen, die niemand vertritt, um dann gegen die mit großer Pose vom Leder ziehen können.

    „Marx ist überholt“ ist doch eine blöde Phrase, die hier niemand vertritt. Daß er gewisse Entwicklungen nicht kannte, ist kein Mangel von ihm.

    Man sollte – wie auch bei anderen Denkern – immer das verwenden, was sozusagen zeitlos ist und die Theorie weiterentwickeln.

    Es ist eine Unart von Leuten, die sich als Marxisten bezeichnen, sich an den Lehren von Marx und gewissen liebgewordenen Ansichten (die manchmal gar nicht von ihm sind) festzuklammern wie Kleinkinder an den Gitterstäben des Kinderbetts, und dann theoretisch auf die Welt losgehen, als lebte man noch im 19. Jahrhundert.

    Ich meine u.a., daß sich in der Verteilung des Kuchens zwischen den Kapitalfraktionen und dem Grundeigentum einiges geändert hat – und es wäre auch seltsam, wenn das seit Marx’ Zeiten statisch geblieben wäre.

  72.  Daß er gewisse Entwicklungen nicht kannte, ist kein Mangel von ihm.

    Welche Entwicklungen? Markenware?

     und die Theorie weiterentwickeln.

    Das ist ne hohle Phrase. Entweder eine Theorie stimmt oder nicht.  

    Es ist eine Unart von Leuten, die sich als Marxisten bezeichnen, sich an den Lehren von Marx und gewissen liebgewordenen Ansichten (die manchmal gar nicht von ihm sind) festzuklammern 

    Umgekehrt: Es ist ne Unart speziell von "Leuten" Dinge nicht zu Kenntnis zu nehmen, z.B. Teile von Marxens Theorie und dann den Drübersteher zu markieren und a r g u m e n t l o s frech zu behaupten,  Marx hätte zwar den Kapitalismus im 19. Jh richtig erkannt, aber die heutigen Entwicklungen (vager geht es nicht mehr) hätte er eben verpasst und deswegen müsse man sich um Marx nicht mehr kümmern. Das Argument ist schlicht Marx ist 19. Jh und Erkenntnisse aus dem 19. Jh gelten nicht für das 20. Jh. Also Marx sei veraltet. Und das ist so ungefähr die übelste Art wie man eine Theorie für obsolet erklären kann.  Die Theorie wird nicht widerlegt, sondern ihr wird argumentlos die Geltung bestritten. Da muss nicht  e i n Gegenargument gefallen sein, da muss der "Marxkritiker" nicht e i n Buch von Marx gelesen haben. Aber dass Marx ein altbackener Rauschebart ist, der nichts mehr für das Heute bedeutet, weil früher gelebt und gedacht hat, das wissen solche Kenner allemal. Das ist eine Art und Weise, wie noch die größte Oberpfeife so tun kann als hätte sie Ahnung. Das ist ignorant, arrogant und dumm. Das ärgert mich sehr.

    Ich halte viel von Gegenargumenten, wenn sie fallen, aber bitte nicht so nonchalante, quasi im Vorbeigehen Marx für gegenstandslos erklären. 

    Ich meine u.a., daß sich in der Verteilung des Kuchens zwischen den Kapitalfraktionen und dem Grundeigentum einiges geändert hat

    Was hat sich denn prinzipiell geändert? An einem konkreten Inhalt wäre ich nämlich sehr interessiert. Ich lerne gern dazu. Und was hat sich geändert, was Marx nicht schon theoretisch vorweggenommen hat?

     

  73. @neoprene: Also beim Bier gibt es durchaus Qualitätsunterschiede, die höhere Produktionskosten erfordern. Das schlägt sich im Preis nieder und das schmeckt man in der Regel auch. Jedenfalls finde ich persönlich, dass beim Bier noch eher wie beim Wein gilt, dass ein Bier das mir gut schmeckt, in den allermeisten Fällen kein Billigbier ist. Ein Nike oder Adidas Treter ist auch besser als ein Aldischuh. Aber das Urteil, dass Marx hier etwas verpasst hätte, würde ich erstmal bestreiten. Da will ich erstmal ein gescheites Argument hören. 

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