„DER SENAT BESTÄTIGTE DEN NEUEN CHEF DER US-NOTENBANK FEDERAL RESERVE MIT KNAPPER MEHRHEIT
Kevin Warsh, der die Unterstützung von Präsident Donald Trump genießt, ist neuer Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Seine Bestätigung spaltete den Senat, und er erhielt deutlich weniger Zustimmung als die meisten seiner Vorgänger. Obwohl erwartet wird, dass Warsh eine Politik der Zinssenkungen verfolgen wird, könnte die hohe Inflation in den USA seine Bemühungen behindern.
Der Senat bestätigte Kevin Warsh mit knapper Mehrheit als Vorsitzenden der Federal Reserve. Dies führte zum umstrittensten Führungswechsel bei der US-Zentralbank seit Jahrzehnten und stellte seine politische Unabhängigkeit auf die Probe.
Das Abstimmungsergebnis von 54 zu 45 Stimmen war das knappste Ergebnis, das je ein Fed-Chef erzielt hat. Es spiegelt das polarisierte politische Klima im Kongress und die Befürchtungen der Demokraten wider, dass Warsh den Forderungen von Präsident Donald Trump nach raschen Zinssenkungen nachgeben wird.“
Zinsen hinauf oder hinunter – sehr viel mehr Optionen hat eine Nationalbank offenbar nicht. Allerdings gibt es auch eine andere Funktion der Fed, das ist das unbegrenzte Aufkaufen der US-Treasuries, also das Finanzieren der Staatsschuld. Die Hochzinspolitik ist der Versuch, die US-Staatsanleihen auf dem Geldmarkt abzusetzen, bei Niedrigzinspolitik muß die Fed mit höheren Aufkäufen einschreiten.
Der Fed-Direktor muß also derzeit die sehr kostspieligen Kriegsspiele Trumps finanzieren helfen, das ist seine wichtigste Funktion.
„Zitat von Bloomberg: »Lediglich ein Demokrat, John Fetterman aus Pennsylvania, wechselte die Seiten und sprach sich für Warsh als Nachfolger von Jerome Powell aus. Der Sieg des künftigen Vorsitzenden fiel knapper aus als Janet Yellens Wahlergebnis von 56 zu 26 Stimmen im Jahr 2014. Zuvor war die parteiübergreifende Unterstützung für Kandidaten der Federal Reserve eher die Regel als die Ausnahme, und selbst Alan Greenspan erhielt im Jahr 2000 die einstimmige Unterstützung für den Vorsitz der Federal Reserve.«
Die Abstimmung im Senat erfolgte nur wenige Stunden nach Veröffentlichung des Regierungsberichts zu den Großhandelspreisen, was die Sorgen über eine steigende Inflation verstärkte. Der Erzeugerpreisindex stieg im April im Vergleich zum Vorjahr um 6 % und übertraf damit die Prognosen von Ökonomen. Die Kerninflation, die Nahrungsmittel und Energie ausklammert, stieg um 5,2 %, was darauf hindeutet, dass sich der durch den Krieg mit dem Iran verursachte Anstieg der Energiepreise auf andere Güter ausweitet.
Washington Post: Trumps Verbündete warnen vor verzögerten Zinssenkungen
Trump hat endlich einen neuen Fed-Chef gefunden. Seine Verbündeten sind sich jedoch unsicher, ob er in absehbarer Zeit Zinssenkungen durchsetzen wird. Im Vorfeld der Wahl bereitete der ehemalige Trump-Stratege Stephen Bannon seine Anhänger in seinem Podcast auf eine mögliche Enttäuschung vor. Er erklärte, dass neue Inflationsdaten es »äußerst unwahrscheinlich« machen, dass Warsh im Juni, wenn er die erste geldpolitische Sitzung der Zentralbank leitet, die Gelegenheit haben werde, die Zinsen zu senken.
Zitat der Washington Post: »Sein Gast, der konservative Kommentator Eric Bolling, sagte voraus, dass es bis Ende des Jahres keine Zinssenkungen geben werde und deutete an, dass eine von Warsh geführte Fed möglicherweise sogar eine moderate Zinserhöhung benötige, um die Inflation einzudämmen. Der deutliche Umschwung der Erwartungen unter Trumps Anhängern lässt vermuten, dass drastische Zinssenkungen – unabhängig davon, wer die Fed übernimmt – nicht zu erwarten sind.«“
Die Zinssenkungen sind deswegen Thema, weil die gesamte Unternehmerschaft der USA Trump bestürmt, doch endlich Zinssenkungen zu veranlassen, um die gestiegenen Einkaufspreise und andere Widrigkeiten zumindest durch Kredit überbrücken zu können.
Gehen jedoch die Zinsen hinunter, so gerät der Dollar auf den Finanzmärkten ins Hintertreffen gegenüber anderen Währungen wie Euro, Pfund und Yen – und das in Zeiten, wo die BRICS versuchen, den Dollar möglichst aus ihren bilateralen Geschäften hinauszudrängen.
An diesen Zinssenkungen hängt also die Stellung des Dollar als Welt- und Leitwährung, Öl hin oder her.
„Der 56-jährige Warsh übernimmt eine Zentralbank, die Trump seit seiner Rückkehr ins Präsidentenamt im vergangenen Jahr nach seinem Willen zu formen versucht hat. Er drohte wiederholt mit der Entlassung des Vorsitzenden Powell und drängte auf eine strafrechtliche Untersuchung gegen ihn. Eine knappe Bestätigungsmehrheit könnte Warshs Fähigkeit, Unabhängigkeit vom Weißen Haus zu demonstrieren, weiter erschweren.
Reuters: Anleger bereiten sich auf hohe Renditen von US-Staatsanleihen vor
Anleger bereiten sich darauf vor, dass die Renditen von US-Staatsanleihen über einen längeren Zeitraum hoch bleiben werden. Sie sind skeptisch, ob der neue Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, die durch die steigenden Ölpreise während des andauernden Nahostkonflikts angeheizte Inflation eindämmen kann.“
Wie denn? Er hat ja gar keinen Spielraum in dieser Frage, weil die Preise steigen durch die gesperrte Straße von Hormuz und haben mit Zinsen überhaupt nichts zu tun.
Der ökonomische Kinderglaube, Zinsbewegungen wären ein Mittel zur Steuerung der Inflation, wird zwar hilflos immer wieder hergebetet, blamiert sich aber hier ganz unmittelbar an den Gegebenheiten.
„Die Renditen von Staatsanleihen, einschließlich der zehnjährigen Benchmark-Rendite, sind stark gestiegen, da Anleger angesichts steigender Energiepreise eine höhere Kompensation für das Inflationsrisiko fordern.“
Wenn die Renditen der Staatsanleihen steigen, so heißt das, daß der Staat für seine Anleihen am Markt nicht den Nominalwert erhält, sondern bedeutend weniger. D.h., seine Verschuldungsfähigkeit schrumpft, seine Verschuldung steigt und die Fed ist als Aufkäufer mehr denn je gefragt.
Die Inflation ist hier also direkt ein Verteuerungs-Faktor für den Staat selbst: Hohe Inflation – hohe Renditen – geringer Marktwert.
Bei den USA gibt es noch immer genug Nachfrage – entweder am Markt bei entsprechenden Preisen, oder durch die Fed.
Ein Staat wie Argentinien hingegen muß 30-40% Zinsen bieten und sein Gold verpfänden …
„Zitat Reuters: »,Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die Inflation ein kritisches Niveau erreicht hat und seit fast 5 Jahren über dem Zielwert liegt. Es gibt keine Möglichkeit, Anleger zu beruhigen oder Vertrauen zu schaffen‘, sagte Christian Hoffman, Leiter des Bereichs festverzinsliche Wertpapiere bei Thornburg Investment Management.«
Steigende Renditen von Benchmark-Anleihen könnten auch die US-Aktienkurse belasten, da Unternehmen und Verbraucher mit höheren Kreditkosten konfrontiert werden. Dies könnte sich negativ auf das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne auswirken und gleichzeitig die Renditen von Anleihen im Vergleich zu Aktien wettbewerbsfähiger machen.“
Das könnte noch die Kreditkosten für Unternehmen zusätzlich in die Höhe treiben, weil Unternehmen Ausschüttungen machen müssen, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können, um die Investoren bei Laune zu halten.
„Investoren sagen, dass die anhaltende Inflation eine Herausforderung für Warsh darstellen wird, der möglicherweise mit einer gespaltenen politischen Klasse zu kämpfen haben wird.
Politico: Warshs Bestätigung markiert eine neue Ära für die Zentralbank
Warsh tritt sein Amt in einer angespannten Phase für die Zentralbank an. Trump drängt massiv auf eine deutliche Senkung der Leitzinsen – ein Schritt, den Powell seit über einem Jahr ablehnt. Angesichts des starken Anstiegs der Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise im Großhandel infolge des Iran-Krieges und interner Spaltungen innerhalb der Fed dürfte es für Warsh in naher Zukunft schwierig werden, diese Aufgabe zu erfüllen. Der künftige Vorsitzende, der bereits von 2006 bis 2011 dem Fed-Direktorium angehörte, hat jedoch zahlreiche weitere Ambitionen für die größte Zentralbank der Welt.
Zitat Politico: »Warsh hat angekündigt, einige der jahrzehntealten Instrumente der Fed zu reformieren, darunter die Art und Weise, wie sie die Wirtschaft überwacht und mit der Öffentlichkeit und den Finanzmärkten interagiert. Er argumentiert, dass Fed-Vertreter zu oft über ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung sprechen, was angesichts der inhärenten Unsicherheit solcher Prognosen eher ablenkt als nützliche Information liefert.«“
Ein Fed-Chef, der nix von Prognosen hält?! Das wäre tatsächlich so etwas wie eine wirkliche Neuigkeit.
„Warsh erklärte außerdem, dass die Praxis der Fed, nach globalen Krisen US-Staatsanleihen und Hypothekarkredite im Wert von Billionen Dollar zu erwerben, um die Wirtschaft anzukurbeln, die Aktien- und Anleihenkurse verzerre. Er äußerte den Wunsch, das Volumen dieser Vermögenswerte zu reduzieren, da dies nach Ansicht einiger die Märkte schädigen könnte. Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Vorsitzenden Ben Bernanke, mit dem er während der Finanzkrise eng zusammengearbeitet hatte, führten 2011 zu seinem Rücktritt aus dem Fed-Rat.“
Im Grunde erklärt er damit die ganze Bewältigung der Finanzkrise 2008 ff. für einen Irrweg.
Man darf gespannt sein, was der neue Besen an der Spitze der US-Notenbank leisten wird, und ob er – zusammen mit seinem Chef Trump – der Messias oder der Totengräber des $ sein wird.