„DIE ESKALATION IM ROTEN MEER NÖTIGT SAUDI-ARABIEN ZUR SCHLIESSUNG SEINER EINZIGEN ALTERNATIVE ZU HORMUZ, DER OST-WEST-PIPELINE NACH YANBU
Die Huthis erobern die Insel Mayun nur wenige Stunden nach der Einnahme des jemenitischen Hafens Mokka. Die sich überschneidenden Krisen im Nahen Osten verschärfen die Bedrohungen für einen ohnehin schon angeschlagenen Ölmarkt.
Während die Straße von Hormuz trotz allen Blablas seitens des Weißen Hauses weiterhin gesperrt ist, schwebt der Schatten einer weiteren Krise mit unvorhersehbaren Folgen über ihrer wichtigsten Alternative: Bab al-Mandab, dem entscheidenden Tor zum Suezkanal und einem Schlüsselexportweg für saudisches Öl. Die Huthi-Milizen stehen kurz davor, die Kontrolle über die Wasserstraße, die das Rote und das Arabische Meer verbindet, zu erlangen. Ihre mögliche Sperre droht, die globale Öl- und Gasknappheit zu verschärfen, gerade jetzt, wo die kalte Jahreszeit auf der Nordhalbkugel naht.
Nach bangen Erwartungen in den letzten Tagen spitzte sich die Lage am Freitag zu. Die mit dem Iran verbundenen und von ihm finanzierten Huthi-Rebellen eroberten am Donnerstag den Hafen von Mokka und nahmen Stunden später auch die Insel Mayun (auch bekannt als Perim) unter ihre Kontrolle. Beide Orte sind entscheidend für die Kontrolle des südlichen Zugangs zum Roten Meer. Stunden später, mitten in der Nacht, verkündete Saudi-Arabien die Schließung seiner einzigen Pipeline, die es bisher ermöglicht hatte, Öl jenseits von Hormuz zu exportieren.
Man muß nicht weit zurückgehen, um zu erkennen, welche Folgen eine teilweise Schließung von Bab al-Mandab haben könnte.
Anfang 2024 zwangen Angriffe derselben Milizen auf mehrere Öl- und LNG-Tanker Hunderte von Schiffen, den einzig möglichen Umweg nach Europa zu nehmen: um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze des afrikanischen Kontinents. Diese Route verlängert die Fahrt um rund 6.000 Kilometer und die Fahrzeit um fast 2 Wochen – je nach Abfahrts- und Zielort – was zu einem höheren Treibstoffverbrauch und einer geringeren Umschlagshäufigkeit der Schiffe führt. Die Folge? Höhere Inflation, gerade als die Welt versucht, den Preisanstieg infolge der Schließung der Straße von Hormuz zu bekämpfen.
Durch diese Straße wurde vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases transportiert.
Das ist zunächst die Sichtweise der Verbraucher.
Auf der Verkäuferseite befürchtet vor allem Saudi-Arabien eine Verschärfung der Eskalation im Jemen. Der weltweit größte Rohölexporteur – und zweitgrößte Produzent nach den USA – hat den Hormuz-Sturm viel leichter überstanden als seine Nachbarn am Persischen Golf, was vor allem auf … die Ost-West-Pipeline und dessen anschließenden Abtransport per Schiff über den Hafen von Yanbu zurückzuführen ist.
Riad leitete gut ein Drittel seiner Ölproduktion und die Hälfte seiner Exporte – rund 3,5 Millionen Barrel pro Tag – durch diese Pipeline. Bis Freitagabend, als sie sicherheitshalber stillgelegt werden musste. Es ist noch unklar, wie nahe die Offensiven der Huthi der Pipeline gekommen sind. Satellitenbilder zeigten Rauch in der Nähe des Pipeline-Endes, unweit des Anschlusses in der Stadt Yanbu.
CNN berichtet unter Berufung auf US-Militärquellen, dass die über 1.000 Kilometer lange Pipeline am Freitag von Drohnen aus dem Irak getroffen wurde. Seit Kriegsbeginn haben pro-iranische Milizen die Umgebung der Samref-Raffinerie in mehreren Wellen angegriffen. Die Raffinerie, die sich am Ende der Ost-West-Pipeline befindet, ist zu einer der größten im Nahen Osten geworden. »Die Saudis haben Grund zur Sorge, denn die Bedrohungen rücken näher«, betont Jorge León, Leiter der geopolitischen Analyse beim norwegischen Beratungsunternehmen Rystad Energy.“
Die Ansarollah im Jemen, die die restlichen arabischen Regierungen wegen ihrer unterwürfigen Haltung gegenüber den USA und Israel verachten, sind sozusagen zum Hoffnungsträger und Leuchtturm der Bevölkerung der arabischen Staaten geworden, was jenseits der Ölfrage auch Bedenken gegenüber der eigenen bisherigen Politik dieser Regierungen auslöst.
„Von Yanbu aus wurde der Großteil des saudischen Öls nach Asien verschifft. »In den letzten Wochen sind jedoch viele Schiffe durch den Suezkanal gefahren, obwohl dies bei Weitem nicht die optimale Route ist«, erklärt León, ein ehemaliger Analyst der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), telefonisch. »Dadurch wird der Transport deutlich teurer. Und obwohl die Saudis das Rohöl auch nach Europa statt nach Asien verkaufen könnten, liegt ihr Hauptinteresse darin, den asiatischen Markt zu schützen.«“
Teurer ist es nur, durch den Suezkanal nach Asien zu fahren. Nach Europa ist es der kürzere Weg, der auch der traditionelle Weg des saudischen Erdöls nach Europa war.
Man merkt daran, wie Saudi-Arabien sich umorientiert und Europa immer weniger wichtig wird.
„Die Spannungen im Roten Meer wirken sich bereits auf das Schiffsaufkommen in der Region aus. »Die Betreiber wenden bereits unterschiedliche Strategien an, um mit diesem erhöhten Risiko umzugehen«, heißt es in einem Bericht, der am Freitag von dem Analyseunternehmen S&P Global Commodities at Sea veröffentlicht wurde. »Einige Schiffe befahren diese Seeroute weiterhin, vermeiden aber das direkte Anlaufen von saudischen Häfen. Andere wiederum haben sich entschieden, diese Route ganz zu meiden und ihre Fahrten um das Kap der Guten Hoffnung herumzuführen, obwohl die Reise dadurch deutlich länger ist.«
Ein Sprecher der Huthi-Rebellen erklärte am Donnerstag, die Schifffahrt durch das Rote Meer und die Meerenge von Bab al-Mandab sei weiterhin »sicher und normal« für alle Schiffe außer »saudischen Schiffen, die Embargos unterliegen«. Ihre Operationen seien rein defensiv und würden eingestellt, sobald die Blockade gegen den Jemen beendet sei.“
Hier wird sozusagen nebenbei darauf hingewiesen, daß Saudi-Arabien und seine Verbündeten seit 2015 den Jemen verschiedenen Blockaden unterziehen – zu Land und zu Wasser, was um so komplizierter ist, als es ja auch in Aden und anderen Gegenden des Südens eine nicht sehr einflußreiche „Regierung“ gibt, die mit Saudi-Arabien verbündet ist, teilweise auch dort sitzt, während die den größten Teil des Landes kontrollierenden Ansarollah nach wie vor als „Huthi-Rebellen“ bezeichnet werden.
„Mickrige Reserven
Die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz ist seit Längerem von höchster Dringlichkeit,“
– für wen? Für die USA offenbar nicht. –
„doch die Lage im Roten Meer hat sie noch einmal verschärft. Laut der Financial Times findet am Montag in Salalah, Oman, das erste Treffen zwischen den Außenministern mehrerer Golfstaaten und ihrem iranischen Amtskollegen statt. Dieses Treffen fällt zeitlich mit jüngsten Fortschritten in den Verhandlungen zwischen Teheran und Maskat über die künftige Verwaltung der Meerenge zusammen, die den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer verbindet.
Der Westen ist auf diese erneute Widrigkeit, eine weitere in dieser Ära ständiger Umbrüche, nicht gerade gut vorbereitet. Ende Februar, als US-Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu massive Bombenangriffe gegen den Iran anordneten, befanden sich die strategischen Öl- und Gasreserven Europas in gutem Zustand – die beste Garantie, um die Versorgungskrise unter Kontrolle zu halten.
Das hat sich geändert: Die doppelte Schließung der Straße von Hormuz – zuerst durch Teheran, dann durch Washington – hat die europäischen Staaten genötigt, einen Großteil ihrer Reserven zu verbrauchen.
Verschärft wurde dieser Rekordverbrauch durch die schwere Krise im russischen Energiesektor: Fast die Hälfte der Raffinerien ist aufgrund der ukrainischen Angriffe außer Betrieb. Nun droht die Meerenge von Bab al-Mandab die Situation noch weiter zu verschlimmern.“
Ob die Zahl der Hälfte der Raffinerien tatsächlich stimmt, sei dahingestellt. Es kann sich auch um Jubelmeldungen der Ukraine-Lobby handeln.
Allerdings gibt die Einschränkung der russischen Ölexporte zu denken.
Erstens hat natürlich der Inlandsbedarf Vorrang.
Zweitens will ja Europa unbedingt vom russischen Öl loskommen, nicht wahr?
Drittens hat auch Rußland seine Exporte mehr nach Asien verlagert, sofern das logistisch möglich war.
Aber viertens stellt sich heraus, daß die von westlichen beklatschten Beschädigungen der russischen Ölraffinerien auf Europa zurückwirken, weil sie eine weitere Verknappung des weltweiten Öl-Angebots darstellen, und damit die Preise in die Höhe treiben.
Abteilung weitere „Schüsse ins Knie“, um den abgewählten Viktor Orbán zu zitieren.
„Allein im August sanken die weltweiten Rohölvorräte laut den am Freitag von der Internationalen Energieagentur (IEA, der Energieabteilung der OECD) veröffentlichten Zahlen um 95 Millionen Barrel. Seit Beginn des Krieges gegen den Iran vor gut 6 Monaten wurden bereits über 500 Millionen Barrel entnommen, mit einer Rate von fast 3 Millionen Barrel pro Tag. Und das, obwohl die Wiederaufnahme der Lieferungen durch die Straße von Hormuz während der wochenlangen Waffenruhe den Druck auf die strategischen Reserven vorübergehend verringerte.
Die Erinnerung an das Schiff »Ever Given«
Neben Rohöl und Gas stellen die erneuten Drohungen der Huthi im Roten Meer und im Suezkanal auch ein Problem für den Seehandel dar. Der Suezkanal ist mit Abstand die wichtigste Route für den Transport von Gütern aller Art (von Technologie über Textilien bis hin zu Maschinen und fast allen anderen Konsumgütern des täglichen Bedarfs) von Asien nach Europa.
Der beste Indikator dafür, welche Folgen die Schließung des einzigen möglichen südlichen Zugangs zum Suezkanal für den Warentransit hätte, ist die Katastrophe der »Ever Given« im März 2021. Als das Schiff, eines der größten Containerschiffe der Welt, 5 Tage lang im Suezkanal auf Grund lief, mussten über 400 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals warten, was zu einem beispiellosen globalen Handelsstau führte.
Es war nach der Pandemie das 2. unvorhergesehene Ereignis innerhalb weniger Monate. Die Liste solcher Ereignisse ist seither jedoch weiter gewachsen: die russische Invasion in der Ukraine, der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran und nun schließlich eine gefährliche Blockade des Roten Meeres, die sich allmählich abzeichnet.“
Wie weit diese letzteren Ereignisse anläßlich der vorangegangenen öffentlichen Erklärungen, Drohungen und Embargos wirklich „unvorhergesehen“ waren, ist eher fraglich …
Schon eine gewisse Verzeiflungstat, deren Profiteur zweifelsohne die Türkei ist:
„Iraq trucks southern crude north in bid to raise exports via Turkey
BASRA, Iraq, Sept 16 – Iraq has launched a pilot operation to transport crude oil by road from its southern oilfields to a Kirkuk storage facility in an effort to boost supplies to the northern export system and potentially increase shipments through Turkey's Ceyhan port.
The initiative forms part of broader Iraqi efforts to increase flows through the northern export route after the U.S.-Israeli war on Iran disrupted Iraq's shipments through the Strait of Hormuz, its main export route. (…)“
https://www.reuters.com/business/energy/iraq-trucks-southern-crude-north-bid-raise-exports-via-turkey-2026-09-16/
„Die »Mekka-NATO« greift mit militärischer Unterstützung der Türkei und Pakistans an der Seite Saudi-Arabiens ein …
Der im vergangenen August von den Staatschefs Saudi-Arabiens, Pakistans und der Türkei unterzeichnete Mekka-Pakt wurde erstmals aktiviert, noch bevor er vollständig ratifiziert worden ist.
Angesichts der zunehmenden Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien und des Vormarsches dieser vom Iran unterstützten bewaffneten Gruppe im Jemen haben die Türkei und Pakistan vereinbart, Truppen und militärische Ausrüstung zur Verteidigung Saudi-Arabiens, seiner heiligen Stätten und seiner umfangreichen Ölinfrastruktur zu entsenden.
Der Politische, Strategische und Verteidigungsausschuss des Paktes trat am Montag in Riad zu einer Sondersitzung zusammen, um die Lage zu bewerten. An der Sitzung nahmen die Außen- und Verteidigungsminister sowie Vertreter der Generalstäbe der Streitkräfte der 3 Länder teil. Beschlossen wurde die Gewährleistung einer schnellen Truppenverlegung nach Saudi-Arabien. »Die Sicherheit jeder der Parteien ist ein integraler Bestandteil der kollektiven Sicherheit der drei Länder«, hieß es in der Erklärung, die nach dem Treffen veröffentlicht wurde, bei dem der pakistanische Generalleutnant Nauman Mahmood zum ersten Generalsekretär des neuen Bündnisses gewählt wurde.
»Die Huthis haben die Aktivierung der Verteidigungsklausel dieses Bündnisses beschleunigt, weil der Mekka-Pakt, ehrlich gesagt, institutionell noch nicht ausgereift ist; er braucht Zeit. Das türkische Parlament hat ihn noch nicht einmal ratifiziert«, erklärt der Analyst Ömer Özkizilcik vom Atlantic Council gegenüber EL PAÍS. »Ich gehe nicht von einer direkten Militärintervention der Türkei und Pakistans im Jemen aus, aber ich rechne mit einem Einsatz zum Schutz Saudi-Arabiens, und diese Unterstützungsmaßnahmen werden sich schrittweise intensivieren.«
Islamabad hatte bereits im Frühjahr rund 8.000 Soldaten und eine Staffel von 16 Kampfflugzeugen sowie Drohnen und Luftverteidigungssysteme nach Saudi-Arabien verlegt, um das Land im Rahmen des bilateralen Verteidigungsabkommens, das beide Länder 2025 unterzeichneten und das als Grundlage für den Mekka-Pakt zur gegenseitigen Verteidigung diente, vor iranischen Angriffen zu schützen. Laut pakistanischen Medienberichten deutet alles darauf hin, dass dieses Kontingent nun verstärkt und um weitere Artillerie, Raketen und Truppen ergänzt wird.
Vor wenigen Tagen berichtete Reuters, dass das asiatische Land zwischen 30.000 und 40.000 Soldaten stationiert habe, obwohl das pakistanische Informationsministerium diese Information später als »spekulativ« dementierte. Es nannte jedoch keine konkreten Daten zur Größe des nach Saudi-Arabien entsandten Kontingents und behauptete, operative Details seien vertraulich.
Mehrere türkische Medien, die der Regierung von Recep Tayyip Erdoğan nahestehen, veröffentlichten am Mittwoch Informationen über den türkischen Auslandseinsatz. Dieser ist aufgrund der erforderlichen parlamentarischen Genehmigung für Militäreinsätze weiterhin begrenzt. »Die türkische Armee verteidigt Mekka 110 Jahre später«, lautet die Schlagzeile, die von mehreren regierungsnahen wie regierungskritischen türkischen Zeitungen wiederholt wurde. Sie bezieht sich auf die Schlacht um Mekka, in der die Osmanen im I. Weltkrieg von der Allianz arabischer Rebellen und des Britischen Empires besiegt wurden und damit nach 4 Jahrhunderten Herrschaft die Kontrolle über die heiligste Stadt der Muslime verloren.“
Ob den Saudis diese Rückkehr der Neo-Osmanen nach Mekka so recht wäre, kann bezweifelt werden.
Für die Heimatfront rechnen sich Erdoğan & Co. offenbar mit solchen Schlagzeilen Popularität aus. Wir sind wieder wer und stehen vor den Toren Mekkas!
„Ankara unterhält seit mehreren Monaten eine Mission mit rund 200 Militärberatern und Ausbildern, Ausrüstung für die elektronische Kampfführung und im Inland hergestellten Luftverteidigungssystemen zum Schutz wichtiger Energieinfrastruktur, wie die beiden der Regierung von Recep Tayyip Erdoğan nahestehenden Zeitungen Yeni Safak und Yeni Akit berichten.
Der derzeitige Plan ist, diese Stationierung durch die Lieferung neuer Boden-Luft- und Boden-Boden-Raketenbatterien, eines Kontingents von Spezialkräften und sogar türkischer Kampfflugzeuge und Piloten auszuweiten.“
Das im Lichte dessen, daß die eigenen Abwehrraketen Saudi-Arabien offenbar bei den Kriegshandlungen gegen den Iran abhanden gekommen sind und von den USA in nächster Zeit nichts zu erwarten ist.
Die türkischen sind sicher auch preisgünstiger und gegen die Huthis werden sie wohl reichen, hofft man in Saudi-Arabien.
„Ihr Ziel ist es, Raketen- und Drohnenangriffe der Huthi abzuwehren und die Ost-West-Ölpipeline sowie die heiligen Städte Mekka und Medina zu schützen.“
Mekka und Medina wurden bisher nicht von den Huthis angegriffen …
Schließlich sind diese Städte auch den Schiiten heilig.
„Türkische Medien erwähnen zudem die Möglichkeit, einen türkischen Militärstützpunkt zu errichten, der unabhängig vom gemeinsamen saudisch-pakistanischen Stützpunkt operieren soll.“
Offenbar in Saudi Arabien.
Warum sollten die Saudis dem zustimmen?
Es mag allerdings sein, daß Saudi-Arabien inzwischen eine Dominanz der Türkei derjenigen von Donald vorzieht.
„»Da die Türkei und Pakistan über umfangreiche Erfahrungen und Expertise verfügen, die sie in Syrien und Afghanistan im Umgang mit Bürgerkriegen, der Interaktion mit bewaffneten Gruppen und der Stärkung der Fähigkeiten lokaler Partner gesammelt haben, könnte der Austausch von Geheimdienstinformationen und Fachwissen mit Saudi-Arabien sich als weitaus effektiver erweisen als jegliche Luftunterstützung«, betont Özkizilcik.
Um ein Kontingent zu entsenden, benötigt die türkische Regierung jedoch die Zustimmung des Parlaments. Daher wird erwartet, dass in den kommenden Tagen ein Vorschlag mit den Details der Mission vorgelegt wird.
Oppositionsführer Özgür Özel (CHP) hat bereits angekündigt, dass seine Partei dagegen stimmen wird: »Wir können dieses Abenteurertum nicht akzeptieren, das – im Eifer, Donald Trump zu dienen – ein Jahrhundert später abermals türkische Soldaten in die Wüste des Jemen schickt.«“
Ist es wirklich so, daß Trump dem zustimmt und diese Mekka-NATO will?
Und wenn ja, ob er sich dabei nicht womöglich verrechnet …
„Das libysche Modell
Türkische Medien sind sich einig, dass das Einsatzmodell demjenigen in Libyen von 2020 entsprechen wird. Damals reichte ein begrenztes Kontingent von Militärexperten und die Stationierung von Verteidigungsmaterial, um Tripolis gegen den Vormarsch der Truppen von Marschall Haftar (unterstützt von Russland, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten) zu verteidigen.
Damals wurden auch syrische Söldner als Stoßtruppen eingesetzt, diese sind inzwischen jedoch in die neue Armee ihres Landes integriert.“
Damals scheint eine Einigung zustandegekommen zu sein, die Haftar die Cyrenaika (und Teile des Fezzan) überläßt, während er Tripolitanien einflußmäßig den Türken, der EU und vielleicht Katar überläßt.
„Türkischen Medienberichten zufolge werden die Truppen unter keinen Umständen jemenitisches Territorium betreten. Die Zeitung Yeni Akit weist jedoch darauf hin, dass türkische Militärtechnologie, insbesondere bewaffnete Drohnen, bei der Gegenoffensive der jemenitischen Regierung gegen die Huthis eingesetzt wird.“
Wenn das „libysche Modell“ in Anschlag gebracht wird, so könnte das auf eine neuere Teilung des Jemen hinauslaufen.
„Die Unterzeichnung des Mekka-Pakts mit seinen Beistandesklauseln hat in einigen Ländern, die den Unterzeichnerstaaten feindlich gesinnt sind, Besorgnis ausgelöst.
Dies gilt insbesondere für Israel – dessen Beziehungen zur Türkei auf einem Tiefpunkt angelangt sind –, aber auch für Indien und den Iran, trotz der Betonung des türkischen Außenministers Hakan Fidan, dass dieses Bündnis rein defensiv sei und sich »gegen keinen Staat richte«.
Özkizilcik relativiert die Möglichkeit, dass der türkische Einsatz in Saudi-Arabien Teheran gegen Ankara aufbringen könnte, angesichts der iranischen Unterstützung für die Huthis: »Die Türkei hat bei ihren Interventionen im Syrienkrieg Hunderte pro-iranischer Kämpfer und Dutzende Mitglieder der iranischen Revolutionsgarde getötet, ohne eine direkte Konfrontation mit dem Iran zu provozieren. Beide Länder erkennen einander als geopolitische Rivalen an, sind aber in der Lage, ihre Beziehungen zu trennen und gute bilaterale Beziehungen zu pflegen, während sie gleichzeitig auf regionaler Ebene konkurrieren.«
Der türkische Analyst des Atlantic Council ist überzeugt, dass der Mekka-Pakt – von manchen auch als muslimische oder sunnitische NATO bezeichnet – »nicht nur Bestand haben, sondern die Sicherheitslandschaft im Nahen Osten durch den Beitritt neuer Länder grundlegend verändern wird … Er fügt sich in die globale Dynamik ein, mehr Verantwortung für Sicherheitsfragen zu übernehmen, da die USA sich [in der Ära Trump] aus verschiedenen Regionen zurückziehen«, so sein Fazit.“
(El País, 7.10.)
„Trump schliesst Diesel-Deal mit Putin: Russland darf wieder exportieren
US-Präsident Donald Trump hat mit Russlands Präsident Wladimir Putin eine Vereinbarung zur Wiederaufnahme russischer Dieselexporte geschlossen. Damit will Washington die stark gestiegenen Treibstoffpreise vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November senken.
Trump erklärte am Freitag auf seiner Plattform Truth Social, Russland werde umgehend 300.000 Tonnen Diesel auf den Weltmarkt bringen. Im November sollen weitere 500.000 Tonnen folgen, anschliessend eine Million Tonnen. Zusätzlich stellte Moskau bis zu drei Millionen Tonnen in Aussicht, abhängig vom Zustand seiner Raffinerien.
Der Kreml bestätigte die Vereinbarung. Putin zeigte sich überzeugt, dass die zusätzlichen Lieferungen der Weltwirtschaft zugutekommen würden. Das US-Finanzministerium kündigte eine befristete Ausnahmegenehmigung für den Handel mit russischem Diesel an.
Die Einigung erfolgt vor dem Hintergrund einer weltweiten Dieselknappheit. Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine haben Energieanlagen beschädigt und Lieferketten belastet. In den USA erreichten die Dieselpreise zuletzt einen Rekordwert von 6,53 Dollar pro Gallone. Nach der Ankündigung sank der Grosshandelspreis in New York um rund 4,5 Prozent.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte den Schritt scharf. Er bezeichnete die Vereinbarung als schwache Entscheidung, die Russlands Kriegskasse fülle. Kiew kündigte an, seine Drohnenangriffe auf russische Raffinerien fortzusetzen.“
(Weltwoche, 10.10.)
Eine interessante Entwicklung: Trump versucht die durch seine eigenen Kriegsspiele verursachte Treibstoffknappheit durch Schulterschluß mit Rußland zu milden, während die EU und ihr Protegé versuchen, das zu hintertreiben – obwohl die gestiegenen Treibstoffpreise Europa viel stärker treffen als die USA.
„Szenario des schlimmsten Falls: Was passiert mit der Welt, wenn die Ölreserven erschöpft sind?
Lager leeren sich von Amerika bis China
Die G7-Staaten einigten sich darauf, zusätzlich 100 Millionen Barrel Rohöl und Erdölprodukte aus ihren eigenen Reserven auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig warnte Saudi Aramco (faktisch die saudische Regierung) vor der Erschöpfung der globalen kommerziellen und strategischen Reserven, was zu düsteren Zeiten für die gesamte Weltwirtschaft führen könnte.
Izvestija untersucht, wie lange die aktuellen Reserven noch reichen und welche Folgen eine zukünftige Verknappung haben wird.
Eine endliche Ressource
Die G7 (mit Ausnahme Japans) präsentierte eine weitere Freigabe von Reserven als koordinierte Maßnahme zur Preisstabilisierung. Tatsächlich war dieser Schritt das Ergebnis politischen Drucks aus Washington: US-Präsident Donald Trump drohte mit einem vollständigen Exportverbot für amerikanischen Dieselkraftstoff und zwang so die Verbündeten, ihre nationalen Lagerkapazitäten zu erhöhen.
Es ist bemerkenswert, dass die Aktienkurse auf diese Intervention äußerst verhalten reagierten. Brent-Rohöl wird weiterhin über 102 US-Dollar pro Barrel gehandelt (zuvor lag der Preis bei rund 70 US-Dollar). Die Einzelhandelspreise erreichen Rekordwerte.
In Großbritannien beispielsweise hat sich der Preis für einen Liter Diesel bei 2 Pfund Sterling (2,64 US-Dollar) stabilisiert. Die geringe Sensibilität des Marktes gegenüber staatlichen Interventionen zeigt, dass deren Ausgaben lediglich dazu beitragen, die Preise zu stützen, nicht aber zu senken. Gleichzeitig sind die Ressourcen alles andere als unbegrenzt.
Amin Nasser, Chef von Saudi Aramco, erklärte diese Woche auf dem Energy Intelligence Forum in London, das globale Sicherheitsnetz sei »erschreckend erschöpft«, und die westlichen Länder hätten ihren letzten Trumpf ausgespielt. Die aktuellen 100 Millionen Barrel kommen zu der im März freigegebenen Menge von 400 Millionen Barrel, (von denen bereits 325 Millionen Barrel ausgegeben wurden).
Auf den ersten Blick erscheinen die globalen Reserven enorm – globale Statistiken schätzen die kommerziellen und staatlichen Reserven auf rund 6 Milliarden Barrel.“
Das Wort „Reserven“ wird hier mißverständlich verwendet. Bei dem hier besprochenen handelt es sich um staatliche Reserven oder solche von Ölfirmen, die bereits gefördert sind und sich in Speichern befinden.
Es geht in diesem Artikel also nicht um Reserven, die im Boden schlummern, wie z.B. das mit Fracking geförderte Öl auf dem nordamerikanischen Kontinent (auch Kanada betreibt Fracking) oder das venezolanische Schweröl im Orinoco-Becken, wo erst Methoden der Förderung entwickelt werden müssen. Diese Ölreserven sind zwar entdeckt, aber nicht verfügbar.
Aber mit den staatlichen, bereits eingelagerten Reserven ist alles nicht so gut, wie es aussieht:
„Laut Nasser gibt es jedoch einen Haken: Weniger als 10% dieses Volumens sind zugänglich. Die verbleibenden 90% stellen das sogenannte »tote Öl« dar. Dabei handelt es sich um Prozessöl, das benötigt wird, um den Betriebsdruck in Tausenden Kilometern Fernleitungen aufrechtzuerhalten. Es ist ferner der Mindestgehalt an Rohöl in unterirdischen Salzkavernen, der erforderlich ist, um ein Einstürzen der Kavernendecken unter dem Gesteinsdruck zu verhindern. Die Gewinnung dieser Reserven ohne Zerstörung der Speicherinfrastruktur selbst ist unmöglich. Tatsächlich steht uns nur die oberste, relativ dünne Schicht zur Verfügung.
Nach Neujahr wird es spannend
Die Einigkeit der Importeure wurde in dieser Situation auf die Probe gestellt. Am 5. Oktober lehnte die japanische Regierung offiziell eine Teilnahme an einer neuen G7-Intervention ab. Kabinettschef Minoru Kihara erklärte, es gebe keine Pläne, Öl abzugeben, da die sicheren Entnahmemengen erschöpft seien.
Tokios Reaktion ist verständlich: Ende Dezember 2025 beliefen sich die japanischen Reserven (einschließlich öffentlicher, privater und gemeinsamer Reserven) auf beachtliche 470 Millionen Barrel. Im Frühjahr trug das Land die Hauptlast der Stabilisierung des Ölmarktes in Asien: Im März wurden rund 53,5 Millionen Barrel freigegeben, gefolgt von einer zweiten Runde im April mit weiteren 36 Millionen Barrel.“
Man fragt sich, was „Stabilisierung des Ölmarktes in Asien“ bedeutet? China hat seine eigenen Reserven und auch davon einiges für den internen Gebrauch freigegeben.
Japan hingegen hat offenbar auch andere Staaten versorgt, um SICH in Südostasien als Macht zu präsentieren und Abhängigkeiten zu schaffen. Damals rechnete es offenbar mit einer baldigen Beruhigung der Situation.
Jetzt hingegen, wo sich die zumindest teilweise Sperre von Hormuz als Dauerzustand herauskristallisiert, dreht Japan den Ölhahn zu.
Nachdem Japan fast ein Fünftel seiner Reserven verbraucht hatte, stoppte es den Prozess und behielt die verbleibenden Reserven für den Betrieb der Wärmekraftwerke im kommenden Winter zurück. Eine ähnliche Situation herrscht in Südkorea, dessen Wirtschaft von Lieferungen durch die Straße von Hormuz abhängt. Seoul schont seine verbleibenden Reserven bereits seit geraumer Zeit.“
Hier zeichnet sich ein Wettlauf zwischen Südkorea und Japan ab, der auch mit den freundlichen Nasenlöchern Südkoreas Richtung Norden und Rußland zusammenhängt. Es versucht offenbar von dort Öl zu erhalten, angesichts der geographischen Lage durchaus nachvollziehbar.
„In den USA sanken die strategischen Ölreserven diesen Sommer auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 1980er-Jahre (etwa 330–340 Millionen Barrel). Die Regierung von Donald Trump ist sich bewusst, dass dieser letzte Ausweg inakzeptabel ist und zieht es vor, Druck auf ihre Verbündeten auszuüben, damit diese die Probleme des globalen Ölmarktes angehen (zumal diese wohl eher deren als die der USA betreffen).“
Dabei hat die EU nicht einmal ihren internen Ölmarkt im Griff …
„Rätsel China
Angesichts der globalen Versorgungsengpässe (die nicht nur den Westen betreffen – Entwicklungsländer leiden ebenso stark)“
eher stärker
„verdient Chinas Position besondere Aufmerksamkeit. In den letzten Monaten hat Peking seine Rohölkäufe auf den ausländischen Märkten deutlich reduziert. Dies wurde zunächst mit dem starken Anstieg des Anteils von Elektrofahrzeugen und der Umstellung einiger Schwerlastwagen auf Flüssigerdgas begründet.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein komplexeres Bild. Zwar senkt die Elektrifizierung des Fahrzeugbestands die Gesamtnachfrage, doch die kürzlich von der chinesischen Regierung verhängten strengen Exportbeschränkungen für Dieselkraftstoff deuten auf einen wachsenden inländischen Mangel an Mitteldestillaten hin. Das bedeutet, dass Chinas Reduzierung der Ölimporte nicht nur durch die Energiewende, sondern auch durch einen massiven, verdeckten Verbrauch seiner eigenen strategischen Ölreserven bedingt ist, der in der globalen Statistik nicht erfasst wird.
Diese Reserven sind“
d.h., waren
„enorm, doch ein erheblicher Teil davon dürfte bereits verbraucht sein. Peking nutzt das billige Öl, das es während der Niedrigpreisphase angehäuft hat, um seine Industrie vor einer Preiserhöhung von 100 US-Dollar pro Tag zu schützen.“
Soo billig war das damals auch nicht, das wird nur im Nachhinein als solches bezeichnet …
„Dieses Manöver dämpft vorübergehend die Weltmarktpreise (ohne chinesische Nachfrage könnte ein Barrel leicht über 150 US-Dollar liegen),“
– gemeint ist vermutlich: ohne das chinesische Angebot an seine Unternehmen, oder: ohne die gedämpften Preise in China –
doch auch Chinas Lagerkapazitäten sind begrenzt. Sobald China wieder zu großflächigen Käufen gezwungen ist, wird der Markt einen neuen, starken Preisanstieg erfahren. Es wäre wünschenswert, wenn dies geschieht, sobald die aktuelle Angebotslücke geschlossen ist. Aber was, wenn nicht?
Szenarien der Ressourcenerschöpfung
BP-Chefin Meg O’Neill wies in ihrer Rede auf die gefährliche Selbstzufriedenheit einiger Länder hin, die hoffen, die Krise mit kurzfristigen Ölspritzen überstehen zu können. Notfallreserven ermöglichen zwar das Überleben im kommenden Winter, doch die langfristigen Störungen in Logistik und Produktion werden bestehen bleiben.
Sollte der Konflikt mit dem Iran in den kommenden Monaten nicht beigelegt werden und die Straße von Hormuz weiterhin ein Hochrisikogebiet bleiben, wird die Weltwirtschaft bis zum Frühjahr 2027 mit einer Situation konfrontiert sein, in der keine Ölreserven mehr verfügbar sind. Ab einem gewissen Punkt wird die Ölpreisbildung nicht mehr marktgerecht sein. Sobald die marktgängigen Reserven erschöpft sind, wird es zu einer direkten Rationierung kommen.
Die Regierungen der Importländer werden gezwungen sein, den Kraftstoffverkauf an Privatpersonen zu beschränken, energieintensive Industrien einzuschränken und Flugpläne drastisch zu reduzieren. Wirtschaftswachstum ist in einer solchen Situation ausgeschlossen.“
Findet ohnehin derzeit auch nicht statt.
„Die Inflation wird bestehen bleiben, wenn nicht sogar steigen. Darüber hinaus merkte der Chef von Saudi Aramco an, dass das Ende der Kampfhandlungen keine unmittelbare Entlastung bringen wird. Sobald sich die Lage normalisiert hat, müssen alle Länder gleichzeitig ihre strategischen Reserven wieder auffüllen. Die aktuelle kommerzielle Nachfrage wird durch einen enormen nationalen Bedarf, der auf Hunderte Millionen Barrel geschätzt wird, noch verstärkt. Das Auffüllen der Lagerbestände wird mindestens 2 Jahre dauern und den Aufbau von Verbraucherreserven ermöglichen (niemand möchte sich jemals wieder in dieser Situation befinden).
Dies garantiert, dass die hohen Energiepreise weit über das Jahr 2026 hinaus anhalten werden und den Inflationsdruck auf die Weltwirtschaft für viele Monate, vielleicht sogar Jahre, verstärken. Und das ist ein positives Szenario.“
Es geht nämlich von einer baldigen Normalisierung der Lage aus.
(Izvestija, 11.10.)
Der Vizepremier und Energie-Experte Alexandr Novak meint, Rußland werde mindestens noch bis Jahresende Benzin importieren.
„Auf Nachfrage von Journalisten erklärte Novak, der Anteil importierten Benzins am russischen Kraftstoffmarkt liege derzeit bei etwa 10%.“
Das ist ja nicht gerade wenig.
„»Wir müssen einerseits den Inlandsmarkt versorgen und andererseits unsere Reserven wieder auffüllen, die wir im Sommer reduziert hatten, um den Inlandsmarkt zu sättigen«, erklärte Novak.
Präsident Wladimir Putin hat wiederholt erklärt, dass die Schwierigkeiten auf dem russischen Kraftstoffmarkt nur vorübergehend seien. Diese Prognose ist auch im Basisszenario der Zentralbank vom 30. September enthalten. Laut diesem Dokument erwartet die Zentralbank eine Normalisierung der Kraftstoffmarktlage bis Ende 2026. (…)
Russland war in diesem Sommer gezwungen, Kraftstoff im Ausland zu kaufen. Die Regierung begründete dies mit planmäßigen Wartungsarbeiten in den Ölraffinerien und der damit einhergehenden Produktionsdrosselung. Zudem beeinträchtigten regelmäßige Angriffe ukrainischer Drohnen den Raffineriebetrieb.
Zum Export russischen Diesels in den Westen
Alexander Novak erklärte gegenüber Reportern, Russland sei jederzeit bereit, Dieselkraftstoff in die USA und andere Länder zu exportieren. »Unsere Unternehmen sind bereit, sofort zu liefern«, so Novak. Seinen Angaben zufolge fänden derzeit Verhandlungen mit Ölkonzernen statt.
Am Mittwoch berichtete Alexander Nowak, dass 2 weitere Raffinerien in den Regionen Saratow und Rjasan Ziel von Drohnenangriffen geworden seien. Gleichzeitig erklärte das Kiewer Büro, dass die Angriffe auf russische Raffinerien trotz der US-Forderungen nach deren Einstellung fortgesetzt würden.
Novak hatte zuvor erklärt, dies beziehe sich konkret auf Direktlieferungen von russischem Dieselkraftstoff ins Ausland. Vereinfacht gesagt, erfolgen die Lieferungen ohne Zwischenhändler, und niemand beabsichtigt, russischen Dieselkraftstoff als etwas anderes zu tarnen.“
Damit soll verhindert werden, daß Tankstellen-Besitzer oder -pächter oder andere Personen mit Zugang zum Treibstoffmarkt an diesen Exporten verdienen können.
Diese Exporte werden direkt von staatlichen Firmen getätigt, das Geld fließt in die Staatskasse.
„Laut Novak beginnt Russland vorzeitig mit der Aufhebung der Exportbeschränkungen für Dieselkraftstoff. Das US-Finanzministerium hat bereits eine Lizenz für Kraftstoffimporte bis April 2027 erteilt. Da Russlands größte Ölkonzerne jedoch westlichen Sanktionen unterliegen, müssen sich die Parteien auf einen Liefermechanismus einigen.
Novak betonte außerdem, dass russischer Dieselkraftstoff nicht nur für die USA von Interesse sei, sondern weltweit gefragt sei. Er nannte jedoch außer den USA keine weiteren Länder, an die russischer Dieselkraftstoff demnächst geliefert werden soll. Er merkte lediglich an, dass Russland einer der führenden Lieferanten dieses Kraftstoffs auf dem Weltmarkt sei.
Welche Maßnahmen können zum Schutz des Kraftstoffmarktes ergriffen werden? Alexander Novak erklärte gegenüber Reportern, dass das Energieministerium ein Exportverbot für Flüssiggas für Nichtproduzenten – Händler, Öllager und Kleinraffinerien – erwägt.
Er betonte, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, ein solches Verbot angesichts der aktuellen Lage auf dem Flüssiggasmarkt jedoch angebracht wäre.
Flüssiggas wird unter anderem als Kraftstoff verwendet. Sein Preis ist niedriger als der von Benzin und Diesel, was unter anderem auf die fehlende Verbrauchssteuer zurückzuführen ist. Ein mögliches Exportverbot für Flüssiggas könnte ein weiteres Instrument zur Stabilisierung des heimischen Kraftstoffmarktes darstellen. Russland hat bereits restriktive Maßnahmen wie ein Exportverbot für Benzin und Diesel verhängt.“
(KP, 15.10.)
Es ist eigenartig, daß Rußland zwar Benzin importiert, aber Diesel exportieren könnte, ohne die heimische Kraftstoffversorgung zu gefährden.
Vermutlich sind die Diesel-Raffinierungs-Kapazitäten ungleich höher. Erstens exportierte Rußland früher Vorprodukte für Diesel, zweitens legte die Führung offensichtlich aus strategischen Gründen immer schon gesteigerten Wert auf große Diesel-Raffinierungs-Möglichkeiten. Denn das ist das, was das Heer benötigte, – wobei durch den Drohnenkrieg vermutlich der Bedarf gesunken ist.