Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 6.8.: Weitere Schüsse ins Knie

DIE SANKTIONEN WERDEN BESTEHEN BLEIBEN, AUCH WENN DAS ZUR DEINDUSTRIALISIERUNG EUROPAS FÜHREN SOLLTE

„Sanktionen weg – Rohr auf: Was ist der Kern des „Turbinenstreits“, um dessentwillen Europa ohne Gas dasitzt?
Der Experte Churschudow meint: Gazprom will Garantien dafür, dass die Turbine für Nord Stream 2 nicht unter antirussische Sanktionen fällt“

(Gemeint ist vermutlich die für Nord Stream 1, weil Nr. 2 ist ja sowieso vorerst abgesagt.)

„Her mit dem Gas!
Es scheint, dass auf der Ebene der großen Unternehmen einiges schief läuft gibt. Selbst der Austausch einer einfachen Schraube in der komplexesten Mechanik wird auf Hunderten von Vertragsseiten beschrieben, in denen die Rechte und Pflichten der Parteien detailliert geregelt sind.
Man sollte meinen, dergleichen genaue Vorschriften gibt es erst recht bei Turbinen für Gaspipelines.
Es stellte sich heraus, daß das keineswegs so ist.
Bei der Siemens-Turbine für die Gaspipeline Nord Stream geschehen mysteriöse Dinge. Sie stand bereits an der Station in Portovaja“ (Ausgangspunkt der Pipeline an der russisch-finnischen Grenze), „arbeitete zur Freude der Deutschen plangemäßt und reiste dann zu ebenfalls planmäßigen Reparaturen nach Kanada. Da begannen die Turbulenzen.
Dort saß sie zunächst wegen der gegen Russland verhängten Sanktionen fest. Daraufhin war Gazprom gezwungen, die Gaslieferungen einzustellen. Als Reaktion darauf trafen Drohungen und Anschuldigungen aus Europa ein, dass Russland Gas als Druckwaffe einsetze. Aber irgendwann einigten sich die Deutschen mit den Kanadiern und sie brachten die Turbine trotzdem … nach Deutschland, wo Bundeskanzler Olaf Scholz sie sogar begutachtete und ein Gutachten erstellte: Die Turbine ist einsatzbereit, man kann sie aufstellen und pumpen.“

Scholz, der technische Experte.

„Angeblich wurde wurden die Sanktionen (für die Turbine) aufgehoben, Kanada, Deutschland, die Europäische Union erlaubten es (– es fehlte nur noch der Segen des Papstes) …
Nur Gazprom hat es nicht eilig, die Turbine zu übernehmen.
Wegen all dieser Streitigkeiten erhält Europa weniger Gas. Statt 167 Millionen Kubikmeter pro Tag sieht die deutsche Seite auf ihren Sensoren klägliche 33 Millionen Kubikmeter. Das heißt, die Gaspipeline arbeitet jetzt nur noch mit 20 % ihrer Kapazität.

Eine Frage der Technik
Also, was ist der Grund? Der russische Konzern bezieht sich auf den Buchstaben des Vertragstextes (d.h., des Gesetzes), gegen den die Kanadier zusammen mit den Deutschen bereits verstoßen haben. Und jetzt nicht ganz begreifen, wie sie wieder aus dem Schlamassel herauskommen sollen.
Gazprom begründet sein Vorgehen wie folgt: »In Ermangelung offizieller Klarstellungen der EU und des Vereinigten Königreichs zur Anwendung von Sanktionen ist nicht klar, ob Reparatur und Transport von Gasturbinentriebwerken für die Station Portovaja CS Exportbeschränkungen unterliegen werden oder nicht«, teilte das Unternehmen mit.
Hinter der raffinierten Sprache von Pressemitteilungen und offiziellen Schreiben bleibt immer noch unklar, warum diese Turbine noch nicht in ein Flugzeug verladen wurde, um nach Russland gebracht zu werden und dort endlich mit voller Leistung Gas in die Röhre zu treiben.

Zur Klärung wandte sich KP.RU an den Experten der Öl- und Gasinformationsagentur, den Kandidaten der technischen Wissenschaften Alexander Churschudov:

ACh: Um es ganz einfach auszudrücken: Gazprom will Garantien, schriftliche Zusagen, daß die Turbine nicht unter antirussische Sanktionen fällt.

KP: Technisch könnte die Turbine von Deutschland aus per Fernzugriff deaktiviert werden?

ACh: Ja, es wäre möglich, aber die Folgen sind schwer vorhersehbar. Wenn eine solche Möglichkeit in die Steuerungsautomatisierung gelegt würde, wäre der Reputationsverlust für Siemens enorm. Das Hauptproblem liegt also woanders.

KP: Und zwar wo?

ACh: Im Rahmen des Vertrags mit Siemens hat Russland diese Turbine direkt nach Kanada zu der Siemens-Tochtergesellschaft geliefert. Dazu kam eine Fehlerliste mit 15 Positionen. In Kanada sollte sie repariert werden und russische Spezialisten wurden hinzugezogen, um die Reparaturarbeiten zu überprüfen. Unsere Experten sollten dort ihr Einverständnis geben und gemeinsam mit den Kanadiern die Turbine direkt nach Russland verschiffen.
Aber die kanadischen Behörden machten keine Ausnahmen von den Sanktionen.“

Sie betrachteten also die Rückführung der Turbine als E x p o r t.
Das ist ebenso eine reife Interpretationsleistung wie die der litauischen Behörden, die den Warentransit nach Kaliningrad als Export betrachteten.
Man sieht, die Sanktionen lassen sich durchaus schöpferisch auslegen, wenn es einer Regierung gerade so lustig ist.

„Und die kanadische Siemens-Tochter konnte das im Vertrag vorgeschriebene Verfahren nicht einhalten. Daraufhin schickte sie die Turbine nach Deutschland – das ist nämlich nicht durch Sanktionen verboten.
Was soll unsere Seite“ (also Gazprom) „jetzt machen? Die Übernahme nach Deutschland erfolgte vertragswidrig. Es steht klar geschrieben: »Sie ist dort (von Gazprom) zu übernehmen, wo sie repariert wurde.« Was nützt es, wenn wir uns an Deutschland wenden? Die deutsche Siemens beantwortet unsere Fragen nicht – nicht sie war es, sondern eine Tochtergesellschaft, die die Revision und Reparatur durchführte.
Jetzt will Deutschland die Turbine loswerden.
Nehmen wir an, sie kommt nach Russland, wir installieren sie, aber sie funktioniert nicht. Was wäre dann zu tun? Es gibt niemanden, bei dem man sich beschweren könnte. Weil die im Vertrag vorgeschriebene Reihenfolge der Übernahme und Rückführung verletzt wurde.
Sowohl aus technischer als auch aus rechtlicher Sicht ist es also korrekt, ohne die vorgeschriebene Abnahme keine Zustimmung zur Überstellung nach Russland zu geben.

Streit in Europa
Gazprom will Garantien, erklärt Stanislav Mitrochovitsch, ein führender Experte beim Nationalen Fonds für Energiesicherheit und der Finanzuniversität der Russischen Regierung.

KP: Was möchte der Westen erreichen?

StM: Der Streit um die Gazprom-Turbine ist eines der Rädchen im großen Spiel gegen Russland. Die westliche Welt versucht weltweit, Russland in einem Wirtschaftskrieg zu besiegen, und niemand verbirgt dies. Was die Situation mit der Turbine selbst betrifft, so gibt es in Europa eine grundlegende Spaltung. Deutschland sagt, dass Russland diese Turbine jetzt akzeptieren und die Nord Stream mit einer höheren Kapazität starten muss, als die, mit der es sie derzeit betreibt. Aber gleichzeitig gibt es innerhalb Europas Stimmen aus Polen, aus den baltischen Staaten, die vorschlagen, den Kauf von russischem Gas zu verbieten und es in das neue Sanktionspaket aufzunehmen. Es gibt also Zwietracht in Europa.

KP: Wie werden diejenigen leben, die komplett auf russisches Gas verzichten wollen?

StM: Sie hoffen, dass es möglich sein wird, von ihren Nachbarn zu kaufen, sie hoffen, daß sie LNG (verflüssigtes Erdgas, Anm. d. Red.) erhalten können, sie hoffen auf Hilfe der Europäischen Kommission … Sie hoffen auf alles.

KP: Vielleicht sind es nur schöne Worte?

StM: Das ist auch so. Zu behaupten, dass sie kein russisches Gas kaufen wollen, ist nicht dasselbe, wie tatsächlich ganz darauf zu verzichten.
Aber es klingt gut.
Auf jeden Fall wollen sie weiter unser Gas. Das gleiche Polen wird es immer noch aus Deutschland oder anderen Nachbarländern kaufen. Aber wir für unseren Teil hören öffentlich: »Dein Gas wird bald verboten.« Gut, gut, euer Wunsch wird verwirklicht.

Her mit Garantien!
KP: Was versucht Gazprom zu erreichen?

StM: Klare Garantien zu erhalten, dass es in Zukunft keine neuen Sanktionen (bezüglich des Gasimports) geben wird, weder von Amerika noch von sonst jemandem. »Geben Sie uns Garantien, daß wir auf Dauer ohne Sanktionen zusammenarbeiten können!« – so können Sie ihre Position formulieren.

KP: Aber solche Garantien will niemand geben.

StM: Genau. Daher haben wir es unsererseits auch nicht eilig, Europa entgegenzukommen und ihnen bei der Wintervorbereitung zu helfen.

KP: Die These ist mittlerweile weit verbreitet, dass Russland, Gazprom und Putin persönlich Gas als Waffe einsetzen.

StM: Diese Meinung, das ist wichtig, wird von Leuten geäußert, die von Rußland 300 Milliarden Dollar Gold und Devisenreserven gestohlen, schwerste Wirtschaftssanktionen verhängt, ihren Luftraum für russische Flugzeuge gesperrt, den Handel mit Rußland und den Import russischer Kohle verboten haben (letzteres Verbot tritt am 10. August in Kraft – Anm. der Redaktion). Sie verhängten ein Verbot der Einfuhr von russischem Öl auf dem Seeweg (tritt am 5. Dezember 2022 in Kraft, – Anm. der Redaktion).
Und diese Leute sagen uns, dass Handelsbeschränkungen nicht als politisches Instrument eingesetzt werden sollten?
Es ist sehr naiv, zu erwarten, dass Rußland nicht versuchen würde, seinerseits die vorhandenen Möglichkeiten im Handel als Instrument zu nutzen.

Nord Stream 2 läßt sich nicht mit einem Satz in Betrieb nehmen
KP: Es gäbe einen sofortigen Ausweg aus der Situation mit der Turbine: Den Start von Nord Stream 2. Wäre das möglich?

StM: Aus technologischer Sicht gibt es keine Probleme mit dem Start von Nord Stream 2. Wladimir Putin sagte das sogar zu Gerhard Schröder, der nach Moskau geflogen war. Mit anderen Worten, wir könnten diese Pipeline sogar jetzt einschalten.

KP: Aber es gibt offenbar keine politische Einigung.

StM: Nord Stream 2 ist aus politischer Sicht ein sehr schwieriges Thema. Ich sehe daher derzeit nicht, daß Europa dem zustimmen könnte. Schauen Sie, wie lange sie gebraucht haben, um das Problem mit der gewöhnlichen Turbine für Nord Stream 1 zu lösen: Um Kanada zu überzeugen, mussten sie eine Entscheidung treffen, abstimmen und so weiter. Es dauerte mehrere Wochen. Und das ist, könnte man sagen, angesichts der Problematik um Nord Stream 2 eine Frage von ein paar Cents.

Versöhnlicher Schröder
KP: Warum ist Gerhard Schröder nach Russland geflogen?

StM: Offiziell sagte seine Frau, dass er über Energiefragen und Energiepolitik gesprochen habe.

KP: Als Unterhändler?

StM: Man muß sich darüber im Klaren sein, dass er darüber nur als Privatperson sprechen konnte. Es ist unwahrscheinlich, dass er der Abgesandte von Herrn Scholz war. Obwohl Schröder viel für die Beziehungen zwischen Russland und Europa getan hat (auch die Nord-Stream-Gaspipelines waren seine Idee), ist die Einstellung ihm gegenüber zu Hause äußerst negativ. In der deutschen Presse wird er in einem fort durch den Kakao gezogen.

KP: Kann er überhaupt eine Einigung erreichen?

StM: Ich glaube nicht. Außerdem würde es überraschen, wenn er nicht auf juristischer Ebene zu einer Art Agenten Putins erklärt wird. In der allgemeinen Propaganda wird er schon lange als solcher gehandelt.

Industrie kaputt
KP: Wie wird das alles enden?

StM: Ich denke, je mehr so Sätze wie »Wir brauchen kein russisches Gas«, »Wir werden Russland besiegen und zerstören«, »Wir werden bald das russische Gas aufgeben« (– ich habe mir das nicht ausgedacht, sie sagen das tatsächlich seit März auf allen Regierungsebenen) in Europa ausgesprochen werden, desto mehr wird sich in Russland der Standpunkt durchsetzen, dass es notwendig ist, die Lieferungen nach Europa einzustellen. In diesem Fall wird Europa mit einer vollständigen Reduzierung der Lieferungen konfrontiert sein, und dies wird eine sehr belastende Situation für sie sein.

KP: Und wenn wir das Ventil nicht bis zum Ende drehen?

StM: Selbst wenn es nicht zu einem vollständigen Lieferstopp kommt und die aktuelle Situation anhält (wir liefern um ein Vielfaches weniger Gas als im Vorjahr), wird es für Europa sehr schwierig, seine Industrie zu erhalten. Wegen teurer Energieressourcen wird es immer mehr Betriebe schließen müssen.

KP: Europa steht ein harter Winter bevor.

StM: Es geht nicht um den Winter. Im Winter werden die Schwierigkeiten ihren Höhepunkt erreichen. Aber es geht um viel mehr.
Ich denke, in Europa wird diese Krise die Deindustrialisierung und den wirtschaftlichen Niedergang durch den Verlust eines Teils der Industrie, durch den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Ländern der Welt zur Folge haben. Die Türkei zum Beispiel wird möglicherweise einen Teil des industriellen Potenzials Europas übernehmen.

KP: Wie wird sich dies auf Russland auswirken?

StM: Wir müssen zunächst darüber nachdenken, wie wir den europäischen Markt ersetzen, wann wir Verträge mit den Chinesen für neue Pipelines abschließen, schließlich, wann wir neue eigene Industrialisierungsprojekte starten werden, und so weiter.

34 Gedanken zu “Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 6.8.: Weitere Schüsse ins Knie

  1. Mit anderen Worten: Gazprom nutzt die bestehenden Verträge, um rechtliche Argumente zu finden die Turbinen nicht einbauen zu müssen und mehr Gas zu liefern. 

    Was versucht Gazprom zu erreichen?

    Klare Garantien zu erhalten, dass es in Zukunft keine neuen Sanktionen (bezüglich des Gasimports) geben wird, weder von Amerika noch von sonst jemandem. »Geben Sie uns Garantien, daß wir auf Dauer ohne Sanktionen zusammenarbeiten können!« 

    Soviel ich weiß gibt es beim Gas keine Sanktionen gegen Russland. Wer soll außerdem eine solche Garantie aussprechen. Die USA, die EU, die Nato? Soll es eine internationale Konferenz gegen zukünftige Gas-Sanktionen geben? Das scheint mir unausgegoren bzw. nicht auf eine Lösung ausgelegt zu sein. Russland will die EU jetzt erstmal schädigen.

    Bezüglich der Folgen für die europäische Wirtschaft, hat der Herr Mitrochovitsch recht. Die Türkei als Nachfolger der EU – das sollen die EU-Chefs mal durch ihre Hirnwindungen kriechen lassen – wie ihnen das schmeckt. Das volle Ausmaß der Katastrophe ist hierzulande noch gar nicht angekommen. Der Westen insbesondere Europa verliert diese Auseinandersetzung und je eher sie das begreifen und von ihrem hohen Ross absteigen, desto besser wäre das. – Wahrscheinlich siegt die Dummheit – wie immer.

  2. "je mehr so Sätze wie »Wir brauchen kein russisches Gas«, »Wir werden Russland besiegen und zerstören«, »Wir werden bald das russische Gas aufgeben« (– ich habe mir das nicht ausgedacht, sie sagen das tatsächlich seit März auf allen Regierungsebenen) in Europa ausgesprochen werden, desto mehr wird sich in Russland der Standpunkt durchsetzen, dass es notwendig ist, die Lieferungen nach Europa einzustellen."

    Warum aber hat sich dieser ja neheliegende Standpunkt nicht schon lange durchgesetzt? Steht Rußland schon so mit dem Rücken zur Wand, daß es keine eigenen Wirtschaftskriegsmaßnahmen beschließen kann? Ist Rußland selbst jetzt, bei den völlig zerütteten Wirtschaftsbeziehungen und Vertragsbrüchen noch der irren Ansicht, daß wenigstens Rußland sich an die zerfetzten Regeln halten "müsse"?

  3. Rußland steht auf dem Standpunkt, daß das Recht auf seiner Seite ist, daß es ein wichtiger Player in einer multipolaren Welt ist und daß dieser Standpunkt sich weltweit durchsetzen wird.

    Was das Gas angeht, so ist das eigentlich klar ausgesprochen, daß sie den Vertragsbruch auf der Seite Deutschlands bzw. der Siemens-Holding sehen. Solange hier keine Klarheit herrscht, wird mit dem Gas zurückhaltend umgegangen.

    Rußland ist also weit entfernt, aus einer Position der Schwäche zu agieren, sondern es will neue Regeln setzen bzw. sich zum Garanten von internationalen Abmachungen erklären, die von westlicher Seite gebrochen werden.

    Dazu paßt auch, daß sie unzählige Verfahren gegen ukrainische Soldaten und Politiker eingeleitet haben, um dort dann einmal Recht zu sprechen, wenn die „Spezialoperation“ abgeschlossen ist.

  4. Warum aber hat sich dieser ja neheliegende Standpunkt nicht schon lange durchgesetzt?

    Na weil bisher alles geklappt hat. Die Russen haben Gas geliefert und die Europäer haben gezahlt.

    "Steht Rußland schon so mit dem Rücken zur Wand, daß es keine eigenen Wirtschaftskriegsmaßnahmen beschließen kann?"

    Wirtschaftskriegsmaßnahmen macht Russland doch gerade, indem sie die Turbine nicht annimmt und die Gaszufuhr drosselt.

    "Ist Rußland selbst jetzt, bei den völlig zerütteten Wirtschaftsbeziehungen und Vertragsbrüchen noch der irren Ansicht, daß wenigstens Rußland sich an die zerfetzten Regeln halten "müsse"?"

    Dadurch setzt sie den Gegner ins Unrecht. Der Experte sagt doch ganz klar: "Es ist sehr naiv, zu erwarten, dass Russand nicht versuchen würde, seinerseits die vorhandenen Möglichkeiten im Handel als Instrument zu nutzen.

    "Solange hier keine Klarheit herrscht, wird mit dem Gas zurückhaltend umgegangen."

    Mit rechtlicher "Klarheit" hat das nichts zu tun. Sie wollen die Verträge so auslegen, dass sie kein weiteres Gas liefern müssen. Ob das rechtlich korrekt ist, spielt am Ende keine Rolle. Wenn die Russen wollen würden könnten sie die Rücknahme der Turbine sicher verhandeln..z.B. indem man eine Zusatzvereinbarung trifft, dass die Gewährleistung trotz Lieferung aus einem anderen Land erhalten bleibt. Der Westen könnte Gazprom auch garantieren, dass die Lieferung von Gas und zugehöriger Technik nicht als Sanktionsverstoß geahndet wird. So könnte man vorgehen, wenn man wollen würde. 

     Es steht klar geschrieben: »Sie ist dort (von Gazprom) zu übernehmen, wo sie repariert wurde.« Was nützt es, wenn wir uns an Deutschland wenden? Die deutsche Siemens beantwortet unsere Fragen nicht – nicht sie war es, sondern eine Tochtergesellschaft, die die Revision und Reparatur durchführte. Jetzt will Deutschland die Turbine loswerden. Nehmen wir an, sie kommt nach Russland, wir installieren sie, aber sie funktioniert nicht. Was wäre dann zu tun? Es gibt niemanden, bei dem man sich beschweren könnte. Weil die im Vertrag vorgeschriebene Reihenfolge der Übernahme und Rückführung verletzt wurde. Sowohl aus technischer als auch aus rechtlicher Sicht ist es also korrekt, ohne die vorgeschriebene Abnahme keine Zustimmung zur Überstellung nach Russland zu geben.

  5. Träum weiter! bin ich da geneigt Putin und Lawrow entgegenzuhalten. Ja Rußland pocht darauf im Recht zu sein. Nur geht es gar nicht um Recht sondern um Gewalt (übrigens auch beim Recht durchsetzen). Und die setzt die NATO und allen voran die USA bekanntlich weltweit durch. Jedenfalls versuchen sie das. Und dem angesagten Vernichtungsprogramm hält Rußland lahm entgegen, "Wir hätten aber viel lieber eine multipolare Welt!"?

    Ja auch beim Gashandel haben die NATO-Staaten reihenweise geltendes Recht gebrochen und Rußland so drastisch klar genacht, daß darauf jetzt geschissen ist. Und die lächerliche Reaktion Rußlands ist, das man erst die Rechtslage prüfen müsse??

    Wie soll Rußland eigentlich zum "Garanten" internationaler Abmachungen werden, wenn es international herzlich wenig in die Waagschale werfen kann?

  6. @Neoprene

    Es wirft ja gerade einiges in die Waagschale. Wenn man diese ganzen Artilleriegeschosse usw. so nennen will. 🙂

    Kämpfe um Einflußsphären und imperialistische Hierarchien müssen mit Gewalt ausgetragen werden, daran führt kein Weg vorbei.

    Die NATO meint, sie wäre im Recht und Rußland meint, das Recht sei auf seiner Seite. Die Zeit wird weisen, wie das ausgeht. Rußland hat jedenfalls die Zeit auf seiner Seite.

    @Kehrer

    Wie der ganze Artikel etwas pessimistisch andeutet, ist das mit den Garantien ohnehin fragwürdig, weil das Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben ist.
    Erst wenn die Sanktionen überhaupt aufgehoben würden, so ließe sich wieder eine gemeinsame Basis finden.

  7. Winter in Europe May Be Springtime for Putin

    Russia’s energy war deploys high prices to promote social turmoil and empower populist parties.

    The second front has opened in the battle for Ukraine—an energy war in Europe. There’s no mystery about Vladimir Putin’s strategy. He laid it out at an economic conference in St. Petersburg in June: high energy prices, which bring hardship as they radiate through the European economy, which will create social turmoil, which will mean that people vote their pained pocketbooks. This in turn will bring to power populist parties that will, to use his own language, change “the elites” in Europe.

    The ultimate aim is to bring governments to power in Europe that aren’t committed to supporting Ukraine and thus fracture the Western coalition. The strategy is already at work. Last month a right-wing party pulled out of Italy’s governing coalition, citing “the terrible choice” that Italian families face “of paying their electricity bill or buying food.” This forced the resignation of Prime Minister Mario Draghi, who in June had traveled to Kyiv to affirm Italy’s support for Ukraine.

    https://www.wsj.com/articles/winter-in-europe-may-be-springtime-for-putin-ukraine-energy-gas-supplier-war-european-union-shipments-pipeline-11659556722

    Man merkt, die Republikaner gewinnen Oberhand, ihre Zeitungen ergreifen immer stärker Partei für ein Ende der Unterstützung der Ukraine.

  8. Nein, Rußland wirft nichts in die Welt, sondern nur in die Ostukraine. Ja noch nicht mal in die Westukraine oder ins Schwarze Meer. Selbst die Züge dürfen da ja noch pünktlich fahren. Das Parlament und das Präsidentengebäude haben ja noch nicht mal einen Kratzer abbekommen.

    Nochmal, es geht im Ukraine-Krieg wie sonst auch immer nicht darum, Recht zu bekommen, sondern einfach nur darum zu gewinnen. Hinterher kann man dann als Sieger natürlich Recht sprechen.

  9. Natürlich.

    Aber ich begreife nicht, warum du das immer als Schwäche auslegen willst.

    Rußland rechnet damit, alles, was es ruiniert, nach dem Sieg wieder aufbauen zu müssen, und geht deshalb anders vor als z.B. die USA in Afghanistan oder Irak usw.
    Dort hatten die das ja gar nicht vor.

  10. ???

    Ich weiß jetzt nicht, worum es geht.

    1. Die Ukraine betrachtet Rußland zumindest teilweise als einzuverleibendes Gebiet, also will man dort nicht alles in Grund und Boden bombardieren.

    2. Rußland braucht keinen Wirtschaftskrieg gegen den Westen führen, das erledigt der Westen ja selber.

  11. 1. In dem ja an der Gesamtgröße der Ukraine gemessen kleinen eroberten Teil *ist* Alles in Schutt und Asche bombardiert worden. Cherson war bisher die Ausnahme. Das russische Vorrücken beruht mittlerweile geradezu ausschließlich auf der Artilleriewalze, die Alles zu Klump schießt.

    2. Es mag ja sein, daß die USA, Kanada und GB auch einen Wirtschaftskrieg gegen Deutschland führen. Aber mit reinem Aussitzen so einen Krieg der NATO gewinnen zu können wird Rußland kaum gelingen.

  12. Was die „Recht setzenden“ Gewaltmittel betreffen, um seiner globalen Niederlage entscheidend entgegen treten zu können, bleibt dem abstürzenden US-Imperium ausschließlich die Nuklear-Option. So zumindest die Ansicht Scott Ritters nach Pelosis Taiwan-Coup:

    "Wir haben keine Fähigkeiten. Keine, null, außer nuklear – das ist alles, was wir zu bieten haben. Und das ist die große Angst, denn wir sind dabei, auf eine Weise gedemütigt zu werden, wie wir noch nie gedemütigt wurden. Und das wird schlimmer sein als Pearl Harbor."

    https://test.rtde.tech/international/145323-scott-ritter-uber-pelosis-taiwan/

  13. "Wir haben keine Fähigkeiten. Keine, null"

    Sowas ist leicht dahin gesagt. Und trifft auf die europäischen NATO-Staaten, vor allem Deutschland ja auch weitgehend zu. Aber stimmt das denn auch für die USA? Die haben eine sehr schlagkräftige Marine, eine der stärksten Luftwaffen der Erde und richtig fette Rapid Deployment Forces, wie niemand sonst. Wirklich Null?

  14. "Und die lächerliche Reaktion Rußlands ist, das man erst die Rechtslage prüfen müsse??"

    Wieso ist es eine lächerliche Reaktion, wenn Russland die Verträge benutzt, um kein Gas zu liefern? Das heißt, sie halten sich an die Verträge und sie schädigen Europa. Das ist nicht lächerlich, sondern geschickt.

    "Wie soll Rußland eigentlich zum "Garanten" internationaler Abmachungen werden, wenn es international herzlich wenig in die Waagschale werfen kann?"

    Worauf beziehst du dich? Oben geht es darum, dass der Westen garantieren soll, dass Gaslieferungen nicht gegen die Sanktionen verstoßen. Russland wirft alles in die Waagschale außer seine Atomraketen.

    "2. Rußland braucht keinen Wirtschaftskrieg gegen den Westen führen, das erledigt der Westen ja selber."

    Wo Russland das kann, z.B. beim Gas führt es freilich einen Wirtschaftskrieg. 

    "Aber mit reinem Aussitzen so einen Krieg der NATO gewinnen zu können wird Rußland kaum gelingen."

    Aussitzen ist nicht die russische Strategie. Die orientieren sich um. Nur die Natostaaten beteiligen sich an Sanktionen und nicht die Welt.

  15. sie halten sich an die Verträge und sie schädigen Europa. Das ist nicht lächerlich, sondern geschickt.

    Sie schädigen doch Europa gar nicht so, wie Rußland das mit wirklichen Gegenmaßnahmen gegen die NATO-Kriegs-Sanktionen tun könnte. Das trauen sie sich eben nicht oder schon nicht mehr. Der Westen hält sich jedenfalls *nicht* an Verträge, wen will man also mit eigener Vertragstreue irgendwie beeindrucken, die OAS?

    Ein "Garant" internationaler Abmachungen ist ein Staat dann, wenn er Verstöße gegen die Abmachungen sanktionieren kann. Rußland kann oder will gar nicht sanktionieren, was da an Vertragsbrüchen gegen das Land beschlossen wurde.

    Russland wirft alles in die Waagschale außer seine Atomraketen.

    Natürlich nicht: Von seiner Armee steht nur ein Teil in der Ukraine im Kampf. Das Land hat ja noch nicht mal den Krieg erklärt, zieht keine Rekruten ein, setzt seine Luftwaffe nicht ein, usw.

    Wo Russland das kann, z.B. beim Gas führt es freilich einen Wirtschaftskrieg. 

    Genau das bezweifele ich. Es gibt ja noch weitere strategische Rohstoffe, deren Exporte Rußland  einstellen könnte. "Deutschland und der Weltmarkt sind vor allem bei Nickel, Palladium und Chrom abhängig von russischen Exporten. Dies sind Rohstoffe, die zum Teil schwierig zu substituieren sind."

    Nur die Natostaaten beteiligen sich an Sanktionen und nicht die Welt.

    Was heißt denn "nur"?? Das sind die potentesten Staaten auf der Welt, von China und Indien mal abgesehen. Was hat Rußland denn davon, daß die OAS die Sanktionen nicht mitträgt? Das ist doch für den Ausgang des Wirtschaftskrieges recht belanglos. 

  16. @Neoprene

    1. In dem ja an der Gesamtgröße der Ukraine gemessen kleinen eroberten Teil *ist* Alles in Schutt und Asche bombardiert worden.

    Nein, nein, das stimmt nicht. Auch der bisher eroberte Teil von Saporoschje, also Berdjansk und Melitopol und die umliegenden Dörfer sind nicht plattgemacht worden. Nicht immer gleich so übertreiben.

    Natürlich, die Kriegsführung der Ukraine geht auf möglichst große Zerstörung, weil sie damit rechnete, den Donbass zu verlieren, und dort hat Rußland dann auch gesagt, na gut, das Gebiet kriegen wir nicht anders.

    Aber deine vorige Frage zielte doch darauf, warum die restliche Ukraine nicht mehr bombardiert wird, und da stehe ich nach wie vor zu dem von mir geäußerten Standpunkt: Rußland hat mit dem Gebiet noch was vor.

    Die haben eine sehr schlagkräftige Marine, eine der stärksten Luftwaffen der Erde und richtig fette Rapid Deployment Forces, wie niemand sonst.

    Erstens sind sie nur so „stark“ und „fett“ wie ihr Gegner es zuläßt. Bisher sind sie doch gegen viel schwächere Gegner eingesetzt worden, und sogar dort war die Performance nicht immer überzeugend, ich erinnere an Afghanistan.

    Zweitens, und das wird hier in den Medien eigentlich immer unter den Teppich gekehrt, gibt es keine Einigkeit, gegen wen dieses angeblich so überlegene Militär eigentlich eingesetzt werden soll?
    Die republikanischen Eliten meinen mehrheitlich: Gegen China! – und sehen die ganze NATO als ein Auslaufmodell, mit denen parasitäre Verbündete in Europa auf Kosten von Uncle Sam groß geworden sind.

    Aber mit reinem Aussitzen so einen Krieg der NATO gewinnen zu können wird Rußland kaum gelingen.

    Gerade meinst du, sie bombardieren alles in Schutt und Asche und dann wieder ist die Rede von „Aussitzen“.
    Um was geht es eigentlich? Was für ein Krieg gegen die NATO?

    Hier wird die Mär von der unendlichen Überlegenheit des Westens dahergebetet, die doch inzwischen Schall und Rauch ist und mit jedem Tag mehr.
    Der III. WK ist nicht abgesagt, das ist richtig, aber man wüßte gar nicht, wohin eigentlich die USA ihre A-Bomben schmeissen sollten?

  17. Nicht immer gleich so übertreiben.

    Ja, ein paar Städte konnten mit relativ geringen Kämpfen und Zerstörungen erobert werden. Andere, und sicherlich mehr eben nicht. Der erbitterte Kampf um Mariupol hat das drastisch vor Augen geführt, die Kämpfe im Donbass zumeist auch. Artilleriewalzen gehen eben so, vor allem gegen verbunkerte und massiv verschanzte gegnerische Einheiten.

    warum die restliche Ukraine nicht mehr bombardiert wird

    Der Westen wurde eigentlich überhaupt nicht bombardiert, von einigen zum Teil spektakulären Raketenangriffen mal abgesehen. Da hieß es immer, das können wir uns glatt leisten, was z.B. der Westen ungehindert in die Ukraine an die Front karrt, sprengen wir dann schon weg. 

    Rußland hat mit dem Gebiet noch was vor

    Danach sieht es mittlerweile gar nicht mehr aus. Dazu wären größere Offensiven zum Einkesseln von ukrainischen Truppenteile nötig, größere Gebietsgewinne. Massive Panzereinsätze unterstützt von begleitenden Luftwaffeneinsätzen. Das ist alles vorbei, denn dazu ist die Ukraine dank der westlichen Abwehrwaffenlieferungen mittlerweile zu stark und hat reihenweise die teuren Panzer, Flugzeuge und Hubschrauber Rußlands ausgeschaltet.

     Bisher sind sie doch gegen viel schwächere Gegner eingesetzt worden

    Daß die Gegner sich als viel schwächer erwiesen haben, ist doch eine Betrachtung im Nachhinein. Beim Irak habe ich z.B. Stein und Bein geschworen, daß die mit dem Haufen sowjetischer Waffen besser gegen die USA standhalten können. Afghanistan war halt ein ganz anderer Krieg als gegen den Irak oder jetzt gegen Rußland.

    Ein zentraler Punkt ist sicherlich dein Punkt, daß für alle imperialistischen Staaten, vor allem für die USA, nicht so richtig klar ist, bzw. entschieden ist, wer der Gegner des nächsten großen Kriegs sein sollte. Und ich denke auch, daß da sehr viele US-Strategen an einen Krieg gegen China denken, bzw. alles dran setzen die Vorbereitungen zu treffen, um die möglichst schnell besiegen zu können, ehe die für einen US-Sieg schon zu stark geworden sind, so massiv wie China aufrüstet (Jedes Jahr kommt bei der chinesischen Kriegsmarine soviel Tonnage hinzu wie die Ex-Weltmeeresherrscher GB insgesamt überhaupt noch zur Verfügung haben.)

    Was für ein Krieg gegen die NATO? 

    Es gibt zwei parallel laufende Kriege: Einerseits den militärischen Kampf in der Ukraine und dann den Wirtschaftskrieg der NATO-Staaten gegen die russische Wirtschaft. Nur den zweiten versucht Rußland auszusitzen, wohlmöglich, weil es sich schon nicht mehr traut zurück zu schlagen.

    man wüßte gar nicht, wohin eigentlich die USA ihre A-Bomben schmeissen sollten

    Unsereiner sicher nicht. Du kannst aber davon ausgehen, daß es sowohl für Rußland als auch für China akribisch von Jahr zu Jahr aktualisierte Zielvorgaben für alle Raketensilos und Atom-Uboote gibt. 

  18. "Sie schädigen doch Europa gar nicht so, wie Rußland das mit wirklichen Gegenmaßnahmen gegen die NATO-Kriegs-Sanktionen tun könnte."

    Klar schädigen Sie Europa. Sie liefern kein Gas. Was sind denn "wikliche Gegenmaßnahmen"?

    "Der Westen hält sich jedenfalls *nicht* an Verträge, wen will man also mit eigener Vertragstreue irgendwie beeindrucken, die OAS?"

    1. An welche Verträge hält sich der Westen nicht? 2.Warum verstehst du denn nicht, dass die Russen mit formeller Vertragstreue genau das erreichen, was sie wollen. Nämlich kein Gas zu liefern. Also ist Vertragstreue gar keine Einschränkung.

    "Rußland kann oder will gar nicht sanktionieren, was da an Vertragsbrüchen gegen das Land beschlossen wurde."

    Nochmal: Klar wollen sie das z.B. liefern sie kein Gas. Sie füllen die Gasspeicher nicht und treiben dadurch die Gaspreise nach oben.

    "Von seiner Armee steht nur ein Teil in der Ukraine im Kampf."

    Wen sollen Sie deiner Meinung nach denn Angreifen mit ihrer Armee? Polen? die baltischen Staaten? Meinst du Russland hält einen Mehrfrontenkreig aus? Gegen die Nato?

    "Es gibt ja noch weitere strategische Rohstoffe, deren Exporte Rußland einstellen könnte."

    Mit dem Ergebnis, dass überhaupt kein Geld mehr nach Russland fließt. Die machen das nicht, weil sie nicht so blöd wie die EU sind, sich das eigene Auge auszustechen.

    "Das ist doch für den Ausgang des Wirtschaftskrieges recht belanglos."

    Wahrscheinlich haben sie deshalb so viel wert darauf gelegt, dass sie mit dem Getreideabkommen auch ihr Getreide exportieren können.

  19. @Neoprene

    Ich weiß eigentlich nicht, was diese alternativen Generalstabs-Überlegungen einen weiterbringen sollen. Die Russen haben sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu diesem Vorgehen entschlossen, und was dabei herauskommt, ist nicht klar.
    Das Bedürfnis, alles, was Rußland treibt, als Schwäche auszulegen, ist aber seltsam.

    Was den Westen oder die USA angeht, wird von dir eine Einigkeit und Zielgerichtetheit unterstellt, die ich nicht erkennen kann.

  20. Es geht um Einschätzungen dessen, was da läuft, nicht um "alternative Generalstabs-Überlegungen". Da hat es z.B. schon ganz oben hier damit angefangen zu behaupten: "Russland will die EU jetzt erstmal schädigen". Will es das wirklich? Oder "Der Westen insbesondere Europa verliert diese Auseinandersetzung" 

    Auch dein etwas zurückhaltenderes "Rußland steht auf dem Standpunkt, daß das Recht auf seiner Seite ist, daß es ein wichtiger Player in einer multipolaren Welt ist und daß dieser Standpunkt sich weltweit durchsetzen wird." klingt mir sehr nach, ja so wird es kommen, statt nach, sind die denn irre.

    Hat wirklich "bisher alles geklappt" für Rußland? Du hast das ein bißchen relativiert: "Es wirft ja gerade einiges in die Waagschale", aber frohgemut orakelt, "Rußland hat jedenfalls die Zeit auf seiner Seite" und hinzugesetzt "ich begreife nicht, warum du das immer als Schwäche auslegen willst", als wenn du exklusiv aus den Generalstabsplanungen Rußlands berichten könntest.

    Entweder gilt, "Rußland braucht keinen Wirtschaftskrieg gegen den Westen führen". Oder Putin führt den Gaskrieg gegen die NATO, "sie schädigen Europa", "Klar schädigen Sie Europa. Sie liefern kein Gas" Wie bitte?? eine Reduktion um 30 % ist schon "kein Gas"?
     "Russland wirft alles in die Waagschale". Wenn ich das bezweifele kommt als Konter, ich vertrete "die Mär von der unendlichen Überlegenheit des Westens".

  21. Ich verstehe das Entweder-Oder nicht.

    Derzeit finden reduzierte Gaslieferungen statt, und was nächsten Monat ist, weiß weder ich noch vermutlich irgendwer. Ob man das jetzt Wirtschaftskrieg nennen will oder nicht, ist mir  gleichgültig.

    Und was die Schädigung Europas betrifft, so sind die ganzen Sanktionen eine Schädigung Europas und nicht erst die reduzierten Gaslieferungen Rußlands.

  22. Warum hast du eigentlich den Scott Ritter hier unkommentiert stehen lassen mit seinem "Wir haben keine Fähigkeiten. Keine, null" Der ist schließlich auch nicht mehr für den US-Generalstab tätig.

  23. "Ob man das jetzt Wirtschaftskrieg nennen will oder nicht, ist mir  gleichgültig."

    Der NATO offensichtlich nicht. Die tönen tagein tagaus, daß Rußland so fertig gemacht und ruiniert werden soll und wird. Und bisher ist das ein sehr asymmetrischer Krieg. Darauf habe ich hingewiesen.

    Daß Sanktionen Staaten, die allesamt dank Globalisierung miteinander Handel treiben, nicht umsonst zu haben sind, liegt auf der Hand. Und da gibt es natürlich dann immer Kritiker, die auch Bellizisten sind und den Krieg gewinnen wollen, die meinen, das die eigenen Verluste bei irgendeinem Feldzug zu hoch seien und die Schädigung des Feindes es nicht wert sei. Diese Streitereien gibt es in jedem Krieg in den Armeen und Regierungen. Wenn die eigene Seite letztlich siegt, war es das eben wert, wenn nicht, dann kommen hinterher auch andere darauf als nur die ersten Kritiker.

  24. Derzeit finden reduzierte Gaslieferungen statt

    Wirklich? Jedenfalls nicht bei allen großen NATO-Staaten:

    Spanien hat sich bereits gegen die EU-Sparpläne gewehrt. Jetzt wurde bekannt, dass Spanien seine Gasimporte von bisher 10 Prozent auf 25 Prozent angehoben hat (RND: 12.07.22). So viel wie noch nie zuvor. Spanien ist bei der Gasversorgung nicht abhängig von den russischen Pipelines. Spaniens Gasversorgung erfolgte bereits vor der Gaskrise zur Hälfte aus Flüssiggas. Seine Hauptlieferanten sind die USA, die gut ein Drittel des Bedarfs decken, sowie Algerien und Nigeria. Russland lieferte bislang nur 10 Prozent des Bedarfs. Hauptgrund für die angehobene Gasmenge aus Russland dürfte der deutliche geringe Preis sein, um die Bürger bei den Gaspreisen zu entlasten.

    Frankreich hat seine Gasimporte aus Russland erhöht. Da fast kein Gas mehr über die Pipelines kommt, kauft Frankreich jetzt russisches Flüssiggas. Mit den abgenommenen Mengen ist Frankreich, laut CREA-Chefanalyst, Lauri Myllyvirta, zum größten Käufer von russischem LNG geworden (Welt: 01.07.22).  

     

  25. Krieg kostet was, auch wenn man ihn andere delegiert:

    Studie: Deutschland verliert 260 Milliarden Euro

    Der Ukraine-Krieg und die hohen Energiepreise kosten Deutschland hunderte von Milliarden an Wertschöpfung, so eine Studie. Auch die Beschäftigung leidet.

    Die deutsche Wirtschaft verliert durch den Krieg in der Ukraine und die sprunghaft gestiegenen Energiepreise bis 2030 über 260 Milliarden Euro an Wertschöpfung.

    Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die drei Forschungsinstitute gemeinsam erarbeitet haben: das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsbildung (IAB), das Bundesinstitut für Berufsbildung und die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung.

    (…)

    https://www.dw.com/de/studie-deutschland-verliert-260-milliarden-euro/a-62755017

  26. Krieg kostet was, auch wenn man ihn andere delegiert

    Wie kommst du darauf, daß Deutschland und die anderen NATO-Staaten gar keinen Krieg führen? Die Schweiz hält sich da raus und meinetwegen Indien, aber die BRD?
    Im Übrigen sind das wie immer Milchmädchen-Rechnungen: Die nächste Krise (oder hat sie schon begonnen?) wird noch erheblich mehr “Wertschöpfung” kosten. Und das dann auch bei den Staaten, die noch nicht mal aktiv in diesem Krieg sind.

  27. Na ja, die Idee war schon, die Ukraine zur antirussischen Bastion aufzubauen und dann die einmal machen zu lassen.
    Die Schweiz liefert keine Waffen, aber den Sanktionen hat sie sich angeschlossen, als „raushalten“ tut sie sich auch nicht.

    Der Wirtschaftskrieg, wenn man den einmal so nennen will, ist im Grunde schon verloren, und beim „richtigen“ wird die Entscheidung auch nicht ewig auf sich warten lassen.

  28. Ich kann mir nicht vorstellen, daß auch nur ein einziger General im NATO-Generalstab ernsthaft gedacht hat, daß der ja eingeplante Krieg Ukraine versus Rußland so ohne handfeste "Unterstützung" durch die NATO-Armeen und Staaten zu einem Sieg über Rußland gemacht werden könnte.

  29. ???

    Ohne-nicht – ich weiß jetzt gar nicht, worum es geht.
    Unterstützung gibt es ja.

    Was NATO-Generäle sich gedacht haben, traue ich mir nicht sicher zu sagen, aber sicher einen Haufen Blödsinn.
    1. Rußland traut sich nicht, in der Ukraine einzumarschieren.
    2. Wenn sie das trotzdem machen sollten, hauen wir auf den Tisch und die ziehen den Schweif ein.
    3. Die USA schicken einen Flugzeugträger und der macht alles klar. (Jede Menge NATO-Kriegsschiffe tummelten sich im Frühjahr im Mittelmeer und versuchten die Türkei zu „überreden“, sie doch durch den Bosporus zu lassen.)
    4. Wir sind die Größten.
    5. Die Russen haben doch eh nur Schrott,

    usw. usf.

    Man soll nicht glauben, daß das Propaganda-Zeug in den Medien nur für den Konsum der Normalverbraucher bestimmt ist und in den Generalstäben lauter Schlaumeier sitzen.
    Die glauben das selber, und so ist ihr Benehmen jetzt auch.
    ———————

    Zu weiter oben, reduzierte Gaslieferungen – daß jetzt weniger fließt, bezog sich auf die Nord Stream 1 Pipeline, und nicht auf alle Gaslieferungen. Das ist ja auch das Thema des Beitrags.

    Die Öl-Lieferungen über die Druschba-Pipeline sollen nach Ungarn und in die Slowakei wieder aufgenommen werden.
    Das Problem ist aufgetreten, weil Rußlland für den Transit im voraus bezahlen muß. Wegen des 7. Sanktionspaketes kann es das über die Gazprombank nicht mehr machen, die bereits getätigte Zahlung kam zurück, offensichtlich unzustellbar.
    Die Ukraine wickelt ihre gesamten Zahlungen nämlich über EU-Banken ab.

    Jetzt hat Ungarn die Transitgebühren übernommen und wird das vermutlich mit Rußland abgleichen, entweder über die Bezahlung für das erhaltene Öl oder über die staatliche OTP-Bank. Darüber scheint es auch eine Einigung mit der Slowakei zu geben, mit Tschechien allerdings nicht.

  30. Turbinen-News:

    Gazprom weigert sich, die in Deutschland – inzwischen in Mühlheim – stehende Turbine zu übernehmen, obwohl die Firma von Scholz ausdrücklich dazu aufgefordert wurde.

    Sie erinnert daran, daß von den 6 Turbinen in der Verladestation Portovaja gegenwärtig nur eine arbeitet, weitere 4 warten auf Überholungsarbeiten im Ausland, wie im seinerzeitigen Vertrag mit Siemens festgelegt.

    Rußland fordert nach wie vor Garantien, daß diese Turbinen und ihre Reparatur von den Sanktionen ausgenommen werden, sonst gibt es sie nicht heraus.

    Das Ganze ist auch eine ziemliche Unannehmlichkeit für Siemens, weil die ist ja eigentlich die vertragsbrechende Seite, und kann letztlich für verschiedene Schäden, die aus der Affäre entstehen, verantwortlich gemacht werden.

  31. Abschreibung
    Siemens in roten Zahlen – erstmals seit 12 Jahren

    Siemens machte zuletzt Milliardenverluste. Doch die Geschäfte laufen gut und der Konzern beteuert, nicht von Energieproblemen betroffen zu sein. Trotzdem heißt der Grund für die roten Zahlen: Russland.

    Siemens-Chef Roland Busch macht sich wegen einer drohenden Gasknappheit keine Sorgen um den Betrieb. „Derzeit sehen wir nur geringe direkte Auswirkungen auf unsere Fabriken, weil unsere Produktion nicht energieintensiv ist“, sagte Busch in einer Telefonkonferenz am Donnerstag. "Wir nutzen Erdgas nur in einigen nachgeordneten Bereichen in der Produktion, haben somit einen vergleichsweise geringen Bedarf."

    90 % der 280 Gigawattstunden (GWh), die Siemens im vergangenen Jahr verbrauchte, wurden zum Heizen verwendet. Falls das Gas knapp werde, habe man außerdem Maßnahmen getroffen, damit die Produktion weitergehen könne.

    In Europa deckt Siemens seinen Strombedarf fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. „Wir haben vorausschauend eingekauft und langfristig vorgesorgt“, so der Vorstandsvorsitzende.

    Sorge bereiten Busch eher die steigenden Beschaffungs- und Personalkosten. Die Preise steigen, gleichzeitig müsse die Produktivität steigen, um die inflationären Auswirkungen auszugleichen. „In den nächsten Monaten werden die Geschäfte bei den Ausgaben besonders diszipliniert sein, um die Margen zu halten“, so Busch.

    Und noch ein weiterer Punkt lässt den Konzern die Kriegsfolgen derzeit spüren: eine hohe Abschreibung auf den verbliebenen Anteil an der ehemaligen Energiesparte Siemens Energy und Belastungen im Zusammenhang mit Russland, da sich Siemens wegen des Ukraine-Krieges von dort zurückzieht.

    Dadurch ist Siemens zum ersten Mal seit fast zwölf Jahren in den roten Zahlen. Und das, obwohl die Geschäfte gut laufen. Der Münchner Konzern mit großem Engagement auch in Österreich machte im dritten Geschäftsquartal 1,5 Mrd. Euro Verlust.

    Die Energy-Abschreibung, die Siemens Ende Juni angekündigt hat, drückt mit 2,7 Milliarden Euro auf das Ergebnis – Russland mit 0,6 Milliarden. Das ist zu groß selbst für das starke Geschäft der Münchner.

    Der Umsatz stieg nominell um 11 % auf 17,9 Milliarden und der Gewinn im Industriesektor stieg um 27 % auf 2,9 Milliarden. Bemerkenswert ist auch der Gewinn von 0,7 Milliarden aus dem Verkauf von Yunex Traffic.

    Die hohen Belastungen aus dem dritten Quartal führen dazu, dass Siemens nun niedrigere Ergebnisse prognostiziert, und zwar in Höhe der Energy-Abschreibung. Andere Zeichen für die Zukunft stehen hingegen gut: Nachdem der Auftragseingang auf 22 Milliarden Euro gestiegen ist, liegt der Auftragsbestand laut Siemens nun bei einem Rekordwert von 99 Milliarden Euro.

    "Wir haben das richtige Angebot und die richtige Strategie, um selbst in unsicheren Zeiten erfolgreich zu sein", sagt Siemens-Chef Roland Busch.

    Lesen Sie hier: Der Rückzug von Siemens aus Russland

    https://industriemagazin.at/news/siemens-in-roten-zahlen-erstmals-seit-12-jahren/

  32. "Die nächste Krise (oder hat sie schon begonnen?) wird noch erheblich mehr “Wertschöpfung” kosten. Und das dann auch bei den Staaten, die noch nicht mal aktiv in diesem Krieg sind."

    Genau. Und die nächste Krise wird kommen und zwar solange die Deutschen und einige Europäer meinen etwas zu sagen zu haben und Weltmächte wie Russland maßregeln zu können. Es ist schon erstaunlich wie wenig Widerspruch da aus der Presse kommt. Der Irrsinn geht weiter und wenn eine-r wie Sahra Wagenknecht was sagt, wird sie mit Parteiausschluss bedroht. Dieses Einschwören auf nationalen Zusammenhalt, während Christian Linder eine Veränderung der Steuerprogression (wegen der angeblich höheren Löhne durch die Inflation) nutzt, um damit vor allem höhere Einkommen zu entlasten. ("Das ist gerecht, weil diese ja viel an die Solidargemeinschaft abgeben.") Ja, der Grundfreibetrag wird auch erhöht, um 363 € im Jahr, was eine Entlastung von 138 € bedeutet.

    Man soll nicht glauben, daß das Propaganda-Zeug in den Medien nur für den Konsum der Normalverbraucher bestimmt ist und in den Generalstäben lauter Schlaumeier sitzen. Die glauben das selber, und so ist ihr Benehmen jetzt auch.

    Die glauben alle sie seien die Größten und dachten sie haben Russland sowieso im Sack. Soviel ich noch weiß gab es noch unter Obama Planspiele, die genau diese Situation zum Gegenstand hatten und die dachten man könne allein durch Sanktionen und den Ausschluss von Russland aus dem Swift, also durch die Macht des Dollar, Russland in die Knie zwingen. Die dachten die Kombination aus wirtschaftlichem Druck und einem Kriegsszenario in der Ukraine würde reichen um Russland zu ruinieren. – Jetzt sieht es aber so aus als hielte Russland das aus, und wer in die Knie geht sind die Europäer. Wenn selbst ein deutsches Vorzeigekapital wie Siemens Verluste in Milliardenhöhe schreibt, das laut Artikel gar nicht besonders vom Gas und anderen Energieformen abhängig ist, kann man sich ausmalen, wie es anderen Unternehmen geht. Da wird dann heftig schön geredet, damit die Aktionäre bei der Stange bleiben.

  33. Russland verbrennt anscheinend Gas, das Europa dringend braucht

    Die russischen Speicher sind voll, an die EU fließt allerdings nur sehr wenig. Dem Kreml fehlen die Absatzmärkte für Erdgas

    Eine riesengroße Flamme ragt seit Mitte Juni an der russisch-finnischen Grenze über zwei Turmbauten in den Himmel. Was dort brennt? Anscheinend große Mengen Erdgas, die Russland verbrennt, anstatt es nach Europa zu liefern. Verbreitet wurde das Bild vom finnischen Fernsehsehsender Yle. Dem Sender zufolge handelt es sich um eine Verteilerstation des russischen Energiekonzerns Gazprom bei der Stadt Portowaja, in der auch die Pipeline Nord Stream 1 beginnt.

    Aufgetaucht sei die Flamme erstmals, nachdem der Kreml die Gaslieferungen nach Europa deutlich eingeschränkt hatte. Der finnische TV-Sender beruft sich auf Augenzeugenberichte sowie Daten der US-Weltraumbehörde Nasa. Deren globaler Feuerbeobachtungsdienst Fire Information for Resource Management Systems zeigt das durchgehend lodernde Feuer nahe der Portowaja-Station. Andere Sichtungen von Bränden gibt es in der Region nicht, was dafür spricht, dass Russland überschüssiges Gas verbrennt. Üblicherweise kommt es zu diesem gezielten Abfackeln, wenn es technisch nicht möglich ist oder es sich wirtschaftlich nicht rentiert, das Gas weiterzutransportieren.

    (…)

    https://www.derstandard.at/story/2000138101398/russland-verbrennt-anscheinend-gas-das-europa-dringend-braucht

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