Riskante Spiele um die Energieversorgung

DIE DECKELUNG DES ÖLPREISES

„Die EU hat am Freitag eine Maßnahme von großer Bedeutung vereinbart, um den Sanktionsdruck auf Russland zu erhöhen und die Einnahmen einzudämmen, mit denen der Kreml den Krieg in der Ukraine finanziert.
Die 27 Mitgliedsstaaten haben sich auf eine Obergrenze von 60 Dollar pro Barrel russischen Öls geeinigt, das Moskau auf dem Seeweg verkauft (ungefähr zwei Drittel der Gesamtmenge, die es nach Europa exportiert). Die Maßnahme betrifft das Öl, das durch Pipelines transportiert wird, nicht .
Sie ist Ergebnis der Politik, die von den G-7, der Gruppe der reichsten Länder der Welt, beschlossen wurde und ist Teil eines der Sanktionspakete gegen Moskau. Damit wurde auch ein Mechanismus zur regelmäßigen Überprüfung dieser Obergrenze, im Prinzip alle zwei Monate, vereinbart. Das Ziel ist, daß der solchermaßen vereinbarte Preis laut europäischen Quellen „mindestens“ unter 5% des Marktpreises bleibt.“ (El País, 2.12.)

Hier wird also ein Probeballon losgelassen, um zu sehen, wie der Ölmarkt auf diese Beschränkung reagiert.

Es wird kein Geheimnis daraus gemacht, daß diese Preisdeckelung dem augenblicklichen Marktpreis mehr oder weniger entspricht:

„Der vereinbarte Preis übersteigt jedoch das Niveau, auf dem Russland den größten Teil seines Rohöls verkauft, in dem Versuch, den Ölfluss auf den Weltmärkten aufrechtzuerhalten und den Kreml die Auswirkungen spüren zu lassen, damit sie aber nicht den Hahn für Käufer in Europa zudrehen.“ (ebd.)

Die Preisdeckelung liegt also über dem derzeitigen Weltmarktpreis. Wie soll damit Rußland geschädigt werden?
Man erfährt aus den Medien, daß ursprünglich eine Deckelung von 70 Dollar vorgesehen war, und daß Polen eine Deckelung unterhalb von 60 Dollar gefordert hatte.

Der Ölpreis für die Referenzmarke Brent liegt allerdings über 60%:


https://www.finanzen.at/rohstoffe/oelpreis

Daraus kann man schließen, daß die EU-Staaten bereits heute für europäisches Öl mehr bezahlen als für russisches.

Ursprünglich war vorgesehen, daß die EU-Staaten ab dem 5. Dezember 2022 kein per Tanker transportiertes Öl aus Rußland mehr kaufen sollten. (Die Ausdehnung dieser Maßnahme für Pipeline-Öl scheiterte am Veto Ungarns.)
Der groß angekündigte Beschluß, ein Beispiel für die Einigkeit der EU, ist also eine Maßnahme zur Umgehung des seinerzeit auch mit großem Getöse verkündeten Importstops.
Allerdings bleibt von den alten Sanktionen diejenige Maßnahme bestehen, daß Tanker, die russisches Rohöl transportieren, sich nicht mehr bei westlichen Versicherungsgesellschaften versichern lassen dürfen.
Infolgedessen bildet sich derzeit im Schwarzen Meer vor dem Bosporus ein Stau von Tankern, die von der Türkei nicht durch die Meerengen gelassen werden, weil die Versicherungslage unklar ist und Tanker zu Unfällen und dem Verschütten von Öl neigen.

Das meiste Öl, das durch das Schwarze Meer kommt, stammt aus Kasachstan, von wo auch Österreich einen Teil seiner Ölimporte bezieht.
Kasachstan kann sein Öl nur exportieren, indem es durch eine russische Pipeline nach Novorossisk gelangt und von dort per Tankschiff an seinen Zielort gebracht wird.
Diese kasachischen Ölexporte werden jetzt durch die EU-Maßnahme behindert, weil man dem Öl ja nicht ansieht, wo es herkommt. Es könnte also auch locker russisches Öl zu kasachischem erklärt werden – für welches die Ölpreisbeschränkung nicht gilt – und alles wäre wie vorher.
Kontrollieren kann/darf das die EU nicht, die Türkei will es nicht.

Das demokratische Sprachrohr aus Spanien kriegt sich kaum ein über die erfreulichen Wirkungen der Ölpreisbeschränkung:

„Durch die Obergrenze kann Öl weiterhin zu Käufern beispielsweise in Indien, China oder der Türkei fließen“

– was es ja vorher auch konnte. Die EU hat gar kein Mittel, die Ölkauf-Politik dieser Staaten zu beeinflussen. Die Versicherungsfrage wurde durch Versicherer in Asien bewältigt. Sie wird nur schlagend für Öl-Lieferungen in die EU.
Man glaubt es gar nicht, wo dieser Schritt zur Preisbeschränkung für russisches Öl Stirnrunzeln hervorgerufen hat:

„Die Vereinigten Staaten und andere Stimmen hatten ihre Besorgnis über die Möglichkeit geäußert, dass der Kreml den Verkauf (in die EU) einstellen, die Produktion drosseln und die globalen Ölpreise durch Verknappung des Angebots in die Höhe treiben könnte.“ (ebd.)

Die EU-Politiker ärgert Folgendes:

„Russland hat nach Angaben des Instituts CREA (Centre for Research on Energy and Clean Air) vom November mehr als 108.000 Millionen Euro aus Energieverkäufen eingenommen“ (ebd.)

was sich auch fortsetzen dürfte.

Die Besorgnis der USA (und anderer Stimmen) ist nicht ganz unbegründet. Es könnte auch sein, daß Rußland sein Öl verstärkt nach Südostasien verkauft und die EU sich vermehrt in den Golfstaaten eindecken muß.

Es bietet sich das seltsame Bild, daß diverse EU-Politiker und vor allem Medien volles Rohr auf den bösen Putin und seine menschenrechtsverletzende Politik hetzen, während sie auf Knien zu den Golfstaaten um Energie rutschen und sich hüten werden, die Namen Kashoggi, Badawi oder Prinzessin Latifa in den Mund zu nehmen.

Daß der Ölpreis durch dergleichen Manöver wieder in die Höhe schnellt, ist auch möglich.
Das Allerwahrscheinlichste ist jedoch, daß Staaten Südostasiens in Zukunft ihr Öl billiger beziehen als die EU.

29 Gedanken zu “Riskante Spiele um die Energieversorgung

  1. Passend dazu veröffentlicht El País einen umfangreichen Artikel mit dem Titel „Die neuen Herren der Welt“ über die souveränen nationalen Fonds, vor allem aus den Golfstaaten und China, die Stück für Stück westliche Firmen aufkaufen …

  2. OMV: Gashandelstochter OGMT ganz verstaatlichen?

    Alfred Stern bietet die OMV-Gashandelstochter OGMT zur Verstaatlichung an. Was würde das für die Versorgung und Unsicherheiten im Gastransport bedeuten?

    Der Chef des teilstaatlichen Energiekonzerns OMV, Alfred Stern, schlägt vor, die OMV-Gashandelstochter OGMT (OMV Gas Marketing & Trading) ganz zu verstaatlichen. "Die OMV kann nicht ganz Österreich abdecken und hat keinen Versorgungsauftrag. Dafür braucht es eine nationale Gashandelsfirma, die alle Marktaktivitäten bündelt", argumentiert Stern im "Kurier" und ähnlich in der "Presse". Indes bereitet sich der Konzern auch schon auf den Winter 2023/24 vor, betont der Manager.

    Stern gab sich zuversichtlich, dass die OMV wie vor dem aktuellen Winter 2022/23 auch in einem Jahr wieder auf ein Volumen von 80 TWh Gas zugreifen kann – die aus der eigenen OMV-Produktion in Norwegen kommen, aus zusätzlichen Gaslieferverträgen mit Norwegen und Italien sowie über das LNG-Terminal in Rotterdam, an dem die OMV beteiligt ist.

    "Wir bereiten uns bereits auf den nächsten Winter vor. Es bedarf vieler verschiedener Aktivitäten, um über den Winter zu kommen", sagte Stern der Tageszeitung. "Die große Unsicherheit sind aber die Transportkapazitäten nach Österreich, diese müssen sichergestellt werden." Auktionen für die Pipelinekapazitäten für den Winter 2023/24 finden im Sommer 2023 statt. "Unsere Vorbereitungen für die nächsten Auktionen laufen schon", so der OMV-Chef.

    Die OMV tue enorm viel für die Versorgung. Die OMV habe aber nur 45 Prozent Marktanteil und könne aus wettbewerbs- bzw. aktienrechtlichen Gründen als teilstaatliches Unternehmen auch nicht darüber hinaus gehen, so Stern im "Kurier". "Die OMV kann nicht ganz Österreich abdecken und hat keinen Versorgungsauftrag. Dafür braucht es eine nationale Gashandelsfirma, die alle Marktaktivitäten bündelt." Und dafür wäre die OGMT mit ihrer Expertise und Kompetenz eine gute Basis. Das Unternehmen vermarktet das OMV-eigene Gas aus Norwegen und Österreich und beliefert die Kunden des Konzerns.

    Stern wolle die OMV Gas Marketing & Trading aus dem Konzern herauslösen und an den Staat abtreten, sagte der Manager der "Presse". Auf diese Weise sei die Versorgungssicherheit 100 Prozent in österreichischen Händen.

    Die OGMT verkaufte im Vorjahr 156 TWh Gas und machte laut Zeitung einen geringen Gewinn. Reuters schrieb am Montagabend von einem operativen Verlust in der Höhe von 223 Mio. Euro, den das mit dem Namen Gas Marketing Westeuropa geführte Bereich vor Sondereffekten in den ersten neun Monaten heuer verzeichnet habe.

    Über die OGMT laufen laut "Kurier" auch die langfristigen Verträge mit der russischen Gazprom. Ob die Republik diese übernehmen solle ist laut Stern eine Frage der Ausgestaltung. Die Gazprom-Verträge seien "ein besonderes Thema". Schenken könne man der Republik die OGMT nicht, "das muss ordentlich abgearbeitet werden".

    Der Vorstoß des OMV-Chefs kommt laut "Presse" nicht zufällig gerade jetzt. Dieser Tage soll die Staatsholding ÖBAG, die die Anteile der Republik an der OMV von gut 31 Prozent hält, die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie mit McKinsey auf den Tisch legen, die das Finanzministerium vor Monaten beauftragt hat. Die ÖBAG sollte prüfen, wie die Republik ihre Beteiligungsunternehmen besser einsetzen könnte, um die Versorgung des Landes mit Erdgas künftig zu sichern. Hierbei gibt es womöglich Varianten, die beteiligten Unternehmen weniger passen könnten, wie das Abstoßen des Gashandels in staatliche Hände.

    https://industriemagazin.at/news/omv-gashandelstochter-ogmt-ganz-verstaatlichen

    Der Artikel befaßt sich nur mit den Reaktionen innerhalb Österreichs. Interessanter wären jedoch diejenigen in der Rest-EU …

  3. Das Entscheidende an der ganzen Preisdeckelei von russischen Energierohstoffen, um Putin zu schaden ist, das Sanktionen nur funktionieren, wenn die ganze Welt mitmacht. Tut sie aber nicht. 

    Die Saudis kaufen billiges russisches Öl für ihre eigene Energieversorgung und verkaufen ihr Öl nach Europa. Die Europäer schaden sich nur selbst bzw. sie schaden sich selbst sehr viel mehr als Putin. Die Sanktionspolitik ist gescheitert. Aber statt das zur Kenntnis zu nehmen, wird das tote Pferd weiter geritten.
    https://gesundheitskurse-rhein-main.de/50-wege-ein-totes-pferd-zu-reiten/

  4. Die Frage ist hier, was „funktionieren“ heißt.
    Der vorgeschobene Grund, man möchte den Russen ihre Einkünfte schmälern, hat sich ja bereits an der bisherigen Entwicklung blamiert.

    Aber für den Zweck, die Welt in Freunde und Feinde zu teilen und die EU von den russischen Energieträgern zu anderen (USA, Golfstaaten) hin zu bringen, taugen die Sanktionen doch. Und das scheint mir inzwischen der wirkliche Grund zu sein, warum sie erlassen werden.

    Damit wird auch die Einigkeit des westlichen Bündnisses demonstriert, das ja schon ziemliche Brüche zeigt, wie das unter imperialistischen Konkurrenten nicht überraschend ist. Auch dieser Gesichtspunkt sollte nicht unterschätzt werden.

  5. Der anwachsende Stau von Öltankern im Schwarzen Meer wegen der speziellen Versicherungs-Anforderungen von Seiten der Türkei zeigt die Absurdität der Sanktionspolitik deutlich auf.

    Die Türkei verlangt zusätzliche Versicherungsgarantien, daß von den Tankern verursachte Umweltschäden im Bosporus und den Dardanellen restlos abgedeckt werden.

    Die russischen Versicherungen geben diese Garantien auch und unterschreiben alles, sodaß die russischen Tanker durch die Meerengen fahren dürfen.
    Aber das kasachische Öl, das mangels eigener Pipeline über eine russische nach Novorossijsk gelangt und von dort nach Europa verschifft wird, und auf Tankern, die von westlichen Firmen besessen oder geleast werden, nach Europa gelangen soll – das sitzt fest, weil die westlichen Versicherer, die in P&I-Clubs organisiert sind, sich weigern, diese Art von Polizzen für diese Art von Transport auszustellen.

    Es könnte ja sein, daß dort nicht nur kasachisches, sondern russisches Öl ist, und dann machen sie sich der Sanktionsverletzung schuldig!

    (El País, 8.12. – „Stau vorm Bosporus“)

  6. "Der vorgeschobene Grund, man möchte den Russen ihre Einkünfte schmälern, hat sich ja bereits an der bisherigen Entwicklung blamiert."

    Na weil, wie gesagt nicht alle mitmachen.

    "Aber für den Zweck, die Welt in Freunde und Feinde zu teilen und die EU von den russischen Energieträgern zu anderen (USA, Golfstaaten) hin zu bringen, taugen die Sanktionen doch."

    Zum Teil. Denn die EU mag bei den Golfstaaten kaufen. Die Golfstaaten spuken dem Westen aber ins Gesicht. Als Biden die Erhöhung der Ölförderung verlangte, wurde sie demonstrativ gedrosselt. Die haben sich also praktisch an die Seite Russlands gestellt. Also selbst die Polarisierung funktioniert nicht überall im Sinne des Westens.

    Ja gegen die EU funktionieren die Sanktionen wie schon nach dem Anschluss der Krim prächtig. Umso verrückter ist es, wie die EU in die amerikanische Sanktionsfalle tappt und scheinbar nicht genug von Sanktionen bekommen kann.

    Sanktionen sind bloß eine Demonstration der Einigkeit, wenn man sie dazu macht. Einigkeit könnte man auch anders demonstrieren.

  7. @Kehrer

    Na weil, wie gesagt, nicht alle mitmachen.

    Es war eben auch eine sehr unbescheidene Hoffnung, man könnte die ganze Welt auf sein Feinbild verpflichten. Das war einerseits ein Zeichen der Maßlosigkeit der imperialistischen Ansprüche der westlichen Staaten, aber auch ihres Größenwahns, ihrer Selbstüberschätzung.

    Was die Golfstaaten angeht, so haben sich hier eben auch alle verrechnet. Sie spucken aber niemandem ins Gesicht, sondern bleiben genüßlich im lukrativen Geschäft und genießen ihr gesteigertes Gewicht in der Welt.
    Die Zeit, als sie den USA aus der Hand gefressen haben, sind längst vorbei. Sie haben sich bewaffnet, sitzen in den Ökonomien des Freien Westens als Investoren und führen sogar Kriege nach Gutdünken. In Sachen Bündnis sind sie so frei, wie Katar, es sogar mit den USA und dem Iran zu halten.

    Einigkeit könnte man auch anders demonstrieren.

    Das würde voraussetzen, daß es eine solche gibt. Sie ist aber so brüchig, daß es für mehr als solche Demonstrationsakte nicht reicht.

  8. Vor 30 Jahren als Russland am Boden war und China unbedeutend, hätten die USA solch eine globale Allianz vielleicht hinbekommen, – heute ist es tatsächlich maßlose Selbstüberschätzung.

    Das "ins Gesicht spucken" war natürlich vom Standpunkt der USA aus formuliert, deren Begehren sozusagen demonstrativ nicht entsprochen wird. Der mächtigste Mann der Welt lässt sich herab und reist nach Saudi Arabien und ein paar Tage später wird gegenteilig entschieden.  Die Aussage ist: Ihr dürft uns zwar hofieren – wir machen aber trotzdem was wir wollen.

    Das würde voraussetzen, daß es eine solche gibt.

    Nein. Für's "Einigkeit demonstrieren" braucht es keine Einigkeit. Und wie man diese nicht vorhandene bis bröckelnde Einigkeit dann nach außen darstellt ist beliebig. Das geht auch ohne Sanktionen.

  9. Für's "Einigkeit demonstrieren" braucht es keine Einigkeit.

    Eben.
    Demonstrieren muß man sie, wenn sie nicht da ist.

  10. Frankreich, Spanien und Portugal planen eine Wasserstoff-Pipeline von Barcelona nach Marseille, obwohl weder klar ist, wie der Wasserstoff erzeugt werden soll, noch, wofür er verwendet werden soll.

    Verrückt.

  11. Wie Russland die Öl-Sanktionen umgeht

    Mit einer Flotte aus schrottreifen Tankschiffen versucht Russland offenbar, sein Öl nach Asien zu verschiffen. Ein neuer Schattenmarkt entsteht, von dem auch Neulinge profitieren wollen.

    Experten hatten in den vergangenen Monaten immer wieder davor gewarntRussland könnte versuchen, die neuen Sanktionen gegen seine Ölindustrie zu umgehen, indem es eine Schattenflotte von Tankern aufbaut. Nun scheint das Szenario Wirklichkeit zu werden. Die Indizien: Alte eigentliche ausgediente Tankschiffe sind gerade so nachgefragt wie lange nicht mehr, gleichzeitig haben ungewöhnlich viele Tanker den Besitzer gewechselt.

    Schifffahrtsunternehmen haben in den vergangenen Monaten zu Rekordpreisen gebrauchte Öltanker aufgekauft, die Öl aus den russischen Häfen vor allem gen Osten nach Asien verschiffen können. Im Januar lag der Preis für ein 20 Jahre altes Aframax – ein Tanker mit Standardgröße für Ladungen aus den baltischen Häfen – noch bei 11,8 Millionen Dollar, jetzt kosten die Tanker rund 22 Millionen Dollar, so das Schifffahrtsanalysehaus VesselsValue . Ein Anstieg von knapp 90 Prozent. Und das, obwohl Ölkonzerne normalerweise die Tanker nicht länger als 15 Jahre nutzen, danach werden viele verschrottet. Nach Analysen vom Schiffsbroker Clarkson wurden allein in den ersten elf Monaten dieses Jahres mehr Schiffe verkauft als jemals zuvor im gesamten Jahr.

    Der Verdacht: Mit den alten Schiffen könnte Kremlchef Wladimir Putin (70) versuchen, sein Öl doch noch an den Mann zu bringen, nachdem Europa, sein bis vor Kurzem noch wichtigster Abnehmer, weggefallen ist. Seit vergangenem Montag gilt für Mitgliedstaaten der EU ein Importverbot für russisches Rohöl über Seetransport. Auch in Drittstaaten dürfen westliche Reedereien, Versicherer und Broker das russische Öl nicht mehr transportieren, außer wenn es unter dem Preisdeckel von 60 US-Dollar pro Barrel gekauft wurde.

    So schützen Sie Ihr Unternehmen vor CyberattaMoskau war bei den Schiffsdienstleistungen bislang stark abhängig vom Westen. Da sich der Kreml aber auf keinen Preisdeckel einlassen will, sieht es nun so als, als baue Russland eine eigene sogenannte "Schattenflotte" auf, um das Öl vermehrt nach Indien und China zu verschiffen. Mit ähnlichen Praktiken hatten auch schon der Iran und Venezuela Sanktionen umgangen.

    Neulinge steigen ins russische Ölgeschäft ein

    Verkauft werden die in die Jahre gekommenen Tanker häufig von griechischen und norwegischen Reedern an bisher wenig bekannte Unternehmen oder Neulinge in der Branche mit Verbindungen zu China, Russland, Indien und dem Nahen Osten. Laut einer Analyse von VesselsValue  waren die Käufer bei 267 Geschäften zwischen dem 24. Februar und dem 22. November unbekannt, bei weiteren 126 waren sie neu im Sektor. Dies könnte laut Experten ein Anzeichen dafür sein, dass neu erworbene Schiffe in den Handel mit sanktioniertem russischem Öl einsteigen.

    Größe und Art der Schattenflotte sind entscheidend dafür, ob es Russland gelingt, sein Exportgeschäft in gleichem Maße aufrechtzuerhalten wie vor den Sanktionen. Daran hängen nicht nur die Einnahmen des Landes, schließlich ist der Wirtschaftszweig Öl nach wie vor die Haupteinnahmequelle Russlands. Auch das Ölangebot auf dem Weltmarkt hängt von den Exporten ab und folglich auch der Ölpreis.

    Künftig zwei parallele Märkte

    Durch die zahlreichen Eigentümerwechsel könnte sich der Tankermarkt künftig teilen, erwarten einige Fachleute: Ein Teil arbeitet mit westlichen Ölgesellschaften, Banken und Versicherern zusammen. Ein anderer macht mit der Schattenflotte Geschäfte mit dem Iran, Venezuela und zunehmend auch Russland, dem weltweit größten Exporteur von Rohöl und raffinierten Kraftstoffen. "Es entsteht eine neue Art von Schifffahrtsmarkt, parallel zu dem normalen, konformen Markt, in dem die meisten von uns tätig sind", sagte Lars Barstad (50), Vorstandsvorsitzender des Tankereigners Frontline dem Wall Street Journal.

    (…)

    https://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/oel-aus-russland-wie-russland-die-oel-sanktionen-umgeht-und-ein-neuer-schattenmarkt-entsteht-a-4dcae14f-9d7c-4c04-937a-85f128c8fbb1

    Die Begrifflichkeit ist sehr eigenartig. „Putins Öl“ – als ob alles in Rußland Putin gehören würde.

    Besonders interessant sind aber die Ausdrücke „Schattenmarkt“ bzw. „Schattenflotte“. Damit ist nicht mehr und nicht weniger ausgesagt, als daß der Freie Westen bisher über seine Reedereien und Versicherer den Schiffahrts-Markt kontrollierte und daß ihm diese Kontrolle – aufgrund der Sanktionen! – jetzt abhanden kommt.
    Die eigenen Schiffe, Versicherungsgesellschaften und Schiffahrtsunternehmen sind jetzt die Sonnenkinder, die anderen gehören ins Schattenreich – natürlich nur aus europäischer bzw. US-Perspektive.

  12. Eine Freundin hat mich gefragt, warum jetzt in den Medien so gegen Katar und Saudi-Arabien gehetzt wird – obwohl die EU jetzt von ihnen abhängiger ist denn je?

    Ich vermute, das ist für den internen Konsum gedacht – zur Beschwichtigung der Gemüter, die immer noch am Wertewesten hängen.
    Für die wird dann gewettert gegen diese menschenrechtsverstoßenden Regierungen (bis zum Vokabel „Regime“ wollen sich die Medien nicht versteigen, das ist für auszuwechselnde Regierungen reserviert).
    Nach dem Motto: „Wer schimpft, der kauft“.

  13. Frankreich, Spanien und Portugal planen eine Wasserstoff-Pipeline von Barcelona nach Marseille, obwohl weder klar ist, wie der Wasserstoff erzeugt werden soll, noch, wofür er verwendet werden soll.

    In der Tat – verrückt.  Warum ausgerechnet von Barcelona nach Marseille? Zwei Städte am Mittelmeer. Damit die Wasserstofftanker nicht nach Marseille weiter fahren müssen. Falls irgendwann mal Wasserstoff in nennenswertem Umfang produziert und konsumiert wird. Warum keine Ladesäulen in der Wüste bauen. Oder ein McDonalds in der Antarktis?

     Nach Analysen vom Schiffsbroker Clarkson wurden allein in den ersten elf Monaten dieses Jahres mehr Schiffe verkauft als jemals zuvor im gesamten Jahr.

    Elf Monate sind ja fast ein gesamtes Jahr. Warum schreibt er nicht: es wurden dieses Jahr mehr Schiffe verkauf als jemals zuvor. 

    Besonders interessant sind aber die Ausdrücke „Schattenmarkt“ bzw. „Schattenflotte“….

    Ja – gute Beobachtung.

    Ich vermute, das ist für den internen Konsum gedacht – zur Beschwichtigung der Gemüter, die immer noch am Wertewesten hängen.

    Es wird ja nicht mehr Öl und Gas konsumiert, wenn man hetzt. Insofern verstehe ich nicht, wie die Hetze den Konsum befördern soll. Ich denke eher die Medien haben ein Gerechtigkeitsproblem. Ihnen leuchtet das Argument ein, dass man sich die Staaten, von denen man Öl und Gas kauft nicht aussuchen kann, weil dann die Energieversorgung zusammenbricht.

    Und wenn gegen den bösen Putin gehetzt und sanktioniert wird, muss man eben auch  gegen die Saudis und Katarer hetzen. Das ist man sich von seinem hohen Wertethron herunter einfach schuldig. Irgendwie eine Selbstvergewisserung der eigenen wertemäßigen Überlegenheit. Die Fortsetzung westlicher Aufgeblasenheit und Arroganz. Schließlich bröckeln sonst die Rechtfertigungen des Wirtschaftskriegs gegen Russland, der Europa gerade in die Rezession treibt. Da muss die Ideologiefront eben stehen wie eine Eins.

  14. Mit „interner Konsum“ meinte ich die ideelle Aufrüstung im Lande.
    Nach innen soll weiter auf Werte gemacht werden, als Mittel der Außenpolitik hat sich das in den Golfstaaten aufgehört.

  15. Was man so über den sogenannten Gaspreis-Deckel erfährt, ist er keiner.
    Die Begrenzung dessen, wann er angewendet wird, ist mit so vielen Wenns und Abers versehen worden, daß die Sache über eineen frommen Wunsch nicht hinauskommt.

  16. Du meinst jetzt den EU Deckel beim Gaseinkauf. Nicht die Energiepreisbremse.

    Dass es mehr als ein frommer Wunsch ist merkt man daran, dass die TTF damit droht ins Eu-Ausland abzuwandern. 

    In trockenen Tüchern ist das Ganze noch nicht – auch weil unter anderem der Betreiber des betroffenen Handelsplatzes TTF damit droht, den derzeit in den Niederlanden angesiedelten Handelsplatz ins EU-Ausland zu verschieben. Sollte der Mechanismus beschlossen werden, müsse man alle Optionen prüfen bis hin zu der Frage, ob ein effektiver Markt in den Niederlanden noch lebensfähig sei, teilte der Betreiber Intercontinental Exchange (ICE) mit.

    Aufgeweicht wurde der Deckel allerdings recht stark unter anderem durch den Einfluss des dummen Habeck und seiner Einflüsterer aus der Energiewirtschaft.  

    Scholz befürchtet Versorgungslücke

    Bundeskanzler Olaf Scholz ist mit Blick auf den Gaspreisdeckel deshalb immer schon skeptisch gewesen. Er fürchtet, dann könne Europa tatsächlich ein Versorgungsproblem bekommen, spätestens zum Winter 2023/2024, weil Gaslieferanten den Höchstpreis nicht akzeptieren. Doch Deutschland kann sich dem wachsenden Druck der anderen EU-Staaten kaum noch entgegenstellen.

    Stattdessen versucht man zusammen vor allem mit den Niederlanden und den Skandinaviern, den Deckel möglichst hoch anzusetzen. Die EU-Kommission hatte einen Preis von 275 Euro pro Megawattstunde vorgeschlagen – an der Marke kratzte der Preis wenige Tage lang im Sommer, als der Markt quasi leer gekauft war. Die Südeuropäer lehnten deshalb ab.

    Also einfach den Deckel so weit oben ansetzen, dass er gar nichts deckelt, sondern dass er wie ein Heiligenschein über dem tatsächlichen Börsenpreis schwebt.  Scholz formuliert das programmatisch so: 

    "Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich beim EU-Gipfel in der vergangenen Woche zuversichtlich geäußert, dass die Energieminister ein „sehr gutes Ergebnis“ erzielen könnten. Zugleich müsse die Preisobergrenze für den Großhandel so hoch sein, dass sie möglichst „niemals relevant“ werde, betonte er."

    Obwohl ich eigentlich ständig darauf hinweise, kann man auch hier sehen, wie die Ampel denkt. In den Markt eingreifen? – Um Gottes Willen – Teufelszeug – macht drei Kreuze. Alles nur das nicht. In Jungfrauenblut baden? – zwar nicht ok, aber immer noch besser als in den Markt eingreifen – das ist ein Sakrileg. Chancellor's Creed sozusagen – Kanzlers Glaubensbekenntnis. Wenn's dann aber doch nicht anders geht, dann ein Eingriff, der so sehr aufgeweicht wird, dass er praktisch bloß theoretisch auf dem Papier existiert und nie zum realen Eingriff wird.

    Mitte November legte die EU-Kommission dann einen Vorschlag vor, mit dem eine Obergrenze nur unter hohen Auflagen im europäischen Großhandel für Gas greifen würde. Für diesen sogenannten Marktkorrekturmechanismus zeigte sich Deutschland offen, andere Länder sahen ihn als zu lasch an. Die spanische Energieministerin Teresa Ribera bezeichnete den Kommissionsvorschlag als „schlechten Scherz“.

    Jetzt wurde sich offenbar auf 180 € geeinigt. Die Bedingungen sind folgende:

    – Der Deckel gilt demnach für alle Handelspunkte in der EU. Die Kommission könne aber einzelne Handelspunkte von der Regelung ausnehmen. Für den außerbörslichen Handel greift der Deckel zunächst nicht.

    – Die Preisgrenze soll greifen, wenn der Preis von Gas zur Lieferung im kommenden Monat an drei Werktagen die Schwelle von 180 Euro pro Megawattstunde überschreitet. Ist der Preisdeckel einmal in Kraft, gilt er für mindestens 20 Tage. Fallen die Marktpreise für drei Tage unter 180 Euro, wird der Deckel wieder ausgesetzt.

    – Zusätzlich muss der gedeckelte Preis mindestens 35 Euro über einem internationalen Referenzpreis für Flüssigerdgas (LNG) liegen. Steigt der Referenzpreis über 145 Euro, wird der Deckel entsprechend angehoben. So soll die EU im Bieterwettstreit um LNG-Lieferungen flexibel bleiben.

    – Auch falls die LNG-Importe plötzlich signifikant sinken, wird die Obergrenze automatisch ausgesetzt. Ebenso falls der Gasverbrauch in der EU signifikant steigt.

    1. Wer also Gas über der Preisgrenze kaufen will, darf das Gas bloß nicht an der Börse kaufen.

    2. Ab einem Weltmarktpreis von 145 €, liegt der Preisdeckel bei 35€ + Weltmarktpreis. d.h. die EU zahlt immer 35 € mehr als der Weltmarktpreis, aber nicht mehr.

    3. Steigt der Gasverbrauch in der EU oder sinken die Importe gibt es keinen Deckel

    Das heißt der Deckel wirkt gegen spekulative Ausschläge des Preises. Aber wenn der Markt nunmal so ist, sei es weil der Weltmarktpreis hoch ist, oder weil es den Bedarf gibt, wird nichts gedeckelt.

  17. Na ja, Deutschland will weiter mit der vollen Brieftasche einkaufen, und andere Staaten stört das. Also mußte irgendeine Formel gefunden werden, nach der alles beim Alten bleibt, aber so getan wird, als hätte man sich geeinigt.

    Zur Ergänzung nur einmal den Anstieg und die neueren Schwankungen des Gaspreises:

    Gaspreis 3 Jahre

    Gaspreis 3 Monate

    Er scheint in nächster Zeit um den Wert von 6 zu schwanken, das ist ca. das Dreifache wie in der 1. Hälfte 2019, und wird vermutlich nicht mehr wesentlich sinken.

  18. Die arbeiten sich an dem Widerspruch ihrer eigenen Marktkonstruktion ab. Gas soll einerseits an der Börse gehandelt werden. Wenn die Börse aber unfunktional wird, weil der Gaspreis explodiert, wenn der wichtigste Gaslieferant komplett ausfällt, muss in den Markt eingegriffen werden. Einerseits soll der Gaspreis im Rahmen bleiben, weil Energie ein Grundstoff ist und alle Preise in die Höhe treibt, andererseits soll aber die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben. Nun ist der explodierende Gaspreis das Resultat dessen, wenn auf einem gemessen am Bedarf unterversorgten Markt, Versorgungssicherheit hergestellt werden soll. Man will also 1. den Markt, man will 2. Versorgungssicherheit, aber das Resultat dessen, nämlich explodierende Preise, will man nicht. 

    Und dieser Widerspruch hat dann vorliegende Verlaufsform, eines gedeckelten Preises, der aber die Ursache der Preisexplosion, nämlich die Herstellung von Versorgungssicherheit nicht antasten soll.

  19. Noch als Ergänzung: Diese ganze Nebelgranaten-Politik rund um den Gaspreis hat natürlich auch damit zu tun, daß die EU Subventionen nicht gerne genehmigt, das soll also möglichst intransparent bleiben.

    Denn:

    „Staatshilfe unterliegt europäischen Regeln. Die EU-Kommission als Hüterin eines fairen Wettbewerbs prüft, ob diese diskriminierend in den Markt eingreift. Wenn Deutschland beispielsweise ein bestimmtes Unternehmen so stark bezuschussen würde, dass es einen Konkurrenten aus einem anderen Land aus dem Markt drängen könnte, wäre dies nicht mit EU-Wettbewerbsrecht vereinbar. Durch die Wettbewerbsregeln soll auch sichergestellt werden, dass keine Monopole entstehen, die willkürlich Preise erhöhen könnten.“

    (Standard, 20.12.)

  20. Zufall?
    Unfall?

    Russland meldet Explosion an Gaspipeline in Tschuwaschien: Drei Tote

    An der Gaspipeline Urengoi-Pomary-Uschhorod in Russland hat es am Dienstag eine Explosion gegeben. Drei Arbeiter, die an der für den Export von sibirischem Gas in europäische Länder bestimmten Pipeline gearbeitet hatten, seien bei einer „heftigen Entzündung von Gas“ während Arbeiten an der Leitung ums Leben gekommen, erklärte der Präsident der russischen Teilrepublik Tschuwaschien, Oleg Nikolajew, im russischen Fernsehsender Rossia 24. Ein Mensch wurde Ermittlern zufolge verletzt.

    Auf Fotos und Videos war ein riesiger Feuerschwall zu sehen. An der Leitung in Tschuwaschien, das rund 600 Kilometer östlich von Moskau liegt, hatte es zuvor nicht näher erläuterte Arbeiten gegeben.

    Trotz der Explosion strömt das Erdgas nach russischen Angaben weiter. Der „Gastransport zu den Verbrauchern“ sei „über parallele Rohre vollständig gewährleistet“, erklärte die für den Betrieb der Pipeline zuständige Tochtergesellschaft des russischen Gaskonzerns Gazprom. 

    Die Gasflamme an der Unfallstelle sei gelöscht, erklärte das tschuwaschische Ministerium für Katastrophenschutz im Onlinedienst Telegram. Das in Russland für schwere Verbrechen zuständige Ermittlungskomitee eröffnete nach eigenen Angaben eine Untersuchung wegen „Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften in der Industrie“.

    Die noch zu sowjetischen Zeiten eröffnete Leitung ist auch unter dem Namen Bruderschaft-Pipeline bekannt. Sie hat eine zentrale Bedeutung für die Ausfuhr russischen Erdgases nach Europa. Die Urengoi-Pomary-Uschhorod-Pipeline verbindet nordrussische Gasfelder mit der Stadt Uschhorod in der Westukraine. (…)

    https://www.msn.com/de-de/nachrichten/welt/russland-meldet-explosion-an-gas-pipeline-bei-kasan-offenbar-drei-tote/ar-AA15uqgb?li=BBqg6Q9

  21. Gaslieferant Katar lässt nach Korruptionsskandal Muskeln spielen

    Seit bekannt wurde, dass Katar Einfluss auf EU-Parlamentarier nehmen wollte, wird die Rolle des Golfstaats bei der Gasversorgung Europas abgeklopft

    Ein hochrangiger Diplomat aus Katar hat gemeint, der Umgang Brüssels mit dem Korruptionsskandal könne die Sicherheitskooperation und Diskussionen über die globale Energiesicherheit zwischen der EU und dem gasreichen Golfstaat "negativ beeinflussen". Das Emirat habe jedoch nicht vor, Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG; Liquified Natural Gas) zu kürzen oder Gasexporte zu politisieren, berichtete die Financial Times am Sonntag unter Hinweis auf besagten Diplomaten. In Europa macht sich dennoch Verunsicherung breit, weil die Suche nach Ersatz für russisches Erdgas nicht einfacher wird.

    Frage: Welche Rolle hat Katar bisher als Gaslieferant für Europa gespielt?

    Antwort: Eine eher untergeordnete. Das meiste Gas, das die Katarer erzeugten, ging bisher per Schiff nach Asien. Zu den Hauptabnehmern zählten Japan, Südkorea und Indien, in zunehmendem Maße auch China. In Zentral- und Osteuropa hingegen kam LNG aus Katar, aber auch aus anderen Weltgegenden gegenüber Pipelinegas aus Russland kaum an. Es kostete schlicht zu viel. (…)

    Frage: Welche Stellung hat Katar als Gasexportland?

    Antwort: Katar ist nach Australien der weltweit zweitgrößte Exporteur von LNG und auf dem besten Weg zur Nummer eins. Ausschlaggebend ist ein riesiges Gasfeld vor der Küste des Landes, das 1971 entdeckt wurde, das übrigens das weltweit größte zusammenhängende ist – North Field und South Field. Es ist Teil des South-Pars-Gasfelds, das auf iranischem Territorium liegt.

    Frage: Wie hoch ist mittlerweile der Anteil Katars an den gesamten LNG-Importen Europas?

    Antwort: Der dürfte bei rund 15 Prozent liegen. Die USA sind bei LNG wichtig für Europa. Inklusive Pipelinegas beträgt der Anteil Katars an den gesamten Gasimporten der EU-27 rund fünf Prozent. Für den britischen Markt liegt der Anteil von LNG-Importen aus Katar mit rund 30 Prozent deutlich höher als auf dem Kontinent.

    Frage: Gibt es Unterschiede, was die Abhängigkeit Europas von LNG-Lieferungen aus Katar betrifft?

    Antwort: Große. Während Belgien (rund 52 Prozent und Italien (etwa 48 Prozent) relativ hohe Anteile von LNG aus Katar an den Gesamtimporten verflüssigten Erdgases aufweisen, sind die Anteile in Frankreich (sechs Prozent) und Spanien (fünf Prozent) eher gering.

    Frage: Bezieht auch Österreich LNG aus dem Golfstaat?

    Antwort: Die OMV hat 2017 einen Vertrag mit Qatargas über LNG-Lieferungen abgeschlossen. Die Vereinbarung sieht vor, dass die staatliche Gasgesellschaft Katars zwischen 2019 und 2023 jährlich bis zu 1,1 Millionen Tonnen LNG an die OMV liefert. Das Gas gelangt per Schiff nach Rotterdam und von dort nach dem Regasifizierungsprozess in das Pipelinesystem. Zum Auftragswert wurde weder damals Angaben gemacht, noch werden sie heute spezifiziert.

    Frage: Wollte Österreich nicht weitere Gaslieferungen aus Katar vereinbaren?

    Antwort: Tatsächlich ist eine Regierungsdelegation mit Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) an der Spitze Anfang März in Doha vorstellig geworden, um, wie es damals hieß, Österreich einen guten Platz auf der Liste der Gaskunden zu sichern. Katar sei nicht nur ein großer Gasproduzent, sondern auch "ein ganz wichtiger politischer Player in diesem Raum, und zwar weit über seine Landesgrenzen hinaus", sagte Nehammer zwecks Begründung der Reisediplomatie. Konkreteres als eine Absichtserklärung gibt es bis heute nicht.

    Frage: Warum nicht?

    Antwort: Katar ist an langfristigen Lieferbeziehungen mit potenziellen Gaskunden interessiert, zumal das Land Milliardeninvestitionen tätigen will, um die Produktionskapazitäten in den kommenden Jahren zu verdoppeln. So lange will sich Österreich und wollen sich auch andere Länder nicht binden, weil man über kurz oder lang ganz vom Gas wegkommen will. Deutschland hingegen hat nicht zuletzt auf Druck der stark von Gas abhängigen Industrie erst Ende November einen Vertrag fixiert. Die LNG-Lieferungen werden 2026 beginnen und mindestens 15 Jahre laufen. Jährlich sollen bis zu zwei Millionen Tonnen LNG nach Deutschland gehen, wobei man sich eines US-amerikanischen Zwischenhändlers – Conoco Philipps – bedient.

    Frage: Wie hoch ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass Katar trotz diplomatischer Verstimmungen wegen des Korruptionsskandals, in den neben dem Golfstaat auch Marokko involviert ist, zu seinen Lieferverträgen steht?

    Antwort: Beobachter gehen davon aus, dass es sich beim jüngsten Muskelspiel mehr um Theaterdonner handelt und dass sich das Emirat letztlich vertragsgemäß verhalten wird. Dies nicht zuletzt deshalb, weil eine erkleckliche Zahl westlicher Unternehmen wie Total Enegies, Shell, Eni, Exxon Mobile und Conoco Philipps in das Projekt rund um die Entwicklung der Gasfelder North Field und South Field involviert sind. Deshalb, so die Überlegung, sei davon auszugehen, dass Katar auch in Zukunft Interesse habe, LNG nach Europa zu exportieren.

    Frage: War nicht auch die OMV einmal im Gespräch, bei diesem riesigen Gasfeld eine Rolle zu spielen?

    Antwort: In der Tat war das so, nicht aufseiten der Katarer, sondern bei South Pars im Iran. Im Frühjahr 2007 unterzeichnete OMV mit der National Iranian Oil Company (Nioc) eine Absichtserklärung betreffend möglicher Beteiligungen des Unternehmens an der Entwicklung von Teilen des South Pars Gasfelds im Persischen Golf. Die Absichtserklärung umfasste auch den Bau einer Verflüssigungsanlage für LNG sowie Bezugsverträge von Erdgas, das auf minus 162 Grad Celsius verflüssigt wird und auf Schiffe verladen werden kann. Die anschließenden Sanktionen ließen das Projekt nie abheben.

    https://www.derstandard.at/story/2000141978138/gaslieferant-katar-laesst-nach-korruptionsskandal-muskeln-spielen

  22. Die Erdgaslücke

    Die EU steht 2023 vor einer dramatischen Lücke in ihrer Gasversorgung. Da sie wohl den Weltmarkt leerkaufen wird, droht dem globalen Süden noch gravierenderer Flüssiggasmangel als 2022.

    Deutschland und die EU stehen unabhängig vom neuen EU-Gaspreisdeckel in diesem Jahr vor einer massiven Versorgungslücke beim Erdgas. Dies geht aus Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor. Demnach ist unklar, woher gut 30 bis 60 Milliarden Kubikmeter Gas kommen sollen, die benötigt werden, um das Jahr 2023 und den folgenden Winter zu überstehen. Der Preisdeckel soll verhindern, dass die Kosten für Erdgas im Sommer so exzessiv in die Höhe schnellen wie in diesem Jahr. Allerdings drohen von Berlin durchgesetzte Ausnahmeregeln dafür zu sorgen, dass er, wenn es auf ihn ankommt, außer Kraft gesetzt wird. Den Ausstieg aus russischem Pipelinegas, dem die Versorgungslücke geschuldet ist, hat die EU mutwillig beschlossen. Während sie selbstverschuldet von Mangel bedroht ist, gilt dies nicht für Länder des globalen Südens, die schon in diesem Sommer zeitweise überhaupt kein Flüssiggas mehr erhielten, weil die EU-Staaten es ihnen dank ihrer Finanzkraft vor der Nase wegkauften. Ihnen droht, weil weltweit viel weniger Flüssiggas zur Verfügung steht, als benötigt wird, noch krasserer Mangel als dieses Jahr.

    (…)

    https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9120

  23. Ist das oben der Weltmarktpreis? Und die erwähnt 6 hat welche Einheit? 6 Us Cent pro Kilowattstunde. Hier mal der TTF – Erdgaspreis pro Megawattstunde, weil man hier die Zahlen des jetzigen EU-Deckels von 180 € pro MWh besser einordnen kann. Am 19.12.2022 lag der Schlusskurs bei 106,53 € pro Megawattstunde.

    Wenn man sich diese Kurve mal anschaut, fällt zunächst auf, dass bei Kriegsbeginn der Kurs nach oben schnellt und sich dann wieder normalisiert. Erst ab Mitte Juni erklimmt der Gaspreis schwindelnde Höhen und bleibt auch hoch. Das erste ist ein Spekulationspeak. Der zweite Anstieg hängt wohl damit zusammen, dass die Nationen langsam realisieren, dass russisches Gas ausbleiben wird und die Gasversorger mit staatlichem Geld wie blöd Gas einkaufen.

  24. Als Reaktion auf die Gaspreisobergrenzen-Regelung der EU hat Putin ein Dekret erlassen, das es Gazprom untersagt, Zahlungen an Unternehmen aus „unfreundlichen Staaten“ zu leisten.

    Das betrifft vor allem Wintershall DEA(D) und OMV (Ö), die in Nordwestsibierien jeweils ein Joint Venture zur Erdgasföderung mit Gazprom betreiben. Im Vergleich zur sonstigen Erdgasförderung in Rußland sind diese Unternehmen jedoch vernachlässigenswert.

    (KP, 23.12.)

  25. Goldman Sachs: Europa dürfte den Gaskrieg gewonnen haben

    Der Preis für Gas könnte sich diesen Winter halbieren, schätzt die US-Bank in einer neuen Analyse. Denn die Versorgungsprobleme Europas seien „erfolgreich gelöst“ worden. Fällt der Gaspreis am Ende des ersten Quartals 2023 unter die magische 100 Euro Marke?

    Mit einer überaus optimistischen Einschätzung für den Gasmarkt lässt die US-amerikanische Bank Goldman Sachs aufhorchen: Europa dürfte die russischen Gaskürzungen in diesem Winter verkraften, da die Versorgungsprobleme "erfolgreich gelöst" wurden. Im Basisszenario für den kommenden Winter würden die Großhandelspreise für Erdgas bis zum Ende des ersten Quartals des nächsten Jahres von etwa 215 Euro pro Megawattstunde auf unter 100 Euro pro MWh sinken.

    Europa gelinge es, trotz Abschaltung der Pipeline Northstream 1, weiterhin erfolgreich, die Gasspeicherstände zu erhöhen. Man geht davon aus, dass die Speicher aufgrund erfolgreicher Lieferanten-Diversifikation bereits bis Ende Oktober im Durchschnitt zu 90 Prozent gefüllt sein werden – zur Erinnerung: das EU-weite Ziel lautete 80 Prozent bis zum 1. November. Der aktuelle Füllstand der österreichischen Gasläger beträgt 71,9 Prozent, ein Plus von 0,34 Prozent zum Vortag, und rund 65 Prozent des gesamten Österreichischen Jahresgasverbrauchs. Alle Europäischen Füllstände können Sie tagesaktuell hier nachlesen.

    Schon ein Nachlassen der Hamsterkäufe der vergangenen Monate (zur Auffüllung der Speicher) dürfte den deutlich nachlassenden Preisdruck der letzten Wochen erklären. "Die unbefristete Reduzierung der NS1-Exporte auf Null ließ Nordwesteuropa ohne russisches Gas dastehen. Während wir oft die Frage hören, was dies für die Speicher bedeutet, glauben wir, dass ein besserer Ansatz darin besteht, zu fragen, was dies für die Preise bedeutet, so dass die Speicher weiterhin nach Bedarf aufgebaut werden können." so Samantha Dart, Analystin von Goldman Sachs.

    "Diese Herausforderung hat Europa gemeistert" so die Dart. "Mit einer Kombination aus Verbrauchsdämpfung und dem Aufbau neuer Flüssiggas-Lieferketten aus anderen Teilen der Welt." Im Basis-Szenario geht Goldman Sachs überdies von einer weiteren Erholung der Gaspreise nach dem ersten Quartal 2023 aus.

    https://industriemagazin.at/energie/goldman-sachs-europa-duerfte-den-gaskrieg-gewonnen-haben/

    „Abschaltung“ ist eine liebliche Art, die Sprengung zu umschreiben …

  26. Tanner warnt vor Blackouts in Teilen der EU in "naher Zukunft"

    Verteidigungsministerin Tanner rechnet schon bald mit großflächigen Stromausfällen in der Europäischen Union, wie sie in einem Interview mit der deutschen Tageszeitung "Welt" sagte. "Die Frage ist nicht, ob er kommt, sondern wann er kommt", so Tanner. Das Risiko für einen flächendeckenden Stromausfall habe sich durch den Ukraine-Krieg noch einmal deutlich erhöht, betonte sie.

    "Für Putin sind Hackerangriffe auf die westliche Stromversorgung ein Mittel der hybriden Kriegsführung. Wir sollten nicht so tun, als ob das nur Theorie wäre. Wir müssen uns in Österreich und in Europa auf Blackouts vorbereiten", so Tanner.

    Diese Einschätzung wird nicht von allen geteilt. Alfons Haber, der mit Wolfgang Urbantschitsch die Doppelspitze der E-Control bildet, sagte im Gespräch mit dem STANDARD kürzlich in Bezug auf Österreich: "Die Versorgung mit Strom und Gas ist sichergestellt, auch wenn wir uns nach wie vor in einer angespannten Situation befinden. Wir beobachten die Märkte sehr genau und können derzeit kein signifikant erhöhtes Risiko für einen länger andauernden, großflächigen Stromausfall erkennen."

    https://www.derstandard.at/jetzt/livebericht/2000142104751/1000292390/russischer-aussenminister-lawrow-bekraeftigt-forderungen-nach-entmilitarisierung-der-ukraine

    Alles halb so wild, meint ein Artikel in der gleichen Zeitung:

    Risiko eines flächendeckenden Stromausfalls geschrumpft

    Die Befürchtung war groß, im Winter könnte es zu einem Blackout kommen. Diese Gefahr wird nun als gering eingeschätzt, auch wegen der milden Temperaturen

    Es ist wohl eine der ungemütlichsten Vorstellungen abseits von Krieg und anderen Katastrophen: stundenlang, womöglich tagelang ohne elektrische Energie auskommen zu müssen, weil das Stromnetz wegen Überlastung zusammengebrochen ist. Warnungen, dass gerade die Wintermonate ein erhöhtes Blackout-Risiko bergen, gibt es nicht erst seit dem Einmarsch von Putins Truppen in die Ukraine, seither aber besonders eindringlich.

    Zumindest für diesen Winter gibt es nun aber Entwarnung, und das von kompetenter Stelle. Es ist die Regulierungsbehörde E-Control, die diese Einschätzung trifft.

    "Die Versorgung mit Strom und Gas ist sichergestellt, auch wenn wir uns nach wie vor in einer angespannten Situation befinden. Wir beobachten die Märkte sehr genau und können derzeit kein signifikant erhöhtes Risiko für einen länger andauernden, großflächigen Stromausfall erkennen", sagt Alfons Haber im Gespräch mit dem STANDARD. Der gebürtige Kärntner bildet mit Wolfgang Urbantschitsch die Doppelspitze der E-Control.

    Dabei waren die Vorzeichen alles andere als gut. Ein Großteil der französischen Atomkraftwerke (AKWs) lieferte monatelang keinen Strom, weil sie wegen dringend notwendiger Revisionsarbeiten vom Netz mussten. Das hatte zur Folge, dass das traditionelle Stromexportland Frankreich zum Importeur wurde.

    Weil die Stromnetze in Europa eng miteinander verwoben sind, war Frankreichs "Schubumkehr" auch andernorts zu spüren – in Form höherer Strompreise, die Knappheit signalisieren. Mittlerweile hat sich die Situation gebessert; zwei Drittel der 56 französischen AKWs sind in Betrieb, Frankreich exportiert wieder Strom, einiges an Leistung kommt laut Haber in absehbarer Zeit noch dazu.

    Milde Temperaturen helfen

    Schlecht war über den Sommer auch die Wasserführung. Das hat abgesehen von der verringerten Stromproduktion in Laufkraftwerken auch zu Problemen beim Transport von Brennstoffen geführt. So konnte etwa Kohle aufgrund des Niedrigwassers am Rhein wochenlang nicht zu den Kraftwerken gebracht werden. Auch wenn die Wasserführung über die Wintermonate unter der von Normaljahren bleiben sollte – Probleme in der Stromversorgung oder gar Abschaltungen seien deshalb nicht zu erwarten.

    Was aber wäre, wenn viele Leute an kalten Tagen statt mit Gas mit Strom heizen würden? Schließlich wird der Strompreis in Österreich seit Anfang Dezember bis zu einem gewissen Ausmaß gestützt, der Gaspreis aber nicht.

    Run auf Heizstrahler

    "In Deutschland haben sich rund 600.000 Haushalte Heizstrahler oder so etwas Ähnliches angeschafft. Wenn man das leistungsmäßig auf Österreich umlegen würde, ginge sich das mit dem Netz aus", sagt Haber. "Es würde die Situation an kalten Tagen aber verschärfen."

    Wichtig wäre jedenfalls, Spitzen beim Stromverbrauch zu vermeiden, das heißt einen Modus finden, dass nicht alle zur selben Zeit Strom ziehen, sondern schön verteilt über den Tag. Auch sei zu bedenken, dass Heizstrahler nicht unbedingt den besten Wirkungsgrad haben.

    Ein so starker Run auf Stromheizungen wie diesen Herbst in Deutschland und in abgeschwächter Form in Österreich sei zuletzt 2009 und 2013 in Ungarn und Rumänien zu sehen gewesen. Damals kam in beiden Ländern ausgerechnet im kältesten Monat Jänner beinahe 14 Tage lang kein Gas aus Russland an.

    Gasspeicher gut gefüllt

    Für Entspannung sorgt heuer die Tatsache, dass die Gasspeicher gut gefüllt sind: kurz nach Weihnachten EU-weit durchschnittlich noch zu 83 Prozent, in Österreich zu fast 86 Prozent. Wegen der vergleichsweise milden Temperaturen begann die Heizsaison später als üblich; aufgrund des Weihnachtstauwetters konnte in den vergangenen Tagen europaweit unterm Strich sogar mehr Gas eingespeichert werden, als den Speichern entnommen wurde.

    https://www.derstandard.at/story/2000142101568/risiko-eines-flaecheneckenden-stromausfalls-geschrumpft

    Eigenartig, alle diese Beruhigungsartikel nach der Panikstimmung im Sommer.

  27. Ab dem 1. Januar 2023 erhöht Kiew die Tarife für das Pumpen von Öl durch die Druschba-Ölpipeline durch das Gebiet der Ukraine um 18,3%.
    Die Website von Transneft berichtet, dass der Tarif für das Pumpen in Richtung Slowakei und Ungarn um 2 Euro erhöht wird – bis zu 13,6 Euro pro Tonne.
    Zuvor hatte Bloomberg unter Berufung auf einen Brief von Ukrtransnafta berichtet, dass die Ukraine plant, die Gebühren für den Transit von russischem Öl über Druschba nach Osteuropa im Jahr 2023 zu erhöhen.
    Grund sei „die anhaltende Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur“, die „zu einer erheblichen Stromknappheit, einem Anstieg der Stromkosten, einem Mangel an Treibstoff und Ersatzteilen“ geführt habe.

    Nun, der Grund ist natürlich gewichtig. Aber es wird bald an Relevanz verlieren.

    (KP, 27.12.)

    Der letzte Satz ist kryptisch. Man sieht jedenfalls, wie die EU für den Krieg in der Ukraine an jeder Front zur Kasse gebeten wird.
    Ebenfalls läßt sich erkennen, daß die Ukraine auf das Transitgeschäft nicht verzichten will. Abgesehen davon, daß die eigene Energieversorgung auch von den russischen Lieferungen abhängig ist.

  28. OMV-Probebohrungen im Weinviertel

    Die OMV führt im Weinviertel Probebohrungen an einem Gasfeld durch. Noch kann das dort geförderte Gas nicht verwendet werden. Könnten die Pläne der geplanten Energiewende schaden? Und wie sehen Experten die mögliche Förderung von Gas in Niederösterreich?

    (…)

    Laut der Geologischen Bundesanstalt in Wien geht die Gasproduktion in Österreich zurück. Derzeit werden acht Prozent des Bedarfs durch inländische Produktion abgedeckt, Ende der 1970er Jahre wurde noch das vierfache der Gasmenge aus der Erde geholt.

    Nach wie vor fördert die OMV beträchtliche Gasmengen in Russland, wo sie mit knapp 25 Prozent am westsibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt ist. Im März 2022 hatte die OMV als Konsequenz des Ukraine-Krieges eine Prüfung aller Optionen für ihr Russland-Geschäft angekündigt, inklusive eines Verkaufs. Während der deutsche Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea – die Deutschen halten 35 Prozent an Juschno Russkoje – erklärt hat, dass eine Fortführung der Geschäfte in Russland nicht mehr haltbar sei, hat die OMV noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen. Das sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters.

    https://industriemagazin.at/news/omv-probebohrungen-im-weinviertel/

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