Serie „Lateinamerika heute“. Teil 7: Puerto Rico

VERWÜSTUNG

„Alles ist eine Wüste
Das Volk ist gestorben
an Not“ (Rafael Hernandez „El Jibarito“ – Puertorikanische Klage, 1929)

Zuletzt war Puerto Rico in den Medien, als der Hurrikan Maria im September des Vorjahres die Insel ohne Strom und Trinkwasser hinterließ und fast 3000 Tote forderte.
Heute, mehr als ein Jahr später, ist nur ein Teil des Schadens repariert. In erster Linie wurde diejenige Infrastruktur in Gang gesetzt, die mit dem Tourismus zusammenhängt, der dringend benötigte Einnahmen bringt.
Puerto Rico war, ungeachtet seines Namens („Reicher Hafen“), nämlich schon vorher ziemlich in Schwierigkeiten.


Teil der USA ohne Rechte

Puerto Rico gehörte seit den Anfängen desselben, also seit 1493 zum spanischen Kolonialreich und verblieb dort auch, nachdem sich das Festland von Mexiko bis Patagonien aus diesem gelöst hatte. Die Reste der spanischen Besitzungen in der Karibik wurden rund um die kubanischen Unabhängigkeitskriege von den USA annektiert, so auch Puerto Rico im Jahr 1898.
Die USA hatten lange kein Interesse daran, sich in die Karibik auszudehnen. Sie begnügten sich damit, das Festland Lateinamerikas zu ihrer Einflußzone zu machen, in Konkurrenz mit dem British Empire.

Das Interesse an der Karibik als Vorhof der USA erwachte gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die USA sich eine Kriegsflotte zulegten und begannen, über einen Kanal durch Mittelamerika nachzudenken. Sie wollten sich die Karibik für Stützpunkte sichern, mischten sich deshalb in den kubanischen Unabhängigkeitskrieg ein und vertrieben die Spanier.
Damals besetzten die US-Streitkräfte Puerto Rico. Diese de facto-Inbesitznahme wurde durch den Pariser Vertrag von 1899 besiegelt. Seither gehört Puerto Rico den USA, als ihr Territorium.

Zunächst war Puerto Rico militärisch besetztes Territorium. Es war eine Art Kolonie, aber dieser Status wurde nie offiziell als solcher benannt.
Mit dem Foraker Act von 1900 wurde eine zivile Verwaltung mit sehr beschränkten Befugnissen eingesetzt. Die Regierung wurde von den USA ernannt, die Selbstverwaltung beschränkte sich – ähnlich wie in der spanischen Kolonialverwaltung – auf die Gemeindeebene. Wahlen für eine Art Parlament waren eine Farce. Das Rechtssystem wurde nach US-Recht konstruiert, aber mit einer Menge Ausnahmen, unter anderem, was die Steuerhoheit betraf.

Puerto Rico ist ein historisch einzigartiger Fall von beschränkter Souveränität, der bis heute als solcher besteht. Es ist ein Staat, der keiner ist, aber als solcher international anerkannt ist. Ein Fall von Souveränität, die jeden Staatsakt, sei es im Inneren, sei es nach außen, immer mit der übergeordneten Macht der USA koordinieren muß. Jede Freiheit, die sich die Regierung dieses Staates erlaubt, muß vorher mit den USA abgesprochen werden. Was jedoch die Verbindlichkeiten dieses Halb-Staates betrifft, ist er auf sich allein gestellt. Die USA stehen nicht gerade für die Schulden Puerto Ricos, und sie haben keinerlei Verpflichtung, für die Schäden auf der Insel aufzukommen, die Naturkatastrophen verursachen.

Im Jones Act von 1917 wurde den Puertorikanern die US-Staatsbürgerschaft zugesprochen – sofern sie nach der Annexion von 1898 geboren waren. Damit verfestigten die USA ihren Anspruch auf die Insel und verwehrten sich gegen Unabhängigkeitsbestrebungen. Der unklare Status von Puerto Rico wurde damit weiter festgeschrieben.
Der unmittelbare Anlaß für diesen Beschluß – gegen den Willen der damaligen puertorikanischen Politiker – war der Wille, die Männer Puerto Ricos als US-Soldaten in den 1. Weltkrieg schicken zu können, in den die USA einen Monat nach dem In-Kraft-Treten des Gesetzes eintraten.
Seither ist die Emigration aus Puerto Rico in die USA ein taugliches Ventil für alle ökonomischen Nöte. Die Puertorikaner bevölkern die Slums der USA und ermöglichen durch ihre Überweisungen das Überleben der restlichen Bewohner der Insel.

Das zum gleichen Zeitpunkt, im Zuge des Krieges der USA gegen Spanien 1898 annektierte Hawai wurde 1959 unter der Präsidentschaft Eisenhowers zum 51. Bundesstaat der USA erklärt. Dem ging eine Abstimmung voraus, wo die Bewohner Hawais befragt wurden, ob sie den USA beitreten oder weiter in dem gleichen ungeklärten Status – wie Puerto Rico – verbleiben wollten. Die Idee der Unabhängigkeit wurde gar nicht zum Thema gemacht.

In Puerto Rico wurde anders vorgegangen. Versuche eines US-Politikers, über die Unabhängigkeit Puerto Ricos zu entscheiden, wurden sowohl in den USA als auch unter deren Parteigängern in Puerto Rico hintertrieben. 1948 wurde das sogenannte Knebelgesetz erlassen, das das Hissen der puertorikanischen Flagge und andere Äußerungen für die Unabhängigkeit Puerto Ricos sowie Vereine, die sich selbige zum Ziel setzten, unter Strafe stellten. Dieses Gesetz war bis 1957 in Kraft, als es vom US-Kongress aufgehoben wurde.
Eine Abstimmung über den Status der Insel fand während des gesamten 20. Jahrhunderts nicht statt. Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung wurden ermordet oder zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Ein Referendum von 2012 zu dieser Frage wurde ignoriert.

Puerto Rico ist also bis heute ein annektiertes Territorium der USA, mit ungeklärten Zuständigkeiten.
Als Rufe nach Unabhängigkeit sowie Streiks überhandnahmen und die Stabilität und Funktionalität Puerto Ricos ernsthaft gefährdeten, dehnten die USA 1933 die New Deal-Maßnahmen auch nach Puerto Rico aus. Vor allem auf dem Gebiet der Infrastruktur und des Gesundheitswesens wurde in den 30-er Jahren einiges investiert. Damals wurde die Insel mit Staudämmen für die Elektrizitätsgewinnung versehen und ein Stromnetz aufgebaut. Eine angestrebte Landreform und der Aufbau einer Industrie scheiterten vor allem am Widerstand von Firmen und Politikern in den USA.
Damals wurden jedoch die Grundlagen für das ehrgeizige Projekt der Nachkriegszeit gelegt, und auch die Politiker erzeugt, die in der Zugehörigkeit zu den USA das Heil Puerto Ricos sahen und alle anderen Richtungen ausschalteten.


Operation „Ans Werk!“

Unter dem 1948 gewählten Präsidenten Luis Muñoz Marín, den man als einen Vorkämpfer der Idee der „Entwicklung“ betrachten kann, wurde in Puerto Rico ein Programm begonnen das die bisherige, auf Zuckerrohranbau und sonstige Agrarprodukten basierende Wirtschaft der Insel gründlich umkrempelte.
Muñoz Marín war der erste nicht vom Senat ernannte, sondern von der Bevölkerung gewählte Präsident Puerto Ricos. Mit der solchermaßen zustande gekommenen Autorität sah er sich befugt, nicht nur alle Unabhängigkeitsbestrebungen zu verfolgen und niederzumachen, sondern auch dem Segen des Privateigentums und des Kredits auf der Insel zum Durchbruch zu verhelfen. Er war ein bekennender Anhänger der freien Marktwirtschaft, und der USA als Wohltäter Puerto Ricos.

„Ans Werk!“ war nicht mehr und nicht weniger, als eine Billiglohnzone für US-Kapital zu schaffen, – das, was später in Mexiko flächendeckend als „Maquiladoras“ stattfand. Puerto Rico und sein voraussehender Präsident schufen eine Art Mischung von Billiglohnsektor und Steuerparadies für US-Kapital. Der unklare Status Puerto Ricos wurde als Lockvögeli für das US-Kapital eingesetzt. Die Insel wurde – durchaus als eine Art Vorreiter für Verlagerung in Billiglohnländer – dem amerikanischen Kapital angeboten: zollmäßig Inland, und dennoch steuermäßig und gesetzesmäßig Ausland.

Den Bewohnern Puerto Ricos wurde dieses Programm verkauft als: Seid nur willig und billig, und schon kommt der Segen des Kapitals, schafft Arbeitsplätze und Wohlstand! Schon der Name dieses Programms war ein Aufruf an die Botmäßigkeit an die Bewohner der Insel: Es liegt an euch, macht doch etwas daraus!
Im Zuge dieses Programm wurde die Landwirtschaft heruntergefahren, sodaß Puerto Rico nicht nur bei allen Grundnahrungsmitteln, sondern auch bei seinen ehemaligen Exportprodukten Zucker und Kaffee importabhängig ist. Puerto Rico wurde damit auch zu einem Markt für US-Konsumgüter.

Um das US-Kapital anzulocken, schuf die puertorikanische Regierung noch einen zusätzlichen Attraktivitäts-Faktor: Unter dem Motto „Fortschritt“ und „Familienplanung“ wurde mehr als ein Drittel der weiblichen Bevölkerung zur Sterilisation überredet, was von USA-Organisationen großzügig finanziert wurde, um „Überbevölkerung“ und Armut zu lindern. Damit sollte das Einstellen von weiblichen Arbeitskräften befördert werden, die dem Kapital verläßlich das ganze Jahr hindurch zur Verfügung stehen würden. Auch „die Pille“ wurde zuerst in Puerto Rico großflächig ausprobiert, bevor sie in den USA zugelassen wurde. Die Frauen Puerto Ricos waren also in mehrerlei Hinsicht Versuchskaninchen für US-Firmen. Als Nebenprodukt dieser Vorgangsweise hat sich eine gewisse pharmazeutische Industrie dort angesiedelt.


Puerto Rico heute

Mit dem Abschluß des Freihandelsabkommens NAFTA mit Mexiko 1994 wurde Puerto Rico als Billiglohnland unbedeutend. Mexiko ist für die US-Firmen näher, größer, über den Landweg erreichbar. Neue Firmen siedelten sich in Puerto Rico nicht mehr an, manche alte sperrten zu und verlegten ihre Produktion nach Mexiko. In die Infrastruktur wurde nicht mehr viel investiert, die Abwanderung nahm zu.
Puerto Rico war lange eine Steueroase für US-Kapital. Das bedeutete jedoch, daß weder die Firmen, die nur ihren Firmensitz auf der Insel angemeldet hatten, als auch diejenigen, die dort tatsächlich Produktionsstandorte betrieben, Steuern bezahlten. Die Haupteinnahmen des Staates bestanden also sowieso lange Zeit – neben Zuschüssen aus den USA selbst – in den Steuern und Abgaben, die die arbeitende Bevölkerung in seine Kassen spülte.
2 Jahre nach dem Abschluß von NAFTA, 1996, strichen die USA die Steuervergünstigung für Puerto Rico, das damit endgültig unattraktiv für Investoren aller Art wurde.

Der Weltmarkt war so weit fortgeschritten, daß Puerto Rico unwichtig für das USA-Kapital wurde, weil inzwischen anderswo in Lateinamerika auch die meisten Schranken für das US-Kapital niedergerissen worden waren.
Und Puerto Rico begann sich zu verschulden, ohne irgendeine Aussicht, diese Schuld jemals selbst bedienen zu können. Es erhielt Kredit, weil es für die Gläubiger ein Teil des US-Territoriums war und deshalb als relativ solider Schuldner eingestuft wurde. Vermutlich nahmen die Banken und Fonds, die puertorikanische Anleihen kauften, auch an, daß der Kredit Puerto Ricos von der Fed irgendwie gestützt werden würde, falls die die Regierung der Insel ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen könnte.
Seit 2015 kann Puerto Rico seine Anleihen nicht mehr bedienen und erhält daher auch keinen Kredit mehr. Bezüglich einer Stützung durch den US-Staatskredit haben sich die Gläubiger genauso geirrt wie in Detroit oder Kalifornien. Puerto Rico kann jedoch aufgrund seiner ungeklärten rechtlichen Stellung auch keinen Bankrott anmelden oder seine Schuld mit den Gläubigern neu verhandeln. Es ist auf Zuschüsse aus den USA angewiesen, auf die es jedoch keinen konkreten Rechtsanspruch hat. Die Hilfen, die es von Budget und Katastrophenschutz der USA erhält, haben daher den Charakter eines Almosens.

Dieser unerfreuliche Zustand betrifft über 3 Millionen Menschen. Seit 2007 wurde keine Volkszählung mehr durchgeführt, damals wurden 3,7 Millionen gezählt. Seither ist die Einwohnerzahl wegen Abwanderung wahrscheinlich zurückgegangen.

6 Gedanken zu “Serie „Lateinamerika heute“. Teil 7: Puerto Rico

  1. Wie der Herr, so’s Gscherr, kann man nur sagen:
    Ricardo Rossello, Gouverneur von Puerto Rico, sagt, er werde nach der Veröffentlichung von privaten Chat-Nachrichten, die mit frauenfeindlicher und homophober Sprache beladen sind, nicht zurücktreten.
    https://www.nach-welt.com/welt/gouverneur-von-puerto-rico-trotz-wachsender-proteste-wegen-text-chats-gegen-rucktritt-npr/
    (Eine von den von Trump angegriffenen Abgeordneten stamt aus Puerto Rico.)
    Was hat es mit dieser neuen Mode von Hetzerei auf höchstem Niveau auf sich?
    Es ist ein Versuch von „Teile und Herrsche!“ – wenn es gelingt, die Armen gegeneinander aufzuhetzen, haben die Reichen und Mächtigen leichtes Spiel.

  2. Nach Massenprotesten: Puerto Ricos Gouverneur soll zurücktreten
    Auslöser der Proteste waren ein Korruptionsskandal in der Regierung sowie die Veröffentlichung von Nachrichten einer privaten Chat-Gruppe zwischen Rosselló und elf Vertrauten, in denen sie sich abschätzig über mehrere Personen äußerten.
    https://www.derstandard.at/story/2000106624655/nach-massenprotesten-puerto-ricos-gouverneur-soll-zuruecktreten
    Der Hauptgrund der Proteste ist, daß der Typ sich mit Hilfsgeldern zur Beseitigung der Hurrikanschäden ordentlich bereichert hat und sich dann noch lustig gemacht hat über die Leute, die weiterhin in Ruinen ohne Strom wohnen mußten.

  3. Anläßlich der neuen Hurrikan-Saison stellt sich heraus, daß die Schäden des letzten Hurrikans zu einem guten Teil noch immer nicht repariert sind:
    „Puerto Rico, which had braced for the worst, seemed to be spared any heavy wind and rain, a huge relief to many on an island where blue tarps still cover some 30,000 homes nearly two years after Hurricane Maria. The island’s 3.2 million inhabitants also depend on an unstable power grid that remains prone to outages since it was destroyed by Maria.“
    https://www.theguardian.com/world/2019/aug/28/tropical-storm-dorian-puerto-rico-latest

  4. Wieder einmal nichts Neues aus dem „Reichen Hafen“:

    „An Arson Attack in Puerto Rico

    A violent act on New Year’s Day allegedly committed by a tourist highlights rising tensions between the island and the mainland United States.

    In the night of January 1st, as Puerto Rico was recovering from an island-wide blackout, a small restaurant in Cabo Rojo, a beach town on the southwest coast, was facing its own trouble. A white tourist from the mainland United States who appeared, to staff, to have had too much to drink verbally attacked them when they refused to serve her more alcohol. She grew angry and, despite repeated requests, refused to leave. The restaurant’s owner called the police, who escorted her across the street to the Airbnb where she was staying. The woman returned, police intervention was again required, and she was escorted out a second time.

    At midnight, the restaurant closed and everyone went home. About half an hour later, a security camera captured footage of a woman who bore a striking resemblance to the angry tourist carrying a red gasoline can. (A can had been left in the tourist’s Airbnb to fuel an electric generator.) Shortly afterward, a fire engulfed the restaurant and three adjacent businesses—a shop belonging to the restaurant’s owner, another belonging to a family member, and a hostel where dozens of people were staying. They were all safely evacuated, but the damage to the buildings was nearly total. Around 5 A.M., the woman left her Airbnb, several days before her scheduled checkout date. That evening, she flew home. (…)

    Among the list of calamities that have struck Puerto Rico in just the past two decades are an economic recession, a catastrophic debt crisis, and devastating hurricanes and earthquakes. Hundreds of thousands of native Puerto Ricans have left, most for the mainland. At the center of these ills stands the island’s relationship with the mainland. It’s hard to describe it other than in colonial terms, starting with the fact that people born in Puerto Rico—which the United States occupied after the Spanish-American War of 1898—have U.S. citizenship but are not allowed to vote in federal elections, including Presidential elections, unless they move to the mainland. Today, Puerto Rico is neither a state nor a sovereign nation; it is an “unincorporated territory.” The highest political officeholder on the island is the governor, but she does not have full control over Puerto Rico’s finances—those are managed by an oversight board created by the U.S. Congress. (Its seven members are appointed by the U.S. President.) Puerto Ricans also do not have a voting representative in Congress.

    The economic situation for locals has been worsening for years. In 2006, Congress eliminated long-standing federal tax-break benefits for corporations operating on the island, which led to a loss of capital and investments, followed by a reckless accumulation of debt. In 2016, Congress established the oversight board to take control of the island’s finances, resulting in cuts to pension benefits and severe reductions in public services. The following year, after the local government failed to make its debt payments and its bonds were downgraded to junk status, Puerto Rico declared bankruptcy. (…)

    The cultural impact has been profound, too. “Puerto Ricans who live in high-tourism areas, such as Old San Juan, Rincón, and Vieques—where some of the most spectacular beaches in Puerto Rico are located—now feel displaced,” Carla Minet, the executive director of C.P.I., told me. “Local business employees are starting to speak only in English, and there are more businesses run by foreigners than by locals.” There is also a growing resentment over a perceived double standard from the authorities. “In Vieques, people told us that the police do absolutely nothing when foreigners drive golf carts recklessly on the streets, but if locals do it they get fined,” Minet said. The outsiders’ privileges are striking, “particularly in how the municipality prioritizes these business owners’ interests.”

    This double standard was also noted in the Cabo Rojo arson. The restaurant’s owner requested that the police detain the tourist for intoxication and disturbing the public order; on Sunday, Cabo Rojo’s mayor said that the responding officer had been suspended while the case was being investigated. As the suspect was leaving the island, a new governor, the conservative Jenniffer González-Colón, was being sworn into office, in San Juan. (She did the “Trump dance” during the festivities.) As part of the inaugural events, González-Colón attended Mass, and, during the service, a local resident was cited for shouting “Muerte al P.N.P.!” (“Death to P.N.P.!”), the acronym for the Partido Nuevo Progresista, the Governor’s party. González-Colón demanded that charges be pressed. “No one has permission to do whatever they want here,” she said. Someone replied on X, “Except for the gringos, who can even burn your business down.” (…)

    In 2019, a leaked Telegram chat among government officials, which sparked mass protests, included the following remarks from a publicist close to the former governor: “I saw the future (of the island) . . . is so wonderful. . . . There are no puertorricans.” But in the film a defiant statement is spoken twice. “We are still here,” the old man says early on, to Concho. In the bakery, another Puerto Rican customer pays the old man’s bill when the cashier refuses to accept his cash. (“It’s corporate policy to offer our clients a cash-less environment,” she announces.) “We are still here,” he says, patting the old man’s arm.

    There was a similar sense of solidarity in Cabo Rojo over the weekend. More than four thousand people made small donations to a GoFundMe fund-raiser launched by the restaurant’s owner. The total was a hundred and fifty thousand dollars. The restaurant plans to reopen.“

    (New Yorker, 8.1.)

  5. In Puerto Rico nix Neues in Sachen Elend, oder Klimakrise allerorten:

    „Mehr als 100 Tage ohne Wasser:
    Die Krise betrifft Tausende in Puerto Rico – zusätzlich zu den Stromausfällen

    Der Investitionsmangel aufgrund der Wirtschaftskrise“

    Ah ja.
    So heißt das heute.
    Nicht die Marktwirtschaft, wo alles ein Geschäft sein muß, ist der Grund – sondern erstens gibt es eine Krise, die vom Himmel fällt. Und zweitens bleiben dann die Investoren aus, die Götter von heute, die ansonsten jedes Problem lösen. 

    „und die mangelhafte Instandhaltung wichtiger Infrastruktur“

    – was auch einfach so passiert, wir sind ja in Puerto Rico, da kann das schon vorkommen – 

    „werden durch eine anhaltende Dürre verschärft, die eine teilweise Wasserrationierung befürchten lässt. Bewohner und Gewerbetreibende im Viertel Machuchal und in der Loíza-Straße in San Juan hatten in diesem Jahr an mehr als der Hälfte der Tage kein Wasser. Bis Freitag waren es genau 118 Tage, die von fast 100 Anwohnern dieses beliebten Touristenziels in Puerto Ricos Hauptstadt in einem digitalen Tagebuch festgehalten wurden.
    »Schon wieder kein Wasser … Es ist schwer, in diesem Viertel zu bleiben und nicht wegzuziehen«, schrieben sie in das Tagebuch. Die Unterbrechungen sind dort so häufig, dass sie die 22 Tage Stromausfall, die das US-Außengebiet in den letzten 10 Jahren geplagt haben, bei Weitem übertreffen.“

    Damit wird umschrieben, daß Puerto Rico bis heute einen unklaren Status hat. Weder ist es Teil der USA noch ist es ein eigener Staat. Keiner ist dafür zuständig und dementsprechend sieht es dort auch aus. 

    „»Ich lebe seit 26 Jahren hier und habe so etwas noch nie erlebt«, sagt Ángeles Acosta, eine 75-jährige klinische Psychologin. Sie erklärt, dass alltägliche Dinge wie Kochen und Putzen jedes Mal zu einer großen Herausforderung geworden sind, wenn die Wasserversorgung unterbrochen ist. Sie füllt Kanister mit Wasser, sobald auch nur ein Rinnsal im Garten fließt, und speichert es in einem Tank im Badezimmer ihrer Wohnung im 3. Stock. »Ich fülle das ganze Wasser hinein und hole dann wieder unten Nachschub.«
    Die Wasserausfälle waren dieses Jahr so ​​häufig, dass sie »2.000 Dollar für eine Zisterne ausgeben musste, weil ich in der Wohnung keinen Platz dafür habe. Ich muss Wasser aus einer kleinen Wohnung hinten auf dem Dach holen. Dafür musste ich die Pumpe und den Druckverstärker kaufen… Aber nicht jeder hat dafür genug Geld«, stellt sie fest.“

    Hat sie jetzt einen Tank im Bad und den 2. auf dem Dach?
    Wem gehört die kleine Wohnung?
    Etwas unklar formuliert, das Ganze.

    „Acosta und andere Anwohner haben sich zur Koalition »Wir fordern Wasser« zusammengeschlossen und für den 4. August zu einer Demonstration aufgerufen.
    Einer ihrer Anführer ist Alfredo Cuyar, der die mangelnde Erfahrung einiger Mitarbeiter der staatlichen Wasser- und Abwasserbehörde von Puerto Rico (AAA) im Umgang mit den Ventilen als entscheidenden Faktor für die Wasserversorgungsprobleme in diesem Gebiet sieht.
    Er erklärt, dies sei auf Managementwechsel bei der AAA seit dem Amtsantritt von Gouverneurin Jenniffer González im Jahr 2015 zurückzuführen. Die Ventile, so Cuyar, müssten manuell bedient werden, was aber nicht geschehe.

    »Diese Gruppe von Mitarbeitern, die neu eingestellt wurde, vertritt die Theorie, dass die Wasserleitung wie ein modernes, selbstregulierendes System von selbst funktionieren sollte und dass kein Personal zum Öffnen und Schließen der Ventile benötigt wird. Dieses Missmanagement hat die Region wiederholt ohne Wasser zurückgelassen. (…) Wir sind verzweifelt«, sagt Cuyar.

    Der Fall eskalierte sogar vor Gericht, als der Bürgermeister von San Juan, Miguel Romero – ein Politiker der Regierungspartei – das Wasserversorgungsunternehmen verklagte, um eine Lösung für die ständigen Unterbrechungen zu fordern.
    Der Leiter der Wasser- und Abwasserbehörde von Puerto Rico (AAA), Luis González, erklärt, die Probleme in mehreren Gemeinden der Hauptstadt seien Teil eines umfassenderen Musters von »Verschleiß« der Wasserinfrastruktur des Archipels aufgrund von Verbesserungs- und Wartungsarbeiten, die »schon vor Jahren hätten durchgeführt werden müssen«, aber nie abgeschlossen wurden.

    Angesichts der sich verschärfenden Störungen erklärte Gouverneur González, dass Infrastrukturverbesserungsprojekte im Wert von mindestens 7 Milliarden US-Dollar im Gange oder geplant seien.

    Vom Ausfall eines wichtigen Rohres bis zur Dürre

    Die Situation in Teilen von San Juan ist nur ein Beispiel für die Vielzahl schwerwiegender Wasserversorgungsprobleme, die die Wirtschaft Puerto Ricos zu lähmen drohen. Diese wird seit einem Jahrzehnt von einem von Washington eingesetzten Finanzkontrollausschuss streng überwacht.“

    Man vergesse nicht, Puerto Rico ging 2015 in Konkurs.

    „Seit Jahren sinkt die Wasserproduktion in wichtigen Aufbereitungsanlagen aufgrund von Investitionskürzungen infolge der Wirtschaftskrise. Ein lebenswichtiges Projekt, das den Norden der Insel mit Wasser versorgt und sich zu einem Hauptwasserversorger für die Metropolregion, das wirtschaftliche Zentrum Puerto Ricos, entwickelt hat, wurde unzureichend instand gehalten. Täglich gehen Millionen Liter Wasser durch Lecks verloren, was in den Bilanzen als »nicht bezahltes Wasser« figuriert. Das wiederum führt unter Berücksichtigung der Produktionskosten zu jährlichen Verlusten von 98 Millionen US-Dollar.

    Dieser Sommer wurde durch ausbleibende Regenfälle in Gebieten, in denen sich wichtige Stauseen befinden, noch verschärft. Laut Daten des United States Drought Monitor befinden sich 85% von Puerto Rico in einer schweren oder mäßigen Dürre, und Tausende von Puerto Ricanern schweben bei hohen Temperaturen in Gefahr einer möglichen Rationierung.

    EL PAÍS sprach ausführlich mit dem Ingenieur Carlos Pesquera, um sich über den Zustand der Wasserinfrastruktur des Archipels zu informieren und zu erfahren, welche Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen wurden und welche noch notwendig wären.

    Pesquera, ein Vertreter der Regierungspartei, aber ohne Posten in ihr, kennt das Wassersystem aus erster Hand, da ihn Gouverneur González im Sommer 2025 mit der Erstellung eines Berichts mit Empfehlungen beauftragte, nachdem es in der Metropolregion zu Ausfällen in den Anlagen gekommen war. Monate später legte ein Defekt ein sehr zentrales Rohr – den Superaquädukt –, der 15 Gemeinden mit Wasser versorgt, einige Tage lang lahm.

    »Von den dringlichsten Problemen beschäftigen uns derzeit 2 Faktoren: Zum einen die Situation der grundlegenden Infrastruktur und zum anderen eine zusätzliche Komponente, die meteorologische Dürre (aufgrund geringer Niederschläge). Der ausbleibende Regen verschärft das Problem, mit dem wir seit einem Jahr zu kämpfen haben«, erklärt Pesquera.

    Er nennt 3 wichtige Infrastrukturprojekte: den Superaquädukt und 2 veraltete Wasseraufbereitungsanlagen, in denen Projekte zur Steigerung der täglichen Produktionsmenge laufen: die Anlage Sergio Cuevas und die Anlage Enrique Ortega.
    Beide sind wichtig für die Wasserversorgung des Großraums der Hauptstadt, und Pesquera rechnet damit, dass ihre Durchflussmenge nach Abschluss der Modernisierungsarbeiten um 50 Millionen Gallonen pro Tag steigen wird. Dies entspreche, so schätzt er, 20% des aktuellen Bedarfs in dieser Region.“

    Damit ist offenbar vor allem die Hauptstadt gemeint. 
    Man will ja gar nicht wissen, wie es in weniger wichtigen Gegenden aussieht … 

    „Infrastruktur, die nicht überprüft wird

    »Alles klingt gut, abgesehen von den jüngsten Problemen mit dem Superaquädukt«, erklärt Pesquera.“

    Bis hierher wird in diesem Artikel zwar das genaue Gegenteil behauptet, aber bitte.

    „Der Superaquädukt hat ein besonderes Problem: Es gibt keine Ausweichmöglichkeit. Wenn ein Rohr bricht, ist alles kaputt. (…) Mit anderen Worten: Wir haben ein ernstes Problem«, das er im Interview sogar als potenziell »katastrophal« bezeichnet, da es direkte Auswirkungen auf die Wasserversorgung sowie indirekte Folgen für das Wirtschaftswachstum und die Förderung neuer Investitionen haben könnte.“

    Ja ja, die Investitionen, die nicht kommen …
    Sie fehlten offenbar bereits anno dazumal, als dieses Super-Rohr verlegt wurde, vor Jahrzehnten: Auch damals reichte es nicht dafür, etwaige Bypässe einzukalkulieren und zu verlegen. 

    „Der Ingenieur Pesquera fügte deshalb seinem Bericht an die Gouverneurin für das Jahr 2025 kürzlich eine Ergänzung hinzu, nachdem im vergangenen Juni neue Lecks in diesem Super-Rohr“

    – das offensichtlich gar nicht super ist –

    „aufgetreten waren. Hier konzentriert sich ein erhebliches Risiko für die Wasserversorgung Tausender Haushalte und Unternehmen.
    Angesichts des Produktionsrückgangs in anderen Wasserwerken und der Schließung von Brunnen, die einst die Wasserversorgung sicherten, sind die Metropolregion und weitere Städte weiter östlich nun stärker auf das Wasser des Superaquädukts angewiesen.

    Dieses wichtige Rohr wurde in den 2000er-Jahren in Betrieb genommen. Ihr innerer Zustand ist unbekannt und muss dringend untersucht werden, da es aufgrund seiner Konstruktion die ordnungsgemäße Wartung der Stahlbleche und verpressten Kabel erfordert.“

    Die offenbar nicht geschieht, weil es hierfür kein Wartungsteam gibt.

    „Pesquera weist darauf hin, dass selbst die genaue Wassermenge, die täglich durch das bewußte Rohr nach San Juan fließt, unbekannt ist“

    – da wurde offenbar bei Meßfühlern und -geräten gespart – 

    und daher Lecks nur schwer zu erkennen sind. »Niemand überprüft dieses Rohr«, bemerkt er. »Es gibt zwar einen kathodischen Korrosionsschutz-System, das die Korrosion im Rohr minimieren soll, aber es funktioniert seit vielen Jahren nicht mehr.“

    Dieses System ersetzt die Wartung nicht, sondern führt nur zu längeren Wartungs-Intervallen, in denen dann die tatsächlich korrodierten Teile ausgewechselt werden müssen.
    Außerdem fragt man sich, WO in Verlaufe dieses Rohres dieser Korrosionsschutz überhaupt besteht? Er wurde vermutlich an zu wenigen Stellen angebracht, weil sonst zu teuer … 

    „Daher ist es an der Zeit, diese 26 Jahre alte Infrastruktur zu überprüfen, alle möglichen Mängel zu ermitteln und ein umfassendes Sanierungsprogramm zu entwickeln«, schlägt er vor.“

    Kosten?

    „Derzeit hat der Leiter des Wasserversorgungsunternehmens angekündigt, eine Art Roboter zur Analyse des Rohres einzusetzen. Pesquera erinnert sich jedoch, dass das Gerät beim letzten ähnlichen Versuch im Inneren des Super-Rohres verschwunden ist.“

    Erfinden kann man das nicht. 
    Wahrscheinlich ist er durch eines der vielen Löcher hinausgerutscht, auf Nimmerwiedersehen.

    „Stattdessen schlägt er eine umfassende Analyse vor, die alles untersucht – von potenziellen Schwachstellen in Flussbetten bis hin zu kritischen Verbindungsstellen, an denen sich die Rohrleitungsrichtung ändert und bereits Schäden aufgetreten sind. »Man muss eine vollständige Analyse durchführen, bevor man entscheidet, was zuerst repariert werden soll.«

    Die umfassenderen Verbesserungen der Wasserinfrastruktur Puerto Ricos wurden teilweise mit Geldern finanziert, die nach Hurrikan Maria im Jahr 2017 in Washington bewilligt wurden. Diese Gelder wurden mitunter nur zögerlich freigegeben, da es in Puerto Rico Fälle von Korruption und Ineffizienz bei der Mittelverwendung gab und puertoricanische Politiker auf Bundesebene die mangelnde Begeisterung kritisierten, mit der die Probleme Puerto Ricos in den USA angegangen werden.

    »Das Problem, vor dem Puerto Rico jetzt steht, ist die Umsetzung.“

    Umsetzung von WAS, wenn kein Geld da ist?

    „»Wir müssen all diese Bundesmittel in konkrete Projekte umwandeln, die Ergebnisse liefern, bevor wir die Chance verpassen«, sagt er. »Es ist kein unlösbares Problem. Wir müssen den Menschen Planungssicherheit geben«, sagt er.
    »Zuerst brauchen wir die Stabilität des Systems für alle, und dann müssen wir uns auf neue Projekte verlassen können, denn sonst bricht die Wirtschaft zusammen.«“

    Man wundert sich, daß sie überhaupt läuft. 

    „Tatsächlich schätzte allein der Verband der kleinen und mittleren Unternehmen im Juli, dass die Stromausfälle in diesem Sektor zeitweise tägliche Verluste von bis zu 20 Millionen Dollar verursachten. Täglich gehen Millionen Liter Wasser verloren. Angesichts der ständigen Ausfälle richten viele ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf den Umstand, dass die Wasserversorgungsfirma AAA täglich Millionen Liter Wasser verliert. Dies geht aus einem Bericht des Finanzkontrollausschusses über diese Firma vom Juli 2025 hervor.

    Der Bericht führt aus, dass die AAA täglich etwa 513 Millionen Gallonen Wasser produziert, wovon jedoch täglich knapp 267 Millionen Gallonen, also etwas mehr als die Hälfte, durch physische Verluste, insbesondere defekte Filter oder andere undichte Stellen, verloren gehen.

    Der Chef der Firma AAA bestreitet, dass der Wasserverlust 52% übersteigt, wie im Bericht behauptet, beziffert ihn aber dennoch auf rund 40%, was immer noch ein hoher Wert ist.
    Die Gouverneurin ihrerseits erklärte, sie habe darum gebeten, das Problem anzugehen.“

    (El País, 1.8.)

    Die Autorin des Artikels bemüht sich zwar, das Problem darzustellen, hütet sich aber vor zu klaren Aussagen.

    Man merkt allerdings, daß das Problem nicht an den eingangs erwähnten Ventilen liegen kann. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert