Eine Zusammenstellung der Auswirkungen des Iran-Kriegs weltweit

DIE KOSTEN DER GLOBALISIERUNG – TEIL 1: ASIEN

Man hat sich daran gewöhnt, Birnen aus Argentinien, Mangos und Fische, Edelhölzer, Kleidung und vieles andere mehr aus der ganzen Welt zu beziehen. Dazu kommen, mehr im Hintergrund für den Verbraucher, Rohstoffe und Chemikalien.

Jetzt werden wir daran erinnert, was für diesen sehr verschwenderischen Zirkus vor allem notwendig ist: Energie.

Eine wichtige Energiequelle ist plötzlich verstopft und das ganze Uhrwerk läiuft sehr unrund.

In Indien können viele ärmere Menschen nicht mehr kochen oder warm essen, weil dafür Gasflaschen notwendig sind. Das bevölkerungsreichste Land der Welt steht ohne Kochmöglichkeit da, was auch deswegen tragisch ist, da das Kochen ja auch desinfiziert. Der Zwang zu Rohkost könnte also im Ausbruch von Krankheiten münden.
Kantinen müssen schließen, was Existenzen gefährdet. Dabei war das zentrale Herstellen von Mahlzeiten sogar noch energiesparender als das jetzt vermehrt notwendige individuelle Kochen – mit was auch immer.
Düngemittelfabriken mußten ihren Betrieb einstellen, was trübe Aussichten für die Landwirtschaft bedeutet, wo jetzt Aussat ist. Es nutzt also nichts, wenn Indien oder andere Staaten eigene Fabriken haben – ohne Energie sind die nichts wert.
Die industrielle Produktion wurde gedrosselt und viele Leute verlassen die Städte, um in ihre Heimatdörfer zurückzukehren.

In Thailand haben die LKW-Fahrer und die Fischer keinen Treibstoff. Die Regierung hat bereits bei Rußland um Öllieferungen angeklopft, was für ein Land mit solcher Westorientierung beachtlich ist. Die Fischindustrie ist exportorientiert, ansonsten ist der Tourismus gefährdet, falls die Energieversorgung stockt. Das Land, das bisher 68% seines Gas- und 90% seines Ölbedarfs aus den Golfstaaten gedeckt hat, hat angeblich noch Reserven für 2 Monate. Einige Kohlekraftwerke wurden wieder in Betrieb genommen.
In Büros soll man sich leichter bekleiden, die Klimaanlagen zurückfahren und Stiegen statt Aufzügen benutzen.
Thailand exportiert auch Reis in den Nahen Osten, der jetzt liegenbleibt. Sein Wirtschaftswachstum könnte sich halbieren.
Nach viel BitteBitte soll der Iran Tankern mit Ziel Thailand das Passieren der Straße von Hormuz erlaubt haben. (Auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weil das betrifft ja nur Tanker, die dort vor Anker liegen. Hineinfahren wird keiner mehr.)

Auf den Philippinen, wo über 90% des Öls aus dem Persischen Golf stammt, wurde vorige Woche der Notstand ausgerufen. Auch hier soll Öl aus Rußland gekauft werden und es wurde eine 4-Tage-Arbeitswoche für Beamte eingeführt. Viele Fährverbindungen wurden gestrichen, Taxifahrer erhalten Subventionen.

In Südkorea ist zwar mehr Geld da, aber auch ein größerer Energieverbrauch. Es will die Atomkraft ausbauen, hat aber kein Uran. Urankäufe müssen nach dem »123-Abkommen« durch die USA genehmigt werden.
Das meiste Uran kam bisher aus Rußland. Uran aus Australien, Kanada oder Mittelasien ist teurer und aufgrund der längeren Transportwege unsicherer.
Außerdem steht Südkorea militärisch ziemlich nackt da, weil die USA alle ihre Abwehrbatterien von ihren Basen abgezogen und nach Nahost transferiert haben, vermutlich alle nach Israel.

Auch in Japan, das über 90% seines Öls aus dem Persischen Golf bezieht, ist die Sache haarig. Die Regierung hat 80 Millionen Faß aus Reserven freigegeben, was 45 Tage reichen sollte. (Seit Fukushima ist die Atomkraft für die Energieerzeugung zurückgegangen.) Außerdem werden Preissteigerungen durch Subventionen abgefedert, so gut es geht. Die Inflation zieht weiter an, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt, die Börse in Tokio hat 12% verloren und der Yen schwächelt.
Dazu kommt noch die große Klappe der Regierungschefin gegen China und ihre unverbrüchliche Allianz mit Trump, was aber auch nicht gereicht hat, um Soldaten und Schiffe an den Persischen Golf zu schicken, das kann sie in Japan nicht durchsetzen.
Sie streckt jetzt außenpolitisch die Arme Richtung Philippinen und Australien aus.

Ziemlich schlecht steht Sri Lanka da, das ja vor einigen Jahren (2022) pleite war und daher auf dem Weltmarkt sowieso sehr sehr schlecht agieren kann, da es nirgends Kredit hat. Schulen und Unis haben mittwochs frei, Beamte eine 4-Tage-Woche. (Wie weit das mit Home Office ergänzt wird, ist unklar.) Benzin wird rationiert. Allerdings hat sich angeblich die Ölgesellschaft Versorgung bis Ende April gesichert, nachher –?

In muslimischen Staaten wie Pakistan und Bangla Desh fällt die Energiekrise mit dem Ende des Ramadan zusammen, was in einem großen Fest – Eid Al-Fitr – und großen Gelagen und Umzügen begangen wird. Beide Regierungen tun alles, um dieses wichtige Fest gut über die Bühne zu bringen, wegen Sorgen vor Unruhen.
Nachher die Sintflut … ?
Pakistan hat die 4-Tage-Woche in Behörden und Schulen eingeführt und betätigt sich als Vermittler zwischen 2 Kriegsparteien, die beide keinen Schritt zurück tun wollen.
Bangla Desh hat sich an Indien und China gewendet, um von dort Öl zu kriegen.

Vietnam zapft Geldreserven an, um Diesel zu subventionieren und hat sich angeblich an Japan und Südkorea gewendet, um „Zugang zu Rohöl zu erhalten“.
Wie nur?
Die stecken doch auch in der Klemme.

China schließlich hat seine Reserven, die für mehr als 100 Tage reichen sollen, an seine Bevölkerung freigegeben und gleichzeitg einen Exportstop erlassen, damit nicht findige Kaufleute daraus ein Geschäft machen. Vor allem die Ölindustrie selbst und die petrochemische Industrie sollen über Wasser gehalten werden.

In einer ganz anderen Situation ist der Transkaukasus. Aserbaidschan mit seinem Öl ist einer der Gewinner der Situation. Das Land versorgt sogar über die Türkei Israel mit Öl und bezieht von dort Rüstungsgüter.
Es ist auch bereit, seine Lieferungen an verschiedene (v.a. europäische) Kunden zu erhöhen.
Aserbaidschan will nicht, daß der Iran plattgemacht wird, das würde nur Probleme bringen: Flüchtlinge, Elend, Aufruhr.
Aber ein etwas geschwächter Iran würde nicht stören … Und solange der Iran zu den Bösen gehört, kann sich Aserbaidschan als Hort des Guten profilieren.

Ein weiteres Moment ist, daß aufgrund des gesperrten russischen Luftraums und des Kriegs im Iran ein großer Teil des Flugverkehrs nach Asien jetzt über einen relativ engen Korridor durch Georgien und Aserbaidschan verläuft, was die geopolitische Position beider Staaten aufwertet und vermutlich auch Einnahmen bringt.

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All das betrifft die Treibstoff- und Energieknappheit und die daraus entstehenden Probleme.

Hinzu kommt jedoch, daß die arabischen Golfstaaten hauptsächlich von arbeitenden Menschen aus anderen Staaten bevölkert sind, während das dortige Herrenvolk sich auf den Konsum verlegt hat.
Die Rücküberweisungen dieser Arbeitsmigranten machen einen bedeutenden Teil der BIPs dieser Staaten aus. Je kleiner, d.h. geringer bevölkert der Staat, desto größer der Anteil der Überweisungen für das BIP.
Nepal, Jordanien, der Libanon, Pakistan, Ägypten, Sri Lanka, Bangla Desh, die Philippinen und der Sudan werden in dieser Reihenfolge einer Graphik der Weltbank angeführt, die erahnen läßt, was dort los wäre, würden diese Überweisungen ausbleiben.

Fortsetzung folgt: Afrika, der Flugverkehr usw.

Serie „Lateinamerika heute“. Teil 23: Die Dominikanische Republik

VOM PECH, ALS MODELL ZU DIENEN

Die DR kennt man heute hauptsächlich als touristische Destination, Zweitwohnsitz des Jet-Sets und bessere Hälfte des als lokalem Problemfall bekannten Haití.
Der Weg zu diesem Zustand war allerdings holprig.

Entdeckung, „Umvolkung“ und territoriale Teilung

Die Insel Hispaniola, deren östlichen Teil die DR einnimmt, war nach den Bahamas und Kuba die nächste Insel, die Kolumbus „entdeckte“. Er wurde überall freundlich aufgenommen. Die unbekleideten Bewohner der karibischen Inseln hielten die Entdecker für Abgesandte des Himmels.
Kolumbus nahm aus dieser freundlichen Aufnahme vor allem wahr, daß diese Menschen friedlich und daher feige seien und man sie einfach unterjochen könne.
Die Insel Hispaniola wurde zum Modell für die Eroberung der Neuen Welt durch Spanien. Ihre Bewohner wurden in den folgenden Jahrzehnten ermordet, zu Tode geschunden und versklavt.
Die solcherart und außerdem durch aus Europa eingeschleppte Krankheiten dezimierte Bevölkerung Hispaniolas wurde bereits seit Anfang des 16. Jahrhunderts durch Sklaven aus Afrika ersetzt. Die Afrikaner waren vergleichsweise resistent gegen die europäischen Infektionskrankheiten und bewährten sich daher als Arbeitskräfte. Deshalb veränderte sich die Bevölkerung Hispaniolas bis Ende des 16. Jahrhunderts in spanischstämmige Oberschicht, schwarze und indigene Sklaven, und deren Mischlinge.

Anfang des 17. Jahrhunderts fanden Zwangsumsiedlungen der Bewohner des Westens der Insel und die Zerstörung der bis dahin entwickelten Wirtschaft dieser Gegenden statt, weil die spanische Krone der Schmuggel mit und der Kontakt mit den Untertanen anderer Kolonialmächte störte, der sich im Westteil der Insel eingebürgert hatte.
Deswegen erging ein Befehl an die Kolonialverwaltung in Santo Domingo, diese Gegenden an der West- und Nordküste zu entvölkern, ihre Bewohner zwangsumzusiedeln und die ehemals relativ blühenden Siedlungen vollständig zu zerstören, um eine Rückkehr zu verhindern.
Die unmittelbaren Folgen waren wirtschaftlicher Natur. Die Insel verarmte, Menschen wanderten aus. Hispaniola wurde zu einer Art Strafkolonie, wo niemand hinwollte.
In den verlassenen Regionen hingegen siedelten sich entlaufene Sklaven an. Piraten übernahmen die verlassenen Häfen und begannen von dort erst recht Schmuggel und Raubzüge. Eine tatsächlich gesetzlose Zone entstand und die durch den wirtschaftlichen Niedergang sehr ausgedünnte Kolonialverwaltung Hispaniolas hatte nicht mehr die Macht, diesem Treiben Einhalt zu gebieten.
Die spanische Krone hatte Territorium aufgegeben und Wirtschaft, also gesellschaftlichen Reichtum, vernichtet. Die Trennlinie, die sie durch die Insel zog und westlich derer sich niemand ansiedeln durfte, teilte in der Tat Hispaniola in die 2 Hälften, aus denen es heute besteht.

Diese Zerstörung hatte weitreichende Folgen für die weitere Entwicklung Hispaniolas, und auch des heutigen Haitís.

Sklavenhalter, Sklavenaufstände und die Bürde der Unabhängigkeit

Zwischen 1789 und 1843 erschütterten die Ausläufer der Französischen Revolution, der Koalitions- und Napoleonischen Kriege die Insel. Spanier, Franzosen und Briten gaben sich ein Stelldichein auf Hispaniola.
Der Ostteil wurde 1822 bis 1844 zweimal von Heeren der aufständischen bzw. nicht mehr-Sklaven aus Haití besetzt. Unter dieser haitianischen Herrschaft wurde die Sklaverei endgültig aufgehoben und der landwirtschaftliche Kleinbesitz durch eine Landreform eingerichtet. (Es sollte die letzte Landreform in der DR sein.) In dieser Zeit verließ noch einmal ein Teil der weißen Bevölkerung den Ostteil der Insel, weil sie ihre Privilegien und ihren Besitz verloren.
Nach dem Abzug der Haitianer erklärten einige Mitglieder der Oberschicht die Unabhängigkeit Santo Domingos und verzettelten sich in den folgenden Jahrzehnten in Verteilungskriege, bis eine Regierung 1861 den Beschluß faßte, sich wieder Spanien als Kolonie zu unterstellen. Ein zumindest auf dem amerikanischen Kontinent einmaliger Akt.
Diese Rückkehr in die Arme des Mutterlandes wurde nicht von allen Einwohnern der Insel begrüßt. Sowohl unter den Eliten als auch den Nachfahren der Sklaven war dieser Schritt unpopulär und sie begannen einen Aufstand, der von Haití aus unterstützt wurde, weil dort erst recht niemand wieder ein Kolonialsystem auf der Insel wollte.

Die Spanier zogen 1865 ab und der Ostteil verfiel wieder in Bürgerkrieg. Nach der Ermordung eines Diktators, der das Land in Schulden gestürzt hatte, drohte um die Wende zum 20. Jahrhundert eine Invasion, diesmal aus Frankreich, wo der Großteil der Schulden gemacht worden war.

In diesem Augenblick traten die USA auf den Plan, erstens, um eine Intervention zu verhindern und zweitens, um die Gültigkeit der Schuld zu garantieren und ihre Bedienung sicherzustellen.
Schließlich marschierten die USA 1916 in die DR ein.
Dies geschah unter dem Präsidenten Wilson, noch vor dem Eintritt der USA in den I. Weltkrieg, als eine Art Vorspiel oder Übung, mit der die USA Truppenverlegungen probten – in einem sicheren Terrain, wo kein nennenswerter Widerstand zu erwarten war. Die Invasion fiel umso leichter, als die USA zu diesem Zeitpunkt Haití bereits besetzt hatten.
Die USA richteten eine Militärregierung ein, bekämpften Guerillabewegungen und anderen Widerstand und führten die Zensur ein. Sie errichteten durch die Schaffung einer Nationalen Armee ein Gewaltmonopol, das in der DR bisher nicht vorhanden gewesen war. Sie blieben 8 Jahre lang. Der bei ihrem Abzug 1924 genehmigte Präsident wurde 1930 von einem von den USA gestützten Gorilla gestürzt und damit begann die 30-jährige Diktatur von Rafael Trujillo.

Die USA und der Diktator Trujillo

Den US-Besatzern war ein Kleinkrimineller wie Trujillo gerade recht, um ihr Statthalter nach ihrem Abzug zu werden. Es war klar, daß er alles machen würde, was die USA verlangen, solange er sich selbst dabei die Taschen füllen konnte.

Seine Diktatur war ein Modell für die USA, in ihrem Hinterhof ihnen genehme Potentaten einzusetzen, die ihnen bedingungslos ergeben waren und die ihre jeweiligen Staaten unter Kontrolle hatten.
Wie im Falle Trujillos war es dafür günstig, sich dafür solcher Leute zu bedienen, die nicht den angestammten Eliten des Landes angehörten, sondern ihren Aufstieg der Zusammenarbeit mit den USA verdankten. Diese Leute würden auch weiterhin auf die USA setzen, weil sie von ihnen abhängig waren und die Unterstützung von außen brauchten, um im Inneren ihre Herrschaft ausüben zu können.

Dieses Modell wurde später auf verschiedene Staaten der Karibik, Mittel- und Südamerika ausgedehnt. Die Ermordung eines spanischen Exilpolitikers, der unter Mitwirkung von CIA und FBI aus den USA in die DR entführt wurde, zeigt die enge Zusammenarbeit zwischen Trujillo und den USA auf.
Das System Trujillos, mit Folter, Verschwindenlassen bzw. offensichtlichen, von der Regierung angeordneten Morden Terror in der Gesellschaft der DR zu säen, sollte sich auch nach Trujillos Tod unter der Ägide der Operation Condor in Südamerika verbreiten.

Die DR bewährte sich also im 20. Jahrhundert, wie schon in der Kolonialzeit, als eine Art Labor und Testgelände – in diesem Fall zur Unterwerfung des lateinamerikanischen Hinterhofs in das US-System der kontrollierten Souveränitäten und militärischen Interventionen.

Abgesehen von dieser Nützlichkeit für die USA verfolgte Trujillo auch noch eine eigene Agenda, um sich von der zweiten Hälfte der Insel, den von ihm als minderwertig eingestuften Schwarzen Haitís abzugrenzen. Das führte zu Massenmorden an haitianischen Immigranten durch die Armee und dem Angebot, Juden aufzunehmen, die vor der nationalsozialistischen Herrschaft flüchten wollten. Aus letzterem wurde aber nichts, vermutlich aufgrund eines Machtworts der USA.

Bis heute ist nicht ganz klar, in wie weit die USA die Attentäter unterstützten, die Trujillo im Mai 1961 in der Nähe der Hauptstadt erschossen. Nach Unruhen, einer Übergangsregierung und einem Putsch kam es zu Neuwahlen, die der aus dem Exil zurückgekehrte Juan Bosch gewann.

Politische Kontinuität nach Trujillo

Die neuere Geschichte der DR spielte sich, was die politische Ebene anging, im Lichte der Rivalität zweier Personen ab: Joaquín Balaguer und Juan Bosch.
Beide begannen ihre unterschiedlichen Karrieren als Schriftsteller und Journalisten.

Balaguer war ein enger Mitarbeiter Trujillos gewesen, und hatte Posten als Botschafter und Minister besetzt. Nach dem Tod Trujillos stand er einer Übergangsregierung vor.
Bosch war 1938 er ins Exil gegangen, wo er ein Jahr darauf in Kuba die Revolutionäre Dominikanische Partei gründete, nach dem Vorbild der kubanischen Partei ähnlichen Namens.
Es ist bezeichnend für die Verhältnisse in Lateinamerika, daß die Einführung Partei mit mehr oder weniger sozialdemokratischer Ausrichtung oder nur der Versuch derselben bereits als „revolutionär“ galt.

Fast alles, was Bosch in Angriff nahm, brachte ihm bald den Verdacht des Kommunismus ein: eine neue Verfassung, Arbeitsrechte, die Freiheit zu gewerkschaftlicher Organisation, liberale Lehrpläne und vor allem – eine Landreform, die die Großgrundbesitzer gegen ihn aufbrachte. Nach nur 7 Monaten putschte das Militär gegen ihn und Bosch ging wieder ins Exil.
Eine weitere Erhebung innerhalb des Militärs, die die Wiedereinsetzung des gewählten Präsidenten Bosch forderten, führte 1965 zu einer weiteren Invasion der USA mit 42.000 Mann. Sie zogen erst wieder ab, als neue Wahlen wieder Balaguer an die Macht brachten.

Balaguer regierte 12 Jahre, mit ähnlichen Methoden wie Trujillo. Als die USA eine erneute Wahlfälschung verhinderten, mußte er einige Zeit pausieren, kam aber 1988 wieder von neuem an die Macht und regierte bis in die 90-er Jahre.

Bosch trat immer wieder zu Wahlen an, blieb aber chancenlos. Die Bevölkerung der DR hatte verstanden, daß die Wahl eines nicht genehmen Kandidaten US-Interventionen zu Folge hatte und daß die Dominikaner „keine zweite Chance auf Erden hatten“.
Die Zusammenarbeit mit den USA ist alternativlos.
Sie setzt sich auch im 21. Jahrhundert fort.

In all diesen Jahren haben US-Firmen in der DR investiert, Grund gekauft, Firmen gegründet und stellen auch in den zur Zeit der ersten Regierung von Balaguer eingerichteten Sonderwirtschaftszonen das Gros der Unternehmen.
In der DR besitzen laut Wikipedia „1 % der Landwirtschaftsbetriebe … über 50 % des Nutzbodens, während 75 % der kleinen Agrarbetriebe nur über einen Anteil von 15 % verfügen.“ (Wikipedia, Wirtschaft der DR)
Diese Latifundien setzen auf Cash Crops für den Export, wie Avocados, sodaß der einheimische Bedarf aus Importen gedeckt werden muß.
Aber Landreformen sind, wie man gelernt hat, eine No-Go-Area.

Ansonsten ist der ohnehin in der Hand ausländische Konzerne befindliche Bergbau zurückgegangen und die Haupt-Stützen der Wirtschaft der DR sind Tourismus und die Überweisungen der dominikanischen Migranten: „Die dominikanische Diaspora in den USA zählt zu den größten lateinamerikanischen Gemeinschaften im Land. Rund 2,4 Millionen Menschen dominikanischer Herkunft leben in den USA (Stand: 2021 … Überweisungen dominikanischer (…) Migranten aus den USA machen etwa 7 bis 8 % des Bruttoinlandsprodukts der Dominikanischen Republik“. (Wikipedia, Beziehungen zwischen DR und USA)

Wenn das Lob erklingt, daß „die DR 2022 die 7-größte Wirtschaft Lateinamerikas“ war, das stärkste Wirtschaftswachstum Mittelamerikas und der Karibik hat, usw. usf. – so sagt das eben über die anderen verglichenen Staaten Unerfreuliches aus.
Besonders krass fällt der Vergleich mit den Nachbarn in Haití aus, die vor ihrem Elend in Massen in die DR flüchten und auch immer wieder in großen Mengen zurück nach Hause abgeschoben werden.

Siehe dazu: Eine Geschichte von Sklaverei und Schuldknechtschaft – Kurzer Abriß der Geschichte Haitís