Pressespiegel El País, 18.12.: Die Erhöhung der Gaspreise führt zu einer Renaissance der Kohle

DIE KRISE VERLEIHT DER KOHLE EIN GEFÄHRLICHES ZWEITES LEBEN

„Die Energiekrise, die wir erleben, hat ebenso unerfreuliche wie schwer akzeptierbare Auswege eröffnet. Die Kohle, die seit Jahren zum Verschwinden verdammt zu sein scheint, um die Klimakrise nicht eskalieren zu lassen, ist im Begriff, das Jahr 2021 mit Rekordzahlen zu beschließen.“

Alles sehr komisch ausgedrückt.
Spanien hat seinen Kohle-Bergbau sehr zurückgefahren und ist deshalb von Energie-Importen extrem abhängig geworden. In diesem Artikel wird die Festlegung auf das Kyoto-Protokoll, die Verminderung von CO2-Emissionen als Methode zur Bekämpfung der Erderwärmung als eine Art Natur-Ereignis, sogar eine übernatürliche Kraft besprochen, der sich die Kohle sozusagen als ungehöriges Subjekt widersetzt. Die wirklichen Subjekte der Energiegewinnung, Energiepolitik und auch deren Kalkulationen kommen zwischen diesen Geistersubjekten gar nicht mehr vor.

„Der allgemeine Preisanstieg aller fossilen Energieträger – insbesondere von Gas, ihrem natürlichen Erbe im Stromsystem – hat einen brutalen Preisanstieg und ein wiederbelebtes Interesse an Kohle in verschiedenen Teilen der Erde verursacht. In kurzer Zeit ist sie aus der rhetorischen Ächtung entkommen und an vorderster Front wieder aufgetaucht.“

Die Kohle, ein schlauer und listiger Kämpfer!
Es ist wirklich bemerkenswert, wie eine Zeitung, die im Grunde seit ihren Anfängen auf ihr intellektuelles Niveau Wert legt, in ausgesprochen kindischer Weise und auch noch mit großem Schwung einen Rohstoff zum Subjekt kürt.

„Der Trend, zu dem auch auf der Nordhalbkugel ein besonders kalter Start in die kalte Jahreszeit mit niedrigeren Temperaturen als üblich beiträgt, wird kurzfristig sein: Der Vormarsch der erneuerbaren Energien ist nicht aufzuhalten und der Rückzug (= der Abschied von) der Kohle bleibt mittelfristig gültig.“

Na sowas, entgegen allen Erwartungen kommt der Winter!
Der übrigens weder besonders früh kam noch besonders kalt ist – es sei denn, man stellt an den Klimawandel den Anspruch, diese Jahreszeit sollte später und kürzer ausfallen.

„Der temporäre Boom könnte nicht gefährlicher und unpassender sein, denn der Erfolg der Energiewende wird zu einem großen Teil daran gemessen, dass die Kohle so schnell wie möglich aus der Energieerzeugung verschwindet.
»Die Kohle füllt die Lücke, die das Erdgas wegen Lieferschwierigkeiten und Preiserhöhungen hinterläßt“, meint Samantha Gross, Chefin der Abteilung für Energie und Klimawandel bei der Brookings Institution, eines der führenden Think Tanks der USA. Sie schließt jedoch aus, daß diese Situation länger andauert. »Die Gaslieferungen und die Windenergie werden wieder zunehmen, und die Preise werden sich normalisieren«, so ihre Prophezeiung. »Es handelt sich um eine zeitlich begrenzte Wiederbelebung der Kohle.«“

Man merkt hier beim Zitieren der Expertin aus Übersee das fast beschwörende Wunschdenken, daß doch die vielerorts beschworene Energiewende stattfinden möge, obwohl die Zeichen dafür offensichtlich schlecht stehen.

„Das Bild dieser unerwarteten Auferstehung setzt sich aus vielen einzelnen Faktoren zusammen. (…) Erstens: Der Kohleverbrauch wird in den USA heute das erste Mal seit 7 Jahren ansteigen, um 21%. Damit trägt er zu einem Viertel der dortigen Energieerzeugung bei. Zweitens: Während China sich verpflichtet, keine neuen Kohlekraftwerke zu bauen, wird in den dortigen Bergwerken mehr Kohle denn je abgebaut.“

Man fragt sich, wo die dann verbraucht wird? In Betrieben? Oder wird sie exportiert?

„Drittens: Obwohl der Anteil der Kohle im spanischen Energie-Mix inzwischen verschwindend ist – 1,8 % im heurigen Jahr – hat das Kohlekraftwerk von As Pontes (La Coruña), das umweltschädlichste von ganz Spanien, bereits 3x in diesem Jahr Energie ins Netz eingespeist, und das Kraftwerk von Los Barrios (Cádiz) hat ähnliches vor.“

Auch die Kohlekraftwerke, diese Ungetüme, werden hier als Subjekte präsentiert, man fragt sich, wer die betreibt und wer die Entscheidungen zu ihrem Einsatz trifft?

„Viertens: Der Kohlepreis ist auf den internationalen Märkten auf das Doppelte angestiegen und steigt weiter, nachdem er im Oktober ein historisches Minimum erreicht hatte.
Sowohl die Bergwerksunternehmen als auch die Kohle-Lobby“ (wer das wohl ist?) „spüren Aufwind aufgrund dieser Entwicklung. »Der Markt hat gesprochen: Die Kohle rührt sich wieder«, so vor einigen Wochen der Präsident der Vereinigung der US-Bergwerksunternehmen, Rich Nolan. Mit gutem Grund: Innerhalb einiger Monate sind sie von einer Out-Position wieder zurück im Spiel und müssen nicht um Emissionsrechte kämpfen.
Obgleich es sich bloß um eine zeitlich begrenzte Konjunktur handelt – und das ist so! – so könnte der Kontrast zwischen dem derzeitigen Anstieg des Kohleverbrauchs und dem angestrebten Kurs ihrer Verdrängung zur Verhinderung der Erderwärmung nicht größer sein. Die Realität sieht aus wie folgt: Die Internationale Energie-Agentur, eine Unterabteilung der OECD, sagt voraus, daß sich nach dem historischen Spitzenwert in diesem Jahr der Kohleverbrauch 2022 weiter steigern wird. Was die angestrebten Klimaziele angeht, so sollte der Kohleverbrauch bis 2030 um 55% und bis 2050 um 90% zurückgehen, um ein extrem unerfreuliches Klimaszenario zu vermeiden.
»Die Energiegewinnung aus Kohle ist die Haupt-Quelle der Kohlendioxid-Emissionen. Das historische Hoch der aus Kohle gewonnenen Energie ist ein bedenkliches Signal, wie weit wir vom Erreichen der Null-Emissionen sind«, kritisiert der Direktor dieser Organisation, Fatih Birol.“

Vielleicht ist dieses Erreichen der Null-Emissionen sowieso unmöglich und wird nur aus Gründen der imperialistischen Konkurrenz hochgehalten?
Vielleicht wäre es weitaus nützlicher, diese Emissionen in Kauf zu nehmen und sich um ihre Absorption zu kümmern, durch Aufforstung und Verhinderung von Flächenversiegelung?

„»Ohne eine entschlossene und sofortige Aktion der Regierungen, die CO2-Emissionen zu reduzieren, schaut es schlecht aus um das angestrebte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5° zu begrenzen – falls das überhaupt möglich ist.«
Obwohl sich die Gegenstimmen exponentiell steigern, verbleibt der Anteil der Kohle an der weltweiten Energiegewinnung bei 40%, praktisch auf gleichem Niveau wie – Achtung! – 1973, zur Zeit der Ölkrise. Zu einem guten Teil geht dieser hohe und sogar wachsende Kohleanteil in der Energiegewinnung auf das Konto der aufstrebenden Wirtschaften Asiens, wo auch ein großer Teil der Weltbevölkerung zu Hause ist. China war der einzige große wirtschaftliche Player, wo der Kohleverbrauch sogar 2020 zugenommen hat, auf dem Höhepunkt der Pandemie, und heuer auch um 9% gestiegen ist. Noch beunruhigender ist der Fall Indiens: Die Internationale Energie-Agentur schätzt den Anstieg des Verbrauchs für 2021 auf 12% ein.
»Heute ist die Kohle König, weil ihre Erzeugung billiger ist als die jeder anderen Energiequelle«, verlautbarte Mitte Oktober der Präsident der französischen Ölfirma Total, Patrick Pouyanné. Er übersah dabei, daß die Wind- und Sonnen-Energie die billigste ist.“

Wie mans nimmt.
Erstens ist sie deswegen günstig für den Abnehmer, weil viel staatliche Unterstützung hineingebuttert wird. Zweitens ist sie aber zum Unterschied von Kohle von der Witterung abhängig und deshalb im Winter nicht in ausreichender Menge vorhanden.

„»Allerdings sind die Kosten für erneuerbare Energien gleich Null, sobald die Sonnenkollektoren und Windräder einmal installiert sind,“

was nicht richtig ist.
Immerhin muß diese Energie in Netze eingespeist werden, die erst einmal für diese unregelmäßig eintreffende Energie ausgelegt sein müssen, und jemand muß diese ganzen Anlagen auch warten. Kosten verursachen die erneuerbaren Energie-Generatoren und der Transport dieser Energie allemal, und gar nicht so wenig.

„aber es ist weiterhin billiger, Kohlekraftwerke zu errichten. Vor allem in Asien, wo der Stromverbrauch stetig ansteigt«, bemerkt Sareena Patel, die wichtigste Analystin für den Kohlemarkt bei der Beratungsfirma IHS Markit. Deshalb wird ihrer Ansicht nach die Verdrängung dieser Energiequelle weitaus komplizierter als viele angenommen haben.“

Mit einem Wort, die Europäer haben die Rechnung ohne den Rest der Welt gemacht. Aber auch hier gibt es solche, die Wasser predigen und Wein trinken:

„Allerdings springt die ungebrochene Bedeutung der Kohle in zwei der größten europäischen Staaten ins Auge. Obwohl sich die neue Regierungskoalition in Deutschland verpflichtet hat, die Kohle bis 2030 aus der Energiegewinnung zu verbannen, ist der Anteil an der Energiegewinnung von 21% in der ersten Hälfte 2020 auf 27% in der ersten Hälfte 2021 gestiegen. Damit hat die Kohle die Windenergie überstochen.
In Polen, dem schwierigsten Fall des Alten Kontinents, wird die Kohle für beinahe drei Viertel der Energieerzeugung verwendet.
Das sind die zwei Schönheitsflecken in einem Europa, das sich anschickt, sich von der Kohle zu verabschieden.“

Oder eben auch nicht.
Der Artikel weist diverse sprachliche Eigenheiten auf, die allesamt dem Umstand geschuldet sind, die Wiederkehr der Kohle schön- und wegzureden.

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Der Strompreis in Spanien verzeichnet ein historisches Maximum am letzten Samstag

Der Durchschnittspreis für Strom im Großhandel beträgt heute (am 18.12.) 306,33 € pro Megawatt/Stunde (MWh), der teuerste an einem Samstag erreichte Strompreis in der Geschichte Spaniens. Der wochenendmäßig bedingte Verbrauchsrückgang hat wenig genützt: Der Rückgang betrug weniger als 1% gegenüber gestern, Freitag, mit einem Preis von 309,20 € pro MWh, der zweite Tag mit einem Maximum hintereinander und der 3. Tag mit mehr als 300 €/MWh. Damit stieg der Strompreis um 28% gegenüber letztem Samstag und das 6-fache gegenüber dem Preis vom 18. 12. des Vorjahres.
(…)
Nach der leichten Beruhigung im November, als der Gaspreis sich auf den internationalen Märkten stabilisierte, stieg er im Dezember aufgrund der Spannungen zwischen Rußland und der Ukraine (…) in ungeahnte Höhen. Dazu kam noch der Baustopp von Nord Stream II.
In Spanien kommt noch dazu, daß nach einigen Tagen der Windstille die Erzeugung von Windenergie stark zurückgegangen ist. Das war aber im heurigen Jahr die wichtigste Energiequelle in Spanien.
Der Dezember wird also vermutlich den Oktober als den Monat mit dem historisch höchsten Strompreis ablösen. (…) Im Laufe dieses Monats war der Durchschnittspreis im Großhandel 235,25 €/MWh, 35 Euros über dem Durchschnittspreis vom Oktober.

24 Gedanken zu “Pressespiegel El País, 18.12.: Die Erhöhung der Gaspreise führt zu einer Renaissance der Kohle

  1. Grüner Etikettenschwindel

    Die Deutsche Bank steht in den USA vor Rechtsstreitigkeiten wegen mutmaßlichen Greenwashings. Das Geldhaus musste seit 2018 bereits 17 Milliarden US-Dollar an Strafzahlungen leisten.

    FRANKFURT AM MAIN/NEW YORK (Eigener Bericht) – Die Deutsche Bank steht erneut vor langwierigen juristischen Auseinandersetzungen in den USA – diesmal wegen mutmaßlichen Greenwashings. Konkret wird ein Tochterunternehmen des Geldhauses, der Fondsanbieter DWS, beschuldigt, Etikettenschwindel bei "grünen" Investmentprodukten betrieben zu haben. Ausgelöst wurde der Skandal durch Berichte einer Whistleblowerin, die in einem Zeitungsinterview über die Praxis ihres früheren Arbeitgebers DWS berichtet hatte, seine "grünen" Aktivitäten übertrieben dargestellt zu haben – wohl, um auf dem stark boomenden Markt für ökologisch nachhaltige Finanzprodukte Erfolge zu erzielen. Für die Deutsche Bank ist der neue Rechtsstreit ein schwerer Rückschlag bei ihrem Versuch, einen Imagewechsel in den USA einzuleiten. Die Liste ihrer dortigen Gesetzesverstöße und Strafzahlungen ist lang; Berichten zufolge hat sie allein seit 2008 Strafen in Höhe von 17 Milliarden US-Dollar begleichen müssen. Die einstige Hausbank von Donald Trump hatte unter anderem Geschäftsbeziehungen zu dem kriminellen Milliardär und vielfachen Vergewaltiger Jeffrey Epstein. (…)

    Die deutsche Skandalbank

    Für die Deutsche Bank stellen die jüngsten Enthüllungen ein Desaster dar. Das Geldinstitut hatte sich noch vor kurzem um einen Imagewechsel in den Vereinigten Staaten bemüht. Die Liste seiner Gesetzesverstöße und entsprechender Strafzahlungen in den USA ist lang: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg soll die größte deutsche Bank dort seit 2008 Strafen in Höhe von 17 Milliarden US-Dollar beglichen haben.[4] Erst im Januar 2021 hatte die Deutsche Bank in einem Korruptions- und Schmiergeldskandal einen millionenschweren Vergleich gezahlt und versprochen, künftig etwaige Unregelmäßigkeiten sofort den Behörden zu melden. Das führende deutsche Geldhaus musste unter anderem wegen zwielichtiger Subprime-Hypothekengeschäfte, wegen Geldwäsche in Russland, aufgrund der Manipulation der Referenzzinssätze Libor und Euribor, wegen umfassender Verstöße gegen das Iran-Embargo und aufgrund seiner Geschäftsbeziehungen zu dem kriminellen Milliardär und vielfachen Vergewaltiger Jeffrey Epstein Strafzahlungen leisten. Hinzu kommen Vorwürfe der Steuerhinterziehung, die das Image des deutschen Finanzhauses in den USA schwer beschädigten.[5] Überdies galt die Deutsche Bank als Hausbank von Ex-US-Präsident Donald Trump, die dessen Familienunternehmen, der Trump Organization, noch Kredite gewährte, als "andere Banken sich längst zurückgezogen hatten", wie es in Medienberichten hieß.[6] Erst Mitte Januar 2021, nachdem der Sturm auf das Kapitol gescheitert war, brach die Deutsche Bank die Geschäftsbeziehungen mit Trump ab, der dem Geldhaus angeblich rund 340 Millionen US-Dollar schuldet. Insgesamt sollen Deutsche Bank-Kredite in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar an Trumps weitverzweigtes Firmenkonglomerat geflossen sein.

    Gescheiterter Imagewechsel

    Noch im Oktober bemühte sich die Führung der Deutschen Bank, ein neues Kapitel in ihren US-Aktivitäten aufzuschlagen und einen grundlegenden Imagewechsel einzuleiten.[7] Anlässlich des Umzugs in ein neues Hauptquartier im New Yorker Time Warner Center sprach Vorstandschef Christian Sewing von einem "starken Signal"; man wolle in den USA eine "gewichtige Rolle" spielen. Der US-Markt sei "der zweitgrößte Markt für die Deutsche Bank nach unserem Heimatmarkt Deutschland", konstatierte Sewing, der eine "Neuausrichtung" und eine "Gesamtveränderung" im Geschäftsgebaren der Skandalbank versprach. Noch im Sommer 2019 hatte die Deutsche Bank in den USA tausende Mitarbeiter gekündigt; es gab Spekulationen, das Geldhaus könne sich komplett aus den Vereinigten Staaten zurückziehen. Nun hieß es, das Institut stehe vor einem Neustart in den USA.

    Boom "grüner" Investitionen

    Es scheint indes kein Zufall zu sein, dass der jüngste Skandal um die Deutsche Bank ausgerechnet durch Vorwürfe ausgelöst wurde, sie betreibe Greenwashing von Finanzprodukten. Die Branche der angeblichen Öko-Investments boomt derzeit.[8] So sind allein in den USA im Jahr 2020 rund 51 Milliarden US-Dollar in Anlageprodukte geflossen, die den Anspruch erheben, ökologisch nachhaltig zu sein. Das verstärkte Interesse an "grünen" Investitionen verstärkt Tendenzen zum ökologischen Etikettenschwindel, die nicht nur bei der Deutschen Bank zu beobachten sind. Laut der US-Wirtschaftsmagazin Forbes wird auch Europas größte Bank, die britische HSBC, von Investoren verdächtigt, Greenwashing betrieben zu haben.[9] Das Finanzinstitut habe öffentlich erklärt, "CO2-Neutral" agieren zu wollen, spiele zugleich aber eine führende Rolle bei der Finanzierung der Kohleindustrie und habe noch kurz vor seiner Ankündigung, auf Klimaneutralität zu orientieren, zusätzliche 1,8 Milliarden US-Dollar in Unternehmungen der fossilen Energieindustrie gepumpt. Nichtregierungsorganisationen prangern indes eine generelle Tendenz innerhalb der Finanzindustrie an, sich mit ökologischen Investitionen zu schmücken, was sich bei genauem Hinsehen allerdings als bloß vorgetäuscht erweise.[10] Demnach hätten die 60 größten Privatbanken der Welt in den fünf Jahren seit dem Abschluss des Pariser Klimaabkommens rund vier Billionen US-Dollar in Projekte der fossilen Energieindustrie investiert – ein "Rekordwert", der in einem "dramatischen" Widerspruch zu den öffentlichen Äußerungen vieler dieser Banken stehe. Das Finanzhaus BNP Paribas etwa bezeichne sich in Selbstdarstellungen als "die Bank, die die Welt verändert". Zugleich habe sie aber zwischen 2016 und 2020 ihre Finanzierung von Projekten der fossilen Energieindustrie um 142 Prozent ausgeweitet. Die Bank sei nun einer der wichtigsten "Finanzierer von Offshore-Öl- und Gasprojekten". (…)

    https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8799/

  2. ENERGIEMARKT
    Strompreis an der Börse am Dienstag beinahe doppelt so hoch wie üblich

    620 Euro kostete die Megawattstunde Strom im Großhandel. Einer der Gründe dürften geringere Gaslieferungen aus Russland sein

    Die Strompreise haben Dienstagabend einen kräftigen Satz nach oben gemacht. Um 17 Uhr wurden auf den europäischen Großhandelsmärkten, wo sich Stromhändler und Industriebetriebe eindecken, in der Spitze Preise von 620 Euro je Megawattstunde (MWh) gesehen, das sind 62 Cent je Kilowattstunde (kWh) und damit beinahe doppelt so viel wie normalerweise in diesen Wochen.

    https://www.derstandard.at/story/2000132081089/strompreis-schnellte-an-der-boerse-kurz-ueber-marke-von-600

    Dagegen wirkt der Strompreis in Spanien vom 18.12. ja wie ein Geschenk …

    „Für Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft in der E-Control, erklärt sich der Preissprung durch den ebenfalls sehr hohen Gaspreis von etwa 150 Euro pro MWh.

    Um eine MWh Strom zu erzeugen, braucht es etwa zwei MWh Gas. "Wird ein Kraftwerk nur kurz rauf- und dann wieder runtergefahren, um den Strombedarf in diesem engen Zeitfenster abzudecken, ist das sehr teuer", sagte Mayer im Gespräch mit dem STANDARD. Das teuerste Kraftwerk, das am Netz ist, bestimmt den Preis aller anderen.

    Probleme bei französischen AKWs

    Kommt hinzu, dass am Mittwoch 17 von 56 Atomkraftwerken in Frankreich wegen Revisionsarbeiten oder sonstigen Problemen nicht am Netz waren und viel Strom importiert werden musste. Das und die Tatsache, dass die Gaszufuhr über die Pipeline Jamal nach Europa unterbrochen ist, verstärkt die Nervosität laut Mayer zusätzlich. Derzeit kommt Gas in Polen nur über Rücklieferungen aus Deutschland an. Hatte Gazprom bis Oktober die Kapazitäten der Pipeline in einem Jahresvertrag gebucht, ist das Unternehmen im Herbst auf Monatsverträge und im Dezember dann nur noch auf Tagesbuchungen umgestiegen. Dabei sinken seit 17. Dezember die täglich gebuchten Kapazitäten, am Dienstag bestellte Gazprom dann gar nichts mehr.

    Kremlsprecher Dmitri Peskow dementierte, dass Gazprom damit die Zertifizierung der Ostseepipeline Nord Stream 2 forcieren wolle, an der auch die OMV beteiligt ist. Es gehe um kommerzielle Fragen, die nichts mit Nord Stream 2 zu tun hätten.

    Teures Gas treibt Strompreise

    Stanislaw Mitrachowitsch, Experte des Kreml-nahen Fonds für nationale Energiesicherheit, begründete den Lieferverzicht mit fehlenden Bestellungen aus Europa. Da es keine langfristigen Verträge mehr gebe, müssten Käufer das Gas zu den hohen Spot-Preisen erwerben, und viele würden das nicht wollen.

    Nachrichten über den Lieferausfall sowie die Weigerung Gazproms, im Jänner zusätzliche Kapazitäten zu buchen, haben die Gaspreise auf dem europäischen Gasmarkt zusätzlich in die Höhe getrieben. Am Dienstag erreichte der Gaspreis an der Londoner Börse ICE mit über 2000 Dollar für 1000 Kubikmeter einen historischen Höchststand. Aufgrund der niedrigen Füllstände der unterirdischen Gasspeicher ist unklar, ob Europa über den Winter kommt. Wird der Winter kalt, wird es mit der Versorgungslage kritisch.“

    Am Ende ist doch der Russe schuld, wenn Gas am Weltmarkt als Ware gehandelt wird. Weil sich Gazprom offenbar weigert, unter dem Weltmarktpreis zu liefern. Darum geht es nämlich bei den „Kapazitäten“.

  3. Energiekrise spitzt sich zu: Im Kosovo gehen die Lichter aus

    Der Kosovo drosselt Strom für Haushalte. Zwei Stunden lang wird den meisten der zwei Millionen Menschen in dem Balkanland die Elektrizität gekappt. Eine Reaktion auf die Energiekrise, die sich durch eine Störung im wichtigsten Kohlekraftwerk des Kosovo weiter verschärft hat.

    In ganz Europa spitzt sich die Energiekrise zu. Steigende Gas- und Strompreise zwingen Länder und Unternehmen, die Produktion zu drosseln, es kommt zu Lieferengpässen. Expertinnen und Experten warnen, dass es im Falle eines kalten Winters auch in anderen Teilen Europas zu Stromausfällen kommen könnte.

    https://de.euronews.com/2021/12/25/energiekrise-spitzt-sich-zu-im-kosovo-gehen-die-lichter-aus

  4. Zweitens: Während China sich verpflichtet, keine neuen Kohlekraftwerke zu bauen, wird in den dortigen Bergwerken mehr Kohle denn je abgebaut.“ Man fragt sich, wo die dann verbraucht wird? In Betrieben? Oder wird sie exportiert?

    Soviel ich weiß haben die Chinesen in den letzten Jahren und Jahrzehnten wie wild Kohlekraftwerke gebaut und 200 sind noch im Bau. Da kann man dann locker beschließen keine zusätzlichen mehr zu bauen. Auf Konferenzen kann man sich dann hinstellen und den unschuldigen Klimaengel mimen, der keine neuen Kohlekraftwerke baut. 

    „»Allerdings sind die Kosten für erneuerbare Energien gleich Null, sobald die Sonnenkollektoren und Windräder einmal installiert sind,“

    Was so alles durchgeht bzw. was die Autoren glauben, was bei den Lesern durchgeht ist schon erstaunlich. Das ist ja wie wenn einer sagen würde: Die Kosten der Kohle sind gleich null, sobald sie einmal gefördert ist. Na klar. Wenn man von den wirklichen Kosten absieht, dann sind die Kosten verschwindend gering.

    Mit einem Wort, die Europäer haben die Rechnung ohne den Rest der Welt gemacht. 

    Ganz genau. Deshalb werden die Deutschen und die Europäer mit ihrer aggressiven Energiewende und Klimapolitik auch auf die Schnauze fallen. Im Endeffekt ist diese Energie zu teuer und da die Energiepreise in den Kostpreis der Waren eingehen, handeln sie sich einen mächtigen Konkurrenznachteil ein, während China mit billiger Kohle weiterhin billige Waren herstellen kann. Dabei stimmt noch nicht mal die Grundüberlegung, dass man mit regenerativen Energiequellen nicht mehr von den Öl und Gas liefernden Nationen abhängig ist. Das Gegenteil ist der Fall wie man sieht. Ein selbst verursachter Engpass beim Gas lässt die Preise explodieren.

    Das mit den Spotmärkten ist auch so ein Ding, wo irgendwelche Finanzheinis ausgerechnet haben, dass man besser die Spotmärkte ausnutzt, wo es manchmal auch Schnäppchen zu ergattern gibt oder gab. Bloß wenn halt keiner mehr langfristige Lieferverträge abschließt und alle Nachfrager sich auf Spotmärkte tummeln, vergrößert sich dort eben die Konkurrenz und die Preise schnellen nach oben. So stellt man sich selbst ein Bein. Ist denen jedoch wurscht, am Ende zahlt der Verbraucher.

  5. Warum Japan so viele neue Kohlekraftwerke baut

    Deutschland hat den Ausstieg aus der Kohle für das Jahr 2038 beschlossen. Währenddessen baut Japan gerade zahlreiche riesige Kohlemeiler, wie exklusive Satellitenaufnahmen zeigen. Ist das irre angesichts der weltweiten Klimaziele? Die Regierung in Tokio begründet ihren Sonderweg – mit eher schwachen Argumenten. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

    Anfang November auf der Klimakonferenz in Glasgow versprach Premierminister Fumio Kishida eine Verringerung der japanischen Treibhausgase bis 2030 um fast die Hälfte. Doch das Wort „Kohle“ kam in seiner Rede kein einziges Mal vor. Auch den Aufruf von 40 Staaten zum Verzicht auf Kohleenergie ab den 2030er-Jahren wollte Kishida nicht unterschreiben. (…)

    https://www.wiwo.de/technologie/wirtschaft-von-oben/wirtschaft-von-oben-137-japan-warum-japan-so-viele-neue-kohlekraftwerke-baut/27915048.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

    Den Japanern ist irgendwie der Appetit auf Atomkraft vergangen, wie es scheint …

  6. Zur Gasfrage:

    Österreich hat meines Wissens nach wie vor langfristige Verträge mit Rußland, und verteilt auch von Baumgarten aus das Gas auf den Balkan und möglicherweise auch nach Tschechien und Italien.

    Hier ist das Problem die Ukraine, die erstens Transit-Gas klaut und zweitens auch die Infrastruktur nicht gut wartet. Beides mit Rückendeckung der EU und USA. (Gazprom wollte ja die ukrainischen Pipelines einmal übernehmen, den empörten Aufschrei hörte man bis zum Südpol …)

  7. Alles ist offenbar möglich, wenn man nur „grüne Energie“ generieren will:

    „Die EU-Kommission will Investitionen in Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich einstufen. Das geht aus einem Entwurf für einen Rechtsakt der Brüsseler Behörde hervor, der am Neujahrstag kurz nach dem Versand an die EU-Mitgliedstaaten öffentlich wurde.

    Investitionen in neue Atomkraftwerke sollen demnach dann als grün klassifiziert werden können, wenn die Anlagen neusten technischen Standards entsprechen und wenn ein konkreter Plan für den Betrieb einer Entsorgungsanlage für hoch radioaktive Abfälle ab spätestens 2050 vorgelegt wird. Zudem ist als eine weitere Bedingung vorgesehen, dass die neuen kerntechnischen Anlagen bis 2045 eine Baugenehmigung erhalten, wie aus einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Text hervorgeht. (…)“

    https://futurezone.at/digital-life/bruessel-gas-und-atomkraft-gruen-energien-nachhaltig-eu-oesterreich-gesetz-taxonomie/401858975

  8. Der im Wachstumszwang verfangene Spätkapitalismus Energiekrise:
    DDR minus Sozialismus

    Gerinnen die zunehmenden Lieferengpässe und Versorgungslücken zu einer neuen Normalität in der spätkapitalistischen Dauerkrise?

    Was braucht die am Rande des Klimakollaps taumelnde Welt am dringendsten? Mehr Kohle, selbstverständlich! Vor wenigen Tagen ordnete die Führung in Peking an, die Fördermengen der Kohleminen in der Volksrepublik rasch zu erhöhen, um den anhaltenden Stromausfällen und Energieengpässen zu begegnen.
    72 Kohleminen in der inneren Mongolei wurden von den lokalen Behörden angewiesen, ihre Produktion um rund 98 Millionen Tonnen zu erhöhen, was in etwa 30 Prozent der monatlichen Kohleproduktion Chinas entspricht. Die staatskapitalistische „Werkstatt der Welt“ ist der mit Abstand grösste globale Kohleproduzent und -konsument, dessen halsbrecherische Wachstumsdynamik der vergangenen zwei Dekaden durch eine Verdreifachung des Kohleverbrauchs befeuert wurde.

    Neben dem geopolitischen Konflikt mit dem Kohleexporteur Australien, dessen Minen noch vor wenigen Jahren einen grossen Teil ihrer Produktion in die Volksrepublik ausführten, sind es ausgerechnet die ersten zaghaften Massnahmen Pekings zur Eindämmung der Klimakrise, die nun zu Produktions- und Stromausfällen in China beitragen. Im April kündigte die chinesische Regierung an, heuer den Kohleverbrauch auf 56 Prozent des gesamten Energieverbrauchs von knapp fünf Billionen Tonnen Kohleäquivalenten begrenzen zu wollen. Zudem mussten etliche Kohleminen in China die Produktion aufgrund höherer Sicherheitsstandards drosseln. Der Versuch Pekings, eine Entkopplung von Energieverbrauch und Kohleverfeuerung einzuleiten, musste somit vorerst abgebrochen werden. (…)

    https://www.untergrund-blättle.ch/wirtschaft/energiekrise-rohstoffe-6809.html

  9. Zu den Gasimporten der EU:

    Man kann hier z.B. sehen, daß die Ukraine schlechte Karten hat. Sogar vor der formellen Öffnung von Nord Stream II wird sie durch die anderen Pipelines ausgebootet.
    Die an und für sich schon eher schwache Jamal-Pipeline, mit der vor allem Weißrußland gute Geschäfte als Gas-Transitland gemacht hat, wird offensichtlich nicht mehr sehr genutzt.
    Aber die im Vorjahr eröffnete Turkish Stream-Pipeline, die die ausgebootete South Stream Pipeline ersetzt hat, liefert bereits heftig und ist vermutlich noch steigerungsfähig. Vor allem versorgt sie diejenigen Staaten, die früher durch die Ukraine ihr Gas bezogen haben.

    Das betrifft aber nur den bisherigen Pipeline-Verkehr. Würde Nord Stream II eröffnet, so könnte auch Frankreich, die Iberische Halbinsel und andere Staaten beliefert werden, die jetzt weitaus teurer Flüssiggas über Tanker beziehen müssen.

  10. Energieexperten einig: Flüssiggas aus den USA kann die Lieferungen Russlands im Ernstfall nicht ersetzen

    Die EU-Kommission verweist im Falle eines Lieferstopps für Erdgas aus Russland auf Notfallpläne. Doch Experten bezweifeln, dass das ausreicht.

    Berlin, Brüssel, New York, Washington Die Planung für den Ernstfall hat begonnen: Offiziell will es niemand einräumen, doch die Gefahr, dass Russland Europa bei einer Eskalation der Ukrainekrise von Gaslieferungen abschneidet, ist real. Hinter verschlossener Tür sind Politik und Wirtschaft in Alarmbereitschaft. Die US-Regierung arbeitet an einem Konzept für die Notversorgung Europas und hat schon Gespräche mit Industrievertretern hierzulande geführt. Das bestätigte ein Sprecher des US-Außenministeriums dem Handelsblatt. (…)

    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/ukraine-krise-energieexperten-einig-fluessiggas-aus-den-usa-kann-die-lieferungen-russlands-im-ernstfall-nicht-ersetzen/27987074.html

  11. Die Verflüssigung von Erdgas benötigt einiges an Aufwand – an Energie.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gasverfl%C3%BCssigungsanlage

    Vom Standpunkt des Klimas und der Erderwärmung ist diese ganze geplante Umstellung von russischem Pipelinegas auf importiertes Flüssiggas höchst widersinnig. Von den Kosten ganz zu schweigen, die u.a. in den Preis der erzeugten Güter eingehen und den Abstieg Europas als Industriestandort beschleunigen würden.

    Spanien will jetzt aus der Not (– es hat kein Erdgas und nur eine aktive Pipeline-Verbindung nach Algerien) eine Tugend machen und sich als Einfallstor für US- und Golfstaaten-Flüssiggas positionieren. Es hat 6 Häfen mit Einrichtungen für die Annahme und Rück-Vergasung von Flüssiggas, und sieht sich bereits als den Energie-Hub, der Deutschland mit Nord Stream II und Blgarien mit South Stream werden wollten.
    Allerdings mit gewissen Schwierigkeiten: Wenn das Flüssiggas nach Spanien kommt, wie kommt es dann weiter nach Mitteleuropa? In Tankwagen? In Gasflaschen? Oder fängt man an, Pipelines aus spanischen Häfen nach Mitteleuropa zu verlegen.

    Bei diesen ganzen Überlegungen zur Gasversorgung weg von Rußland hat man den Eindruck, den Bewohnern eines Irrenhauses wäre Ausgang erteilt worden, um sich die Energieversorung Europas neu auszudenken.

  12. <strong>Lieber Erdbeben als russisches Gas</strong>

    Machtkampf gegen Russland f&uuml;hrt zu langfristig h&ouml;heren Erdgaspreisen. Deutschland verhindert Stilllegung eines Erdgasfeldes in den Niederlanden wegen Erdbebengefahr.

    BERLIN/WASHINGTON/DEN HAAG (Eigener Bericht) &ndash; Der Machtkampf des Westens gegen Russland f&uuml;hrt zu einer langfristigen Erh&ouml;hung des Erdgaspreises in Deutschland und zu einer tendenziell unsicheren Versorgung. Das ergibt sich aus Pl&auml;nen der Bundesregierung, k&uuml;nftig st&auml;rker auf die Einfuhr von Fl&uuml;ssiggas zu setzen. Fl&uuml;ssiggas ist teurer als Pipelinegas; zudem ist es unter aktuellen Bedingungen unzuverl&auml;ssig: Fl&uuml;ssiggastanker k&ouml;nnen jederzeit zu einem anderen Ziel gesteuert werden, wenn sich dort h&ouml;here Preise erzielen lassen. Es kommt hinzu, dass Fl&uuml;ssiggas &bdquo;fast so klimasch&auml;dlich wie Steinkohle&ldquo; ist, wie ein Experte des Umweltbundesamts erkl&auml;rt. Auch weiterhin nicht in Betrieb genommen wird die Pipeline Nord Stream 2, obwohl sie, wie Branchenvertreter best&auml;tigen, dem aktuellen Mangel in der Bundesrepublik abhelfen k&ouml;nnte. Dieser nimmt gravierende Ausma&szlig;e an: Gas ist teurer denn je; die Gasspeicher in Deutschland sind so leer wie noch nie zu dieser Jahreszeit. Bei einer lediglich einw&ouml;chigen K&auml;ltewelle w&uuml;rde die Versorgung kollabieren. Berlin besteht auf Gasimporten aus Groningen &ndash; und verhindert die Stilllegung des dortigen Gasfeldes wegen Erdbebengefahr.

    https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8831/

  13. Zug, die Stadt der Kohle
    Die Schweiz – Putins Kohlekraftwerk

    Obwohl die Schweiz ihr letztes Kohlebergwerk vor 75 Jahren geschlossen hat, erlebt die Branche eine Renaissance.

    Der Finanzplatz Zug hat sich darauf spezialisiert, die grossen russischen Bergbaukonzerne willkommen zu heissen, die jährlich über 225 Mio. Tonnen Kohle auf die Waage bringen – 3,5 Mal mehr als das viktorianische Grossbritannien, das auf dem Russ der industriellen Revolution aufgebaut wurde. Nach der Invasion der Ukraine und der Verhängung des Embargos für russische Kohle bis Ende August steht das helvetische «Kohledreieck», in dem 75% der russischen Exporte gehandelt werden, zum ersten Mal im Rampenlicht. Die Schweizer Behörden, die für die Durchsetzung der Sanktionen zuständig sind, scheinen bereits überfordert zu sein.

    Zug – neu also auch ein Supermarkt für russische Kohle. Ebenso wie Glencore oder Gazprom im lieblichen Innerschweizer Kanton mit ihrem Hauptsitz oder einer Handelsabteilung vertreten sind, haben dem Kreml nahestehende Industriekapitäne Anfang der 2000er Jahre damit begonnen, ihre Holdings und andere Handelszweige in Zug zu errichten. Diese Firmen sind für den Export der in den Minen Sibiriens und des Fernen Ostens geförderten Kohle zuständig. Neben Genf und Lugano bildet Zug den dritten Eckpunkt des helvetischen Kohledreiecks.

    Ab dem 29. August sind die Einfuhr, der Verkauf und die Erbringung von Finanzdienstleistungen, wie z. B. Brokerage (Trading), im Zusammenhang mit russischer Kohle in der Schweiz und in Europa vollständig verboten. Peinlich für Zug, das sich in aller Stille als Drehscheibe für diesen gefragten Energieträger aus Russland etabliert hat.

    In einem Land, das noch immer keine Task Force zur Identifizierung russischer Gelder eingerichtet hat, ist das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) für die Durchsetzung der Sanktionen zuständig. Das SECO verfügt jedoch nicht über eine offizielle Zählung der Anzahl russischer Handelsunternehmen mit Sitz in der Schweiz. Auf der Grundlage eines Berichts des Bundesamts für Statistik schätzt es die Zahl solcher «russisch kontrollierten» Unternehmen jedoch auf 14, wie es uns bestätigte. Unsere Recherche zeigt, dass es in Tat und Wahrheit viel mehr dieser Handelsfirmen gibt.

    Laut einer Zählung von Public Eye sind in der Schweiz 240 Firmen im Handelsregister eingetragen, die mit Kohle, Koks oder festen fossilen Brennstoffen handeln, diese transportieren oder damit verbundene Finanzdienstleistungen anbieten. Eine beträchtliche Anzahl dieser Firmen befindet sich im Besitz von Oligarchen oder reichen Geschäftsleuten aus Russland. Unsere Recherchen haben ergeben, dass sich die neun grössten Kohleförderer Russlands in den letzten zwanzig Jahren in Zug oder im Nordosten der Schweiz niedergelassen haben. Nur einer von ihnen hat inzwischen seine Zelte abgebrochen.

    In der ganzen Schweiz trifft dies auf 25 solcher Firmen zu. Vermutlich sind es sogar noch mehr, da das Schweizer Handelsregister keine Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten enthält.

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    Glencore ist der grösste Kohleexporteur der Welt, abgesehen von staatlichen Unternehmen. Doch in Wirklichkeit macht ihm ein anderes Unternehmen mit Sitz in der Schweiz die Krone des Kohlekönigs streitig. Das ist die Sibirische Energie- und Kohlegesellschaft, besser bekannt unter ihrem Akronym SUEK. Der grösste russische Kohleproduzent, der 2001 von dem russischen Milliardär Andrei Melnitschenko (der bis mindestens vor den Sanktionen in der Schweiz wohnte) gegründet worden ist, hat bis 2021 die gewaltige Menge von 102,5 Mio. Tonnen Kohle dem Boden entrissen; dazu kommen 17 Mio. Tonnen, die SUEK von Drittfirmen gekauft hat. Andrei Melnitschenko, der es ablehnt, sich als Oligarch bezeichnen zu lassen, und behauptet, dass er beim Aufbau seines Vermögens keinerlei politische Unterstützung erhalten habe, liess seine Firma im Dezember 2004 bei einem St. Galler Treuhänder domizilieren und verlegte die Holding und den Handelszweig von SUEK später in ein Büro an der Baarerstrasse, das sich den Eingang mit einer Filiale der Zuger Kantonalbank teilt.

    (…)

    Der Grossteil der in Russland geförderten Kohle wird allerdings gar nicht durch die Schweiz transportiert. In Europa, dem wichtigsten Absatzmarkt, hat die Kohle zwei Eingangstore. Auf dem Seeweg (37 Mio. Tonnen pro Jahr) wird die Kohle auf grossen Massengutfrachtern transportiert, in den nordeuropäischen Häfen (Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen) entladen und auf dem Rhein nach Deutschland transportiert. Auf dem Landweg (ca. 8 Mio. Tonnen pro Jahr) wird die Kohle direkt per Bahn von Russland nach Polen befördert.

    Die Händler: Süchtig machen nach schwarzen Diamanten

    «Ein Diamant ist ein Stück Kohle, das gut auf Druck reagiert hat.» Dieses Zitat wird Henry Kissinger zugeschrieben, dem US-Aussenminister in der Nixon-Ford-Ära (1973-1977). Aus geologischer Sicht zweifelhaft, stellt diese Phrase dennoch ein gutes Narrativ dar. Die umweltschädlichste aller fossilen Energien hat auf den Märkten noch nie so sehr geglänzt. Die Überwindung der Pandemie, der Aufschwung, der Krieg in der Ukraine, die Verteuerung des Gases: Alles scheint die Kurse aufzublähen, die sich innerhalb eines Jahres verdreifacht haben. Im Jahr 2022 werden wir so viel Kohle verbraucht haben wie noch nie in der Geschichte der Menschheit.

    Trotz der schrittweisen Einführung des Embargos für russische Kohle könnte Russland weiterhin von den steigenden Preisen profitieren. Vorausgesetzt, es finden sich Käufer. Einige Bergbauunternehmen preisen nun auf ihrer Website den «Rekordpreis» für russische Kohle für ausländische Importeure angesichts des «Anstiegs des Dollars und des Euros» an. Mit einer Jahresproduktion von 460 Mio. Tonnen würden die Vorkommen des Landes (die zweitgrössten der Welt) laut dem BP-Bericht 2021 eine weitere Förderung für mehr als 400 Jahre ermöglichen. Heisst es nicht, dass Diamanten für immer sind? In Russland scheint niemand je daran gezweifelt zu haben.

    Europäische Abhängigkeit

    Europa ist stark von diesen russischen Bergbauunternehmen abhängig, die 68% seines Kohlebedarfs liefern. «Die grosse Herausforderung besteht darin, 45,4 Mio. Tonnen zu ersetzen», sagt Alex Thackrah, Analyst für den europäischen Kohlemarkt bei Argus Media, der Referenzagentur, die Preisindizes für Spotmärkte erstellt. «Es ist kaum vorauszusehen, was mit den Verträgen mit russischen Unternehmen passieren wird», räumt der Experte ein. «Das wird ein Albtraum werden». Für die Schweiz, die sich zum Knotenpunkt für russische fossile Energieträger entwickelt hat, dürfte es eine Herkulesaufgabe sein.

    Auch unser Land kommt noch nicht ohne Kohle aus. 2020 importierte die Schweiz 9’904 Tonnen russische Kohle, was etwa 7% der Gesamteinfuhr von fast 139’000 Tonnen entspricht. Im Jahr zuvor hatten die Importe aus Russland mit 10,7% einen Rekordwert erreicht. Global gesehen macht Kohle immer noch 36% des weltweiten Energiemixes aus.

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    https://www.untergrund-blättle.ch/wirtschaft/unternehmen/die-schweiz-putins-kohlekraftwerk-6877.html

  14. Eine Zahlen und Daten zur Kohle (aus El País, 16.12.)

    Heuer wurde ziemlich viel Kohle zur Energiegewinnung verwendet, weltweit gab es eine Erhöhung um 1,2% gegenüber 2021, wo auch nicht gerade wenig verheizt wurde. Erstmals wurden weltweit mehr als 8 Milliarden Tonnen verbraucht. Die IEA rechnet mit weiterem Anstieg in den nächsten Jahren.

    Der Anstieg verdankt sich in erster Linie dem gestiegenen Gaspreis. Die großen Zuwächse werden vor allem in Indien und China registriert, weniger in der EU.
    Dazu kommt, daß die russische Kohle nicht mehr in die EU importiert werden darf und sich neue Märkte woanders suchen muß, was Inversionen in die entsprechende Infrastruktur bedingt.

    Kohletagbau in Welzow (Lausitz)
    Kohletagbau in Welzow (Lausitz)

    Die EU hingegen sucht nach neuen Kohlelieferanten, wobei sich Südafrika, Kolumbien und Indonesien anbieten. (!! Man beachte die Transportrouten und auch die Transportmittel, – gegenüber der Eisenbahn, die die Kohle aus Rußland brachte.) Das führt natürlich zu einer Verteuerung der Kohle. Außerdem steigt der Preis, weil die nicht so schnell liefern können, wodurch sich der Markt verengt, und die Preise weiter steigen.
    Das gilt nur für die EU.

    Dennoch gibt es keinen Investitionsboom in Kohlebergwerke. Das Bergbau-Kapital rechnet wohl damit, daß der Kohle-Boom nicht lange anhalten wird.

  15. Der Thread ist zwar schon etwas älter, aber da er grad bei den neuesten Kommentaren erscheint und es auch um Energie geht, schreibe ich es hier rein. Der Link auf ein schon 9 Tage altes Video von Sahra Wagenknecht.

    "Von wegen Preisbremse! Wie Lobbyminister Habeck unser Steuergeld verschleudert"

    "Unser Steuergeld" ist natürlich wieder eine Affirmation der Nation. Das geht bei ihr so, dass für sie der Schaden der normalen lohnabhängigen Leute der Schaden der Nation ist. Das ist halt um so seltsamer, als die ganze Inflation und der Preisbremsen eigentlich nichts anderes ist als Klassenkampf von oben und dazu passt ganz gut, dass sich die Regierung ihre Gesetze von Lobbyisten schreiben lässt.

    Davon mal abgesehen wundert mich immer wieder, wie man mit normalem gesundem Menschenverstand den Irrsinn und die Gemeinheiten der Gegenmaßnahmen zur Bewältigung der Energiekrise in der Folge der Sanktionen gegen Russland erkennen kann. Man zweifelt ja langsam am eigenen Verstand, wenn immerhin die Regierung eines Landes lauter dumme Gesetze macht, die nicht nur der normalen Lohnabhängigen Bevölkerung schadet, sondern auch die industrielle Basis des Landes zugrunde richtet.

    Stimmt es eigentlich, dass in Österreich der Strompreis auf 10ct/kWh gedeckelt ist? Oder hat das Wagenknecht mit dem Gaspreis verwechselt. Außerdem sagt sie es würden nur die von Europa vorgegebene Mindestübergewinnsteuer abgeschöpft. 

    Die Bundesregierung sagt aber auf ihrer Webseite es wären 90%. Und selbst das ist noch großzugig, weil da noch ein Puffer von 3% drin ist und dann beginnt das "Über" erst und dann behalten sie noch 10%. Und die Steuer wird nach freiwilligen Angaben berechnet. Und sie dauert nur bis zum 30.Juni.Also ganze 7 Monate. Ein Witz.

    "Abgeschöpft werden Zufallserlöse oberhalb einer festgelegten Obergrenze und hiervon 90 Prozent. Die übrigen 10 Prozent bleiben beim Erzeuger, um Anreize für effizientes Verhalten am Markt zu erhalten.

    Der Mechanismus startet ab dem 1. Dezember 2022. Die Laufzeit ist entsprechend der EU-Verordnung zunächst bis zum 30. Juni 2023 befristet, kann aber verlängert werden. Die Bundesregierung hat jedoch festgelegt, dass sie längstens bis zum 30. April 2024 andauern darf."

    Ansonsten viele Argumente, die mir auch schon aufgefallen sind, wahrscheinlich weil sie einfach naheliegend sind, wenn man kein grünes Brett vor dem Kopf hat. z.B. Alle, die sich schon bisher das Heizen kaum leisten konnten, und bisher schon wenig verbraucht haben, werden bestraft, weil sie gar nicht mehr einsparen können. Die bekommen dann nur 80% gedeckelt. Wagenknecht schlägt hier vor den gesellschaftlichen Durchschnittsverbrauch pro Kopf zu subventionieren, statt den individuellen Verbrauch.

    Denn die Deckel sind ja keine Deckel, sondern eine als Deckel verkaufte Energiepreissteigerung um 100%. Also "Von wegen Preisbremse". Und dass man den ganzen Schmuh beim Strom nicht gebraucht hätte, wenn man die 13% der Stromerzeuger, die mit Gas produzieren entschädigt hätte, pfeifen mittlerweile auch die Spatzen von den Dächern. 

    Außerdem ist ihr aufgefallen, dass die Stromversorger sich in ihren Kalkulationen auf die Preisbremse beziehen und deswegen die Preise extra kräftig angehoben haben, um maximal von der Preisbremse zu profitieren. Für die Energieversorger ist das eine Einladung sich zu bedienen. Es kann ja gar nicht sein, dass das der Regierung nicht aufgefallen ist. 

    Dass Kleinunternehmer, Handwerksbetriebe usw. behandelt werden wie private Verbraucher ist auch so ein Umstand, der denen über kurz oder lang den Hals bricht. Es ist als wollte man mit voller Absicht, die kleinen und mittleren Unternehmer kaputt machen und als wollte man bloß noch das große Kapital, denen das Geld dann aber nachgetragen wird. Dort wird gar nicht mehr unterschieden, ob sie negativ oder sogar positiv von der Energiekrise betroffen sind. 

  16. Ich muß gestehen, ich kenne mich überhaupt nicht aus.

    Der Stromverbrauch wird bei uns für Haushalte subventioniert, mit einer Obergrenze, die für die meisten gilt, weil sie drunter sind. Ob das so etwas ist wie eine Deckelung, kann ich nicht sagen. Außerdem gab es einen einmaligen Zuschuß von 500 Euro, der mit der Post gekommen ist.

    Wie die Industrie gestützt wird, ist mir nicht nachvollziehbar, aber das ist vielleicht auch Absicht. Niemand soll genau mitkriegen, welches Geld den Betrieben zugeschoben wird.
    Und zwar denkt, so meine Vermutung, die Regierung weniger an mögliche Empörung bei Otto Normalverbraucher oder den Gewerkschaften, sondern an die Finanzwelt, die ja irgendwie das ganze über Staats- und Kommunalanleihen finanzieren muß.

    Dazwischen war einmal ein Skandal um den Energieversorgerfirma von Wien, weil die auf der Börse auf Preissteigerungen spekuliert hat und damit eingefahren ist.
    Da mußte die Stadt Wien einspringen und Löcher stopfen, und die bekam dann vermutlich auch aus dem Budget wieder Hilfen, weil daß der Strom- und Gasversorger von Wien pleite geht, wollte wirklich niemand.

    Die Gewerkschaften hingegen meinen, diese ganzen Geldspritzen sind eine Augenauswischerei. Es ginge keineswegs nur um die Ärmsten der Armen, sonden um die Mittelschicht, die sich die gestiegenen Energiekosten – trotz aller Zuschüsse – nicht mehr leisten kann.

    Die „Mittelschicht“ ist aber sowieso ein nur durch Kreditspritzen aufrechterhaltenes Trugbild, da nicht nur die Löhne, sondern auch die sonstigen Einkommen mit den Immobilienpreisen schon längst nicht mehr Schritt halten konnten. Die gestiegenen Energiekosten und die Inflation setzen sich nur noch auf dieses schiefe Verhältnis drauf.

  17. Hier sitzt Deutschlands neuer Steinkohle-Lieferant

    Seit russische Kohle ein Tabu ist, müssen deutsche Energieversorger sich nach neuen Quellen umsehen. Aktuelle Satellitenaufnahmen von El Cerrejón in Kolumbien zeigen, wie einer der größten Steinkohletagebaue der Welt die massiv gestiegene Nachfrage stemmt. Wirtschaft von oben ist eine Kooperation mit LiveEO.

    Kolumbien steht kurz davor, Russland als Deutschlands wichtigste Quelle für Steinkohle abzulösen. Allein der Stromerzeuger EnBW kaufte im ersten Halbjahr 2022 mehr als doppelt so viel kolumbianische Kohle ein wie im Gesamtjahr 2021. Der Konzern besorgt sie für seine Kohlemeiler in Baden-Württemberg. Die Mine El Cerrejón, eine der größten der Welt, gleicht zurzeit die meisten Lieferungen aus, die aus Russland nicht mehr kommen dürfen oder sollen. Sorgt dafür, dass zahlreiche Häuser und Wohnungen in Deutschland warm bleiben.

    In La Guajira in Nordkolumbien, wo die Arbeiter den Rohstoff aus dem Berg holen, herrschen gerade tropische 31 Grad. Die Kohle ist für die Menschen der Gegend, in der viele Indigene leben, eine wichtige Einnahmequelle, zugleich aber auch ein Gesundheits- und Umweltproblem. Nichtregierungsorganisationen und Anwohner beklagen immer wieder Umsiedlungen und Vertreibungen. 

    Exklusive Satellitenaufnahmen von LiveEO zeigen nun, wie Cerrejón, eine Tochter des Schweizer Bergbaukonzerns Glencore, die gestiegene Nachfrage aus Europa stemmt. 

    Das gesamte Cerrejón-Gebiet ist fast so groß wie Berlin. Es besteht aus drei riesigen Haupttagebauen – Albania, Barrancas und Hatonuevo – und erstreckt sich über knapp 35 Kilometer. Die längste Mine in Barrancas misst alleine rund elf Kilometer.

    Anfangs, in den 80er-Jahren, war das Bergwerk noch in staatlicher Hand. Um die Jahrtausendwende wurde es privatisiert. Seit diesem Jahr gehört das Unternehmen offiziell zu Glencore. 

    Anfang April rief Bundeskanzler Olaf Scholz bei Kolumbiens damaligem Präsidenten Iván Duque an. Laut Bundesregierung ging es um „die Zusammenarbeit bei Klimaschutz und Energiefragen“, mehr wollte man nicht sagen. Was auch immer Scholz' konkretes Anliegen war, die Zahlen sind eindeutig: Deutschland kommt die kolumbianische Kohle sehr gelegen.

    Und auch den Kolumbianern. In den vergangenen Jahren war die Nachfrage deutlich zurückgegangen. Im besten Jahr produzierte das Land 34,3 Millionen Tonnen. Das ist lange her. 2012 war das. Ermordete Gewerkschafter, die Vertreibung von Menschen aus Dörfern sowie massive ökologische Probleme führten zu Kritik an den Kohlefirmen und ihren deutschen Geschäftspartnern. Letztere orientierten sich stärker nach Russland: Noch 2021 kamen mit 20 Millionen Tonnen jährlich mehr als die Hälfte der deutschen Steinkohleimporte aus dem Reich von Wladimir Putin. Doch jetzt, seit dem Ukrainekrieg und den sanktionierten Geschäften mit Russland, sind die Einfuhren aus Kolumbien wieder angezogen.

    Von Februar auf März verdreifachten sich die Importe auf einen Schlag. Kolumbien überholte dabei die USA und Australien als wichtigste Herkunftsländer hinter Russland. Den aktuellsten Zahlen von August zufolge rückt Kolumbien Russland weiter auf die Pelle. 483.000 Tonnen kamen aus Kolumbien, 619.500 aus Russland.

    Die meiste Kohle produzieren sie in Cerrejón. Fünf bis sechs Züge täglich bringen sie aus dem Landesinnern zum firmeneigenen Hafen am Atlantik. Die 150 Kilometer schafft ein Zug in vier Stunden. Am Hafen wird die Kohle entweder in großen Bunkern gelagert oder direkt aufs Schiff verladen.

    (…)

    https://www.wiwo.de/technologie/wirtschaft-von-oben/wirtschaft-von-oben-189-kolumbien-hier-sitzt-deutschlands-neuer-steinkohle-lieferant/28873432.html

    Aber das Klima! Aber die Menschenrechte!

  18. Das sind ja paradiesische Zustände in Österreich: 500 € für j e d e n plus Strompreisdeckel bei 10ct/kwh. Lecko mio – da würd ich ja Gewinn machen.

    Die "Bremse", die genau genommen ein Zuschuss ist, sieht vor, dass Haushalte mit einem eigenen Stromlieferungsvertrag für einen Zählpunkt bis zu einem Jahresverbrauch von 2.900 Kilowattstunden (kWh) – das sind rund 80 Prozent des durchschnittlichen Verbrauchs – maximal 10 Cent pro kWh zahlen. Die Entlastung betrage durchschnittlich 500 Euro im Jahr, wie Finanzminister Magnus Brunner am Mittwoch in einer Pressekonferenz ausführte. Ein Antrag muss nicht gestellt werden, die Energieversorger ziehen den Zuschuss automatisch von der Stromrechnung ab.

    In Deutschland gelten 40ct/pro kWh als Bremse und da hat es keinen Zuschuss gegeben.

    Sorgt dafür, dass zahlreiche Häuser und Wohnungen in Deutschland warm bleiben.

    Wer heizt denn in Deutschland noch mit Kohle? Fast niemand.

    Von 40,4 Millionen deutschen Wohnungen beziehen nur 0,3 Millionen Wärme zum Heizen aus dem Brennstoff Kohle. Das zeigt: Die Kohleheizung hat auch heute noch einen Anteil am deutschen Wärmemarkt. Auch wenn dieser mit etwa 0,7 Prozent eher klein ausfällt.

    Bei der kolumbianischen Kohle geht es um Stromerzeugung und das will der elende Journalist dem geneigten Leser irgendwie nahebringen und haut deshalb den Satz mit den warmen Wohnungen raus. Der Journalist will dem Leser die Kolumbianische Kohle als Dienstleistung an seinem Interesse verkaufen, wahrscheinlich weil es ein wenig dem Narrativ vom Kohleausstieg aus Umweltgründen widerspricht. Ja wenn eine kalte Wohnung droht, muss es wohl sein. Erbärmlich.

  19. Und an dieser Stelle auch nochmal Wagenknechts Jahresrückblick:

    Die größten Flops und Lügen 2022 – mein ganz spezieller Jahresrückblick

    Ich finde das sehr gut zusammengefasst, besonders der Verweis auf Corona und die widerliche Hetze gegen die Ungeimpften Anfang des Jahres erinnert nochmal daran, was mittlerweile der ganz normale Wahnsinn ist. Man möchte am liebsten die ganze Zeit laut schreien. 

    “Ich wünsche euch und uns allen, dass es ein besseres Jahr werden möge, als das letzte. Und ein bisschen liegt das ja auch an uns selbst. Und das beginnt damit, dass wir die Lügen, die uns immer wieder aufgetischt werden nicht unkritisch glauben, sondern immer wieder und auch so laut wie möglich widersprechen. Wenn man uns Dinge erzählt, die eigentlich eine Beleidigung unserer Intelligenz sind.”

  20. Ergänzend zum Wagenknecht-Jahresrückblick:

    Der Ex-Bundestagsabgeordnete und Wagenknecht-Vertraute Dieter Dehm forderte am Mittwoch auf Twitter, dass auf die „Lügen“ von Drosten und Lauterbach ein Prozess folgen müsse. Ein linksliberaler Shitstorm folgte. 

    Dieter Dehm war ein Mitgründer der Partei „Die Linke“. Aktuell läuft (wieder einmal) ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn. Er gilt als enger Vertrauter von Sahra Wagenknecht und betont stets seine anti-imperialistischen Positionen. Nachdem Corona-Prophet Christian Drosten die sogenannte „Pandemie“ für beendet erklärt hat, spricht Dehm am Mittwoch auf Twitter aus, was sich viele denken…

    Allmählich lichtet sich der Nebel (Siehe WELT heute) Drosten und Lauterbach müssen den Prozess gemacht bekommen.Ihre Lügen waren nicht versehentlich und die ihrer willfährigen Vollstrecker in den Medien ebenfalls. Warnungen hat es genug gegeben!

    — Diether Dehm (@Diether_Dehm) December 28, 2022

    https://tkp.at/2022/12/29/drosten-und-lauterbach-muessen-den-prozess-gemacht-bekommen/

     

  21. Sachen gibts …

    Strompreise im freien Fall – nur noch 1,3 Cent am Spotmarkt

    Die Strompreise stürzen gewaltig ab. Auf 1,3 Cent je kWh fielen die Strompreise am Spotmarkt am 28.12 und mit 1,4 Cent wurde der Strom am 29.12 gehandelt. Und auch am Terminmarkt können Versorger und Händler den Strom für die nächsten Monat erheblich billiger einkaufen – und sich absichern. Das gleiche Szenario passiert derzeit am Gasmarkt. Fallende Preise!

    Müssen die hohen Verbraucherpreise für Strom von über 40 Cent je kWh nach diesem gewaltigen Preissturz korrigiert werden?

    (…)

    https://www.agrarheute.com/markt/diesel/strompreise-freien-fall-nur-noch-13-cent-spotmarkt-601944

  22. Hier merkt man, wie hohe Preise die Branche beflügeln:

    Verbund-Chef Strugl: "Entwarnung zu geben wäre verfrüht"

    Der Verbund-Chef Michael Strugl erwartet auch im Jahr 2023 noch hohe Strompreise. Insbesondere der Strombedarf wird sich in den kommenden Jahren massiv erhöhen. Dabei leiden die Wasserkraftwerke des Verbund noch immer unter der Dürre des Sommers. Wie der Verbund nun seine Strategie ändern will.

    "Entwarnung zu geben wäre verfrüht, das kommende Jahr wird auch preislich noch sehr herausfordernd. Der Strombedarf wird trotz aller Effizienzmaßnahmen massiv steigen. Durch die Dekarbonisierung dringt Strom auch in Sektoren wie Mobilität und Raumwärme vor", so Strugl. Das die Strompreise im kurzfristigen Stromhandel zuletzt nachgegeben hätten, sei eine Momentaufnahme und der geringeren Nachfrage geschuldet.

    Im Interview mit dem "Standard" rechnete er vor: "Wenn die Annahmen einigermaßen richtig sind, werden wir im Jahr 2030 ungefähr 100 Terawattstunden (TWh) brauchen, im Jahr 2040 etwa 140 TWh oder 140 Milliarden Kilowattstunden, das ist eine Verdoppelung gegenüber den 70 TWh heute."

    Erst kürzlich hatte Strugl erklärt, er wolle den börsennotierten Energiekonzern breiter aufstellen und mehr Strom aus Wind und Sonne erzeugen. Der Verbund erzeugt derzeit rund 90 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft, in Zukunft sollen 20 bis 25 Prozent durch Windräder und große Photovoltaikanlagen (PV) produziert werden.

    Die Wasserkraftwerke des Verbunds leiden weiter unter der Jahrhundertdürre diesen Sommer. "Diese niedrige Wasserführung hält immer noch an", sagte Verbund-Chef Michael Strugl. Das börsennotierte Unternehmen, das zu 51 Prozent der Republik Österreich und zu 30 Prozent den Landesenergieversorgern von Wien, Niederösterreich und Tirol gehört, will sich breiter aufstellen und mehr Strom aus Wind und Sonne erzeugen.

    Der vergangene Sommer sei für die gesamte europäische Strombranche herausfordernd gewesen, nicht nur wegen des hohen Gaspreises, sagte Strugl. In Frankreich hätten die Atomkraftwerke nicht ausreichend gekühlt werden können, der Kohletransport etwa am Rhein war eingeschränkt und die Wasserspeicherkraftwerke in Norwegen nicht im üblichen Ausmaß gefüllt.

    Der Verbund erzeugt derzeit rund 90 Prozent seines Stroms auf Wasserkraft, in Zukunft sollen 20 bis 25 Prozent durch Windräder und große Photovoltaikanlagen (PV) erzeugt werden. Die große Trockenheit habe den Verbund wirtschaftlich getroffen, die Diversifizierung des Erzeugungsportfolios sei enorm wichtig, so Strugl.

    Man sei ständig damit konfrontiert, dass Projekte blockiert oder verzögert werden, kritisierte Strugl. Einzelne Bundesländer seien "sehr zurückhaltend". Positiv hervor hob Strugl das Burgenland, wo der Verbund gemeinsam mit der Burgenland Energie eine Anlage baut, um aus Ökostrom grünen Wasserstoff zu erzeugen.

    (…)

    https://industriemagazin.at/news/verbund-chef-strugl-entwarnung-zu-geben-waere-verfrueht/

  23. Zehn Bergleute, die nach einer Explosion in Kohlebergwerken in Zentralkolumbien seit Dienstag als vermisst galten, sind tot aufgefunden worden. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf 21.

    Im vergangenen Jahr kamen in Kolumbien 146 Arbeiter bei insgesamt 117 Unfällen in Bergwerken ums Leben.

    https://de.nachrichten.yahoo.com/minenungl%C3%BCck-kolumbien-zahl-todesopfer-steigt-101949581.html

    Obwohl der Kohlebergbau in Kolumbien nur einen kleinen Teil der Wirtschaft und des Exportes ausmacht – zwischen 1,5 und 2% des BIP – hat im letzten Jahr aufgrund der Sanktionen gegen russische Kohle eine gesteigerte Nachfrage nach Kohle dazu geführt, daß in Kolumbien viele Bergwerke wieder in Betrieb genommen worden sind, die vorher unrentabel waren.

    Und in diesen Bergwerken – die bei einem Wechsel der Konjunktur wieder von Schließung bedroht sein können – wird kaum etwas investiert, weder in Sicherheit noch in Maschinen. Deswegen steigt die Anzahl der Unfälle an.

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