Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 20.12.: Rußland macht sich daran, seine Beziehungen zu Afrika auszubauen

DER WESTEN SOLL BILLIONEN AN ENTSCHÄDIGUNGEN ZAHLEN: LAWROW UNTERBREITETE AFRIKA EINEN BEISPIELLOSEN PLAN

Lawrow: Russland ist bereit, Afrika bei der Berechnung der Entschädigungszahlungen für die Kolonialzeit zu unterstützen

Das zweitägige Treffen der russisch-afrikanischen Außenminister ging in Kairo zu Ende. Sergej Lawrow sprach 2x auf dem Forum. Er unterbreitete so viele konkrete Vorschläge – weniger diplomatischer als vielmehr wirtschaftlicher Natur –, dass seine afrikanischen Kollegen kaum den Überblick behielten.

Auch im Westen wurden Lawrows Reden in Kairo aufmerksam verfolgt. Schließlich schlug der Minister vor, Afrika bei der Eintreibung enormer Entschädigungszahlungen von seinen ehemaligen Kolonialmächten zu unterstützen. »Und hier ist unsere Sache gerecht, und der Sieg wird unser sein«, erklärte der russische Außenminister.“

Hier wird irgendwie eine Art Retourkutsche gefahren für die im Westen immer wieder erwähnten russischen Reparationszahlungen an die Ukraine.
Die Verwirklichung ist in beiden Fällen praktisch unmöglich, aber der Rechtstitel wird hochgehalten.

„(Ab-)Rechnung für die Sklaverei

Das Format der russisch-afrikanischen Treffen auf Außenministerebene ist relativ neu. Die gesamte afrikanische Diplomatengemeinschaft »stellte sich vor einem Jahr in Sotschi erstmals gemeinsam mit Lawrow die Uhr«.“

Das heißt, sie nahmen sich eine Art Feldzug vor und berieten über seine Durchführung.

„»Die Staats- und Regierungschefs unserer Länder setzen große Hoffnungen in das heutige Treffen und erwarten von uns konstruktive Beschlüsse und abgestimmte Vorschläge«, sagte Sergej Wiktorowitsch in Kairo zur Eröffnung des zweiten Außenministertreffens.“

Von Sotschi, wo der ganze Prozeß eingeleitet wurde, übersiedelte das Treffen nach Ägypten – zu einem Staat, der gerne eine Führungsrolle in Afrika einnehmen würde.

„Der dreijährige gemeinsame Aktionsplan läuft 2026 aus.“

Dann ist er aber nur zweijährig? Oder er hat bereits vor 2024 begonnen …

„In Kairo machte Lawrow neue, beispiellose Vorschläge: »Wir halten es für wichtig, den auf dem zweiten russisch-afrikanischen Gipfeltreffen gefassten Beschluss zur Schaffung eines ständigen russisch-afrikanischen Dialogmechanismus auf höchster Ebene zur Koordinierung aller Bemühungen im Sicherheitsbereich in die Praxis umzusetzen.«“

Auf gut Deutsch: Eine Art gemeinsames Stabskommando für militärische, politische und wirtschaftliche Fragen.

„Russland ist zudem bereit, afrikanische Länder bei der Entwicklung von Rechtsinstrumenten zur Bewertung und Entschädigung der ihnen während der Kolonialzeit zugefügten Schäden zu unterstützen. Die Kosten werden sich voraussichtlich auf Billionen belaufen.

Der neue Plan wird den Staatschefs auf dem dritten Russland-Afrika-Gipfel, der für nächstes Jahr geplant ist, zur Genehmigung vorgelegt. »Wir sind der Ansicht, dass wir mit konkreten, praktischen Ergebnissen zu diesem Treffen kommen müssen«, betonte Lawrow.

Der genaue Ort des dritten Gipfels ist noch nicht bekannt. In Kairo erklärte jedoch der Außenminister Äquatorialguineas, Simeon Oyono Esono Angue, sein Land sei bereit, die Präsidenten und Premierminister zu empfangen.“

Damit möchte der Präsident dieses nicht allzu bekannten Landes sich und seinen Staat aufwerten. Allerdings hat Äquatorialguinea Ölvorkommen, also ganz arm ist der Staat nicht – und könnte eine solche Veranstaltung durchaus hinkriegen.

„Von Afrika in den Weltraum

Sowohl unsere als auch afrikanische Diplomaten betonen bei nahezu jedem Treffen, dass eine umfassende Zusammenarbeit ohne die Umsetzung konkreter, für beide Seiten vorteilhafter Projekte unmöglich ist. Gleichzeitig setzt der Westen seine Bemühungen fort, Afrika von Russland zu entfremden.

Die westliche Presse stellt fest, dass dank dem wachsenden Einfluss unseres Landes auf dem afrikanischen Kontinent antiwestliche Stimmungen zum Abzug westlicher Truppen aus weiten Gebieten führen.
Der Westen warnt Afrika jedoch davor, dass Moskau Afrika nur aus sicherheitspolitischer Sicht helfen könne. Russland fehle es demnach an Ressourcen und moderner Technologie, um kostspielige und mitunter extrem riskante Wirtschaftsprojekte umzusetzen.“

Das ist wieder die alte Leier, daß in Rußland Mißwirtschaft herrscht und nichts funktioniert – obwohl es der größte Getreideexporteur der Welt ist und seine Rüstungsindustrie für den westlichen Geschmack viel zu gut funktioniert.

„Sergej Lawrow lehnt diesen Ansatz entschieden ab. Er bezeichnete die Entwicklung wirtschaftlicher Projekte mit afrikanischen Ländern als eine der wichtigsten Prioritäten Russlands: »Wir fordern unsere afrikanischen Partner auf, die entsprechenden Abkommen zügig in die Praxis umzusetzen.«

Afrika verfügt beispielsweise über enorme landwirtschaftliche Ressourcen. Lawrow ist überzeugt, dass der Kontinent sich selbst versorgen kann: »Wir sind bereit, relevante Technologien, Erfahrungen und Wissen mit unseren afrikanischen Freunden zu teilen.«
Wahre wirtschaftliche Souveränität, so der Minister, sei ohne innovative Lösungen und entsprechende Fachkräfte unmöglich. Daher beabsichtigt Russland, seinen afrikanischen Partnern modernste Entwicklungen, unter anderem im Bereich der Kernenergie und der Weltraumforschung, zur Verfügung zu stellen.

Was die zukünftigen Eliten betrifft, hat sich die Zahl der afrikanischen Studierenden in Russland in den letzten 5 Jahren verdoppelt und liegt nun bei über 32.000. Auch die Quote für russische Stipendien für Afrika hat sich fast verdreifacht.

Mehr Botschaften in Moskau

Lawrow schlug afrikanischen Ländern, die noch keine Botschaft in Moskau haben, die Eröffnung eigener diplomatischer Vertretungen vor. Russland baut seine diplomatische Präsenz in Afrika ebenfalls aus. In diesem Jahr wurden Botschaften in Niger, Sierra Leone und Südsudan eröffnet. Als Nächstes folgen Gambia, Liberia, Togo und die Komoren.“

Die Beziehungen zu vielen Staaten Afrikas wurden offenbar bisher aus Kostengründen über Sammel-Botschaften abgewickelt, die mehrere Staaten betreuten bzw. vertraten.

„Bis Ende 2026 werden außerdem russische Handelsvertretungen in 15 afrikanischen Ländern tätig sein: »Es ist klar, dass dies nicht endgültig ist. Die Arbeit wird fortgesetzt.«
Moskau plant weiters, die Zahl der zwischenstaatlichen Kommissionen für Handel, wirtschaftliche, wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern nahezu zu verdoppeln. Derzeit gibt es 19 davon. Geplant ist die Einrichtung von 13 weiteren in naher Zukunft.

Verstärkte Marktpräsenz

In Kairo beschränkte sich die Diskussion nicht auf die Zukunft. »Ich glaube, wir haben den Bürgern unserer Länder bereits etwas zu präsentieren«, betonte Sergej Wiktorowitsch.

Im vergangenen Jahr stieg Russlands Handelsvolumen mit afrikanischen Ländern um rekordverdächtige 13 Prozent auf fast 28 Milliarden US-Dollar. »Ich bin überzeugt, dass die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft sind«, erklärte Lawrow. »Wir laden Sie ein, vielversprechende Marktnischen in Russland und Afrika aktiver zu entwickeln.«

Eine Reihe bedeutender russisch-afrikanischer Projekte wurde bereits begonnen. So wird beispielsweise im Kongo eine über 500 Kilometer lange Ölproduktpipeline gebaut, und in Ägypten befinden sich die russische Industriezone und das Kernkraftwerk El Dabaa im Bau.

»Wir sind entschlossen, das enorme Potenzial unserer praktischen Zusammenarbeit weiter auszubauen«, schloss der russische Außenminister.

Abhängigkeit von Diamanten

»Ich denke, alles beginnt mit Bildung«, bemerkte Jean-Claude Gakosso, Außenminister der Republik Kongo. Er ist überzeugt, dass es die Humanressourcen waren, die der russischen Wirtschaft geholfen haben, den Sanktionen zu widerstehen: »Russland verfügt über alle notwendigen Technologien. Russland hat eine wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit bewiesen, die alle überrascht hat.«“

Man merkt daran, was für einen Eindruck die russische „Sonderoperation“ in Afrika gemacht hat, das in den letzten Jahrzehnten eine leidensvolle Geschichte westlicher militärischer Einmischung hinter sich hat – Angola, Mozambique, Somalia usw.
Der Wille und die Fähigkeit, dem Westen etwas entgegenzusetzen, ruft auf dem afrikanischen Kontinent Beifall hervor.

„Botswana z.B. beabsichtigt, seine Wirtschaft mithilfe russischer Entwicklungen zu modernisieren. »Lange Zeit waren wir von nur einem Rohstoff abhängig – Diamanten«, sagte Fenyo Butale, Minister für Internationale Zusammenarbeit des Landes. »Jetzt planen wir, unsere Wirtschaft zu diversifizieren … In diesem Bereich wollen wir auf Russlands Erfahrungen zurückgreifen.«

Der algerische Außenminister Ahmed Attaf fügte hinzu, dass die russisch-afrikanische Partnerschaft auf die Schaffung einer gerechteren Weltordnung auf der Grundlage des Völkerrechts abzielt. Die Idee, vom Westen Entschädigung zu fordern, fand offenbar Anklang bei den afrikanischen Ministern.“

2 Gedanken zu “Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 20.12.: Rußland macht sich daran, seine Beziehungen zu Afrika auszubauen

  1. Die USA sind auch nicht untätig, wie man sieht: Der Angriff im Nordwesten Nigerias, im Grenzgebiet zu Niger, wurde angeblich mit der nigerianischen Regierung gemeinsam geplant.

    Was das für eine Dynamik in Bewegung setzen wird, wenn der nigerianische Häuptling (der ja, man vergesse es nicht, seinerzeit gerne an der Spitze einer „Friedenstruppe“ in Niger einmarschiert wäre) die USA gegen Teile der eigenen Bevölkerung zu Hilfe ruft?

  2. „Die Entführung eines emiratischen Prinzen füllte die Kassen des am meisten gefürchteten Al-Qaida-Ablegers

    Gefürchtet von wem?
    Bereits in der Überschrift wird hier ein Popanz aufgebaut.

    Eine Untersuchung eines UN-Expertenteams schätzt, dass im Jahr 2025 50 Millionen US-$ für ein Mitglied der Herrscherfamilie von Dubai gezahlt wurden. Ein Teil der Summe floss an das Hauptquartier des Terrornetzwerks und nach Jemen

    Die Entführung war ein Meisterstreich. Sie ereignete sich am 26. September. Eine Gruppe bewaffneter Männer auf Motorrädern und in Pick-ups stürmte eine Farm südlich von Bamako, der Hauptstadt Malis. Die Angreifer, die den Hangar der Farm verwüsteten, waren Mitglieder von JNIM, der arabischen Abkürzung für »Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime«, einer mit Al-Qaida verbundenen Terrororganisation, die in der Sahelzone operiert.

    3 Geiseln wurden genommen: ein Inder, ein Pakistani und ein Emirati. Letzterer spielte die Schlüsselrolle. Sein Name ist Ahmed bin Maktoum bin Juma al-Maktoum, er ist 78 Jahre alt und gehört der Herrscherfamilie des Emirats Dubai an. Die Verhandlungen verliefen für Entführungsverhältnisse zügig. Ende Oktober waren Al-Maktoum und seine Mitgefangenen frei. Die Lösegeldzahlung beschleunigte die Operation zweifellos.“

    Soll heißen: Die Höhe des Lösegelds: 

    „JNIM, eine der weltweit gefürchtetsten und aktivsten Terrorgruppen, erhielt 50 Millionen US-Dollar, was nach aktuellem Wechselkurs etwa 43 Millionen Euro entspricht. Die ersten Berichte über die Entführung erschienen am 5. Dezember im Wall Street Journal, das das Lösegeld auf rund 19,6 Millionen Euro schätzte.
    Diese bereits hohe Summe wurde in den beiden jüngsten Berichten des Sanctions Monitoring and Analytical Support Team (SMAST) korrigiert, das den UN-Sicherheitsrat über die verfügbaren Informationen zu den beiden führenden Organisationen des globalen Dschihadismus – Al-Qaida und dem Islamischen Staat (IS) – informiert. Es handelte sich um die bereits erwähnten 43 Millionen Euro.“

    Interessant, woher dieses SMAST-Team seine Infos hat?

    „In dem am 10. veröffentlichten jüngsten Bericht lieferte diese Expertengruppe unter der Leitung des Analysten Colin Smith ein sehr wichtiges Detail: »[Das Lösegeld] war entscheidend für die Finanzierung der Offensive von JNIM in Mali, und es ist wahrscheinlich, dass ein Teil der Gelder an das breitere Al-Qaida-Netzwerk weitergeleitet wurde.«

    Entführungen sind eine ebenso häufige Quelle der Terrorismusfinanzierung wie die Intransparenz darüber, wer wie viel zahlt.
    Die Summe, die die in Dubai ansässige Familie Al Maktoum für die Freilassung des über 70-jährigen Prinzen, der im Metallhandel des Sahel-Landes tätig ist, aufbrachte, zählt zu den höchsten jemals gezahlten Lösegeldern.

    So gibt es beispielsweise Hinweise darauf, dass im Jahr 2020 rund 25 Millionen Euro für die Freilassung eines Franzosen und zweier Italiener gezahlt wurden. Üblicherweise werden Geschäftsleute für 2.000 bis 4.000 Euro festgehalten. »Der Unterschied in diesem Fall liegt darin, dass es sich um eine einzelne Geisel handelt«, bemerkt Wassim Nasr, Forscher am Soufan Center, in einer Mitteilung. »Es war möglich, die Angelegenheit schnell und diskret zu regeln.«“

    Vorausgesetzt, man hat das nötige Geld zur Hand.
    Halten wir fest: Es gibt Al-Kaida-nahe Gruppen in der Sahel-Zone, die sich durch Lösegelder finanzieren.
    Man kann das auch als eine indirekte Finanzierung des Wertewestens für Gruppen ansehen, die offiziell als terroristische geführt werden, aber eben „unsere Hurensöhne“ sind, denn:

    „Das Netzwerk der Gruppen, aus denen JNIM besteht – darunter der Sahel-Ableger von Al-Qaida im Islamischen Maghreb, Katiba Macina, Ansar Dine und Al-Mourabitoun –, ist komplex.
    Unter dem Kommando des erfahrenen Tuareg Iyad Ag Ghaly hat die Organisation, die zwischen 6.000 und 8.000 Kämpfer zählt und von der EU und den USA als Terrorgruppe eingestuft wird, mit Hilfe von Tuareg-Rebellen die Militärjunta, die Mali seit dem Putsch vor gut 5 Jahren regiert, in die Knie gezwungen.“

    Details folgen:

    „Dies trotz der Unterstützung, die Bamako von aus Russland bezahlten Söldnern erhält. Die Entführung des Al-Maktoum-Scheichs war für die Terrorgruppe äußerst lukrativ.
    Experten, die den jüngsten Bericht für die UN auf Grundlage von Geheimdienstinformationen der Mitgliedstaaten erstellt haben, weisen darauf hin, dass Millionen von Dollar an die Brigaden der JNIM verteilt wurden.

    Beatriz de León Cobo, Analystin am Royal United Services Institute, erklärte in einem Telefoninterview, die Lösegeldzahlung habe die JNIM »erheblich gestärkt und Operationen wie die vom 25. April ermöglicht«. An diesem Tag startete die Gruppe gemeinsam mit Tuareg-Rebellen eine Offensive in mehreren Regionen. Sie griffen den internationalen Flughafen Bamako, den wichtigsten Militärstützpunkt der Hauptstadt, sowie die Städte Mopti und Kidal an. Bei dem Angriff kam Verteidigungsminister Sadio Camara ums Leben.

    De León Cobo ist überzeugt, dass das Geld, das JNIM durch Entführungen wie die des emiratischen Mitglieds der Al-Maktoum-Familie erlangt, der Organisation vor allem dazu dient, Kämpfer zu rekrutieren.
    Dies ist angesichts der vielen Fronten in der Sahelzone unerlässlich. Außerdem finanziert die Organisation damit Aktionen wie die Treibstoffblockade, die die Dschihadisten in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres durchzusetzen versuchten.

    Justyna Gudzowska, Geschäftsführerin von The Sentry (= der Wachposten), einer Organisation, die sich auf die Untersuchung transnationaler Verbrechen spezialisiert hat, ergänzt: »Die nicht-monetären Aspekte der Vereinbarung können genauso wichtig sein wie das Geld selbst«, schreibt sie in einer E-Mail.
    Gudzowska bezieht sich darauf, dass JNIM neben den 43 Millionen auch Munition und Waffen sowie die Freilassung vieler ihrer in malischen Gefängnissen inhaftierten Mitglieder erhielt. »Bargeld muss erst ein Schmuggelnetzwerk durchlaufen, bevor es zu Waffen oder Ausrüstung wird, während Munition und die freigelassenen Kämpfer diesen Weg nicht gehen müssen.«“

    Wie können Häftlinge aus malischen Gefängnissen freigelassen werden? Hat da nicht die malische Regierung etwas zu sagen?

    „Die VAE in Afrika

    Ag Ghalys Männer – um es einfach auszudrücken, da viele bewaffnete Gruppen und Mittelsmänner an Entführungen dieser Größenordnung beteiligt sind – wählten aus gutem Grund ein Mitglied einer der mächtigsten Familien der VAE. Die Präsenz emiratischer Gesandter und Geschäftsleute ist in der gesamten Sahelzone und sogar am Horn von Afrika weit verbreitet.
    Die VAE sind dasjenige Golfland, das in den letzten Jahren am meisten in diesen Teil des afrikanischen Kontinents investiert hat – sowohl diplomatisch und wirtschaftlich als auch militärisch –, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als der Westen angesichts aufeinanderfolgender Putsche in der Region, von denen viele durch antiimperialistische Rhetorik angeheizt wurden, seine Präsenz reduziert hat.

    Am 26. September reihte sich Al Maktoum in die Liste Dutzender Ausländer ein, die im vergangenen Jahr entführt wurden.

    Laut Héni Nsaibia, Forscher bei der Konfliktbeobachtungsorganisation Acled, wurden im Jahr 2025 56 Ausländer von bewaffneten Gruppen in Westafrika gefangen gehalten. In diesem Jahr ist die Zahl bisher auf lediglich 5 Entführungen gesunken.
    »Die geringere Anzahl an Vorfällen bedeutet jedoch nicht zwangsläufig eine signifikante Risikominderung«, betont der Analyst. »Ende Juli wurde in Niger zwischen Tahoua und Agadez ein deutscher Staatsbürger entführt, und in Mali kam es zu mehreren Entführungen chinesischer Bergleute und anderer Ausländer.«

    Alle befragten Experten sind sich über die Höhe des für den emiratischen Prinzen geforderten Lösegelds einig, aber auch darüber, dass Entführungen nur eine der Methoden sind, mit denen JNIM an Geld gelangt. Die Gruppe füllt ihre Kassen auch durch Goldabbau, Viehdiebstahl, Steuern, Erpressung und die Eintreibung der Zakat (einer Säule des Islam, die eine jährliche Spende eines Teils des Vermögens, üblicherweise etwa 2,5%, vorschreibt).

    »Das Lösegeld trug zwar dazu bei, war aber nicht der Hauptgrund für die jüngsten und komplexen Angriffe von JNIM«, bemerkt Rida Lyammouri, Forscherin am Policy Center for the New South. »JNIM hat zumindest seit 2023 neue Taktiken, wie beispielsweise Drohnenangriffe, eingeführt und angewendet.«

    Geldverteilung

    Neben der exorbitanten Lösegeldsumme erregte vor allem der Verbleib des Geldes die Aufmerksamkeit der UN-Experten. Ihren Ermittlungen zufolge floss ein Teil des Geldes an Al-Qaida Zentrale und deren Ableger auf der Arabischen Halbinsel (mit Sitz im Jemen), der einst zu den aktivsten Akteuren bei der Anstiftung und Durchführung von Anschlägen im Ausland zählte.

    Zwar gilt es als erwiesen, dass der IS über eine Finanzstruktur verfügt, die beispielsweise seine verschiedenen afrikanischen Provinzen, etwa in Somalia oder Nigeria, unterstützt, doch sind die Verbindungen zwischen den verschiedenen Al-Qaida-Ablegern nach dem Tod ihrer beiden Hauptführer, des Saudis Osama bin Laden und des Ägypters Ayman al-Zawahiri, schwerer nachzuvollziehen.

    Dass ein Teil des durch die Freilassung von Al Maktoum erlangten Geldes im Hauptquartier des Terrornetzwerks – sei es im Iran, in Pakistan oder in einem anderen Versteck“

    Gibt es ein solches Hauptquartier überhaupt und wenn ja – ist es dort, wo dieser Artikel behauptet?

    „– eingeht, zeigt, dass die für die Anschläge vom 11. September verantwortliche Gruppe, deren 25. Jahrestag sich nähert, weiterhin über eine integrierte Finanzstruktur verfügt. Dies könnte in den Außenministerien der ganzen Welt Alarm auslösen.“

    Warum denn?
    Viele Staaten können doch mit diesem Netzwerk gut leben und haben auch einen seiner Ableger in Syrien (die Al-Nusra-Front, der Achmed Al-Scharaa vorsteht) mehr oder weniger als Zuständigen anerkannt. 
    Wer weiß, wer an diesem Lösegeld alles mitschneidet – außerhalb von dem diffusen Al-Kaida-Netzwerk.
    Und daß sie gegen die Russen (in Afrika) und gegen den Iran (im Jemen) vorgehen, ist durchaus im Sinne westlicher Staaten und ihrer arabischen Verbündeten. 

    (El País, 23.8.)

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