Afrika – der umkämpfte Kontinent

NEUAUSRICHTUNG

1. Die militärische Betreuung der Welt

Es war vor allem die alte Welt, die sich jahrzehntelang den Zugriff auf die Rohstoffe Afrikas sicherte und das hierzulande als „Entwicklungshilfe“ verkaufte.

Mit den Abkommen von Yaoundé, Lomé und schließlich Cotonou sicherte sich die EWG und dann EU den Zugriff auf die Rohstoffe und Agrarprodukte Afrikas. Gleichzeitig sicherte sich die EU die Staaten Afrikas als Märkte und überschüttete sie mit ihren eigenen Produkten. Dazu wurde ein Kredit- und Bankwesen eingerichtet, um diese Staaten mit Zahlungsfähigkeit auszustatten, damit sie überhaupt als Markt funktionieren konnten. Das hat zu Schuldenkrisen geführt und Afrikas Staaten in Sachen Abhängigkeit noch über die Abkommen hinaus in europäische Schuldknechtschaft geführt.

Dieses ganze Verfahren wurde in den europäischen Medien paternalistisch als eine Art „Hilfe“ an die Staaten Afrikas verkauft, mit der sich die ehemaligen Aussauger sozusagen jetzt als Förderer ihrer ehemaligen Unterdrückten betätigen und ihnen helfen würden, auf eigenen Füßen zu stehen.

Dieses schiefe Verhältnis wollte natürlich militärisch betreut sein, was spezielle militärische Einrichtungen wie die französische Fremdenlegion oder zypriotische Basen und Ghurka-Einheiten der britischen Streitkräfte notwenig macht, – die sich natürlich nicht nur auf Afrika konzentrieren, sondern auch in anderen Gebieten eingesetzt werden, wo die westliche Staatengemeinschaft Ordnungsbedarf sieht.

Das alles ging so lange halbwegs gut, als sich in den afrikanischen Staaten Eliten fanden, die sich mit dieser subalternen Rolle abfanden oder gleich ihre Stellung für feste Bereicherung benutzten. Als die Sowjetunion von der Bildfläche verschwand, war auch keine Alternative mehr da.

2. Afrika seit 1991

Aber in den mehr als 30 Jahren seit 1991 hat sich erstens das Entwicklungsideal gründlich blamiert, was sich vor allem in Flüchtlings-Strömen und den entsprechenden Tragödien äußert. Es ist inzwischen klar, daß Afrika von Europa nichts Gutes mehr zu erwarten hat. (Das wird übrigens in den Medien hier gar nicht mehr behauptet. Das Entwicklungs-Ideal wurde leise begraben.)

In dieser Zeit hat weiters China Afrika als Handelspartner entdeckt. Rußland hat eine aktive Außenpolitik entwickelt, in der es verlorengegangene Verbündete wieder zurückgewinnen will (Kuba, Nordkorea), auch in Afrika, und sogar neue rekrutiert.

Man kann sagen, daß es sich hier um eine Art Arbeitsteilung handelt: China will Afrika ökonomisch benützen und damit auf sich verpflichten, während Rußland eher strategisch ausgerichtet ist und rußlandfreundliche Regierungen mit dem nötigen militärischen Rückhalt versieht.

Was für die EU besonders ärgerlich ist, ist der Umstand, daß diese beiden Mächte sich hier sehr gut ergänzen und überhaupt nicht in die Quere geraten.

Außerdem bilden sich lokale Ambitionen bei den größeren afrikanischen Staaten. Der erste, der sein Land mit Ölgeld zur Führungsmacht machen wollte, wurde ziemlich gewalttätig von der westlichen Welt weggeräumt.
Der Sturz Ghaddafis war jedoch Rußland und China eine Lehre. Und auch den afrikanischen Staaten. Sie wurden darauf aufmerksam gemacht, daß der Westen ein Afrika mit eigenständigen politischen Vorstellungen nicht zu dulden bereit ist. Und sie wandten sich verstärkt den neuen Freunden zu. Vor allem zwei Staaten, die sich auf ihrer Größe bzw. Wirtschaftskraft zu Höherem berufen fühlen: Algerien und Südafrika.

Rußland verstärkte seine Militärpräsenz in Folge mit seiner eigenen Fremdenlegion, den Wagner-Einheiten. Diese haben anscheinend das Ableben ihres Führers überstanden und werden jetzt der russischen Armee als spezielle Auslands-Truppen eingegliedert. Es ist wahrscheinlich, daß Rußland in Zukunft auch um die Ausbildung einheimischen Militärs kümmern und das möglicherweise sogar finanzieren wird.

Ob das jetzt für die Bevölkerung Afrikas Gutes verspricht, sei dahingestellt.

Das Wichtige ist, daß der Einfluß Europas hiermit verdrängt und auch die ganzen Wirtschaftsbeziehungen mit der EU neu und für die EU unvorteilhaft gestaltet werden.

China prescht mit seiner eigenen bzw. der BRICS-Entwicklungsbank daher und sagt mehr oder weniger „Fuck the IWF!“ – was sich für die ganzen Schuldenberge und deren Gültigkeit negativ auswirkt.

3. Machtwechsel

Die EU ist bezüglich Afrikas offenbar mit ihrem Latein am Ende:

„Laut diplomatischen Quellen konnten sich die 27 nicht auf eine Verlängerung der EUTM-Mission in Mali über den 18. Mai hinaus einigen, wenn ihr derzeitiges Mandat endet. Obwohl die diese Woche in Brüssel abgehaltenen Treffen technischer Natur waren, hat Frankreich deutlich gemacht, dass es sich weigert, eine Operation fortzusetzen, die 2013 begann und in jüngster Zeit auf ein Minimum reduziert wurde, was zu ihrer endgültigen Einstellung führte – da Einstimmigkeit notwendig wäre, um sie fortzusetzen.

Der von den befragten Quellen als selbstverständlich angesehene Abzug europäischer Ausbilder aus Mali markiert das Ende der militärischen Präsenz der EU in einer strategischen Region. Ein Gebiet, das einen beispiellosen Anstieg des dschihadistischen Terrorismus und eine starke Ausweitung von Netzwerken zum Handel mit Waffen, Drogen und Einwanderern verzeichnet, das aber auch große Reserven an Mineralien wie Uran und Gold birgt: Dies erklärt nach Ansicht von Experten das Interesse von Russland, aber auch China, diese Lücke zu schließen.“ (El País, 28.3.)

All diese schönen Begleiterscheinungen des friedlichen Handels und Wandels sind die Ergebnisse desselben, obwohl sie immer als unwillkommene Hindernisse der Benutzung dieser Weltgegenden gehandelt werden, für die die EU den betroffenen Staaten militärische „Hilfe“ gewähren mußte.

Was Gold und Uran betrifft, so sind die für beide Staaten zweitrangig, was den eigenen Gebrauch betrifft. Es geht höchstens darum, sie in den eigenen Einflußbereich zu holen, um dann sie dann der EU zu anderen Konditionen als den bisherigen verkaufen zu können – was schlechte Nachrichten für die Wettbewerbsfähigkeit der EU auf dem Weltmarkt sind.

Wie sich Afrika weiter entwickelt, sollte man genau beobachten. Es scheint nämlich eine Art Modell oder zumindest ein Vorreiter für die multipolare Welt zu werden.

Ein Gedanke zu “Afrika – der umkämpfte Kontinent

  1. „Wieso Botswana 20.000 Elefanten verschenken will

    Nur wenige Themen bewegen die meinungsstarke Prominenz scheinbar so sehr wie die Trophäenjagd. …
    In Großbritannien … haben sich mit Fußballikone Gary Lineker, Rockstar Liam Gallagher und Comedian Ricky Gervais einige … dem Artenschutz der Big Five gewidmet.

    Widerspruch kommt vom afrikanischen Kontinent. Botswanas Präsident Mokgweetsi Masisi etwa schickte zunächst im März einen Minister vor, der England die Entsendung von 10.000 lebenden Elefanten in Londons Hyde Park androhte. Und dann legte er in der deutschen Tageszeitung »Bild« persönlich nach. Man werde Deutschland gleich die doppelte Zahl schenken, das sei »kein Scherz«, so der … Präsident.

    Abschusspläne

    Botswana hat ein Drittel aller Afrikanischen Elefanten, rund 130.000 – und damit nach Einschätzung führender Experten zu viele.
    Masisi hob vor fünf Jahren ein Jagdverbot auf, unter anderem mit dem nicht ganz unberechtigten Verweis darauf, dass allein in den zwölf vorangegangenen Monaten 17 Menschen von Elefanten getötet und zahlreiche Felder zertrampelt worden seien. Es treffen schließlich zwei Spezies aufeinander, die enormen Lebensraum beanspruchen.

    Seitdem darf auch dort abgeschossen werden, 300 bis 400 entsprechende Genehmigungen für die Jagd der in den meisten anderen Ländern vom Aussterben bedrohten Elefanten werden jährlich an Großwildjäger verteilt. Masisi lenkt die Debatte regelmäßig auf die zerstörerischen Dickhäuter, was davon ablenkt, daß er die Abschussquoten für andere Tiere wie Leoparden aus Sicht von Artenschützern viel zu sehr angehoben hat.

    Doch pro Tier werden bis 16.000 Dollar kassiert – Befürworter der Trophäenjagd argumentieren, dass so letztlich ein finanzieller Anreiz für ihren Erhalt geschaffen wird. In Kenia, wo seit Jahrzehnten ein Jagdverbot gilt, ist der Bestand tatsächlich massiv gesunken.
    Hinzu komme, daß viele Gegenden, in denen gejagt wird, landschaftlich schlicht nicht schön genug seien, um die wegfallenden Einnahmen und Arbeitsplätze mit Fotosafari-Tourismus ersetzen zu können. Kritiker halten dem entgegen, dass kaum Geld aus den Jagderlösen bei den oft strukturschwachen Dörfern der Gegend ankommt.“

    Botswana hat die 7-fache Fläche Österreichs und seine Bevölkerung wird auf 2,6 Millionen geschätzt – durchschnittlich 4 Personen pro Quadratkilometer.
    Sehr einleuchtend, daß da die Dörfer „strukturschwach“ sind – was immer das heißen mag.

    „Lukrative Einnahmequelle

    Die Branche ist jedenfalls eine lukrative Einnahmequelle für die unzureichend diversifizierte (!!!) Volkswirtschaft Botswanas, die sich zu lange auf ihren Diamantenreichtum verlassen hat. Die Nachfrage nach den Edelsteinen ist am Boden – auch im Süden Afrikas spürt man die Auswirkungen des Ukrainekrieges.“

    Der Zusammenhang wäre erklärungsbedürftig.

    „Mit weniger als 4 Prozent Wirtschaftswachstum wackelt Botswanas Image als afrikanische Erfolgsgeschichte.“

    Ein unglaublich geistloser Satz, der aber typisch ist für die Art, wie über Afrika berichtet wird.

    „Masisi spricht generell offener aus, was viele andere afrikanische Präsidenten denken. Zuletzt echauffierte“

    (wenn ein Europäer einen Einwand hat, so „kritisiert“ er, wenn ein Schwarzafrikaner einen Einwand hat, so „echauffiert“ er sich)

    „er sich bei der G7-Gruppe der führenden Industrienationen über deren Forderung, dass alle Diamantenproduzenten ihre Steine nach Belgien zur Zertifizierung schicken. Der Westen will so verhindern, dass Diamanten aus Russland auf den Markt kommen. Produzierende Länder wie Botswana sehen das aber als unverhältnismäßige Bürde.“

    Na sowas!

    „Europa hat vielerorts einen schweren Stand auf dem“ (afrikanischen) „Kontinent, weil es einen Stopp von Subventionen für fossile Brennstoffe auf dem Kontinent fordert – sie aber selbst weiter massiv einkauft.

    Botswanas Staatschef ist sehr wohl bewusst, dass die Verschärfungen bereits bestehender Trophäenjagdbeschränkungen vorwiegend auf EU-Ebene vorangetrieben werden. In Belgien gibt es ein generelles Verbot schon. Und in Frankreich und Italien laufen entsprechende Gesetzgebungsverfahren. Weltweit kommen übrigens mit Abstand die meisten Großwildjäger aus den USA, Deutschland ist allerdings der wichtigste Markt innerhalb der EU für die Einfuhr von Jagdtrophäen: Im vergangenen Jahr gab es 650 entsprechende Einfuhren, davon 231 Bergzebras, 109 Bärenpaviane – und 26 Afrikanische Elefanten.“

    (Standard, 10.4.)

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