Pinnwand zu einem weiteren heißen Thema: China

CHINA ALS WELTMACHT

Während die Blicke alle auf den Ukraine-Konflikt gerichtet sind und mehr oder weniger besorgte Kommentare um das Naheverhältnis Rußlands und Chinas durch die Medien geistern, marschiert China auf allen Kontinenten ökonomisch voran.

Streitfragen der Art, was eigentlich eine Weltmacht sei, erübrigen sich.

13 Gedanken zu “Pinnwand zu einem weiteren heißen Thema: China”

  1. „»Wir werden zu einer Provinz Chinas«: Der Westen geißelt sich selbst für den gescheiterten Gipfel in Peking

    Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten schon lange keine so schlechte Presse mehr, vielleicht sogar noch nie. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen reiste nach Peking, um zu teilen und zu herrschen, und verließ die chinesische Hauptstadt mit eingezogenem Schwanz. Und das sogar vorzeitig.

    Der Ausgang des 25. EU-China-Gipfels war für Brüssel so desaströs, dass die westlichen Medien buchstäblich in Tränen ausbrachen.

    Bloomberg erklärte, die Verhandlungen in Peking hätten keine Ergebnisse gebracht. Mit anderen Worten: Die Effizienz der Geschäftsreise war gleich Null. Gleichzeitig machte China Brüssel klar, dass es nicht beabsichtigt, die Beziehungen zu Moskau auf Geheiß des Westens zu verschlechtern. »Die Atmosphäre in den chinesisch-europäischen Beziehungen ist extrem angespannt«, zitiert Bloomberg den ehemaligen chinesischen Diplomaten und heutigen Professor an der Pekinger Universität für Fremdsprachen, Cui Hongjiang. »Meinungsverschiedenheiten in der Ukraine-Frage verhindern eine Verbesserung der chinesisch-europäischen Beziehungen.«

    Die demonstrative Weigerung Pekings

    Nach dem Ende der betont kurzen Verhandlungen versuchte Ursula von der Leyen nicht einmal, ihren Ärger zu verbergen. Sie »zögerte nicht, Chinas Handelspraktiken zu kritisieren und auf Pekings Unterstützung für Russland hinzuweisen«, berichtete Bloomberg.  Das einzige Ergebnis des Gipfels war die Entscheidung, einen Mechanismus zur Identifizierung von problematischen Themen in den Beziehungen zwischen der EU und China zu schaffen.“

    !!!

    „Ursprünglich war geplant gewesen, dass sich die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und der Präsident des Europäischen Rates, Antonio Costa, am 24. Juli in Peking mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dem Ministerpräsidenten des Staatsrats, Li Qiang, treffen und anschließend am 25. Juli zu einem Wirtschaftsgipfel nach Hefei (Zentralchina) reisen.
    Auf Wunsch der chinesischen Seite wurde der zweite Tag des Gipfels jedoch komplett abgesagt. »Die Absage des zweiten Teils der Reise, der geschäftlicher Natur war, spricht für sich«, sagte Gerard DiPippo, stellvertretender Direktor des RAND China Research Center.

    Die Macht des Gastgebers

    Im Gegensatz dazu trafen sich erst kürzlich am 13. Juli die Chefs der russischen und chinesischen Außenministerien, Sergej Lawrow und Wang Yi, in Peking.
    Es war bereits ihr zweites Treffen innerhalb einer Woche. Zuvor hatten sie am 10. Juli am Rande des ASEAN-Außenministerrats in Kuala Lumpur umfassende Verhandlungen geführt. Sie vereinbarten, die russisch-chinesischen Beziehungen in alle Richtungen zu vertiefen, auszubauen und weiterzuentwickeln. Außerdem einigten sie sich auf die Details des bevorstehenden Russland-China-Gipfels Anfang September.

    Und wie endete die Reise der EU-Beamten nach Peking?

    Die französische Zeitung Le Monde schrieb dazu (ohne ihre Schadenfreude zu verbergen): »Ursula von der Leyen und Antonio Costa konnten lediglich die Macht des Gastgeberlandes und die tiefen Meinungsverschiedenheiten in Handels- und Diplomatiefragen beobachten.«
    Der 25. Gipfel entwickelte sich schnell zu einem Dialog unter Tauben (= Gehörlosen, nicht Vögeln), fügte Le Monde hinzu: »Die Meinungsverschiedenheiten wurden bereits nach einem Tag deutlich, nicht erst nach zwei, wie ursprünglich geplant.«“

    Ob ausgerechnet das Sichtbarmachen der Meinungsverschiedenheiten geplant war, darf bezweifelt werden. 
    Der zweitägige Besuch sollte sie offenbar eher glätten, was aber von Anfang an mißlang.

    „Le Monde wies auch darauf hin, dass die hochrangigen europäischen Politiker sich zu einer Reise in die chinesische Hauptstadt bequemen mussten, da der Vorsitzende der chinesischen Staatspartei Xi Jinping klarstellte, dass er nicht nach Europa reisen werde: »Gleichzeitig findet er jedes Jahr Zeit, Moskau zu besuchen.«

    Die EU sieht hilflos zu, wie sich das Ungleichgewicht in den Beziehungen zu China verschärft, ohne einen klaren Ausweg aus dieser Situation zu finden. In den letzten 10 Jahren hat sich das Handelsdefizit der EU mit China verdoppelt und liegt nun bei über 300 Milliarden Euro pro Jahr. »Nichts deutet darauf hin, dass die EU auch nur ansatzweise eine Lösung für die grundlegenden Probleme gefunden hat«, verhehlt Le Monde ihre Enttäuschung über die EU-Außenpolitik nicht. Laut der französischen Zeitung sind die Europäer zu Zuschauern der enormen Veränderungen geworden, die sich derzeit in Asien vollziehen.

    Die Beziehungen haben einen Tiefpunkt erreicht 

    Der britische Guardian kam sogar zu dem Schluss, dass die Ergebnisse der Reise europäischer Beamter nach Peking deutlich darauf hindeuten, dass die EU aufgrund ihrer Importabhängigkeit allmählich zu einer »Provinz Chinas« wird.

    AMG Lithium-Chef Stefan Scherer glaubt, dass Europa noch eine Chance hätte, die Situation zu ändern, aber dafür seien entschlossene und vernünftige Schritte erforderlich. In der Praxis sieht es jedoch anders aus.
    Brüssel bereitet sich weiterhin auf einen großen Krieg vor und gibt dafür Milliarden aus. China nutzte den 25. Gipfel, um Europa zu zeigen, dass Peking nicht auf derselben Linie ist wie die blutrünstigen europäischen Politiker.
    »In dieser Atmosphäre strategischen Misstrauens ist die Lage eindeutig angespannt, wenn nicht gar kalt«, zitiert die britische BBC Engin Eroglu, ein Mitglied der Delegation des Europäischen Parlaments.
    Die Deutsche Welle schließlich stellte fest: Die Beziehungen zwischen der EU und China hätten einen Tiefpunkt erreicht.

    (KP, 26.7.)

  2. „What Does China Know? The World's Largest Buyer Is Hoarding Gold

    While Western investors chase stocks and ETFs, China is doing something else entirely: buying gold. The People’s Bank of China just logged its 19th straight month of gold accumulation, and some analysts suspect the real number is far higher than what's publicly reported.

    Beijing is playing the long game. And they’re doing it in physical metal, not futures contracts or digital proxies.

    China’s Central Bank Isn’t Buying for Diversification — It’s Buying for Protection

    According to multiple metals analysts, China has likely stockpiled more gold than it admits. Why would the world’s second-largest economy go quiet about its real reserves?

    Because gold isn’t a financial asset anymore. It’s becoming a geopolitical one.

    Beijing’s motives are clear:

    • De-dollarization: As the U.S. weaponizes the dollar, China is hedging against its influence.
    • Inflation fears: Gold protects against domestic price instability.“

    Warum eigentlich, und wie?

    • „Sanction insurance: In a world where reserves can be frozen, physical assets are untouchable.“

    War da nicht irgendetwas mit dem Gold Venezuelas, das in London lag und beschlagnahmt wurde? 
    Und dem Gold Argentiniens, das Milei verschiffen ließ, angeblich auch nach London?

    „Whether it's for political leverage or economic defense, China is signaling what it values most when the system gets shaky.

    Meanwhile, Western Investors Keep Looking the Other Way

    While China continues stacking, many American investors are still waiting for a »pullback.« They’re missing the fact that demand is rising, global central banks are buying at record levels, and supply chains are under pressure.

    It’s not just China. Poland, Singapore, Turkey, and India have all boosted their gold holdings. The World Gold Council reports 2023 and 2024 saw the strongest central bank gold buying on record. 2025 is already tracking in the same direction.

    And yet, the average investor owns nothing — or worse, trusts a paper ETF to do the job of real metal.

    Don’t Wait for the Headlines to Catch Up

    When sovereign nations start acting like preppers, it’s not paranoia. China’s gold buying is a blueprint.
    And by the time mainstream financial media catches up, the smart money will already be locked out of low premiums and accessible supply.“

    Das ist eigentlich ein Werbespot von einer Firma, die mit Gold handelt, aber deshalb ist das alles nicht erfunden. 

    (Zerohedge, August)

  3. „Gipfel der Integration

    Staatschefs der Shanghai-Organisation tagen im chinesischen Tianjin und wollen Zusammenarbeit gegen US-Imperialismus ausbauen

    Es wird das bislang größte Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) seit ihrer Gründung im Jahr 2001: die Zusammenkunft von Repräsentanten ihrer zehn Mitglieds-, zwei Beobachterstaaten und 14 Dialogpartner am Sonntag und Montag in der nordchinesischen Hafenmetropole Tianjin. Ihre persönliche Teilnahme haben unter anderem Chinas Präsident Xi Jinping, seine Amtskollegen Wladimir Putin (Russland) und Massud Peseschkian (Iran) sowie Indiens Ministerpräsident Narendra Modi angekündigt. Für den SOZ-Dialogpartner Türkei reist Präsident Recep Tayyip Erdoğan (Türkei) an. Neben den üblichen Gipfelerklärungen soll die Zusammenkunft auch eine neue Entwicklungsstrategie für die SOZ billigen, um die Arbeit der Organisation über die nächsten zehn Jahre zu koordinieren. Ziel ist es, trotz aller offenen Differenzen und Konflikte zwischen einigen Mitgliedern, etwa zwischen China und Indien oder zwischen Indien und Pakistan, das Netz der in der Öffentlichkeit eher wenig rezipierten praktischen Kooperation, die die SOZ im Namen trägt, immer enger zu knüpfen.

    Spezielle Aufmerksamkeit gilt in Europa und in Nordamerika bereits vorab der Teilnahme von Indiens Ministerpräsident Modi, die mit der ersten China-Reise des indischen Regierungschefs seit den Scharmützeln an der indisch-chinesischen Demarkationslinie im Frühjahr 2020 verbunden ist. Die Reise steht im Kontext einer schon längere Zeit in Gang befindlichen taktischen Wiederannäherung Neu-Delhis an Beijing, die zuletzt durch die am Mittwoch von der Trump-Regierung in Kraft gesetzten 50-Prozent-Zölle auf Indiens US-Exporte einen zusätzlichen Schub erhalten hat. Ihrerseits weist die SOZ schon darauf hin, dass allein ihre zehn Mitgliedstaaten heute für nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung und für mehr als ein Viertel der Weltwirtschaftsleistung stehen. Auch die Teilnahme von Putin und Peseschkian am SOZ-Gipfel widerlegt damit die im Westen immer noch beliebte Behauptung, Russland und Iran seien international isoliert.

    Zahlreiche nichtwestliche Beobachter gehen im Vorfeld davon aus, dass die SOZ auf ihrem Gipfel nicht nur solche Mythen widerlegen, sondern auch Profit aus den Zollkriegen und den sonstigen Aggressionen der Trump-Administration ziehen kann. Bereits im April legte sie eine Erklärung vor, in der sie sich für ein offenes, multilaterales und um die WTO zentriertes Handelssystem aussprach – eine klare Abgrenzung gegenüber den USA, unter deren brutalen ökonomischen Schlägen gegenwärtig fast die gesamte Welt leidet. Auch in ihrer Praxis werde sich die SOZ wohl stärker um die Wirtschaftskooperation bemühen, äußerte vor dem Gipfel Zhang Hong von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften im Gespräch mit der Global Times – und sich damit deutlich von den USA absetzen. Das überkommene euroatlantische Ordnungsmodell sei ohnehin klar auf »einseitige Vorteile nur für einzelne Staaten« ausgerichtet, hatte Putin bereits auf dem SOZ-Gipfel 2024 in Astana festgehalten. Die SOZ sei demgegenüber, urteilte jetzt Kirgistans Exministerpräsident Dschoomart Otorbajew, »eine Plattform geworden, die die ökonomische und politische Integration des globalen Südens fördert«.“

    (Junge Welt, 30.8.)

    „Bei seinem ersten Chinabesuch seit sieben Jahren wird Narendra Modi mit Wladimir Putin und Xi Jinping zusammentreffen.
    Diese Treffen sind besonders wichtig vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Neu-Delhi und Washington über Trumps Zölle auf indische Waren – als Strafe für Indiens Kauf russischer Ölprodukte. Doch die Inder werden Amerika nicht nachgeben.“

    (KP, 30.8.)

  4. „Chinesische Elektroautos in Europa
    Wie Xpeng mit Magna die EU-Zölle austrickst – und E-Autos in Europa baut

    Xpeng startet mit Magna durch: In Graz entsteht die erste europäische Produktionslinie des chinesischen E-Auto-Herstellers. Während der Preiskampf am Heimatmarkt eskaliert, sichert sich Xpeng über den Standort Österreich direkten Zugang zum EU-Markt – und umgeht dabei die neuen Strafzölle. Für Magna ist der Auftrag überlebenswichtig: Die Elektroauto-Produktion in Graz wird zum Hoffnungsträger für die angeschlagene Autoindustrie in Österreich.

    (Industrie-Magazin, 19.9.)

    Die chinesische Autoindustrie ist natürlich schon längst in der EU, vor allem in Ungarn, aber auch in Deutschland.

  5. China ist aus verschiedenen Gründen sauer auf Japan und holt seine Pandas von dort zurück. Vor allem die Bemerkungen der japanischen Hardliner-Regierungschefin wegen Taiwan haben die Beziehungen verschlechtert, obwohl sie gerade mit Taiwan begonnen hatten:

    „Pandas für Anerkennung

    Dabei war Japan eines der ersten Länder, die in den Genuss der Panda-Gaben kamen, nämlich 1972, als Japan die diplomatischen Beziehungen mit Taiwan aufgab und stattdessen mit der Volksrepublik aufnahm.
    Pandas als Staatsgeschenke gehen Quellen zufolge bis in die Tang-Dynastie zurück. Modern wurde die Geste ab den 1970ern, etwa als China das Tauwetter mit den USA mit zwei Pandas besiegelte.

    Ab den 1980er-Jahren gab's die Pandas nur noch als Leihgabe, rund 500.000 US-Dollar zahlen die Gastländer angeblich pro Bär. Das klingt zwar teuer, macht sich zumeist aber bezahlt: Immerhin gehören die Pandas zu den beliebtesten Attraktionen in den Zoos dieser Welt.“

    (Standard, 18.12.)

  6. „E-Auto Markt China
    BYD-Crash: Dramatische Absatzkrise erzwingt drastischen Europa-Kurs

    BYD steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte: Während der chinesische E-Auto-Gigant im Heimatmarkt Marktanteile verliert und Millionen Fahrzeuge unverkauft bleiben, beginnt in Ungarn die Testproduktion für Europa. Kann der neue Standort Szeged retten, was in China zu entgleiten droht? Der Konzern steht vor einem globalen Stresstest – mit Europa als letzter Hoffnung.“

    Ob das wirklich so dramatisch ist?
    In Rußland sind die E-Autos nicht besonders gefragt und in Europa hat der Verbrenner Schonzeit bekommen …

    „Die Nachricht war dem ungarischen Staatsfernsehen einen eigenen Beitrag wert.
    Nicht Inflation. Nicht Krieg. Sondern: BYD.
    Denn im ostungarischen Szeged hat Ende Januar die Testproduktion im neuen Werk des chinesischen E-Auto-Giganten begonnen. Auf 300 Hektar Industriefläche arbeiten bald fast 1000 Beschäftigte – rund 30% davon, wie die Orban-nahe Zeitung Hungarian Conservative berichtet, asiatische Gastarbeiter.

    Die Meldung hätte kaum symbolträchtiger fallen können: Während BYD in Europa erstmals sichtbar produziert, gerät der Konzern in seinem Heimatmarkt China massiv unter Druck. Einst war BYD das Maß aller Dinge im chinesischen E-Auto-Markt. Modelle wie der Seagull – in Europa künftig als »Dolphin Surf« bekannt – verkauften sich über eine Million Mal in weniger als 2 Jahren. Doch nun ist die Lage eine andere: Laut dem Branchenverband CPCA sank BYDs Marktanteil zwischen Februar und Dezember von 38 auf 26%. Nicht, weil BYD schlechter wurde – sondern weil andere aufholen. Vor allem Geely. Der einst wachstumsgetriebene Markt wird zum Nullsummenspiel. Nachfrage generiert kein Wachstum mehr. Nur Verdrängung.“

    Sollte sich das, was auf dem Wohnungsmarkt geschehen ist, jetzt auf dem Automarkt wiederholen? Jede Menge kreditfinanziertes Wachstum, das satte Überkapazitäten geschaffen hat, – die in diesem Fall der Weltmarkt nicht mehr aufsaugen kann?

    „China unter Druck: Preisschlacht, Förderkürzungen – und BYD verliert die Spitze

    Hinter dem sinkenden Marktanteil steckt ein gefährlicher Mechanismus: BYD hat 2025 rund 4,5 Millionen Fahrzeuge an Händler geliefert – aber nur 3,5 Millionen an Endkunden verkauft. Fast eine Million Autos stehen unverkauft auf Halde. Diese Vorverlagerung des Absatzes treibt kurzfristig Zahlen – auf Kosten der Erträge.“

    Also eine Million, nicht „Millionen“, wie weiter oben angedeutet.

    „Die Finanzmärkte reagierten prompt: Die BYD-Aktie verlor zeitweise fast 10%. Und dann kam der symbolische Wendepunkt: Geely überholte BYD im Januar und wurde größter Autobauer Chinas. Eine Position, die BYD selbst vor wenigen Jahren Volkswagen abgenommen hatte.

    Im härtesten Automarkt der Welt kämpfen derzeit fast 100 E-Auto-Hersteller um Anteile – mit Preisschlachten, Rabattschlachten und Margen nahe null. Selbst Chinas Zentralregierung kritisiert die Kannibalisierung des Marktes. Die versuchte Konsolidierung durch den Staat scheitert jedoch an lokalpolitischen Machtverhältnissen: Provinzfürsten blockieren Fusionen aus Eigeninteresse, Arbeitsplätze sind politisches Kapital.“

    Bald Arbeitslosenheere in China?

    „Zudem hat die Regierung entscheidende Fördermaßnahmen zurückgefahren: Stromer-Prämien werden gekappt, Eintauschprämien gestrichen, und erstmals wurde die Kaufsteuerbefreiung aufgehoben. Die Folge: Eine Überproduktion, die in immer mehr ungenutzter Kapazität mündet. Zwar lagen BYDs Fabriken laut Bloomberg zwischen 2022 und 2024 noch bei 80–85 Prozent Auslastung – deutlich über dem Branchenschnitt von 49,5%. Doch 2025 dürften manche Werke nur noch bei 60% liegen. Reuters berichtet von Schichtstreichungen und Produktionskürzungen um ein Drittel.

    5%-Ziel in Europa: BYD braucht jeden Standort – sonst kippt der Plan

    Das Herz von BYDs Europa-Strategie schlägt in Szeged. Wenn dort im zweiten Quartal 2025 die Serienproduktion des Dolphin Surf anläuft, liegt der Konzern weitgehend im Plan. Bis 2026 sollen mehrere zehntausend Fahrzeuge vom Band rollen. Die volle Kapazität: 200.000 Stück jährlich – geplant bis 2028.

    Parallel entsteht in der Nähe von Izmir (Türkei) ein zweites europäisches Werk mit einer Kapazität von 150.000 Fahrzeugen jährlich. Für 920 Millionen Euro investiert BYD in die Region – doch das Projekt wackelt. Der jüngst abgeschlossene EU-Indien-Zolldeal macht den Standort Türkei strategisch weniger attraktiv: Indien wird zum neuen Drehkreuz für global orientierte Hersteller mit Zugang zum europäischen Markt.

    Heute fertigen Toyota, Hyundai und Renault für Europa in der Türkei – doch mit wachsender Bedeutung Indiens droht der Türkei der Bedeutungsverlust. Für BYD bedeutet das: Beide Werke – in Ungarn und der Türkei – müssen voll ausgelastet laufen, um das Ziel eines europäischen Marktanteils von 5% zu erreichen.

    • Benötigter Absatz in Europa bei 5% Marktanteil: 700.000 Fahrzeuge
    • Importe aus China: 250.000
    • Werk Ungarn (volle Auslastung): 300.000
    • Werk Türkei (volle Auslastung): 150.000

    Nur so kann der Rückgang in China zumindest teilweise ausgeglichen werden.

    Mehr als Zahlen: Was BYDs Krise über die Substanz des Konzerns verrät

    Trotz allem bleibt BYD profitabel. Noch. Die Bilanzen zeigen einen klaren Abwärtstrend – aber keinen Absturz. Die Gewinne schrumpfen, verschwinden jedoch nicht.

    Nettogewinn BYD – 2025

    • Q1: 9,15 Mrd. Yuan
    • Q2: 8,5 Mrd. Yuan
    • Q3: 7,82 Mrd. Yuan

    Während viele chinesische Rivalen im Preiskrieg rote Zahlen schreiben und westliche Hersteller Milliarden im E-Auto-Geschäft verbrennen, steht BYD vergleichsweise stabil da. Der Grund: die vertikale Integration.
    BYD produziert Batterien, Leistungselektronik, Halbleiter und Software selbst. Das, was bei anderen als externer Kostenblock aufschlägt, ist bei BYD interne Wertschöpfung. Das senkt die Fixkosten und ermöglicht Preisflexibilität – ohne die Gewinne komplett zu opfern.

    Zum Vergleich: Tesla setzt auf Preisdisziplin und ein fokussiertes Modellportfolio, doch jede Preissenkung trifft direkt den Gewinn. Westliche Hersteller kämpfen mit hohen Fixkosten und dem teuren Wechsel auf neue Plattformen.

    Und Geely? Wächst rasant, aber in einem komplexen System mit vielen Marken und Modellen – was es anfälliger macht.“

    Also der nächste Krisen-Kandidat?

    „BYDs aktuelle Krise ist deshalb kein Kontrollverlust – sondern ein Stresstest. Und genau hier zeigt sich die Substanz des Konzerns. Denn ein Crash-Test zeigt nicht, wie schnell ein Auto ist. Sondern, wie gut es gebaut wurde. BYD steckt mitten im Aufprall: Preiskampf, Überkapazitäten, politische Eingriffe, sinkende Inlandsnachfrage. Doch die Karosserie hält.“

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    „Europa als Rettungsanker: BYD setzt alles auf den Export

    Fast 85% seiner Fahrzeuge verkauft BYD noch in China. Doch der Binnenmarkt stagniert – Export wird zur Pflicht. Und Europa ist die logische Wahl: Die USA sind politisch dicht, Südamerika und Südostasien bieten zu wenig Volumen. Tatsächlich hat die EU – inklusive Großbritannien und EFTA-Staaten – im Jahr 2024 chinesische Überkapazitäten spürbar absorbiert:

    • 2023: ca. 70.000 Fahrzeuge
    • 2024: ca. 155.000 Fahrzeuge
    • 2025 (Prognose): ca. 245.000 Fahrzeuge

    In Deutschland wurden 2024 noch 2.940 Fahrzeuge zugelassen, 2025 waren es bereits 23.334 – ein Wachstum von fast 700%. Der Marktanteil bleibt mit 0,7 Prozent aber überschaubar. In Österreich sieht es besser aus: Der Marktanteil lag 2024 bei rund 1,6 Prozent – im August sogar bei rekordverdächtigen 3,6 Prozent, dem höchsten Wert für BYD in Europa.

    Europa ist BYDs größte Chance – und seine letzte große Hoffnung. Wenn der europäische Marktausbau nicht gelingt, kann BYD den Rückgang in China nicht kompensieren. Dann bleibt der Konzern – trotz globaler Ambitionen – ein chinesisches Phänomen.“

    (Industrie-Magazin, 13.2.)

  7. „Stellantis, XPeng & Xiaomi im Machtpoker: China greift nach Europas Autoindustrie

    Chinesische Tech-Autobauer wie XPeng und Xiaomi drängen mit Tempo auf den europäischen Markt – während Stellantis Milliarden in den Ausbau seines US-Geschäfts steckt. Hinter dieser scheinbaren Gegenbewegung entsteht eine neue strategische Konstellation: Europa bietet Produktionskapazitäten, Marken und Vertrieb – China liefert Batterie-Technologie, Software und Kapital. Gespräche über Beteiligungen an Marken wie Maserati zeigen, wie tief dieser Wandel reichen könnte. Die europäische Autoindustrie steht damit vor einer entscheidenden Frage: Wird sie zum Partner der neuen chinesischen Technologiekonzerne – oder verliert sie langfristig die Kontrolle über ihre industrielle Basis?“

    (Industrie-Magazin, 25.3.)

  8. „Hongkong überholt die Schweiz als globales Zentrum für grenzüberschreitendes Vermögensmanagement
    Die chinesische Sonderverwaltungszone erlebt einen Boom, der mit Kapitalströmen vom chinesischen Festland zusammenhängt.

    Die globalen Kapitalströme verändern sich. Erstmals hat Hongkong die Schweiz knapp als weltweit führendes Zentrum für grenzüberschreitendes Vermögensmanagement überholt. Grund dafür ist eine Investitionswelle vom chinesischen Festland, die Hongkong die Führung gegenüber dem traditionellen europäischen Finanzplatz sicherte.

    Laut einem aktuellen Bericht der Boston Consulting Group (BCG) flossen im Jahr 2025 2,9 Billionen US-Dollar (2,5 Billionen Euro) in die chinesische Sonderverwaltungszone – 10,7% mehr als im Vorjahr. BCG prognostiziert, dass sich die Lücke weiter vergrößern wird: Bis zum Ende des Jahrzehnts wird das asiatische Zentrum die Schweiz um 600 Milliarden US-Dollar (rund 519 Milliarden Euro) überholen.

    Die treibende Kraft hinter diesem Wandel ist der rasante Anstieg des Finanzvermögens aus Festlandchina, das im vergangenen Jahr um 15% wuchs und in Hongkong ein Tor zu den globalen Märkten gefunden hat: Grenzüberschreitende Vermögenswerte vom Festland machen fast 60% der Investitionsströme in das halbautonome Gebiet aus. Der Rest stammt hauptsächlich aus Taiwan (13%) und Japan (7%), was Hongkongs Position als Drehscheibe für asiatische Investitionen festigt.

    Die Ende Mai veröffentlichte BCG-Analyse hebt hervor, wie die geopolitische Fragmentierung die Entstehung zweier wichtiger Finanzzentren verstärkt: eines mit Hongkong und Singapur als Zentrum, das Kapital aus Festlandchina, Indien und Südostasien kanalisiert; und ein weiteres mit der Schweiz, den USA und Großbritannien als Zentrum, das Vermögen aus Europa, dem Nahen Osten und Lateinamerika verwaltet. …“

    (El País, 20.6.)

    Man merkt also, wie der traditionelle „Westen“ an Gewicht verliert, wie China seine Position als Weltwirtschaftsmacht weiter vertstärkt und wie der Renminbi weiter an Gewicht gewinnt, bzw. das ganze Verrechnungssystem der BRICS. 

  9. „China Pharmaindustrie
    Pfizer, AstraZeneca und der China-Schock: Die neue Geschwindigkeit der Pharmabranche

    China war lange vor allem als günstiger Wirkstofflieferant und Produktionsstandort für Big Pharma bekannt. Jetzt entwickeln sich chinesische Biotech-Firmen rasant zu ernstzunehmenden Rivalen von Pfizer und AstraZeneca – mit deutlich höherem Entwicklungstempo, milliardenschweren Lizenzdeals und einer wachsenden Pipeline an innovativen Medikamenten, die zunehmend auch westliche Märkte ins Visier nehmen.

    Chinas Pharmaindustrie steht vor dem nächsten Entwicklungsschritt. Nachdem das Land zunächst vor allem günstige Wirkstoffe und Nachahmermedikamente produzierte und später enorme eigene Forschungskapazitäten aufbaute, drängen chinesische Unternehmen nun verstärkt auf die internationalen Märkte. Westliche Pharmakonzerne betrachten sie deshalb nicht mehr nur als Zulieferer oder Lizenzpartner, sondern zunehmend als direkte Wettbewerber. Diese Entwicklung wird in der Branche teilweise als »China 3.0« bezeichnet.

    Wie ernst die etablierten Konzerne die neue Konkurrenz nehmen, zeigte Pfizer-Chef Albert Bourla auf der Jefferies Global Healthcare Conference im Juni 2026. Seiner Einschätzung nach könnten chinesische Unternehmen bis 2030 zu den wichtigsten Konkurrenten Pfizers gehören. Als entscheidende Vorteile nannte er deutlich niedrigere Entwicklungskosten und ein wesentlich höheres Tempo. Bourlas Aussagen sind nicht nur eine Warnung, sondern auch ein Eingeständnis: Die Strukturen, mit denen westliche Unternehmen jahrzehntelang erfolgreich Medikamente entwickelt haben, geraten unter Anpassungsdruck.

    Auch AstraZeneca-Chef Pascal Soriot fordert inzwischen, westliche Arzneimittelhersteller müssten lernen, mit »chinesischer Geschwindigkeit« zu arbeiten. Dabei verweist er auf die Gefahr, dass sich in der Pharmabranche eine ähnliche Verschiebung vollziehen könnte wie bei Elektroautos: Chinesische Unternehmen könnten technologische Fortschritte, kurze Entwicklungszyklen und wettbewerbsfähige Preise so miteinander verbinden, dass etablierte Anbieter Marktanteile verlieren.

    Chinas Pharmaindustrie wird vom Produktionsstandort zum Innovationszentrum

    Der Aufstieg der chinesischen Pharma- und Biotechnologiebranche ist kein kurzfristiges Phänomen. Seit 2015 wurden die Verfahren zur Prüfung und Zulassung neuer Arzneimittel umfassend reformiert. Ziel war es unter anderem, Bearbeitungsrückstände abzubauen, innovative Präparate schneller zu bewerten und chinesische Entwicklungsstandards stärker an internationale Anforderungen anzupassen. Eine wissenschaftliche Analyse in »Nature Reviews Drug Discovery« beschreibt diese regulatorischen Reformen als wesentliche Grundlage für die tiefgreifende Veränderung des chinesischen Pharmasektors.

    Gleichzeitig erklärte die chinesische Regierung Biotechnologie und Biomedizin zu strategisch wichtigen Wachstumsbereichen. Im Rahmen des 14. Fünfjahresplans wurde die Bioökonomie gezielt gefördert. Vorgesehen waren unter anderem Investitionen in innovative Medikamente, digitale Technologien, Biomaterialien sowie neue Produktions- und Forschungsplattformen. Staatliche Programme, regionale Förderzentren und schnell wachsende Universitäten schufen so ein Ökosystem, in dem zahlreiche junge Biotech-Unternehmen entstehen konnten.

    Klinische Studien in China: Der Tempovorteil chinesischer Biotech-Firmen

    Die Folgen zeigen sich besonders deutlich bei klinischen Studien. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung bezifferte Chinas Anteil an der weltweiten klinischen Studienaktivität bereits für 2022 auf 27,7%. Inzwischen gehört das Land damit neben den USA zu den wichtigsten Standorten für die klinische Entwicklung neuer Wirkstoffe. Eine im Juli 2026 erschienene Analyse hebt zudem hervor, wie stark die chinesischen Fähigkeiten bei der Planung und Durchführung klinischer Forschung gewachsen sind.

    Chinesische Unternehmen profitieren dabei von großen Patientenzahlen, gut vernetzten medizinischen Zentren und einer dichten Forschungs- und Produktionslandschaft. Diese Faktoren können die Rekrutierung von Studienteilnehmern beschleunigen. Allerdings bedeutet eine schnelle frühe Entwicklung noch nicht automatisch, dass ein Medikament auch in Europa oder den USA erfolgreich zugelassen und vermarktet werden kann. Internationale Studien müssen regulatorische, medizinische und statistische Anforderungen unterschiedlicher Behörden erfüllen.

    Pfizer und Innovent: Der Milliarden-Deal mit chinesischen Wirkstoffen

    Besonders sichtbar wird Chinas neue Bedeutung bei Lizenz- und Kooperationsverträgen. Nach Angaben der chinesischen Regierung überstieg der mögliche Gesamtwert internationaler Auslizenzierungen chinesischer Arzneimittelprojekte im Jahr 2025 die Marke von 130 Milliarden US-Dollar. Solche Summen bestehen üblicherweise aus Vorauszahlungen, späteren Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteinen sowie möglichen Umsatzbeteiligungen. Der tatsächlich ausgezahlte Betrag liegt daher meist deutlich unter dem öffentlich genannten maximalen Vertragswert.

    Zu den größten aktuellen Vereinbarungen zählt die Zusammenarbeit zwischen Pfizer und Innovent Biologics. Im Mai 2026 vereinbarten beide Unternehmen die gemeinsame Entwicklung von 4 Arzneimittelprogrammen. Pfizer sagte eine Vorauszahlung von 650 Millionen US-Dollar zu; zusätzlich kann Innovent bei Erreichen bestimmter Entwicklungs-, Zulassungs- und Verkaufsziele Zahlungen von bis zu 9,85 Milliarden US-Dollar erhalten. Mehrere Programme sollen in den USA und Europa gemeinsam vermarktet werden, sofern sie erfolgreich entwickelt und zugelassen werden.

    Takeda, Hengrui und Bristol Myers Squibb setzen auf Chinas Forschungspipeline

    Innovent arbeitet außerdem mit dem japanischen Pharmakonzern Takeda zusammen. Die Ende 2025 abgeschlossene Partnerschaft umfasst unter anderem zwei fortgeschrittene experimentelle Krebsmedikamente gegen solide Tumoren. Für Takeda bietet die Kooperation Zugang zu einer chinesischen Forschungspipeline, ohne sämtliche Wirkstoffe selbst entdecken und durch die frühe Entwicklung führen zu müssen.

    Ein weiteres Beispiel ist Jiangsu Hengrui Pharmaceuticals. Das Unternehmen und Bristol Myers Squibb kündigten im Mai 2026 Vereinbarungen über insgesamt 13 Forschungsprogramme in der Onkologie, Hämatologie und Immunologie an. Der potenzielle Gesamtwert wurde mit bis zu 15,2 Milliarden US-Dollar angegeben. Davon entfallen bis zu 950 Millionen US-Dollar auf eine Vorauszahlung und zeitnahe weitere Zahlungen. Die tatsächliche Gesamtsumme hängt auch hier davon ab, wie viele Wirkstoffe klinische und wirtschaftliche Meilensteine erreichen.

    Krebsmedikamente aus China kommen in Europa an

    Chinesische Pharmaforschung ist in Europa längst nicht mehr nur eine Zukunftsprognose. Das Krebsmedikament Fruzaqla mit dem Wirkstoff Fruquintinib erhielt am 20. Juni 2024 eine EU-weite Marktzulassung. Der Wirkstoff wurde ursprünglich von Hutchmed entwickelt und wird außerhalb Chinas von Takeda vermarktet. Er ist für bestimmte erwachsene Patienten mit bereits behandeltem metastasiertem Darmkrebs vorgesehen.

    Auch das aus China hervorgegangene Unternehmen BeOne Medicines zeigt, wie eine internationale Expansion aussehen kann. Der frühere Name BeiGene wurde 2025 durch BeOne Medicines ersetzt; gleichzeitig kündigte das Unternehmen eine Verlegung seines rechtlichen Sitzes nach Basel an. BeOne vermarktet bereits Krebsmedikamente wie Brukinsa und Tevimbra und verfügt über globale Entwicklungs- und Vertriebsstrukturen. Im Juli 2026 kündigte der Konzern zudem an, seine Investitionen in die US-Produktion auf mehr als eine Milliarde US-Dollar auszuweiten.

    Diese Beispiele machen deutlich, dass chinesische Innovationen auf unterschiedlichen Wegen in westliche Gesundheitssysteme gelangen. Manche Unternehmen verkaufen internationale Rechte an etablierte Pharmakonzerne. Andere gründen Tochtergesellschaften, übertragen Wirkstoffe auf neue, im Westen geführte Biotech-Firmen oder bauen eigene internationale Organisationen auf.

    BIOSECURE Act: Wie die USA Chinas Pharma-Offensive bremsen“

    wollen, muß man ergänzen.
    Ob das gelingt, darf bezweifelt werden.

    „Trotz der wachsenden Kooperationen wird die Expansion politisch schwieriger. In den USA ist der überarbeitete BIOSECURE Act seit dem 18. Dezember 2025 Teil des Verteidigungshaushaltsgesetzes für das Fiskaljahr 2026. Die Regelung beschränkt bestimmte staatliche Aufträge und Fördermittel, wenn dabei Produkte oder Dienstleistungen von als problematisch eingestuften Biotechnologieunternehmen genutzt werden. Sie stellt jedoch kein allgemeines Verbot chinesischer Medikamente oder sämtlicher Kooperationen mit chinesischen Firmen dar.

    Für international tätige Unternehmen erhöht das Gesetz dennoch den Prüfungs- und Dokumentationsaufwand. Beteiligungsstrukturen, Lieferketten, Datenzugriffe und Verbindungen zu staatlichen Institutionen werden künftig noch genauer untersucht werden. Für chinesische Hersteller wird es deshalb wichtiger, transparente Unternehmensstrukturen aufzubauen und Forschung, Datenerhebung sowie Produktion so zu organisieren, dass sie den Anforderungen verschiedener Rechtsräume entsprechen.

    Hinzu kommen klassische unternehmerische Schwierigkeiten. Ein Medikament erfolgreich zu entdecken, ist etwas anderes, als es in zahlreichen Ländern gleichzeitig zuzulassen, zu produzieren, zu erstatten und zu vermarkten. Dazu benötigen Unternehmen erfahrene Führungskräfte, internationale Zulassungsexperten, medizinische Vertriebsorganisationen und belastbare Kontakte zu Kliniken, Versicherungen und Behörden. Gerade in Europa unterscheiden sich Gesundheitssysteme und Erstattungsprozesse von Land zu Land.

    ————

    Big Pharma im Dilemma: Partner aus China werden zu Rivalen

    Für westliche Pharmakonzerne entsteht damit ein strategischer Konflikt. Kurzfristig bieten chinesische Biotech-Unternehmen Zugang zu einer großen Zahl neuer Wirkstoffe. Solche Partnerschaften können Forschungspipelines füllen und helfen, auslaufende Patente erfolgreicher Medikamente zu kompensieren. Gleichzeitig fließen durch hohe Voraus- und Meilensteinzahlungen erhebliche finanzielle Mittel in das chinesische Innovationssystem zurück.

    Langfristig könnten sich die heutigen Lizenzgeber deshalb zu direkten globalen Konkurrenten entwickeln. Unternehmen wie Innovent, Hengrui, Hutchmed und BeOne sammeln durch internationale Partnerschaften Erfahrungen mit westlichen Zulassungsbehörden, globalen Studien und Vermarktungsstrukturen. Mit jedem erfolgreichen Projekt sinkt ihre Abhängigkeit von europäischen oder amerikanischen Partnern.

    Der Aufstieg Chinas bedeutet daher nicht zwangsläufig das Ende der westlichen Dominanz, wohl aber das Ende eines weitgehend einseitigen Innovationsmodells. Die globale Pharmabranche entwickelt sich zu einem System mit mehreren starken Forschungszentren. Für Europa und die USA lautet die entscheidende Frage nicht mehr, ob chinesische Pharmaunternehmen international expandieren werden. Entscheidend ist, wie schnell sie es tun – und ob die etablierten Konzerne ihre eigenen Entwicklungsprozesse rechtzeitig an das neue Tempo anpassen können.“

    (Industrie-Magazin, 30.7.)

  10. „Der Panda am Wiener Westbahnhof: Wie ein chinesischer Zug Europas Industriepolitik herausfordert

    Ein chinesischer Panda-Zug rollt für die Westbahn durch Österreich – und wird zum Testfall für Siemens, Alstom und Europas Bahnindustrie. Hinter CRRC steht mehr als ein günstiger Zug: Es geht um Marktanteile, Subventionen, kritische Infrastruktur und die Frage, wie offen Europas Schienenmarkt wirklich ist. (…)

    EU gegen CRRC: Warum Chinas Bahnindustrie jetzt zum Fall für Brüssel wird

    Dass Brüssel die Entwicklung inzwischen ernster nimmt, zeigt nicht nur Bulgarien. 2025 eröffnete die EU-Kommission nach Reuters-Angaben auch eine Untersuchung gegen CRRC im Zusammenhang mit einem Bahnprojekt in Lissabon. Wieder geht es um den Verdacht möglicher Marktverzerrung durch ausländische Subventionen.

    Die Ironie der Geschichte: 2019 wollten Siemens und Alstom ihre Bahngeschäfte zusammenlegen. Ein europäischer Champion sollte entstehen, oft als »Airbus der Schiene« bezeichnet. Die EU-Kommission untersagte die Fusion aus Wettbewerbsgründen. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager argumentierte damals, chinesische Anbieter seien auf dem europäischen Hochgeschwindigkeitsmarkt auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. »We don’t see the Chinese coming«, sagte sie sinngemäß.

    Heute sind sie da – noch nicht als dominierende Kraft, aber sichtbar. Nicht mit Hunderten Zügen, sondern mit 4 Panda-Garnituren in Österreich. Gerade deshalb ist der Fall so aufschlussreich. Er zeigt nicht, dass Europa bereits verloren hätte.“

    Verräterisches Dementi.
    Aber Kopf hoch!

    „Er zeigt aber, wie offen Europas Schienenmarkt ist, sobald Preis, Lieferfähigkeit und strategische Geduld zusammenkommen.“

    (Industrie-Magazin, 31.7.)

  11. „XPeng: Der chinesische E-Autohersteller hinter der Magna-Produktion in Graz 

    XPeng ist auf Österreichs Straßen noch kaum sichtbar. Doch in Graz spielt der chinesische Elektroautohersteller bereits eine größere Rolle: Bei Magna Steyr entstehen E-Autos für Europa. Hinter der Marke steckt mehr als ein neuer Tesla-Rivale aus China – und genau das macht XPeng für Österreichs Autoindustrie interessant.

    XPeng ist auf Österreichs Straßen noch eine kleine Marke. Für die heimische Industrie ist der chinesische Elektroautohersteller aber bereits deutlich relevanter, als seine Zulassungszahlen vermuten lassen. Der Grund liegt in Graz: Magna Steyr produziert dort seit 2025 Elektroautos von XPeng für den europäischen Markt. Im September 2026 berichtete Reuters zudem, dass auch der neue G9L bei Magna in Österreich gefertigt werden soll. Damit wird Graz zu einem wichtigen Baustein der europäischen Expansion des chinesischen Herstellers.

    Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil XPeng längst nicht mehr nur als weiterer chinesischer Autokonzern betrachtet werden kann. Das Unternehmen versucht, seine Fahrzeugsoftware, Elektronikarchitekturen, KI-Chips und Fahrerassistenzsysteme zu einem eigenen Geschäft mit anderen Autoherstellern auszubauen. Wichtigster Partner ist Volkswagen. Im zweiten Quartal 2026 stiegen XPengs Erlöse aus Dienstleistungen und sonstigen Geschäften gegenüber dem Vorjahr um 93,9 Prozent auf 2,70 Milliarden Renminbi.
    XPeng begründete das unter anderem mit Entwicklungsleistungen für einen Automobilhersteller; Reuters ordnet insbesondere die Zusammenarbeit mit Volkswagen als Kern des wachsenden Technologiegeschäfts ein.

    Für Österreich treffen damit zwei Entwicklungen aufeinander: Ein chinesischer Technologie- und Autohersteller sucht eine industrielle Basis in Europa, während Magna Steyr seine Rolle als markenunabhängiger Auftragsfertiger für eine neue Generation von Herstellern ausbauen will. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung von XPeng für den Standort.

    Was macht XPeng? Autos, Software, KI-Chips und Fahrerassistenz 

    Die Bedeutung von XPeng lässt sich nicht allein an der Zahl verkaufter Autos messen. Der Konzern investiert ungewöhnlich stark in Software und Forschung. Ende 2025 beschäftigte XPeng 19.884 Menschen, nach 15.364 ein Jahr zuvor. Davon arbeiteten 8.845 oder 44,5 Prozent in Forschung und Entwicklung. Weitere 4.783 waren der Produktion und 5.501 dem Vertrieb und Marketing zugeordnet.

    Diese Personalstruktur zeigt, wohin sich das Unternehmen entwickeln will. XPeng beschreibt sich inzwischen selbst als KI- beziehungsweise »Physical AI«-Unternehmen. Solche Eigenbezeichnungen sind mit Vorsicht zu behandeln. Wirtschaftlich relevant ist aber, dass daraus bereits Dienstleistungen entstehen, für die andere Autohersteller bezahlen.

    Die Partnerschaft mit Volkswagen ist dafür das wichtigste Beispiel. Der deutsche Konzern vereinbarte 2023 eine Beteiligung von knapp 5% an XPeng für rund 700 Millionen US-Dollar. Ursprünglich sollte die Kooperation 2 Elektrofahrzeuge für den chinesischen Markt hervorbringen. Mittlerweile umfasst die Zusammenarbeit auch Elektronik- und Softwarearchitekturen.

    Im September 2026 berichtete Reuters, XPeng wolle diese Technologien auch weiteren internationalen Herstellern anbieten. Genannt wurden unter anderem die elektrische und elektronische Fahrzeugarchitektur, Cockpit-Technologie, der selbst entwickelte Turing-AI-Chip und Fahrerassistenzsoftware. Damit versucht XPeng, einen Teil seiner hohen Entwicklungsausgaben über Lizenz- und Technologiegeschäfte zu refinanzieren.

    XPeng im Faktencheck: Die wichtigsten Zahlen zum China-Hersteller 

    Das Kerngeschäft bleibt die Entwicklung und der Verkauf elektrischer Pkw. XPeng entwickelt nach eigenen Angaben wesentliche Komponenten seiner Fahrzeuge selbst, darunter Antriebsstrang, Elektronikarchitektur, Betriebssystem und Fahrerassistenzsoftware. Die Fahrzeuge werden überwiegend in China produziert.

    Strategisch interessanter ist inzwischen das Geschäft rund um diese Technologien. Im zweiten Quartal 2026 entfielen 17,05 Milliarden RMB des Konzernumsatzes auf Fahrzeugverkäufe und 2,70 Milliarden RMB auf Dienstleistungen und andere Erlöse. Letztere wuchsen gegenüber dem Vorjahr um 93,9 Prozent. XPeng führte das vor allem auf Entwicklungsleistungen für einen Autohersteller sowie auf Teile- und Zubehörverkäufe zurück.

    Daneben investiert XPeng in Robotaxis und humanoide Roboter. Für den Roboter IRON stellte das Unternehmen kommerzielle Auslieferungen ab 2027 in Aussicht. Diese Bereiche befinden sich allerdings noch im Aufbau und sollten nicht mit einem bereits etablierten Kerngeschäft gleichgesetzt werden. Die wirtschaftliche Basis von XPeng ist weiterhin das Automobilgeschäft.

    XPeng Zahlen: Starkes Wachstum, aber noch kein stabiler Gewinn 

    2025 war für XPeng ein Jahr außergewöhnlich starken Wachstums. Der Umsatz stieg um 87,7% auf 76,72 Milliarden RMB. Die Fahrzeugauslieferungen erhöhten sich um 125,9% auf 429.445 Einheiten. Die Bruttomarge verbesserte sich von 14,3 auf 18,9%. Gleichzeitig ging der Nettoverlust von 5,79 Milliarden auf 1,14 Milliarden RMB zurück.

    Im 4. Quartal 2025 erreichte XPeng erstmals einen Quartalsgewinn: Der Nettogewinn belief sich auf rund 380 Millionen RMB. Das war ein wichtiger Meilenstein, bedeutete aber noch nicht, dass der Konzern nachhaltig profitabel geworden wäre.

    Das zeigte sich 2026. Im zweiten Quartal wurden 103.295 Fahrzeuge ausgeliefert – nur 0,1% mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg um 8% auf 19,74 Milliarden RMB, gleichzeitig verzeichnete XPeng einen Nettoverlust von 1,34 Milliarden RMB. Die Bruttomarge erhöhte sich allerdings auf 20,7 Prozent.

    Auch die jüngsten Auslieferungszahlen zeigen eine Normalisierung der Wachstumsraten. Im August 2026 lieferte XPeng weltweit 39.107 Fahrzeuge aus, 4% mehr als ein Jahr zuvor. Das dreistellige prozentuale Wachstum des Jahres 2025 setzt sich damit vorerst nicht fort.

    Die zentrale wirtschaftliche Frage lautet deshalb nicht mehr nur, ob XPeng Stückzahlen steigern kann. Entscheidend wird sein, ob der Konzern mit seinen Autos dauerhaft ausreichende Margen erzielt und gleichzeitig ein profitables Technologiegeschäft aufbaut.

    XPengs Risiko: Warum Chinas E-Auto-Preiskampf auch Graz betrifft 

    Der chinesische Preiskampf

    XPeng konkurriert im Heimatmarkt mit etablierten Herstellern wie BYD, aber auch mit zahlreichen jüngeren Elektroauto- und Technologieunternehmen. Der intensive Wettbewerb zwingt die Hersteller zu kurzen Entwicklungszyklen, hohen Investitionen und aggressiver Produktpolitik. Für XPeng entsteht daraus ein Spannungsfeld: Der Konzern muss weiter stark in Technologie investieren, während der Fahrzeugverkauf noch keine verlässlich hohen Gewinne liefert.

    Hohe Entwicklungskosten

    Knapp die Hälfte der Beschäftigten arbeitet in Forschung und Entwicklung. Das unterstreicht die technologische Ambition, bedeutet aber auch eine hohe Kostenbasis. Solange Robotik, KI-Chips und Softwareplattformen noch keine großen eigenständigen Gewinne erwirtschaften, muss das traditionelle Fahrzeuggeschäft einen erheblichen Teil dieser Entwicklung finanzieren.

    Europa und die Handelspolitik

    Hinzu kommt die Handelspolitik. Die EU erhebt seit 2024 definitive Ausgleichszölle auf in China hergestellte batterieelektrische Autos. Die aktuell gültige Regelung sieht je nach Hersteller beziehungsweise Unternehmensgruppe Sätze zwischen 7,8 und 35,3% vor.

    Lokale Produktion in Europa wird dadurch grundsätzlich attraktiver. Daraus sollte jedoch nicht automatisch geschlossen werden, dass ein in Graz montiertes Fahrzeug von sämtlichen handelsrechtlichen Belastungen befreit ist: Für den zollrechtlichen Ursprung sind unter anderem Fertigungstiefe und Wertschöpfung relevant.
    Genau deshalb wäre die lokale Wertschöpfung bei XPeng ein wichtiger Indikator. Dazu veröffentlichen XPeng und Magna bislang allerdings keine ausreichend detaillierten Daten. Wie hoch der Anteil österreichischer oder europäischer Komponenten an den in Graz gefertigten XPeng-Modellen ist, lässt sich öffentlich nicht belastbar beziffern.

    XPeng in Österreich: Was Händler, Jobs und Magna Steyr wirklich bedeuten 

    XPeng startete seinen regulären österreichischen Vertrieb am 1. Oktober 2025 zunächst mit vier Standorten in Wien, Klagenfurt und Salzburg. Bis September 2026 wuchs das Vertriebsnetz nach Unternehmensangaben auf 17 Standorte. Die offizielle österreichische XPeng-Webseite führt mittlerweile Händler unter anderem in Wien, Graz, Linz, Salzburg, Klagenfurt, Innsbruck, St. Pölten, Oberwart und mehreren oberösterreichischen Städten.

    Hinzu kommt die Produktion in Graz. Die dort eingesetzten Mitarbeiter sind allerdings Beschäftigte von Magna Steyr und nicht von XPeng. Wie viele Arbeitsplätze konkret den XPeng-Programmen zugeordnet werden können, haben die Unternehmen bisher nicht veröffentlicht.

    Gerade deshalb sollte die Beschäftigungswirkung nicht überzeichnet werden. Fest steht lediglich: Zusätzliche Fahrzeugprogramme tragen zur Auslastung eines Standorts bei, an dem Magna komplette Fahrzeuge für mehrere Hersteller produziert. Eine konkrete Zahl gesicherter oder neu geschaffener Arbeitsplätze lässt sich daraus nicht seriös ableiten.

    XPeng bei Magna: Wie Graz zum Testfall für China-Autos in Europa wird 

    Der wichtigste Österreich-Bezug von XPeng ist nicht der Fahrzeugverkauf, sondern Graz. Magna gab im September 2025 bekannt, dass XPeng als erster chinesischer Autohersteller Fahrzeuge in den europäischen Complete-Vehicle-Aktivitäten des Konzerns fertigen lässt. Die Serienproduktion zweier Elektroauto-Modelle sollte im dritten Quartal 2025 anlaufen. Magna bezeichnete den Auftrag ausdrücklich als Beginn einer längerfristigen Zusammenarbeit für weitere Modelle.

    Der österreichische Marktstart von XPeng folgte im Oktober. Das Unternehmen bestätigte dabei zugleich, dass die Modelle G6 und G9 bereits bei Magna Steyr gefertigt würden. Im September 2026 erhielt die Zusammenarbeit zusätzliches Gewicht: Reuters berichtete, dass auch der neu vorgestellte G9L bei Magna in Österreich produziert werden soll. 

    Für Magna Steyr ist das strategisch relevant. Der Grazer Standort hat nach eigenen Angaben mehr als 4 Millionen Fahrzeuge und 40 Modelle für 14 unterschiedliche Hersteller produziert. Seine Besonderheit ist die flexible Auftragsfertigung verschiedener Antriebsformen und Marken.

    XPeng zeigt, dass dieses Geschäftsmodell auch für chinesische Hersteller interessant wird, die in Europa noch keine eigenen großen Produktionswerke besitzen. Inzwischen ist XPeng dabei kein Einzelfall mehr: 2025 vereinbarte auch der chinesische Hersteller GAC eine Fahrzeugfertigung bei Magna in Graz. Daraus entsteht für die Steiermark eine neue industrielle Chance. Graz könnte stärker als bisher als europäischer Produktionsbrückenkopf für asiatische Hersteller dienen. Wie groß dieser Effekt tatsächlich wird, hängt allerdings von den Produktionsvolumina und der lokalen Fertigungstiefe ab. Genau dazu liegen für XPeng derzeit keine belastbaren öffentlichen Angaben vor.

    Auch beim Absatz steckt die Marke in Österreich noch in einer frühen Phase. Statistik Austria registrierte 2025 lediglich 54 XPeng-Pkw-Neuzulassungen. Das ist angesichts des offiziellen Marktstarts erst im Oktober wenig überraschend und macht zugleich deutlich, dass XPeng hierzulande bislang keine Volumenmarke ist.

    XPeng Geschichte: Vom Start-up in Guangzhou zum Volkswagen-Partner 

    XPeng wurde 2014 in Guangzhou gegründet. Der Konzern zählt damit zu den jungen chinesischen Elektroautoherstellern, die parallel zum rasanten Wachstum des dortigen E-Auto-Marktes entstanden. 2020 folgte die Börsennotierung in New York, später kam Hongkong hinzu. Entscheidender als einzelne Modellstarts war aus heutiger Sicht der Einstieg von Volkswagen im Jahr 2023. Der deutsche Konzern investierte rund 700 Millionen US-Dollar für knapp 5% an XPeng und vereinbarte eine technische Zusammenarbeit. 2025 begann mit der Produktion bei Magna in Graz ein neues Kapitel der europäischen Expansion. Damit wurde Österreich erstmals ein Produktionsstandort für XPeng-Fahrzeuge außerhalb des chinesischen Kernmarkts.

    XPeng Aktie: Warum Anleger auf Software, KI und Elektroautos schauen 

    XPeng ist börsennotiert, bleibt aber stark vom Mitgründer Xiaopeng He kontrolliert. Laut Geschäftsbericht hielt er beziehungsweise von ihm kontrollierte Gesellschaften per Frühjahr 2026 wirtschaftlich rund 18,8% der Aktien, verfügte wegen der unterschiedlichen Stimmrechtsklassen aber über 69,3% der Stimmrechte. Volkswagen hielt zum selben Zeitpunkt 4,9% der Aktien und verfügte über einen wesentlich geringeren Anteil der Stimmrechte. Die Beteiligung ist damit strategisch wichtig, verschafft Volkswagen aber keine Kontrolle über XPeng.

    Xiaopeng He führt das Unternehmen weiterhin als Chairman und CEO. Fengying Wang ist President, Hongdi Brian Gu Honorary Vice Chairman und Co-President. 

    Die XPeng-Aktie wird in New York unter dem Kürzel XPEV gehandelt; zusätzlich ist das Unternehmen in Hongkong gelistet. Für Anleger ist die zentrale Frage eng mit der Unternehmensstrategie verbunden: Kann XPeng aus hohen Technologieinvestitionen zusätzliches margenträchtiges Geschäft entwickeln, oder bleiben Software, KI und Robotik vor allem Kostenblöcke eines weiterhin kapitalintensiven Autoherstellers?

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    XPeng Zukunft: Wird Graz zum Brückenkopf für Chinas neue Autohersteller? 

    XPeng befindet sich in einer ungewöhnlichen Übergangsphase. Das Unternehmen wächst international, baut sein Technologiegeschäft aus und lokalisiert einen Teil der europäischen Fahrzeugproduktion. Gleichzeitig schreibt der Gesamtkonzern weiterhin Verluste.

    Für Österreich ist vor allem entscheidend, wie weit XPeng die Zusammenarbeit mit Magna ausbaut. Der angekündigte G9L zeigt, dass Graz nicht nur für einen einmaligen Produktionsauftrag genutzt wird. Daraus allein lässt sich aber noch keine langfristige Produktionsgarantie ableiten. Stückzahlen, Vertragslaufzeiten und der österreichische Wertschöpfungsanteil sind nicht öffentlich bekannt.

    Auf Konzernebene dürfte zudem das Technologiegeschäft stärker in den Mittelpunkt rücken. Reuters berichtete im September 2026, dass XPeng seine Architektur, KI-Chips, Cockpit-Systeme und Fahrerassistenzsoftware künftig auch Herstellern außerhalb der Volkswagen-Kooperation anbieten will. Gelingt das, könnte sich XPeng vom reinen Fahrzeugproduzenten stärker in Richtung Automobiltechnologieanbieter entwickeln.

    Für die österreichische Industrie wäre genau diese Entwicklung relevant. Je mehr chinesische Hersteller ihre europäische Präsenz lokalisieren, desto interessanter werden bestehende Fertigungskapazitäten, Engineering-Kompetenz und Zuliefernetzwerke. Magna Steyr verfügt darüber. Ob daraus für Österreich dauerhaft substanzielle zusätzliche Wertschöpfung entsteht, wird sich aber nicht an Ankündigungen, sondern an Produktionsvolumen, Fertigungstiefe und Folgeaufträgen messen lassen.

    XPeng ist deshalb für Österreich derzeit weniger wegen seiner 54 Neuzulassungen des Jahres 2025 interessant als wegen einer größeren Frage: Kann Graz zu einem europäischen Produktionsstandort für eine neue Generation chinesischer Autohersteller werden? XPeng liefert dafür inzwischen einen der wichtigsten Praxistests.“

    (Industrie-Magazin, 22.9.)

  12. „BYD gegen Europas Lkw-Riesen: Warum der E-Antrieb ihre alte Macht ins Wanken bringt

    BYD greift mit dem ETT 44 Europas Markt für Elektro-Lkw an – und bringt damit Mercedes-Benz Trucks, MAN, Scania und Co. unter neuen Druck. Chinas Hersteller punkten mit aggressiven Preisen, hohem Entwicklungstempo und eigener Batterietechnik. Doch Europas Lkw-Riesen haben noch entscheidende Trümpfe. Warum der Machtkampf gerade jetzt eskaliert und was für die Branche auf dem Spiel steht.“

    (Industrie-Magazin, 22.9.)

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