Pressespiegel El País, 15.1.: Waffenlieferungen an die Ukraine

PANZERLIEFERUNGEN SIND UNABDINGLICH, DAMIT DIE UKRAINE EINE NEUE OFFENSIVE STARTEN KANN

Cristian Segura, Kupjansk, 15.1.:

„Die Vereinigten Staaten und mehrere europäische NATO-Staaten haben ein neues Kapitel in der Lieferung von Waffen an die Ukraine aufgeschlagen, das der gepanzerten Fahrzeuge.“

Ist das wirklich ein neues Kapitel? Meines Wissens wurden aus DDR-Beständen bereits Panzer hinübergeschoben, auch Polen hat meiner Erinnerung nach sowjetische Panzer hinübergeschickt.
Das neue ist eben, daß erstmals NATO-Panzer geliefert werden.

„Seit letztem Dezember wurden Ankündigungen gemacht, leicht gepanzerte Kampffahrzeuge und Infanterietransporte in die Ukraine zu schicken: Washington hat mit der Lieferung von 50 Bradley-Einheiten begonnen; Deutschland, 40 Marder geschickt; zusätzlich zu Frankreich, das den noch stärkeren AMX-10 liefern wird.
Aber damit die Ukraine eine neue Offensive starten kann, die es ihr ermöglicht, verlorenes Territorium zurückzugewinnen, braucht sie weitere Panzer. Ohne diese wird seine Armee nicht vorrücken, versichern ukrainische Offiziere der 3. Separaten Panzerbrigade und der 92. Mechanisierten Brigade, die von EL PAÍS an der Charkow-Front interviewt wurden.

Die beiden Panzer, die Kiew unbedingt haben will, sind die deutschen Leopard und die amerikanischen Abrams. Experten sagen, daß die beste Option aus geografischen Gründen der Leopard ist, weil er die am weitesten verbreitete schwere Panzerung in Kontinentaleuropa ist – 2.000 Einheiten, nach Angaben der Financial Times.“

Hat nicht Neoprene ganz andere Zahlen genannt, die in Depots herumstehen sollen? Woher seine Zahlen, wenn die FT nur auf diese bescheidene Summe kommt?

„Das Problem ist, daß die Länder, die diese Fahrzeuge haben – darunter Spanien – für ihren Export die Zustimmung Berlins per Vertrag benötigen, weil sie in Deutschland produziert wurden. Die Regierung von Olaf Scholz war bisher der Ansicht, daß die Entsendung schwerer Panzer die Spannungen mit Russland erhöhen würde, hat sich aber für eine Genehmigung geöffnet, wenn die Vereinigten Staaten dasselbe mit ihren Abrams tun. Das Vereinigte Königreich kündigte am Samstag die Lieferung von Challenger-2-Panzern an.

Die Zahlen, die die Verbündeten von Kiew in Betracht ziehen, sind im Moment im Vergleich zu den ukrainischen Anforderungen bescheiden. Der Oberbefehlshaber seiner Streitkräfte, Valeri Zaluzhni, wies im vergangenen Dezember darauf hin, daß seine Truppen 300 Panzer, 700 gepanzerte Infanteriefahrzeuge und 500 Artilleriegeschütze der NATO benötigen, um das seit dem 24. Februar verlorene Territorium zurückzuerobern. Laut dem britischen Zentrum für Militärstudien RUSI verfügte die Ukraine zu Beginn der Invasion über 900 Panzer, und Russland hatte 3.200 gepanzerte Fahrzeuge in seiner Offensive. Laut der Militäranalysegruppe Oryx verlor die Ukraine im Jahr 2022 etwa 500 Panzer und Russland 1.500. (…)

Alkut ist der Deckname des Obersten, der die 3. Brigade befehligt. Er ist 59 Jahre alt und ein Veteran des Donbass-Krieges 2014, er diente auch im Irak und in Afghanistan, in ukrainischen Bataillonen, die die US-Besatzung unterstützten.
Alkut absolvierte in den 1970er Jahren eine Ausbildung zum Tanker an einer sowjetischen Akademie. In diesem Jahrzehnt wurde der Leopard 2 in Dienst gestellt, die Fahrzeuge, die die Ukraine jetzt so begehrt. Warum sind diese besser als sowjetische Panzer aus diesen Jahren?
»Ich habe mit einem T-72 trainiert, und da waren die Leoparden schon besser. Die UdSSR setzte nicht auf Qualität, sondern auf Quantität. Aber es ist auch so, daß westliche Länder seither – im Gegensatz zu den Sowjets – dieselben Panzer modernisierten«.

Seit den Niederlagen, die Moskau im vergangenen September und Oktober an den Fronten in Charkow und Cherson erlitten hat, hatte die Invasionsarmee Zeit, ihre Verteidigungslinien zu verstärken.
Alkut nennt mehrere Beispiele für die Vorteile des Leoparden und des Abrams, die sie unentbehrlich machen würden, um diese Linien an der Front von Lugansk zu durchbrechen: ihre Panzerung; die Manövrierfähigkeit und die Motorleistung sind besser, was die Sicherheit sowohl der Soldaten, die sie bedienen, als auch der Infanteriekolonnen, die ihnen beim Angriff folgen, garantiert; seine Ergonomie ist unvergleichlich besser als bei sowjetischen Panzern, was bei stundenlangen Gefechten entscheidend ist. Sie verfügen über Nachtsichtgeräte und eine Technologie, die die Bewegung des feindlichen Ziels berechnet, um mit größerer Präzision zu schießen.

Andrei Krevonosk, Kommandant eines T-72 der 3. Mechanisierten Brigade, erklärt, daß seine Panzer nichts mit den modernen russischen Panzern zu tun haben, wie dem T-80 BVM oder dem T-64 BV, die über optische Visiere der neuesten Generation verfügen und Motoren vergleichbar mit dem Abrams. »Wenn wir einen erbeuten, feiern wir das«, sagt Krevonok. Sein Vorgesetzter Alkut schätzt, daß die Angriffskraft eines Abrams der von zwei oder drei sowjetischen Panzern entspricht.

»Sind schwere Panzer ein Relikt der Vergangenheit?« So lautete der Titel eines runden Tisches, der im vergangenen Oktober beim Warschauer Sicherheitsforum stattfand. Drei der wichtigsten Generäle der NATO wurden bei diesem Treffen zitiert. Mark Carleton-Smith, bis letztes Jahr britischer Generalstabschef, plädierte für Armeen mit weniger Panzern, aber mit einem ausgereiften technologischen Niveau, eine Position, die Andreas Marlow, Deutschlands stellvertretender Generalstabschef, teilte. Bis zum Krieg in der Ukraine ging der Trend laut Carleton-Smith dahin, die Investitionen in Panzer zugunsten von Bereichen wie Drohnen und mobiler Flugabwehr zu reduzieren. »Aber die Ukrainer sagen uns, daß die Panzer unverzichtbar sind, und sie sind diejenigen, die gegen die Russen kämpfen«, gab dieser britische General zu.

Oberst Alkut schloss sich den Worten von Carleton-Smith an, betonte aber, daß die Ukraine mehr Einheiten brauche, als eine NATO-Armee benötigen würde – diese hier spezialisiert sich auf leichte und schnelle Einheiten –, weil es sich um einen großangelegten Krieg handelt und weil sie auch Panzer als Artillerie einsetzen, bedingt zum Mangel an Haubitzen, die sie haben.

Versorgungsmängel

Dvorkin ist Kompaniechef von 10 T-64 der 92. Mechanisierten Brigade. Unter einem Kiefernwald in der Nähe der Front, in der Nähe der russischen Artillerie, sind Dutzende von Panzern versteckt, von denen die meisten gewartet werden. »Alle unsere Maschinen sind in schlechtem Zustand«, sagt dieser Sergeant, während er EL PAÍS die sichtlich abgenutzten Ketten der Panzer zeigt. Die Maschinenpistolen mancher Panzer könnten nur noch die Hälfte der Geschosse abfeuern, fügt er hinzu. »Diese Waffen werden seit 2014 im Kampf eingesetzt, und wir befinden uns unter dem Munitionsminimum«, betont Dvorkin.
Mikola Timkov, Hauptmann der 3. Brigade und Kommunikationschef, bestätigt, daß sie Probleme mit der Munitionsversorgung haben, weil selbst die aus anderen osteuropäischen Ländern stammenden Kugeln für ihre Kanonen praktisch erschöpft sind.

Der wichtigste unfreiwillige Lieferant von Panzern für die Ukraine war Russland. Seit Ende März, als die Kreml-Truppen begannen, sich aus Kiew und den angrenzenden Provinzen zurückzuziehen, haben die ukrainischen Streitkräfte neben anderen Fahrzeugen und Waffen Berichten zufolge fast 500 russische Panzer erbeutet.
Andrii ist ein 32-jähriger Leutnant und führt einen Zug an, der mit einem T-64 von Dvorkins Kompanie kämpft. Seine Mission am vergangenen Donnerstag bestand darin, zu versuchen, einen T-72 zu reparieren, den er als Kriegsbeute von den Russen erhalten hatte. »Nur zwischen 10 % und 20 % der Panzer, die die Russen zurücklassen, können wieder für den Kampf eingesetzt werden, sie sind in sehr schlechtem Zustand. Sie können jederzeit kaputt gehen, aber unsere auch. Die sowjetische Maschinerie ist sehr schlecht«, sagt Andrii. Oberst Alkut schätzt, daß jeder dritte von den Russen erbeutete Panzer von den ukrainischen Streitkräften benutzt wird; der Rest wird verschrottet, um seine Komponenten für Reparaturen zu verwenden.

Carleton-Smith war skeptisch gegenüber der Wirksamkeit einer Offensive mit großen Panzerdivisionen – und nicht auf schnell agierenden leichten Einheiten wie denen, die im September die Charkiw-Front durchbrachen – und zwar am Beispiel der Russen: Obwohl auch aufgrund einer miesen Strategie, sind ihre Panzer im Krieg in der Ukraine wie die Fliegen gefallen.
Ein Grund dafür ist laut Leutnant Andrii die Effektivität der ukrainischen Feuerkraft: »Wir brauchen im Durchschnitt drei Schüsse, um das Ziel zu zerstören; Russische Einheiten hingegen feuern willkürlich und unabhängig von der verbrauchten Munition. Außerdem – Gott gebe, daß wir so weitermachen – sind wir effizienter im Einsatz von Drohnen, um die Koordinaten der Ziele anzuzeigen.«

Dvorkin weist auch darauf hin, daß die russischen tragbaren Panzerabwehrraketen, die RPGs, viel weniger zerstörerisch sind als die Panzerabwehrwaffen, die die Ukraine von der NATO erhalten hat, vor allem die amerikanischen Javelins. Dvorkin und Alkut sind sich einig, daß sie Panzer haben, die von bis zu drei sowjetischen Panzerabwehrraketen getroffen wurden, und die Fahrzeuge haben weiter gekämpft. Für einen Nato-Hauptpanzer wäre der Schaden laut Dvorkin und Alkut noch geringer.
»Nach dem derzeitigen Stand unserer Panzertruppen ist eine Offensive ohne den Erhalt westlicher Panzer nicht möglich«, schließt Dvorkin.
Die ukrainischen Pläne sehen vor, die Angriffe im Winter wieder aufzunehmen, wenn der Boden gefroren ist und die Panzer besser rollen können. Im Frühjahr verwandeln Regen und steigende Temperaturen die Landschaft in einen Morast, durch den gepanzerte Fahrzeuge länger brauchen, um voranzukommen.

Es könnte auch ein Nachteil sein, daß die Ukrainer nur Erfahrung mit sowjetischen Panzern haben. Außerdem wäre es mit den Leopard oder den Abrams notwendig, eine neue Lieferkette für Komponenten und Munition aus der Europäischen Union aufzubauen.
Aber Dvorkin antwortet mit Nachdruck: »Wir haben kompliziertere Dinge erreicht.« Mit seinen Händen immer noch auf dem russischen T-72, den er und seine Männer zu reparieren versuchen, gibt Andrii sein eigenes Beispiel: »Vor dem 24. Februar hatte ich keine militärische Erfahrung, ich habe im Verkauf von Software für Handys gearbeitet. In 40 Tagen wurde ich zum Panzerfahren ausgebildet und jetzt stehe ich hier und kämpfe gegen die Russen. Warum kann ich es nicht mit einem Leoparden wiederholen?«“

27 Gedanken zu “Pressespiegel El País, 15.1.: Waffenlieferungen an die Ukraine

  1. Gute Freunde, strenge Rechnung? Wie die Ukraine für ihre Waffen zahlen soll

    Seit Monaten übertreffen die westlichen Verbündeten der Ukraine einander mit Hilfszusagen. Kann ein Staat am Rande des Ruins das je zurückzahlen?

    Wer an die Ukraine denkt, denkt derzeit wohl meist an das Leid, das ein knappes Jahr Krieg mitten in Europa angerichtet hat; vielleicht auch an die beeindruckende Widerstandskraft der Menschen dort oder an die Schrecken des Krieges, die Bewohner und Soldaten derzeit in Orten wie Soledar oder Bachmut erleben müssen. Wohl die wenigsten denken an Schläuche und alte Kaugummis. Und doch sind diese Gegenstände wichtige Metaphern in einer der hitzigsten Debatten, die derzeit um den Umgang mit dem russischen Angriffskrieg toben – jener um die Bewaffnung Kiews und um die Frage, wer eigentlich finanziell dafür aufkommt.

    Lend-Lease Act oder Leih- und Pachtgesetz heißt das US-Papier, auf das sich Gegner der Waffenlieferungen, und oft auch Freunde Russlands, im Diskurs gerade einschießen. Der Tenor ihrer Vorwürfe: Die USA würden nur scheinbar großzügig Hilfen für die Ukraine versprechen, in Wahrheit ihre teuren Waffensysteme aber verkaufen – und dies auch noch auf Kosten der europäischen Partner. Von diesen wiederum würde erwartet, Kiew gratis aus der Patsche zu helfen.

    All das ist, so wie es verbreitet wird, großteils nicht wahr – und im Rest grob verzerrt. Richtig ist aber, dass die Geschichte der ukrainischen Rüstung komplizierter ist, als sie oft scheint. Um sie zu verstehen, hilft ein Blick in die Geschichte.

    Kampf dem Faschismus

    Ukraine Democracy Defense Lend-Lease Act of 2022 heißt das Gesetz, über das die US-Regierung die meisten Mittel fließen lässt. Der Name ist nicht zufällig gewählt. Er ist ein Rückgriff auf eines der wichtigsten Programme des Zweiten Weltkriegs im Kampf gegen den Faschismus. Mit dem damaligen Leih- und Pachtgesetz rüsteten die USA bereits ab Februar 1941, also vor dem Kriegseintritt Washingtons, jene Staaten mit Material aus, die gegen die Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan kämpften. Dazu zählten neben Großbritannien auch die Sowjetunion und China. Dass Washington nun den gleichen Namen wählte, zeigt auch, in welchem Kontext man den Angriffskrieg Russlands sieht. Signiert hat US-Präsident Joe Biden das Gesetz ausgerechnet am 9. Mai – dem Datum, an dem Moskau den Tag des Sieges gegen den Nazi-Faschismus feiert.

    Womit wir, über Umwege, wieder bei Schlauch und Kaugummi sind: Von Ersterem sprach 1941 der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt, als er Hilfen für Europa ankündigte. Kurz zuvor hatte ihn der britische Premier Winston Churchill um Waffen, aber auch um Lebensmittel für die bedrängten Briten gebeten. Damals stand es Spitz auf Knopf. Die Wehrmacht überrollte Europa, Roosevelt wollte helfen, am besten schnell und unkompliziert. Wenn das Haus des Nachbars brenne, sagte er bei einer Pressekonferenz, borge man ihm einen Schlauch – auch dann, wenn dieser 15 Dollar koste und der Nachbar diese im Moment nicht besitze. Er solle den Betrag eben irgendwann später zurückzahlen. Nicht alle US-Politiker waren überzeugt. Isolationisten beider Parteien wollten die militärisch neutrale Position der USA beibehalten.

    Der Republikaner Robert Taft sagte, die Idee, Kriegsgerät zu verborgen, sei ein ebenso guter Deal wie ein Kaugummiverleih: Man werde das Geliehene nicht mehr zurückhaben wollen. Tatsächlich ging das Gesetz damals sogar weiter und erlaubte dem Präsidenten auch das Verschenken von Material.

    Mit einer baldigen Rückzahlung durch die Ukraine – einen Staat, der ohne Hilfen wohl schon pleite wäre – rechnet auch nun niemand. Dagegen spricht allein schon das Ausmaß der Unterstützung: Auf deutlich mehr als hundert Milliarden US-Dollar beliefen sich die gesammelten Hilfen schon zum Stichtag 20. November – dem letzten Datum, für das das renommierte Kieler Institut für Weltwirtschaft (IFW) vergleichbare Daten zusammengetragen hat. Rund 52 Milliarden Euro entfielen damals auf die EU, auf ihre Institutionen und Mitgliedsstaaten, und rund 48 Millionen auf die USA. Etwa 14 Milliarden steuerten weitere Akteure bei.

    Seither dürften sich die Beträge noch vergrößert haben: Erst Mitte Dezember etwa beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU weitere 18 Milliarden an Hilfen für das Jahr 2023, die USA sagten jüngst wieder fünf Milliarden zu. Außerdem hat Washington die Lieferung eines Patriot-Raketenabwehrsystems zugesagt, auch Deutschland will Kiew mit einer Batterie versorgen. Dazu kommen rund 40 Schützenpanzer vom Typ Marder, die Berlin bereitstellt, sowie französische AMX-10-RC-Spähpanzer. Die Briten wollen rund ein Dutzend Challenger-2-Kampfpanzer liefern. Womöglich erhält Kiew bald auch 14 Stück der neueren deutschen Leopard-Kampfpanzer aus Polen. Das freilich ist auch eine politische Frage: Deutschland muss für den Weiterverkauf der Panzer sein Okay geben, zierte sich vorerst aber noch.

    Gratis gibt es für Kiew Informationen. Ihr finanzieller Wert ist schwer zu beziffern, der Vorteil aber unbezahlbar: Ohne die Kooperation westlicher Geheimdienste wären wohl einige ukrainische Erfolge nicht möglich gewesen. Von den Kriegswarnungen 2022 ganz zu schweigen. Zu alldem kommt Hilfe, die nicht direkt in Waffen fließt – etwa die bisherigen humanitären Spenden Österreichs.

    Nicht nur Nächstenliebe

    Das alles ist nicht nur uneigennützig. Russlands Streben nach Ausdehnung bedroht die EU schließlich auch direkt. Dass man diese Gefahr am besten gleich in der Ukraine stoppen sollte, bevor sie auch am Baltikum oder in Polen virulent wird, sagen nicht nur die betroffenen Länder.

    Dafür sind viele nun auch bereit, relativ moderne Systeme wie Himars, Patriot oder Leopard zu liefern – was ein recht neues Phänomen ist. Denn zuerst sortierten viele EU-Staaten einmal ihre alten, teils eingestaubten Systeme aus und stellten sie der Ukraine zur Verfügung. "Ringtausch" heißt das Zauberwort: Um den Verlust der eigenen Verteidigungsfähigkeit zu kompensieren, bestellte man modernes, frisches Gerät nach. Die gesteigerten Militärhaushalte machen es möglich. Stichwort: Zeitenwende.

    In die Ukraine ging also "der alte Schrott", wie es ein Diplomat einmal bezeichnete. So geringschätzend wie das klingt, war das Prinzip aber nicht. Denn die Methode hatte für Kiew praktische Vorteile. Die Systeme stammten häufig aus Beständen der Ex-Sowjet- und Ex-Warschauer-Pakt-Staaten. Sie waren daher mit jenen der Ukraine kompatibel. Eine Einschulung, wie sie bei westlichen Systemen oft fällig ist, dauert damit nicht lange oder entfällt vollkommen. Und auch die Munition passt.

    Rohstoffe als Kredittilgung

    Mit der Lieferung hochmoderner Waffen, Luftabwehrraketen oder Kampfflieger und -panzer waren westliche Staaten bisher vorsichtig. Nicht nur aus Angst vor Eskalation – sondern auch aus pragmatischen Überlegungen. Immerhin droht stets die Gefahr, dass moderne Nato-Technologie in den Kriegswirren in russische Hände fällt. Und auch Korruption und illegaler Waffenhandel sind nie auszuschließen, wenngleich Washington extra Beobachter schickt, um dieses Risiko zu senken. Dass neue Waffen für die Ukraine aber viel effektiver wären, das steht fest.

    Geschenkt ist aber auch die EU-Hilfe an die Ukraine nicht. Jene 18 Milliarden Euro etwa, die die EU Kiew Ende 2022 zusagte, sind ein Darlehen. Freilich eines mit sehr günstigen Konditionen: Tilgungsfrei über zehn Jahre, die Union übernimmt dabei außerdem einen Großteil der Zinskosten. Zurückzuzahlen wird das Geld am Ende aber sein.

    Wahrscheinlich zumindest. Wie so etwas ablaufen kann, zeigt auch die Geschichte des ersten Leih- und Pachtgesetzes. London und Moskau mussten ihre Schulden damals tatsächlich über Jahrzehnte zurückzahlen. Das tat allerdings nicht immer besonders weh. Denn die Kredite waren über viele Jahrzehnte gestreckt und nicht an die Inflation gebunden – der zu zahlende Wert sank also mit der Zeit. Beim Kalten-Krieg-Partner London drückten die USA zudem beide Augen zu, indem sie sich auf besonders günstige Konditionen einigten: Das Material wurde an seinem einstigen Einsatzort belassen und an die Briten verkauft – zum "Schrottwert" von rund zehn Prozent des einstigen Preises.

    83 Millionen US-Dollar machte in der Silvesternacht auf 2007 die letzte Tranche der Bank of England an die Federal Reserve in New York aus. 61 Jahre nach Kriegsbeginn war man in London fast ein bisschen stolz, den "Verpflichtungen zur Gänze nachgekommen zu sein". Immerhin hatten einst auch die USA "ihre Verpflichtungen erfüllt", wie es Ed Balls, damals Labour-Staatssekretär im Londoner Schatzkanzleramt, formulierte. Strenge Rechnung, gute Freunde.

    Für nicht ganz so gute Freunde war die Rechnung aber strenger. Die Sowjetunion stellte den USA für Lieferungen in Höhe von 9,8 Milliarden Dollar letztlich Rohstoffe im Wert von 7,3 Milliarden Dollar zur Verfügung. Die Differenz wurde großteils in Gold erlegt.

    Im Fall der Ukraine ist davon auszugehen, dass sich eines Tages großzügige Modalitäten finden werden. Der erneuerte Lend-Lease Act für das Land spricht formal zwar ebenfalls von einer Rückzahlung der Kosten. Allerdings ist und bleibt es wohl im strategischen Interesse der EU und der USA, dass demokratische Länder wie die Ukraine nicht von expansionistischen überrollt werden. Zugleich liegt Washington eine längerfristige Schwächung des Antagonisten Russland am Herzen. Und die gibt es aktuell zum Schnäppchenpreis.

    Alle Ukraine-Hilfen eingerechnet zahlt Washington nur rund fünf Prozent des Pentagon-Budgets. Eine Schwächung der Ukraine durch jahrelangen Schuldendienst würde diesen Erfolg wieder verringern.

    Lukrative Aufträge

    Die Finanzmittel werden so schnell also nicht zurückfließen. Und aus diesem Grund sucht man bereits andere Möglichkeiten, sich bei Washington und Brüssel zu revanchieren. In den Fokus gerät dabei der Wiederaufbau. So steht etwa im Raum, dass US- und EU-Firmen eines Tages bei den dafür nötigen Arbeiten lukrative Aufträge zugesprochen bekommen könnten. Das würde, sollten auch ukrainische Firmen noch ausreichend zum Zug kommen, allen Seiten helfen. Freilich bräuchte es auch dafür Finanzmittel. Und wieder gibt es ein Vorbild. Von einem Marshallplan für die Ukraine ist derzeit aber noch selten die Rede.

    https://www.derstandard.at/story/2000142564418/gute-freunde-strenge-rechnung-wie-die-ukraine-fuer-ihre-waffen

    Der Marshalplan setzt allerdings voraus, daß der Krieg gewonnen würde …

  2. Zum Thema „Wunderwaffe“:

    GROSSBRITANNIEN LIEFERT TANKS MIT EINEM PIZZAHEIZGERÄT NACH KIEW

    Der britische Premierminister Rishi Sunak beschloss, zunächst vier Challenger-2-Panzer in die Ukraine zu schicken, und nach einiger Zeit werden acht weitere Panzer hinzukommen.
    Es sei denn natürlich, die ersten vier sind zu diesem Zeitpunkt noch intakt und kampfbereit.

    Der Challenger 2-Panzer ist in vielerlei Hinsicht einzigartig, was nicht immer zu seinen Gunsten ist. Dies ist der schwerste Panzer der Welt, sein Gewicht beträgt 62,5 Tonnen – was sich auf die Geschwindigkeit des Panzers und seine Manövrierfähigkeit auf dem Schlachtfeld auswirkt. Darüber hinaus ist dies der einzige moderne Panzer mit einer Zugrohrkanone (120 mm), der den Abschuß von Panzerabwehrraketen durch die Kanone ausschließt.

    Vor allem aber ist der Challenger 2 der einzige Panzer der Welt, der serienmäßig über ein System zum Kochen und Erhitzen von Speisen für die Besatzung verfügt.
    Einiges deutet jedoch darauf hin, dass die Besatzungen des Challenger 2 in der Ukraine auch ohne im Panzerturm aufgewärmte Pizza sehr heiß werden.

    (KP, 15.1.)

  3. Zu der leidigen Leopard-Liefer-Frage ist nur noch einmal darauf hinzuweisen, daß es bei einem Jawort Deutschlands um sämtliche Leopard-Panzer in der EU, und auch in Kanada geht, wo sich auch 82 Stück befinden sollen. Ohne Deutschlands Zustimmung können keine, mit seiner Zustimmung aber über 2000 von diesen Dingern an die Ukraine geliefert werden. Da ist es dann gar nicht nötig, daß Deutschland selbst auch die seinigen liefert.

    Das wäre allerdings ein ziemlicher Hammer, und würde das Kriegsgeschehen fest anheizen. Zumindest Kanada, Polen und die baltischen Staaten können es kaum erwarten, ihre ganzen Leopard in die Ukraine zu schicken.

    D.h., im Falle einer deutschen Freigabe des Leopard würde sich in der EU wieder eine neue Runde der Konkurrenz auftun, wer mehr oder weniger von diesen Panzern in die Ukraine hinschicken würde. 

    In Kiew fordert Melnik inzwischen die zur Pensionierung vorgesehenen Tornado-Abfangjäger der Bundeswehr …

    (KP, 17.1.)

  4. Polen will angeblich "ohne dt. Zustimmung" Kampfpanzer ausliefern – BILD titelt bereits: “KAMPFPANZER-KRIMI ESKALIERT – Polen pfeift auf Scholz-Entscheidung” – worin anscheinend die BRD aber keinen Konfliktfall mit Polen erblicken will – sondern insgesamt eher Polen militärisch unterstützt:

    https://www.euractiv.de/section/europa-kompakt/news/deutschland-stationiert-truppen-und-patriot-trainingscamp-in-polen/

    https://www.euractiv.de/section/europa-kompakt/news/finnland-erwaegt-panzer-an-die-ukraine-zu-liefern/

    [Ob und wie das die Konkurrenz innerhalb Europas tangiert, z.B. auch die EU-Konflikte mit der PIS-Regierung, das scheint zwar auf einem anderen Blatt zu stehen.
    Dass Europa stärker (gegen Russland) aufrüsten solle, das scheint sich innerhalb der EU aber als gemeinsamer Standpunkt immer stärker durchzusetzen: “EU auf Kriegskurs”
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1170266.sicherheitspolitik-eu-auf-kriegskurs.html ]

    https://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-krieg-newsblog-wagner-chef-kreml-verraeter-1.5731440

    Dass alles andere als eine bedingungslose Kriegshetze russische Propaganda sei, oder auf eine solche dumm hereinfalle – das gilt längst nicht nur in der Ukraine. Dort aber schon längst. https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/dnipro-wolodymyr-selenskyjs-berater-oleksij-arestowytsch-ist-zurueckgetreten

    [Die deutsche Bundesregierung legt anscheinend diplomatisch und bei der Wortwahl vor allem Wert darauf, ausdrücklich nicht selber als Kriegspartei gelabelt werden zu wollen, – da hat sich anscheinend der neue Kriegsminister gestern bei der Wortwahl und beim Heucheln anscheinend mit einem Patzer im Ton vergriffen (was CDU-Röttgen gestern bei Maischberger anmerkte).]

  5. @Leser

    Dass Europa stärker (gegen Russland) aufrüsten solle, das scheint sich innerhalb der EU aber als gemeinsamer Standpunkt immer stärker durchzusetzen: “EU auf Kriegskurs”

    Das ist allerdings nicht gleichbedeutend mit Waffenlieferungen. Da geht es zunächst einmal um „Will HABEN“, nicht: will hinüberschicken.

    Interessant ist in dieser Hinsicht Polen. Während es lautstark Waffenlieferungen in die Ukraine fordert und mit gutem Beispiel vorangeht, so möchte es doch gleichzeitig, daß die eigenen Waffenlager durch NATO-Verbündete aufgefüllt werden.
    Die Zeche für die Waffenlieferungen sollen tunlichst andere begleichen.

  6. Deutschland zum Beispiel. 

    Zur Zeit ist es offenbar so, dass vor allem die Presse massiv Kriegshetze betreibt und es so darstellt als sei Deutschland der große Bremser. Der Scholz sagt "Wir machen keine Alleingänge." Die Gegenposition behauptet: Alle würden Panzer liefern wollen – nur Deutschland würde sich sperren."

    Um das zu belegen werden von überallher irgendwelche Leute angekarrt, die sich für Lieferungen von Kampfpanzern aussprechen. Ob das aber wirklich die Position der Regierung ist (außer natürlich bei Polen, den Baltischen Staaten und der Ukraine) ist nicht so sicher.

    Um diesem Kesseltreiben entgegenzuwirken, hat sehr wahrscheinlich die Bundesregierung die Liste mit den Waffenlieferungen veröffentlicht, die ich hier schon zweimal verlinkt habe. Früher hieß es nämlich, das sei geheim und dafür gibt es tatsächlich gute Gründe. z.B. um dem Feind nicht darauf zu stoßen, was ihn erwartet. Das sagt übrigens auch Ralf Stenger in der oben angesprochenen Maischberger-sendung  12:20. Dort diskutieren die übrigens genau das, was der General Vad bemerkt hat, dass nämlich der militärische Zweck unklar ist. Der Röttgen sagt: Der Weg zum Frieden führt über den Krieg. Wörtlich: "Der Weg zum Frieden führt über den militärischen Erfolg der Ukraine."  Man muss dem Feind also die eigenen Friedensbedingungen aufzwingen. Frieden ist erst wenn der Feind nicht mehr zuckt. Ein toter Russe ist ein guter Russe und ein friedvoller Russe. Und genau diese Hetze macht den 3 Weltkrieg unvermeidlich.

    Putin-Vertrauter Medwedjew droht erneut mit dem Einsatz von Atomwaffen

    Der ehemalige russische Präsident Dmitrij Medwedjew warnt erneut vor einem Atomkrieg. Über den Messengerdienst Telegram erklärt er, dass "eine Niederlage einer Atommacht in einem konventionellen Krieg einen Atomkrieg auslösen könnte". Er bezieht sich dabei auf den Krieg in der Ukraine und fügt hinzu: "Atommächte haben noch nie große Konflikte verloren, von denen ihr Schicksal abhängt."

    Medwedjew gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin und ist stellvertretender Vorsitzender des nationalen Sicherheitsrats. Er hat im Zusammenhang mit Russlands Krieg gegen die Ukraine schon häufiger vor einem Atomkonflikt gewarnt.

    Seine neueste Warnung kommt aber in einer Zeit, in der die westlichen Verbündeten über eine weitere massive Waffenhilfe für das angegriffene Land beraten. Die Ukraine hofft, sich so nicht nur besser gegen Angriffe aus der Luft verteidigen zu können, sondern auch die russischen Linien im zermürbenden Stellungskrieg entlang der Front durchbrechen zu können, um weitere besetzte Gebiete zurückzuerobern. Die sind nach russischer Lesart inzwischen russisches Staatsgebiet – nach Scheinreferenden dort wurden sie im September dazu erklärt.

    Der Rottgen sagt klipp und klar: Wir müssen der Ukraine, das geben was sie in die Lage versetzt zu gewinnen. Oder mit den Worten des Verteidigungsministers (dem Röttgen zustimmt): Die Ukraine muss den Krieg gewinnen. Kritisiert hat Röttgen den Satz von Pistorius: “Wir sind indirekt an einem Krieg beteiligt.”  Den darf man im Amt (also hinter vorgehaltener Hand schon) nicht sagen, weil damit sich die BRD dazu bekennt Kriegspartei zu sein. – was unter allen Umständen vermieden werden soll. Es ist also ein offenes Geheimnis, dass Deutschland und der Westen Kriegspartei ist, und Russland weiß das natürlich auch. Aber sagen, darf man das halt nicht – wenigstens nicht im Amt. 

    Röttgen: "Wir müssen der Ukraine alles geben was sie brauchen [um zu gewinnen] bis zu der Schwelle, dass wir unter keinen Umständen Kriegspartei werden dürfen und zwar auf allen Ebenen."

    Da fragt man sich doch, ob er selbst glaubt was er sagt, woher er das Gottvertrauen nimmt, dass es in seiner Hand liegt, ob er Kriegspartei wird. Das liegt nämlich gar nicht in seiner Hand, sondern in russischer Hand. Warum glaubt er eigentlich, dass Russland eine Niederlage einfach hinnimmt?

    Genau das sagt er jedenfalls: " Für Putin gibt es nur die Fortsetzung des Zerstörungskrieges, nach meiner Einschätzung ohne eine nukleare Option für ihn. Da ham sie eben zurecht auf China hingewiesen. [Weil China gesagt hat, sie wollen keinen Nuklearkrieg.] Er wäre total isoliert. Es wäre keine realistische Option. Ich weiß das auch alles nicht. Man muss Risiken abwägen, aber man muss wissen auch wenn man nicht entscheidet, dann hat es Konsequenzen und es kann diesen Krieg verlängern."

    "Man muss Risiken abwägen" – So kann man auch ausdrücken, dass man mit Abermillionen Menschenleben zockt. Röttgen denkt: "Auf der einen Seite der Waage, Waffenlieferung bis zum Sieg bedeutet vielleicht Atomkrieg, zwar Supergau aber wenig wahrscheinlich, wegen China- auf der anderen Seite: keine Waffenlieferungen – kein militärischer Sieg der Ukraine bedeutet Verlängerung des Krieges.

    Natürlich sind beide Alternativen purer Nonsens. Weder ist ausgemacht, dass Waffenlieferungen zum Sieg der Ukraine führen noch verkürzt das den Krieg – klar – Waffen verkürzen den Krieg, – was auch sonst, meine Herren und wahrscheinlich ist Wasser nicht nass.

    Noch ist richtig, dass Russland, von ihm selbst als die stärkste Nuklearmacht der Welt bezeichnet, keine nukleare Option hat. "Weil China das nicht will." und er dann total isoliert wäre, was ihn bis jetzt ja auch nicht abgehalten hat. Noch ist richtig, dass die Verweigerung von Waffenlieferungen den Krieg verkürzt – das Gegenteil ist richtig.

  7. Dass der Hauptzweck der europäischen Aufrüstung darin bestünde, wegen der Funktion zukünftiger Abschreckung die Waffenarsenale auf Vorrat aufzufüllen (so habe ich Nestor oben verstanden), anstatt sie aktuell im Krieg gegen Russland einzusetzen,  –  das scheint mir eine blauäugige Verharmlosung des existierenden Krieges der Europäer gegen Russland zu sein.

    (Aber  ‘erwischen’ lassen darf man sich nicht dabei, das laut hinauszuposaunen. Zumindestens sieht das die deutsche Bundesregierung zur Zeit noch so.  Die diversen europäischen Staaten haben über die Selbstdarstellung ihrer hehren eigenen nationalen Rolle beim Kriegführen  ihre je eigenen Selbstdarstellungslügen.)

    https://www.euractiv.de/section/europa-kompakt/news/bulgarische-politiker-wollen-indirekte-waffenexporte-in-ukraine-nicht-bestaetigen/

    https://www.euractiv.de/section/europa-kompakt/news/frankreich-will-panzer-westlicher-bauart-an-ukraine-liefern/

    https://www.euractiv.de/section/europa-kompakt/news/s-300-luftabwehr-fuer-die-ukraine-athen-kommt-unter-druck/

    https://www.euractiv.de/section/europa-kompakt/news/niederlaendische-militaerhilfe-fuer-ukraine-erreicht-fast-eine-milliarde-euro/

  8. USA versprühen wenig Hoffnung auf Abrams-Leopard-Doppeldeal

    Washington vermeidet eine öffentliche Reaktion auf die Scholz-Forderung nach amerikanischen Abrams-Panzern für die Ukraine. Präsident Joe Biden steht daheim unter Druck

    Die Reaktion der Beobachter in den Washingtoner Denkfabriken fiel vernichtend aus. "Unfassbar peinlich", empörte sich Constanze Stelzenmüller vom renommierten Brookings-Institut über die mutmaßliche Verknüpfung deutscher und amerikanischer Kampfpanzerlieferungen an die Ukraine durch Kanzler Olaf Scholz (SPD). "America First" sei der falsche Ansatz, argumentierte auch Johns-Hopkins-Professor Jeffrey Pryce: "Die Ukraine braucht dringend Rüstungsgüter, die sie kurzfristig warten, unterhalten und betreiben kann. Das ist der Leopard, nicht der (amerikanische, d. Red.) Abrams."

    Applaus aus der sicherheitspolitischen Szene für die Position, deutsche Leopard-Panzer nur dann zur Verfügung zu stellen, wenn auch die USA ihre Abrams-Panzer liefern, dürfte man im Kanzleramt kaum erwartet haben. Wichtiger ist die Reaktion der amerikanischen Regierung. Die gibt sich zunächst zugeknöpft. "Ich habe dazu keine neuen Ankündigungen zu machen", betonte Karine Jean-Pierre, die Sprecherin des Weißen Hauses: "Der Präsident glaubt, dass jedes Land seine eigenen souveränen Entscheidungen treffen muss, welche Militärhilfe und welche Art von Ausrüstung es der Ukraine bereitstellen kann."

    Das ist einerseits die Wiederholung der Position, die die amerikanische Regierung seit langem vertritt. Im konkreten Fall kann man es aber auch als Zurückweisung eines Junktims verstehen. Schon nach dem Telefonat von Kanzler Scholz und Präsident Joe Biden am Dienstag war die Presseerklärung des Weißen Hauses mit drei dürren Sätzen ungewöhnlich knapp ausgefallen. Öffentlich aber vermeidet das Weiße Haus jeden Eindruck, es wolle Berlin unter Druck setzen.

    Tankproblem

    Die Sache hat neben dem militärischen auch mehrere politische Aspekte. In der Sache spricht viel für die Lieferung des Leopard-Panzers, der – so die "New York Times" – in zahlreichen europäischen Armeen bereits genutzt werde und "exzellent" arbeite, und wenig für den Abrams, der einen enormen Treibstoffbedarf hat und über weite Strecken mit Ersatzteilen versorgt werden müsste. Doch es gibt hüben wie drüben auch innenpolitische Erwägungen und die Sorge vor einer möglichen Ausweitung des Krieges.

    Bei dem Verteidigungsminister-Treffen in Ramstein will die US-Regierung nach Medienberichten am Freitag ein umfangreiches neues Waffenpaket für die Ukraine vorstellen. Das soll unter anderem die Lieferung von Radschützenpanzern des Typs Stryker beinhalten, der zur Aufklärung eingesetzt wird. Mit einer Genehmigung des Exports des Abrams-Kampfpanzers wird bislang aber nicht gerechnet. "Wir wollen unseren ukrainischen Partnern keine Systeme aufbürden, die sie nicht nutzen können, Systeme, die sie nicht reparieren können, Systeme, die sie nicht überholen können", hatte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, am Mittwochabend gesagt.

    Schon jetzt sind die USA der mit Abstand größte Waffenlieferant der Ukraine. Doch Joe Biden steht von zwei Seiten unter Druck. "Diese Zurückhaltung ist Zeichen einer rätselhaften Zaghaftigkeit", kritisierte am Donnerstag das konservative "Wall Street Journal" den Präsidenten und forderte ihn zur Bereitstellung von bei den US-Marines ausgemusterten Abrams-Panzern auf. Andererseits lehnt der ultrarechte Flügel der Republikaner weitere Hilfen für das von Russland überfallene Land ab. "Es ist Zeit, unsere Grenze zu verteidigen, nicht die der Ukraine", erklärte die neuerdings mächtige Abgeordnete Marjorie Taylor Greene.

    Langstreckenraketen

    Offenbar gibt es auch innerhalb der Biden-Regierung Diskussionen, welche Waffenlieferungen geboten sind. So lehnt Biden bislang die Lieferung von Langstreckenraketen ab. Gleichzeitig berichtete die "New York Times" am Mittwoch aber von Überlegungen in der Administration, die Ukraine beim möglichen Versuch einer Rückeroberung der 2014 von Russland annektierten Krim zu unterstützen. Dazu wären Offensivwaffen erforderlich.

    Durch Angriffe auf militärische Ziele auf der Krim könne der Druck auf Russlands Präsident Wladimir Putin erhöht werden, an den Verhandlungstisch zu kommen, argumentieren die Befürworter. Skeptiker befürchten eine unvorhersehbare Eskalation oder gar den Einsatz taktischer Atomwaffen durch den Kreml. Eine Entscheidung ist in Washington laut dem Bericht noch nicht gefallen.

    (Standard, 19.1.)

  9. Tja, die Skeptiker haben recht den Einsatz taktischer Atomwaffen durch den Kreml zu befürchten.

    Offenbar ist im Moment die Lage noch so, dass Amerika nicht Schuld sein will, wenn wegen der Lieferung schwerer Waffen, ein europäisches Land eine Atombombe aufs Haupt kriegt. Deshalb ist es "eine souveräne Entscheidung" der europäischen Länder. Heißt: Bloß weil irgendein europäisches Land eine Bombe abkriegt, wird die USA keinen Weltkrieg anfangen.

    Der Scholz weiß das wohl. Er deutet auf die USA und meint: Haltet eure kriegsgeile Klappe, wenn die USA nicht liefert, warum sollten wir das dann tun? Das formuliert er natürlich positiv. Wenn die USA liefern, liefern wir auch. Was ist daran jetzt "unfassbar peinlich"? Langsam versagt nämlich meine Fähigkeit mich in die moralische Gefühlwelt der Kriegstreiber hineinzudenken.

    Morgen nach der Ramstein-Konferenz der Verteidigungsminister wird man mehr wissen.

    Ukraine-Krieg aktuell: Britischer Ex-Premier hält Atomwaffeneinsatz für unwahrscheinlich und warnt Moskau
    Trotz all der Drohungen aus Moskau hält der britische Ex-Premierminister Boris Johnson die Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Einsatzes durch Russland für „verschwindend gering“. Schließlich habe man Putin eine klare Warnung geschickt, die er auch gehört habe, sagte er dem ukrainischen Nachrichtenportal European Prawda. Johnson zufolge würde Putin mit einer solchen Aktion auch die mögliche Unterstützung von unparteiischen Staaten etwa in Asien und Afrika verlieren.

    Sollte es dennoch zum Einsatz von Atomwaffen kommen, vermutet der Ex-Premier eine westliche Antwort. „Ich denke, der Westen wäre zu einem Vergeltungsschlag gezwungen“, so Johnson. Der britische Politiker warnte weiterhin: „Außerdem ist die aktuelle Einfrierung der russischen Wirtschaft absolut nichts im Vergleich zu dem, was wir im Falle eines Nuklearangriffs gegen Putins Russland tun werden.“ (bb)

    Idiot. Was will er denn tun? Atombomben werfen. Dann gibt es GB nicht mehr.
    https://www.hna.de/politik/ukraine-krieg-news-aktuell-ramstein-usa-deutschland-nato-treffen-panzer-putin-medwedew-atomkrieg-mkr-92037755.html

  10. Die neuste Wochenschau von Sahra Wagenknecht: Die jüngsten Entwicklungen gut zusammengefasst. Ich wüsste jetzt keine Kritik – insofern: Empfehlung

    “Erst Panzer, dann Kampfjets, dann deutsche Soldaten? Wer stoppt den Wahnsinn?”

    Auch der Hinweis darauf, dass es der Ukraine alleine darum geht Europa und die Nato immer weiter in den Krieg hineinzuziehen, weil das die einzige Chance ist den Krieg gegen Russland zu gewinnen. Das ist zwar schon lang klar und folgt auch ihrer Militärdoktrin, aber man kann eigentlich nicht oft genug darauf aufmerksam machen, weil der Selenskji sich ja immer als Opfer präsentiert “jeden Tag sterben Menschen” und so tut als seien Waffen sowas wie humanitäre Hilfe.

  11. Ich hätte darauf gewettet, daß Deutschland einknickt und doch der Entsendung von Leopard-2-Panzern der NATO-Partnerstaaten zustimmt. Der US-Verteidigunngs-Minister Austin erwähnte bei der Pressekonferenz nach dem Ramstein-Meeting heute jedoch mit keiner Silbe in seiner Rede den Leopard-2 oder den M1 Abrams. Offensichtlich haben auch andere Staaten keine Panzer zugesagt bzw. zusagen dürfen. Die Ukraine bekommt rund 150 APCs von den USA und das wars im Wesentlichen.

  12. "Auch der Hinweis darauf, dass es der Ukraine alleine darum geht Europa und die Nato immer weiter in den Krieg hineinzuziehen, weil das die einzige Chance ist den Krieg gegen Russland zu gewinnen."

    Es ist ja nicht die Ukraine die hier wem "hineinzieht", schon gar nicht die NATO. Ist es nicht offensichtlich so, dass es der US-geführten NATO darum geht, IHR jahrelang hochgerüstetes Kriegsheer IN der Ukraine gegen Russland auch dafür zu nutzen, die Deutschland geführte EU nun vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen, zwecks kriegerischer Vasallen- und (atomarer) Frontdienste (die ökonomischen wurden ja schon mit der Sprengung der Gaspipelines erfolgreich herbei sabotiert).

  13. @Phineas: Ich habe mich eben auf die immer frecher werdenden Äußerungen von Selenskji und seinem Vizeaußenminister bezogen. Selenskyj im ARD-Interview:

    "Ihr seid doch erwachsene Leute. Sie können gerne noch sechs Monate lang so reden. Aber bei uns sterben Menschen – jeden Tag. Im Klartext: Kannst du Leoparden liefern oder nicht? Dann gib sie her. Es ist ja nicht so, dass wir angreifen, falls sich da jemand Sorgen macht. Diese Leoparden werden nicht durch Russland fahren. Wir verteidigen uns!"

    Melnik: Was soll da noch unklar sein?

    Ich wollte auch gar nicht sagen, dass das "nur" eine Strategie die Ukraine ist, denn die tun eh, was die Amerikaner sagen. Deshalb würde ich dir zustimmen. Der Ukrainekrieg ist auf ganzer Linie zum Nutzen der USA und zum Schaden von Europa und speziell zum Schaden von Deutschland. Und es ist ganz klar, dass die USA versuchen Europa auf Russland zu hetzen. Ich denke sogar Russland hat das kapiert. Die gehen nämlich schon nicht mehr davon aus, dass Europa irgendwelche souveränen Entscheidungen trifft, sondern das Europa unter amerikanischer Kontrolle ist und das ist nicht weit von der Wahrheit. Den Amerikanern ginge es am Arsch vorbei, wenn sich der Krieg ausweitet. Die würden wie im Wk2 warten bis Russland fast am Boden liegt und würden dann den geschwächten Gegner besiegen. Von Europa wäre dann nichts mehr übrig, die Amis juckt das nicht.

    "Ich hätte darauf gewettet, daß Deutschland einknickt… " Hätte ich auch. Mal sehen wie lange das hält. Was sind APCs? Meinst du M75 APC Armored personnel carrier – Mannschaftstransportwagen?

  14. Was sind APCs?

    Ich weiß auch nicht, wie man diese Dinger, die zwar schon gepanzert sind und natürlich auch bewaffnet, aber eben noch keine "leichten" Panzer nennen soll. Infantry Fighting Vehicle? Oder APC Armored Personal Carrier oder Schützenpanzer? Also solche Fahrzeuge wie Marder Puma, Bradley, Stryker. Alles Fahrzeuge für Infanterie, die zumindest elementaren Schutz vor Beschuß liefern, zumindest von Infanteriewaffen, meist selber auch bewaffnet sind und meist keine Kettenfahrzeuge sondern 6×6 oder 8×8 Radfahrzeuge.

  15. Wikipedia nennt sie Mannschaftstransportwagen, was im Krieg ein bisschen anspruchsvoller ist als ein Bus, deshalb die Panzerung und das Geschütz. Um die Soldaten aus brenzligen Situationen rausholen zu können. – stelle ich mir jedenfalls vor.

  16. Arnold Schölzel:  Hohe Schule.  (Kommentar)

    https://www.jungewelt.de/artikel/443228.hohe-schule.html

    https://overton-magazin.de/hintergrund/wirtschaft/das-panzer-junktim-des-bundeskanzlers/

    [Desungeachtet verkündet – bzw. ‘interpretiert’ – die FDP-Frontfrau, mit dem offiziellen Prüfauftrag sei der amtliche Übergang zur Lieferung deutscher Kampfpanzer nunmehr offiziell bereits vollzogen. Pistorius selber hat aber die tatsächliche Lieferung an einen erst noch herzustellenden Konsens innerhalb der weltweiten Kontaktgruppe, und davon ist die dt. Regierung ja Teil, geknüpft….]

  17. Zu der Kontroverse zwischen Phineas und Kehrer darüber, wer eigentlich das Subjekt dieses Krieges ist, möchte ich darauf hinweisen, daß es eben auch westlicher Seite mehrere Subjekte gibt.
    „Die NATO“ als Einheit aufzufassen, wo doch gerade einige Mitglieder einem anderen die Energieversorgung, hmmm, grundlegend erschwert haben, ist nicht ganz zutreffend.

    In dieser Panzerfrage scheint es so zu sein, daß die USA erst einmal eine Konkurrenz entfesselt haben, wer der bessere Kriegstreiber ist und jetzt gegenüber den ganzen aufgegeilten EU-Regierungen – und auch der Ukraine! – klarstellen, wer hier entscheidet.

  18. Die deutsche Aufrüstung werde  ideologisch nicht mit Hurraparolen abgefeiert, sondern mit Klageopern über Mängel und Versäumnisse von Technik, Wirtschaft und Politik begleitet – so resümiert  Klaus Hecker,  wie 2023 patriotische Begeisterung fürs staatliche Töten per Soldatentätigkeit sich in einer endlos langen Mängelliste darüber, dass all das wunderschöne Mordwerkzeuxs leider nicht funktionieren täte, widerspiegelt  ….

    https://www.untergrund-blättle.ch/politik/deutschland/bundeswehr-schuetzenpanzer-puma-waffenlieferung-7448.html

  19. Die Ukraine ist schon wieder einen Schritt weiter, nachdem sie jetzt die NATO mit den Panzern herumgekriegt hat:

    „Zwei Bataillone mit je 12 Kampfflugzeugen. Das ist das neue Militärhilfepaket, das die ukrainische Armee von ihren internationalen Verbündeten zu bekommen beabsichtigt. Die 24 Jäger – idealerweise sollten es amerikanische F-16 sein – würden nur eine dringende erste Phase in einem neuen Kapitel der Waffenlieferungen an das von Russland besetzte Land darstellen: das des Luftbeschusses.
    Diese Zahl wurde EL PAÍS am Freitag von Oberst Yuri Ignat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, mitgeteilt. Neben den schwierigen politischen Verhandlungen, die diese Operation erfordert, bestätigte Ignat, dass sie kurzfristig nicht mit diesen Flugzeugen auf dem Schlachtfeld rechnen können, da die Ausbildung der Piloten und des Wartungspersonals mindestens ein halbes Jahr dauert.

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte diese Woche, dass nach der Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland, ihren Truppen schwere Panzer zu schicken, der nächste Schritt darin bestehen müsse, der Ukraine die Beherrschung des Luftraums zu ermöglichen.“

    (El País, 28.1.)

    „Europa und die Vereinigten Staaten bereiten das Terrain vor für die Diskussion über die Entsendung von Kampfflugzeugen in die Ukraine

    Mehrere Länder erklären sich bereit, Geräte zu schicken, obwohl Experten vorhersagen, dass die Entscheidung über die Maßnahme Monate dauern wird

    In Washington, europäischen Hauptstädten und diplomatischen Kreisen in Brüssel beginnt sich die Möglichkeit abzuzeichnen, Kampfflugzeuge zu entsenden, um die Position der Ukraine im Krieg zu stärken.
    Obwohl es immer noch keine festen Vorschläge für diesen neuen Sprung nach vorne in der westlichen Unterstützung für Kiew gibt, liegt nach der Vereinbarung, Leopard 2-Panzer in die Ukraine zu schicken, und der festen Bitte der Regierung von Wolodimir Selenskij, ihm Flugzeuge zu liefern, die nächste Debatte auf dem Tisch: Es wird sich darum handeln, ob es notwendig ist, auch Kampfflugzeuge zu schicken, wie es Kiew schon seit geraumer Zeit fordert.“

    (El País, 28.1.)

    Es stellt sich heraus, daß die Panzerdebatte, an der sich Politik und Medien seit Wochen abarbeiten, eine Art Rammbock war, um Tür und Tor für wirklich alle Waffengattungen zu öffnen …

  20. Auf die angeblich missverständliche Formulierung der Außenministerin Baerbock, die BRD befinde sich im Krieg mit Russland (und nicht im Konflikt mit Osteuropa), erfolgte nur eine kurze Richtigstellung des Regierungssprechers. Die andere offizielle Mitteilung, Deutschland liefere keine Kampfflugzeuge, hat die FDP-Frontfrau ergänzt  damit, dass solche Debatten zur Unzeit geführt würden, so kurz nach der Panzerdebatte. Regierungsamtliche Dementis oder Rausschmisse gingen aber vermutlich ganz anders.   – Und also ist auch die veröffentlichte Meinung schon wieder ein großes Stück weiter.

    https://www.berliner-zeitung.de/news/wie-kampfjets-der-ukraine-helfen-wuerden-li.311618

    —-

    Politik nimmt atomare Auseinandersetzung in Kauf. Akteure setzen auf Annahmen und Abschreckung. Was aber, wenn all dies versagt?
    “Ausgestorben: – Zuviel Panzer, zu wenig Hirn”
    (Postkarte der früheren Friedensbewegung. Abgebildet war ein Dinosaurier.)
    Umgekehrt hören wir heute: Angst sei ein schlechter Ratgeber. Man solle sich von den Drohungen Putins nicht einschüchtern lassen und einfach weiter eskalieren.

    https://www.telepolis.de/features/Was-den-Ukraine-Krieg-zur-globalen-Gefahr-macht-7470692.html?seite=all

    [Rausgeschmissen wird Frau Baerbock übrigens gar nicht. Ihr wird ein Orden der Stadt Aachen verliehen. Vermutlich – weil Kriegshetze ja so was von tierisch lustig ist. ]

    —–

    Auch bei den Waffenarten wird eskaliert. Urangeschosse – gelten nämlich nicht als Atomwaffen.
    [Wetten, dass in dieser Richtung, nämlich die Unterschiede zwischen konventionellen und atomaren Waffen zu verwischen, demnächst noch weiteres noch fortschrittlicheres klasse Tötungszeuxs anrollt. – Taktische Atomwaffen wurden früher wegen ihrer kürzeren Entfernung bzw. ‘Reichweite’ als solche bezeichnet. – Oh je….]

    https://overton-magazin.de/hintergrund/wirtschaft/uranhaltige-munition-was-ihr-moeglicher-einsatz-in-der-ukraine-bedeutet/

    Gelehrte drücken das dann so aus: “Je konfliktreicher das Verhältnis zwischen Russland, China und dem Westen ist, desto schwieriger wird auch die Einhegung von Massenvernichtungswaffen.” (Gerlinde Groitl im Heft der BPB 353, 4/2022, S. 24)

  21. [Hätt nicht im Traum gedacht, mich mit solchem Zeugs noch mal beschäftigen zu sollen.]

    Am Ende der früheren Friedensbewegung stand damals die Neutronenbombe im Mittelpunkt des Interesses.  https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomwaffen-im-kalten-krieg-was-wurde-aus-der-neutronenbombe-a-1070009.html

    https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/physik/artikel/kernwaffen

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kernwaffe#Mini-Nuke

    —–

    Wie andere NATO-Staaten[26] verfügt auch die Bundesrepublik über eine nukleare Teilhabe an US-Kernwaffen,[27] die auf deutschen Waffenträgern eingesetzt werden können. Überdies hat auch Frankreich der deutschen Bundesregierung bislang zweimalig eine deutsche Teilhabe an der Verfügungsgewalt und Einsatzentscheidung über die französischen Atomwaffen angeboten. Beidmalig lehnte die Bundesregierung dies jedoch mit dem Hinweis ab, dass die Bundesrepublik Deutschland den Erwerb von Atomwaffen nicht anstrebe und deswegen auch im Jahre 1969 dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten sei.
    In Deutschland lagerten Stand 2019 im Rahmen der “nuklearen Teilhabe” rund 20 US-amerikanische Atombomben vom Typ B61 auf dem Fliegerhorst Büchel.[24]
    Im Februar 2021 stellten die Bundestagsfraktionen der Parteien Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen getrennte Anträge auf ein Ende der “nuklearen Teilhabe” und einen Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Atomwaffenverbotsvertrag. Die Anträge fanden keine parlamentarische Mehrheit.[28] Nach der Bundestagswahl 2021 erklärte die grüne Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, sie sehe Deutschland zur nuklearen Teilhabe “verpflichtet”.[29]. [Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sieht im Festhalten an der sogenannten nuklearen Teilhabe der NATO und ihrem Kampf für atomare Abrüstung keinen Widerspruch. „Die Stärke von Außenpolitik ist, dass es nicht schwarz-weiß, entweder oder betrachtet werden sollte“, sagte die Grünen-Politikerin am Dienstag nach einem Gespräch mit ihrer schwedischen Kollegin Ann Linde in Stockholm. FAZ]

    Das Kampfflugzeug Lockheed Martin F-35, das für die Bundeswehr angeschafft werden soll, wurde ausdrücklich unter dem Gesichtspunkt ausgewählt, nach der anstehenden Ausmusterung des Typs Panavia Tornado die “nukleare Teilhabe” fortführen zu können.[30]

    https://de.wikipedia.org/wiki/Atommacht#Deutschland

    Aus Sicht der Staaten war der (frühere?) “Mangel” der (früheren?) Atomwaffen, dass mit ihnen (angeblich?) Kriege undurchführbar geworden seien, weil jede Seite einen militärischen Misserfolg durch den Big Bang der eigenen Seite (die Ziele, Counter City und Counter Strike, waren und sind bereits in den feindlichen Computern einprogrammiert) hätte umkehren können. Also musste an den Waffen weitergeforscht werden, um sie handhabbar(er) und einsetzbar(er) zu machen. Krieg sollte nämlich wieder führbar d.h. gewinnbar, gemacht werden.

    (Und dass sie damals die Neutronenbombe, die für diesen Übergang stand, am Ende des historischen Ost-West-Gegensatzes eingestampft haben – das sei schon das Ende der Litanei der sog. “Speziellen Kernwaffen” gewesen??? Und der Kampf für Abrüstung ist deswegen kein Widerspruch zur eigenen Teilhabe an Atomwaffen – weil so die Abrüstung der Russen bewerkstelligt werden soll! Ganz olivgrün und gar nicht schwarzweiß.)

  22. „Wie die Waffen in die Ukraine gelangen: das bestgehütete Geheimnis des Krieges

    Russland hat sich als unfähig erwiesen, die Lieferungen der NATO-Verbündeten an Rüstungen, Luftverteidigungsbatterien, Waffen oder Munition aus Polen abzuschneiden

    Dutzende von Lastwagen und Zügen fahren jede Nacht in einem besonderen Auftrag durch die Ukraine. Das Land steht unter Kriegsrecht und einer nächtlichen Ausgangssperre, aber Militärkonvois und Armeefahrzeuge ruhen nicht. Wenn die Sonne untergeht, ist es an der Zeit, die Waffen einzuführen und zu verteilen, die es Russland ermöglichen, sich gegen Russland zu behaupten, die Waffen, die von den NATO-Verbündeten kommen. Die Luftstreitkräfte des Eindringlings konnten dieser Lieferkette, die als größtes Geheimnis des ukrainischen Widerstands geschützt ist, noch keinen Schlag versetzen.

    Ein einfacher Weg, in der Ukraine im Gefängnis zu landen, ist die Verbreitung von Informationen über die Nachschubwege für aus dem Ausland ankommende Waffen. »Erwarten Sie nicht, dass Ihnen jemand Einzelheiten darüber mitteilt – das es ist eine äußerst heikle Angelegenheit und wird gesetzlich bestraft«, sagt Olga Gusieva, Analystin am Institut für Sicherheit der Universität Kiel (Deutschland).
    Sicher ist lediglich, dass die meisten Kanonen, gepanzerten Fahrzeuge, Flugabwehrsysteme, Raketenwerfer, Munition und Grundausrüstung der ukrainischen Truppen die polnische Grenze überqueren.

    »Als Russland im Februar mit der Invasion begann, glaubte die russische Führung, dass sie in wenigen Tagen oder Wochen die Kontrolle über die Ukraine übernehmen würden. Sie konnte sich nicht einmal vorstellen, dass ein Jahr später Tausende von Fahrzeugen, Tausende Granaten, Millionen Kugeln aus Europa eintreffen würden.«
    Luke Coffey, ein pensionierter US-Militäroffizier, Experte am Hudson Institute und ehemaliger Berater des britischen Verteidigungssekretariats, fasst es so zusammen: »Wenn sie es gewusst hätten, hätten sie es vermieden, sich auf die Einnahme von Kiew zu konzentrieren, und hätten die Westukraine aus Weißrussland angegriffen, aber dafür jetzt ist es zu spät«.“

    Das erklärt aber die seit Monaten verstärkten russischen Truppenbewegungen in Weißrussland. Der Gedanke ist offenbar noch nicht aufgegeben, den Nachschub über Polen abzuschneiden. Das käme allerdings einem Angriff auf Polen gleich, oder könnte sich schnell in einen solchen verwandeln.

    Der Flughafen Rzeszow in Polen ist heute vielleicht der am besten geschützte in Europa. Auf dem Flugplatz und in seiner Region, 70 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, sind mehrere US-Patriot-Luftverteidigungsbatterien stationiert.
    In Rzeszów, das schon vor dem Krieg ein Nato-Außenposten in Osteuropa war, landen täglich Flugzeuge mit militärischer Ausrüstung für die Ukraine. Die Atlantische Allianz hat für 2022 Besuche in ihren Einrichtungen in Rzeszow für Verteidigungsanalysten aus ihren Mitgliedstaaten vorbereitet.
    Einer dieser Experten, ein französischer Akademiker, der letzten Sommer am Flughafen war, erklärte gegenüber EL PAÍS unter der Bedingung der Anonymität, dass der Organisationsgrad des Ortes in der jüngeren Geschichte beispiellos sei: Es gibt Offiziere aus jedem NATO-Land, die Waffen haben einen Lagerort nach Waffengattung und werden schnell an die Grenze verladen.

    Wie Berlin im Kalten Krieg

    »Was in Rzeszow stattfindet, erinnert an die Berliner Luftbrücke«, sagt der französische General Jérôme Pellistrandi und verweist auf die Flugverbindung, die von den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und Frankreich eingerichtet wurde, um West-Berlin angesichts der Blockade zu helfen. der Sowjetunion in den späten 1940er Jahren. »Es ist eine sehr komplexe Aufgabe in Abstimmung mit der Nato, vor allem die letzten 500 Kilometer nach vorne«, sagt Pellistrandi. »Die NATO war auf einen konventionellen Krieg dieses Ausmaßes nicht vorbereitet«, fügt Gusieva hinzu, »daher ist die Militärindustrie hinter den Bedürfnissen an der Front zurückgeblieben. Glücklicherweise wurden die ukrainischen Infrastrukturen während des Kalten Krieges entworfen und sind darauf vorbereitet.«

    Waffen kommen nicht nur auf dem Luft- oder Straßenweg an, Bahnverbindungen sind ebenso wichtig, sowohl für die Ausrüstung aus dem restlichen Europa als auch für die Ladung, die das US-Militär in deutschen Häfen entlädt.
    Das ukrainische Zugnetz ist stark dezentralisiert und es ist möglich, die Strecken leicht zu ändern, eine wesentliche Sicherheitsmaßnahme. Das hält laut Coffey Russland davon ab, einen Streckenabschnitt zu zerstören, weil er nicht nur in kurzer Zeit repariert werden kann, sondern auch eine Streckenänderung möglich ist.

    Die Ukraine teilt eine 530 Kilometer lange Grenze mit Polen, dem einzigen Land, durch das Waffen offiziell transferiert werden, obwohl die befragten Experten davon ausgehen, dass es andere Routen durch Rumänien und die Slowakei gibt.
    Die rumänische Regierung bestätigt dies nicht, aber Moskau hat bereits gewarnt, dass es Informationen darüber hat, dass dies der Fall ist und dass es dies als feindseligen Akt betrachtet. Rumänien hat eine 600 km lange Grenze mit der Ukraine, die Transportroute ist aber geografisch viel länger als über Polen. Dasselbe gilt für die Slowakei.
    Der schnellste Weg, Waffen durch Rumänien einzuführen, wäre, zuerst Ungarn zu durchqueren, aber die Regierung von Viktor Orbán hat den Durchgang dieser Militärhilfe durch ihr Territorium verboten.“

    Das mit dem Umweg wegen Ungarn gilt nur für Rumänien.
    Die Route über die Slowakei ist wesentlich kürzer als über Rumänien, aber aufgrund der Landschaft und der Zugverbindungen komplizierter als die Lieferung über Polen.
    Was Rumänien angeht, so ist die rumänische Regierung vermutlich Orbán dankbar, daß er diese Route unattraktiv macht – in Rumänien ist die Begeisterung, NATO-Frontstaat zu sein, eher gering. Die dortige Regierung will aber auch keine Konfrontation mit EU und NATO.

    „Es gibt keine Informationen darüber, wo die Umladung der Ladung stattfindet, ob die ukrainischen Züge und Lastwagen bereits aus Polen abfahren oder ob der Fahrzeugwechsel an der Grenze erfolgt.“

    Die ukrainischen Gleise haben aus sowjetischen Zeiten eine andere Spurbreite als die polnischen. Ob diese in den letzten Jahren geändert wurde, ist nicht bekannt – es wäre aber aus militärischer Hinsicht zweckmäßig.
    Wenn nicht, so muß alles an der Grenze umgeladen werden.

    „Sicher ist nur, dass nicht NATO-Personal die Waffen in die Ukraine transportiert.
    Die lange polnische Grenze ermöglicht es, die zu verfolgenden Wege regelmäßig zu ändern, wie Gusieva zusammenfasst: Im Allgemeinen werden die verkehrsreichsten Routen gemieden, um zu vermeiden, dass Zeugen und Informationen den Feind erreichen. Die Konvois sind immer in kleinen Gruppen und die wertvollsten Waffen kommen zerlegt und in verschiedenen Fahrzeugen ins Land, um im Falle eines Angriffs nicht die gesamte Ausrüstung zu verlieren.

    Der Transport von militärischem Material wird nicht nur von Armeeangehörigen durchgeführt, eine Legion ziviler Freiwilliger lädt jeden Tag an den Grenzen mit ihren Privatfahrzeugen Ausrüstung, die keine Waffen im strengen Sinne sind, wie schusssichere Westen, Helme, Nachtsichtgeräte oder Aufklärungsdrohnen.
    Gusieva versichert, dass Lastwagen mit Munition und Waffen militärische Insignien tragen müssen, aber EL PAÍS konnte feststellen, dass dies nicht immer der Fall ist.

    Russische Ohnmacht

    Die russische Staatsagentur TASS veröffentlichte im vergangenen Dezember eine Notiz, in der hochrangige Regierungsbeamte aus der annektierten ukrainischen Provinz Lugansk Moskau aufforderten, Logistikrouten in der Westukraine zu zerstören, weil nur das »grundlegende Auswirkungen« auf die Invasion hätte.
    Der Punkt ist nach Pellistrandis Meinung, dass Moskau es aufgegeben hat, weil es nicht die Kapazitäten zur Durchführung dieser Aufgabe hat. Die beste Möglichkeit wäre, wenn die russische Luftwaffe auf ukrainisches Territorium vordringen könnte, aber seit April 2022 hat sie dies aufgegeben, weil sich das mobile Luftverteidigungsnetz von Kiew als enorm effektiv erwiesen hat.
    Die Alternative, die der russischen Armee bleibt, sind Präzisionsraketen, aber deren Arsenal ist nach 11 Monaten Krieg nach Angaben der amerikanischen und britischen Geheimdienste minimal.“

    Das heißt also, daß nur Drohnen oder weniger präzise Raketen eingesetzt werden können, die entweder leicht das Ziel verfehlen, oder deren Abschuß dann die allseits beklagten zivilen Opfer fordert.

    „Pellistrandi schätzt, dass Russland noch 30 % seiner Marschflugkörper besitzt. Die befragten Analysten sind sich einig, dass es militärisch keinen Sinn macht, mit einer Rakete, die eine Million Euro kosten kann, ein oder zwei Lastwagen auszuschalten, mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass die Ziele sich bewegen.
    »Ohne die Möglichkeit, ihre Flugzeuge einzusetzen, haben die Russen eine schlechte Technologie, um sich bewegende Ziele zu treffen«, sagt Coffey,
    »Lancet-Drohnen wären ihre beste Option, aber ihre Raketen haben eine kurze Reichweite und müssten zu weit in den ukrainischen Luftraum vordringen.«
    Gusieva weist auch darauf hin, dass die sehr vertikale Hierarchie der russischen Armee dazu führt, dass die Befehlskette für Angriffe zu viel Zeit in Anspruch nimmt, während im Fall mobiler Ziele sehr schnelle Entscheidungen erforderlich sind.

    Das Problem für die Ukraine liegt auf den letzten Kilometern vor dem Erreichen der Front, wie sich im vergangenen August in Tschaplino gezeigt hat, einer Eisenbahngemeinde in der Provinz Dnipropetrowsk, einem logistischen Verteilungspunkt für Truppenzüge und schwere Waffen nach Donezk im Osten. Russland hat damals mit Iskander-Präzisionsraketen einen Militärkonvoi mit Soldaten und militärischer Ausrüstung getroffen. Laut den von dieser Zeitung unter den Einwohnern der Stadt gesammelten Zeugenaussagen liegt der Grund darin, dass der Zug am Bahnhof Chaplino mehr als einen Tag lang angehalten wurde.

    Ein weiterer Nachteil Moskaus ist, dass sein Netz an Spionagesatelliten, die Waffen überwachen können, die in die Ukraine gelangen, laut Coffey kleiner ist als das der NATO.
    »Russland muss ein riesiges Territorium kontrollieren, nicht nur die gesamte Ukraine, sondern auch seine eigenen Grenzen und sogar Syrien.«
    Auch die Wetterlage helfe nicht, sagt Pellistrandi, denn die Wolken, praktisch täglich in der Region, schränken die Satellitenbilder ein. Die einzige Alternative des Kremls zu einer ernsthaften Störung der Auslandshilfe wäre die Bombardierung des Flughafens von Rzeszow, schlussfolgert dieser französische General, aber das ist unwahrscheinlich, weil es fast bedeuten würde, den Dritten Weltkrieg zu erklären.“

    (Eine Reportage von Cristian Segura, El País, 29.1.)

  23. In der gleichen Zeitung steht ein anderer Artikel, in dem betont wird, daß die NATO keinen Stellvertreterkrieg gegen Rußland führt – wie von Rußland fälschlicherweise behauptet wird!
    Das Argument ist interessant: Weil die Ukraine eigene Interessen hat, kann sie nicht als Stellvertreter bezeichnet und behandelt werden!

    Zweitens kann die NATO nicht als Kriegspartei angesehen werden, weil sie ja keine eigenen Soldaten hinschickt.
    Die gar nicht kleinen Massen an Freiwilligen und Vertragssoldaten aus NATO-Staaten sind ja sozusagen Privatleute, die mit der NATO nichts zu tun haben, so wird weiter argumentiert.

    Die Arbeitsteilung der Medien ist interessant: Während die einen die russische Führung als Wahnsinnige und unberechenbare Bestien, vor denen man Europa schützen muß, darstellt, so weist eine andere Abteilung darauf hin, wie berechenbar diese Moskowiter doch sind und was man sich alles an Eskalation gegen sie erlauben kann.

  24. Realpolitik und Krieg – Podcast von Herbert Auinger,  25.01.23

    Realpolitik“ und / oder / statt / neben / gegen / wegen … Moralpolitik?!

    Thema ist nach wie vor der Krieg bzw. die westliche Agitation, entlang eines Interviews (im „Standard“) mit einem Wirtschaftshistoriker. Als Einstieg: Die Kategorie „Realpolitik“ ist ja einigermaßen schräg, denn Politik, im Sinne des Staatshandelns, zu dem allemal der Krieg als Mittel gehört, die Politik gibt es ohnehin nur ein einziges mal, nämlich als die reale, die wirkliche, die existierende. (…)

    https://cba.fro.at/597452

  25. Interessant. Ich frage mich allerdings, ob es wirklich so ist, dass das Unterbrechen der wichtigsten Nachschubwege durch Raketen so schwierig ist. Wenn auf Nebenstraßen ausgewichen werden muss, dauert der Transport viel länger. Aber ich nehme an, dass die Russen das schon richtig einschätzen. Ein Krater auf einer Straße ist schnell aufgefüllt. Wahrscheinlich hätte Russland wirklich zuerst in der Westukraine einmarschieren sollen, um den Nachschub aus dem Westen zu blockieren.

  26. @Kehrer

    Das war ja angeblich auch geplant, aber da stellte sich Lukaschenko quer.

    Man darf nicht vergessen, daß der Einmarsch selber im Nationalen Sicherheitsrat Rußlands sehr umstritten war und schließlich durchgesetzt wurde, weil die Ukraine wieder einmal angefangen hat, den Donbass zu bombardieren – durchaus mit der Absicht, Rußland zu provozieren.

    In Weißrußland hingegen hatte Lukaschenko gerade erst so schlecht und recht seine Position wieder etabliert, nach einer veritablen Aufstandsbewegung – die weißrussische Führung sah sich nicht in der Lage, ihre Bevölkerung für einen Krieg hinter sich zu versammeln.

  27. Der Artikel "Was den Ukraine-Krieg zur globalen Gefahr macht" gefällt mir gut. Ebenso der neue Podcast von Herbert Auinger.

    Aus dem Dillman-pdf: "Never-ending-story-16.12.22" finde folgenden Absatz falsch:

    Die freien und vor dem Recht gleichen Eigentümer, die nach ihrem Vorteil streben sollen, sind sich in nichts einig; sie formulieren ihre unterschiedlichen bis gegensätzlichen Anschauungen und Interessen in der Form von Meinungen und sie streiten in Form von Parteien – auch das ist ihnen erlaubt – um die jeweils aktuelle Fassung des „allgemeinen Wohls“, das durch die Regierung umgesetzt werden soll.

    Doch die Eigentümer sind sich einig darin, Eigentümer sein zu wollen und das ist nicht nichts.

    Ohne ein solches einigendes Band kann es auch kein Gemeinwohl geben, um das dann gestritten wird und auch keinen Staat, der von Parteien geführt wird, die darum die Ausgestaltung des Gemeinwohls streiten. Offenbar mag Frau Dillman zwar zugeben, dass es ein allgemeines Wohl in Anführungsstrichen gibt. Aber gleichzeitig kann sie darin nur das Ergebnis stattlicher Zwangsmaßnahmen entdecken, wie zum Beispiel der Überwachung und Einschränkung des zulässigen Meinungskorridors von dem sie in diesem Artikel berichtet.

    @nestor: Ok. Leuchtet ein.

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