Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 31.5.: Hysterie um Nahrungsmittelversorgung

ANGEBLICHER WELTHUNGER

Die Hysterie um die Lebensmittelknappheit im Jahr 2023 ist ein Schmarrn: Wer profitiert davon, die Welt mit Hunger zu bedrohen, und wie wird das enden?

Der Präsident des russischen Getreideverbandes ist sich sicher, dass die Nahrungsmittelpanik im Westen von denen geschürt wird, die „an der Ukraine“ Geld verdienen wollen.
Die angeblich bevorstehende Nahrungsmittelknappheit und Hungersnot sind nichts weiter als Informations-Unsinn, aus dem eine Reihe westlicher Länder Kapital zu schlagen versuchen. Dieser Meinung ist der Präsident des Russischen Getreideverbandes Arkadij Zlochevskij.

All diese aufgeblasene Informationshysterie zum Thema der kommenden Hungersnot hat nur ein Ziel – die Preise zu erhöhen. Es ist dieses Preiserhöhungsspiel, das zu echten Bedrohungen für die weltweite Ernährungssicherheit führt. Denn die physische Versorgung, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln sei nicht gefährdet, eine mögliche Verknappung sei einfach nicht gegeben und die wird es nicht geben, meint der Experte.

Zlochevskij zitiert Äußerungen westlicher Politiker, dass „die Getreidereserven der Welt nur für zehn Wochen reichen werden – oh, eine Katastrophe!“
Diese an die Wand gemalte Bedrohung ist seiner Meinung nach absolut lächerlich.
Nach den Empfehlungen der FAO sollten Vorräte mindestens 17% des weltweiten Verbrauchs betragen. Rechnet man diese 17% des Jahresverbrauchs in Wochen um, kommt man auf etwa neun Wochen. Das heißt, „die katastrophal niedrigen Lagerbestände“ sind sogar höher als die offiziellen Empfehlungen der UN-Ernährungsorganisation.

Die Informationskanäle des US-Landwirtschaftsministeriums, des US-Getreiderats, der FAO und anderer heizen die Situation an, um das Getreide bis zum Ende der Saison gewinnbringender zu verkaufen. Wir sehen dieses Bild Jahr für Jahr. Und jetzt wird es auch noch durch die Situation in der Ukraine angeheizt, sagt Zlochevskij.
Aus der gleichen – durchaus eingespielten – Quellen stammen seiner Meinung nach die Schreie, dass es dringend notwendig sei, der Ukraine beim Export von 20 Millionen Tonnen Getreide zu helfen.

„Meiner Meinung nach werden sie einfach von den Interessen der europäischen Länder diktiert, mit diesem Getreideexport Geld zu verdienen. Der Transit geht durch ihr Territorium, die Verschiffung erfolgt durch die rumänischen Schwarzmeer- und die (polnischen) Nordsee-Häfen. All dies wird nicht kostenlos gemacht. Sie verdienen damit Geld. Und die Ukraine verliert es natürlich.“ sagt Zlochevskij.

Das Gleiche gilt für Aussagen, dass die Ukraine dieses Jahr ohne Ernte bleiben wird – und das sei ein großes Problem für den gesamten Weltmarkt:

Auch dies ist ein aufgeblasener Unsinn. Betrachten wir die grundlegenden Daten: Wintergetreide wurde in der Ukraine vor dem Herbst angebaut. Und es ist in ausgezeichnetem Zustand, genauso wie das russische. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums der Ukraine ist derzeit für mindestens 76 % der Anbauflächen eine Sommerernte zu erwarten.

Alle diese „Panikspiele“, prophezeit Zlochevskij, werden schließlich in einem starken Einbruch der Weltgetreidepreise enden. Jetzt werden sie nach seinen Berechnungen um etwa 140 bis 150 Dollar pro Tonne über dem realen, den Kosten angemessenen Preis verkauft. Das ist der „Preis der Hysterie“.

Wie sieht es in Rußland mit der Getreideernte aus?

Die Prognosen des Getreideverbands für die zukünftige Ernte in Rußland sind weniger optimistisch als die des russischen Landwirtschaftsministeriums: 120 Millionen Tonnen Getreide, darunter 80 Millionen Tonnen Weizen (das Landwirtschaftsministerium prognostizierte 130 Millionen Tonnen Getreide, darunter eine Rekordmenge von 87 Millionen Tonnen von Weizen). Das Aussaattempo war etwas geringer als im letzten Jahr.
Aber trotz dieser Verringerung, meint Zlochevskij, wird die Ernte gut sein:
Die Winterkulturen sind in sehr gutem Zustand, die Vegetation blüht, wenn auch langsam, aber durchaus Anlaß gebend zu Optimismus. Die Speicher werden gut gefüllt werden.
Derzeit sind die Lagerbestände an verfügbarem Getreide jetzt fast 20 % höher als im Vorjahr. Die Exportverkäufe sind am Laufen, allein im Mai wurden 1 Million 260 Tausend Tonnen Weizen aus Rußland exportiert.

Große Reserven scheinen in der aktuellen Situation eine gute Sache zu sein. Aber laut Zlochevskij ist das nicht so:
„Die Preise auf dem Inlandsmarkt beginnen ziemlich stark zu fallen. Der Preis für Weizen der 4. Klasse ist im vergangenen Monat von 16.000 auf 14.900 gefallen. Es gab viele Gespräche über die Notwendigkeit, in der aktuellen Situation mehr Reserven zu halten. Aber jetzt üben diese Vorräte Druck auf den heimischen Markt aus. Wir müssen Platz für eine neue Ernte schaffen. Dadurch steigt das Angebot und die Binnennachfrage ist begrenzt. Was bedeutet fallende Preise? Das ist weniger Geld in den Taschen der Bauern, sie können das Arbeitstempo des letzten Jahres für die Aussaat nicht halten (obwohl das Landwirtschaftsministerium von einer Rekordsumme an Subventionen für die Aussaat spricht – Anm. d. Red.).
Bisher ist das Problem nicht so akut. Aber bezüglich der Wintersaat im Herbst kann es schon zu einer Verringerung der Aussaat kommen.“

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Man merkt an diesen Informationen, daß es die Marktwirtschaft und die Medien sind, die zumindest zu einem Teil die Inflation der Lebensmittel und die Probleme der Versorgung verursachen – und gar nicht der Krieg in der Ukraine.
Getreide wäre genug da, aber es ist, wie alles andere auch, ein Mittel der Bereicherung für diejenigen, die damit handeln.  

Die derzeitige Politik Rußlands ist, den Hafen von Mariupol zu reparieren und für den Getreideexport desjenigen ukrainischen Getreides zu verwenden, das sich in Speichern oder auf dem Gelände derjenigen Territorien befindet, die unter russischer Oberhoheit sind – der große Teil des Donbass, und Teile der Regionen von Cherson und Saporoschje.
Derzeit wird bereits einiges an Getreide über Sevastopol exportiert, die Wiederherstellung des Mariupoler Hafens dürfte in einigen Wochen abgeschlossen sein.

18 Gedanken zu “Pressespiegel Komsomolskaja Pravda, 31.5.: Hysterie um Nahrungsmittelversorgung

  1. Bei den Energieträgern ist es übrigens ähnlich wie beim Getreide: Das Geschrei und das Embargo bzw. das Gerede darum nützt vor allem denen, die damit handeln.
    Der Krieg um die Ukraine schafft also gewaltige Profite für die Öl- und Gasfirmen sowie die ganze Logistik drumherum – Häfen, Flüssiggasanlagen, Tanker-Firmen.

  2. Afrikanische Union: Macky Sall „beruhigt“ nach seinem Treffen mit Putin zum Thema Getreide

    Der amtierende Präsident der Afrikanischen Union (AU) und senegalesische Staatschef Macky Sall sagte am Freitag, er sei „beruhigt“ aus seinem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Sotschi hervorgegangen, mit dem er über die Befürchtungen einer Nahrungsmittelkrise aufgrund der russischen Offensive in der Ukraine gesprochen hatte. Nach seinem Treffen mit Wladimir Putin in Sotschi sagte Macky Sall vor Journalisten, dass er den russischen Präsidenten als „engagiert und sich dessen bewusst“ erlebt habe, „dass die Krise und die Sanktionen für schwache Volkswirtschaften, wie die afrikanischen, ernsthafte Probleme schaffen“, berichtet der französische Sender RFI.

    Der Austausch zwischen Wladimir Putin und Macky Sall, der vom Präsidenten der Kommission der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahamat aus dem Tschad, begleitet wurde, habe drei Stunden gedauert, sagte der senegalesische Staatschef und sprach von einem „umfassenden Austausch über die Situation“. „Ich habe ihm mitgeteilt, dass wir in erster Linie gekommen sind, um ihn um Deeskalation zu bitten und für den Frieden zu arbeiten“, so Macky Sall.

    Der Konflikt Russland/Ukraine, – zwei Länder, auf die zusammen 30% der weltweiten Weizenexporte entfallen – hat zu einer Explosion der Getreide- und Ölpreise geführt, die die Preise des Arabischen Frühlings 2011 und der Hungerrevolten von 2008 übertreffen.

    Zu Beginn des Treffens forderte Macky Sall Wladimir Putin auf, sich „bewusst zu werden“, dass die afrikanischen Länder „Opfer“ des Konflikts in der Ukraine sind. Macky Sall rief „alle Partner dazu auf, die Sanktionen“ gegen Russland in Bezug auf diese Produkte aufzuheben.

    „Die Sanktionen gegen Russland haben großen Problemen geführt, da wir keinen Zugang mehr zu Getreide aus Russland haben, insbesondere zu Weizen, aber vor allem zu Düngemitteln. Und das führt zu ernsthaften Bedrohungen für die Ernährungssicherheit des Kontinents.“

    Der Senegal, der derzeit die Afrikanische Union anführt, vertritt seit Beginn des Konflikts eine neutrale Position, woran Macky Sall gegenüber Wladimir Putin erinnerte: „Sie haben die verschiedenen Abstimmungen in den Vereinten Nationen verfolgt. Trotz enormen Drucks hat die Mehrheit der afrikanischen Länder es vermieden, Russland zu verurteilen.“

    In seinem erklärten Willen zur „Neutralität“ hatte Macky Sall zuvor einen Zwischenstopp in Kiew angekündigt. Bisher spricht die Afrikanische Union jedoch nur von einer „Botschaft per Videokonferenz“ des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky vor seinen Amtskollegen auf dem Kontinent, ohne einen genauen Zeitplan zu nennen.

    Während der Krieg eine weltweite Nahrungsmittelkrise befürchten lässt, „ist es kein Problem, Getreide aus der Ukraine zu exportieren“, sagte der russische Präsident in einem Fernsehinterview, kurz nach seinem Treffen mit dem Präsidenten der Afrikanischen Union. Putin erläuterte mehrere Möglichkeiten und sagte, dass der Westen „bluffe“, wenn er behaupte, dass Moskau Getreideexporte aus der Ukraine verhindere.

    Er erwähnte die Möglichkeit, über Mariupol und Berdiansk zu transportieren, zwei von Russland eroberte Häfen im Asowschen Meer, das den Zugang zum Schwarzen Meer ermöglicht, aber auch über Schwarzmeerhäfen, die unter ukrainischer Kontrolle geblieben sind, insbesondere Odessa. Er verlangt, dass die Gewässer vor diesen Häfen von Kiew von Minen geräumt werden, und verspricht im Gegenzug, dass Russland eine sichere Durchfahrt für Schiffe ermöglicht.

    Putin erwähnte auch den Wasserweg über die Donau durch Rumänien, Ungarn und Polen. „Aber am einfachsten, am leichtesten, am billigsten“, sagte er, „wären Exporte über das Territorium von Belarus, von dort aus kann man zu den Ostseehäfen fahren, dann zur Ostsee und dann zu jedem beliebigen Ort auf der Welt.“ Allerdings nur, wenn die westlichen Sanktionen gegen Minsk, das mit Moskau verbündet ist, aufgehoben werden, sagte er.

    https://www.africa-live.de/afrikanische-union-macky-sall-beruhigt-nach-seinem-treffen-mit-putin-zum-thema-getreide/

    Über Weißrußland wäre der Export gegenüber dem über die Schwarzmeerhäfen natürlich genauso ein Umweg, der das Produkt verteuert.
    Aber immerhin ist jetzt das Kriegsziel soweit definiert – Verzicht Rußlands auf Odessa –, daß der Hafen entmint werden kann.

    Der ganzen Episode ist jedenfalls zu entnehmen, daß bei etwas gutem Willen durchaus eine Einigung zu erzielen wäre, auch in anderen Fragen.

  3. Danke für den Artikel. Die Verknappung des Angebots  ist nur zu einem kleinen Teil sachlich begründet, wenn überhaupt, beim Weizen scheinbar gar nicht, sondern hat mit der Spekulation zu tun, die ihren Kunden eine Verknappung des Angebots verkauft: Sie wissen doch Ukrainekrieg. Vielleicht auch dadurch, dass auf Grundlage der Befürchtung alle wie bescheuert Weizen kaufen, weil sie damit rechnen, dass man den mit riesigen Gewinnen weiterverkaufen kann.

    Beim Erdöl ist es etwas anders. Aber auch hier liegt kein sachlicher Mangel vor. Da ist die Krise selbst verursacht, weil Russland von seinen Einnahmen abgeschnitten werden soll. Wie sich jedoch herausstellt sinken die Einnahmen gar nicht, weil die Preise enorm gestiegen sind. 

  4. Außerdem ist bei dem Öl-Boykott der springende Punkt, daß sich nicht so viele Staaten dem Embargo angeschlossen haben, wie es die westlichen Kriegstreiber gerne hätten.

    Rußland kann also denjenigen Staaten, die sich nicht in die Riege der „unfreundlichen“ eingereiht haben, günstigere Preise geben und damit Wettbewerbsvorteile auf dem Weltmarkt verschaffen.

  5. In Deutschland wurde ja ein sogenanntes Entlastungspaket für 3 Monate beschlossen. Unter anderem sollte die Mineralölsteuer um 30-35ct pro Liter gesenkt werden. An den Tankstellen sind die Preisreduzierungen jedoch viel geringer. Jetzt höre ich gerade im Deutschlandfunk, die Mineralölkonzerne seien gar nicht verpflichtet, die gesenkte Steuer voll an die Kunden weiterzugeben.

    Also ehrlich, wie dumm kann man eigentlich sein? Eine Steuersenkung zu beschließen ohne sicherzustellen, dass das Geld bei denen ankommt, für die es vorgesehen ist. Jetzt streichen die Ölkonzerne, die sich gerade sowieso dumm und dämlich verdienen auch noch ein paar Sondermilliarden vom Staat ein.

    Als Reaktion auf diesen Fehlschlag wird jetzt eine Übergewinnsteuer diskutiert. Die selbst im Fall sie kommt gegen die FDP durch, bloß dazu beiträgt, dass Geld in die Taschen des Staates fließt. Der Normalmensch hat davon nichts.

  6. Am 6. Juni berichtete Bloomberg, dass die Türkei und Russland sich auf ein Verfahren zur Freigabe der Schwarzmeerhäfen für den Getreidetransport geeinigt hätten, die Ukraine die vorgeschlagenen Bedingungen jedoch abgelehnt habe.

    Seither wurde die „Izvestia“ über die (anscheinend doch zustandegekommene) Vereinbarung der drei Länder über das Verfahren zum Auslaufen von Schiffen aus dem Hafen von Odessa informiert:
    Eine hochrangige Quelle meldete, dass das türkische Militär Getreideschiffe in neutrale Gewässer eskortieren würde, wo sie auf ihrem Weg zum Bosporus von russische Schiffe abgelöst würden. Es wurde festgestellt, dass der Fahrplan für ein solches Programm am 8. und 9. Juni während des Besuchs des russischen Außenministers Sergej Lawrow und des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu in der Türkei vereinbart wird.

    (Izvestija, 7.6.)

    Die Frage bleibt derzeit offen, wie diese zu beladenden Schiffe nach Odessa hinkommen? (Die anderen Häfen sind klein und haben eher militärische Bedeutung. Der Frachthafen ist Odessa.)
    Derzeit ist die Frage nicht „heiß“, weil erstens die Entminung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird und außerdem ein Haufen fremde, also nicht-ukrainische Schiffe in diesen Häfen festsitzen.
    Aber dann wird diese Frage wichtig, weil die Haupt-Befürchtung Rußlands (und geheime Hoffnung der ukrainischen Führung) ist, daß über Odessa Waffen in die Ukraine verschifft werden könnten.

  7. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Unmöglichkeit des Getreideexports durch Weißrussland angekündigt. Ihm zufolge ist Kiew nicht bereit, (Rußland gegenüber) »freundlichen Nachbarn« zu helfen.

    „Uns wurde angeboten, per Eisenbahn durch Weißrussland zu exportieren. Wir verstehen sogar, daß wir da viel exportieren könnten. Aber wir verstehen, warum uns das angeboten wurde. Wir sind nicht bereit, diesem Format zu folgen und unseren »freundlichen“ Nachbarn Einkünfte zu verschaffen“, berichtet RBC Ukraine über die Worte des ukrainischen Führers.

    (KP, 7.6.)

    Man merkt, wer eigentlich den Getreideexport behindert.

    Dabei wäre der Transport per Bahn durch Weißrußland ans Meer einfacher, weil dort vermutlich noch überall die russisch-sowjetische Spurbreite vorherrscht und die Züge nicht umgesteckt werden müßten.

  8. Laut Selenskij stecken in der Ukraine 25 Millionen Tonnen Getreide fest, die wegen der Blockade der Häfen nicht exportiert werden können.
    Die ukrainische Regierung hat kein Vertrauen in das Versprechen Putins, Odessa nicht anzugreifen, und erinnert daran, daß Rußland auch noch im Februar versprochen hat, die Ukraine nicht anzugreifen. Kiew verlangt Waffen, um seine Schwarzmeerküste gegen Angriffe zu schützen (– sonst wird nicht entmint?)

    Weiters beschuldigt die ukrainische Regierung Rußland des Getreideraubs aus den besetzten Territorien, und nennt Schiffe, die mit geraubtem ukrainischen Getreide in türkischen Häfen angelegt haben.
    (Die Türkei scheint fest an dem Getreidegeschäft mitzuschneiden.)

    Ägypten und der Libanon haben angeblich eine solche Getreideladung zurückgewiesen, die dann in Syrien gelöscht wurde.
    (Wenn sich diese beiden Staaten dergleichen Zurückweisungen leisten können, so kann es mit der Versorgungskrise nicht so schlimm sein.)

    (Alle Infos aus El País, 8.6.)

  9. Mit anderen Worten Selenskyi benutzt das Getreide als Druckmittel gegenüber …ja wem gegenüber eigentlich. Gegenüber afrikanische Staaten, die ihm gar keine Waffen liefern können? Gegenüber der EU? Selenskyi schießt sich selbst ins Knie und behauptet dann die Russen sind schuld.

    Über Weißrussland will er nicht ausführen, weil da könnten ja auch die Weißrussen dran verdienen und über Odessa will er nicht ausführen, weil er Waffen für die Schwarzmeerküste verlangt. Dabei müssten bloß minenfrei Korridore geschaffen werden.

    "Weiters beschuldigt die ukrainische Regierung Rußland des Getreideraubs aus den besetzten Territorien" Das ist nunmal im Krieg so, dass alles was das andere Gewaltsubjekt erobert unter seiner Verfügung steht. Man muss da bloß den Standpunkt der Eigentlichkeit aufmachen. Eigentlich gehört das Getreide den Ukrainern. Das geht aber auch vom russischen Standpunkt aus. Eigentlich ist die Ukraine eh russisches Territorium und das Getreide gehört folglich uns.

  10. Ich nehme an, das mangelnde Kriegsglück läßt S. zu diesem Mittel greifen, das eigentlich keines ist. Er sagt ja im Grunde: Erst wenn ich genug Waffen habe, um den Krieg zu gewinnen, dann laß ich das Getreide raus.

    Die russischen Zeitungen behaupten, die von der ukrainischen Armee praktizierte Politik der verbrannten Erde beziehe sich auch auf die Getreidespeicher. Neben verschiedenen von ihnen werden Raketenwerfer aufgestellt, und wenn die dann von der russischen Seite beschossen werden, so heißt es mit lautem Geschrei: Die Russen vernichten absichtlich die Getreidevorräte!

    Der Getreidespeicher im Hafen von Mariupol wurde angeblich von den ukrainischen Streitkräften abgefackelt, damit die Stadt nach der Einnahme kein Getreide zur Verfügung hat.

    1945 haben die deutschen Truppen die Lebensmittel in Budapest (Februar), Wien (April) und Berlin (Mai) bei ihrem Rückzug bzw. ihrer Niederlage vernichtet, diese Großstädte mußte zumindest die ersten paar Wochen aus sowjetischen Beständen ernährt werden.

  11. "Erst wenn ich genug Waffen habe, um den Krieg zu gewinnen, dann laß ich das Getreide raus."

    Genau. Normalerweise sollte man ja denken, er denkt umgekehrt. Ich verkaufe den Weizen, damit ich mir Waffen kaufen kann. Oder: Den Weizen behalten wir damit die Bevölkerung wenigstens was zu beißen hat. Das lässt erstmal darauf schließen, dass daran kein Mangel herrscht. Aber dass er die Welt mit dem Weizen erpresst, ist schon ein starkes Stück.

    "Die Russen vernichten absichtlich die Getreidevorräte!" Das passt alles ins Bild. Der Krieg der Ukraine ist zum großen Teil darauf ausgelegt dem Westen die russische Verderbtheit vorzuführen und ihn so immer weiter in den Krieg zu ziehen, genau so wie es in ihrer Militärdoktrin steht.

    Deshalb würde sich die EU nichts gutes tun, die Ukraine aufzunehmen. Nur ein kompletter Vollidiot kann sich wünschen mit solchen Kanaillen ständig sich auseinandersetzen zu müssen.

  12. Eine alternative Fragestellung wäre:

    Welches Szenario kann die BRD gebrauchen, um innerhalb der EU die Meinung durchsetzen zu können, dass Aufrüstung gegen Russland [plus die BRD als zukünftig militärisch gleichwertig neben Frankreich] die gemeinsam anstehenden europäischen Duftmarken für die nächsten Jahre sein sollen?    (Deutsche Führerschaft in puncto Militär ist ja, Stand Juni 2022, ein etwas lächerlicher Anspruch. Auch deswegen wird es weiterhin massenweise Bekundungen geben, der Ukraine den Beitritts-Kandidaten-Status zu verleihen. Und dass absehbar mehr nicht draus werden wird, darüber wird schon das Einstimmigkeitsprinzip sorgen. Das tut es ja auch anderwärts, z.B. bei dem ewigen Kandidaten Türkei.). Auch so kann man nämlich sich einen Hinterhof verschaffen, also Staaten, die “positiv” auf die eigene Staatlichkeit orientiert werden. Die EU und die USA haben dafür bekanntlich auch noch weitere Mittel, deren erpresserischer Charakter als supi Angebot an entsprechende Staaten wirken sollen. Würde die BRD offensiv verkünden, dass die Ukraine absehbar nicht Vollmitglied der EU werden solle, bekäme sie dicke Probleme mit den Ostländern der EU. Das wird sie also so nie verkünden. Aber auch der lange vor dem Krieg bereits als ‘failed state’ mit Korruption gehandelte Staat Ukraine soll weiterhin auf die Gesamt-EU orientiert bleiben, nicht nur auf Polen oders Baltikum. https://www.euractiv.de/section/finanzen-und-wirtschaft/news/eu-chefs-einigen-sich-auf-finanzhilfe-fuer-die-ukraine/
    Polen hält sich übrigens anscheinend durchaus an die EU-Richtlinien, viele Waffen zu versprechen. Aber vor allem sie zu versprechen ….
    https://www.euractiv.de/section/eu-aussenpolitik/news/polnisches-unternehmen-liefert-keine-drohnen-an-die-ukraine/
    Martialische Worte gibt es aus Osteuropa en masse:
    https://www.euractiv.de/section/eu-aussenpolitik/news/ukraine-muss-russland-angreifen-und-die-krim-zurueckerobern/
    (Übrigens würde sowohl die faktische Aufnahme der Ukraine wie die der Türkei die jetzige EU sprengen. Dann könnten diese sehr großen Staaten nämlich die EU von A bis Z mitgestalten – d.h. nach ihren Interessen umgestalten. Daran hat nicht nur die BRD null Interesse. Z.B. würden ja selbst die bisherigen “Körbe” und “Regionalfonds” für Osteuropa vermutlich nämlich angesichts des Finanzierungsbedarfes von Türkei bzw. Ukraine gehörig ins Rutschen geraten….)
    —-

    Zu den Perspektiven der EU in Osteuropa vgl.

    https://gegen-kapital-und-nation.org/media/pdfs/de/aktualisiert-si-vis-pacem-para-bellum-wer-frieden-will-ruste-sich-zum-krieg-platon-cicero-russland-ukraine-nato-eu.pdf
    (dort vor allem ab Seite 6)

  13. "Würde die BRD offensiv verkünden, dass die Ukraine absehbar nicht Vollmitglied der EU werden solle, bekäme sie dicke Probleme mit den Ostländern der EU. Das wird sie also so nie verkünden. Aber auch der lange vor dem Krieg bereits als ‘failed state’ mit Korruption gehandelte Staat Ukraine soll weiterhin auf die Gesamt-EU orientiert bleiben, nicht nur auf Polen oders Baltikum."

    Wegen der Ostländer? Wieso?  Doch eher darum um die Ukraine vom russischen Einfluss loszueisen, um Russland zu schädigen, nicht wegen der Ukraine. Das ist ja der einzige Grund warum der Ukraine mit der Möhre EU vor der Nase rumgefuchtelt wird. Insofern muss ich meine obige Einschätzung ergänzen. Die EU besteht eben auch aus lauter Kanaillen und so gesehen passt es ganz gut, wenn die eine Kanaille die Welt mit ihrem Getreide erpresst und die andere dafür den ewigen Kandidatenstatus oder Assoziationsstatus verspricht.

    "Übrigens würde sowohl die faktische Aufnahme der Ukraine wie die der Türkei die jetzige EU sprengen. Dann könnten diese sehr großen Staaten nämlich die EU von A bis Z mitgestalten – d.h. nach ihren Interessen umgestalten. Daran hat nicht nur die BRD null Interesse. Z.B."

    Das sehe ich auch so.

  14. Na ja. Meine Idee war ja, dass. der deutsche Aufrüstungsbeschluss und die anti-russische Festlegung deutscher Politik  in der Öffentlichkeit als Hilfe für die Ukraine verkauft werden soll. Gerade innerhalb der EU-Oststaaten. (Polen z.B. wollte jahrelang unterstreichen, dass sie auch gegenüber der BRD und deren Großmachtinteressen erkleckliche Vorbehalte haben: Polen will nämlich selber europäische Großmacht werden und hat dafür in Washington einen mächtigen Paten.)

    Dass man durch das angebliche Aufnahmegetöber die Ukraine von russischem Einfluss  würde loseisen müssen/sollen, ist zwar prinzipiell ja auch richtig.  Die unterschiedlichen Konzeptionen von ukrainischem Gewaltmonopol, die es innerhalb der Ukraine gab, und die zur 'Zerstrittenheit' dieses Staates jahrelang dazu gehörten – also unterschiedliche Meinungen über die Zusammenarbeit mit Russland, auch angesichts von ukrainisch-russischen Oligarchen u.ä. – mag es jetzt ja noch geben darüber, wie und unter welchen Bedingungen eine Feuerpause akzeptabel wäre. Ansonsten scheint mir der Krieg die ukrainische Frontstellung gegen Russland aber insgesamt doch eher befestigt zu haben.  Jedenfalls außerhalb des Donbas. (Nicht zu vergessen: ist es ganz bewusst Strategie der Ukraine, ihr Volk hinter ihren anti-russischen Kriegskurs einen zu wollen. Und dafür tun sie auch was. [Nicht dass sie das tun ‘müssten’, aber als als selbstverständlich geltende und allem vorausgesetzte allgemeine Regierungsdirektive gegenüber dem Volk gilt die Parole der Einheit von Staat und Volk im Anti-Russentum. Gerade, aber nicht nur, im Krieg.]

    edit: Dass man die zudefinierte ggf. ewige Perspektive, man sei (nur) Hinterhof der EU, je nach eigenen Konzeptionen und je nach eigenen oder auswärtigen Mitteln, für seine Handlungsfreiheit auch gegen die aktuelle Perspektive der EU wenden kann, zeigt z.B. Serbien. Und als Vollmitglied demonstriert das in ähnlicher Weise als Abweichler von der EU-Linie immer mal wieder Ungarn. Insofern ist es für deutsche Politiker und ihren eigenen nationalen Aufrüstungsbeschluss wichtig, den als europäischen Akt bzw. zumindestens im breiten europäischen Konsens [denn bestimmen lässt sich die BRD durch die EU nicht…] durchwinken zu lassen. (Auch Frankreich übrigens lässt sich ja nicht von der EU vorschreiben, welche militärischen Mittel und Ziele es national notwendig befindet.)

    edit II: Dass Frankreich sich stärker von der BRD reinreden ließe, weiß ich nicht. Mag also evtl. nur sein, dass die div. Konzepte dt.-frz. Nuklear-Zusammenarbeit einzig vom Wahn deutscher Politiker und ihrer Besoffenheit über das deutsche Aufrüstungsprogramm zeugen. Desungeachtet bemerkt die frz. Ökonomie einige Dellen.
    https://www.euractiv.de/section/eurozone/news/sovereign-debt-level-causes-new-political-headache-in-france/

  15. Würde die BRD offensiv verkünden, dass die Ukraine absehbar nicht Vollmitglied der EU werden solle, bekäme sie dicke Probleme mit den Ostländern der EU.

    Hier ist die Vorstellung zugegen, daß die BRD die Ukranie nicht will, aber sich wegen Polen und dem Baltikum auf die Zunge beißt.
    Erstens kann doch die BRD die EU-Karotte gegenüber der Ukraine gut brauchen, es geht ja auch mit Serbien so. Also würde sie schon aus Eigeninteresse zumindest nicht sagen: Ukraine – niemals! Aber das Land ein Jahrzehnt lang oder länger im Kandidatenstatus zu lassen, und als Bittsteller zu behandeln, der sich dauernd anpassen muß – das wär doch was.
    Es wurde ja auch ewig Druck gemacht und unter Selenskij endlich durchgesetzt, daß die ukrainische Gesetzgebung den Verkauf von landwirtschaftlichem Boden an Ausländer zuläßt.

    Und dann sind Polen und das Baltikum vor allem Schützlinge der USA, denen die deutsche Führung nicht Wasser auf die Mühlen treiben will, indem sie ihnen in der Ukraine-Politik Freiraum läßt für die Konkurrenz um die US-Freundschaft.

  16. Dass eine US-Diplomatin die BRD für ihre Ukraine-Politik lobt, ist ja aktuell eher selten:

    Karen Donfried über die »Zeitenwende«:   US-Diplomatin nennt Ukrainekrieg »Deutschlands 11. September«

    Die US-Topdiplomatin Karen Donfried hat die Folgen des Ukrainekriegs für Deutschland mit denen der Anschläge vom 11. September 2001 für die USA verglichen.

    (…) Sie verwies auf die »Zeitenwende«-Rede von Olaf Scholz nach Kriegsbeginn in der Ukraine. Dabei habe der Kanzler unter anderem mit der Regel gebrochen, dass Deutschland keine Waffen in Konfliktgebiete liefert. Donfried begrüßte auch die Steigerung der Verteidigungsausgaben durch die Bundesregierung."

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ukraine-krieg-us-diplomatin-karen-donfried-spricht-von-deutschlands-11-september-a-a1dee387-0d76-438e-ad8f-15d313dbc6b5

    Oder, anders formuliert: Die BRD-Aufrüstung soll im Interesse der USA sein (und auch zukünftig bleiben),  und vergleichsweise, wenn auch einige Stufen niedriger, wie der 'war on terror' nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes ein komplettes neues Weltkriegsprogramm der USA eingeläutet hat,  soll auch der BRD-Aufrüstungsbeschluss ähnlich wuchtig ausfallen, nach Wunsch und im Interesse der USA. Aktuell ist das Baltikum im deutschen Zielpunkt:
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1164352.scholz-im-baltikum-ostflanke-wird-verstaerkt.html

    Einige der dazu passenden aktuellen inneren staatlichen Umstellungen bis Ende Juni in Bayern erläutert ein ‘Infoservice’ des BR
    https://www.br.de/nachrichten/bayern/g7-gipfel-schichtdienst-fuer-richter-und-staatsanwaelte,T8FeXbz
    https://www.heise.de/tp/features/Mit-harter-Hand-fuer-die-G7-7135925.html

  17. In der BRD scheint es Leute zu geben, die die verstärkte Aufrüstung als Chance sehen, sich innerhalb der EU wieder in die Pole-Position zu bringen.

    Andere EU-Staaten hoffen auf US-Waffenhilfe, wie es aussieht.
    Außer Polen scheint sich jetzt auch Spanien in diesen Club zu drängen.

  18. UN-Prognose zu Getreideernte
    Warum Weizen wieder billiger wird

    Die russische Invasion der Ukraine hat weltweit Ängste vor Weizen-Engpässen geschürt. Doch mittlerweile hat sich die Lage am Weizenmarkt deutlich entspannt. Die Preise fallen wieder. Woran liegt das? (…)

    Weizenpreis im Rückwärtsgang

    Begründete Sorge oder Alarmismus? Ein Blick auf den Weizenmarkt zeichnet derzeit jedenfalls ein etwas anderes Bild, als es die Äußerungen aus der Ukraine vermuten lassen. Der Weizenpreis war in den vergangenen Wochen rückläufig, zuletzt beschleunigte sich der Preisrückgang sogar deutlich. Der US-Weizenpreis rutschte in dieser Woche wieder unter die Marke von 1000 US-Cent je Scheffel. Heute werden rund 960 Cent je Scheffel gezahlt – so wenig wie seit Anfang März nicht mehr. (…)

    Russland und EU könnten Ukraine-Ausfälle kompensieren

    Auch die beginnende Weizenernte in den USA und Europa mindert den Preisdruck. "Dadurch rückt der Ausfall der ukrainischen Weizenlieferungen zumindest vorübergehend in den Hintergrund", so Fritsch.

    Dabei zeigt auch ein Blick auf die Statistik, dass die Ukraine zwar ohne Frage ein wichtiger Weizen-Exporteur ist, weltweit aber "nur" auf Rang sieben rangiert. Zudem dürfte mit Blick auf das Erntejahr 2022/2023 die Minderung der ukrainischen Exportmengen um knapp 50 Prozent respektive rund neun Millionen Tonnen im Jahresvergleich von anderen Ländern (über-)kompensiert werden.

    Rudert Indien beim Weizen-Exportstopp zurück?

    So dürfte Russland als wichtigster Weizen-Exporteur seine Exportmenge um sechs Millionen Tonnen nach oben schrauben, der aktuelle Ausblick deutet auf eine Rekordernte hin. Auch die Ausfuhren der EU dürften um fünf Millionen Tonnen steigen. (…)

    Zudem hatte der indische Agrarminister jüngst angekündigt, das Land könne seine Weizen-Exporte nach Indonesien je nach Verfügbarkeit wieder aufnehmen. Erst im Mai hatte Indien – von dem viele hofften, es könne die Ukraine-Delle am Weizen-Markt ausgleichen – seine Weizen-Ausfuhren mit sofortiger Wirkung gestoppt und damit zum Rekordhoch beim Weizenpreis beigetragen. Die teilweise Rücknahme dieser weitreichenden Entscheidung mildert somit maßgeblich die Angebotssorgen an den Märkten. (…)

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/weizen-preis-panik-ukraine-exporte-russland-101.html

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