Frieden gegen Gebietsabtretungen?

GEOPOLITIK UND MORAL

Ein ukrainischer Freund hat mir folgende Frage gestellt:

„Ich möchte deine Meinung bezüglich der Ukraine wissen. In letzter Zeit sind einige westliche Führungsfiguren der Ansicht, man müsse Rußland Gelegenheit geben, das Gesicht zu wahren. Was soll man darunter verstehen, angesichts dessen, was Rußland bereits getan hat? Und warum kommt eine solche Meinung überhaupt auf? Vielleicht, weil die Großkonzerne keine Gewinne einbüßen und die Geschäftsbeziehungen mit Russland wiederherstellen wollen?
Was denkst du dazu?“

Ich habe ihm geantwortet:

„Zunächst einmal und ganz prinzipiell gesagt: Diese westlichen Politiker sind draufgekommen, daß man Rußland nicht zerstören kann und daher mit ihm leben muß.
Dazu tragen die Erfahrungen der letzten drei Monate bei: Es hat sich unangenehmerweise herausgestellt, daß weder die USA noch die westeuropäischen Staaten mehr die Dirigenten des Weltgeschehens sind, sondern daß sie mächtige Gegenspieler haben.
Das ist eine bittere Erkenntnis, aber sie läßt sich nicht verscheuchen.

Es gibt seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Heartland-Theorie MacKinders, die im Grunde besagt: Wer Rußland beherrscht, hat den Schlüssel zur Weltherrschaft in der Hand. Den russischen Eurasiern (Dugin & Co.) gilt das als Chance und Sendung, den westlichen Politikern als ein ständiges Schreckgespenst, das sie dazu drängt, Rußland isolieren zu wollen.

Man darf auch die Situation nicht vergessen, als die EU im Dezember 1991 gegründet wurde: Damals ist die SU zerfallen und die europäischen Politiker dachten, sie können jetzt diese abgetretene Macht beerben und sich nach Osten ausdehnen, Ende nie. Jelzin war ihnen als Politiker ganz recht: Je mehr er kaputt macht, um so besser für die EU und überhaupt den Freien Westen. Seit Putin versucht, den Laden zusammenzuhalten, sind sie sauer und sehen ihre Felle davonschwimmen.

Mit dem Ukraine-Krieg ist eine Situation eingetreten, wo für beide Seiten gilt: Kopf oder Zahl? Zusammenarbeit oder Untergang?
Die Isolation Rußlands gelingt nicht, und alle Seiten wissen, daß einen Atomkrieg niemand gewinnen kann.

Hier in Portugal, wo ich mich derzeit aufhalte, gibt es jeden Donnerstag abend eine politische Diskussionssendung, die heißt „Die Achse des Bösen“, und dort hat gestern eine Teilnehmerin klar gesagt: Bei den derzeitigen Energiepreisen und den dadurch verursachten Preissteigerungen wird Europa in eine schwere Rezession verfallen und darüber möglicherweise die EU auseinanderbrechen. Man muß daran arbeiten, dieses Szenario zu verhindern.
Auch die militärische Situation sollte man nicht unterschätzen. Die Republikanische Partei hat mit Trump klargestellt, daß sie für Europa keinen Finger rühren wird. Die Demokraten haben keinen Kandidaten für die nächste Wahl, also wird 2024 die Republikanische Partei wieder an die Macht kommen und das heißt, daß dann Europa auf sich gestellt ist.
Schließlich wies die Dame darauf hin, daß es nicht im Interesse der EU ist, wenn die ukrainische Regierung auf die große Pauke haut und sagt, sie werden keine Gebiete hergeben und auch die Krim wieder zurückerobern – das heißt Krieg auf Jahre hinaus, vor der Haustür der EU. Flüchtlinge, Energie- und Lebensmittelengpässe, und Zerstörungen, die eigentlich wer wieder reparieren wird?
Du hast ja selber einmal gesagt: Wer soll all das wieder aufbauen, was jetzt niedergebombt wird?

Will die EU gegen Rußland Krieg führen? Es zeigt sich schon bei den Sanktionen, daß die einige Staaten nicht wollen. Manche stellen sich offen dagegen, andere unterlaufen sie.
Will Deutschland gegen Rußland Krieg führen?
Will Polen gegen Rußland Krieg führen, auch wenn es von den USA dabei unterstützt wird? Kann Polen nach 2024 überhaupt auf diese Unterstützung zählen?
Und wie soll das alles finanziert werden?
Wer zahlt eigentlich die Waffen, die der Ukraine versprochen und teilweise auch geliefert werden?
Das alles bei sicherer Rezession hüben und drüben des großen Teiches …

Gegen diese Fakten nützen die ganzen moralischen Schreie nichts, daß man Putin einschränken muß, daß er verrückt ist usw.

Putin hat genau diese Situation schaffen wollen, wo sich Europa entscheiden muß. Und man muß sagen, die US- und europäischen Politiker haben ihrerseits auch alles dazu getan, den Krieg zu provozieren und damit die Frage der Wahrung der russischen Sicherheitsinteressen auf die Tagesordnung zu stellen.”

12 Gedanken zu “Frieden gegen Gebietsabtretungen?

  1. Deine Antwort halte ich für verkehrt und unangemessen. 
    1. unangemessen, weil du darauf verzichtest zu charakterisieren, was das für ein Standpunkt ist, der behauptet "man müsse Russland Gelegenheit geben, das Gesicht zu wahren." Das ist nämlich eine Beurteilung vom Standpunkt des Siegers, der das Problem wälzt, wie man mit dem Verlierer am sinnvollsten umzugehen hat. Die Antwort muss also lauten, dass man so einen Standpunkt der der Standpunkt einer Staatsgewalt ist lieber nicht einnehmen sollte.

    2. Warum manche meinen, man sollte Russland zugestehen das Gesicht zu wahren, liegt klat auf der Hand. Russland ist Atommacht und zwar eine die es mit Amerika aufnehmen kann. Die also in der Lage ist die Welt vollständig zu vernichten. Russland zu demütigen, es in eine Situation zu bringen, wo es sich existentiell bedroht fühlt, kann in der Tat schlecht ausgehen für die Welt. So banal ist das. 

    Da muss man (nicht schon wieder) einen Abgesang auf den Westen herbeiphantasieren. "Es hat sich unangenehmerweise herausgestellt, daß weder die USA noch die westeuropäischen Staaten mehr die Dirigenten des Weltgeschehens sind, sondern daß sie mächtige Gegenspieler haben."
    Wieso das denn? Also wenn sich etwas herausgestellt hat, dann das die USA immer noch die Dirigentin des Weltgeschehen sind. Wie kann man gegenteiliger Ansicht sein? Ja die USA haben mächtige Gegenspieler Aber dass die USA kein Dirigent mehr sind, kann man nicht wirklich behaupten. Mehr muss man  zu der gestellten Frage nicht sagen.

    "Putin hat genau diese Situation schaffen wollen, wo sich Europa entscheiden muß." Ach was. Europa hat sich längst entschieden. Und Putin weiß das.

  2. @Kehrer

    Diese Meinungsverschiedenheit ist nicht überraschend. Leute wie du glauben eben gerne an die Allmacht desjenigen Imperialismus, der zur Zeit des Kalten Krieges die Welt beherrscht hat. Es widerstrebt ihnen, zur Kenntnis zu nehmen, daß die eigene Herrschaft auf dem absteigenden Ast ist. (Was übrigens nicht heißt, — damit keine Mißverständnisse aufkommen –, daß von Seiten Chinas oder Rußlands etwas Besseres nachkommt.)

    Du meinst, es läge lediglich an der Atommacht Rußlands, daß Leute wie Kissinger zur Vorsicht mahnen.
    Der bringt ja nur eine Position zum Ausdruck, die andere auch vertreten, aber sie schicken gerne diesen Politpensionisten vor, um sich selber nicht in die Nesseln zu setzen.

    Dagegen ist zu sagen, daß die Atonmdrohung Rußlands von Anfang an im Raum stand. Daß die Position Kissingers jetzt aufkommt, ist eine Folge dessen, daß die westliche Wertegemeinschaft feststellen mußte, daß die Sanktionen erstens auf den Kriegsverlauf keinen Einfluß haben und sich zweitens ein großer Teil derr Welt ihrem Feldzug gegen Rußland nicht anschließt. Das betrifft nicht nur Indien und China, sondern auch den Rest der Welt. Darunter so wichtige Staaten wie die Türkei, Brasilien oder Saudi-Arabien.

    Damit werden sowohl den USA als auch ihrem Appendix EU die Grenzen ihres Einflusses aufgezeigt.

    Auch der Kriegsverlauf in der Ukraine zeigt, dß die Anfangserfolge der ukrainischen Verteidigung nicht dem Umstand geschuldet waren daß die ukrainische Armee so fit war, sondern daß die russische so schwach bzw. konfus war.
    Das hat sich aber inzwischen gegeben und bei aller absichtsvoll gestifteten Unklarheit über die endgültigen Kriegsziele ist sicher, daß Rußland kein Gelände mehr aufgeben und den Donbass und andere südliche und südöstliche Gebiete vollständig zu erobern vorhat. Die Küste des Asowschen Meeres wird nicht mehr hergegeben werden.

    …"man müsse Russland Gelegenheit geben, das Gesicht zu wahren." Das ist nämlich eine Beurteilung vom Standpunkt des Siegers, der das Problem wälzt, wie man mit dem Verlierer am sinnvollsten umzugehen hat.

    Man kann es auch anders sehen: Es ist die Position des Verlierers, der seine Niederlag als Sieg aussehen lassen will. Also gibt man sich großzügig und verständnisvoll. Solange es noch geht.
    Wenn in einem Monat der Donbass russisch ist und die russischen Truppen auf Saporoschje vorrücken oder es eingenommen haben, so schaut diese Position schon weniger gut aus.

    Selenskij gibt selber zu, daß die ukrainische Armee im Donbass in Bedrängnis ist. Dazu muß man wissen, daß die bisherige Grenze zum Donbass eine Art Maginot-Linie der Ukraine war, die in den letzten Jahren zu einer Verteidigungsbastion ausgebaut worden ist. Deswegen rücken die russischen Truppen so langsam vor. Aber die ukrainischen Soldaten sind immer weniger motiviert, der Nachschub an Freiwilligen läßt zu wünschen übrig, trainiert müssen die auch noch werden, und sogar die WP beklagt den Zustand der ukrainischen Armee.

    Die Aufgabe der Asowstahl-"Helden" hat auch die ukrainische Kampfmoral einen sehr negativen Effekt gehabt, und demgegenüber zeigen die Russen entgegen allen Prophezeihungen zu Trotz keine Abnützungserscheinungen.
    In den Donbass-Republiken sitzen angeblich rund 8000 ukrainische Kriegsgefangene und die Beratungen laufen, was mit ihnen geschehen soll. Austauschen will man sie derzeit anscheinend nicht — es gibt auch nicht annähernd so viele auf ukrainischer Seite. Teilweise wollen die auch gar nicht ausgetauscht werden, und die russischen Behörden versuchen sie derzeit mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche für ihren eigenen Standpunkt zu gewinnen.

    Das alles trägt zu einer gewissen Ernüchterung im westlichen Lager bei.

  3. Ja klar nestor. Ich glaube an die Allmacht des amerikanischen Imperialismus. Deshalb rolle ich auch drei mal am Tag meinen Gebetsteppich aus Richtung Westen, also Washington, und singe ein Hosianna.

    "Es widerstrebt ihnen, zur Kenntnis zu nehmen, daß die eigene Herrschaft auf dem absteigenden Ast ist."

    Genau, weil ich "meiner Herrschaft" (die mir gehört) auch immer so fleißig die Daumen drücke. Meine Güte, meinst du das Ernst oder tippst du nur irgendeinen Vorwurf ein, der dir gerade durchs Gehirn schießt. Oder hat dir die portugisische Sonne das Hirn ausgetrocknet. Ich bin ehrlich überrascht, wie man Angesichts des Ukrainekrieges zu dem Schluss kommen kann, der Westen sei auf dem "absteigenden Ast". Das Urteil mag ja stimmen – nur der Ukrainekrieg ist dafür wirklich kein Beleg. Du machst dir Illusionen, wenn du den Schwanengesang des Westens anstimmst. Deine Auffassung ist Wunschdenken, und nicht meine ein Ausdruck von Parteilichkeit.

    "Daß die Position Kissingers jetzt aufkommt, ist eine Folge dessen, daß die westliche Wertegemeinschaft feststellen mußte, daß die Sanktionen erstens auf den Kriegsverlauf keinen Einfluß haben und sich zweitens ein großer Teil derr Welt ihrem Feldzug gegen Rußland nicht anschließt."

    Nein. 1. Was ist das denn für ein "Zugeständnis" wenn Kissinger sagt, man solle die Krim Russland überlassen. Die war doch schon vor dem Ukrainekrieg russisch. Kissinger will Russland also etwas geben was es längst hat. Wie wärs mit Ostpreußen, das wär auch noch ein Gebiet, das man an Russland abtreten könnte, was es längst hat. Der Vorschlag Kissingers hat überhaupt nichts damit zu tun, wer sich hinter die USA stellt. Meines Wissens ist der Vorschlag zur Anerkennung der Krim als russisches Gebiet auch nicht neu. 2. Wird dem Kissinger-Vorschlag deutlich widersprochen. Heute habe ich im Deutschlandfunk den Pressestimmen gehört, in Kissingers Welt gäbe es keine Moral, sondern nur die Realität der Macht. (sinngemäß) Es wird auf das Münchner Abkommen 1938 verwiesen, das für die historische Lehre steht, dass man mit einem Diktator keinen Kuhhandel eingehen darf.

    "Das hat sich aber inzwischen gegeben und bei aller absichtsvoll gestifteten Unklarheit über die endgültigen Kriegsziele ist sicher, daß Rußland kein Gelände mehr aufgeben und den Donbass und andere südliche und südöstliche Gebiete vollständig zu erobern vorhat. Die Küste des Asowschen Meeres wird nicht mehr hergegeben werden."

    Und bei welchem Telefonat hat dir Putin das  persönlich versichert? Das weißt du doch nicht und selbst Putin höchstselbst kann das nicht wissen.

    "Also gibt man sich großzügig und verständnisvoll. Solange es noch geht."

    Da merke ich aber nicht viel von.

    "Wenn in einem Monat der Donbass russisch ist und die russischen Truppen auf Saporoschje vorrücken oder es eingenommen haben, so schaut diese Position schon weniger gut aus."

    Na wenn das so wäre, dass der Donbass in einer Woche russisch ist, braucht Russland ja nicht drauf einzugehen und der Westen bräuchte den Vorschlag nicht machen. Bisher wurde a l l e Vermittlungsversuchen und alle Kompromisse in den Verhandlungen durch die Anweisungen aus den USA zunichte gemacht.

    "Die Aufgabe der Asowstahl-"Helden" hat auch die ukrainische Kampfmoral einen sehr negativen Effekt gehabt, und demgegenüber zeigen die Russen entgegen allen Prophezeihungen zu Trotz keine Abnützungserscheinungen."  

    Deshalb gibt es in mehreren Ukrainischen Städten Freilandausstellungen mit zerstörtem russischen Militärgerät. "Nur ein toter russischer Panzer ist ein guter russischer Panzer" Und Abnützungserscheinungen gibt es auf russischer Seite zur Genüge, Verluste an russischen Truppen und Führungspersonal, zuhauf zerstörte russische Panzer und ein Flagschiff. Die Moral der russischen Soldaten soll von Anfang an nicht gut gewesen sein. Siehe der erste als Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haftstrafe verurteilte Soldat, der meines Wissen auf dem Weg in die Heimat war und auf Befehl Zivilisten erschoss, weil er das vertuschen wollte.

    "Das alles trägt zu einer gewissen Ernüchterung im westlichen Lager bei."

    Was heißt das schon. Das heißt doch bloß, dass sich der Kriegsrausch, die euphorische Kriegstreiberei ein bisschen abkühlt.
     

  4. President Biden on Friday declined to rule out Ukraine having to cede part of its territory to Russia in order to end Moscow’s more than three-month-old invasion.

    “Does Ukraine have to cede territory to achieve peace?” a reporter asked Biden (…)

    “From the beginning, I’ve said and I’ve been — not everyone’s agreed with me — nothing about Ukraine without Ukraine,” Biden began his answer. “It’s their territory. I’m not going to tell them what they should and shouldn’t do.

    “But it appears to me that at some point along the line, there’s going to have to be a negotiated settlement here,” the president added. “And what that entails, I don’t know. I don’t think anybody knows at the time. But in the meantime, we’re gonna continue to put the Ukrainians in a position where they can defend themselves.”

    https://nypost.com/2022/06/03/biden-says-ukraine-might-have-to-give-russia-land/

  5. "UNGEBILDET"
    Ex-Kanzler Kurz erntet für Aussage zu Ukraine-Krieg Kritik

    Sebastian Kurz sagte zum "Blick": "Noch jeder Krieg hat mit Verhandlungen ein Ende gefunden." Grüne, Neos und SPÖ werfen ihm mangelndes Geschichtswissen vor

    Ex-Kanzler Sebastian Kurz hat dem Schweizer Boulevardmedium "Blick" ein Interview gegeben und wurde dabei neben den Korruptionsaffären ("falsche Vorwürfe") und Comebackplänen selbstverständlich auch auf den Ukrainekrieg angesprochen. Tipps wollte er der Schweiz in Sachen Neutralitätspolitik dabei keine geben. Er habe die Schweiz jeher als Vorbild gesehen, sie habe ihre Rolle bereits vor Jahren gefunden. Er betonte die bekannte ÖVP-Linie, die zwischen militärischer Neutralität und moralischer Nicht-Neutralität unterscheidet.

    Kaum jemand habe mit so einem Angriffskrieg der Russen gerechnet, sagte Kurz. Der Ausweg daraus sei schwer: "Eine einfache Lösung gibt es nicht. Die Situation ist viel zu verfahren. Die gute Nachricht ist: am Ende des Tages hat noch jeder Krieg mit Verhandlungen ein Ende gefunden". Er hoffe, dass dies früher als später stattfindet, und setzt seine Hoffnungen dabei vor allem in den Istanbuler Prozess, der allerdings wie die Ukraine und Russland betonen aktuell quasi komplett zum Erliegen gekommen ist.

    (…)

    https://www.derstandard.at/story/2000136309558/ex-kanzler-kurz-noch-jeder-krieg-hat-mit-verhandlungen-ein

    Natürlich gab es einen Shitstorm gegen Kurz, aber man merkt: In Europa wächst die Müdigkeit mit diesem Krieg und seinen ökonomischen Auswirkungen.

  6. "Natürlich gab es einen Shitstorm gegen Kurz, aber man merkt: In Europa wächst die Müdigkeit mit diesem Krieg und seinen ökonomischen Auswirkungen."

    Na mal sehen. Wirtschaftsminister Habeck von den Grünen baut ja schon jetzt vor.

    "Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erwartet im Herbst und Winter große gesellschaftliche Auseinandersetzungen über die Folgekosten des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

    «Wir werden einen dramatischen Anstieg der Heizkosten erleben», sagte er in der ZDF-Sendung «Maybrit Illner». «Ob da dann die politischen Maßnahmen ausreichen, um gesellschaftlichen Frieden und das Gefühl, dass es fair in diesem Land zugeht, durchzuhalten, das wird die entscheidende Frage des Herbstes und des Winters werden. Da bin ich noch nicht ganz sicher», erklärte er auf die Frage, ob Deutschland bei der Unterstützung der Ukraine und den Sanktionen gegen den Angreifer Russland die Puste ausgehen könnte.

    Habeck wies darauf hin, dass mit zunehmender Kriegsdauer hierzulande ein Gewöhnungseffekt einsetzen könnte. Andere Themen bis hin zur Fußball-Bundesliga könnten die Empörung über die russische Aggression und die Gräueltaten verdrängen.

    Der russische Krieg und teils auch die Sanktionen der westlichen Staaten haben die Preise für Energie und in der Folge auch für andere Produkte bereits jetzt"

    Man merkt richtig. Ihn geht das alles nichts an. Heizen und fressen kann er sich allemal leisten. Zweitens will er das nicht. Er will den Kriegszustand aufrechterhalten und nicht klein bei geben und schwört schon jetzt die Bevölkerung darauf ein. Das wird noch lustig. 

  7. Für den neuen GSP ist ein dreiteiliger Artikel über die Kriegsgründe der wesentlich drei Kriegsparteien angekündigt worden. ('Die drei Gründe des Ukraine-Kriegs') Diesen gibt es zumindestens derzeit noch nicht online, – und angeblich soll sich das Hefterl insgesamt auch ein paar Tage verzögern.    https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/zeitschrift/gegenstandpunkt-2-22

    Aber eine Version des Russland-Teils ist nun aktuell schon in der jw veröffentlicht worden ( – und hat dort auch zu einigen Leserbriefen geführt -):

    Theo Wentzke:  Abweichler im Weltsystem
    Krieg in der imperialistischen Pax Americana. Russlands Gründe für seine »militärische Spezialoperation«

    https://www.jungewelt.de/artikel/428596.imperialismus-abweichler-im-weltsystem.html?sstr=Theo%7CWentzke
    https://www.jungewelt.de/artikel/print.php?id=428596

  8. Die Demontage der Kiewer Führung wird medial eingeleitet:

    Überraschende Informationslücke
    US-Geheimdienste wissen mehr über Putins Truppen als über die ukrainische Armee

    Kiew hält sich offenbar gegenüber den Amerikanern über den Kriegsverlauf bedeckt, schreibt die „New York Times “. Das könnte zu Problemen führen.

    Mit Waffen im Wert von vielen Milliarden Dollar unterstützt die USA die Verteidigung der Ukraine. Erst vergangene Woche hatte US-Präsident Biden bestätigt, das Himars-Raketensystem zu liefern, mit dem Geschosse mit einer Reichweite von mehreren Hundert Kilometern abgefeuert werden können.

    Überraschend dabei nach mehr als 100 Tagen Krieg: Laut der New York Times haben die US-Geheimdienste nur wenige Informationen über die Kriegsstrategie und geplante Operationen der Ukraine. Über das russische Militär sei deutlich mehr bekannt: Man wisse von Plänen, Operationen, Erfolgen und Niederlagen in Russland, sagen Beamte der New York Times.

    Auch die Chefin der US-Geheimdienste, Avril D. Haines, sagte bereits vergangenen Monat vor dem Senat aus: „Wir haben wahrscheinlich mehr Informationen über die russische Seite als über die ukrainische.“

    Die ukrainische Regierung habe Washington bislang nur wenige als geheim eingestufte Informationen über militärisches Vorgehen mitgeteilt. Auch Beamte aus der Ukraine gestehen ein, die USA nicht über alle Pläne zu informieren. Auf ukrainischer Seite gebe es die Sorge, dass russische Truppen die Informationen über militärische Strategien ausnutzen können.

    Die US-Geheimdienste konzentrieren sich vorrangig auf feindliche Regierungen, Russland sei seit 75 Jahren eine Priorität der amerikanischen Spione. In der Ukraine hingegen habe man sich darauf konzentriert, die Nachrichtendienste aufzubauen und nicht die Regierung auszuspionieren.

    Kurios ist eine andere Begründung: Auch schlechtes Wetter verhindere zum Beispiel die Fotoaufklärung mit Satelliten.

    Waffenbedarf der Ukraine sei schwer einzuschätzen

    Ihre Informationen über das geplante Vorgehen der Ukraine müssten sich die USA von anderen Staaten, von Ukrainern in amerikanischer Militär-Ausbildung und von Selenskyjs öffentlichen Äußerungen zusammensammeln, sagen US-Beamte der "NYT".

    Die dabei entstehende Informationslücke könnte es der US-Regierung erschweren, gezielt über die nötige militärische Hilfe zu entscheiden, schreibt die Zeitung. Es sei „schwer zu sagen“ wie viele Waffen die Ukraine tatsächlich brauche, sagt Geheimdienstchefin Haines.

    Laut Mitarbeitern aus dem US-Verteidigungsministerium gebe es jedoch ein zuverlässiges Vorgehen, um die richtigen Waffen an die richtigen Orte zu senden. Die Ukraine würde zunächst Waffen anfragen und die USA anschließend bewerten, welche Form der militärischen Hilfe gebraucht und tatsächlich zugesichert werden kann.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/ueberraschende-informationsluecke-us-geheimdienste-wissen-mehr-ueber-putins-truppen-als-ueber-die-ukrainische-armee/28415170.html

  9. In der ukrainischen Führung gibt es Brösel:

    Ein Mitglied des Sicherheitsrates, Alexei Danilov, wirft einem Berater Selenskis, Michail Podoljak, vor, er sei militärisch inkompetent, seine Wunschliste an Waffen an die USA entbehre jeglicher Grundlage und habe ihn früher bei den Saufgelagen von Janukovitsch gesehen (wo Danilov offenbar auch war).
    Gegen David Arachamia, der kürzlich über die hohen Verluste der ukrainischen Armee in den USA berichtet hat, wirft er vor, er täte Fake News verbreiten, weil er gar keine entsprechenden Infos habe, haben könne.

    Arachamia meldet hingegen, Ende August wieder Verhandlungen mit der russischen Seite aufnehmen zu wollen, wenn entsprechende Fakten geschaffen seien, um aus einer Position der Stärke argumentieren zu können.

    (KP, 19.8.)

  10. El País berichtet von einem großen Staatsbegräbnis in Kiew für den jungen Helden Roman Ratuschni.
    Gleichzeitig bestätigt es die hohen Verluste der Ukrainischen Armee.
    Gegenüber den von Arachamia und anderen geäußerten Todeszahlen von bis zu 300 täglich meint ein Militärexperte, es könne sich höchstens um 100 pro Tag handeln.
    (Auch recht viel, könnte man meinen. Dazu kommen noch die Verletzten.)

    Mit solchen Heldenbegräbnissen werden in Kiew Durchhalteparolen ausgegeben und gleichzeitig wird bei den westlichen Verbündeten um mehr Ausrüstung gebettelt.

    (El País, 19.6.)

  11. Stoltenberg sagt in einem Interview:

    „Das Wahrscheinlichste ist, daß dieser Krieg am Verhandlungstisch endet. Unsere Verantwortung besteht darin, zu garantieren, daß die Ukraine eine möglichst starke Position einnimmt und daß sie als europäische souveräne und unabhängige Nation bestehen bleibt. Dafür ist es das Beste, sie mit allen Kräften militärisch und wirtschaftlich zu unterstützen und harte Sanktionen gegen Rußland zu veranlassen.“

    (El País, 25.6.)

    Im Klartext:
    Wir sehen, daß die Ukraine nicht gewinnen kann.
    Wir wollen auch nicht mehr die nächsten 10 Jahre Krieg führen.
    Die Grenzen der Ukraine sind nicht mehr fix.
    Die Sanktionen, die wir bis jetzt durchgesetzt haben, taugen wenig gegen Rußland und schaden uns viel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.