Neue Pinnwand: Ukraine – Kriegshandlungen und die festgefahrene Offensive

ABNUTZUNGSKRIEG? IM OSTEN WENIG NEUES …

Hier ist genug Platz für die Meldungen von der steckengebliebenen Offensive der Ukrainischen Streitkräfte, Siegesmeldungen aus westlichen Medien, Waffenlieferungen, die zugesagt werden, usw.

Oder aber, Bedenken von Thinktanks und YouTubern, halbherzige Rufer in der Wüste, Forderungen nach mehr und besseren Waffen von ukrainischer Seite, usw.

150 Gedanken zu “Neue Pinnwand: Ukraine – Kriegshandlungen und die festgefahrene Offensive

  1. Waffenentwicklung:

    Von Bombendrohnen aus Pappe bis hin zu Langstreckenraketen: Neue Waffen ukrainischer Bauart zielen auf Russland ab

    Kiew ist bestrebt, eine Generation von Waffen innovativ zu entwickeln, um das Territorium der Eindringlinge zu treffen. Aus der Not eine Tugend zu machen, wird zum Mantra, wenn eine militärische Supermacht dich von der Landkarte tilgen will.
    Die Ukraine befindet sich seit 2014 im Krieg mit Russland, seit der Kreml den Separatismus in der Donbass-Region unterstützte und die Halbinsel Krim annektierte.“

    Auch dieser Krieg durfte übrigens nicht Krieg genannt werden, sondern er trug von ukrainischer Seite den Namen „Antiterroristische Operation“. Diesem Krieg sind nach OSZE-Angaben ca. 13.000 Menschen zum Opfer gefallen, nach russischen Angaben das Doppelte.

    „Die groß angelegte Invasion hat die Ukraine gezwungen, ihre Waffen schneller zu entwickeln, eine Entwicklung, die auf privater Initiative“ (???) „basiert, um billigere Waffen zu erhalten, die Abhängigkeit von ihren internationalen Verbündeten zu verringern und auch auf russischem Boden anzugreifen.

    Eine der bedeutendsten Veränderungen im Konflikt im Jahr 2023 besteht darin, dass die Ukraine den Krieg“ (auch) „nach Russland verlagert hat. Fast täglich werden ukrainische Drohnen auf militärische Ziele und Infrastruktur in Russland abgefeuert. Sogar Moskau, etwa 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, wird von Bombendrohnen heimgesucht.
    Die NATO-Verbündeten der Ukraine haben die rote Linie festgelegt, dass die von ihnen gelieferten Waffen nicht für Angriffe auf russisches Territorium eingesetzt werden dürfen. Aus diesem Grund nutzen die ukrainischen Streitkräfte Flugzeuge, die von ihren Unternehmen entwickelt wurden.

    Mindestens zwei Typen von Drohnen, die kürzlich in die ukrainische Armee integriert wurden, wurden als Teil des gegen Moskau eingesetzten Arsenals bestätigt. Dabei handelt es sich um die UJ-22-Drohne der Firma Ukrjet und die Bober (Biber), deren Hersteller nicht bekannt gegeben wurde. Die UJ-22 ist ein Aufklärungsgerät mit einer Reichweite von 800 Kilometern, das in eine Bombendrohne umgewandelt wurde. Die Bober hat eine Reichweite von 1.000 Kilometern und sein Preis liegt bei knapp 100.000 Euro. Die Morok (Finsternis) ist ein weiteres Gerät mit einer Reichweite von 1.000 Kilometern: Sie befindet sich in einem weniger entwickelten Stadium als der Bober, wurde aber bereits gegen Ziele auf der Krim eingesetzt.

    Bei einem weiteren in der Ukraine hergestellten unbemannten Fluggerät, das im August ans Licht kam, handelt es sich um Drohnen aus Pappe, die ihre Erkennung durch Radar erschweren und die Produktionskosten drastisch senken. Laut militärischen Quellen übersteigt der Preis die 3.000 Euro-Marke nicht.
    Bisher hatte die Ukraine Pappdrohnen des australischen Unternehmens Sypaq eingesetzt, doch der Ukrainische Sicherheitsdienst (SSU) versicherte, dass der Angriff am 27. August auf den russischen Luftwaffenstützpunkt Kursk mit einem eigenen neuen Modell erfolgt sei. Pappdrohnen können keine schwere Sprengladung tragen (bei Sypaq-Modellen sind es fünf Kilo).

    Beim Angriff auf Kursk war das Flugzeug mit Splitterminen bewaffnet, die in einem großen Radius kleine Projektile abfeuern, die das Ziel (in diesem Fall Bomberflugzeuge) zwar nicht vollständig zerstören, es aber beschädigen. Diese Drohnen können bis zu 150 Kilometer weit fliegen. Alles deutet darauf hin, dass sie von russischem Boden aus abgefeuert wurden. Die SSU versicherte, dass der Schlag gegen den Stützpunkt Kursk gemeinsam mit einer russischen paramilitärischen Gruppe gegen Wladimir Putin durchgeführt wurde.
    Der Geheimdienstchef des Verteidigungsministeriums, Kirilo Budanov, erklärte, dass die Drohnen, die am 30. August den 700 Kilometer von der Ukraine entfernten Luftwaffenstützpunkt Pskow angriffen, aus Russland abgefeuert worden seien.“

    Es handelt sich also um eine kombinierte Aktion aus Einsickern von Sabotage-Gruppen nach Rußland und Drohnenkrieg.

    „Der Hauptvorteil der ukrainischen Rüstungsindustrie gegenüber der russischen ist die Autonomie der Unternehmen und Militäreinheiten an der Front. Anfang September besuchte EL PAÍS eine geheime Drohnen-Entwicklungswerkstatt der 92. mechanisierten Brigade der Ukraine in der Provinz Charkiw.
    Der Leiter der Drohneneinheit, der das Pseudonym Gansk verwendet, betonte, dass das russische Industriemodell über einen größeren öffentlichen Haushalt verfüge. Aber da es sehr hierarchisch ist, verlangsamen sich Verbesserungen und Innovationen. Gansk veranschaulichte dies anhand von Beispielen dauerhafter Zusammenarbeit mit privaten Gruppen, die die Anpassung von Sprengstoffen an kommerzielle Drohnen oder sogar an Prototypen, die sie in ihrer Werkstatt entwickeln, wie beispielsweise zwei Einheiten aus Styropor, verbessern.

    Aber das Kronjuwel in der Werkstatt war eine Vampirе, eine große Sechs-Propeller-Drohne, die von einer Gruppe ukrainischer Unternehmen hergestellt und seit August massiv an der Front eingesetzt wurde (die Regierung gab bekannt, dass im August 270 Einheiten in Dienst gestellt wurden). Die Vampire kann 15 Kilo Bomben tragen, die auf das Ziel abgeworfen werden.

    Weitere strategische Drohnen, die regelmäßig auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden, sind die Shark, Höhenaufklärungsgeräte der Firma Ukrspectsystems, und kleine Drohnen der Firma Air Unit mit Frontalkameras, die häufig als Bombengeräte gegen Stellungen von Feinden an der Front eingesetzt werden.
    Air Unit erklärte diesen August gegenüber den ukrainischen Medien, dass ihr Ziel darin bestehe, die Effizienz dieser Geräte auf über 20 % zu steigern.
    Nach Angaben dieses Unternehmens haben die russischen Lancet-Bombendrohnen, die Referenzwaffe im Arsenal der Eindringlinge, eine Effizienz von 30 %.

    Laut The Economist treffen zwischen 35 und 40 % der ukrainischen Drohnenbomben ihre Ziele in Russland.

    Die erste selbst erzeugte Marschflugkörper

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelenskij hielt am 28. August ein Treffen mit seinem Kabinett und den wichtigsten nationalen Waffenproduzenten ab, um die Produktion zu »maximieren«.
    Zelenskij erwähnte die Produktion von Munition, Drohnen, gepanzerten Fahrzeugen und Raketen. Was Panzerung und schwere Waffen betrifft, so war es der große Erfolg der Ukraine, ihre selbstfahrende Haubitze Bohdana (= Gottesgabe) in Rekordzeit mit einer Reichweite von mehr als 40 Kilometern auf das Schlachtfeld zu bringen.
    In Bezug auf Raketen gab der Präsident selbst am 31. August die am meisten erwartete Nachricht für Kiew: Die erste ukrainische Marschflugkörper wurde bereits erfolgreich getestet. Laut Zelenskij traf die Rakete ihr Ziel in 700 Kilometern Entfernung.

    Dies stellt einen Sprung nach vorn in der militärischen Macht der Ukraine dar, denn bisher hat sie von ihren internationalen Verbündeten – mit Ausnahme der britischen Storm Shadow – keine Langstreckenwaffen erhalten, weil sie befürchtet, dass diese Raketen gegen russisches Territorium eingesetzt werden könnten.
    Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums kam es am vergangenen Mittwoch früh zu einem Angriff mit zehn Marschflugkörpern auf eine russische Werft in Sewastopol auf der Halbinsel Krim, bei dem zwei Kriegsschiffe beschädigt wurden.
    Mikola Oleschuk, Kommandeur der Kiewer Luftwaffe, deutete an, dass es sich bei den Marschflugkörpern um Storm Shadow handelte.

    Oleksii Danilov, Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine, versicherte am 2. September im Radio Ukraine, dass rasche Fortschritte erzielt würden und dass die Reichweite der nationalen Marschflugkörper in nicht ferner Zukunft »1.500 Kilometer auf russischem Territorium« betragen werde. »Sewastopol wartet, Kamtschatka wartet, Kronstadt wartet«, schrieb Danilov in seinen sozialen Netzwerken. (…)

    Ursprünglich wurde angenommen, dass diese Langstreckenrakete für die Zerstörung einer russischen S-400-Flugabwehrbatterie auf der Krim am 23. August verantwortlich sei. Vom nächsten von der Ukraine kontrollierten Gebiet bis zur S-400-Position waren es 170 Kilometer.
    Für Verwirrung sorgte Danilow selbst, als er bestätigte, dass bei dem Angriff eine »neue Rakete« eingesetzt worden sei. Militäranalysten und ukrainische Medien erklärten später, dass es sich bei dieser Waffe um eine Weiterentwicklung der ebenfalls ukrainischen Anti-Schiffs-Rakete Neptun handele, die jetzt für den Angriff auf Ziele an Land angepasst sei.

    Die Neptun ist eine der bedeutendsten Raketen, die die Ukraine in den letzten Jahren entwickelt hat. Die Fortschritte der verteidigenden Armee in der Seekriegsführung während der Invasion waren erheblich, da die russische Flotte das Schwarze Meer, den wichtigsten Handelsabsatz der Ukraine, dominiert. Zwei der kühnsten Aktionen der ukrainischen Sicherheitsdienste wurden von einer neuen vom Staat entwickelten nautischen Bombendrohne namens Sea Baby durchgeführt.
    Mit diesem Gerät gelang es im vergangenen Juli, die Kertsch-Brücke, die Hauptstraße, die die besetzte Halbinsel Krim mit russischem Territorium verbindet, teilweise zu zerstören.
    Eine dieser Drohnen legte im vergangenen August auch mehr als 400 Seemeilen (680 Kilometer) zurück, um das russische Schiff Olengorskii Gorniak im Hafen von Novorossijsk in der russischen Provinz Krasnodar zu treffen. Die Sea Baby wurde auch beim Angriff auf die Sewastopoler Werft am Mittwoch eingesetzt.“

    (El País, 15.9.)

  2. Gegenmaßnahmen:

    Russland bedeckt Bomber mit alten Autoreifen

    Eine Notfallmaßnahme soll die wertvollen russischen Flugzeuge wohl vor ukrainischen Drohnen schützen. An der Wirksamkeit gibt es aber erhebliche Zweifel

    Es ist ein Bild, das man wohl bei keiner westlichen Luftwaffe sehen würde: Riesige strategische Bomber – also jene Flugzeuge, mit denen Atomraketen abgeschossen werden können – stehen offen auf den Flugplätzen und sind auf ihren Tragflächen und Teilen des Rumpfs mit alten Autoreifen übersät. Zuerst war das Rätselraten im Westen groß, und man konnte sich keinen Reim auf die seltsamen Vorgänge auf der russischen Luftwaffenbasis Engels 2 machen. Doch im Lauf der Vorwoche tauchten immer mehr Satellitenbilder von solcherart »bereiften« russischen Flugzeugen auf.

    Längst wurden nicht nur die für Russland extrem wertvollen propellergetriebenen Tu-95MS (Nato-Codename: Bear) und die strategischen Schwenkflügelbomber Tu-160 Blackjack mit alten Reifen bedeckt. Auch deutlich kleinere Modelle wie Jagdbomber vom Typ Su-34 Fullback erhielten die seltsame Gummibehandlung. Fotos davon kursierten in einschlägigen Telegram-Kanälen. Laut CNN könnte es sich um einen plumpen Versuch handeln, die russischen Flugzeuge vor weiteren ukrainischen Angriffen zu schützen.

    Schutz vor Drohnenangriffen

    Kein Wunder, jüngst wurden sechs russische Regionen, darunter auch Moskau, angegriffen. Das war der größte Drohnenangriff auf russisches Hoheitsgebiet seit Beginn der Invasion in der Ukraine. In der Stadt Pskow, nahe der estnischen Grenze, wurden Berichten zufolge mehrere militärische Transportflugzeuge beschädigt, als Drohnen einen Luftwaffenstützpunkt angegriffen haben. Anfang August erklärte die Ukraine, sie habe Drohnenangriffe auf Stützpunkte tief im russischen Hoheitsgebiet durchgeführt. Das Ziel dürften die Bomber der russischen Luftwaffe gewesen sein. Bei diesen Angriffen dürfte mindestens ein Mittelstreckenbomber vom Typ Tu-22 zerstört worden sein.

    Kurz darauf tauchten die ersten Bilder von Flugzeugen mit darauf gestapelten Autoreifen auf. Laut Francisco Serra-Martins vom Drohnenhersteller One Way Aerospace ist die Maßnahme wohl eher von begrenzter Wirkung. Die Maßnahme sei zwar dazu angetan, unter Umständen die Wärmesignatur von Flugzeugen ein wenig zu verringern, aber exponierte Bomber seien immer noch mit Infrarotkameras gut sichtbar, meinte Serra-Martins gegenüber CNN.

    Wirkung unbekannt

    "Auch wenn es ziemlich albern aussieht, scheinen sie ihr Bestes zu geben, um die Flugzeuge, die ansonsten leichte Beute sind, aufzurüsten. Ob das funktioniert, hängt davon ab, welchen Sprengkopf die Rakete/Drohne hat", so Steffan Watkins, ein Open-Source-Forschungsberater, der Flugzeuge und Schiffe verfolgt.

    Watkins fügte hinzu, dass die Reifen verwendet werden könnten, um zu verhindern, dass die Splitter einer Explosion über dem Flugzeug die Hülle des Fliegers durchschlagen. Auch in Nato-Kreisen ist die vorherrschende Meinung, dass die Reifen wohl einen Schutz vor Drohnen bieten sollen. "Wir wissen nicht, ob das irgendeine Wirkung hat", wird ein Nato-Offizier zitiert. Wie man bei "The Warzone" zu bedenken gibt, stellen die Reifen wohl eine größere Gefahr für die Flieger selbst dar: Im Fall eines Brandes würde der Gummi sofort Feuer fangen. Selbst Leuchtmittel könnten schon zur Gefahr werden.

    Prorussische Kanäle sind besorgt

    Im prorussischen Telegramkanal "Fighterbomber" wird die ungewöhnliche Maßnahme ebenfalls heftig diskutiert. Anscheinend deutet der improvisierte Schutz auf einen Mangel an Luftabwehr sowie Personal hin, wird dort gemutmaßt. In dem Kanal wurde die Forderung laut, wonach Russland unverzüglich eine Kampagne zum Bau von Schutzräumen oder Unterständen auf öffentliche Kosten auf Flugplätzen nahe der Ukraine einleitet.

    Russische Luftfahrzeuge, egal ob Helikopter oder strategische Bomber, werden häufig einfach im Freien abgestellt. Während im Westen in Hangars Flugzeuge wie der Eurofighter nach jedem Flug minutiös durchgecheckt werden, parkt man in Russland das Fluggerät einfach draußen. Bei Kampfhubschraubern wie dem Ka-52 Alligator wird immerhin das Cockpit noch mit einer Plane abgedeckt, ansonsten ist das Material dem Wetter ausgesetzt.

    Zumindest ein Teil der beim russischen Angriff auf die Ukraine aufgetretenen Qualitätsprobleme beim eigenen Material dürfte zum Teil auf diese Form der Lagerung zurückzuführen sein. Auch am Militärflugplatz Engels 2 ist das nicht anders: Hier sind auf Satellitenbildern gut die im Freien geparkten strategischen Bomber vom Typ Tu-160 und Tu-95 zu erkennen.

    Die russische Luftwaffe musste seit Beginn des Angriffs auf die Ukraine starke Verluste hinnehmen. So gingen laut der OSINT-Plattform Oryx mindestens 105 Hubschrauber verloren. 89 Flugzeuge wurden ebenfalls zerstört. Darunter befinden sich drei strategische Bomber sowie vier Su-35S, die zu den modernsten Jets der russischen Luftstreitkräfte zählen.

    (Standard, 12.9.)

  3. Die russische Luftwaffe musste seit Beginn des Angriffs auf die Ukraine starke Verluste hinnehmen.

    Nicht ganz korrekt: Am Anfang des Krieges hat die russische Luftwaffe starke Verluste hinnehmen müssen. Damals hatte die Ukraine noch eine funktionierende Flugabwehr, zentral die geerbten S-300 Batterien, und eine eigene Luftwaffe. Danach hat sich die russische Luftwaffe praktisch aus dem Krieg rausgehalten. Erst nachdem die monatelange Luftangriffskampagne mit Drohnen und Cruise Missiles die ukrainische Luftabwehr weitgehend ausgeknocked bzw zum Verschießen der wenigen Abwehrraketen gebracht hatte, hat sie die russische Luftwaffe wieder getraut, Einsätze zu fliegen. Zumeist aber nur in Frontnähe mit Angriffen auf die ukrainischen  Fronttruppen.

  4. Nach russischen Angaben hat die russische Flugabwehr und Luftwaffe ca. 450 ukrainische Flugzeuge (ev. auch Hubschrauber) vernichtet.
    Deswegen besitzen die Ukrainer keine Luftwaffe mehr und warten auf die F 16, die schon von der Masse her kaum die zerstörten Fluggeräte ersetzen können.

  5. Deswegen besitzen die Ukrainer keine Luftwaffe mehr

    Stimmt nicht ganz. Ein paar Flugzeuge und sicher auch Hubschrauber werden die noch haben. Die Storm Shadows werden z.B. von den verbliebenen Su-24 Bombern abgefeuert.

    Die ukrainische Luftwaffe verfügte zu Beginn des Großangriffs am 24. Februar 2022 über rund 125 einsatzbereite Kampfflugzeuge, darunter etwa 50 Jagdflugzeuge vom sowjetischen Typ Mig-29 und 30 vom Typ Suchoi Su-27, berichtet „Forbes“. Hinzu kommen rund 30 Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-25 und etwa 15 Bomber vom Typ Su-24. Alle Kampfflugzeuge sind demnach sowjetische Modelle und mehr als 30 Jahre alt. Das jüngste Flugzeug (Su-27) stammt aus dem Jahr 1991. …

    Ein Sprecher des russischen Militärs hatte Ende August erklärt, die russische Armee hätte angeblich 278 ukrainische Kampfflugzeuge abgeschossen. Das ist weit mehr, als die Ukraine jemals gehabt hat.
    ————

    Als der russische Diktator und Kriegsverbrecher Wladimir Putin seine Truppen die Ukraine am 24. Februar dieses Jahres völkerrechtswidrig überfallen ließ, hatte die Ukraine noch zwischen 12 und 20 Su-24 verschiedener Versionen in Betrieb, die beim 7th Tactical Aviation Brigade “Petro Franko”. Diese Einheit verfügte über zwei Bomberstaffeln und eine Aufklärungsstaffel, die mit Su-24MR ausgerüstet war.

    In dem fast 10 Monate dauernden russischen Angriffskrieg wurden mindestens 11 ukrainische Su-24 abgeschossen, zahlreiche weitere durch die russischen Invasoren am Boden zerstört. Damit wäre davon auszugehen, dass die Ukraine rein rechnerisch über keine flugfähigen Su-24 mehr verfügt. Doch weit gefehlt. Denn die Verteidiger des von Russland überfallenen Landes versetzten einige eingemottete Flugzeuge in einen flugfähigen Zustand und nutzten etliche weitere abgestellte Maschinen als Ersatzteilspender, sodass die Su-24 sowohl in der Rolle als Aufklärer als auch in jener als Frontbomber weiterhin auf dem ukrainischen Schlachtfeld präsent ist, wie unter anderem dieses Video des OSINT-Netzwerkes vom August 2022 zeigt. Die ukrainischen Streitkräfte selbst veröffentlichten beispielsweise diese Cockpitaufnahmen auf einer Su-24 auf Feindflug.

    Wie lange das allerdings noch der Fall sein wird, ist unklar, denn im Gegensatz zur MiG 29, die ebenfalls in der Rolle des Erdkampfflugzeuges eingesetzt wird, kann die Ukraine bei der Su-24 nicht auf Nachschub aus befreundeten NATO-Ländern hoffen.

  6. In der Financial Times ist gestern ein langer Artikel erschienen:

    The hard lessons from Ukraine’s summer offensive
    The country’s military is enjoying some success but it will be slow-going and requires allies to increase ammunition supplies

    Der recht nüchtern feststellt, warum die große Sommeoffensive in die Hose gegangen ist und so endet:

    “Ukraine and Russia are in a slugging match where neither side has a decisive advantage. It’s going to be a long war and Ukraine is now in the messy middle part that happens in every major conflict,” says one senior western official.

    “Militaries very rarely deliver decisive outcomes, they win battles,” the official adds. In attritional conflicts such as this one, “it’s economies that win wars”.

    Aber wie soll denn dann die Ukraine den Krieg gewinnen können, wenn die NATO-Kriegsindustrien gar nicht mithalten können mit Rußland?

    Ukraine’s advantage will only persist if its western allies expand production of ammunition and reduce the number of artillery systems Ukrainian forces have to operate. It also needs more mine-clearing equipment and armoured vehicles to protect its infantry.

    Wohl wahr, nur bei Allem liegt doch Rußland vorn und nicht die NATO (die Ukraine selber ja sowieso nicht).

  7. @Neoprene

    Von wem ist denn der Text, der um 12 18 von dir gepostet wurde?

    Es ist immer eigenartig, wenn in irgendwelchen Texten gejammert wird, daß die ukrainische Offensive deshalb nicht vorankommt, weil sich die russischen Verteidigungslinien als stärker erwiesen haben als erwartet.

    Am 17. April war im El País ein ausführlicher Artikel zu diesen Verteidigungslinien, deren wichtigste Aussagen ich hier gepostet habe. Seit dem 2. Weltkrieg gab es solche Befestigungen nicht, und der Autor meinte, es wäre eine „titanische“ Aufgabe, da durchzukommen.

    Wenn der Korrespondent einer spanischen Zeitung das weiß, wieso haben das so viele Militärexperten nicht gewußt?

  8. An der Bakhmut-Front ist die Lage recht unübersichtlich. Beide Seiten behaupten schon eine ganze Weile, der anderen erhebliche Verluste zuzufügen. Laut russischem Verteidigungsministerium sind hier die ukrainischen (und sicher auch die russischen) Verluste die höchsten an der ganzen Front. Was zeigt, daß für die Ukraine das eigentliche Ziel der Offensive wohl gegessen ist, von Robotyne weiter nach Süden vorrücken zu können. Die 82nd Air Assault Brigade (eine der sogennanten Elite-Einheiten, bloß, weil die Rekruten ein paar NATO-Waffen in die Hand gedrückt bekomme hatten), die dort als letzte der Sturmbrigaden reingworfen worden war, soll dort wegen der hohen Verluste schon wieder abgezogen worden sein.

    Es zeigt, daß trotz der ernsten Vorhaltungen der USA, gefälligst endlich den Durchbruch nach Melitopol hinzukriegen, koste es was es wolle, die Ukraine nur darauf setzt, wenigstens irgendwo, egal, wo das ist, irgendeinen vorzeigbaren Erfolg zu erkämpfen. Und naheliegenderweise denken sie, daß sie das um Bakhmut, wo die Russen lange nicht so stark befestigte Stellungen haben wie um Robotyne, eher schaffen. Seit Mai versuchen sie dort, die Russen spektakular zurückzudrängen. Nur Erfolg hatten sie bisher eben nicht.

    Natürlich werden die russischen Truppen auch Verluste haben, einzelne Einheiten vielleicht sogar so hohe wie die ukrainischen. Im Schnitt aber wohl eher weniger: BBC/Mediazona sind z.B. zu dem Ergebnis gekommen, daß die russischen wöchentlichen Verluste mittlerweile so niedrig sind, wie seit Langem nicht mehr.

    Ja, Selenskyj schließt weiterhin jegliche Zugeständnisse an Rußland, jegliche Verhandlungen (sind ja durch ihn eh verboten worden) aus. Deshalb könnten die USA sich Gedanken machen, wer denn sonst solche Verhandlungen führen könnte, für die ist ja Selenkyj nun wirklich nicht unersetzlich.

    Allenhalben kann man jetzt lesen, daß bloß, weil die Ukraine drei Monate nicht gepackt hat, deshalb die Offensive noch lange nicht als gescheitert angesehen werden darf, denn die kann ja noch "ewig" fortgesetzt werden, notfalls eben auch noch oder wieder nächstes Jahr. Nur hat die Ukraine für sowas ja so gut wie gar keine Mittel mehr, ihre nehmen ja ab, Soldaten, Fahrzeuge, Panzer, Geschütze, Munition, während die russische Armee immer weiter aufrüstet und aufstockt. Wenn also die Offensive demnächst ergebnislos ausgelaufen sein wird, dann war das eben keine Niederlage, sondern nur eine kurze Atempause, alles andere wäre Defaitismus.

  9. In El País wird die oben von Neoprene gepostete Studie von Kofman und Lee hingewiesen und das ganze noch durch Interviews mit Soldaten an der Zaporozhje-Front ergänzt.

    In einen Panzer will sich keiner setzen – das ist ein Himmelfahrtskommando. Die sind sofort erkannt und leichte Beute für die russische Artillerie.
    D.h., die Leoparden und Challenger und Bradleys, sofern noch vorhanden, stehen irgendwo herum, wo sie geschützt sind, und warten auf bessere Zeiten.

    Wenn man bedenkt, was für ein Geschrei in den Medien um diese Panzerlieferungen war, und jetzt sind sie dort irgendwie Ladenhüter!

    „Volodymirs Hand zittert und seine Stimme auch. Er spricht mit Respekt über seine Gegner, ebenso wie die übrigen für diesen Bericht interviewten Soldaten. Dies bedeutet einen Wahrnehmungswandel bei den ukrainischen Truppen, die bis vor wenigen Monaten noch auf die schlechte Vorbereitung des Gegners bestanden. »Wir sehen, dass sie besser ausgebildet sind und jetzt über mehr Erfahrung verfügen. Und das Schlimmste ist, sie haben bessere Waffen, sie haben in ihren Schützengräben einfach alles«, sagt Volodymir: »Es ist nur notwendig, dass einer unserer Panzer, der versucht, den Weg frei zu machen, auf eine Mine auffährt, dann muß die gesamte Kolonne anhalten und im Handumdrehen werden wir mit tragbaren Raketen aus den Schützengräben, mit Drohnenbomben, mit Artillerie oder Luftfeuer zerstört.«

    Neben Volodymir spricht Serhij Kuk, ein Militärveteran einer Spezialeinheit, die seit 2014, also seit dem Krieg im Donbas, kämpft. Kuk – sein Codename – hat sich gerade von seiner siebten Wunde im aktuellen Krieg erholt.
    Für ihn war der klügste Schachzug des Kremls die Schlacht von Bachmut, (…) die Russland im vergangenen Frühjahr nach neunmonatigen Kämpfen eingenommen hatte: »Bajmut hat uns fertiggemacht.« Nach seiner Interpretation des Geschehens wurde die ukrainische Arme dort ausgeblutet, während die Russen dort praktisch Wagners Söldner verbrannten: »Und in der Zwischenzeit verstärkten sie die Verteidigung an der Südfront [die von Zaporozhje in Richtung des Asowschen Meeres].«
    Kuk bezeichnet die erste Phase der Gegenoffensive im Juni und Juli als katastrophal, bei der Dutzende gepanzerte Fahrzeuge verloren gingen, darunter auch solche, die von NATO-Verbündeten geliefert worden waren. (…)

    Alexánder Rose ist Mitglied der Spezialeinheit Tora.“ (Anscheinend ein Brite.) (…) „Das Problem sind nach wie vor die Minenfelder. Rose schätzt, dass auf jeden Quadratmeter fünf Minen, Panzerabwehr- und Antipersonenminen kommen. Die Tora-Gruppe hat sie in allen möglichen Modellen kennengelernt – und erlitten –, immer auf freiem Feld, damit die russische Artillerie ihre Arbeit zu Ende bringen kann.
    Rose betont, dass die Antipersonenminen mit Bewegungssensoren am schlimmsten sind: Es handelt sich um Minen mit einer Übertragung, die sie miteinander verbindet. Drei Minen bilden einen Umkreis, und wenn eine einzelne eine Bewegung von Menschen registriert, explodieren sie gleichzeitig und feuern Schrapnelle in einem Radius von bis zu 12 Metern ab. »Sie sind so kalibriert, dass sie erkennen, ob es sich um die Bewegung eines Menschen, eines Tieres oder eines Fahrzeugs handelt, und sie explodieren nur, wenn sich Menschen in ihrem Aktionsradius befinden«, sagt Rose.

    Die ukrainischen Streitkräfte haben die erste Verteidigungslinie bereits durchbrochen und stehen nun vor der zweiten von insgesamt drei Verteidigungslinien, die die Stadt Melitopol, das Ziel der Gegenoffensive, schützen.
    Analysten und Militärangehörige im Einsatzgebiet sind sich einig, dass die zweite Linie die schwächste ist, es besteht jedoch Uneinigkeit darüber, was danach kommt. Das Institute for the Study of War, ein amerikanisches Analysezentrum des Konflikts in der Ukraine, zitierte am 7. September Jevhen Dykyj, einen renommierten pensionierten ukrainischen Offizier, mit der Aussage, dass die dritte Linie die schwächste sei, weil »sie Kommandoposten, Lagerhäuser und Unterstützungsposten für die beiden vorherigen enthält.«“

    Da wird wieder Propaganda gemacht in der Art: Nur noch ein bißl anstrengen, und wir sind bald durch!
    Weil falls die Ukrainer jemals über die zweite hinauskommen – derzeit macht die Bresche bei Rabotino ca. 10 Quadratkilometer aus – so wird die dritte Linie natürlich voll befestigt sein. Bei dem bisherigen Tempo gibt es wirklich genug Zeit.

    „Hochrangige ukrainische Kommandeure teilten dem Guardian außerdem mit, dass Moskau 80 % seiner Kapazität den ersten beiden Linien zugewiesen habe.“

    Erinnert irgendwie an das Schlaraffenland – man muß durch die anfänglichen Hindernisse durch, nachher kommt dann die sogenannte g’mahte Wies’n.
    So werden die Medien und die eigenen Leute mit Durchhalteparolen gefüttert.
    Bei den wirklichen Profis greift das nicht:

    „In einem Interview mit The Economist vom 6. September warnte Trent Maul, Analysedirektor des US-Geheimdienstes, vor dem Gegenteil: Die letzte Verteidigungslinie werde wahrscheinlich die komplizierteste sein, weil dort die meisten Ressourcen vorhanden seien, da sie den logistischen Versorgungswegen aus Russland näher sind.
    Rose ist derselben Meinung: »Wenn wir auf der ersten Linie auf 70 % des russischen Potenzials gestoßen sind, sind es auf der zweiten Linie 40 %. Im dritten wird 100 % seiner Leistung vorhanden sein.«“

    Man fragt sich, warum sie dann an der 2. Linie so festsitzen, wenn die ohnehin kaum vorhanden ist?

    „Die Geheimdienste des britischen Verteidigungsministeriums berichteten am Sonntag, dass russische Truppen ihre Verteidigungsanlagen in der 16 Kilometer von der Front entfernten Gemeinde Tokmak weiter verstärken, um sie zur Hauptbastion der zweiten Verteidigungslinie zu machen.
    Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Hindernisse werden auf die Ukrainer stoßen.“

    Eben.

    „Der Economist zitierte einen Vertreter der US-Regierung, der schätzte, dass die Gegenoffensive in der Ukraine noch sechs Wochen Zeit habe, bis die Regenfälle im Herbst und Winter beginnen. Der Regen erschwert die Bewegung der Panzer und anderen Fahrzeuge, und die Kälte verringert die Kampffähigkeit der Infanterie.
    Zelenskij erklärte, dass nichts davon das Vorankommen aufhalten werde. »Im Winter werden wir weiter kämpfen und sie schlagen, um sie zu demoralisieren«, fügt Rose hinzu.
    Sie haben keine andere Wahl.
    Melitopol ist noch 70 Kilometer von den ukrainischen Streitkräften entfernt. Wenn der Durchschnitt von 100 Metern pro Tag beibehalten würde, wäre die Stadt in zwei Jahren erreicht, – eine Zeit, in der sich nur wenige in der Ukraine und auch in ihren verbündeten Ländern für die Fortsetzung des Krieges wünschen.“

  10. die Leoparden und Challenger und Bradleys, sofern noch vorhanden, stehen irgendwo herum, wo sie geschützt sind, und warten auf bessere Zeiten.

    Nein sicherlich nicht. Wie auch die anderen älteren NATO-Panzer werden jetzt diese Panzer auch als Artilleriegeschütze eingesetzt. Gerade der Challenger 2 mit seiner gezogenen 120-mm-Kanone L30 ist dafür ja nicht ungeeignet. Er verschießt halt nur 120mm-Granaten und keine 155mm.

    Die ukrainischen Streitkräfte haben die erste Verteidigungslinie bereits durchbrochen und stehen nun vor der zweiten von insgesamt drei Verteidigungslinien

    In der Definition, was denn nun die diversen Linien der Surovikin-Befestigungen sind, da sind Westmedien immer sehr großzügig. Auf jeden Fall stehen sie kein bißchen weiter als in den Trümmern von Robotyne and bis Melitopol ist es vo nda nun wirklich noch weit.

    Analysten und Militärangehörige im Einsatzgebiet sind sich einig, dass die zweite Linie die schwächste ist,

    Sind sie das? Man wird es vielleicht nicht mal mehr sehen, denn es sieht so aus, als ob der Offensive der Ukraine da schon die Puste ausgegangen ist, der Rückzug der 82ten Brigade spricht ja eher dafür.

  11. Aha.

    Die Mängel an Munition und die Mängel der Panzer werden also jetzt so eingesetzt, daß sie einander ergänzen bzw. aufheben sollen.
    So richtig nach Durchbruch oder Erfolgsstory wirkt dieses Notnagelsystem nicht. surprise

  12. Neues Protokoll zum  Jour Fixe vom 11.09.2023 – Zwei Kapitel aus der Kriegs-Chronik aus der Ukraine (GS 2-23):

    1. Sachliche Auskünfte über die Schlacht um Bachmut und

    2. Lawrow in New York: Russland verletzt nicht die Prinzipien der UNO, sondern verteidigt sich und die Welt gegen den westlichen Imperialismus

    (…)  startet mit Zitaten aus unterschiedlichen Presseorganen. Was das für eine Schlächterei und ein Gemetzel ist, kommt darin einerseits vor. Andererseits befasst er sich so mit dem Thema, dass das Gemetzel als solches sowie die Frage nach dem Grund dafür nicht vorkommt. Stichworte aus den Zitaten sind: Es handle sich um eine „reine Materialschlacht“, man habe einen „Stellungskrieg“ vor sich, einen „Abnutzungskrieg“. Was ist das für eine Tour, sich so mit dem Krieg zu befassen – eine Tour, die der Artikel als „die Fachwelt weiß das einzuordnen“ kennzeichnet? (…)

    https://de.gegenstandpunkt.com/sites/default/files/jf-protokolle/jf230911-Kriegschronik%202.pdf

    —-

    weitere Hinweise:  https://de.gegenstandpunkt.com/jfp/jf-protokolle

    https://de.gegenstandpunkt.com/sites/default/files/jf-anhang/gs232-gegenoffensive-endfassung.pdf

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/kampf-um-organisation-welt-antirussische-front

  13. Ja, was ist denn da los?! surprise

    Die New York Times weist darauf hin, daß die Rakete, die neulich in einen Markt im Konstantinowka – bei Bachmut – geflogen ist und 16 Personen getötet hat, von ukrainischen Truppen abgefeuert worden ist.

    Vorher wurde dergleichen nie auch nur in Frage gestellt, da war immer klar, daß das „die Russen“ waren – obwohl die russische Seite wiederholt darauf hingewiesen hat, daß z.B. in Kramatorsk oder in Charkow ukrainische Raketen am Werk waren und nicht russische.

    Die NYT entschuldigt es so, daß es vermutlich „ein Versehen“ war und die BUK-Abschußrampe – immerhin noch sowjetisch! – vielleicht schlecht funktioniert hat.
    Aber es ist ein Hinweis darauf, daß die westlichen Medien – zumindest in den USA – ab jetzt möglicherweise nicht so bereitwillig ukrainische Stories übernehmen werden …

  14. Ich habe mir gerade das Transcript der Pressekonferenz von Ausin und Milley in Ramstein durchgelesen.

    https://www.defense.gov/News/Transcripts/Transcript/Article/3530900/secretary-of-defense-lloyd-j-austin-iii-and-chairman-of-the-joint-chiefs-of-sta/

    Das klingt fast schon wie ein Abgesang auf die Ukraine. Keinerlei konkrete Versprechen, was weitere Waffen abgeht, insbesondere kein Wort zu ATACMS oder Taurus. Selbst auf Nachfrage nicht. Da kam wie üblich nur, daß Flugabwehr doch so viel wichtiger sei. Zur großen ukrainischen Offensive kamen wieder nur so Sprüche, daß sowas eben nicht so läuft wie in Planspielen vorher gedacht usw., natürlich keinerlei Eingeständnis, daß die Sache eigentlich vergeigt ist. Erstaunlicherweise hat General Milley sich noch nicht mal mehr, wie sonst üblich, mit (ukrainischen) Zahlen über russische Verluste geäußert.

    Was aber wiederholt wurde, war die Standardformel:

    "Our commitment to Ukraine as a free, independent and sovereign nation, with its territory intact, remains as ironclad as ever."

    Was Biden ja auch gerade in der UN-Vollversammlung vorgetragen hat:

    If we allow Ukraine to be carved up, is the independence of any nation secure? …

    That’s why the United States, together with our allies and partners around the world, will continue to stand with the brave peopel of Ukraine as they defend their sovereignty and territorial integrity and their freedom,

    Klingt eigentlich gar nicht, als ob die Biden-Regierung schon umgeschwenkt wäre auf Freezing.

  15. Es werden irgendwie fertige Textbausteine eingesetzt und im Geheimen gehofft, daß die Front noch eine Zeitlang hält.

  16. Wieder ein kurzer Bericht über erneute vergebliche Versuche der ukrainischen Streitkräfte, den Dnjepr bei Cherson zu überschreiten, indem Leute auf Himmelsfahrtskommandos auf Dnjepr-Inseln geschickt werden.
    Angeblich stehen nach einer Befehlsverweigerung jetzt polnische Söldner dort und zwingen die Ukrainer unter vorgehaltenem Gewehr zum Vormarsch.

    Die werden dann dort mit russischen Flammenwerfern des Systems „Sonnenschein“ plattgemacht.

    (KP, 19.9.)

    Vorher wurde weiter oberhalb am Dnjepr ein kleines Dorf am Ostufer durch ukrainischen Beschuß in ein Ruinenfeld verwandelt, mit einem Toten und zahlreichen Verletzten als Folge.
    Scheint eine Art Ersatzbefriedigung zu sein, weil sie über den Fluß nicht hinüberkommen.

    (KP, 19.9.)

  17. Ukraine:
    Kann Deutschland Deserteure ausliefern?

    Wie steht es um wehrpflichtige Männer aus der Ukraine, die trotz Verbot während des Krieges das Land verlassen und in Deutschland Zuflucht gefunden haben? Können sie an die Ukraine ausgeliefert werden?

    (…)

    (DW, 14.9.)

    Eher nicht, meinen die von der Verfasserin interviewten Juristen.

    Aber daß die Frage thematisiert wird, zeigt, daß den deutschen Behörden zunehmend unwohl ist in Betrachtung der Lage in der Ukraine …

  18. Vor der am 1. Oktober beginnenden militärischen Registrierung von Frauen mit medizinischen oder pharmazeutischen Fachrichtungen in der Ukraine fliehen Pharmazeutinnen in Scharen, berichtet das Portal Strana unter Berufung auf die Leiterin der Vereinigung Pharmrada Elena Prudnikowa.

    „Die Apothekenbesitzer sind in Panik, die Leute kündigen und reisen nach Europa ab, bevor die Grenzen für sie geschlossen werden. Wer arbeiten wird, ist eine offene Frage, zumal es in der Branche bereits eine schwere Krise gibt“, so Prudnikowa gegenüber dem Portal. Ihren Angaben zufolge haben in den letzten zwei Wochen Tausende von Apothekerinnen überstürzt gekündigt.

    (Anti-Spiegel, 24.9.)

  19. ≤Militärexperte Reisner: Ukrainische Teilerfolge überschätzt

    Die Teilerfolge der Ukraine bei ihrer Gegenoffensive gegen das russische Militär werden nach Experten-Ansicht überschätzt. »Einzelne Verteidigungslinien der Russen werden verlustreich überwunden, aber es kommt bisher nie zu einem echten Dammbruch«, sagte der Ukraine-Experte des österreichischen Bundesheers, Markus Reisner, der Deutschen Presse-Agentur. »Es müssten alle Alarmglocken schrillen, dass nach 117 Tagen Gegenoffensive noch kein operativer Durchbruch gelungen ist.«

    Insgesamt erhalte die Ukraine zu wenig Kriegsgerät, auch um sich gegen die russischen Luftschläge im Hinterland zu wehren.“

    Das liegt auch daran, daß die Russische Armee offenbar die Patriot-Raketen ausgeknockt hat und es mit dem Nachschub übel aussieht.

    „»Nur mit einer verstärkten Fliegerabwehr wären Treffer auf die kritische Infrastruktur zu minimieren.« Sollte erneut die Stromversorgung des Landes schwere Schäden davontragen, breche das Rückgrat auch für die Rüstungsproduktion weg.“

    Hier erfährt man einmal, beinahe nebenbei, warum die Stromversorgung der Ukraine Angriffsziel ist.

    „»Eigentlich müssten jede Woche vier bis fünf voll beladene Güterzüge mit Kriegsmaterial in die Ukraine rollen«, sagte Reisner.“

    Von wem, fragt man sich? Das kostet ja alles einen Haufen Geld.

    „Während die USA sich sehr bewusst über die schwierige Lage seien, »ist Europa dabei, den Moment zu verpassen, an dem wir es nicht mehr im Griff haben und die Situation zugunsten der Russen kippt«, so der Oberst.
    Die Verbündeten der Ukraine hätten ihre Versprechen über Kriegsgerät nur teilweise erfüllt.“

    Als die Versprechen abgegeben wurden, kursierten ja so Gerüchte, daß den Russen in Kürze die Raketen ausgehen werden.
    Da rechnete man nicht damit, wie schnell das ganze gelieferte Kriegsgerät plattgemacht sein wird.

    „Auch die Wirksamkeit zum Beispiel der Leopard-2-Panzer sei weniger groß als erwartet. Von den etwa 90 gelieferten Panzern dieses Typs sei mindestens ein Drittel zerstört oder beschädigt.“

    Mindestens.

    (Standard, 29.9.)

  20. Ukraine Is Still David. Russia Is Still Goliath.

    One of the most important things to do when writing and thinking about the course of a war is the hardest for a journalist — it’s to wait. Don’t say anything and watch events unfold. When analyzing or covering a conflict, there are some things that are immediately apparent — like the failure of a Russian missile attack over Kyiv, or Ukraine’s urgent military need for better fighter aircraft — but other seemingly simple questions are surprisingly difficult to answer.

    When I traveled to Ukraine in May, I could see missile attacks firsthand, the vital role of Western equipment in the war effort and the remarkable courage of the Ukrainian people. But there were other things I saw that I couldn’t process immediately. I was there in the weeks before the Ukrainian counteroffensive, and while I was struck by the Ukrainians’ resolve, I was also struck by something else: a sense that the Ukrainians were, if not actually pessimistic, deeply sobered by the scale of their military challenge.

    Why would Ukrainians feel this way? After all, the Ukrainian military has outperformed virtually every informed prediction of its combat capability. It has thwarted Russia’s initial military objectives, recovered 54 percent of the territory seized by Russia since the beginning of the war and inflicted staggering losses on the Russian military in both material and manpower.

    Now, months into a counteroffensive that has struggled to regain the smallest amount of territory — for which Ukraine has paid a high toll — I see why. Ukrainian leaders weren’t spinning me when they tamped down expectations of military success. They were sharing genuine concerns. After more than a year of combat, Ukrainians know that, absent overwhelming Western support, they are David fighting Goliath. Russia still possesses immense, inherent advantages, and despite all their early success, Ukraine could still lose the war.

    To understand where we are now, I thought I’d walk through the questions I receive when I talk about my time in Kyiv and the war more broadly. My answers are based on conversations with high-ranking Ukrainian officials, current and former American officials, current and former members of the American military and tracking open-source information on troop movements and tactics wherever I can.

    The most recent Ukrainian counteroffensive has been underway for months. Why hasn’t it made substantial progress?

    In hindsight, the better question is perhaps: Why did we think it would? Ask a NATO general to attack a massively fortified defensive line without air superiority, without overwhelming superiority in artillery and without clear superiority in numbers, and the first question he’s likely to ask is: Can we wait to attack until we at least obtain superiority in one of those categories? Or perhaps two? I’d really love to wait until we have all three.

    I fear that Ukraine’s past performance — including repelling the initial Russian attack on Kyiv and the rapid advances in the following months — had made us unrealistic about future results. We were hoping for similar advances in the face of much more formidable prepared fortifications. That was unrealistic, and it’s clear to me that the Ukrainian officials I talked to in May were plainly worried that the West was expecting too much.

    But I’m reading that Ukraine is finally making some real gains. Can a breakthrough still happen?

    Maybe, but don’t count on it. It is absolutely the case that armies can be pushed to the breaking point and gradual success can eventually yield dramatic gains. After D-Day, for example, the allies slogged through the hedgerows of Normandy for weeks under nightmare conditions before finally breaking out.

    But there’s a danger in that notion. It can lead commanders to push offensives for too long, to push soldiers and armies past the breaking point in the belief that a true breakthrough is just around the corner. Historical analogies can be imperfect, but think of the German spring offensives in 1918, toward the end of World War I. The German army delivered blow after blow to the allies, made limited gains, but bled itself dry in the process, rendering it vulnerable to the immense allied offensives that won the war in the late summer and fall.

    So you’re saying Russia can still win?

    Yes. To be clear, I don’t see anything like a general Ukrainian collapse unfolding, or anything like a Russian blitzkrieg to victory, even if the Ukrainian counteroffensive proves too costly for Ukraine. Much of the Russian army’s striking power has been destroyed.“

    Sehr unwahrscheinlich. Diese Behauptung wird durch nichts untermauert. Es scheint sich um Wunschdenken zu handeln.
    Diese Art von Logik zieht sich durch viel mediales Blabla: Die Russen sind geschwächt, sonst würden sie ja angreifen. Die Russen sind schwach, deshalb machen sie keine Eroberungen.
    Eine Art Sich-Mut-Machen angesichts mangelnder Erfolge.

    „But it is not hard to see the combination of a shift in momentum on the battlefield, combined with the prospect of waning Western support, that could perhaps lead to a form of defeat even more consequential and demoralizing in some ways than the original Russian plan to conquer Kyiv in a matter of days.

    What was once supposed to be a lightning Russian attack has turned into a grim contest of wills, and while Ukrainians are willing to fight, they will be unable to hold Russia back without continued Western support. That means a Russian victory over Ukraine would also constitute a victory over the United States — and a stunning reversal of fortune for Vladimir Putin after the colossal miscalculations of his initial plan.

    If Ukraine were forced to sue for peace even if it retains, for example, control of Kyiv, then it’s easy to imagine the fall of Volodymyr Zelensky, a restoration of Russian dominance in Ukrainian affairs and a battered Russian military regaining its prestige. After all, it will have won in the classic Russian way: by enduring more than its adversary could withstand and slowly grinding it into defeat — a catastrophic result for American security, the Western alliance, Ukrainian independence and the international order.

    Is there a scenario for Ukrainian victory?

    Also yes, but only if Western aid continues to flow. Ukraine is in the midst of an incredibly difficult task: It’s integrating a host of new weapons and tactics into an army that is already fighting for its life. Problems were inevitable. As The Times reported last month, Western-trained brigades have stumbled in battle. Ukraine’s way of war is different from the NATO way of war, and the most logical way of approaching the conflict is by achieving synthesis between the two methods, not by entirely overhauling Ukrainian tactics, especially when the Ukrainian army is fighting with a fraction of NATO’s capabilities.

    At the same time, a competent Republican Party could make a strong case that the Biden approach itself has hamstrung Ukraine — by providing stepped-up aid slowly, often after weeks and months of Ukrainian pleading. Ukraine would likely be in a substantially better position if it had received F-16s, Abrams tanks and ATACMS missiles sooner, and in greater numbers.

    Yet it is still true, in spite of these missteps, that the combination of Western arms and Ukrainian valor is proving incredibly potent on the front and beyond. With the exception of the Russian capture of Bakhmut earlier this year, its army has lost considerable ground since its initial offensive culminated in the spring of 2022. There’s an argument that as long as Ukraine retains Western aid, incorporates steadily more Western arms into its military and continues to evolve, it can, in fact, slowly but steadily push the Russians back. Maybe, just maybe, it can even cause a sudden collapse.

    What do you think will happen?

    I think some form of stalemate is the most likely outcome. And by »stalemate« I mean something short of Kyiv suing for peace or Ukraine pushing Russia entirely out of its territory. Instead I mean something that looks like Korea, where the back and forth of attack and counterattack eventually grinds down into something resembling a stable, static line of defense.“

    Das ist inzwischen die Hoffnung, um nicht der Perspektive einer ukrainischen Niederlage ins Auge sehen zu müssen. Man wird also versuchen, der Ukraine so viele Waffen zu geben, daß sie die Front halten können.
    Allerdings müssen sich dafür auch genug Verteidiger finden …

    „But there are good stalemates and bad stalemates. The Korean War, in fact, provides an illuminating example. North Korea utterly failed in its drive to unify the peninsula, and while U.N. forces were driven back from the North by Chinese divisions, the resulting armistice left the South free, protected by the United States, and ultimately created the conditions that have built the nation that exists today — one of the most economically and culturally dynamic countries in the world.

    That’s what a good stalemate can look like for Ukraine — yes, Russia might retain some territory in the east, but the vast majority of Ukraine that would remain in Ukrainian hands would be free, independent and on the road to joining NATO. In 10 years, it would still be armed to deter Russia, but its future would look more like South Korea’s than, say, Belarus’s.“

    Das ist aber jetzt wirklich sehr abgehoben von den tatsächlichen Gegebenheiten.
    Aber offensichtlich gibt es in der Ukraine Politiker und Militärs, die an so etwas glauben wollen.

    „A bad stalemate would mean Russia not only retains a large chunk of Ukrainian territory but also that the threat of renewed hostilities would cow both Ukraine and the West, creating the conditions for the Belarus scenario, an ostensibly independent nation that exists under the Russian thumb. A bad stalemate like this one would ultimately be no stalemate at all, but rather a slow-motion Russian victory that leaves Putin (or his successor) stronger, Ukraine subjugated and the West likely divided and uncertain.

    If a stalemate is probable, why not push for peace now?

    There are two quick answers to that question. First, there’s no indication that either party believes that the conflict is stalemated on present lines, and if the West actually tries to stalemate the conflict by, say, withholding the weapons Ukraine needs to press its offensives and repel additional Russian attacks, it makes peace less likely, not more. In other words, weakness will not result in Russian magnanimity.“

    „Witholding weapons“ – ! Da werden überall die Lager geleert und die eigenen Bestände dezimiert und der Mann spricht von einer möglichen „Zurückhaltung“ bezüglich der Lieferung von Waffen, die anscheinend reichlich bei allen NATO-Staaten vorhanden sind.

    „In one of the most insightful conversations I had while I was in Ukraine, a senior Ukrainian government official told me that Putin’s theory of victory depends on pushing as hard as he can

    – das ist überhaupt nicht die russische Strategie. Die heißt derzeit: „dagegenhalten“ –

    „and then waiting on elections in the West. A Western demand for peace on present lines would be a vindication of his strategy. A Western concession that Ukraine won’t enter NATO (or that it won’t offer other substantial security guarantees) would be seen as an ultimate vindication of his initial attack. Absent security guarantees, Ukraine will likely slowly re-enter Russia’s orbit, even in the absence of another war.

    In other words, while David might be able to win once against Goliath, if we let David remain David — utterly alone against a much larger foe — it’s only a matter of time before David falls.“

    Plädiert damit der Autor für den III. Weltkrieg?

    „One final note: Remember that everything written about Ukraine is written in the fog of war. This war has been one of the most photographed conflicts in world history. We often have near-instant access to 4K video straight from the front. But our micro-view of individual engagements can obscure macro truths and overall trends. Wars can surprise even the most seasoned observers, but for right now, one thing is clear: Ukraine’s surprising initial success has given way to a slow, grinding conflict, the outcome of which is very much in doubt.“

    (New York Times, 28.9.)

  21. Plädiert damit der Autor für den III. Weltkrieg?

    Ja, viele der pro-Ukraine-Schreiber und Politiker, die den drohenden Untergang des Landes an die Wand malen, wollen damit die NATO und vor allem die USA dazu bringen, ganz groß in den Krieg einzusteigen, koste es was es wolle. Dann heißt es auch schon mal, daß Rußland ja nur blufft und ein Papiertiger sei, denn man nur umpusten bräuchte mit einer gewaltigen Armada von NATO-F-16 und was man dann natürlich noch so Alles bräuchte. Wer Angst hat vor dem Dritten Weltkrieg, der verspielt nur die Ukraine und die Weltstellung der Freien Welt. Augen zu und durch!!

  22. Noch ist es zum Glück nicht so weit:

    Zelenskij hat die Versuche einer »Gegenoffensive« endgültig aufgegeben: Die USA und Großbritannien bereiten einen neuen Einsatz der ukrainischen Streitkräfte vor

    Im Einvernehmen mit seinen Betreuern aus den USA legte Kiew zwei Richtungen für neue Angriffe fest: Zaporozhje und Cherson“

    Was das wohl heißt? Weil eine Offensive bzw. Angriffstätigkeit ist ja nach wie vor vorgesehen, nur eben nicht auf der ganzen Front.
    Wenn aber diese Schwerpunkte festgelegt werden, was wird dann aus den restlichen Frontabschnitten? Werden die geschwächt?

    „Am Samstagabend veröffentlichten fast alle großen russischen Medien Informationen, wonach Zelenskij zwei Richtungen für die Führung der Streitkräfte der Ukraine für eine neue ukrainische Offensive“ (aha, doch noch eine Offensive, eben eine „neue“) „vorstellt, die im Oktober beginnen soll. … »Aus einer den Strafverfolgungsbehörden nahestehenden Quelle wurde bekannt, dass Zelenskij für Anfang Oktober mit britischen und amerikanischen Kuratoren eine Offensive in Richtung Cherson und Zaporozhje koordiniert hatte«, veröffentlichte TASS einen Bericht, auf den sich auch alle anderen bezogen.
    Zu diesem Zweck sei eine große Gruppe von Marinesoldaten der Streitkräfte der Ukraine in der Region Nikolaev konzentriert, um den Dnjepr zu überqueren.

    Aus gleicher Quelle verlautete: »Gleichzeitig planen die von britischen Ausbildern ausgebildeten Spezialeinheiten der ukrainischen Streitkräfte Maßnahmen zur Eroberung des Kernkraftwerks Zaporozhje. … Das ist ein weiteres Abenteuer von Zelenskij, der um jeden Preis versucht, seinen Wert zu beweisen. Es kann tragische Folgen haben. Wir beobachten die Aktionen des Feindes genau«, schloss der Gesprächspartner der Agentur.

    Beachten wir eine kleine Ungenauigkeit: Normalerweise werden diese Informationen nicht  von Strafverfolgungsbehörden weitergegeben, (…) sondern von Geheimdiensten. In diesem Fall höchstwahrscheinlich vom Geheimdienst oder der Spionageabwehr. Angesichts der Informationsquellen ist davon auszugehen, dass die Geheimdienste nur einen winzigen Teil der verfügbaren Informationen offengelegt haben. Und höchstwahrscheinlich in der Erwartung, damit nicht Kiew und Zelenskij, sondern deren Kuratoren zu zeigen, dass Moskau sich der Pläne des Feindes durchaus bewusst ist und auf jeden Fall die notwendigen Gegenmaßnahmen ergreifen wird.
    Aber da man bei Zelenskij offensichtlich nicht mit irgendeiner Art von Vernunft rechnen kann (– er braucht jetzt wie die Luft zumindest einige Siege, sonst könnte der Hilfsfluß aus den USA, der sich bereits in ein Bächlein verwandelt hat, völlig versiegen. Aus diesem Grund ist er bereit, weitere Hunderttausende seiner Landsleute abzuschlachten), richtet sich die solchermaßen freigegebene Information speziell an Washington und London.
    Wenn es wenigstens dort noch Menschen mit Realitätsbezug gibt, können sie ein Massaker mit Hunderten und Tausenden Opfern unter ukrainischen Soldaten verhindern, die dafür vorgesehen sind, Zelenskijs Ambitionen zu befriedigen.“

    Dazu sei erinnert, daß im Verlauf dieses Kriegs bereits mehrmals ganze Gruppen von Soldaten versenkt wurden, die versuchten, im Schutz der Nacht mit Booten über den Dnjepr überzusetzen – sowohl beim Kernkraftwerk Zaporozhje als auch in der Privinz Cherson, nahe der Stadt und weiter südwestlich auf den Inseln.
    In der Nähe der zerstörten Antonowka-Brücke sollen sich im August dezidiert Soldaten geweigert haben, auf ein solches Himmelfahrtskommando geschickt zu werden, dessen Ausgang eindeutig war.
    Was die Lage bei Energodar/Zaporozhje betrifft, so hat sich die vorherige Wasserfläche des Kachowka-Stausees durch die Zerstörung des Dammes inzwischen in einen Sumpf verwandelt, über den sogar Fußgänger kaum auf der dünnen Kruste hinübergehen können, den aber noch weniger Fahrzeuge oder gar Panzer queren können.

    Hier ist also alles logisch. Es ist auch logisch, dass niemand die Aufgaben abgesagt hat, die Zelenskij und sie selbst sich gestellt haben.
    Auch im weiteren hat sich nichts geändert – Provokationen mit Beschuß des AKWs Zaporozhje oder Versuche, es einzunehmen, hörten nicht auf. Denn niemand hat die Aufgabe der ukrainischen Streitkräfte aufgegeben, den Landkorridor zur Krim durch die befreiten Gebiete Donbass, Zaporozhje und Cherson zu durchtrennen.“

    Man fragt sich, was das für die  weiter östlich gelegenen Teile der Front heißt? Wird die jetzt auf der ukrainischen Seite ausgedünnt? Weil dann kann man mit russischen Fortschritten bei Bachmut und Kupjansk rechnen.

    Die einzige Änderung in dieser ganzen Situation ist die Information, dass es sich um einen neuen Angriff handeln wird. Dies ist ein Angriff, keine Gegenoffensive. Was endgültig das Ende der vielfach angekündigten und öffentlichkeitswirksamen Gegenoffensive bedeutet. Die übrigens mit einem völligen Misserfolg endete. Dies wird jedoch weder von den Behörden der Ukraine noch von ihren Verbündeten im Westen offiziell zugegeben. Sie haben jetzt ein neues „Licht im Fenster“.
    Um den berühmten Ausdruck »Der König ist tot« zu paraphrasieren, kann Zelenskij nun ausrufen: »Der Gegenangriff ist tot. Es lebe die Offensive!« Und treibe das neue »Kanonenfutter« zur Schlachtbank. Dieses kann nur in einem Fall überleben – wenn es ihm gelingt, sich zu ergeben.“

    (KP, 30.9.)

  23. Hmmm.

    „Aufgedeckt: US-Army behandelt in der Ukraine verletzte Söldner in Deutschland

    Spiel mit dem Feuer: Die US-Army hat heimlich damit begonnen, verwundete Amerikaner und Söldner aus anderen Ländern, die aus der Ukraine evakuiert wurden, in ihrem Landstuhl Regional Medical Center in Deutschland zu behandeln. Zuvor warnte der Kreml Washington, sich nicht weiter einzumischen.

    (…)

    (exxpress, 24.9.)

  24. Es ist unglaublich, was für Ideen aufkommen, um die drohende Niederlage der NATO irgendwie abzuwenden: Heute war ein Interview mit einem italienischen Philosophen im El País, in dem er unter anderen, ähnlich unpraktikablen Vorschlägen zur Rettung des Planeten auch die Idee aufbringt, doch Rußland in die NATO aufzunehmen!

    Anläßlich dessen erinnere ich daran, daß Rußland sowohl unter Jelzin als auch unter Putin mit einem solchen Gedanken spielte – auch bei letzterem ist es schon länger her:

    „Die Sicherheitsexpertin Oxana Schmies hat einen instruktiven Sammelband herausgegeben, in dem sich sowohl Zeitzeugen als auch Analytiker mit dem Verhältnis des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses zu Russland auseinandersetzen. Boris Jelzin weckte am 20. Dezember 1991 hohe Erwartungen, als er einen russischen NATO-Beitritt zum »langfristigen politischen Ziel« erhob. Noch im Jahr 2000 soll Putin Präsident Clinton gefragt haben, was er von diesem Plan halte.
    Solche Äußerungen wirken heute wie aus der Zeit gefallen.“

    (FAZ, 25.5. 2021)

  25. Sunak versichert, keine britischen Soldaten würden in die Ukraine geschickt, nachdem sein relativ neuer (seit August) Verteidigungsminister Shapps dergleichen in Aussicht gestellt hatte – als „Ausbildner“. In ferner Zukunft vielleicht, versucht sich Sunak herauszuwinden, aber derzeit sei dergleichen nicht geplant.

    Sowohl die USA als auch das UK hatten bisher den Kunstgriff angewandt, Soldaten zu entlassen und mit vorteilhaften Verträgen bei privaten Sicherheitsdiensten unter Vertrag zu nehmen, um sie dann in die Ukraine zu schicken – sodaß eine direkte Verwicklung ihrer Streitkräfte in diesem Fall vermieden wurde.

    Es ist möglich, daß dieses System inzwischen an seine Grenzen stößt, weil sich entweder keine Soldaten mehr finden, die bereit sind, auf diese Aufgabenstellung einzusteigen, oder aber die Heeresführung überhaupt mit diesem Abgang nicht einverstanden ist, da sie selbst Knappheit bei qualifiziertem Personal feststellen.

  26. Die Positionen der russischen Regierung scheinen sich noch weiter verschärft zu haben:

    'The special military operation will continue until the Nazi Kyiv regime is completely destroyed and the original Russian territories are liberated from the enemy,' Medvedev said.

    Wenn es also überhaupt noch Verhandlungen geben soll, dann muß die Selenkyi-Regierung dazu zurücktreten, sonst reden die Russen überhaupt nicht mehr mit der Ukraine und den USA.

    https://www.dailymail.co.uk/news/article-12579365/Close-Putin-ally-Dmitry-Medvedev-declares-Russia-invade-Ukraine-Vladimir-marks-anniversary-illegal-annexation-Ukrainian-territories.html

  27. Im Grunde ist es die gleiche Position wie von Anfang an: Die Ukraine muß entnazifiziert und entmilitarisiert werden. D.h., die NATO muß sich aus diesem Gebiet zurückziehen.

    Die Annexion der 4 Provinzen ist dann voriges Jahr im Herbst noch dazugekommen. Ihr Anschluß an Rußland wurde damals in die Verfassung aufgenommen.
    Es ist klar, daß Rußland es darunter nicht tun wird.

    Alle Vorstellungen von Friedensfreunden oder auch Tauben im US-System, es gäbe noch eine Verhandlungsmasse, sind nichtig.

    Was die Angriffe mit Drohnen oder Storm Shadow-Raketen auf russische Gebiete bzw. die Krim betrifft, so ist die Position des russischen Militärs die, daß man die Orte zerstören muß, von denen diese Angriffe ausgehen, bzw. die Produktionsstätten, wo diese Luft- und Wasser-Drohnen produziert werden.

    Ich vermute, als nächstes werden große Angriffe auf ukrainische Flughäfen stattfinden. Das wurde der NATO von russischer Seite vermutlich auch mitgeteilt.

    Die nächste Eskalationsstufe wäre dann, die Flieger von polnischen Flughäfen starten zu lassen, und da ist Polen vermutlich nicht mehr dabei.
    Rumänien hat diesbezüglich bereits abgewunken.

  28. Ben Wallace, der frühere Verteidigungsminister von Großbritannien, ist bekannt als der wüsteste pro-Ukraine Kriegstreiber der NATO. Auch jetzt bleibt er dieser Position treu. Im Daily Telegraph hat er eine flammende Rede geschwungen unter dem Titel

    "Ukraine is winning. Now let’s finish the job"

    The average age of the soldiers at the front is over 40. I understand President Zelensky’s desire to preserve the young for the future, but the fact is that Russia is mobilising the whole country by stealth. Putin knows a pause will hand him time to build a new army. So just as Britain did in 1939 and 1941, perhaps it is time to reassess the scale of Ukraine’s mobilisation. 

    Daß ein NATO-Politiker einem anderem Staatschef vorwirft, daß er seine Jugend schont, statt sie an der Front gegen Rußland verheizen zu lassen und das alles nicht für die Ukraine nötig ist, sondern "for our values and the rules-based system", ist wirklich ein starkes Stück.

    Und natürlich würde es Bände sprechen über die schon aufgelaufenen Verluste ans Soldaten, gerade en kampfstarken jungen Jahrgängen, wenn es tatsächlich stimmen sollte, daß daß Durchschnittsalter jetzt bei 40 liegt und nicht mehr bei 27 wie noch letztes Jahr. Aber wahrscheinlich hat der Wallace sich das nur zusammengefaselt, und hat überhaupt keine vailden Statistiken zur Hand. Braucht er für seinen Kampfruf ja auch nicht.

  29. War das nicht der Typ, der Zelenskij darauf aufmerksam gemacht hat, daß die NATO nicht Amazon ist, als der mit einer Wunschliste für Waffen kam?

  30. Warum ist der eigentlich nicht mehr Verteidigungsminister? Wie ich feststelle, trat er zurück.

    Eigenartig. Erst sagt er Zelenskij, er soll etwas bescheidener werden, und jetzt trompetet er Durchhalteparolen aus dem Wohnzimmersessel?

    Vor seinem Amt als Verteidigungsminister war er für ein Rüstungsunternehmen tätig, entnehme ich dem Internet.
    Hmmm.

    Wurden da vielleicht irgendwelche Rechnungen nicht gezahlt?

  31. Warum ist der eigentlich nicht mehr Verteidigungsminister?

    Vielleicht, weil man (Macron vor allem) es ihm nicht gegönnt hat, der neue NATO-Chef zu werden. Selbst Biden hat das nicht erlaubt.

  32. Ah!
    Alles klar!

    Das wäre so ähnlich wie Johnson zum NATO-Häuptling zu machen …
    ————–

    Es gibt übrigens derzeit weder im El País noch im Standard Neuigkeiten aus der Ukraine selbst — das ist m.E. die Form, wie das Ende der Offensive zur Kenntnis genommen wird.

  33. you can feel the fatigue descending now, like heavy autumn mist pooling in the bottom of a valley; a sort of strange public torpor, quietly smothering the high emotion of the early days of the war. Having leapt too quickly at the assumption that Kyiv couldn’t possibly hold out against the mighty Russian army, British public opinion then swung wildly towards what has turned out to be an equally unrealistic idea, namely that plucky Ukraine could somehow achieve a David v Goliath victory over the rusting superpower within the year. We could put up with one winter of rocketing gas bills, surely, if that was the price to be paid for peace in Europe. Only now it’s the second winter of not daring to turn on the central heating, and the stories emerging from the frontline are no longer of Ukrainian farmers cheerfully towing away stranded tanks with their tractors, but of a grinding war of attrition that could last up to a decade.

    As the war in Ukraine grinds on, western support is beginning to crack

  34. Neues Protokoll zum Jour Fixe vom 25.09.2023 – Die Ukraine in der Gegenoffensive  –  die Helden der antirussischen Front (GS 3-23)

    Der o.g. Artikel im neuen GS innerhalb der Reihe zum „Kampf um die Organisation der Welt als antirussische Front“ beginnt mit dem Bericht über die verheerende Lage in der  Ukraine und stellt dieser den „unerschütterlichen Willen“ des ukrainischen Präsidenten gegenüber, von dem weitreichenden Kriegsziel, Russland zu besiegen, nicht abzurücken. Dieses Ziel verfolgt Selenskyj unbeschadet der Opfer und Verwüstungen, die der Krieg bereits verursacht hat. Welchen Klärungsbedarf macht der Artikel da auf und warum stößt das hierzulande kaum jemandem auf?

    https://de.gegenstandpunkt.com/sites/default/files/jf-protokolle/jf230925-Gegenoffensive-Ukraine.pdf

    https://de.gegenstandpunkt.com/jfp/jf-protokolle

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/kampf-um-organisation-welt-antirussische-front

  35. @Neoprene

    Neuigkeiten gäbe es schon:

    Die russische Seite behauptet, ein wichtiges Kommando-Quartier der Ukrainischen Streitkräfte im Dorf Alexandro-Kalinovo mit einer sehr potenten Bombe FAB-1500 (abgeworfen von einem Flugzeug SU-34) plattgemacht zu haben.

    Dabei wurden die gesamten Kommunikationsgeräte, die die Drohnen und die Verbindungen zu anderen Kommandozentralen ermöglichen, zerstört.
    Viele der Verletzten — die KP schreibt von um die 50 Toten und einer ähnlichen Zahl von Verletzten — wurden nach Polen ausgeflogen, woraus man schließen kann, daß das extrem wichtige Leute waren. Sie waren vermutlich Ausländer, sowohl Ausbildner und Ratgeber als auch Kommandanten von Söldner-Abteilungen.

  36. Die russische Seite behauptet

    Nun ja, ich habe dazu nicht sehr viel im Netz gefunden außer ein paar Twitter/X-Postings ohne Quellen und ein völlig nichtssagendes Video über einen zerstörten Bunker, der nicht lokalisierbar ist.

    Daß die russische Luftwaffe ihr Sortiment an schweren Präzisionsgleitbomben bis auf 1,5 Tonnen hochgezogen hat, das konnte man ja schon ein paarmal lesen.

  37. Da die ukrainische Seite offenbar ihre Offensive eingestellt hat, ist natürlich eine Gegenbewegung der russischen Seite möglich. Davon könnte dieser (angebliche) Schlag ein Anfang sein.

    Ich habe jetzt erst mitgekriegt, daß Milley vorige Woche in Ruhestand gegangen ist.
    Der neue Besen als Oberkommandierender der Armee, Brown, hat offenbar alles umgekrempelt. Jetzt sollen es die Ukrainer verstärkt übers Schwarze Meer und über den Dnjepr versuchen.

  38. ‘Our allies ask us to advance with a gun at our backs’

    “We’ve been asked to advance with a gun in the back of the head,” said Zahar. “We get last from our western allies what we should have got first. Putting Bradley [fighting vehicles] on mined fields? Yes, our allies have helped a lot but their politicians expect us to take territory in conditions they would never dream of sending their own troops into. We need more long-range missiles, we need mine clearers, we need aircraft.”

    “I’m in deep shit here. It’s hard, sorry,” said one exhausted 47th Brigade officer. “I’ve zapped around four Russian companies with artillery but it’s still not enough. I was defending, I’m on the offensive. Now I really want to be home.”

    Maxim Tucker in der London Times vom 4. Oktober 2023

  39. „Nato begrüßt Lieferung von Patriot-Flugabwehrsystem durch Deutschland

    Die Nato hat die neu angekündigten Waffenlieferungen aus Deutschland an die Ukraine gelobt. "Ich begrüße Deutschlands Ankündigung, ein weiteres Flugabwehrsystem vom Typ Patriot in die Ukraine zu schicken", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht. Er betonte aber zugleich: "Ich verstehe die Sorgen, dass unsere Unterstützung der Ukraine das Risiko einer Eskalation in sich birgt, aber das Risiko verblasst, verglichen damit, dass wir Putin erlauben, diesen Krieg zu gewinnen. Wenn Putin den Krieg in der Ukraine gewinnt, wird er wahrscheinlich wieder Gewalt anwenden."

    Mit Blick auf den kommenden Winter sagte der Nato-Chef: "Wir können mehr russische Angriffe auf das ukrainische Energienetz erwarten. Luftverteidigung ist entscheidend, um ukrainische Leben zu retten."

    Der Chef der Verteidigungsallianz äußerte sich auch zu den anhaltenden Drohungen aus Moskau, vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs möglicherweise taktische Nuklearwaffen einzusetzen. "Russlands nukleare Rhetorik ist vollkommen unverantwortlich, aber das Risiko, dass Russland Nuklearwaffen einsetzt, bleibt gering." Moskau wisse, dass ein Nuklearkrieg niemals gewonnen werden könne und niemals geführt werden dürfe. "Natürlich beobachten wir weiterhin sehr genau die russischen Aktivitäten. Die Nato ist eine nukleare Allianz und die nukleare Abschreckung funktioniert seit 75 Jahren."“

    (Standard, 7.10.)

    Dazu bemerkte ein Scherzbold: Die neue Wunderwaffe des Quartals …

  40. In der KP schreibt einer der Kriegskorrespondenten, daß die vergleichsweise Objektivität der NYT sich dem Umstand verdankt, daß verschiedene US-Militärs, die unzufrieden mit dem Verlauf des Krieges und vor allem der Arroganz der ukrainischen Regierung sind, diese Zeitung zu ihrem Sprachrohr erkoren haben.

    Weitere Meldungen westlicher Medien über russische Erfolge:

    „Neulich berichtete Forbes schließlich, dass Russland einen weiteren Problembereich abgeschlossen habe.
    Forbes mochte unsere aktualisierten Kamikaze-Drohnen »Lancets«, die in der »Sicherheitszone« operieren, wirklich nicht. Hier handelt es sich um ein zwischen 30 und70 Kilometer von der Frontlinie entferntes Gebiet.
    Unsere Artillerie und Drohnen konnten es lange nicht erreichen, und mit NATO-Geschützen des Kalibers 155 mm, die auf 30-40 Kilometer feuerten, fühlten sich HIMARS und andere böse Geister dort recht wohl.
    Nun sind diese Zeiten vorbei.“

    Die Lancets wurden anscheinend auf eine höhere Reichweite upgedatet.

    „Sobald die Lancets damit fertig sind, ukrainische Flugplätze außer Gefecht zu setzen, werden sie einen Gegenbatteriekrieg beginnen. Es würde mich nicht wundern, wenn diese beiden Aktionen gleichzeitig funktionieren würden.
    Forbes gefällt die Tatsache, dass wir viele Lancets haben, wirklich nicht.
    Darüber hinaus haben wir endlich das Smerch MLRS-System mit Satellitenlenkung und Korrektur von Raketen aus dem Weltraum mithilfe des GLONASS-Satellitensystems hingekriegt. Reichweite – 120 Kilometer, wie die berüchtigten HIMARS.“

    (KP, 7.10.)

  41. Nato begrüßt Lieferung von Patriot-Flugabwehrsystem durch Deutschland

    Von genau einer Batterie!! Na das wird aber kriegsentscheidend sein diesen Winter! (Wie immer gab es null Info über die Zahl der Raketen, die mit dieser Batterie mitgeliefert werden. Werden wohl handverlesen sein, auf jeden Fall zu wenige.)

  42. Zur Ideologie-Front:

    „Der Krieg in der Ukraine bestimmt den Budgetentwurf Rußlands: Mehr Waffen, weniger Sozialausgaben und ein Rückgang der Geburtenrate (…)

    Die Geburtenrate sinkt noch stärker als nach dem Zusammenbruch der SU.“

    (El País, 7.10.)

    Man könnte meinen, der Autor schreibt über die EU. devil

    Abgesehen davon, daß das Sinken der Geburtenrate nicht zur Budgetplanung gehört, war dasselbe nach dem Zusammenbruch der SU selbstverständlich kein Ausweis dessen, daß das eine Katastrophe für die betroffenen Nachfolgestaaten war – nicht nur für Rußland. Damals war es eben bedauerlich, heute ist es ein Beweis „unmenschlicher“ Politik.

    Ansonsten hat man bei El País den Eindruck, daß es dem Medium ganz recht ist, leicht hysterisch („ataque sin precedentes“ – „noch nie dagewesener Angriff [der Hamas])“ über die Ereignisse in Israel und Gaza berichten zu können und die Ukraine links liegen zu lassen.
    ———-

    „Was als nächstes passieren wird, wird so sein wie mit dem neuen Rußland ein Jahr nach dem Zusammenbruch der UdSSR. Die Arbeit war erledigt, das »Reich des Bösen« brach zusammen und unser Land begann schnell aus den westlichen Medien zu verschwinden.
    Anstelle der Rolle als »Kornkammer der neuen Demokratie« wurden westlichen Lesern drei Standardgeschichten über Rußland angeboten: Banditen, Prostituierte und korrupte Diebe. Und die westlichen Medien verbreiten diese drei Themen seit zwanzig Jahren.

    Ähnliches erwartet die Ukraine. Muss man den Steuerzahlern den Rückgang des westlichen Interesses irgendwie erklären? Wofür wurde das Geld ausgegeben? Sie werden es auf jeden Fall erklären. Sie sind eben an böse Menschen geraten: das Asow-Regiment (…) und der Korruptionär Zelenskij, der alles gestohlen hat.

    Inzwischen hat der Westen damit begonnen, die Mittel für die Ukraine zu kürzen. Unmittelbar nach der gescheiterten »Gegenoffensive«.
    Schaut die Tabelle an – sie spricht Bände.

    Quelle: US-Verteidigungsministerium
    Quelle: US-Verteidigungsministerium

    Im Januar 2023 erhielt die Ukraine 6 Milliarden Dollar. Im April, vor der Offensive – fast 3 Milliarden Dollar. Und im August, nach dem Scheitern, kam nicht einmal die Hälfte davon an – 0,45 US-Dollar. Im September gaben sie schließlich eine Milliarde Dollar aus, um den Empfänger dazu zu bringen, die Notwendigkeit von Verhandlungen zwischen dem Westen und Russland zu einzusehen.
    Wir warten auf die ersten politischen Köder, die Moskau irgendwie von der endgültigen Lösung der »Ukrainenfrage« ablenken sollen. Diese Lebkuchenplätzchen werden auf die Zähne eines Rechens gelegt und laden Russland ein, entweder über die Lichtung von Chasawjurt oder am Rande der Minsker Abkommen entlang zu gehen …
    Aber der Bär erinnert sich an all diese Orte, an denen ihm Fallen gestellt wurden. Er weiß, wie solche Versöhnungen enden. Neue Schlachten in ein paar Jahren. Wir brauchen das nicht, lassen Sie den Westen seine Toten selbst begraben.“

    (KP, 7.10.)

    Mit einem Wort, unter einer Kapitulation der Ukraine (und auch der NATO in dieser Frage) wird es Rußland nicht tun.

  43. unter einer Kapitulation der Ukraine (und auch der NATO in dieser Frage) wird es Rußland nicht tun.

    Das ist in den letzten Tagen ja unisono von einigen russischen Spitzenpolitikern verkündet worden (Lavrov, Medwedew, Tolstoi):

    Rußland erwartet von der Ukraine eine bedingungslose Kapitulation ehe es Gespräche über die Nachkriegsregelungen geben könne. Und mit der Selenkyj-Regierung würde Rußpand noch nicht mal mehr reden, da muß sich die Ukraine vorher noch eine neue Regierung zulegen. Wenn die Ukraine aber "jetzt" nicht kapitulieren will, dann wird Rußland eben solange weiterkämpfen, bis die ukrainischen Streitkräfte zerschlagen worden sein werden. Dann aber sei jetzt schon garantiert, daß dann die komplette Ukraine in Rußland aufgehen wird und nicht "nur" der Osten, die Krim, Nikolajew und Odessa (Putin hat darüber jetzt in Waldai als eine "russische" Stadt gesprochen).

  44. Zu Anfang des Krieges war noch gesagt worden, daß Rußland nicht vorhabe, die Ukraine zu besetzen oder einzugliedern.
    Aber natürlich, seither hat sich einiges geändert.

    Die Frage ist, ob es sich dann wirklich um ein Besatzungsregime gegenüber einer feindseligen Bevölkerung handeln wird.
    Ich denke mir, die Wiedereingliederung ist nur die zweitbeste Möglichkeit, die von Putin und seinen Mit-Politikern in Betracht gezogen wird. Lieber wäre ihnen schon eine prorussische Regierung und eine entmilitarisierte Rest-Ukraine als Pufferstaat zwischen Rußland und der NATO.

    Eine weitere Frage wäre der Wiederaufbau. In den bisher eingegliederten Gebieten schreitet er flott voran, aber wäre das auch so in einer russischen Ukraine?

  45. „Wie sich der Krieg in Israel auf den Verlauf der Sonderoperation und der Ukraine auswirken wird

    Der neue palästinensisch-israelische Krieg wird sich sicherlich auf den Konflikt in der Ukraine auswirken. Präsident Zelenskij, der von der Bühne in die Politik kam, wurden seine »Scheinwerfer« gestohlen, wie man in solchen Fällen sagt.

    Die ganze Aufmerksamkeit der Weltpresse gilt dem neuen Drama, das sich auf der neuen Bühne abspielte. Für Kiew wird es schwierig sein, seine Rolle als Hauptopfer beizubehalten, dem zu helfen die »freien Welt« moralisch verpflichtet ist. Das Publikum, entschuldigen Sie den Zynismus, wird sich einem anderen Programm zuwenden, was bedeutet, dass die Einnahmen der Kinokasse auf der alten Bühne zwangsläufig sinken werden.

    Es wird noch weitere Konsequenzen für die Ukraine geben, die jetzt vielleicht noch nicht so offensichtlich sind. Zunächst warnte der israelische Premierminister bereits im Sommer, dass die Palästinenser Waffen aus der Ukraine erhalten würden. Es gibt Hinweise darauf, dass Hamas-Kämpfer bei dem Angriff Granatwerfer mit der Aufschrift von Einheiten der ukrainischen Streitkräfte eingesetzt haben.
    Wenn sich all dies bestätigt, wird Bidens Absicht, ein neues 100-Milliarden-Dollar-Militärhilfepaket für Kiew für den Zeitraum bis 2025 durchzusetzen, bei den Kongressabgeordneten wahrscheinlich keine Begeisterung hervorrufen. Und in Israel werden sie sich wahrscheinlich daran erinnern, dass sie auf Ersuchen der USA Hunderttausende auf dem Territorium des jüdischen Staates gelagerte amerikanische Granaten »zurückgegeben« haben, die dann in die Ukraine überführt wurden.“

    (KP, 8.10.)

    Außerdem tauchen hier unangenehme Fragen nach territorialer Integrität auf, meint die KP weiter, (Israel hat bis heute seine Grenzen nicht definiert), nach dem Zusammenleben verschiedener „Völker“ und anderes, was viele Beobachter den Ukraine-Konflikt mit anderen Augen sehen lassen wird.

    nur zur Erinnerung:
    DAS UKRAINISCHE FLUGZEUG, DAS IN GRIECHENLAND ABGESTÜRZT IST, TRANSPORTIERTE NATO-WAFFEN ZUM VERKAUF AN DIE HISBOLLAH

  46. Das ist typisch für Journalisten, daß sie die Medienwelt für die reale halten. Im Ukrainekrieg sind nicht "Scheinwerfer" wichtig, sondern Granatenwerfer. Und daß ukrainische Waffen mancher Art mittlerweile auf dem ganzen Weltschwarzmarkt zu haben sind ist nun wirklich nichts Neues.

  47. Nun ja, die Granatwerfer sind nicht ganz unabhängig von den Scheinwerfern.

    Wenn immer mehr Medien an der Sinnhaftigkeit des Ukraine-Kriegs zweifeln und auch Militärs dabei ihre Spalten öffnen, zeichnet das keine gute Lage für die Ukraine – und ihren Bezug von granatwerfern und ähnlichem.
    Beim El País habe ich richtig den Eindruck, sie sind froh, ihre Scheinwerfer woanders hin richten zu können.

  48. Rheinmetall erhielt einen Auftrag über 100.000 Granaten für Kiew

    Der deutsche Konzern Rheinmetall erhielt von der Bundesregierung einen dritten Auftrag zur Lieferung von mehr als 100.000 155-mm-Granaten in die Ukraine. Auf der Website des Unternehmens heißt es: „Der Vertrag hat einen Wert von Hunderten Millionen Euro. Mehrere Zehntausend Granaten sollen im Jahr 2023 ausgeliefert werden, der Rest im Jahr 2024.“ Die Gesamtzahl der Granaten, die der Konzern an die Streitkräfte der Ukraine liefern muss, übersteigt 150.000.
    Die „Europäische Prawda“ berichtete zuvor, dass Kiew seit Beginn der Sonderoperation mehr als 2 Millionen Granaten des Kalibers 155 mm aus Washington erhalten habe. Die Ukraine setzt täglich 5.000 bis 6.000 Artilleriegeschosse ein, was dem Bedarf eines kleinen europäischen Landes in Friedenszeiten pro Jahr entspricht. Aber das reicht immer noch nicht zum Sieg.

    (KP, 11.10.)

  49. Während Budanov sich darüber ergeht, daß die westliche Hilfe im nächsten Jahr (!) abnehmen könnte (!) und der US-Verteidigungsminister Austin 500 Millionen $ zusagt (für wann?), was relativ wenig ist im Vergleich dazu, was bisher in die Ukraine geliefert wurde, macht letzterer auch darauf aufmerksam, daß die Ukraine vor nächstem Frühjahr nicht mit den F-16-Flugzeugen rechnen kann.

    Derweil verkündet der Militärsprecher von Lugansk, Andrej Marotschko, daß eine der ausländische Söldner-Einheiten aus der Region Charkow abgezogen wurde, und bei Kupjansk ukrainische Einheiten ihre Stellungen verlassen haben, weil ihnen die Munition ausgegangen ist.

    (Izvestija, 12.10.)

    Der Präsident der Donezker VR, Puschilin, kündigt heftige Kämpfe und die mögliche Einnahme von Avdejevka durch russische Truppen an.

    (KP, 11.10.)

  50. Der Präsident der Donezker VR, Puschilin, kündigt heftige Kämpfe und die mögliche Einnahme von Avdejevka durch russische Truppen an.

    Ja, seit ungefähr anderthalb Jahren! Mal sehen, ob es diesmal klappt.

  51. Dein Hohn ist begründet. Aber beim letzten Anlauf kam der Prigozhin-Aufstand dazwischen. Jetzt hingegen stehen die Chancen gut. laugh

  52. Ja, mittlerweile stehen die Chancen sicher besser. Bei der ukrainischen Armee ist ja nach der gescheiterten Offensive sicherlich allenthalben die Luft raus. Aber Avdiivka ist eben auch für die ukrainische Seite eine Prestige-Sache und die ehemalige Stadt ist sicher noch stärker befestigt worden in all den Jahren nach 2014 als Bakhmut. Und da hat es die Wagner-Einheiten Zehntausende gekostet, um die Ruinen einnehmen zu können.

  53. Also die letzten Meldungen sind, daß Avdejevka in die Zange genommen wurde und an der vollständigen Umzingelung gearbeitet wird. Es fehlt nur noch der Teil im Westen.
    Dabei werden auch verstärkt Artillerie und Luftwaffe eingesetzt.

    Während an den anderen Fronten bloß die Positionen gehalten und Angriffe abgewehrt werden, so scheint der derzeitige Versuch bei Avdejevka darauf abzuzielen, durch die Befestigungen durchzubrechen und dann die ganze ukrainische „Maginot-Linie“ von hinten aufzurollen.

  54. Es fehlt nur noch der Teil im Westen.

    Nein, es fehlt sowohl im Norden, noch nicht mal Stepove geschweige denn Orlivka sind in der Hand der Russen, noch im Süden, wo sie noch Sieverne erobern müßten.

    Dabei werden auch verstärkt Artillerie und Luftwaffe eingesetzt.

    Ja, so wie die AFU ihre Festung verstärkt unterstützt.

    Und da es gar keine ukrainische Maginot-Linie gibt, nur reihenweise befestigte Stellungen/Ortschaften/Städte, kommt da auch nichts ins Rollen, wenn da eine Festung gestürmt oder zur Aufgabe gebracht werden kann.

  55. So, jetzt auch von der anderen Seite:

    „Russischer Angriff im Donbass

    Die russische Armee versucht eine der wichtigsten Bastionen der Ukraine im Donbass einzukesseln: die Industriestadt Awdijiwka. Zwar berichtete der ukrainische Generalstab, die Sturmangriffe seien abgewehrt worden – 13 Attacken bei Awdijiwka selbst, zehn Attacken nahe dem etwas nördlich gelegenen Dorf Stepowe. Doch die von Flugzeugen, Artillerie und Dutzenden Panzern unterstützte Offensive ist die größte der russischen Armee seit Wochen. Awdijiwka liegt nur gut 15 Kilometer von Donezk entfernt.

    Der Militärverwaltungschef von Awdijiwka, Witalij Barabasch, nannte die russischen Angriffe die schwersten seit Beginn der Invasion im Februar 2022. Dabei seien am Dienstag etwa 60 Panzer eingesetzt worden. Aktuell griffen russische Infanteriegruppen mit Unterstützung aus der Luft, aber ohne Panzertechnik an, sagte er dem Radiosender Donbass Realiji. Allein am Mittwoch seien 23 Raketen auf das Stadtgebiet abgefeuert worden. Russische Quellen berichteten von Geländegewinnen nördlich von Awdijiwka. Unabhängig ließen sich die Angaben zunächst nicht überprüfen.

    In der Nacht auf Donnerstag griff Russland den Süden und Osten der Ukraine zudem wieder mit zahlreichen Kampfdrohnen an, wie die ukrainische Luftwaffe mitteilte.“

    (Standard, 13.10.)

  56. „Die USA melden die Überstellung aller versprochenen M1A1-Abrams-Panzer an die Ukraine

    Die USA hätten alle versprochenen M1A1-Abrams-Panzer, insgesamt 31 Einheiten, an die Ukraine übergeben, sagte Oberst Martin O'Donnell, ein Sprecher des Europa- und Afrika-Kommandos der US-Armee, am 17. Oktober, berichtete Voice Of America.

    »Wir erfüllen unsere Vereinbarungen. Von nun an liegt es an den Ukrainern, zu entscheiden, wann und wo sie diese Technologie einsetzen«, sagte er.“

    Eine seltsame Aussage. Er bzw. überhaupt die US-Seite will sich offenbar gegen alle Vorwürfe verwehren, die Ukraine nicht gehörig zu unterstützen – und auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn die Ukraine trotz dieser Unterstützung nichts vorweisen kann.
    Man merkt, die Zuversicht ist gering, daß diese Panzer etwas ausrichten können.

    „O'Donnell betonte, dass alle Militärangehörigen, die für die Bedienung dieser Panzer ausgebildet wurden, in die Ukraine zurückgekehrt seien.“

    Auch kommentierenswert. Die Ukraine hat offenbar Bedenken, daß manche der Azubis, die sie ins Ausland schickt, ihren Auslandsaufenthalt für einen Absprung nützen könnten und hat diese Bedenken ebenso offensichtlich ihren ausländischen Unterstützern mitgeteilt, damit sie dergleichen verhindern.
    Und die US-Verantwortlichen melden, daß sie das ihnen anvertraute Menschenmaterial gut bewacht und vollständig wieder retourniert haben.

    „Kiew erhielt auch Munition und Ersatzteile.

    Anfang Oktober wurde berichtet, dass die USA ältere Abrams-Modelle an die Ukraine geliefert hätten. Wie der ehemalige amerikanische Marinesoldat Matthew Ho Ende September feststellte, transferiert das Pentagon veraltete Kampffahrzeuge in die Ukraine, weil die gut gerüsteten russischen Streitkräfte die gelieferte Ausrüstung leicht abfangen können und die amerikanische Führung nicht möchte, dass neue Panzer in die Hände der russischen Armee fallen.“

    (Izvestija, 17.10.)

    Noch dazu, weil die russischen Soldaten ja für jeden erbeuteten Panzer eine ganz gute Prämie erhalten und daher sehr scharf auf diese Trophäen sind.

  57. Stoltenberg versucht Ungarn zu überzeugen, dass in Kiew die Guten sitzen

    Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär, versuchte den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban von der Bedeutung der Unterstützung des Zelenskij-Regimes zu überzeugen. Der Führer der NATO berichtete darüber in sozialen Netzwerken: »Ich habe mit dem ungarischen Ministerpräsidenten über die Lage in der Ukraine und die Bedeutung unserer Unterstützung gesprochen. In Zeiten zunehmender Instabilität und globalem Wettbewerb müssen wir in der NATO weiterhin gemeinsam stark sein.«

    Und das, obwohl Viktor Orban selbst weder laut noch leise etwas über die Notwendigkeit der Rettung Kiews durch die ganze Welt gesagt hat. Es bringt nichts, in den Wald zu rufen.“

    (KP, 17.10.)

    Es ist bemerkenswert, daß Stoltenberg in sozialen Netzwerken verkündet, daß er anscheinend bei jeder Gelegenheit auf Orbán einredet.
    Wie ein Lehrer, der sich vor seinen Vorgesetzten für einen schlimmen Schüler entschuldigt.

    Erwähnenswert ist auch, daß Ungarn unter der ersten Orbán-Regierung 1999 der NATO beigetreten ist und kurz danach als Startbahn für den Jugoslawien-Krieg benützt wurde.
    Das scheint keine guten Erinnerungen bei Orbán hinterlassen zu haben. Einmal reicht, denkt er offenbar.

  58. Die Frist für den Bankrott der Ukraine ohne westliche Hilfe rückt näher

    Oleg Soskin, ein ehemaliger Berater des 2. Präsidenten der Ukraine, Kutschma, sagte, dass die Unabhängigkeit ohne westliche Hilfe bald bankrott gehen würde. (…) Er erklärte, die Wirtschaft des Landes sei zerstört und die Bevölkerung müsse sich auf eine Hungersnot vorbereiten. Soskin ist meint, dass Kiew nicht über die finanziellen Mittel verfügt, um das Haushaltsdefizit am Ende des Jahres zu schließen – und dass die Behörden nicht in der Lage sein werden, Renten, Militärgehälter und Leistungen an Behinderte zu zahlen.

    Aber wann geschah das jemals und wer am Dnjeprufer machte sich Sorgen um Behinderte und Rentner?

    (KP, 17.10.)

  59. Über die Ukraine derzeit großes Schweigen in der westlichen Presse.

    „Am 24. Oktober wurde die Räumung der Mülldeponie im Vorort Avdejevka abgeschlossen. Dort sind vor einigen Tagen die russischen Streitkräfte einmarschiert. Doch die Aufräumarbeiten brauchten Zeit.

    »Dies ist ein wichtiges Ereignis, da unsere Kämpfer jetzt alle Zugänge, Ausgänge und Eingänge des Feindes zu Avdejevka kontrollieren. Sie nahmen die wichtigste und größte Höhe ein. Der Feind versucht jetzt, auf uns zu schießen, aber von unten ist es schwieriger«, erklärte der“ (von der Izvestija befragte) „Experte (Dandykin).

    Die Quellen der Izvestija stellten außerdem fest, dass es den russischen Truppen gelungen sei, im Bereich der Eisenbahn nördlich von Avdejevka vorzudringen. In dieser Richtung erlitten die ukrainischen bewaffneten Verbände schwere Verluste und wurden vollständig von der Eisenbahnlinie vertrieben. »Die Eisenbahn ist wichtig für die Streitkräfte der Ukraine. Jetzt versuchen wir, sie aus dem Norden und Süden in die Zange zu nehmen, um sie in einem Kessel einzuschließen.
    Dann werden mehr als 10.000 Soldaten dort umzingelt sein. Sie könnten nur aufgeben.
    Deshalb wirft der Feind alle seine Reserven hierher, sogar aus (bisherigen) Hauptrichtungen wie Zaporozhje.“

    Dieser Frontabschnitt, von wo aus ein Durchbruch der ukrainischen Armee nach Melitopol und an die Küste des Azowschen Meeres vorgesehen war, scheint von der Ukraine praktisch aufgegeben zu sein. D.h., dort wäre ein Durchbruch russischer Streitkräfte möglich.

    „»Das ukrainische Kommando ist sich darüber im Klaren, dass die ukrainische Regierung nach dem Verlust von Avdejevka den gesamten Donbass verlieren kann«, betonte Wassili Dandykin.“

    (Izvestija, 25.10.)

  60. Neue Regierung in der Slowakei:
    „EIN NACHBAR GEHT AUF DISTANZ ZU KIEW

    Robert Fico ist in der Slowakei wieder Ministerpräsident. Der Linkspopulist will der Ukraine militärisch nicht mehr helfen. Ob er auch Transporte durch die Slowakei verhindern würde, ist aber offen.“

    Die Frage ist nicht so ohne. Wenn die Slowakei sich sperrt und Polen womöglich auch, so könnte Deutschland nur mehr auf dem Luftweg liefern.
    Ungarn ist sowieso zu.

    „Weniger als einen Monat nach der vorgezogenen Parlamentswahl hat am Mittwoch in der Slowakei eine neue Regierung ihr Amt angetreten. Zum Ministerpräsidenten ernannte Präsidentin Zuzana Čaputová in Pressburg (Bratislava) Robert Fico, der das Amt bereits in den Jahren 2006 bis 2010 und 2012 bis 2018 innehatte. Seine Partei „Richtung – Soziale Demokratie“ (Smer) ist aus der Wahl vom 30. September mit rund 23 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft hervorgegangen. Fico hat zwei Koalitionspartner: Die „Stimme – Soziale Demokratie“ (Hlas) des früheren Regierungschefs Peter Pellegrini, die sich 2020 von der Smer abgespalten hatte, und die rechte Slowakische Nationalpartei (SNS) unter Andrej Danko.

    Zusammen hat die Koalition 79 der 150 Abgeordneten des Parlaments hinter sich, das sich am Mittwoch konstituierte. (…)

    Einst diskreditierter Politiker wird Verteidigungsminister

    In Bezug auf Russland und die Unterstützung der Ukraine ist das bislang ein hauptsächliches Unterscheidungsmerkmal gewesen. Fico hat sich scharf dagegen gewandt, die Ukraine weiter mit Waffen zu beliefern, wie es die bisherige Regierung getan hat, etwa mit ausgemusterten MiG-29-Kampfflugzeugen oder dem S-300-Luftabwehrraketensystem. Auch rhetorisch lehnt sich Fico an die russische Erzählung an, wonach der Krieg eigentlich vom Westen verschuldet sei.

    Wie die neue Regierung sich konkret verhalten wird, ist vorerst nur zu ahnen. Eigene Waffenlieferungen dürften angesichts der Festlegung Ficos ausgeschlossen sein; allerdings dürfte die Slowakei ohnehin nicht mehr viel abzugeben haben. Eine andere Frage sind Waffenlieferungen über die Slowakei. Ungarn, ebenfalls ein NATO-Mitglied, lässt sie nicht zu, und der ungarische Ministerpräsident Orbán hat Fico im Wahlkampf nach Kräften unterstützt. Verteidigungsminister ist nun übrigens Robert Kaliňák. Der enge Gefolgsmann Ficos musste 2018 als Innenminister zurücktreten, weil er im Verdacht stand, seine schützende Hand über korrupte Verfilzungen gehalten zu haben. Später kam der Vorwurf hinzu, er habe Vietnams kommunistisches Regime bei der Entführung eines Dissidenten aus Berlin, die nachweislich über Pressburg verlief, unterstützt.

    (…)

    (FAZ, 26.10.)

    Worüber die FAZ schweigt, ist, daß Fico dringend Friedensverhandlungen anmahnt und meint, die Zukunft der Ukraine sollten sich die USA und Rußland ausmauscheln, die Ukraine habe dabei ohnehin nichts zu sagen.
    Die EU könnte als Vermittler auftreten.

  61. Zusammenfassung der Meldungen von ausländischen und ukrainischen Militärexperten:

    „Russland stoppt die ukrainische Offensive und geht zum Angriff über

    Die Kiewer Armee verfügt über weniger Munition und Truppen als die Invasionstruppen und bereitet sich auf ein Jahr 2024 mit größeren Hindernissen bei der Rückeroberung besetzter Gebiete vor“

    Auf gut Deutsch: Kiew wäre froh, wenn es 2024 die bestehenden Positionen halten könnte, weil auch dafür sind die Perspektiven düster.

    „In diesem Sommer setzte Russland auf die Solidarität Nordkoreas,“

    – interessant, wie Waffenlieferungen inzwischen unter Solidarität laufen –

    „um seine Truppen in der Ukraine zu bewaffnen. Für viele, sowohl in Kiew als auch in Washington, war die Hinwendung Wladimir Putins zu einem der ärmsten Länder der Welt ein Beweis dafür, dass seine Armee am Boden ist.“

    Ein beliebter medialer Propaganda-Schachzug, Nordkorea immer als so bettelarm hinzustellen, wohingegen die ganzen Hungerleidernationen in Afrika, der Karibik und Asien als Länder mit Schuldenproblemen gehandelt werden, wo aber nur UNO-Organisationen oder NGOs von „Armut“ sprechen.

    „»Russland ist ziemlich verzweifelt, wenn es Nordkorea um Hilfe bitten muss«, sagte Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh am 14. September, zeitgleich mit dem Besuch des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un in Russland.

    Aber die Realität sah anders aus.

    Führende Analysten des Krieges in der Ukraine bestätigen, dass die von Nordkorea bereitgestellte Artilleriemunition für den Angriff Rußlands an der Donezk-Front (Südosten) und der Charkiw-Front (Nordosten) entscheidend ist.“

    Die Waffenbruderschaft Rußlands mit dem Iran und Nordkorea ist nicht aus der Not geboren, sondern beruht auf gegenseitiger Feindschaft zur NATO, speziell zu den USA.
    Außerdem mag es sein, daß sie im Falle Nordkoreas der Versuch ist, die seinerzeitigen Energielieferungen der Sowjetunion wieder aufzunehmen, unter derem Ausbleiben Nordkorea seit Jahrzehnten darbt. Bezahlt wird eben mit dem, wovon Nordkorea viel hat: Artilleriemunition.

    Russland hat nicht nur die ukrainische Offensive gestoppt, sondern ist in Schlüsselsektoren erneut vorangekommen. In Avdejevka, einer von der Ukraine kontrollierten Gemeinde vor den Toren der Stadt Donezk … versucht [die russische Armee], die ukrainischen Streitkräfte zu belagern.
    An der Kupjansk-Front, am östlichen Rand der Provinz Charkow, sind die Russen ebenfalls vorgerückt und haben ukrainische Einheiten einem höllischen Artilleriefeuer ausgesetzt. »Die aus Nordkorea eingetroffene Munition ist wahrscheinlich entscheidend in Avdejevka, und sie werden noch viel mehr erhalten …«, erklärt John Helin, Mitglied der finnischen Militärinformationsgruppe Black Bird.
    Auch Ryan Evans und Michael Kofman, Experten der Militäranalysegruppe War on the Rocks, waren sich in einem Podcast am 18. Oktober einig, daß sie es bedauerten, dass sich viele über die Vereinbarung zwischen Putin und Kim lustig machten. »Nordkorea verfügt über enorme Mengen an Artillerie, ihre Übergabe an Rußland kann entscheidend sein«, fügte Evans hinzu.

    Die ukrainischen Streitkräfte befinden sich in der gegenteiligen Situation: Sie leiden unter einem gravierenden Mangel an Munition und Personal.
    Dieser Mangel werde sich nicht nur kurzfristig bemerkbar machen, meinen die von EL PAÍS befragten Experten. Die Einschränkungen werden mindestens ein Jahr dauern, so daß im Jahr 2024 größere ukrainische Fortschritte vorerst ausgeschlossen sind.“

    Wenn die ukrainischen Streitkräfte überhaupt so lange durchhalten …

    „Die pessimistischen Botschaften zwischen Analysten, Oberbefehlshabern und Einheiten auf dem Schlachtfeld nehmen zu. Denis Jaroslavskij, Befehlshaber des Geheimdienstes der ukrainischen Armee, warnte am 24. Oktober im RFERL-Radio, dass die Situation auf der Achse Kupiansk-Vuzlovi, einem wichtigen Eisenbahn- und Logistikknotenpunkt der Ukraine, »sehr schwierig« sei. »Jede Minute gibt es feindliche Angriffe und das Ziel ist die Belagerung von Kupjansk«, bemerkte Jaroslawski. »[Die Russen] erleiden viele Verluste, aber sie ersetzen sie schnell durch neue Truppen, wir sehen keinen Rückgang ihrer Kampfstärke.«

    Die Verteidigung von Avdejevka ist das Hauptanliegen der Ukrainer an der Donezk-Front, aber im nahegelegenen Bachmut-Sektor, wo ein Großteil der Ressourcen der Sommeroffensive darauf konzentriert war, die Kontrolle über die Stadt zurückzugewinnen, ist die Situation nicht viel besser.
    In den mehr als vier Monaten, die seit Beginn der Gegenoffensive vergangen sind, ist die ukrainische Armee immer noch weit davon entfernt, die Stadt zu umzingeln, was die Strategie ist, die verfolgt wurde, um den Eindringling aus Bachmut zu vertreiben.

    Petro Kuzyk, Kommandeur des Infanteriebataillons Swoboda, erklärte am vergangenen Dienstag in der Zeitung »Prawda«, dass der Feind ihnen »in allem« überlegen sei. »Sie haben mehr Waffen und Ausrüstung aller Art«, sagte er.
    Ihr Vorteil, so Zukyz, sei, dass die ukrainischen Soldaten kompetenter seien.“

    Ob man das als eine Art Palimpsest, verborgenen Text, lesen muß?
    Daß der Name des Kommandeurs verkehrt geschrieben wird, kann heißen, daß man den Satz auch umgekehrt lesen muß: Die Russen haben nicht nur mehr Waffen, sie sind auch kampferprobter.
    Das Gros der ukrainischen Soldaten heute hat keine Kampferfahrung und bestenfalls eine Schnellsiedeausbildung.

    „Kuzyk charakterisierte die Kampfhandlungen an der 1.800 Kilometer langen Front so, daß die Operationen nun »auf einen Stellungskrieg reduziert sind, weil totale Angriffe unmöglich sind«. Laut Bataillonskommandeur Svoboda haben beide Seiten so viele Hindernisse für Vorstöße, insbesondere Minenfelder, errichtet, daß sie jede groß angelegte Operation verhindern, weil die nur hohe Verluste mit sich bringen würde. Das Ergebnis ist eine eingefrorene Front.“

    Die Ukraine ist angeblich inzwischen das meist verminte Land der Welt.

    „Anfang Oktober besuchte diese Zeitung drei ukrainische Militäreinheiten verschiedener Teilstreitkräfte an der Zaporozhje-Front – Spezialeinheiten, Infanterie und eine Panzerbrigade.
    Deren Offiziere bestätigten, dass im September die monatelangen direkten Angriffe mit Panzern und mechanisierter Infanterie zur Durchbrechung der russischen Verteidigung aufgrund der enormen Verluste, die sie in den Minenfeldern erlitten hatten, beendet worden waren.“

    Offensive also nicht offiziell, aber de facto abgesagt.

    „Im Vordergrund steht nun der Druck auf bestimmte Stellungen mit Trupps oder Kompanien zwischen 6 und 12 Mann sowie der intensive Einsatz von Bombendrohnen. Diese Taktiken machen es schwieriger, nennenswerte Fortschritte zu erzielen, tragen aber dazu bei, Verluste und Ausrüstungsverluste zu reduzieren.“

    Eine Art „Außer Spesen nichts gewesen“.

    „Zwei Wochen Zeit

    Evans bestätigte diese Situation in seiner Analyse für War on the Rocks und warnte, dass der Ukraine noch zwei Wochen bleiben, um ein Ergebnis zu erzielen, bevor das schlechte Wetter im Herbst und Winter, der Regen und dann die Kälte die Militäroperationen drastisch verlangsamen.
    Russische Militäranalysten gehen davon aus, dass es in diesen zwei Wochen einen weiteren ukrainischen Versuch geben wird, die zweite Verteidigungslinie an der Zaporozhje-Front im großen Stil zu durchbrechen und die Gemeinde Tokmak zu erreichen.

    Kuzyk erklärte in der Prawda, dass seine größte Sorge die drastische Reduzierung der Munition in den letzten Wochen sei, und kam zu dem Schluss, dass entweder das Problem der Knappheit an Munition außerordentlich ernst sei oder der ukrainische Generalstab Projektile für eine größere Operation reserviert.“

    Die Wahrheit ist, daß die ukrainische Führung bei der NATO um Munition bettelt, die geht aber jetzt nach Israel.
    Die, die noch da ist …

    „Das ursprüngliche Ziel der Gegenoffensive bestand darin, die Logistiklinien auf dem Landweg, die Russland mit der Krim verbinden, entlang der Küste des Asowschen Meeres zu durchtrennen.
    Der Weg dorthin war die Befreiung der Stadt Melitopol. In den Monaten der Offensive wurden nur etwa 8 Kilometer vorgerückt, und Melitopol ist mehr als 70 Kilometer von der ukrainischen Infanterie entfernt.
    Kiew änderte am Ende des Sommers das Ziel: Tokmak, ein wichtiger logistischer Punkt, sollte 2023 als neue Bastion erobert werden. Doch die ukrainischen Streitkräfte bleiben wie im August 20 Kilometer von Tokmak entfernt.
    In einem am 19. Oktober von RUSI, dem wichtigsten Sicherheitsanalysezentrum im UK, veröffentlichten Dokument hielt Jack Watling es für »höchst unwahrscheinlich, dass es im laufenden Jahr zu einem Vorstoß in Richtung Tokmak kommen wird, … es sei denn, die russischen Streitkräfte würden sich zurückziehen«.

    Die drei Verteidigungslinien, die die Invasoren seit letztem Sommer aufgebaut haben, haben sich mit den Ressourcen Kiews als uneinnehmbar erwiesen.
    Helin macht darauf aufmerksam, daß nicht einmal ein Erfolg bei der Überwindung der ersten Linie in der Stadt Rabotino gewährleistet ist, weil sie unter Dauerbeschuß von den Flanken liegt.
    Der finnische Experte schließt auch aus, dass die ukrainische Armee im weiteren Verlauf des Jahres Tokmak erreichen wird, da sie zunächst den schmalen Streifen, durch den sie vordringt – 10 Kilometer breit – erweitern sollte, um nicht von den Flanken abgeschnitten zu werden.“

    Die offiziellen Ziele der Offensive, die bis zum Winter erreicht werden sollten, wurden im Laufe der Monate immer weniger. Die Einnahme von Tokmak ist das eine, das andere die Befreiung Bachmuts, wie der Chef der Geheimdienste des Verteidigungsministeriums, Kirilo Budanov, am 12. Oktober im digitalen Fernsehsender TSN in Erinnerung rief.

    Nur wenige glauben, dass dies möglich ist. Petro Burkovskij, Direktor der Stiftung für Demokratische Initiativen (DIF), einem ukrainischen Zentrum für politische Studien, ist einer derjenigen, die hoffen, dass dies möglich ist, wie er in einem Telefoninterview ausführlich darlegte: »Wir müssen an diese Ziele glauben, um die Moral unserer Leute zu heben. Aber wenn es nicht in ein paar Wochen sein kann, wird es in 20 Wochen sein, das wird zukünftige Offensivkampagnen bestimmen.«“

    Eine seltsame Ausdrucksweise, die im Grunde besagt, daß man Ziele, die man nicht erreichen kann, in der Propaganda auf den St. Nimmerleinstag verschieben muß, um nicht zugeben zu müssen, daß sie einfach unerreichbar sind.

    „Luftunterlegenheit

    Burkovskij betont, dass der Zeitpunkt einer Militäroperation nicht vom Kalender, sondern von den verfügbaren Ressourcen abhängt. In Zukunft müßten neue Waffen auf den Markt kommen, etwa die F-16-Kampfflugzeuge, deutet er an. Die eindeutige Unterlegenheit im Luftraum war einer der größten Hindernisse Kiews bei der Eroberung von Territorium.
    Bezüglich der pessimistischen Botschaften über die Ressourcen der Ukraine erinnert der Direktor des DIF daran, dass der chinesische Denker und General Sun-Tzu vor mehr als zwei Jahrtausenden schrieb, dass eine der Strategien im Krieg darin bestehe, den Feind zu verwirren.

    Helin warnt davor, dass die Ukraine aufhören müsse, an »Wunderwaffen« zu glauben, die die Richtung des Krieges ändern könnten. Er weist darauf hin, dass die Ankunft der deutschen Leopard-Panzer nicht ausschlaggebend gewesen sei, ebenso wenig wie die F-16 oder die jüngste Kombination der amerikanischen Raketen mit ATACMS-Streumunition. Der Erhalt der ATACMS-Langstreckenraketen war eine der häufigsten Forderungen des ukrainischen Präsidenten Zelenskij.
    Der jüngste Bombenanschlag auf einen russischen Hubschrauberstützpunkt in Berdjansk mit dieser Waffe wurde von den ukrainischen Behörden als großer Erfolg gefeiert. Aber Helin mahnt zur Vorsicht, denn die eingegangenen Einheiten seien gering und vor allem handelt es sich um alte Mittelstreckenraketen – 165 Kilometer. »Die Ukraine muss Optimismus und Ergebnisse verkaufen, weil sie befürchtet, dass die Welt diesen Krieg so vergessen wird, wie sie den im Donbass [gegen die Separatisten in der Ostukraine] im Jahr 2015 vergessen hat, und am Ende gezwungen sein wird, ein Abkommen mit Russland zu unterzeichnen wie die in Minsk«, meint Helin.“

    Allerdings wird Rußland ein solches Abkommen wie das in Minsk nicht mehr unterzeichnen.
    Außerdem setzt das Verkaufen von Optimismus und (nicht vorhandenen) Ergebnissen immer eine Seite voraus, die einem das auch abkauft.

    Ein weiteres Jahr ohne große Fortschritte

    Internationale und nationale Beobachter sind sich einig, dass die Ukraine ein ernstes Problem hat, nämlich den Mangel an Munition. »Wir haben ein riesiges Problem der Munitionsknappheit, nicht nur in der Ukraine, sondern weltweit«, gab Ministerpräsident Denis Schmyhal an diesem Donnerstag in der Financial Times zu: »Deshalb müssen wir sie hier produzieren, weil sie aufgebraucht ist. Überall auf der Welt sind alle Arsenale leer.«

    Die auf höchstem Niveau arbeitende Militärindustrie der NATO-Staaten wird der ukrainischen Nachfrage nicht gerecht. Watling schätzt, dass die Ukraine durchschnittlich 200.000 Artilleriegeschosse pro Monat abfeuert, was der Menge entspricht, die die USA in zehn Monaten produzieren.
    Mikola Bielieskov, ein Forscher am Nationalen Institut für Strategische Studien, das der ukrainischen Präsidentschaft untersteht, brachte es in einem Bericht vom 16. Oktober für das internationale Politikforschungszentrum Atlantic Council grob auf den Punkt: »Die geplante Steigerung der [Waffen-]Produktion wird den ukrainischen Bedarf bis zum zweiten Halbjahr 2024 oder Anfang 2025 nicht decken. Der prognostizierte Mangel an Schlüsselmunition«, räumt Bielieskov ein, »wird sicherlich die Strategie der Ukraine für Frühjahr und Sommer bestimmen.«“

    Hier versucht die Ukraine, ihre Mißerfolge den NATO-Staaten in die Schuhe zu schieben, um sie zur weiteren Unterstützung zu verpflichten.

    Bielieskov gesteht hier ein, daß die Ukraine im Jahr 2024 nicht in der Lage sein wird, Operationen durchzuführen, die die Richtung des Krieges ändern.
    Russland hingegen schafft es, daß seine Rüstungsindustrie die Produktion in fast allen Bereichen erhöht, da sind sich Evans und Watling einig.
    »Die USA und Europa können die ukrainischen Streitkräfte aufrechterhalten,“

    – können sie das? Dafür braucht es doch immerhin auch das ukrainische Heer, das bei der Stange bleibt –

    aber eine andere Frage ist, ob sie genug für eine zukünftige Offensive im Frühjahr 2024 beitragen können«, deutete Evans an. Helin äußert sich am deutlichsten zu dem Jahr, das der Ukraine bevorsteht: »In den nächsten 12 Monaten ist es unwahrscheinlich, eine groß angelegte Offensive wie in diesem Sommer zu erleben. Ein Angriff an mehreren Fronten, von Bachmut bis zum Dnjepr, wird nicht möglich sein.«“

    Das ist doch eigentlich mehr als deutlich: Nicht einmal eine Offensive wie die heurige, die offensichtlich gescheitert ist, werden die ukrainischen Streitkräfte hinkriegen.
    Das heißt so viel wie: Die ukrainische Armee ist geschlagen, wie lange kann sie sich noch halten?

    Watling betont, dass die Situation für die Ukraine besonders komplex sei, weil sie zwei gegensätzliche Aufgaben erfüllen müsse: Einerseits den seit Monaten kämpfenden Einheiten eine Pause zu verschaffen und neue Soldaten auszubilden, andererseits den Druck auf die russischen Linien aufrechtzuerhalten.
    Evans betont die Notwendigkeit, »den Druck aufrechtzuerhalten«, da die Ukraine sonst erleben werde, wie sich Geschehnisse wie in Avdejevka wiederholen. »Die russische Taktik in Avdejevka, große Artillerieangriffe, gefolgt von Infanterieangriffen mit durch Luftfeuer unterstützten Panzern, ist die Bedrohung, der die Ukraine im Jahr 2024 ausgesetzt sein wird«, sagt Evans, »weshalb es nicht umhin kann, den Druck an der Front aufrechtzuerhalten.«

    Die russischen Verluste an Material und Leben in Avdejevka seien enorm, sagen Experten,

    – eine Art Mantra, das auch schon von Bachmut bekannt ist, und vor allem darauf hinweist, daß die Verluste auf der ukrainischen Seite „enorm“ sind –

    „aber es handele sich um Opfer, die Russland bereits zu anderen Zeitpunkten des Krieges gebracht habe. Burkovskij ist überzeugt, dass beide Armeen“

    – warum beide? Die russische Armee hat doch genug Leute, siehe weiter oben –

    „eine Kampfpause brauchen, um wieder zu Kräften zu kommen, und daß die russische Strategie in Avdejevka darin besteht, den Rivalen zu erschöpfen, um diese Pause zu erzwingen.“

    Gerade hieß es doch noch, die Russen versuchen, Avdejevka zu erobern …
    Die Ukrainer hätten gerne eine Pause, das geht aus dieser Aussage hervor.

    „Der Winter mag der optimale Zeitpunkt sein, um die Intensität an der Front zu reduzieren, aber die ukrainischen Streitkräfte gehen davon aus, dass Moskau Raketen hortet, um eine Bombardierung des Energienetzes zu starten und erneut Millionen Menschen ohne Strom, Wasser oder Heizung zurückzulassen. Analysten wie Evans sehen den Mangel an Flugabwehrraketen als noch »besorgniserregender« an. Der Konflikt im Nahen Osten wird die Munitionsreserven der Ukraine weiterhin verringern, da die USA nun Israel unterstützen und ihre eigenen Stützpunkte in der Region schützen müssen.

    »Die langfristige Zukunft sieht für die Ukraine nicht gut aus«, sagte Kofman in War on the Rocks“

    – die kurzfristige auch nicht –

    „und verwies auf den israelischen Konflikt, die amerikanische Notwendigkeit, Taiwan zu bewaffnen, und den Widerstand der Republikanischen Partei gegen die Bewaffnung Kiews. Die einzige Lösung sehe er darin, fügte er hinzu, dass Deutschland im Kampf gegen Russland die Führung übernehmen könne, eine Führung, auf die die USA verzichten könnten.“

    (El País, 28.10.)

    So so, Deutschland soll übernehmen. Das heißt, daß sowohl die USA als auch das UK sich zurückziehen würden.
    Abgesehen davon, daß das nur der Vorschlag eines Analysten ist, also keines Entscheidungsträgers, wäre Deutschland dazu gar nicht in der Lage, weder politisch, noch militärisch.

  62. Zu den Ereignissen von Machatschkala

    Zum Flughafen: Dieser Flughafen wurde erst vor einigen Jahren ausgebaut, ist der südlichste Flughafen Rußlands und hat sein Passagieraufkommen von 2014 – 2021 von 400.000 auf über 2 Millionen jährlich gesteigert. Seither ist es weiter gestiegen, weil es aufgrund der Sanktionen nur wenige Flughäfen gibt, von denen Rußland angeflogen wird. (Wikipedia, Flughafen Ujtasch)
    Von Dubai ist er der nächste, und von Istanbul auch, wenn man nicht über das Schwarze Meer fliegen will.

    Das Flugzeug, dessentwegen das Ganze losging und die nach unterschiedlichen Angaben angegriffen wurde oder auch nicht, transportierte Leute aus Israel nach Moskau, die dort auf Besuch waren und jetzt evakuiert werden. In Machatschkala war sie nur zur Zwischenlandung und möglicherweise zum Auftanken.
    Es war nicht das erste Flugzeug mit Passagieren aus Israel. Die haben alle Zwischenlandungen in Kaukasus-Flughäfen, weil das eben die nächsten für Flüge aus Tel Aviv sind.

    Das Ganze wurde ausgelöst durch eine Botschaft auf einem Telegram-Kanal namens „Morgen Dagestans“, der von dem miesen Subjekt Ilja Ponomarjov betrieben wird, der in der Ukraine sitzt und antirussische Aktionen und Verlautbarungen macht. Man weiß nicht, mit welchen Diensten er zusammenarbeitet.
    Dort wurde verbreitet, israelische „Flüchtlinge“(?) würden nach Dagestan gebracht, und man solle denen doch einen entsprechenden Empfang bereiten.
    Nach den Ereignissen behauptet Ponomarjov, seit Ende vergangenen Jahres hätte er nichts mehr mit diesem Telegram-Kanal zu tun.

    Inwiefern diese Aktion jetzt von einem ukrainischen oder gar westlichen Geheimdienst ausgegangen ist, läßt sich nicht nachvollziehen. An dem gesamten Echo in den westlichen Medien, die alle sofort darüber berichteten, kann man jedoch ableiten, daß die Verbreiter dieser Pogrom-Aufstachelung auch dafür gesorgt haben, daß ihr Erfolg ein internationales Medienecho hat.

    An dem Flughafengebäude und möglicherweise auch an den Außen-Einrichtungen ist laut dem Abgeordneten des Parlaments von Dagestan Chisri Abakarov ein Schaden von 285 Millionen Rubel (umgerechnet fast 3 Millionen €) entstanden. Der Flugbetrieb läuft aber wieder.
    Es kann durchaus sein, daß ein Hintergedanke der Pogrom-Anstifter war, den Flughafen überhaupt lahmzulegen.

    Man muß aber auch dem Analysten Mangott in der ZIB recht geben, daß das Problem teilweise hausgemacht ist, weil wie ist es möglich, daß Hunderte von verhetzten jungen Leute auf einmal losstürmen, um vermeintliche Aussiedler zu bekämpfen? In Dagestan liegt also bezüglich islamistischer Verhetzung einiges im Argen.

    Putin hat sich heute in einer Rede an Leute ähnlicher Denkweise gewandt und sie aufgefordert, darüber nachzudenken, wie dergleichen Aktionen oder überhaupt antijüdische Pogrome den Palästinensern in ihrer unerfreulichen Lage helfen sollen?

    Die Führungsfiguren aller Glaubensgemeinschaften wurden im Kreml zusammengerufen und ersucht, ihren Schäfchen auf die Finger zu schauen.

  63. Ukraine’s commander-in-chief on the breakthrough he needs to beat Russia

    General Valery Zaluzhny admits the war is at a stalemate

    FIVE MONTHS into its counter-offensive, Ukraine has managed to advance by just 17 kilometres. Russia fought for ten months around Bakhmut in the east “to take a town six by six kilometres”. Sharing his first comprehensive assessment of the campaign with The Economist in an interview this week, Ukraine’s commander-in-chief, General Valery Zaluzhny, says the battlefield reminds him of the great conflict of a century ago. “Just like in the first world war we have reached the level of technology that puts us into a stalemate,” he says. The general concludes that it would take a massive technological leap to break the deadlock. “There will most likely be no deep and beautiful breakthrough.”

    The course of the counter-offensive has undermined Western hopes that Ukraine could use it to demonstrate that the war is unwinnable, forcing Russia’s president, Vladimir Putin, to negotiate. It has also undercut General Zaluzhny’s assumption that he could stop Russia by bleeding its troops. “That was my mistake. Russia has lost at least 150,000 dead. In any other country such casualties would have stopped the war.” But not in Russia, where life is cheap and where Mr Putin’s reference points are the first and second world wars, in which Russia lost tens of millions.

    An army of Ukraine’s standard ought to have been able to move at a speed of 30km a day as it breached Russian lines. “If you look at NATO’s text books and at the maths which we did, four months should have been enough time for us to have reached Crimea, to have fought in Crimea, to return from Crimea and to have gone back in and out again,” General Zaluzhny says sardonically. Instead he watched his troops get stuck in minefields on the approaches to Bakhmut in the east, his Western-supplied equipment getting pummelled by Russian artillery and drones. The same story unfolded on the offensive’s main thrust in the south, where inexperienced brigades immediately ran into trouble.

    “First I thought there was something wrong with our commanders, so I changed some of them. Then I thought maybe our soldiers are not fit for purpose, so I moved soldiers in some brigades,” says General Zaluzhny. When those changes failed to make a difference, the general told his staff to dig out a book he once saw as a student. Its title was “Breaching Fortified Defence Lines”. It was published in 1941 by a Soviet major-general, P.S. Smirnov, who analysed the battles of the first world war. “And before I got even halfway through it, I realised that is exactly where we are because just like then, the level of our technological development today has put both us and our enemies in a stupor.”

    That thesis, he says, was borne out as he went to the front line in Avdiivka, also in the east, where Russia has recently advanced by a few hundred metres over several weeks by throwing in two of its armies. “On our monitor screens the day I was there we saw 140 Russian machines ablaze – destroyed within four hours of coming within firing range of our artillery.” Those fleeing were chased by “first-person-view” drones, remote-controlled and carrying explosive charges that their operators simply crash into the enemy. The same picture unfolds when Ukrainian troops try to advance. General Zaluzhny describes a battlefield in which modern sensors can identify any concentration of forces, and modern precision weapons can destroy it. “The simple fact is that we see everything the enemy is doing and they see everything we are doing. In order for us to break this deadlock we need something new, like the gunpowder which the Chinese invented and which we are still using to kill each other,” he says.

    This time, however, the decisive factor will be not a single new invention, but will come from combining all the technical solutions that already exist, he says. In a By Invitation article written for The Economist by General Zaluzhny, as well as in an essay shared with the newspaper, he urges innovation in drones, electronic warfare, anti-artillery capabilities and demining equipment, as well as in the use of robotics.

    Western allies have been overly cautious in supplying Ukraine with their latest technology and more powerful weapons. Joe Biden, America’s president, set objectives at the start of Russia’s invasion: to ensure that Ukraine was not defeated and that America was not dragged into confrontation with Russia. This means that arms supplied by the West have been sufficient in sustaining Ukraine in the war, but not enough to allow it to win. General Zaluzhny is not complaining: “They are not obliged to give us anything, and we are grateful for what we have got, but I am simply stating the facts.”

    Yet by holding back the supply of long-range missile systems and tanks, the West allowed Russia to regroup and build up its defences in the aftermath of a sudden breakthrough in Kharkiv region in the north and in Kherson in the south late in 2022. “These systems were most relevant to us last year, but they only arrived this year,” he says. Similarly, F-16 jets, due next year, are now less helpful, suggests the general, in part because Russia has improved its air defences: an experimental version of the S-400 missile system can reach beyond the city of Dnipro, he warns.

    The delay in arms deliveries, though frustrating, is not the main cause of Ukraine’s predicament, according to General Zaluzhny. “It is important to understand that this war cannot be won with the weapons of the past generation and outdated methods,” he insists. “They will inevitably lead to delay and, as a consequence, defeat.” It is, instead, technology that will be decisive, he argues. The general is enthused by recent conversations with Eric Schmidt, the former chief executive of Google, and stresses the decisive role of drones, and of electronic warfare which can prevent them from flying.

    General Zaluzhny’s assessment is sobering: there is no sign that a technological breakthrough, whether in drones or in electronic warfare, is around the corner. And technology has its limits. Even in the first world war, the arrival of tanks in 1917 was not sufficient to break the deadlock on the battlefield. It took a suite of technologies, and more than a decade of tactical innovation, to produce the German blitzkrieg in May 1940. The implication is that Ukraine is stuck in a long war—one in which he acknowledges Russia has the advantage. Nevertheless, he insists that Ukraine has no choice but to keep the initiative by remaining on the offensive, even if it only moves by a few metres a day.

    Crimea, the general believes, remains Mr Putin’s greatest vulnerability. His legitimacy rests on having brought it back to Russia in 2014. Over the past few months, Ukraine has taken the war into the peninsula, which remains critical to the logistics of the conflict. “It must know that it is part of Ukraine and that this war is happening there.” On October 30th Ukraine struck Crimea with American-supplied long-range ATACMS missiles for the first time.

    General Zaluzhny is desperately trying to prevent the war from settling into the trenches. “The biggest risk of an attritional trench war is that it can drag on for years and wear down the Ukrainian state,” he says.  In the first world war, politics interfered before technology could make a difference. Four empires collapsed and a revolution broke out in Russia.

    Mr Putin is counting on a collapse in Ukrainian morale and Western support. There is no question in General Zaluzhny’s mind that a long war favours Russia, which has a population three times and an economy ten times the size of Ukraine. “Let’s be honest, it’s a feudal state where the cheapest resource is human life. And for us…the most expensive thing we have is our people,” he says.  For now he has enough soldiers. But the longer the war goes on, the harder it will be to sustain. “We need to look for this solution, we need to find this gunpowder, quickly master it and use it for a speedy victory. Because sooner or later we are going to find that we simply don’t have enough people to fight.”

    (The Economist, 1.11.)

    Der Artikel ist eine Mischung aus Wahrheiten und Lügen, die mühsam auseinanderzudividieren sind.

    In erster Linie enthält er eine Botschaft an die westlichen Entscheidungsträger. Wenn ihr uns nicht bessere Waffen gebt, so können wir den Krieg nicht gewinnen.
    Damit ist sozusagen die Verantwortung für das Scheitern der Gegenoffensive und vielleicht auch einmal eine Niederlage bei den westlichen Unterstützern verortet und verankert.

  64. Ansonsten sind die Aussichten matt: Zaluzhnyj gibt praktisch zu, daß die Ukraine den Krieg nicht gewinnen kann und warnt den Westen davor, sich zurückzuziehen. Gleichzeitig weiß er auch, daß die Zeit für Rußland spielt:

    „Mr Putin is counting on a collapse in Ukrainian morale and Western support. There is no question in General Zaluzhny’s mind that a long war favours Russia“

    Dazu kommt noch eine völlige Verwirrung bei den US-Eliten, welche ihrer Auslandsengagements unterstützt werden sollte (die Pazifik-Front nicht vergessen) und eine starke Unterbesetzung höherer Posten im Pentagon, seit Milley sich zurückgezogen hat.

  65. Reisners Blick auf die Front
    "Russische Herbstoffensive ist im ersten Ansatz gescheitert"

    Russlands Streitkräfte wagen bei Awdijiwka eine Herbstoffensive und erleiden dabei gleich zu Beginn massive Verluste. Oberst Markus Reisner sieht darin den Beweis, dass klassische Militärmanöver auf dem "gläsernen Gefechtsfeld" nicht mehr funktionieren. Stattdessen versuchen beide Seiten Tunnel zu nutzen, um voranzukommen, sagt er im wöchentlichen Interview mit ntv.de. Der Militärexperte erklärt zudem, warum die Lieferungen der ATACMS-Raketen genau zur richtigen Zeit gekommen sind.

    ntv.de: An der Front kommt es gerade zu heftigen Zusammenstößen mit großen Verlusten. In Awdijiwka soll Russland binnen 24 Stunden 900 Soldaten und 150 gepanzerte Fahrzeuge verloren haben. Wie ist es dazu gekommen?

    Markus Reisner: In den letzten Tagen konnte man gut beobachten, dass der Beginn der offensichtlich geplanten russischen Herbstoffensive in einem ersten Ansatz gescheitert ist. Die Russen haben innerhalb von zehn Tagen massive Verluste erlitten. Sie haben versucht, in einer Zangenbewegung die Stadt Awdijiwka einzuschließen und dabei bis zu 150, manche Beobachter sprechen sogar von bis zu 200, Panzer und Kampfschützenpanzer verloren. Gelungen ist das den Ukrainern durch den Einsatz ihrer Minenfelder, Artillerie, aber auch durch den Einsatz von ukrainischen Panzerabwehrtrupps und First Person View Angiffsdrohnen.

    ntv.de: Entwickelt sich Awdijiwka gerade zum zweiten Bachmut?

    Markus Reisner: Beide Seiten stecken in dem Dilemma, dass das klassische Manövrieren großer mechanisierter Verbände in den vergangenen Monaten fast unmöglich geworden ist. Das Problem besteht darin, dass es zu jedem Zeitpunkt hunderte, sogar tausende Drohnen auf sehr engem Raum am Himmel gibt, die jede Bewegung des anderen genau verfolgen und beobachten können. Wenn einer von beiden dann versucht, in die Offensive zu gehen, gerät er sofort unter Artilleriebeschuss oder wird von Kamikaze-Drohnen angegriffen, sodass der Angriff unter hohen Verlusten wieder zum Erliegen kommt. Das haben wir bei den Ukrainern gesehen und sehen es jetzt wieder beim Versuch der Russen, selbst in die Offensive zu gehen. Das sogenannte "gläserne Gefechtsfeld" ermöglicht beiden Seiten, schnell und rasch darauf zu reagieren. Beide Seiten versuchen deshalb, ihre Taktik und Gefechtstechnik zu ändern.

    ntv.de: Wie sieht diese neue Taktik aus?

    Markus Reisner: Einerseits versuchen sie, in sehr kleinen Gruppen entlang von Baumzeilen anzugreifen und sich Meter für Meter vorzuarbeiten. Andererseits versuchen sie sogar, unterirdisch durch Tunnel voranzukommen und von dort anzugreifen. Diese Taktik hat man bereits im Ersten Weltkrieg genutzt.

    ntv.de: Wie die Hamas-Terroristen es im Gazastreifen machen?

    Markus Reisner: Genau, die Hamas hat dieses Tunnelsystem gebaut, um sich unter dem Zaun des Gazastreifens zu bewegen und die Israelis anzugreifen. In der Ukraine versuchen sie nun auch Tunnel zu nutzen.

    ntv.de: Seit wann benutzen die Ukrainer und Russen ebenfalls Tunnelsysteme, um sich fortzubewegen? Das kam in der Vergangenheit kaum zur Sprache.

    Markus Reisner: Das fing in den knapp acht Jahren von 2014 bis 2022 an. Nach den Angriffen der russischen Seite in den Separatistengebieten kam es zu einer Art Waffenstillstand. An dieser Demarkationslinie haben beide Seiten sich mit Artillerie beschossen, sich aber auch zum Teil unterirdisch bekämpft. Im Osten der Ukraine gibt es zudem sehr viel Kohle- und Braunkohleabbau. Dort gibt es unterschiedliche Anlagen noch aus der Zeit des Bergbaus und der Braunkohleförderung. Die Russen haben hier nicht nur Verteidigungsanlagen errichtet, sondern offensichtlich auch ukrainische Stellungen unterminiert, um sie dann überraschend anzugreifen. Auch zu erwarten ist, dass sie wie im Ersten Weltkrieg entsprechende Minen legen, diese zu sprengen und dann einen Durchbruch schaffen.

    ntv.de: Das heißt, sie haben keine neuen Tunnel gebaut, sondern nutzen die vorhandenen aus den Bergbauanlagen?

    Markus Reisner: Genau, sie verwenden Tunnel, die es schon gibt. Man darf sich nicht vorstellen, dass dort bereits umfangreich groß gegraben wurde, wie man das noch aus der Zeit des Ersten Weltkrieges kennt. Stattdessen nutzen sie die bestehenden unterirdischen Anlagen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Man konnte jetzt zum ersten Mal sehen, wie beide Seiten unmittelbar an der Front den Gegner unterminieren wollten. Es gibt aber Indizien, dass zum Beispiel auch beim Kampf um Mariupol in den Industriegebieten ähnliche unterirdischen Kelleranlagen für den überraschenden Angriff genutzt wurden.

    ntv.de: Welche Seite hat bei den unterirdischen Anlagen einen Vorteil?

    Markus Reisner: Man kann noch nicht von einem groß angelegten Trend sprechen. Es fehlen auch noch umfangreiche Bilder, um eine Einschätzung abgeben zu können. Was man aber gesehen hat, ist, dass offensichtlich auch die Russen unterirdische Angriffe starten, weil sie eben so katastrophal bei ihren Angriffen auf der Oberfläche an den ukrainischen Abwehrstellungen hängen geblieben sind.

    ntv.de: Es gibt also noch keine "Tunnel-Metro", wie das im Gazastreifen bei den Hamas der Fall ist?

    Markus Reisner: Nein, die Hamas, aber auch die Hisbollah im Südlibanon haben über Jahre umfangreiche Tunnelanlagen gebaut, um einerseits unterirdisch auf israelisches Territorium zu kommen, und andererseits Munition und Waffen zu lagern und unerkannt zu bleiben.

    ntv.de: Werfen wir einen Blick auf weiter südlich der Frontlinie, am Dnipro. Dort gab es zuletzt widersprüchliche Aussagen: Das ISW behauptet, dass den Ukrainern eine Art Durchbruch gelungen sei. Die Russen behaupten dagegen, sie haben sehr erfolgreiche Gegenangriffe gestartet. Was stimmt?

    Markus Reisner: Das muss man immer im Zusammenhang mit anderen Frontabschnitten sehen: Russland hat in Awdijiwka versucht, selbst in die Offensive zu gehen und ist in der ersten Phase gescheitert. Sie sind deshalb gezwungen, operative Reserven, also Reserven, die vor Ort sind, einzusetzen. Genau das möchte die Ukraine verhindern, indem sie an anderer Stelle mit entsprechend hoher Entfernung versucht, die Russen zu verlocken, diese Reserven umzuleiten. Das sehen wir jetzt am Dnipro, wo die Ukraine an mehreren Stellen den Fluss überquert hat. Es gibt sogar Berichte, dass es den Ukrainern gelungen ist, eine Pontonbrücke zu schlagen.

    ntv.de: Wie sieht es momentan am Rest der Front aus? Wie schätzen Sie die Lage grundsätzlich für die Ukraine jetzt zu Anfang der Rasputiza ein?

    Markus Reisner: Hier muss man wieder drei Ebenen unterscheiden, die taktische, operative und strategische. Auf der taktischen Ebene erkennen wir die Angriffe der Russen bei Awdijiwka und im Zentralraum, sowie von der Ukraine den Versuch, den Dnipro zu überschreiten. Auch an anderen bekannten Stellen der ukrainischen Offensive, wie zum Beispiel nördlich von Mariupol, gibt es laufende Angriffe. Aber es gelang bis jetzt keiner Seite ein intendierter Durchbruch, trotz heftigster Angriffe in den letzten Monaten. Man erkennt, dass die Russen und die Ukrainer beide dasselbe versuchen.

    ntv.de: Und zwar?

    Markus Reisner: Beide versuchen den anderen zu zwingen, Reserven einzusetzen und das ist typisch für einen derartigen Abnutzungskrieg. Interessant ist, dass die Ukraine angekündigt hat, fünf neue Brigaden für die geplante Frühjahrsoffensive aufzustellen. Das sind die 150. bis 154. mechanisierte Brigade. Diese haben einen Bedarf von circa 150 Kampfpanzern, 300 Schützenpanzern und 200 Artilleriesystemen. Diese Brigaden sollen der Ukraine die Möglichkeit geben, wieder ihre Kräfte zu nähren und selbst in die Offensive zu gehen. Auf der operativen Ebene ist der Angriff auf Russlands Hubschrauberkräfte im Zentralraum mittels frisch gelieferten ATACMS aus den USA interessant. Damit ist es den Ukrainern gelungen, eine wesentliche Fähigkeit der Russen zu schwächen.
    Diese Kampfhubschrauber waren dafür verantwortlich, dass die ukrainische Offensive in der ersten Phase gescheitert ist, weil die Russen aus sicherer Entfernung die ukrainischen Kolonnen mit Hubschraubern beschießen konnten. Dieser Schlag mit den ATACMS, der möglicherweise auch noch genährt wird, wird einen entsprechenden Effekt ausüben.

    ntv.de: Und auf der strategischen Ebene?

    Markus Reisner: Da ist interessant, dass wir auf beiden Seiten ein Nachlassen von dem Einsatz von Marschflugkörpern und Drohnen erkennen. Vielleicht, um sie für Angriffe auf die kritische Infrastruktur zu sparen. Vielleicht hält man die Kräfte auch zurück, falls es an der Front zu dynamischen Entwicklungen kommt. Auf der ukrainischen Seite sind die Angriffe mit Storm Shadow und Scalp fast vollständig zum Erliegen gekommen. Das kann mehrere Gründe haben. Die Russen behaupten, in den letzten Tagen mehrere Kampflugzeuge, als Träger dieser Luft-Boden-Waffen abgeschossen zu haben. Zudem behaupten sie viele der Raketen fast vollständig abschießen zu können. In jedem Fall zeigt es aber, dass die ATACMS zur richtigen Zeit gekommen sind, weil sie eben diese Lücke schließen können, die möglicherweise dadurch entstanden ist.

    (ntv, 23.10.)

    So neu ist die Sache mit den Tunneln nicht. Man erinnere sich an die monatelangen Kämpfe um den Donjezker Flughafen, das Asowstahlwerk oder Soledar – überall waren ausgedehnte Tunnelsysteme der Grund für die langen Kämpfe.
    Während des II. Weltkriegs waren z.B. die Partisanen 3 Jahre lang in den Katakomben von Odessa gegen die rumänische Besatzung aktiv.
    Es wurden auch nach WK II viele Anlagen bewußt unterirdisch ausgebaut, um bei einer etwaigen Invasion lange ausharren zu können. Gedacht war dabei natürlich an einen ausländischen Invasor …

  66. „Berater von ukrainischem Armeechef Saluschnyj an Geburtstag durch Granate getötet

    Walerij Saluschnyj bestätigt den Tod seines Adjutanten. Laut Innenminister Klymenko handelt es sich um einen Unglücksfall.

    Ein enger Berater des Oberbefehlshabers der ukrainischen Armee ist am Montag bei der Explosion eines seiner Geburtstagsgeschenke getötet worden. Ein »unbekannter Sprengsatz in einem seiner Geschenke« sei detoniert, erklärte Armeechef Walerij Saluschnyj im Onlinedienst Telegram. Sein Assistent und enger Freund Gennadij Tschastiakow sei »unter tragischen Umständen (…) an seinem Geburtstag getötet« worden.

    Wie Innenminister Igor Klymenko ebenfalls auf Telegram erklärte, hatte Tschastiakow seinem Sohn eine Schachtel mit Granaten gezeigt, die er geschenkt bekommen hatte. „Zuerst nahm der Sohn die Munition in die Hand und begann, den Ring zu drehen. Dann nahm der Militärangehörige ihm die Granate weg und zog an dem Ring, was zu einer (…) Explosion führte“, erklärte Klymenko.

    Soldat überreichte Tschastiakow das tödliche Geschenk

    Die Polizei hat nach eigenen Angaben einen Soldaten identifiziert, der Tschastiakow das tödliche Geschenk gemacht haben soll. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden.

    Saluschnyj lobte, dass Tschastiakow seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 »sein Leben voll und ganz den Streitkräften der Ukraine und dem Kampf gegen die russische Aggression gewidmet« habe. Der Getötete hinterlässt demnach eine Frau und vier Kinder.“

    (Berliner Zeitung, 7.11.)

    Das sind ja eigenartige Geburtstagsgeschenke und Kinderspielzeug, die in der Ukraine inzwischen ganz und gäbe zu sein scheinen.

    Überall in ukrainischen sozialen Medien wird auf Zelenskij gezeigt, der angeblich Zaluzhnyj damit die Rute ins Fenster stellen will, nachdem er sich maßlos über dessen Interviews und Aussagen der letzten Tage geärgert hat.

    —————–

    „Über eine »russische Spur« wird diesmal nicht gemutmaßt, obwohl man in diesem Fall durchaus Moskau dafür verantwortlich machen könnte.
    Beweise gibt es keine – aber wann hat sie das jemals gestört? Nie. Weder Kiew noch den Westen. In den Berichten tauchen auch weder Petrov noch Boschirov auf.
    Daraus läßt sich schließen, daß diese Version des Innenministeriums tatsächlich der Wahrheit entspricht. Darüber hinaus wurde der Überbringer des Geschenks bereits identifiziert – ein Kollege des Verstorbenen, ein Oberst der Streitkräfte der Ukraine und Assistent von Zaluzhnys Stellvertreter.
    Die gleichen Granaten wurden in seinem Büro gefunden, und es wurde sogar gemeldet, dass er Tschastjakow bei der Übergabe des Geschenks gewarnt hatte und sagte, es handele sich um scharfe Munition.

    Allerdings, ein seltsames Geschenk. Üblicherweise wird als Waffengeschenk eine besondere Pistole überreicht. Oder einfach nur eine Pistole.
    Wenn das Geschenk eine andere Bedeutung haben soll, dann eine Pistole mit nur einer Patrone.“ (Das entspricht offenbar der seidenen Schnur des Osmanischen Reiches … ) „Aber Granaten? Allerdings ist dies die Ukraine, und was dort geschieht, wie wir alle wissen, hängt alles mit einer Veränderung im Bewusstsein zusammen, um es wörtlich auszudrücken.“

    (KP, 7.11.)

    Die KP weist weiter auf die Entlassung eines anderen Mitarbeiters von Zaluzhnyj hin und auf den Umstand, daß eben die ukrainischen sozialen Medien alle eindeutig auf Mord spekulieren und den Auftraggeber bei Zelenskijs Umfeld oder ihm selbst vermuten.

  67. Russland schaltet mit einem Hackerangriff in der Ukraine den Strom aus. Gefährlich ist das neuartige Vorgehen – auch für den Westen

    Ein neuer Bericht zeigt, wie russische Angreifer viel rascher als früher die ukrainische Stromversorgung sabotieren konnten.

    Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung gehören für Russland zur Kriegstaktik. Einen direkten militärischen Nutzen haben die Stromausfälle jedoch nicht. Sie sollen der Zermürbung der Bevölkerung dienen. Im letzten Herbst hatte Russland dazu zahlreiche Angriffe mit Raketen und Drohnen durchgeführt.

    Am 10. Oktober begannen nach monatelanger relativer Ruhe die Angriffe auf kritische Infrastruktur in der ganzen Ukraine. Die Hauptstadt Kiew stand unter starkem Beschuss. Ein Ziel war es, die Energieinfrastruktur zu beschädigen – was gelang. In fast 4000 Städten und Dörfern kam es bis Ende der Woche zu Stromausfällen.

    Was bisher nicht bekannt war: In mindestens einem Fall liess am 10. Oktober auch ein Cyberangriff den Strom ausfallen. Das mag angesichts der zahlreichen Raketenangriffe vernachlässigbar erscheinen. Doch bemerkenswert ist das neuartige Vorgehen der Angreifer. Es lässt befürchten, dass Cyberattacken auf kritische Infrastrukturen künftig rascher ausgeführt werden können – und schwieriger zu entdecken sind.

    Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie die Stromversorgung gelten als komplex und aufwendig. Die Gruppe Sandworm, die dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugerechnet wird, hatte bereits 2015 und 2016 mittels Cyberangriffen in der Ukraine Stromausfälle ausgelöst. Damals kam sehr aufwendig programmierte Schadsoftware zum Einsatz, die eine lange Vorbereitungszeit erforderte.

    Aufwendig sind solche Angriffe, weil die Anlagen zur Strom- oder Wasserversorgung mit ihren Generatoren, Umrichtern oder Pumpen mit spezieller Technologie gesteuert werden. Diese sogenannte OT (Operational Technology) basiert auf eigenen Systemen und Protokollen. Zwar lässt sich dafür Schadsoftware programmieren. Doch das ist so aufwendig, dass es derzeit nur selten geschieht. Weltweit ist bis heute nur eine Handvoll solcher Malware bekannt.

    (…)

    Neu ist nun, dass staatliche Angreifer dieses Vorgehen auch bei OT-Systemen industrieller Anlagen einsetzen. Sandworm könnte auf diese Weise leicht auch andere Ziele angreifen. Die entsprechenden Systeme von ABB beziehungsweise Hitachi Energy stehen weltweit im Einsatz. Der Mandiant-Analyst Nathan Brubaker ist überzeugt, dass Sandworm mit dem vorhandenen Wissen über OT sogar Systeme anderer Hersteller relativ einfach angreifen könnte.

    Ob Russland kritische Infrastrukturen ausserhalb der Ukraine überhaupt angreifen möchte, ist laut Brubaker allerdings offen. Das sei eher eine Frage der politischen Motivation als der technischen Fähigkeiten. Denn klar ist: Ein russischer Sabotageakt gegen eine westliche Infrastruktur könnte eine Eskalation nach sich ziehen.

    (NZZ, 9.11.)

  68. Forbes macht sich Sorgen, ob die Ukraine die vielen Leopard-Panzer, die sie jetzt erhält, auch wirklich richtig bedienen kann?

    „Ukraine’s Getting Nearly 200 Leopard 1A5 Tanks. Now It Needs New Tank Tactics.

    (…)

    »The advantage of the Leopard over, for example, the T-64 is in accuracy, range and speed,« a Ukrainian tank gunner named Oleksiy told ArmyInform.

    It’s true: the 40-ton, four-person Leopard 1A5 is a fast and accurate shooter. It’s not for no reason that one Danish tank instructor advised his Ukrainian trainees to fight while on the move. The Leopard 1 »is made for driving and shooting,« the instructor said.

    German tank-maker Krauss-Maffei Wegmann gave the Leopard 1A5 what was, at the time, one of the world’s leading tank guns: the rifled 105-millimeter L7 from Royal Ordnance in the United Kingdom. Forty years later, the L7 still is an effective weapon, if a bit less powerful than the latest 120-millimeter guns are.

    But it’s not the gun itself that makes the Leopard 1A5 such an excellent shooter. It’s the tank’s whole integrated combat system, which includes the gun and its stabilizers, the gunner’s optics and the tank’s computerized fire-control system. (…)

    It’s a problem the Brazilian army, which also operates Leopard 1A5s, has addressed with tactics. »Work with what you have,« Brazilian tank officer Adriano Santiago Garcia wrote in a 2020 issue of Armor, the U.S. Army’s official tank journal. (…)

    „»Tank commanders must study how to maneuver their own vehicles,« Garcia wrote. »Approach enemy positions while protected at points that permit shooting, and disappear with steady and synchronized maneuver to gain terrain or just create damage.«

    What the Ukrainians should not do is what it frequently has done with its Leopard 2s: drive them in small groups, without much infantry support, directly toward Russian positions—often across minefields and artillery and drone kill-zones.

    Two hundred Leopard 1A5s is a lot of Leopard 1A5s. But even they will disappear quickly if the Ukrainians don’t deploy them the right way.

    (Forbes, 9.11.)

    Man fragt sich, was dieser Artikel soll angesichts der Tatsache, daß sich doch bereits herausgestellt hat, daß 1. die Gegenoffensive der Ukrainischen Streitkräfte vorbei ist und 2. die Panzer sich als überhaupt nicht wichtig erwiesen haben?

    Aber genauso könnte man sich fragen, warum weiter diese Panzer an die Ukraine geliefert werden?

    Es entsteht der Eindruck, daß jeder sich absichern will – ich wars nicht, ich bin nicht schuld! – wenn die ganze Sache endgültig kracht.

  69. Der Schluss eines Kommentars von Reinhard Lauterbach: Warum es weitergeht:

    (…) Es führt also nichts an der Einsicht vorbei, dass es die Existenz zweier gegensätzlicher politischer Zwecke ist, die diesen Krieg verlängert. Selbst wenn der Ukraine aktuell die Mittel ausgingen, den Krieg zu führen, würde ihr Wille dazu, eine bessere Gelegenheit zu seiner Fortsetzung vorzubereiten, nicht schwinden. Und vor allem bleibt der Wille ihrer westlichen Sponsoren bestehen, sie für eine solche Fortsetzung auszurüsten. Zu sehen an dem Scholz-Statement vom Mittwoch, der Ukraine-Krieg werde »sehr lange« dauern und verlange von der BRD, sich selbst kriegsfähig zu machen und ihre Infrastruktur zu »härten«. Im Klartext heißt das: Nicht einmal eine ukrainische Niederlage hinderte die westliche Politik daran, den in der Ukraine verlorengehenden Konflikt mit Russland anderswo weiterzuführen. Sie will diesen Krieg.

    https://www.jungewelt.de/artikel/462930.warum-es-weitergeht.html

  70. Der Kriegswille ist zweifelsohne da.

    Man fragt sich allerdings, mit welchen Mitteln und an welchen Fronten er weitergeführt werden soll, wenn sich auf dem ukrainischen Schauplatz etwas grundlegend ändert.

    Vermutlich ist dieser Eifer auch dem Umstand geschuldet, daß in den USA die Bereitschaft, die Ukraine zu unterstützen, von tag zu Tag schwindet und Deutschland sich da Chancen auf Führerschaft in der antirussischen Koalition der Kriegswilligen ausrechnet.

    Ein ähnliches Auftreten hat Deutschland ja auch im Gaza-Konflikt: Zu versuchen, die USA zumindest bei der verbalen Unterstützung zu übertreffen.

  71. Borrell soll irgendwo gesagt haben, bisher sollen 27 Milliarden Euro in die Ukraine geflossen sein. Weitere Hilfen sind allerdings blockiert und umstritten:

    „Aufstockung des EU-Kriegsfonds für Ukraine verzögert sich (…)

    „Haushaltsangelegenheiten sind Diskussionen auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs“, sagte der Diplomat und fügte hinzu: „Das gilt auch für die Aufstockung der Europäischen Friedensfazilität, denn dieses Mal geht es um sehr viel Geld.“

    Finanzielle Mittel gehen zur Neige

    Die ursprünglich mit 5,6 Mrd. Euro ausgestattete Friedensfazilität wurde außerhalb des EU-Haushalts eingerichtet, da dieser nicht zur Finanzierung des Erwerbs von Verteidigungsgütern für Drittländer und militärische Missionen und Operationen der EU verwendet werden kann.

    Der Fonds wurde jedoch bereits zum größten Teil aufgebracht. Denn über ihn wurden die EU-Staaten für die Waffenlieferungen an die Ukraine entschädigt.

    Trotz einer ersten Aufstockung um 5,5 Milliarden Euro Ende 2022 schlug der EU-Chefdiplomat Josep Borrell vor dem Sommer vor, die Obergrenze des Fonds für die nächsten vier Jahre um 20 Milliarden Euro anzuheben. Damit soll vermieden werden, dass der massive Bedarf der Ukraine die Unterstützung anderer Drittländer gefährdet. (…)

    Zögerlichkeit

    Unterdessen hält der Widerstand gegen die Auszahlung der Mittel an.

    Der neu gewählte slowakische Ministerpräsident Robert Fico hat sich im Wahlkampf dafür eingesetzt, die Militärhilfe für die Ukraine einzustellen. Darüber hinaus hat Ungarn bereits die Bereitstellung eines 500-Millionen-Euro-Pakets aus dem aktuellen EFF-Budget für den ukrainischen Bedarf blockiert und verlangt, dass Kyjiw die ungarische OTP-Bank von der schwarzen Liste nimmt.

    Obwohl die von Budapest gestellten Bedingungen bereits Anfang des Monats erfüllt wurden, gab es bisher keine Forschritte in Richtung einer Entscheidung.

    »Wir müssen uns zuerst auf die Prämisse einigen, dass es eine Aufstockung geben wird, und wir haben immer noch keine grundlegende Einigung«, sagte ein zweiter EU-Diplomat gegenüber Euractiv, »dann werden wir entscheiden, ob wir viermal 5 Milliarden Euro oder einmal 20 Milliarden Euro beschließen.«“

    (Euractiv, 16.10.)

    Frankreich beabsichtigt, die Lieferung von Waffen aus seinen Arsenalen an die Ukraine einzustellen
    Paris forderte Kiew auf, Haubitzen nicht aus französischen Arsenalen, sondern über den Fonds zu erhalten“

    – also Frankreich hat genug vom Herschenken und will Geld sehen.
    Aber der bewußte Fonds ist eben recht leer, siehe oben.

    „Paris verhandelt mit Kiew über die Möglichkeit, über einen speziellen Unterstützungsfonds neue Haubitzen zu kaufen. Darüber äußerte sich der französische Militärminister Sébastien Lecornu und stellte klar, dass die französische Regierung in diesem Fall keine Waffen aus den Arsenalen des Landes transferieren müsste.

    »Wir verhandeln mit ukrainischen Kollegen, um die Ukraine mit Mitteln aus einem Sonderfonds zum Kauf neuer Haubitzen zu bewegen, damit das französische Militär keine Waffen mehr aus seinen Arsenalen transferieren muß«, sagte der Abteilungsleiter gegenüber dem Fernsehsender LCI“ (ein Sender von TF1).

    Lecornu wies darauf hin, dass die Militärhilfe für Kiew aus Paris 3 Milliarden Euro erreichte und 200 Millionen Euro aus dem Staatshaushalt für den Unterstützungsfonds bereitgestellt wurden. Seiner Meinung nach kann die Ukraine diese Mittel für den Kauf neuer Waffen von französischen Herstellern ausgeben. (…)

    (KP, 13.11.)

  72. „Scholz erklärte, er sei zur Fortsetzung des Dialogs mit Putin bereit

    Der deutsche Bundeskanzler glaubt, dass es für Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland notwendig ist, dass die russische Seite die Truppen abzieht

    (…)

    (Anti-Spiegel, 12.11.)

    Man fragt sich, warum Scholz diese dümmlichen Bemerkungen ausgerechnet der Heilbronner Stimme mitteilt, einem international unbekannten und auch im regionalen Kontext nicht allzu bekannten Blatt?

    Er kann ja keinen Dialog „fortsetzen“, den es nicht gibt.
    Hier wird versucht, den Eindruck zu erwecken, er wäre bereit zu Gesprächen, – um in den folgenden Sätzen diese Lüge selbst zu dementieren, weil er für seine Vortellung von „Dialog“ Bedingungen nennt, von denen klar ist, daß die Gegenseite sie nicht anerkennen wird.

    Vermutlich hat er bei der Lokalzeitung die Sicherheit, daß sie seinen Schmarrn unkommentiert übernehmen werden, weil sie über diesen Gastauftritt froh sind, der ihre Leserschat möglicherweise erhöht.

  73. Ein von der KP befragter Militärexperte meint, daß die Ukraine versuchen wird, ihre Positionen über den Winter zu halten, während Rußland sich für einen Angriff vorbereitet.

    Dafür seien erstens die Russen personell besser gerüstet, aber auch was die Bewaffnung betrifft, weil die westliche Militärtechnik frostempfindlicher ist als die russische. Außerdem sammelt die russische Armee seit Wochen Kräfte und häuft Waffen an, um

    1. das „Wespennest“ Avdejevka endlich einzunehmen, und
    2. Kramatorsk zu erobern.

    Zur Frost-Tauglichkeit der Bewaffnung:

    KP: Man sagt, daß westliche Geräte bei Temperaturen unter -30° versagen.

    Anatolij Matvijtschuk: Die Schmierstoffe, die letztes Jahr mit den Geräten“ (aus NATO-Staaten) „geliefert wurden, ändern ihren physikalischen Zustand bei Temperaturen von bis zu -20 °C. Man benötigt Schmiermittel für den Winter oder besser noch für die Arktis.
    Unsere Ausrüstung wurde komplett auf arktische Schmierstoffe umgestellt. Andernfalls funktionieren die Schmiermittel der Waffe, die den Rückstoß in die entgegengesetzte Richtung bewegen, nicht mehr, beim ersten Schuss blockiert alles und die Waffe feuert nicht mehr.
    Bei Panzern wie »Abrams« oder »Leopard« verdickt sich auch das Schmiermittel in den Walzen, was zum Ausfall führt.
    Ukrainische Techniker können die Ausrüstung nicht auf winterliche Bedingungen umstellen. Sie brauchen Werkstätten, die jetzt in Polen eingerichtet werden. Aber Polen verlangt viel Geld für die Wartung von Geräten aus der Ukraine.

    Wie viele Menschen kann Zelenskij noch zu den Waffen rufen?

    KP: Kiew stellt sich die Aufgabe, die Grenzen von 1991 wiederherzustellen. Die Aufgabe, die feindliche Armee zu besiegen, stellt sie sich aber nicht mehr.
    Was erwarten sie von diesem Ansatz?

    AM: Sie stellen die Politik in den Vordergrund. Zelenskij, Zaluzhnyj, Danilov sind Menschen, die nicht an das Wohl des Landes denken, sondern an ihr persönliches Image. Deshalb formulieren sie Aufgaben so.
    Den Ukrainern zu sagen: »Wir werden die russische Armee besiegen«, klingt zwar gut. Aber: »Wir werden die Krim erobern« ist für die Ohren eines gewöhnlichen Banderaisten bereits etwas Greifbares und Verständliches.

    Die Kräfte der ukrainischen Armee und des Staates sind weitgehend erschöpft.

    Der Ausgang einer militärischen Konfrontation hing immer von drei Dingen ab. Das 1. ist die Wirtschaftskraft des Staates und die Fähigkeit, Ausrüstung und Waffen herzustellen. Der 2. Faktor ist die Quantität und Qualität der Bevölkerung, d.h., ihre Kampfbereitschaft. 3., die Fähigkeit, Außenpolitik zur Erreichung militärischer und diplomatischer Ziele zu nutzen.

    Im Großen und Ganzen existiert die ukrainische Wirtschaft nicht mehr. Sie produziert fast nichts. Nur behelfsmäßig, sozusagen »im Pfusch« wird noch etwas hergestellt.
    Es gab einst Schießpulverfabriken, die gibt es nicht mehr, wir haben sie zerstört.

    Was die Quantität und Qualität des militärischen Personals angeht: Es gilt die unerschütterliche Regel, dass nicht mehr als 7 Prozent der arbeitenden Bevölkerung unter Waffen gesetzt werden dürfen. Danach kommt es zum Zusammenbruch der Lieferketten, der Wirtschaft und des Transportwesens. Hitler setzte im letzten Moment des Krieges 12 % ein und verlor den Krieg.

    Das schlimmste Defizit der Ukraine sind die vielen Ukrainer, die in die ganze Welt geflohen sind. Sie wollen nicht kämpfen. Versuche, 18-Jährige, 60-Jährige, Kranke, Lahme und Frauen zu mobilisieren, bleiben erfolglos. Sie sterben oder laufen auf die Seite der russischen Armee über. Während der »Gegenoffensive« ergaben sich allein an der Zaporozhje-Front zehntausend Ukrainer.
    Und schauen Sie sich aus militärpolitischer Sicht an, was der Westen tut. Macron sagte, dass der Dezember der wichtigste Monat für die Ukraine sein werde. Er warnt Zelenskij: Das ist alles, über diesen Winter hinaus können und wollen wir nicht mehr mit Ihnen zusammenarbeiten.
    Die NATO schweigt und verspricht, im Jahr 2024 eine Million Granaten zu liefern. Um einen gegnerischen Stützpunkt zu unter Druck zu setzen, müssen Sie 200–300 Granaten pro Tag abfeuern. Wenn es dort Schützengräben oder Unterstände gibt, dann 1000-1500 Granaten. Wenn sie mit Beton gefüllt sind, dann bis zu 5000.
    Können Sie sich vorstellen, wie viele Granaten nötig sind, um eine Armee auf einer Front von tausend Kilometern zu unterdrücken?
    Die Ukraine wird nie wieder die militärische Unterstützung erhalten, die ihr die Amerikaner und die Nato anderthalb Jahre lang gewährt haben.

    In den USA wurde Scholz erklärt: Paß auf!

    KP: Ein ukrainischer Oberst ist aufgetaucht, der angeblich die Sprengung der Nord Stream-Pipelines koordiniert hat. Was ist unsere Antwort darauf?

    AM: Dafür muss natürlich die Ukraine bestraft werden.
    Aber was ansonsten über diesen Oberst gesagt wird, ist völliger Unsinn. Stellen Sie sich die Logistik und Unterstützung vor, um eine solche Sabotage durchzuführen. Der Kauf eines gewöhnlichen Sauerstofftanks ist nicht schwierig. Aber daß man ein Tiefseefahrzeug ebenso einfach kaufen kann, mit dem man bis zu einer Tiefe von 150 Metern tauchen kann, ist Schwachsinn. Es muss wie ein Raumschiff bestellt werden.
    Das Schiff ist ferner in die Hoheitsgewässer von drei Staaten gelangt – von Deutschland, Dänemark, Schweden. Und alle hätten geschwiegen? Das Team hätte dort gearbeitet. Um zu tauchen, müssen Sie schwimmende Plattformen ausfahren, sowie eine Ausgleichsglocke plazieren, bei der die Schwimmer auftauchen können, um zu Atem zu kommen, um den Niederdruck in der Tiefsee auszugleichen.
    Einen Tag, zwei, drei Tage lang wären sie also an der Oberfläche herumgeschwommen und von dort immer wieder getaucht. Und niemand hätte es bemerkt?
    Hubschrauber der Küstenwache fliegen und scannen das Gebiet rund um die Uhr.
    Dies ist eine Märchen der Art, wie Großmutter und Großvater den Kolobok“ (eine Märchen- und Comikfigur in Form einer Brotkugel) „geblendet haben.

    KP: Aber was ist denn dort wirklich passiert?

    AM: Höchstwahrscheinlich handelte es sich um ein Spezialschiff, das nur in einemgroßen Flotteverband zu finden ist. Dort gibt es kleine spezielle Räume für Taucher, und Schleusen, aus denen eine Gruppe unbemerkt aus- und einsteigen kann. Beim Verriegeln betritt diese Gruppe den Druckausgleichsraum und dort finden Maßnahmen statt“ (die eine Taucherglocke überflüssig machen). „Sie hatten Landkarten des Bodens, wo der Verlauf der Pipelines genau eingezeichnet war. Sie tauchten gezielt und blieben nur eine minimale Zeit unter Wasser.
    Die Anlieferung der etwa 100-120 Kilogramm schweren Ladung erfolgte durch Unterwassertransporter. Es war eine blitzschnelle Operation, die nicht länger als 30-40 Minuten dauerte. Die Schwimmer waren genau in Position. Ich denke, sogar die Stellen, wo die Sprengladungen angebracht werden sollten, waren auf den Karten mit Rotstift markiert.
    Es sollte eine brillante Unterwasser-Militäroperation der NATO mit Unterstützung der USA und der Küstendienste aller drei Nachbarländer werden. Deshalb wollen sie bei den Ermittlungen nicht mit uns zusammenarbeiten.
    Und die Ukraine ist ein geeignetes Schlachtopfer.“ Die westlichen Mächte werden sagen: „ Sie haben uns reingelegt: Schaut, wir wussten nicht, wie sie waren. Wir waren sozusagen geblendet.“

    Von was, fragt man sich?

    „Wenn sie die Ukraine aufgeben, werden sie alle Hunde dort anhängen.“

    Damit ist offenbar gemeint, daß alles, was die westlichen Mächte von sich weisen, der Ukraine zugeschrieben werden wird, als eine Art Sündenbock.

    KP: Sollte Russland irgendwie auf diese Sabotage reagieren?

    AM: Die Ukraine ist ein Terrorstaat, er muss verurteilt werden. Ich denke, sie wird verurteilt werden.
    Und wir müssen etwas unternehmen, wie z.B. Angriffe auf kritische Infrastruktur, vielleicht sogar die Zerstörung von Gebirgspässen, die die Ukraine und Europa verbinden.
    Es ist möglich, dass dies die Zerstörung von Flugplätzen in der Westukraine sein wird, damit die F-16 nicht dorthin fliegen. Möglicherweise Angriffe auf Häfen an der Donau. Schließlich steht in Odessa und Iljitschewsk bereits alles still, dort ist bereits alles unter Beschuss.

    Es ist unwahrscheinlich, daß Brüssel ein Dekret zur Sprengung der Nord Stream Pipelines unterzeichnet hätte. Das war schließlich ein schwerer Schlag für die deutsche Wirtschaft.“

    Nicht nur für die deutsche.

    „Wenige Tage zuvor wurde Scholz in die Staaten beordert, um mit Biden zu verhandeln. Er war bedrückt, lächelte dumm und spielte den guten Michel. Ich denke, auf ihn wurde Druck ausgeübt. Ihm wurde klar gemacht, was Deutschland im Falle eines Ungehorsams erwartet. Er begriff nicht, dass er als Führer so oder so verlieren würde. Und die deutsche Wirtschaft wird einfach zusammenbrechen.“

    (KP, 16.11.)

  74. Ein Versuch, angesichts schlechter Entwicklungen dennoch Optimismus zu versprühen:

    „"Wir verlieren den Mut"

    Im Ukraine-Krieg schafft es Russland langsam, Awdijiwka einzukesseln. Im Süden gerät die russische Armee allerdings unter Druck. Gelingt einer Seite bald ein Durchbruch? Ein Überblick über die militärische Lage.

    In der Ukraine tobt ein blutiger Stellungskrieg. Im Osten schaffen es russische Truppen im Kampf um die Stadt Awdijiwka, langsam Geländegewinne zu erzielen, die ukrainischen Soldaten drohen eingekesselt zu werden. Aber die Stadt wurde zu einer Festung ausgebaut, und für die russische Armee könnte es ein ähnlich verlustreicher Kampf werden wie um Bachmut ab Herbst 2022.

    Im Süden dagegen ist die ukrainische Armee in der Offensive und bringt immer mehr Soldaten und schweres Gerät über den Dnipro. Die ukrainischen Brückenköpfe im Oblast Cherson halten, und Kremlchef Wladimir Putin droht in der Region ein Debakel.“

    Also in Avdejevka alles im grünen Bereich, bei Cherson nähert sich ein Debakel?!

    „Trotz erbitterter Kämpfe verändern sich die Fronten nur geringfügig. Keiner Seite gelingt ein Durchbruch. Militärexperte Christian Mölling erklärt im Interview, warum das nur eine Momentaufnahme in diesem Krieg sein kann. Ob Putin seinen Krieg verliert, hänge vor allem damit zusammen, ob der Westen seine Zögerlichkeit überwinden kann.

    t-online: Herr Mölling, in der Region Cherson gerät Russland zunehmend unter Druck, die Brückenköpfe der ukrainischen Armee halten. Ist an diesem Frontabschnitt ein Durchbruch möglich?

    Christian Mölling: Da wäre ich vorsichtig, ein Durchbruch ist noch nicht in Sicht.“

    Aber Herr Mölling! Wir haben Sie doch deshalb eingeladen, damit sie sagen: Ja, die Ukraine ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch!

    „t-online: Trotzdem scheint es für die Ukraine im Süden gut zu laufen.

    Mölling: Der ukrainischen Armee ist es seit mehreren Monaten gelungen, diese Brückenköpfe zu halten. Dort wird mittlerweile auch schweres Gerät über den Dnipro gebracht. Das ist natürlich ein Risiko für Russland, aber die russische Armee schaut nicht einfach dabei zu und wartet ab, sondern sie reagiert darauf.“

    Wahrscheinlich wartet die russische Armee darauf, daß alles auf einem Fleck ist und man es dann schnell plattmachen kann.
    Die russische Artillerie ist auch in diesem Bereich ja sehr stark aufgestellt.

    t-online: Warum greift die Ukraine gerade an diesem Frontabschnitt an?

    Mölling: Es geht für die Ukraine vor allem darum, Russland vor militärische Dilemmata zu stellen. Wenn die russische Armee nun den Frontabschnitt im Süden stärken möchte, muss sie Truppen aus dem Osten abziehen. Das ist das Ziel der Ukraine.

    t-online: Muss Russland nicht bereits Truppen in den Süden verlegen?

    Mölling: Das ist mein Eindruck. Die russische Armee hat bereits das Kommando in der Region ausgetauscht, und ein höherrangiger Offizier kümmert sich um die Verteidigung dieses Frontabschnittes. Das ist ein erster Indikator, dass es da tatsächlich mehr zu tun gibt. Das heißt aber nicht, dass die Russen das nicht unter Kontrolle kriegen könnten. Es beutetet nicht, dass etwas zusammenbricht, aber die Verlegung von Truppen ist für die Ukraine eine gute Nachricht.

    t-online: Warum?

    Mölling: Weil es andere Frontabschnitte instabiler macht und weil es das Ziel der Ukraine sein muss, die russischen Truppen in Bewegung zu halten. Dann können sie sich nicht eingraben.“

    Dieses leere Hin und Her zwischen den beiden Gesprächspartnern versucht beim Leser den Eindruck zu erwecken, bei der russischen Armee würden von einem Frontabschnitt Truppen abgezogen und an einen anderen verlegt, weil sie zu wenig Personal haben.
    Es ist aber genau umgekehrt: Die Russen bringen in einem fort Verstärkungen und die Ukraine hat eine schwache Personaldecke.
    Die Angriffe bei Cherson, die seit Monaten erfolglos durchgeführt werden, kommen jetzt medial groß heraus, um zu zeigen: Es tut sich was!

    t-online: Die Verteidigung der Krim ist für Russland demnach noch nicht in Gefahr?

    Mölling: Nein. Bislang können wir lediglich erkennen, dass es immer mehr Ukrainer geschafft haben, über den Fluss überzusetzen und dass Russland bisher nicht in der Lage war, diese Vorstöße zurückzudrängen.“

    Oder aber, es nicht wollen, um die ukrainischen Truppen in eine Falle zu locken, ähnlich wie in Rabotino.

    „Damit diese ukrainischen Erfolge nachhaltig sind, müssen die Brückenköpfe längerfristig mit Lebensmitteln, Treibstoff und Munition versorgt werden. Das wird schwierig.

    t-online: Gibt es denn andere Frontabschnitte, an denen die Ukraine aktuell in der Offensive ist?

    Mölling: Zu diesem Zeitpunkt sind größere Offensiven nicht möglich, weil das Wetter extrem schlecht ist. Aber es wird immer noch erbittert gekämpft. Trotzdem ist auch die aktuelle Offensive von Putins Armee bisher gescheitert und hat zu keinen Erfolgen geführt.“

    Ein interessanter Themenwechsel.
    T-Online erkundigt sich nach der ukrainischen Offensive, die de facto bereits abgeblasen wurde, ohne daß das offiziell gesagt werden darf.
    Mölling versichert, daß die russische Offensive – die es gar nicht gab – gescheitert ist.

    t-online: Es ist ein Stellungskrieg.

    Mölling: Aber es muss kein Stellungskrieg bleiben, sondern das ist eine Momentaufnahme. Der ukrainische Generalstabschef Walerij Saluschnyj hat in einem Interview erklärt, dass es ein Abnutzungskrieg werden könnte. Das ist jedoch kein Automatismus.“

    Mit einem Wort, die ukrainischen Stellungen können auch zusammenbrechen.

    t-online: Die Realität auf den Gefechtsfeldern spricht aber schon dafür. Immerhin gibt es kaum Bewegungen der Frontlinien.

    Mölling: Es stimmt auf jeden Fall, dass die Ukrainer langsam vorankommen.“

    Aber sie kommen voran, Zuversicht!
    Das lesen wir auch bereits seit einem halben Jahr. Es handelt sich um einen fertigen Textbaustein, der so lange, wie dieser Krieg dauert, eingesetzt werden wird.

    „Im Westen gab es durchaus andere Vorstellungen, aber westliche Streitkräfte waren auch noch nicht in der Form mit Verteidigungslinien, Minenfeldern und Schützengräben konfrontiert. Außerdem sorgen auf beiden Seiten Drohnen dafür, dass jede Bewegung eines einzelnen Soldaten oder Panzers erkannt werden kann.

    t-online: Das spricht doch gerade für eine Verfestigung der Fronten.“

    Man merkt, T-Online bettelt förmlich, doch wenigstens ein Zeichen zu geben, daß die Ukraine die Front halten kann.

    Mölling: Nicht unbedingt. Momentan sind die Drohnen vielleicht eine Art Sperrriegel, die einen Durchbruch verhindern können. Aber sie sind auch keine Wunderwaffe und können mit elektronischer Kriegsführung ausgeschaltet werden. Im Hintergrund dieses Krieges tobt auch ein Rüstungswettlauf, und diese Pattsituation an den Gefechtslinien könnte sich auch wieder verändern.

    t-online: Russland soll jetzt Drohnen des Typs "Izdeliye-53" einsetzen, die offenbar die Fähigkeit besitzen, Ziele auch nachts zu erkennen. Ist das für die Ukraine gefährlich?

    Mölling: Wenn die russische Armee wirklich eine größere Anzahl dieser Drohnen erhalten sollte, wäre das natürlich gefährlich für die Ukraine.
    Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass ukrainische Soldaten und westliche Panzer einen Vorteil hatten, weil ihre Nachtkampffähigkeit besser war als die der Russen.“

    Auch dieser Vorteil wurde bereits vor Monaten zunichte gemacht, als die russische Armee ebenfalls mit Nachtsichtgeräten ausgestattet wurde.

    Sollte die Quantität dieser Drohnen hoch sein, müsste die ukrainische Armee sich anpassen.

    t-online: Wie?

    Mölling: Indem sie weniger in der Nacht kämpft und sich im Dunkeln nicht mehr so frei bewegt, wie sie das bisher konnte.

    t-online: Ein Rückschlag droht der Ukraine in Awdijiwka im Osten des Landes. Die Stadt droht von der russischen Armee eingekesselt zu werden. Wie bewerten sie die Lage an der östlichen Front?

    Mölling: Es droht ein Kessel im Kampf um Awdijiwka. Aber auch die Ukrainer haben aus Bachmut gelernt, und das war für die russische Armee und die Wagner-Söldner schon ein unheimlich langer und verlustreicher Kampf. Putin scheint nun einen militärischen und symbolischen Erfolg haben zu wollen, aber die Stadt ist eine Festung. Die Ukrainer haben dieses Gelände in Donezk seit 2014 befestigt. Ein Verlust wäre für die Ukraine jedoch sicherlich atmosphärisch schlecht.

    t-online: Somit könnte Awdijiwka nach Bachmut der nächste Fleischwolf werden?

    Mölling: Das stimmt, aber es hat für beide Seiten unterschiedliche strategische Ebenen. Verluste spielen für Russland eine deutlich geringere Rolle, Putin sind Menschenleben egal.“

    Damit wird so getan, als wäre das eine Besonderheit Putins.
    Dabei sind allen Militärs und Politikern, die Kriege anzetteln und führen, „Menschenleben egal“ – sonst könnten sie das Kriegsführen ja bleiben lassen.
    Die Leute, die gar nicht genug Waffen in die Ukraine liefern können, pfeifen jedenfalls auf das Leben der ukrainischen „Menschen“.

    „Er muss sich zwar für seinen Krieg nicht vor seinem eigenen Volk rechtfertigen, aber es gibt natürlich ein Machtökosystem im Kreml, welches davon abhängt, dass die Bevölkerung weiterhin stillhält. Deswegen muss die russische Führung eine erfolgreiche Erzählung haben.“

    Ärgerlich, ärgerlich, daß dieses „Machtökosystem“ bisher so gut hält.

    t-online: Erfolge konnte Russland in der Ukraine allerdings nicht feiern in diesem Jahr. “

    Nun ja. Sowohl auf dem Schlachtfeld als auch auf der internationalen Bühne hat Rußland an Profil und Volumen gewonnen, zum Unterschied vom „Westen“.

    Mölling: Darüber spricht eigentlich niemand. Russland verkauft es lediglich als Erfolg, dass es die ukrainischen Angriffe abgewehrt hat. Dabei sieht der Kreml sein Militär als zweitstärkste Armee der Welt. Aber es ist kein militärstrategischer Erfolg, der erzielt wurde, sondern Russland hat lediglich so massive Verteidigungsanlagen gebaut und Minenfelder verlegt, die offenbar historisch einzigartig im Hinblick auf die Dichte der Minen sind.“

    Ärgerlich, wie die guten alten Minen sich als Verteidigungsmittel bewähren – beim Feind.

    t-online: Wie kann die Ukraine denn momentan am effektivsten unterstützt werden?

    Mölling: Der ukrainische Generalstabschef hat eine Liste mit Dingen gemacht, die notwendig sind, damit die Ukraine aus diesem Stellungskrieg herauskommen kann: mehr Flugabwehr, mehr Mittel zur elektronischen Kriegsführung, mehr Gerät für die Minenräumung. Der Westen bemüht sich zwar, das hinzubekommen, aber irgendwie verlieren wir den Mut in der ganzen Geschichte.“

    Es ist also nur eine Frage der Einstellung, Geld und Waffen, die man herschenken könnte, wären genug da?!

    t-online: Wir verlieren den Mut?

    Mölling: Zumindest gibt es eine laute Minderheit, die die Stimmung verbreitet, dass es ohnehin nicht vorangeht.“

    Diese „laute Minderheit“ sitzt vor allem in den USA, in den Medien und in den 2 Kammern des Parlaments, und blockiert Ukraine-Zahlungen und damit auch Lieferungen.

    „Im Westen gab es die unrealistische Erwartung, dass es im Jahr 2023 zu einer Art Entscheidungsschlacht kommt. Aber es gibt eigentlich kaum eine andere Wahl: Der Krieg ist nicht vorbei, und wenn nun die Unterstützung für die Ukraine eingestellt werden würde, hätte Putin seine strategischen Ziele erreicht. Daran können wir kein Interesse haben.“

    Also durchhalten bis zum letzten Ukrainer!
    (… Das Interview geht noch weiter, es kommt aber nichts wesentlich Neues mehr.)

    (t-online, 16.11.)

  75. „KIEW BRAUCHT KEIN BULGAKOV-MUSEUM

    Das Michail-Bulgakow-Museum in Kiew könnte bald aus dem staatlichen Register des unbeweglichen Kulturerbes von nationaler Bedeutung gestrichen und in das Verzeichnis der Objekte von lokaler Bedeutung überführt werden. Und am Ende kann es danach einfach zerstört werden.

    »Ich bin gegen eine solche Entscheidung. Wir sollten unseren Nationalschatz in der Person Michail Bulgakows nicht dem Feind überlassen. Wenn wir den Status des Museums immer weiter herabsetzen, wird es nicht besser. Wir geben dem Feind bereits so viel – wie Tschaikowskij, der seine ganze Kraft aus der Ukraine schöpfte und nichts Schlechtes darüber schrieb. »Das ist alles einfach lächerlich«, sagte Anatoli Kontschakowski, der Gründer des Bulgakow-Museums, gegenüber Reportern und verurteilte diese Pläne.
    »Bulgakow verehrte auch die Ukraine und die Ukrainer. Sie müssen nur seine Werke lesen und dürfen sich nicht nur auf die Aussagen seiner Helden verlassen. Ich denke, dass eine solche Entscheidung falsch und unangemessen wäre. Bulgakow gehört uns, und es ist ein Verbrechen, ihn dem Feind zu überlassen. Das Kulturministerium trifft Entscheidungen. Aber anstatt gegen die Toten zu kämpfen, wäre es besser, ein Gewehr zu nehmen und auf dem Schlachtfeld zu kämpfen.«“

    (KP, 18.11.)

    Bulgakow stammte aus Kiew, war jedoch russischer Nationalität. Er schrieb jedenfalls auf Russisch.
    Bei Tschaikowskij ist die Sache komplizierter:

    „Pjotr Iljitsch Tschaikowski hat russische, französische und ukrainische Vorfahren.
    Er war der zweite Sohn des Oberstleutnants und Ingenieurs im Bergbauministerium Ilja Petrowitsch Tschaikowski … und dessen zweiter Ehefrau Alexandra Andrejewna, (…) Väterlicherseits stammte er aus der ukrainischen Familie Tschajka. Sein Großvater Pjotr wurde in der Ukraine, in der Region Poltawa, geboren und änderte während seines Studiums an der Kiew-Mohyla-Akademie den Nachnamen in Tschaikowski. … Der Urgroßvater des Komponisten, Fedir Opanassowytsch Tschajka (1695–1767), stammte aus Krementschuk, Ukraine, und diente im Myrhorod-Regiment des Saporoger Kosakenheeres des autonomen ukrainischen »Kosakenstaats«.“

    (Wikipedia, Pjotr Iljitsch Tschaikowski)

    Der Kulturkampf ersetzt Erfolge auf dem Schlachtfeld.
    Die ukrainische Führung versucht, Fakten zu schaffen, um den Kampf gegen Rußland und alles Russische irreversibel zu machen.

  76. „Pavel Volkov ist ein Journalist, der bis 2022 in der Stadt Zaporozhje lebte und sich für die Unterstützung ukrainischer politischer Gefangener engagierte, die im Verdacht standen, prorussische Ansichten zu haben. Er selbst verbüßte eine Haftstrafe in einem ukrainischen Gefängnis.
    Wie durch ein Wunder entkam er in die Freiheit und konnte nach Russland fliehen. Aber er beobachtet weiterhin das Schicksal der Menschen in der Ukraine, die wegen jeglicher Meinungsverschiedenheit mit Banderas Ideologie oder beispielsweise wegen eines Kalenders mit Putin inhaftiert sind …

    Darüber erzählt er der KP in einem Interview. (…)

    KP: Gibt es Statistiken darüber, wie viele politische Gefangene es derzeit in der Ukraine gibt?

    Pavel Volkov: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Ukraine selbst wurden seit Beginn der Militäroperation 150.000 Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Konflikt eingeleitet. Dabei handelt es sich um Verbrechen im Militärdienst, Ungehorsam, Fahnenflucht, illegaler Grenzübertritt.
    Die meisten dieser Fälle haben nichts mit politischen Ansichten zu tun.

    Aber 56.000 Fälle hängen zusammen. Es gibt Anklagen wie »Verrat«, »Datenweitergabe an die russische Armee« und so weiter.
    Die meisten dieser Fälle ereignen sich in den Regionen Nikolajev, Charkow und Cherson. Alle diese Anschuldigungen sind verbunden mit Beschlagnahme des Eigentums der Beschuldigten.“

    Das Anklagen und Verurteilen ist also heute in der Ukraine ein recht einträgliches Geschäft. In wessen Taschen diese beschlagnahmten Gegenstände – oder sogar Immobilien – verschwinden, läßt sich vermutlich kaum nachvollziehen. Ebenso, diese Vermögenswerte schon bei Anklage oder erst bei Verurteilung eingesackelt werden …

    „Ein Kiewer Sammler wurde zu 1,5 Jahren Haft verurteilt, weil er Glückwünsche zum Komsomol-Tag in sozialen Netzwerken gepostet hatte. Und sein gesamtes Eigentum wurde beschlagnahmt! Und er hat eine Sammlung von Antiquitäten, Raritäten …
    Großmütter bekommen fünf Jahre Gefängnis für Likes auf »Odnoklassniki«.“ (Es handelt sich hier um eine Website zum Finden ehemaliger Schulkameraden – von denen sich viele naturgemäß in Rußland befinden.) „Auch das ist mit Beschlagnahme ihres Eigentums verbunden.“

    Es gibt also auch hier bei Justiz und Exekutive eine Menge Leute, die daran interessiert sind, daß sich dieser Konflikt möglichst lange hinzieht.

    KP: Warum eigentlich diese Beschlagnahme? Um die Leute einzuschüchtern? Damit sich jemand bereichern kann?

    Pavel Volkov: Es ist so, dass die Bürger, wenn sie später ausgetauscht werden, keinen Grund haben, in die Ukraine zurückzukehren. Die Behörden dort brauchen keine Menschen mit prorussischen Ansichten. Wenn sie kein Eigentum mehr haben, so gibt es keinen Ort und Grund, um wieder zurückzukommen. 
    Am 1. Januar 2023 wurde in der Ukraine ein Gesetz über die nationale und bürgerliche Identität verabschiedet, das klare Ziele vorgibt: Eine Verringerung der Russischsprachigen, eine Zunahme der Ukrainischsprachigen, eine kritische Haltung gegenüber der sowjetischen und russischen Geschichte, eine Orientierung an Europa …

    Betrug mit angeblichem Austausch und geheime Gefängnisse 

    KP: Kann eine Person mit pro-russischen Ansichten, die eine Zeit im Gefängnis verbracht hat, ausreisen? Oder gibt es nur einen Weg – an die Front und dort sterben?

    Pavel Volkov: Fast alle dieser Leute wurden kürzlich inhaftiert, niemand ist bisher weggegangen. Doch die Ukraine macht keinen Hehl daraus, dass sie sie für einen Bevölkerungsaustausch vorbereitet und sie dafür zu einem Schuldeingeständnis bewegt. Und viele bekennen sich schuldig, nachdem sie die Zusage gehört haben, dass sie in die Tauschlisten aufgenommen werden.
    Obwohl Russland selbst so etwas nicht angeboten hat. Und nachdem sie ihre Schuld eingestanden haben, können diese Leute für unbestimmte Zeit in Haft bleiben.“

    Man wüßte auch nicht, wen Russland seinerseits zum Tausch anzubieten hätte? Die Kriegsgefangenen und Deserteure wollen nicht zurück, die ukrainischen Gastarbeiter wollen nicht zurück, und schon gar nicht die Leute, die seit Beginn der Kriegshandlungen nach Rußland geflüchtet sind.

    KP: Warum eigentlich?

    Pavel Volkov: In Russland gibt es zu wenige Menschen, die tatsächlich als politische Gefangene gelten können, viel weniger als in der Ukraine. Und die Ukraine selbst braucht sie nicht. Wenn es sich um Einwohner von Zaporozhje oder der Region Cherson handelt, die wegen Spionage und Unterstützung der Streitkräfte der Ukraine inhaftiert sind, so kann man sie verwenden. Die Ukraine betrachtet sie immer noch als ihre Bürger.
    Aber russische Saboteure wie Darja Trepova“ (die Frau, die die Bombe gebracht hat, die Tatarskij tötete) „sind, wofür sollte Kiew die haben wollen?
    Die Ukraine ist daran interessiert, ihre politischen Gefangenen gegen Kriegsgefangene aus dem Asow-Regiment und den ukrainischen Streitkräften auszutauschen.

    KP: Wie viele politische Gefangene könnte die Ukraine für einen solchen Austausch vorgesehen haben?

    Pavel Volkov: Nach unseren Schätzungen gibt es allein in den offiziellen Gefängnissen der Ukraine etwa 10.000 solcher Menschen. Und eine unbekannte Zahl wird immer noch in Geheimgefängnissen festgehalten.

    KP: Geheime Gefängnisse?

    Pavel Volkov: Da sitzen Menschen ohne Gerichtsverfahren oder Ermittlungen in den Kellern der SBU.“ (Des ukranischen Geheimdienstes) „Die Existenz dieser Gefängnisse wird seit 2015 von internationalen Organisationen dokumentiert. 2019 durften Menschenrechtsaktivisten sogar ein solches Geheimgefängnis in Charkow betreten. Es wurde in keiner Liste aufgeführt, existiert aber tatsächlich.

    KP: Sind Sie auf so etwas gestoßen?

    Pavel Volkov: Im Jahr 2018 wurde der Regisseur Oleg Sagan vor Gericht gestellt, der sich in seinen Filmen für die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche einsetzte. Er wurde in einem Keller festgehalten und von dort aus zu den Gerichtsverfahren gebracht. Das Gericht schreibt an und für sich vor, wohin Gefangene geschickt werden sollen, in welche Untersuchungshaftanstalt sie eizuweisen sind. Aber das steht im Fall Sagans nirgends. Es kamen einfach maskierte Leute herein und brachten ihn an einen unbekannten Ort.

    Verurteilt wegen der Landkarte eines Pilzsammlers

    KP: Was waren die schlimmsten Fälle?

    Pavel Volkov: Da waren viele.
    Ein Typ war in der Donbass-Miliz, er war eingesperrt. Er verbüßte 5 Jahre, wurde 2022 freigelassen und lebte im von der Ukraine kontrollierten Teil des Donbass. Er und seine Freundin hatten eine Tochter. Und der Bruder des Mädchens kämpfte für die DVR und starb dabei.
    Sie wurden beide gefangen genommen, angeblich wegen der Übermittlung von Daten an das Sparta-Bataillon. Beide sitzen, auch das Mädchen mit dem Baby.
    Es gab einen Fall, in dem eine politische Gefangene aus Odessa im Gefängnis ein Kind zur Welt brachte. Dann wurde sie ausgetauscht, aber das Kind starb.

    Oder der Fall eines weiteren Paares aus dem Donbass. Der Ehemann starb in einer Untersuchungshaftanstalt an den Folgen von Schlägen. Und die Frau sitzt immer noch. Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren wurden aus der sogenannten »Jungen Garde von Bachmut« entnommen. Angeblich wegen Datenübermittlung nach Russland. Ihnen droht eine Gefängnisstrafe von 10 Jahren!

    Es kam zu einem wirklich ungeheuerlichen Vorfall. Olga Galanina aus Berdjansk war in der ukrainischen Verwaltung in der humanitären Arbeit tätig. Als Russland kam, wurde ihr angeboten, in derselben Position zu bleiben. Sie kam nicht einmal dazu. Sie rief nur ihre Familie im von der Ukraine kontrollierten Gebiet an und sagte, daß sie wahrscheinlich zustimmen würde.
    Am nächsten Tag rief der SBU sie an und teilte ihr mit, dass sich ihr Sohn – ein Student – bei ihnen befinde. Er wurde aus seinem Studentenheim entführt und mit vorgehaltener Waffe festgehalten. Und der Mutter wurde gesagt: Komm her, um ihn zu retten. Sie kam und sitzt seit 1,5 Jahren wegen Hochverrats in Untersuchungshaftanstalt.

    Oder Tatjana Nezelennikova von der Krim, die 2015–16 in der lokalen Verwaltung arbeitete. Sie beseitigte die Folgen der Energieblockade der Krim, als Rechtsradikale aus der Ukraine Strommasten sprengten. Sie hat sogar eine Medaille erhalten. Und ihre Eltern lebten in der Region Dnepropetrowsk, und all die Jahre reiste sie zu ihnen. Zu Beginn des Einmarsches reiste sie wieder hin, weil ihr Vater verstorben war. Sie durfte nicht zurück und wurde zu 12 Jahren Haft verurteilt.

    Es gibt einen Lemberger Menschenrechtsaktivisten, den 72-jährigen Alexander Kostornyj, er leitete die Puschkin-Gesellschaft in Lemberg. Er wurde inhaftiert, weil er angeblich „Kaliber“, also Artilleriegeschoße, auf das Javorovski-Trainingsgelände geleitet hatte. Sie fanden bei ihm eine Pilzsammlerkarte, die keine Koordinaten enthielt, sondern nur einen Hinweis darauf, wo die Pilze wuchsen. Das war genug – Landesverrat, mit bis zu 15 Jahren Haft bedroht.

    Es gibt keine Partisanen. Aber Anzeigen – ja, deren gibt es genug

    KP: Gibt es irgendwelche Untergrundbewegungen in der Ukraine? Partisanen?

    Pavel Volkov: Zum Vergessen! Es gibt nichts und es gab nie etwas. Dergleichen muss im voraus vorbereitet werden.
    Während des Großen Vaterländischen Krieges kamen die Partisanen nicht aus dem Nichts. NKWD-Mitarbeiter und Offiziere bereiteten sich darauf vor, Waffenlager wurden dort lange vorher eingerichtet. Und dann wurden andere Menschen in die bereits vorher geschaffenen Netzwerke integriert. Jetzt besteht der Widerstand in der Ukraine aus einfachen Bürgern. Jeder handelt für sich, aus Überzeugung.
    Im 21. Jahrhundert kann man nicht einfach mit einem Berdan-Gewehr“ (ein spezielles Gewehr für Scharfschützen, eine Art Vorläufer der Kalaschnikov) „in den Wald gehen. Jeder hat ein Smartphone, Kameras sind überall – man kann sich nicht verstecken.

    KP: Wie ist die ukrainische Gesellschaft derzeit beisammen?

    Pavel Volkov: Viele Menschen haben eine psychische Störung. Allerdings herrscht keine solche Hysterie mehr wie in den ersten Monaten nach Kriegsbeginn. Da rannten sie nachts umher und schossen aufeinander oder auf vorbeifahrende Autos. Sie suchten nach Spuren auf dem Asphalt und den Dächern. Sie warfen den Nachbarn vor: »Sie machen Signale für Putin mit einer Glühbirne« …
    Jetzt darf bereits das Licht in der Wohnung angeschaltet werden. Aber die SBU verteilt Fragebögen: Schreiben Sie über sich selbst, Ihre Verwandten, ob Sie in Russland waren, ob Sie dort Freunde haben, notieren Sie deren Daten und Telefonnummern.
    Das ist eine Aufforderung zur Selbstanzeige!
    Am Ende steht noch ein Hinweis: Ich erlaube die Verwendung meiner Daten und der Daten meiner Angehörigen.
    Wie können Sie die Nutzung fremder Daten zulassen?! Es besteht die Möglichkeit, dass die aus diesen Fragebögen erhobene Datenbasis für sogenannte »Stabilisierungsmaßnahmen« genutzt wird.

    KP: Was sind das für Veranstaltungen?

    Pavel Volkov: Das sind Säuberungsaktionen, von Tür zu Tür. Sie finden in Nikolaev, Cherson und Charkow statt. Bei diesen Razzien wird von Hunderten Festnahmen berichtet. Es ist unklar, was als nächstes für diese Leute kommt. Sie überprüfen Telefone und Korrespondenz. Vielleicht haben Sie ein St.-Georgs-Band in Ihrem Schrank herumliegen? Oder einen Kalender mit Putin?“

    (KP, 20.11.)

    Für diese ganzen Aktionen braucht es eine Menge Personal. Der Sicherheitsapparat der Ukraine ist offensichtlich gut besetzt: Erstens winken jede Menge Einnahmen durch Bestechungen, Freikauf und Beschlagnahmungen.
    Wenn man jemandes anderen Wohnung mit einer Waffe durchsucht, kann man dabei ja einiges mitgehen lassen.

    Zweitens, und das ist fast noch wichtiger: Wer bei Polizei und Geheimdienst unterkommt, muß nicht an die Front.

  77. Vermehrte „Pilgerfahrten“ nach Kiew:

    „In der vergangenen Woche besuchten mehrere hochrangige Gäste aus den USA Kiew. Offenbar wollten sie sich vom in den letzten zehn Jahren erreichten Niveau der Demokratie überzeugen. Aber unter ihnen waren keine Ökonomen und Finanzanalysten, sondern CIA-Direktor William Burns, Verteidigungsminister Lloyd Austin und US-Finanzministerin Janet Yellen.

    Offenbar kamen diese Besucher aus Übersee, um Zelenskijs Appetit zu zügeln und gleichzeitig von ihm eine Rechenschaft über die Ausgaben der riesigen Gelder zu verlangen, die der Westen zur Gewährleistung der sogenannten Sommeroffensive bereitgestellt hat …
    Unter den gegenwärtigen Umständen versuchen die USA, die Kosten für die Unterstützung Zelenskijs auf ihre europäischen Satelliten abzuwälzen. Vor diesem Hintergrund war es kein Zufall, dass Berlin Pläne ankündigte, die deutsche Militärhilfe für die Ukraine im nächsten Jahr „von 4 auf 8 Millionen Euro« zu verdoppeln, sagte Sacharowa.“

    (KP, 22.11.)

    Millionen oder Milliarden? – auf jeden Fall: verdoppeln!

  78. Die EU wird die versprochene 1 Million Munition nicht vor März 2024 nach Kiew transferieren
    Der ukrainische Außenminister stellte den »erbärmlichen« Zustand der Waffenproduktion in der EU fest

    Der ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba sagte, die EU sei nicht in der Lage, ihren Plan, Kiew vor März nächsten Jahres eine Million Artilleriegeschosse zu liefern, umzusetzen, und verwies auf den Stand der EU-Verteidigungsproduktion sowie auf bürokratische Hindernisse.

    »Leider sagt Bloomberg die Wahrheit. Es gibt viele Fragen und sagen wir einmal, wir schlagen die Alarmglocken, viel und laut«, kommentierte der Leiter der Außenpolitikabteilung die Unfähigkeit der EU, über die die amerikanische Publikation zuvor geschrieben hatte.“

    (KP, 30.11.)

    Wer weiß, ob die im März noch gebraucht werden?

  79. Es gibt auch gute Neuigkeiten: Die Marktwirtschaft funktioniert!

    „Vom Angriff zur Geschäftsidee
    Raketenschutz für 100.000 Dollar: Ukrainisches Start-up baut Luxusbunker für den Garten

    Junge Unternehmer in der Ostukraine machen aus russischen Raketenangriffen eine Geschäftsidee: Sie entwerfen Schutzräume de luxe, Weinklimaschrank inklusive. In Bunkern unter dem eigenen Garten sollte sich selbst die Apokalypse aushalten lassen – zumindest einen Monat lang.

    Charkiw. Warum die Idee der Start-up-Unternehmer Erfolgspotenzial haben könnte, lässt sich gegenüber der Fabrikhalle in der ostukrainischen Stadt Charkiw erahnen: Dort, in einem alten Straßenbahndepot, ist im Sommer eine russische Rakete eingeschlagen, vom Dach ist nur noch ein verkohltes Gerippe übrig.

    Schov (auf Deutsch in etwa: Schutzraum) heißt das Unternehmen, das drei junge Ukrainer ins Leben gerufen haben. Ihr Geschäftsmodell: schlüsselfertige Luxusbunker, die im Garten des Eigenheims metertief in die Erde gelassen werden – und in denen Kundinnen und Kunden nach Firmenangaben bis zu einem Monat lang völlig autonom von der Außenwelt leben können.“

    In diesem optimistischen Tonfall geht der Artikel weiter …

    (RND, 1.3. 2023)

  80. Hier haut der oberste Kriegsherr wieder einmal fest auf den Putz:

    „Austin: Die USA wollen verhindern, dass Russland den Konflikt in der Ukraine gewinnt

    Der Pentagon-Chef nannte die USA das mächtigste Land der Erde

    Washington will verhindern, dass Rußland den Ukraine-Konflikt gewinnt. Diese Aussage machte der Chef des US-Verteidigungsministeriums, Lloyd Austin, in seiner Rede auf dem Reagan Forum on National Defense. Die Veranstaltung fand in Kalifornien statt.

    Austin nannte die russische Spezialoperation in der Ukraine auch »eine Herausforderung für die NATO« und sagte, (…) »Die USA sind das mächtigste Land der Erde. Wir können mehrere Aufgaben gleichzeitig ausführen«, sagte der Pentagon-Chef.

    Unterdessen sagte der ehemalige Chef der UN-Generalversammlung, Vuk Jeremic, dass mit der Ukraine ein »neuer Kalter Krieg« begonnen habe.“

    Leider gar nicht kalt, sondern recht heiß.

    „Zuvor forderte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg eine Lösung für die Probleme der Fragmentierung der Verteidigungsindustrie europäischer Länder und verwies auf den »Munitionshunger« der Ukraine.“

    (KP, 3.12.)

    Die Aussage, daß Rußland den Krieg nicht gewinnen dürfe, ist vom Standpunkt der USA aus begreiflich – nur, warum meint er, darauf hinweisen zu müssen?
    Gegen wen sagt er das?

  81. „POLISH MINISTER ‘SAW UK SPECIAL FORCES OPERATING IN UKRAINE’

    Armed, uniformed British soldiers allegedly went on a secret operation in Ukraine at the height of Russia’s invasion.

    • Allegation comes amid attempts to suppress report of SAS deployment to Israel

    Elite British special forces were operating on the ground in Ukraine weeks after Russia invaded last year. That is the allegation contained in a new book, Poland at War, by Polish journalist Zbigniew Parafianowicz.

    The author is Ukraine correspondent for a daily newspaper in Warsaw and had access to political insiders and senior officials. He quotes an unnamed Polish government minister who claims to have run into British commandos in mid-March 2022 as he was travelling between Kyiv and the city of Zhytomyr.

    The minister said: »It was a time when the Russians were still standing in Bucha, and the route was a grey zone. It was possible to run into Russians. We passed the last checkpoint. The Ukrainians told us that we continue at our own risk.
    Well, and who did we meet next? Ukrainian soldiers and … British special forces. Uniformed. With weapons. They moved with the Ukrainians in trucks and off-road vehicles with artillery radars. They were tracking targets. They were learning about this war. Such radar tracks where mortar or rocket shells fall and are fired.«

    The remarks add to evidence that UK soldiers were secretly deployed to the warzone without parliament being told, and took part in an operation – not just training. In mid-April 2022, The Times reported: »British special forces have trained local troops in Kyiv for the first time since the war with Russia began«.

    It said two Ukrainian battalions had received instruction over the previous fortnight in the use of »NLAWs, British-supplied anti-tank missiles that were delivered in February as the invasion was beginning.«

    A year later, Declassified revealed that 50 elite British troops were in Ukraine, citing a leaked US intelligence file. The UK contingent was three times larger than any other ally. Among those who claimed to have been trained by UK special forces was Daniil Lyashuk, who had previously been convicted of torture by a Ukrainian court.

    The Ministry of Defence (MoD) has only confirmed that soldiers have been in Ukraine since the invasion to protect the British embassy. Declassified understands separately that members of the Parachute Regiment were secretly deployed to Kyiv this year.

    Asked to comment on the book’s claims, an MoD spokesperson told Declassified: »It is the longstanding policy of successive governments not to comment on speculation about Special Forces,« referring to a blanket no comment stance that Whitehall has operated since the late 1980s.“

    Es fragt sich, wie die britische Verfassung dazu steht, solange nicht offiziell Krieg erklärt oder Kriegsrecht eingeführt worden ist?

    „Stay behind

    In Poland at War, Parafianowicz states that President Zelensky’s bodyguards were trained by Britain’s Special Air Service (SAS). He also quotes the unnamed Polish minister as saying: “On the first day of the war, we realised that there were [Polish] commandos – from the Lubliniec Military Commando Unit – in Brovary near Kyiv.“

    Welcher ehemalige Minister könnte das sein, der offenbar im Frühjahr 2022 in der Ukraine war, jetzt auf Distanz zur polnischen Regierung geht und dem polnischen Autor Auskünfte gibt?

    „»They, together with the Americans and the British, had been building special forces for the Ukrainians since 2014, that is, since the annexation of Crimea and the war against separatism in the Donbass.«

    Their presence caused concern that NATO soldiers could be caught up in the invasion, prompting various officials to request their withdrawal. However, a high ranking Polish officer said: »They, instead of returning to Poland on the first day of the war, went in the opposite direction. Among others, to Kharkiv, but also to cities in the Donbass, which the Ukrainians controlled. They cooperated with the British.«

    Initially these NATO soldiers focused on helping with evacuations, however their presence in Kharkiv is potentially more significant. Declassified has reported how veterans of Ukraine’s neo-Nazi Azov movement were the first fighters in the city to receive British-supplied NLAWs.

    Photos posted on social media showed »instructors from NATO countries« coaching men how to use the rocket launchers. The veterans formed an Azov spin-off unit known as Kraken, led by Konstantin Nemichev, a far-right politician.

    The Polish officer added: »Later we worked out a formula for our presence in Ukraine …we were simply sent on paid leave. Politicians pretended not to see this.«

    Another Polish minister is quoted in the book as saying that on one diplomatic trip to Ukraine, »the Americans asked us to bring their two wounded soldiers from Kyiv. They were there as civilians. But it is known what kind of civilians.
    These two wounded Americans were coming back on the same train that [deputy PM Jarosław] Kaczynski took with [PM Mateusz] Morawiecki. One was missing a leg. Doctors had to amputate it.«

    UK special forces are not subject to oversight by any parliamentary committee or the Freedom of Information Act. A judge-led inquiry is currently investigating allegations the SAS killed 80 civilians and detainees in Afghanistan between 2010-13. 

    Meanwhile, Whitehall is attempting to suppress media reports that the SAS may deploy to Israel to help rescue British hostages held in Gaza. Government ministers have refused to answer questions about the claims when pressed in parliament by MPs Jeremy Corbyn and Kenny MacAskill.

    Boris Johnson derailed peace talks 

    The revelations in Parafianowicz’s book come amid growing signs that Ukraine might have to enter peace talks with Russia. 

    President Zelensky expressed disappointment at the counter-offensive this month, saying: “We wanted faster results. From that perspective, unfortunately, we did not achieve the desired results. And this is a fact. There is not enough power to achieve the desired results faster.”

    His counter-offensive, which was heavily backed by the US and UK, saw a significant rise in the number of Ukrainian soldiers killed, without any significant gains in territory. According to Foreign Affairs magazine, »Despite Ukraine’s much-heralded counteroffensive, Russia has actually gained more territory over the course of 2023 than Ukraine has.«

    Such a set-back seems to have spurred some figures close to Zelensky to start speaking out about how the war has been waged. 

    Davyd Arakhamiia, who led Ukraine’s delegation at peace talks with Russia in March 2022, said Putin’s side was »prepared to end the war if we agreed to – as Finland once did – neutrality, and committed that we would not join NATO.«
    Although Arakhamiia lacked confidence in Russia’s offer, his pessimism was compounded »when we returned from [the negotiations in] Istanbul, Boris Johnson came to Kyiv and said that we would not sign anything with them at all, and let’s just fight.«

    His claim corroborates other reports that Johnson, who was then Britain’s Prime Minister, was instrumental in dissuading Ukraine from continuing negotiations with Russia shortly after the invasion.

    Alba MP Kenny MacAskill tabled a parliamentary question about the incident, asking whether Johnson »advised Ukraine’s President Zelenskyy during his visit to Kyiv on 9 April 2022 to stop negotiations with Russia.«
    Foreign minister Leo Docherty replied: »The former Prime Minister met President Zelenskyy in Kyiv on 9 April, where the leaders discussed support for Ukraine’s long-term survival as a free and democratic country, military aid, and economic assistance.
    The former Prime Minister reiterated that the UK will do everything in its power to support Ukraine’s fight against Russia’s brutal and unprovoked invasion and ensure its long term security and prosperity.«

    Journalist Branko Marcetic, writing for Responsible Statecraft, has pointed out Johnson »himself confirmed, albeit not in so many words, in a phone call to French President Emmanuel Macron that he had urged Zelensky against peace.«“

    All das ist ja nicht neu. Voriges Jahr fanden das die ganzen Politiker super, daß Johnson Zelenskij den Rücken gestärkt hatte.
    Inzwischen gibt es überall lange Gesichter und leere Kassen und Waffenarsenale und auf einmal wird diese Episode zu einem Skandälchen hochgekocht.

    „Johnson told Macron he had »shared his conviction that Ukraine would win, supported with the right level of defensive military assistance. He urged against any negotiations with Russia on terms that gave credence to the Kremlin’s false narrative for the invasion, but stressed that this was a decision for the Ukrainian government.«“

    (Declassified UK, 6.12.)

  82. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat eine originelle Idee, wie die US-Regierung zu Geld kommen Könnte: Einfach das Telefon oder den Laptop von Hunter Biden, dem Sohn des Präsidenten, verkaufen!

    Für das zahlen sicher ein Haufen von Leuten sehr viel Geld. wink

  83. „Zusätzliche EU-Mittel für Ukraine scheitern an Ungarn-Veto

    Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich nicht auf zusätzliche Mittel für die Ukraine verständigen können, nachdem Ungarn eine Einigung blockiert hat. Das erklärte EU-Ratspräsident Charles Michel in der Nacht in Brüssel.

    Nun wolle man bei einem Sondergipfel im Jänner weiter über eine Aufstockung des Mehrjährigen Finanzrahmens (MFF) verhandeln. Michel nannte Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban nicht direkt als den Staatschef, der eine Einigung blockiert habe. Dieser bekannte sich aber selbst auf X (ehemals Twitter) dazu.

    Davor hatten sich die Staats- und Regierungschefs auf die Aufnahme von EU-Beitrittsgesprächen mit der Ukraine und Moldau geeinigt. Auch mit Bosnien werden Beitrittsgespräche eröffnet, sobald die nötigen Bedingungen erfüllt sind. Georgien erhält EU-Kandidatenstatus. Auch hier hatte sich Ungarns Regierungschef zunächst quergestellt. Indem er den Sitzungsraum aber kurzzeitig verließ, machte er den Weg frei, für eine Konsensentscheidung unter den EU-Regierungsspitzen.

    Mehrere Staats- und Regierungschefs betonten am Freitag, dass 26 EU-Staaten den Ukraine-Hilfen zugestimmt hätten. Es wäre aber besser, alle 27 EU-Staaten einschließlich Ungarn an Bord zu haben, sagte der Präsident von Litauen, Gitanas Nauseda. Ansonsten wäre es auch möglich die Hilfen bilateral zu 26 zu beschließen, machte Irlands Premier Leo Varadkar klar. Die Suche nach Lösungen werde nunmehr über Weihnachten fortgesetzt, und der Gipfel werde im Jänner wieder zusammenkommen. Bei den Extra-Hilfen für die Ukraine geht es um 50 Milliarden Euro, davon 33 Milliarden Kredite und 17 Milliarden an Zuschüssen.

    (TT, 15.12.)

    Diese 50 Milliarden sollen so locker aus dem EU-Haushalt beschlossen werden, und sind praktisch ein Geschenk – weil auch die Kredite werden vermutlich nie zurückgezahlt oder auch nur bedient werden.

    Die ganze Angelegenheit wird so kommuniziert, daß das praktisch eine beschlossene Sache wäre, wenn sich nicht Ungarn querlegen würde.

    Wo diese nicht kleine Summe herkommt, während im Inland bei allen Mitgliedsstaaten für alle möglichen sozialen Ausgaben angeblich kein Geld da ist, und wie die EU den Kredit für diese 50 Milliarden a fondo perdido schöpfen will, erfährt man nirgends.

  84. Ein sehr ausführlicher Artikel in der Izvestija befaßt sich mit den verschiedenen Überquerungsversuchen und Brückenköpfen am Dnjepr-Ufer.

    Seit Frühjahr gibt es dort immer wieder Versuche der ukrainischen Streitkräfte, sich am linken Dnjepr-Ufer festzusetzen. Sie sind natürlich gegenüber den verteidigenden Truppen im Nachteil und haben deshalb hohe Verluste.
    Sie setzen dort ihre best ausgebildeten Marine-Infanterietruppen ein, die sowohl in der Ukraine als auch in Großbritannien von britischen Offizieren ausgebildet wurden.

    Diese Leute werden dort verheizt, damit die ukrainischen Politiker bei Verhandlungen um westliche Unterstützung Erfolge vorweisen können. Ein Brückenkopf am linken Dnjeprufer weist auf Fortschritte bei der Offensive hin, während von anderen Frontabschnitten nichts gemeldet werden kann.

    Die ukrainischen Truppen besetzen laut diesem Artikel ca. die Hälfte der Inseln im Dnjepr-Delta. Am Ufer haben sie immer wieder Versuche gemacht, überzusetzen und sich festzusetzen: Bei der Antonov-Straßenbrücke, bei der etwas weiter östlich gelegenen Eisenbahnbrücke, bei den Orten Pestschanovka, Kosatschije Lagery und Krynky.

    Zur Zeit halten sie noch einen Brückenkopf bei Krynky. Aber ähnlich wie in Rabotino im Sommer ist das eigentlich eine Falle, in die sie die russischen Truppen gelockt haben. Sie haben ihnen die Sicherheit gegeben, sich dort festsetzen zu können und dadurch dazu gebracht, daß sie viel Ausrüstung und Truppen über den Fluß transportiert haben, die sie jetzt unter Dauerbeschuß nicht mehr evakuieren können. Jetzt werden sie durch Artilleriefeuer plattgemacht.
    Die Verluste – zwischen Verletzten und Toten – belaufen sich inzwischen nur auf diesem Gelände angeblich auf über 1000 Mann, wobei es schwierig ist, die Verletzten unter Beschuß wieder auf die andere Seite zu bringen.

  85. „Ex-Oberst analysiert
    Gegenoffensive war gestern – jetzt entfaltet Putins Krieg seine Wirkung

    Zug um Zug wird jetzt die russische Überlegenheit im Krieg gegen die Ukraine spür- und sichtbarer. Egal ob bei Personal, Material, Munition oder Moral – Wladimir Putins Abnutzungskrieg entfaltet seine Wirkung.

    Wirklich gut stand es nie um die Ukraine, seit der russische Angriffskrieg am 24. Februar 2022 begann. Ein entsetzliches Schlachten setzte ein, bei dem die Ukraine dank der hohen eigenen Moral und Flexibilität, der massiven Unterstützung des Westens, unerwarteten Fehlern der Russen und einem gehörigen Schuss Fortune – dem Glück des Tüchtigen – dem russischen Sturm Stand halten konnte.

    Der Sturm hält an. Die russischen Fehler nehmen ab. Die massive Unterstützung des Westens lässt nach. Die Moral der Ukrainer zeigt erste Risse. Und auch das Kriegsglück der ersten Monate bleibt aus.

    Zug um Zug wird die russische Überlegenheit spür- und sichtbarer. Die Zunahme russischer Drohnen-, Raketen- und Bodenangriffe korrespondiert mit Gebietsgewinnen. Demgegenüber agiert die Ukraine entlang der gesamten Front überwiegend defensiv. Gegenoffensive war gestern. Moskau wird zuversichtlicher. Kiew und dessen westliche Unterstützer werden unsicherer. Wladimir Putins Abnutzungskrieg entfaltet seine Wirkung.

    Personal und Material

    Russland hat in seinem Angriffskrieg mit seinen rücksichtslosen Offensiven eine große Zahl von Soldaten und riesige Mengen an Material verloren. Immerhin, es hat von beidem wesentlich mehr als die Ukraine. Zudem haben die engagierte, hochmotivierte Verteidigung der Ukraine und ihre Gegenoffensiven ebenfalls einen hohen Preis.

    Auch das ukrainische Personal und Material werden erheblich abgenutzt. Die westlichen Waffensysteme sind keine Wunderwaffen und verbrauchen sich. Im Schnitt sind tägliche Verluste von ca. 800 Soldaten zu beklagen. Monatlich müssen damit mehr als 20.000 Soldaten rekrutiert werden, um Tote und Verwundete zu ersetzen.

    Hinzu kommt ein zusätzlicher Personalbedarf für die Rotation, damit sich erschöpfte Soldaten erholen können und Einheiten und Verbände auch materiell wieder aufgefüllt werden können.

    Munition

    Der Krieg ist ein Artillerie-gestützter Abnutzungskrieg. Russlands hat durchweg einen besseren Zugang zu Artilleriemunition. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg schätzt, dass die Ukraine täglich 4000 bis 7000 Artilleriegranaten abfeuert gegenüber 20.000 auf russischer Seite. Während der russische Nachschub rollt, stockt es bei der Versorgung der Ukraine.

    Die USA haben bislang mehr als zwei Millionen 155-Millimeter-Artilleriegranaten zur Verfügung gestellt und Lieferungen aus anderen Ländern vermittelt. Doch die Vorräte der westlichen Streitkräfte gehen zur Neige. Trotz Dreifach-Schichten in der Produktion, mehr als 60.000 Granaten pro Monat – etwa ein Drittel des monatlichen ukrainischen Bedarfs – produzieren die USA nicht. Und sie müssen davon noch Israel unterstützen und sich auch auf mögliche Einsätze in Asien vorbereiten.

    Europa hat sein vollmundiges Versprechen von einer Million Artilleriegranaten in einem Jahr deutlich unterschritten. 400.000 Granaten wurden bislang geliefert. Deutschland hat immerhin vor wenigen Tagen endlich Bestellungen für rund 100.000 Granaten aufgegeben. Sie werden allerdings wohl erst 2025 geliefert.

    Luftverteidigung

    Auch in der Luftverteidigung stockt der Nachschub für die Ukraine. Angesichts russischer Angriffssalven auf Streitkräfte und wichtige Infrastrukturen mit Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Drohnen schrumpft die ohnehin knappe Munition für die ukrainische Luftverteidigung.

    Die USA und ihre Verbündeten haben zwar eine Vielzahl unterschiedlicher Luftabwehrsysteme zur Verfügung gestellt. Diese sind im Verbund mit ukrainischen Beständen russischer Systeme zu einer sogenannten „Franken-SAM“ – soll heißen „Frankenstein Luftverteidigung“ – erstaunlich hochwirksam kombiniert und schützen Teile der Streitkräfte, Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. Und dennoch, im Dauerfeuer russischer Angriffswellen erschöpft sich die Munition der ukrainischen Luftverteidigung. Schon bald könnten russischen Raketen und Drohnen ungehindert durch die absehbaren Lücken eindringen.

    Kriegswirtschaft

    Derweil brummt der Motor der russischen Kriegswirtschaft. Panzer, Drohnen, Munition kommen vom Fließband. Was nicht selbst produziert werden kann, kommt von Partnern wie Iran oder Nordkorea. Moderne Bauteile kommen aus der HighTech-Fertigung des globalen Südens, der zugleich dankbar für den stetigen Fluss preiswerter russischer Rohstoffe ist.

    Erfahrungen von der Front, auch aus dem Cyberraum, dem Weltraum oder aus der elektronischen Kampfführung (EloKa) werden innovativ und rapide umgesetzt und kommen umgehend in den Einsatz. Insbesondere die russische EloKa ist ein Matchwinner. Sie macht die von der Ukraine genutzten modernen westlichen Präzisionssysteme ungenau, lässt deren Drohnen abstürzen und dient einer professionellen Angriffsvorbereitung.

    Offensichtlich lernen auch die Russen aus dem Krieg. Gerade im Kontext neuer Technologien wie Drohnen, Künstlicher Intelligenz, Cyber, EloKa und Weltraum lernen sie ziemlich schnell.

    Westliche Unterstützung

    Und nun wackelt auch noch die westliche Unterstützung. Beim kürzlichen europäischen Gipfel konnte das nächste große Ukraine-Hilfspaket für die Ukraine nicht beschlossen werden. Zudem hält der U.S.-Kongress dringend benötigte Hilfen zurück. Die USA sind der bei weitem wichtigste Unterstützer der Ukraine. Sie stellen etwa die Hälfte der gespendeten Waffen und ein Viertel der Auslandshilfe.

    Zum Jahresende hat Präsident Biden noch rund 1 Mrd. US-Dollar zur Verfügung. Davon sollen Javelin-Panzerabwehrraketen, 155-mm-Artilleriegeschosse, Ersatz für taktische Fahrzeuge und Tarnanzüge geliefert sowie die Beschaffung von geheimen Raketensystemen geregelt werden.

    Derweil blocken die Republikaner im Senat die Beratungen über ein umfangreiches 61 Milliarden Dollar Unterstützungspaket. Präsident Selenskyjs Warnung bei seinem kürzlichen USA-Besuch, dass ohne zusätzliche Hilfe die Ukraine den Krieg verlieren würde, blieb bislang ohne sichtbare Wirkung.

    Moral

    Diese Entwicklung zehrt an der Moral aller Beteiligten. Die ukrainischen Soldaten müssen in einem Abnutzungskrieg Munition sparen und das Schlachten an der Front ohne Erholung und ohne größere Erfolgserlebnisse aushalten.

    Die Bevölkerung geht mit düsteren Perspektiven in den zweiten Kriegswinter. Es drohen nicht nur Kälte und Entbehrungen. Viele werden an die Front müssen, die bislang noch verschont wurden. Auch die Solidarität der ukrainischen politischen und militärischen Eliten mit Präsident Selenskyj zeigt erste Risse. Und nun bröckelt auch die westliche Unterstützung für die Ukraine.

    Angesichts dieser Entwicklung zeigt sich Putin in seiner Abnutzungsstrategie bestärkt. Der Westen ist gut beraten, seine eigene Strategie – die Ukraine stärken und Russland schwächen – auf ihre Wirksamkeit kritisch zu hinterfragen.“

    Über unseren Gastautor
    Oberst a.D. Ralph D. Thiele ist Vorsitzender der Politisch-Militärischen Gesellschaft e.V., Präsident von EuroDefense (Deutschland) e.V. und CEO von StratByrd Consulting. In seiner militärischen Laufbahn war er in bedeutenden nationalen und internationalen, sicherheits- und militärpolitischen, planerischen und akademischen Verwendungen eingesetzt, darunter im Planungsstab des Verteidigungsministers, im Private Office des NATO-Oberbefehlshabers, als Chef des Stabes am NATO Defense College, als Kommandeur des Zentrums für Transformation und als Direktor Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr.

    (Focus, 20.12.)

  86. Die Einnahme von Marjinka, so die russische Berichterstattung, gelang vor allem durch den Einsatz der Lancet-Drohnen, die im Verlaufe dieses Krieges ständig weiterentwickelt wurden. Mit ihnen konnte die westliche Artillerie größerer Reichweite ausgeschaltet werden.

    Marjinka stand bereits im Sommer kurz vor dem Fall, dann kam aber der Prigozhin-Aufstand und die bereits einmal eroberten Positionen mußten aufgegeben werden, weil die dort kämpfenden Einheiten zu Sicherung anderer Frontabschnitte eingezogen wurden.

    Eine weitere Schwierigkeit bei der Einnahme war, daß Marjinka, wie viele Ortschaften des Donbass, durch die Bergbautätigkeit über ein unterirdisches System von Tunnels verfügte, die erst einmal erobert, dann untersucht und für die eigenen Zwecke adaptiert werden müssen.

    Erst dann kann betrachtet werden, was dieser Gebietsgewinn für die weitere Kriegsführung bedeutet.

    „Als es (den russischen Truppen) gelang, die erste Verteidigungslinie der ukrainischen Streitkräfte am Stadtrand von Marinka zu erobern, Erdgräben und Unterstände aus Kiefernholz zur Verstärkung der unterirdischen Gänge, stellte sich heraus, dass die Schießscharten und Schießstände in die andere Richtung zeigten, alles musste also erneuert werden.
    Ich war auf den ehemaligen Stellungen der ukrainischen Streitkräfte im Hauptquartiergebiet in Aleksandrovka. Wie sie mir erklärten, »zog sich der Feind in den Beton zurück« und es gab keine Möglichkeit, weiter vorzudringen, sondern nur unsere Leute niederzulegen.

    Marinka war viele Jahre lang auf die Verteidigung vorbereitet – nicht einmal das Dorf selbst, sondern die Zugänge dorthin. Scharfschützen, die selbstständig Luftaufklärungen an der feindlichen Frontlinie durchführten, sagten mir: »Um die Bäume herum verläuft ein Betongraben. Bunker mit Stahltüren und Schlössern, es gibt stationäre Überwachungssysteme – Videokameras …«

    Und dann, vor einem Jahr, war uns der Feind bezüglich Drohnen überlegen. An diesen Positionen versteckten wir uns alle 30 Minuten in einem Unterstand, der zur Hälfte eingestürzt war – pünktlich flog eine Drohne ein, warf eine „polnische“ Mine auf uns und flog dann los, um eine neue zu holen. Das kann man sich jetzt kaum vorstellen.“

    Jetzt geht es darum, die Offensive nach Westen fortzusetzen, meint einer der Offiziere, die Ortschaften entlang der Straße H51 Richtung Kurachowo fortzusetzen, dann könnte die ganze ukrainische Front an diesem Abschnitt zu bröckeln beginnen.

    (KP, 26.12.)

  87. INFORMATION DER „IZVESTIJA“

    Am 12. Juli 2014 kam der Krieg nach Marjinka, als die ukrainischen Streitkräfte erstmals Wohngebiete mit Artillerie beschossen. Im August 2014 eroberten ukrainische Milizionäre den Ort und schufen dort ein Sprungbrett für Angriffe auf Donezk. Die ukrainische Armee verwandelte Marinka in ein befestigtes Gebiet mit Betonunterständen und unterirdischen Kommunikationsgängen, was es ukrainischen Milizionären ermöglichte, unbemerkt vorzudringen und den Ort lange Zeit zu verteidigen.
    Dort wurden auch zwei Verteidigungslinien mit vielen Artilleriestellungen geschaffen. Nach dem Beginn des Einmarsches der russischen Truppen 2022 begannen die Streitkräfte der DVR, ihre Offensive in diese Richtung zu entwickeln.
    Am 1. April 2022 kontrollierten sie 35 % der Stadt. Am 30. November berichtete der Oberkommandierende der Volksrepublik Donezk, dass die städtischen Kämpfe andauerten und die Ortschaft fast vollständig zerstört sei. Bis Ende 2022 war Marjinka bereits zu 80 % befreit, doch die russische Armee brauchte fast ein Jahr, um das mehrstufige Befestigungssystem der ukrainischen Streitkräfte zu durchbrechen, das befestigte Gebiet zu zerstören und den Feind aus Donezk zurückzudrängen.

  88. „General Barrons: Die Initiative im Konflikt in der Ukraine geht bedingungslos auf die Russische Föderation über

    Russland steuert auf den Sieg im Konflikt in der Ukraine zu und die Initiative geht bedingungslos auf Moskau über, sagte Richard Barrons, ein pensionierter britischer General und Veteran der Kriege im Irak und in Afghanistan, in einem Interview mit der Zeitung »The National« am 26. Dezember.

    »Die Initiative in diesem Krieg geht bedingungslos auf Russland über. Das ist nicht der Stand der Dinge, den wir zu Beginn des Jahres erwartet haben, aber das ist die objektive Einschätzung heute«, sagte er.

    Der britische Militär bemerkte auch, dass das Jahr 2023 für den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht ohne Schwierigkeiten verlief, der russische Führer jedoch jetzt ruhiger und selbstbewusster aussehe als jemals zuvor seit Februar 2022. Der Grund für seine Zuversicht sei, dass er diesen Krieg nicht verlieren werde, fügte Barrons hinzu.

    Unterdessen ist es der Ukraine nicht gelungen, auch nur die Mindestziele ihrer geplanten Gegenoffensive zu erreichen, und amerikanische und europäische Politiker sind zunehmend zögerlich, was die Notwendigkeit weiterer Hilfe für Kiew angeht.

    Laut dem General wird die Schlüsselkomponente des Sieges für jede Seite die Fähigkeit sein, eine ausreichende Anzahl von Granaten zu produzieren. Selbst wenn die USA im nächsten Jahr etwa 600.000 155-mm-Granaten, die Europäische Union (EU) 300.000 und das britische Unternehmen BAE Systems weitere 100.000 produzieren können, wird nach seiner Einschätzung Rußland immer noch mehr Granaten produzieren als der Westen, im Verhältnis zwei zu eins.

    Darüber hinaus seien die westlichen Vorräte aufgrund des Konflikts im Gazastreifen jetzt erschöpft und Granaten, die eigentlich in die Ukraine geschickt werden sollten, würden nun gegen die Palästinenser eingesetzt, stellte der Militäroffizier fest.
    Die Situation habe also definitiv »zu Gunsten Russlands“ entwickelt und der russische Präsident befinde sich in einer ziemlich vorteilhaften Position, faßte er die Lage zusammen.

    Barrons erwähnte auch einen weiteren Mangel der ukrainischen Gegenoffensive. So liege das Durchschnittsalter des ukrainischen Militärpersonals in einigen Einheiten bei 45 Jahren, aber um Erfolg zu haben, sei es notwendig, junge Leute zu mobilisieren, betonte er.

    Gleichzeitig zeigte sich der General fassungslos darüber, dass die USA und die EU mit ihren viel stärkeren Volkswirtschaften den Erfolg Russlands nicht aufhalten könnten. »Das ist ein absoluter Misserfolg … Es ist unsere eigene Schuld, weil wir in den Jahren 2022–2023 die (Rüstungs-) Industrie nicht hochgefahren haben«, schloß Barrons und fügte hinzu, dass Putin, wenn er es schafft zu gewinnen, am Ende eine Armee haben könnte, die doppelt so stark und erfahren ist wie die, mit der er begonnen hat. Und dieser Umstand sollte »Europa stark aufrütteln«.“

    (Izvestija, 26.12.)

    Man muß hierzu bemerken, daß der Vergleich der Volkswirtschaften in „stärker“ und „schwächer“ an der Sache vorbeigeht.

    In Rußland wurde die Militärindustrie nie privatisiert und hatte bereits zu Sowjetzeiten eine Sonderstellung inne, die sie außerhalb der gewöhnlichen Planwirtschaft einnahm.
    Im Freien Westen hingegen herrscht Marktwirtschaft und die Rüstungsindustrie ist ebenfalls Geschäftskalkulationen unterworfen.

    Vor dem Ukrainekrieg wurde die russische Wirtschaft kleingeredet und die Rüstungsindustrie als veraltet und klapprig dargestellt, während sich die westlichen Regierungen sehr viel auf ihre vermeintlich überlegenen Waffensysteme einbildeten.
    Dabei stellte sich bereits in Afghanistan heraus, daß man mit diesen Systemen zwar viel kaputt machen, aber keinen Krieg gegen hochmotivierte Bloßfüßige gewinnen konnte.

    Der Ukrainekrieg führt der Welt vor Augen, wo die überlegene Rüstungsindustrie zu Hause ist und wird die USA und Europa international viel an Ansehen und Marktanteilen kosten.

  89. US-Institut warnt vor weiteren russischen Großangriffen auf Ukraine

    Nach den beispiellosen russischen Luftschlägen gegen die Ukraine mit vielen Toten haben US-Experten vor weiteren heftigen Angriffen gewarnt. "Russland wird weiter großangelegte Angriffe gegen die Ukraine durchführen, um die ukrainische Moral sowie die Fähigkeit der Ukraine, ihre Kriegsanstrengungen gegen Russland aufrechtzuerhalten, zu schwächen", heißt es im täglichen Bericht des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) vom Freitagabend. (…)

    Bei dem bisher schwersten Angriff seit Kriegsbeginn hatte die russische Armee am Freitag laut offiziellen Kiewer Angaben knapp 160 Raketen, Marschflugkörper und Drohnen verschiedener Typen auf das Nachbarland abgefeuert.

    Zur Vorbereitung auf den verheerenden Beschuss hatten die Russen laut ISW-Analyse zuvor monatelang mit verschiedenen Kombinationen von Drohnen und Raketen experimentiert, um Schwachstellen des ukrainischen Luftverteidigungssystems herauszufinden.

    (Standard, 30.12.)

  90. Das ukrainische Innenministerium gibt zu, dass es nicht einmal ungefähr weiß, wie viele Waffen die Bevölkerung besitzt

    Zu dem Vorfall in der Karpato-Ukraine, wo ein örtlicher Abgeordneter während einer Sitzung des Dorfrates drei Granaten gezündet hat, sagte Minister Igor Klymenko, dass Waffen hypothetisch gesehen in jede Einrichtung, jedes Einkaufszentrum, jeden Bahnhof oder Bus gebracht werden könnten.

    (Er) hat zugegeben, dass er nicht einmal annähernd weiß, wie viele nicht registrierte Waffen sich in den Händen der Bewohner des Landes befinden.

    „Jetzt gibt es eine ganze Menge Waffen in den Händen der Bevölkerung, wir können nicht berechnen, wie viele es sind – eine Million oder zwei Millionen. Das sind die Zahlen, die von unseren internationalen Partnern unter Berücksichtigung der Erfahrungen anderer Länder, auf deren Territorium es Feindseligkeiten gab, genannt werden“, sagte der Innenminister in einer Sendung des TV-Senders „Rada“. (…)

    (Anti-Spiegel, 30.12.)

  91. Grüner  Heiligenschein...

    Dass der Marsch der grünen Realpolitiker-Abteilung   (die ursprünglich,  wie ein 'alter Schwede' kolportiert, ganz woanders, nämlich  aus der dt. Nach-Studentenbewegungslinken herkamen) https://www.telepolis.de/forum/Telepolis/Kommentare/Zentrum-Liberale-Moderne-Obskure-Finanzpraxis-und-fragwuerdige-Kontakte-Gruene-unter-Verdacht/Marie-Louise-Beck-und-Ralf-Fuecks-beides-ehemalige-Gruenen-Politiker/posting-43492461/show/

    in die Institutionen inzwischen darin gelandet ist, dass der Staat ihnen ihren Kriegsfuror finanziert….

    https://www.telepolis.de/features/Zentrum-Liberale-Moderne-Obskure-Finanzpraxis-und-fragwuerdige-Kontakte-Gruene-unter-Verdacht-9584231.html?seite=all

    ….   – das wundert mich weswegen nicht?

  92. Handke: Dieser Spanier von der Nato, dessen Namen ich nicht über die Lippen bringe, erklärt als Ausrede für den Krieg: »Ich kann kein schlimmer Mensch sein, denn ich bin ein Achtundsechziger.« Der amerikanische Dreckskerl, der englische Kunstturner, alle diese Verbrechertypen gehören der Generation an, die uns »Make love not war« vorgesungen hat. Deshalb, so erklären sie, können sie keine Kalten Krieger sein.

    Und jetzt sage ich Ihnen: Ich ziehe Kalte Krieger diesen verfehlten Hippies tausendmal vor. Brechts Spruch »Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch« trifft heute auf die »Flower-Power«- und »Make love not war«-Grünen zu. Nach landläufiger Meinung sind die Kreaturen, die aus dem Schoß krochen, die Rechtsradikalen. Aber die sind für mich Totgeburten, gefährlich nur wie Leichengift. Für mich ist das, was aus dem Schoß kroch, etwas anderes: die Grünen, der Typ, der Bundeskanzler ist, und der Bombenminister. Das ist das grausig-ewige Deutschland.“

    Peter Handke 1999

  93. Online – Vortrag von Peter Decker:
    Der Krieg in der Ukraine: Blutige Lektionen über den Segen staatlicher Souveränität
    Nürnberg,  21.12.2023 

    Kriege sind große, ja größte Moralfragen. Das ist kein Wunder, schließlich werden da Menschen im Staatsauftrag zum Töten verpflichtet und getötet – und das in Dimensionen, die keine Mörderbande je hinbekommen würde. Da hat die perverse Prüfung Konjunktur, ob das, und was davon, in Ordnung geht. Nirgendwo ist die beliebte Frage: „Dürfen die das?“ bzw. „Wer darf da was?“ heißer.
    Im Westen ist die Frage für den Ukrainekrieg entschieden: Russland führt einen „Angriffskrieg“, es hat mit den Feindseligkeiten angefangen, auf seiner Seite liegt alles Unrecht. Es trifft die ganze Schuld an den menschlichen Opfern. Die angegriffene Ukraine verteidigt sich nur. Dazu hat sie alles Recht.

    Das Zuteilen von Schuld und Unschuld interessiert sich nicht dafür, worauf da der Ukraine das volle Recht zugesprochen wird. Dabei ist das kein Geheimnis; vom ukrainischen Präsidenten wird es laufend proklamiert: Mit dem Blut seiner Bürger verteidigt er die Souveränität seines Staates. Genau das tut, nach eigener Auskunft, der Aggressor auch.
    Von der Natur des hohen Gutes, das so viele Leichen wert ist, handelt der Vortrag.
    https://www.youtube.com/watch?v=xFYG8yPgg5U&list=PLx72gn6yNHKNsOFy2FVcAXBbd1XkJHEGO&index=28
    Fortsetzung am Donnerstag: https://www.contradictio.de/blog/archives/9597

  94. „Dänemark, das eigentlich eine Charge amerikanischer F-16-Kampfflugzeuge der vierten Generation in die Ukraine transferieren sollte, wird dies nun erst in sechs Monaten schaffen können.
    Die Zeitung Berlingske behauptet, dass sich die Lieferung bis zum Ende des zweiten Quartals 2024 verzögern wird.

    Gleichzeitig gilt Dänemark als eines der ersten Länder, das versprochen hat, dem Kiewer Regime eigene F-16 zu übergeben. Das zweite Land dieser Art waren die Niederlande. Die Parteien waren sich einig, dass die ukrainischen Streitkräfte das Flugzeug angeblich erst nach der Ausbildung ukrainischer Piloten erhalten sollten.“

    (KP, 6.1.)

  95. Ein schönes Beispiel für die interessensbestimmte Analyse des Krieges in der Ukraine:

    "The Kremlin, meanwhile, used 2023 to reorient the Russian economy around the war effort, pumping billions into arms production and related industries. Defense spending makes up nearly a third of the state budget for this year, during which Russian factories will produce as many as three million shells, a larger number than what would come from the U.S. and Europe combined. Watling pointed out the irony of Russia, an economy the size of Italy’s, outproducing the entirety of NATO in terms of artillery ammunition. Last year, Ukraine largely fought the war with munitions produced before the start of Russia’s invasion."

    Erstens wurde die russische Waffenindustrie nicht erst 2022 in die Höhe gefahren, sondern spätestens sei dem Majdan 2014. Dieser Umstand wurde vorher ignoriert, weil es den westlichen Medien und sogar Geheimdiensten angenehm war, sich Rußland schwach vorzustellen.
    Da wurde zwar 2022 noch etwas beschleunigt, aber im Prinzip war der russischen Führung seit 2014 klar, daß ein Showdown mit dem Westen ansteht und die Vorbereitungen liefen damals an.

    2., der Vergleich mit Italien hinkt, weil da werden Äpfel mit Birnen verglichen.
    Natürlich produziert Rußland ein Mehrfaches von Italien, aber nach den Berechnungen westlicher Think Tanks ist die russische Produktion eben wenig wert. Viel von den entsprechenden Vergleichen bezieht sich außerdem auf den Finanzsektor, dessen Bedeutung in Rußland relativ bescheiden ist.
    Auch da gab es ein böses Erwachen, als diese vermeintlich bescheidene Wirtschaft plötzlich abhob und sich weder als schwach noch als Kartenhaus entpuppte.

    „Putin’s interest, as reported by the Times, in negotiating a ceasefire that would effectively freeze Russia’s current positions, and the unprecedented aerial bombardment of recent days.“

    (New Yorker, 8.1.)

    Westliches Wunschdenken.
    Rußland wird keinem Waffenstillstand zustimmen, so lange die derzeitige Regierung in Kiew sitzt.

  96. Zu dem heute abgeschossenen russischen Flugzeug gibt es verschiedene Aussagen.

    Die ukrainische Seite behauptet, es seien Raketen damit nach Belgorod transportiert worden.
    Dazu ist zu sagen, daß bei den letzten russischen Raketenangriffen auch aus Belgorod bzw. der umliegenden Region Raketen abgeschossen worden sind.

    Die russische Seite meint, es hätten sich in diesem Flugzeug ukrainische Kriegsgefangene befunden, die zum Austausch gegen russische an die Grenzstation bei Belgorod gebracht werden sollten.
    Dazu meint der österreichische Korrespondent in Kiew, es sei bei den Bildern von der Absturzstelle seltsam, daß keine Leichen oder menschliche Überreste zu sehen seien. Bei angeblich 74 Personen an Bord eigenartig.

    Das Flugzeug, die Iljuschin Il-76 kann im Prinzip für alles verwendet werden, sogar Panzer können damit transportiert werden.

    Das Flugzeug soll laut russischen Angaben mit 2 Raketen aus der Nähe von Liptsy (nördlich von Charkow) abgeschossen worden sein, entweder mit Patriot-Raketen oder mit einem deutschen Produkt.
    Wenn das stimmt, so wurde erstmals mit westlichen Abwehrsystemen russisches Territorium beschossen — ganz unabhängig davon, was in dem Flugzeug drin war.

    Der Kremlsprecher Peskow meint, es sei noch zu früh, genaue Angaben zu machen, während Lawrow bereits eine außerordentliche Sitzung des Sicherheitsrates fordert.

    Wenn das mit den ukrainischen Gefangenen stimmt — russische Version — so müßten einmaldie Namen der Betroffenen veröffentlicht werden.

    Nach russischen Quellen brüsteten sich ukrainische soziale Medien bereits des Abschusses (Raketenversion), diese Posts wurden aber alle schnell gelöscht, als die Gefangenenversion aufkam.

    Und noch eine Version:

    Gouverneur: Luftabwehr in Belgorod war vor dem Absturz aktiv

    Etwa 40 Minuten vor dem Absturz, um 10:35 Ortszeit, schrieb Wjatscheslaw Wladimirowitsch Gladkow auf Telegram, dass über der Ortschaft Blischneje, 60 Kilometer südöstlich der Absturzstelle bei Jablonowo, eine ukrainische Drohne abgeschossen worden sei.
    Um 11:12 schrieb er, dass Luftalarm ausgerufen worden sei und rief die Bevölkerung an, Schutzräume aufzusuchen, eine halbe Stunde später erklärte er, der Alarm sei aufgehoben, berichtet CNN.“

    (Standard, 24.1.)

    Die Frage ist, wo das Flugzeug gestartet ist?
    Russische Medien erwähnen den Militärflughafen Tschkalowskij, der befindet sich nordöstlich von Moskau.
    Der Gouverneur von Orenburg nennt die Besatzung des Flugzeugs „Helden des Vaterlandes“ — sie scheinen also aus dieser Region gewesen zu sein.

  97. Pentagon has no more money for Ukraine as it hosts a meeting of 50 allies on support for Kyiv

    The United States is out of money for Ukraine, unable to send the ammunition and missiles that the government in Kyiv needs to fend off Russia’s invasion.
    With the aid caught up in domestic politics, the Biden administration on Tuesday came empty-handed for the first time as host of the monthly meeting of about 50 nations that coordinate support for Ukraine. The group was established by Defense Secretary Lloyd Austin in April 2022.

    While waiting for Congress to approve more money for Ukraine’s fight, Washington will look to allies to keep bridging the gap.
    “I urge this group to dig deep to provide Ukraine with more lifesaving ground-based air defense systems and interceptors,” Austin said in opening remarks broadcast from his home, where he is recuperating after prostate cancer surgery.
    The opening statement by video was the first public appearance from Austin, 70, who appeared slightly gaunt. He was hospitalized for two weeks after complications from the surgery.

    After the meeting, Celeste Wallander, assistant defense secretary for international affairs, told reporters that Ukraine’s ministry of defense is getting reports from its front lines that “units are not do not have the stocks and the stores of ammunition that they require.”

    Wallander added, “That is one of the reasons we have been focusing on the need to answer Congress’ questions, so that they are able to move forward on a decision to pass” legislation with the aid.
    While Ukraine waits to see what Congress will do, European allies are moving ahead with new measures to support Ukraine.

    In Brussels, NATO Secretary-General Jens Stoltenberg announced a $1.2 billion joint contract to buy more than 222,000 rounds of 155 mm ammunition. The rounds are some of the most heavily used munitions in the war, and the contract will be used to backfill allies that have pushed their own reserves to Kyiv.

    While the conflict between Israel and Hamas has dominated headlines since October, Russia’s onslaught against Ukraine has continued.
    Russia on Tuesday launched a barrage of more than 40 ballistic, cruise, anti-aircraft and guided missiles into Ukraine’s two biggest cities, damaging apartment buildings and killing at least five people. (…)

    Ukraine’s air defenses were able to intercept at least 21 of the missiles. But the attacks injured at least 20 people in four districts of Kyiv. (…)

    (Associated Press, 23.1.)

    Die USA sind fein heraußen: Sie haben getan, was sie konnten, jetzt ist die EU dran.
    Das Praktische dabei ist, daß die EU das meiste Zeug, was die Ukraine braucht, also vor allem Munition für Artillerie und Abwehrgeschütze, gar nicht produziert — sodaß sie die Sachen in den USA kaufen muß.

  98. „Weiter erklärte er (= der russische Duma-Abgeordnete Andrej Kartapolow), der ukrainische Militärgeheimdienst sei 15 Minuten vor dem Einflug der Transportmaschine in das betroffene Grenzgebiet gewarnt worden.
    Die Ukraine bestreitet dies. Laut Andriy Jusow, dem Sprecher des Militärgeheimdiensts, waren zum Absturzzeitpunkt zwei weitere russische Militärtransporter, einen Antonow-26 und eine Antonow-72, in der Region unterwegs. (…) Der ukrainische Militärgeheimdienst versuche derzeit, mehr über das Schicksal der dutzenden ukrainischen Kriegsgefangenen zu erfahren, die laut Moskauer Angaben an Bord der Maschine waren, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache am Mittwoch.
    Die Sicherheitsexpertin Claudia Major warnte wiederum vor voreiligen Schlüssen. Es seien derzeit zwei Fakten bekannt, sagte die Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". »Das Flugzeug ist abgeschossen worden. Und es war ein Gefangenenaustausch geplant, der nicht stattgefunden hat.«“

    (Standard, 25.1.)

  99. Die deutsche und die französische Regierung kriegen sich in die Haare, wer die Ukraine mehr unterstützt:

    Unzureichende Zusammenarbeit: Zwischen Paris und Berlin kam es zu einem Skandal um die Hilfe für Kiew
    Frankreich reagierte scharf auf die Vorwürfe Deutschlands, die Ukraine nicht ausreichend zu unterstützen

    Der Chef des französischen Verteidigungsministeriums, Sébastien Lecornu, reagierte erbittert auf deutsche Vorwürfe, Paris leiste der Ukraine weniger Hilfe als Polen, Deutschland, Großbritannien, die baltischen Staaten und die Staaten Nordeuropas. Am Vortag versprach Deutschland, seine militärische Unterstützung für Kiew in diesem Jahr auf fast acht Milliarden Euro zu verdoppeln. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte, dass alle Mitgliedsländer bis zum EU-Gipfel am 1. Februar bekannt geben müssen, welche militärische Ausrüstung sie in diesem Jahr an die Ukraine liefern wollen.

    Da macht sich wer lustig

    »In den letzten Wochen hat er (Bundeskanzler Olaf Scholz) seine Kollegen in der EU auf eine Weise verspottet, die für ihn persönlich und für die in der Union geltenden Höflichkeitsregeln sehr ungewöhnlich war«, heißt es in einem Artikel der Zeitung der Süddeutschen Zeitung.
    Die Zeitung zitiert eine der regierungsnahen Quellen. »Wir geben den Ukrainern nicht nur nicht genug [Waffen], um zu gewinnen, sondern nicht einmal genug, um zu überleben«, sagte er.
    Laut Süddeutscher kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz eine Verdoppelung der Militärhilfe für Kiew in diesem Jahr auf fast 8 Milliarden Euro an, die Niederländer versprachen 2,5 Milliarden Euro. »Aber von Frankreich haben wir so etwas noch nie gehört«, zitiert die Zeitung die Worte eines europäischen Diplomaten.

    »Niemand in Brüssel zweifelt ernsthaft daran, daß die Franzosen einen Sieg der Ukraine sehen wollen. Aber die Kluft zwischen der bombastischen pro-ukrainischen Rhetorik von Paris und dem konkreten Beitrag Frankreichs zu diesem Ziel, gemessen in Euro, ist erheblich«, heißt es in der Süddeutschen.
    Der deutsche Regierungschef forderte andere Länder auf, dem Beispiel Berlins zu folgen, und deutete dabei eher auf große EU-Staaten wie Frankreich, Spanien, Italien hin. »Die bisher geplanten Rüstungslieferungen sind zu gering«, beklagte er.“

    Erstens geht hier also eine Konkurrenz in der EU weiter, wer mehr Geld und Waffen in die Ukraine schiebt.
    Zweitens wird damit auch das Märchen aufrechterhalten, bei mehr Unterstützung würde die Ukraine die Oberhand gewinnen.

    „»Der Grund dafür war eine eher düstere militärische Lage. Die Sommer-Gegenoffensive der Ukraine ist weitgehend gescheitert. Die Verteidiger können sich kaum behaupten. Gleichzeitig blockieren die Republikaner im US-Kongress die Bereitstellung weiterer Militärhilfe für Kiew«, stellt die Süddeutsche Zeitung fest. Dort heißt es weiters, daß in Europa Befürchtungen bestehen, dass »die Ukrainer den Krieg in diesem Jahr verlieren oder zumindest vor ernsthaften Schwierigkeiten stehen könnten … Die Situation ist so instabil, dass die ukrainische Regierung es nicht einmal gegenüber ihren Verbündeten zugeben will, sondern stattdessen Optimismus verbreitet – aus Angst, diejenigen im Westen zu stärken, die argumentieren, dass es notwendig sei, nicht mehr in einen verlorenen Krieg zu investieren«, zitiert die Zeitung einen Diplomaten in Brüssel.“

    Hier belügt einer den anderen, und so weiter im Kreis, wie es aussieht.

    „Nach Angaben des Kieler Instituts für Weltwirtschaft stellte Paris Kiew nur 0,5 Milliarden Euro zur Verfügung, während Berlin 17 Milliarden Euro zur Verfügung stellte. Damit liegt Frankreich weit hinter den nordischen Ländern, dem Baltikum, Polen, Großbritannien und Deutschland.

    Kraut und Rüben

    Die französischen Behörden waren über solche Vorwürfe empört. Der französische Verteidigungsminister Sebastien Lecornu reagierte sehr erbittert auf die Daten des Kieler Instituts und kritisierte die Verwechslung von »Kraut und Rüben«. Er wies darauf hin, dass es sich bei den Daten aus Kiel um »Versprechungen und Erklärungen« und nicht um tatsächliche Lieferungen handele, während in »Paris Versprechungen erfüllt werden.«“

    Ein interessanter Vorwurf an das Kieler Institut, es würde seine Statistik im Sinne Deutschlands fälschen.

    „»Frankreich ist stolz darauf, zu halten, was es verspricht, und es effektiv umzusetzen. Insbesondere versorgte Paris die Ukrainer mit Scalp-Marschflugkörpern. Sie ähneln dem deutschen Taurus, den Scholz überhaupt nicht nach Kiew liefern will«, bemerkte der Minister.“

    Hahaha!
    Unsere Raketen sind genausogut wie eure! – soll das heißen. Und wir liefern sie und probieren sie aus. Ihr hingegen …
    Damit soll auch angedeutet werden, daß die Taurus vielleicht gar nicht so toll sind.

    „Zuvor hatte Lecornu erklärt, dass Frankreich beabsichtige, die ukrainischen Streitkräfte im Laufe des Jahres 2024 mit 50 AASM-Fliegerbomben pro Monat zu versorgen.

    »Offenbar spürte die französische Regierung, dass sie Probleme mit ihrem Image in der EU hat, und kündigte vor einigen Tagen weitere Waffenlieferungen an. Es wurde berichtet, dass 78 Haubitzen vom Typ Caesar (CAESAR-Selbstfahrlafetten) für die Ukraine bestellt werden.
    Doch dann begannen die typischen französischen Manöver: Es wurde bekannt, dass Paris zwölf Artilleriegeschütze im Wert von 50 Millionen Euro finanzieren würde, weitere 60 sollten von ,Verbündeten der Ukraine’ bezahlt werden«, heißt es in der Süddeutschen.“

    Da hat wohl jemand die Süddeutsche richtig auf dieses Thema angesetzt und mit Informationen gefüttert.
    Man fragt sich, von welchem Geld die Ukraine diese Geräte bezahlen soll? Und welche Verbündete hier zur Kasse gebeten werden sollen?
    Ebenso ist offensichtlich, daß Frankreich hier seine Rüstungsindustrie stärken will, wenn möglich, mit fremdem Geld.

    „Es wurde nicht erwähnt, um welche konkreten Staaten es sich handelt.

    Sinkende Beliebtheit

    In letzter Zeit setzt Olaf Scholz, dessen Leistung als Kanzler laut einer Meinungsumfrage des INSA-Instituts für öffentliche Meinungsforschung von etwa 72 % der Wähler missbilligt wird, auf die Außenpolitik.
    Er äußert zunehmend die Notwendigkeit, Kiew zu helfen.“

    Er will wohl seine Zögerlichkeit vom Vorjahr vergessen machen und sich besonders ins Zeug legen.

    „Die EU hat sich noch nicht auf die der Ukraine zugesagten 50 Milliarden Euro geeinigt. Wie Politico unter Berufung auf einen Scholz-nahen Beamten schreibt, befürchtet der deutsche Bundeskanzler, dass die EU die Ukraine ohne US-Unterstützung finanzieren und bewaffnen muss, und fordert daher mehr Investitionen aus den Mitgliedsstaaten.“

    Die wiederum meinen offenbar, Deutschland soll doch zahlen, wenn es so gerne will.

    „Darüber hinaus »drückt er zunehmend seine Enttäuschung darüber aus, inwieweit seine militärische Unterstützung für die Ukraine die seiner EU-Kollegen übersteigt«, heißt es in der Süddeutschen.“

    Berlin schwingt sich sozusagen zum Wauwau auf, der beim Gipfel am 1. Februar sozusagen allen EU-Staaten Unterstützungs-Hausübungen aufträgt und die dann auch kontrollieren will.
    Damit will es sich – wieder einmal – zur Führungsmacht Europas aufschwingen: Mir nach! gen Osten!

    „Ein großes Theater

    Artjom Sokolov, Forscher am (…) Institut für Auswärtige Angelegenheiten des russischen Außenministeriums (…), stellte in einem Interview mit Izvestija fest, daß Berlin seit der Eskalation der Ukraine-Krise zum unangefochtenen Spitzenreiter im Umfang militärischer und finanzieller Hilfe unter den EU-Ländern geworden ist.

    Die erfolglosen Ergebnisse der »Gegenoffensive« für die ukrainischen Streitkräfte und die unsichere Lage an der Front erfordern ein Überdenken der Parameter der Unterstützung westlicher Länder für Kiew.
    Berlin gehe zu Recht davon aus, daß Deutschland einen ausreichend proaktiven Beitrag zur Unterstützung der Ukraine geleistet habe und setze nun auf eine gerechtere Verteilung dieser Last unter seinen europäischen Verbündeten, erklärte der auf Deutschland spezialisierte Experte.
    Er fügte hinzu: »Angesichts der verwundbaren Lage der Streitkräfte der Ukraine und des ukrainischen Staates als Ganzes dreht sich die Diskussion eigentlich um die Frage der Bereitschaft einzelner EU-Länder, der Ukraine Finanzmittel bereitzustellen, ohne dass es Garantien dafür gibt, daß die zugewiesenen Mittel auch mit der gebotenen Effizienz genutzt werden.«“

    Mit einem Wort, es wird verlangt, das Geld und die Waffen der Ukraine zu schenken und die kann dann damit machen, was sie will.
    Und zwar mit der Begründung: Die Ukraine braucht Hilfe! und Wir geben ihr auch, was wir können!
    Daß sich die Mittel, die der ukrainischen Führung in die Hand gedrückt bzw. über sie ausgeschüttet werden, nicht kontrollieren lassen, hat schon zu einigen verärgerten Fragen im US-Kongreß geführt und ist einer der Gründe, warum die Republikaner den Hahn abdrehen wollen.

    Natalya Jeremina, Doktorin der Politikwissenschaften und Professorin an der Staatlichen Universität St. Petersburg, wies wiederum in einem Gespräch mit Izvestija darauf hin, dass innerhalb der NATO und der EU-Länder die Frage diskutiert wird, wer aufgrund der an die Ukraine übertragenen Hilfe eine Führungsrolle übernehmen kann.“

    Das ist sehr nett gesagt.
    Eigentlich geht es darum, daß Deutschland eine Führungsrolle anstrebt, die die anderen ihm nicht zugestehen wollen.
    Angesichts der allgemeinen Ratlosigkeit, wie in Sachen Ukraine weiter vorzugehen ist, erscheint es allerdings auch irgendwie notwendig, daß einer auf den Tisch haut und sagt: Mir nach!

    „»Wir reden nicht nur über Waffenlieferungen, obwohl sie im Mittelpunkt stehen, sondern auch über die Aufnahme von Flüchtlingen und die Höhe der materiellen Ressourcen, die zur Unterstützung transferiert werden.“

    Mit einem Wort, Cash, was natürlich noch leichter in irgendwelchen privaten Taschen verschwinden kann als Waffen oder Lebensmittel.

    „Es gebe einen Friedensfonds, der von allen EU-Ländern gemeinsam unterstützt werde, die Gründung eines neuen Fonds sei geplant, da Ungarn nun den Transfer zusätzlicher Mittel blockiere, erklärt Jeremina. Sie weist darauf hin, daß Frankreich innerhalb der EU diese finanzielle Unterstützung auf der Grundlage von Solidarität anbietet,“

    – also sich von niemandem vorschreiben läßt, wieviel es abzuliefern habe –

    „außerdem stellt Paris Kiew seit geraumer Zeit Militärberater zur Verfügung. Daten über die Präsenz des französischen Militärs auf dem Territorium der Ukraine sind inzwischen offensichtlich geworden.

    Jeremina ist weiters überzeugt, daß gleichzeitig die Länder Osteuropas zu Vorreitern und Treibern in der NATO werden, da sie die Ukraine am aktivsten unterstützen, obwohl sie viel weniger Möglichkeiten haben.“

    Also auch von hier Führungsanspruch.
    Die einen sagen: Wir zahlen am meisten!
    Die anderen sagen: Ich liefere am verläßlichsten!
    Die dritten trompeten: Aber ich ziehe mir das letzte Hemd aus!
    Und dann ist hier noch GB, das gar nicht mehr in der EU ist, aber sich in Sachen Ukraine auch sehr weit aus dem Fenster gehängt hat.

    „Paris möchte seine Unterstützung nicht erhöhen, da diese nach Angaben der französischen Behörden bereits ausreicht, aber es kündigt eine Überarbeitung an. Frankreich muss zeigen, daß es präsent ist, dass es auch die Ukraine unterstützt und seine führende Position innerhalb der NATO nicht aufgibt«, schloss Eremina.“

    (Izvestija, 25.1.)

    Für Spannung ist gesorgt.
    Der Ukraine-Krieg ist zu einem weiteren Moment imperialistischer Konkurrenz geworden, wo sich jeder sein Süppchen zu kochen versucht.

  100. Kampf im Boden unter Awdijiwka
    Russen greifen aus dem Kanalsystem an

    Dramatische Entwicklungen an der Front in der Ukraine: Im Süden der von drei Seiten bedrängten Stadt Awdijiwka sollen russische Kommandos durch einen Trick hinter die ukrainischen Linien vorgedrungen sein.

    An der Front bei Awdijiwka ist den russischen Streitkräften offenbar ein riskanter Überraschungsangriff gelungen: Kommandosoldaten hätten sich am südlichen Stadtrand von Awdijiwka Zugang zum Kanalisationssystem verschafft, berichtete das ukrainische Nachrichtenportal “Kyiv Post” unter Berufung auf russische Quellen.
    Nach wochenlangen Vorbereitungen sei ein Stoßtrupp schließlich durch einen alten Abwasserkanal unter der Front hindurch tief ins ukrainische Hinterland vorgedrungen.
    Bei der gewagten Kommandoaktion im Untergrund hätten die Russen bis zu 150 Kämpfer unerkannt hinter die ukrainischen Linien geschleust, heißt es. Die Verteidiger im Süden von Awdijiwka hatten dadurch plötzlich auch starke Feindkräfte im Rücken. Der überraschende Angriff aus dem Hinterhalt hätte es den Russen ermöglicht, einen wichtigen Vorposten der Ukrainer am Stadtrand zu überwältigen. Dabei soll es sich um die zur Festung ausgebaute Stellung “Zarenjagd” an der Sobornaja-Straße gehandelt haben.

    In der Region an der alten Ausfallstraße Richtung Spartak wird tatsächlich seit Tagen intensiv gekämpft. Während russische Angriffe an anderen Frontabschnitten bislang stets im Feuer der ukrainischen Verteidiger liegenblieben, hat sich an der Sobornaja-Straße Ende Januar ein auffallend tiefer Frontvorstoß gebildet. Der Überfall aus dem Untergrund könnte den Vorstoß Richtung Stadtzentrum begünstigt haben.
    Die alte Ortsverbindungsstraße von Spartak nach Awdijiwka führt mitten durch gut ausgebaute ukrainische Stellungen. An dem fraglichen Frontabschnitt nordwestlich von Donezk stehen sich ukrainische und russische Kräfte schon seit 2014 gegenüber. Quer durchs frühere Niemandsland verläuft die Donezker Umgehungsstraße, deren autobahnähnlich ausgebaute Trasse seit dem Minsker Abkommen die alte Kontaktlinie bildete.

    Dass sich der Kampf um Awdijiwka nun auch unter die Erde verlagert, verschafft den Verteidigern zusätzliche Probleme. Der Luftraum über der Front wird bereits intensiv überwacht. Mit Aufklärungsdrohnen halten beide Seiten das Gefechtsfeld im Blick. Jede auffällige Bewegung zieht Artilleriefeuer an. Kampfdrohnen schwirren über das Schlachtfeld. Im Erdboden unterhalb der alten Industrievororte schlummern womöglich weitere Gänge und Kanäle – vom Abwasserkanal, über Kabelschächte oder nicht mehr genutzte Fernwärmeleitungen.
    Die Russen seien nahe Spartak ins ukrainische Kanalnetz eingedrungen, berichtete der Kiewer TV-Sender “Kanal 5”. Mit Schneidbrenner hätten sie die stählerne Wand eines alten Abwasserrohrs geöffnet und sich anschließend einen Weg durch einen teils überfluteten Tunnel gebahnt. Russische Militärblogger zeigten russisch sprechende Soldaten, die teils durch brusttiefes Wasser waten.

    Die nicht mehr genutzten Abwasserkanäle eröffneten den russischen Truppen einen gedeckten Annäherungsweg zum Angriff auf die ukrainische Stellungen. Der Bürgermeister von Awdijiwka, Witaly Barabasch bemühte sich im Gespräch mit “Kanal 5”, den russischen Überraschungseingriff einzuordnen. “Wir denken, dass sich durch die Abwasserkanäle kein ernsthafter Angriff organisieren lässt”, sagte er. “Sicher keine ernsthafte Offensive.” Er gehe eher von einer Art Aufklärungstrupp aus, der aus dem Kanal hinter die ukrainischen Linien vorgedrungen sei.
    Auch auf russischer Seite bestehen anscheinend Zweifel, ob die Kommandoaktion die Frontlinie dauerhaft verändern wird. “Der Vorstoß durch die ukrainischen Stellungen ist zu schmal, der Korridor zu lang”, zitierte die “Kyiv Post” den russischen Kanal “War Gonzo”. Die ukrainischen Gegenangriffe waren demnach bereits “zumindest teilweise erfolgreich”.

    (ntv, 27.1.)

    Es hat eine gewisse Logik, daß die russische Armee es jetzt aus dem Kanalsystem versucht, Avdejevka zu erobern: Marjinka war durch Schächte untertunnelt, so war es auch in den Salzminen von Soledar, und so versuchen die Russen, diese Taktiken jetzt auch in Avdejevka einzusetzen.

  101. „Neue russische Drohnen- und Raketenangriffe auf die Ukraine

    Die Regionen Poltawa und Charkiw waren unter Beschuss. Die Ukraine hat indes ein Korruptionssystem beim Kauf von Waffen aufgedeckt

    Russland hat die Ukraine wieder mit Raketen- und Drohnenangriffen überzogen. "Feindliche Drohnen haben das Gebietszentrum attackiert", schrieb der Militärgouverneur der südukrainischen Region Saporischschja, Jurij Malaschko, am späten Samstagabend auf Telegram. Dabei sei ein Infrastrukturobjekt getroffen worden. Nähere Angaben machte er nicht.

    Raketenangriffe meldete die zentralukrainische Region Poltawa. Einen Einschlag habe es in einem Industrieobjekt in Krementschuk gegeben, schrieb Militärgouverneur Filip Pronin. Dadurch sei ein Feuer ausgebrochen. Die Löscharbeiten dauerten Behördenangaben zufolge an. Zu möglichen Opfern gab es zunächst keine Informationen.

    Angriffe meldete darüber hinaus auch die oft attackierte Region Charkiw im Nordosten der Ukraine. Informationen zu möglichen Opfern und Schäden wurden auch dort noch nicht veröffentlicht.

    Mehr Luftangriffe

    Russland hat in den vergangenen Tagen nach Angaben aus Kiew seine Bemühungen zur Eroberung ukrainischer Orte enorm verstärkt. "Die Besatzer haben die Zahl der Angriffs- und Sturmaktionen deutlich erhöht – den zweiten Tag in Folge führt der Feind 50 Kampfhandlungen aus", schrieb der für den Frontabschnitt im Süden und Südosten der Ukraine zuständige General Alexander Tarnawskyj am Samstag auf seinem Telegram-Kanal. Dabei habe auch die Zahl der Luftangriffe zugenommen.

    Die von Tarnawskyj genannten Zahlen beziehen sich offenbar auf den südlichen Teil des Gebietes Donezk. Explizit erwähnt er Schläge gegen die dort gelegenen frontnahen Städte Myrnohrad und Nowohrodiwka, die am Vortag mit umfunktionierten Luftabwehrraketen beschossen wurden.

    Moskau hat in dem Raum im Herbst 2023 eine neue Offensive zur Eroberung der Stadt Awdijiwka gestartet, die direkt an die bereits seit 2014 von russischen Kräften kontrollierte Großstadt Donezk grenzt. Nach anfänglichen Geländegewinnen kommen die Russen Medienberichten zufolge trotz großen Personal- und Materialaufwands kaum noch voran. Die Einnahme der südlich davon gelegenen inzwischen völlig zerstörten Kleinstadt Marjinka meldete das russische Militär Ende Dezember 2023. Ein weiteres Vordringen ist den russischen Kräften aber auch hier trotz intensiver Angriffe nicht gelungen.“

    Die derzeitige russische Taktik besteht aus sturmreif Schießen, um nicht zu viele Verluste hinnehmen zu müssen.

    „Ukraine deckt massiven Betrug bei Waffenbeschaffung auf

    Der ukrainische Sicherheitsdienst SBU hat indes ein Korruptionssystem beim Kauf von Waffen durch das ukrainische Militär im Gegenwert von etwa 40 Millionen Dollar (36,80 Millionen Euro) aufgedeckt. »Den Ermittlungen zufolge sind ehemalige und derzeitige hochrangige Beamte des Verteidigungsministeriums und Leiter von Tochterunternehmen an der Veruntreuung beteiligt«, erklärte der SBU am Samstag (Ortszeit).

    Eine Untersuchung habe »Beamte des Verteidigungsministeriums und Manager des Waffenlieferanten Lviv Arsenal entlarvt.« Bei der Unterschlagung gehe es um den Kauf von 100.000 Mörsergranaten für das Militär, heißt es in der Erklärung.

    Dem SBU zufolge wurde im August 2022, sechs Monate nach Kriegsbeginn, ein Vertrag mit Lviv Arsenal über die Anschaffung der Granaten abgeschlossen. Die Zahlung erfolgte im Voraus, wobei einige Mittel ins Ausland überwiesen worden seien. Der Mitteilung zufolge wurden jedoch nie Waffen geliefert. Gegen fünf Personen sowohl im Ministerium als auch beim Waffenlieferanten seien »Verdachtsmitteilungen« – die erste Stufe eines ukrainischen Gerichtsverfahrens – ergangen. Ein Verdächtiger sei bei dem Versuch, die ukrainische Grenze zu überqueren, festgenommen worden.“

    Es handelt sich hier um ein ukrainisches Rüstungsunternehmen, das in das Schema verwickelt ist, aber es ist wahrscheinlich, daß sich das aufgrund seiner Lage nahe der ukrainischen Westgrenze in Lwow nur auf Vermittlung von Waffen spezialisiert hat, also gar nicht selber welche produziert. Und offenbar auch keine Waffen vermittelt, sondern nur kassiert.
    Es ist wahrscheinlich, daß es mehrere solcher Firmen gibt, vor allem in der Westukraine.

    „Ein massiver Beschaffungsbetrug ist auch vom ukrainischen Verteidigungsministerium bestätigte worden. Korruption innerhalb des Militärs ist in der Ukraine ein besonders heikles Thema, da das Land die öffentliche Kriegsmoral aufrechterhalten möchte und sich auch um einen Beitritt zur EU bemüht.“

    Deswegen muß man hin und wieder so eine Firma auffliegen lassen.

    (Standard, 28.1.)

  102. „Reisners Blick auf die Front (…)

    Markus Reisner: Wir sehen aktuell Angriffe entlang der gesamten Front und – trotz hoher Verluste – auch gelungene Einbrüche, zum Teil auch lokale Durchbrüche der Russen.
    Im Raum südostwärts von Kupjansk konnte man bei Tabaivka fünf Kilometer tief in die ukrainischen Verteidigungsstellungen einbrechen. Ziel ist hier offenbar, den Fluss Oskil zu erreichen und den ganzen Bereich ostwärts davon in Besitz zu nehmen. Auch weiter südlich, bei Terny sind die russischen Truppen einen Kilometer vorgestoßen, dann wurde der Angriff gestoppt.
    Schwere Kämpfe sehen wir auch in den Regionen Swatowe, Lyman, Bachmut und Marjinka. Bei Bachmut hatten die Ukrainer während der Sommeroffensive Gelände gewonnen, das erobern die Russen nun Meter für Meter wieder zurück. Bei Awdijiwka haben die Russen nördlich und südlich der Stadt Raum gewonnen. (…)

    Wenn wir uns als Beispiel das Schlachtfeld bei Awdijiwka anschauen: Den Raum südlich der Stadt haben die Russen gewonnen, indem sie offenbar einen unterirdischen Tunnel benutzt haben. Durch den sind sie hinter die ukrainischen Stellungen gelangt und konnten von dort aus die Ukrainer dann überraschen. (…)

    Was die verfügbaren Soldaten angeht, haben wir derzeit eine gewisse Parität an der Front, die Situation ist also im Gleichgewicht.“

    Wenn dem so wäre, gäbe es weder die Demos in Kiew, wo Frauen fordern, endlich ihre Männer von der Front auf Urlaub gehen zu lassen, noch die Pläne, bisher Befreite und Geflüchtete in die Reihen der ukrainischen Armee einzuziehen.
    Es mag sein, daß an der Front von der Mannstärke her Parität herrscht, aber da handelt es sich eben bei den Ukrainern um durch monatelangen Einsatz erschöpfte Soldaten und bei den Russen um frische Kräfte, die gerade aus dem Ausbildungslager kommen.
    Hier wird also von Reisner bschönigt – vermutlich wurde ihm angeschafft, die Situation besser darzustellen als sie ist.

    „Massiv im Nachteil sind die Ukrainer aber bei der verfügbaren Munition – für Artillerie, aber auch für Kampfpanzer und Fliegerabwehrsysteme. Das ist das, was die Ukraine an der Front braucht, um die Russen zumindest auf Distanz zu halten. Je mehr sich die Vorräte dort reduzieren, desto leichter ist es den Russen möglich, die Oberhand zu gewinnen – trotz der schweren Verluste, die sie dabei machen. Aber wir haben ja schon erkannt, dass humane Verluste, also Soldatenleben, für die Russen kein Parameter sind – kein Grund, ihre Angriffe in irgendeiner Weise danach auszurichten.“

    Seit geraumer Zeit wird von westlichen Medien über die angeblich „enormen“ Verluste der Russen berichtet – gepaart von der Enttäuschung, daß das keinen Einfluß auf deren Kriegsführung hat.
    Erstens werden die Verluste der russischen Armee hoch angesetzt. Das ist ein Teil der Kriegspropaganda. Denn alle Nachrichten über die russischen Verluste kommen von der ukrainischen Seite. Sie sind nicht nachprüfbar, und sind im Kontext dessen zu sehen, daß die Ukraine ihre eigenen Verluste zu verbergen sucht.
    Verläßliche Angaben gibt es also in dieser Frage nicht, die Zahlen sind reine Erfindung.

    Zweitens wird verärgert vermerkt, daß die Russen ungeachtet dieser angeblich hohen Verluste ungeachtet weitermachen. D.h., den Russen sind „Menschenleben“ egal, diesen Miststücken mitsamt ihrem miesen Diktator.
    Das Gleiche gälte für die ukrainischen Streitkräfte, wo die Verluste aufgrund der Unterlegenheit bezüglich Artillerie auf jeden Fall höher sind, neben der Schnellsiede-Ausbildung, die noch einmal die Ausfälle erhöht.
    Dazu kommen auch noch Desertionen, die die ukrainische Armee weiter dezimieren.
    Dennoch ist allen Kommentatoren klar, daß ukrainische Verluste nicht gegen die Führung dieses Landes sprechen.

    „Im Netz kursieren sehr viele Videos, täglich produziert von beiden Seiten, um ihre jeweiligen Angriffs- oder eben Abwehrerfolge zu zeigen. Aus diesen Filmen kann ich einiges ableiten, wenn ich die russische Einsatzführung dort betrachte. Zu Beginn setzen die Russen massiv Artillerie und Kamikaze-Drohnen ein und schicken in einer ersten Welle Truppen nach vorne. Diese Soldaten laufen direkt ins Feuer der Ukrainer. Dieses Vorgehen dient vor allem dazu, die ukrainischen Stellungen zu identifizieren.“

    Diese Darstellung von Reisner ist unglaubwürdig angesichts des Umstandes, daß beide Seiten versichern, daß durch die Aufklärungsdrohnen die feindlichen Stellungen in einem fort ausspioniert werden und es daher nicht viel durch dergleichen verlustreiche Angriffe zu „identifizieren“ gibt.

    „Dann folgt noch einmal Artillerie, noch einmal Kamikazedrohnen und schließlich greift man in einer zweiten Welle mit frischen Soldaten massiv. So gewinnen die Russen Gelände, marschieren vor, Meter für Meter. (…)

    Die Videos zeigen auch, dass die Russen eher untergeordnete Einheiten in diesen ersten Angriffen einsetzen. Truppen, die zu einem hohen Grad mit Reservisten befüllt sind, eine schlechtere Ausbildung haben. Sie sind reines Kanonenfutter. In der nächsten Phase werden gezielt diese erkannten Verteidigungsstellungen der Ukrainer angegriffen, bevor es zu einem neuerlichen Angriff kommt, zu einer zweiten Welle. Hier ist erkennbar, dass die Soldaten wesentlich besser ausgebildet sind als die der ersten Welle. Das erinnert übrigens an die Taktik der Sowjetarmee im II. Weltkrieg: Damals hat man auch oft zunächst schlecht ausgebildete Soldaten als Kanonenfutter nach vorn geschickt, damit die deutsche Seite für die Abwehr Munition verbraucht und sich die Bestände reduzieren. Dann erst hat die Elite angegriffen. Dieses Element aus der Militärkultur der russischen Streitkräfte ist also noch aus der Zeit der Sowjetunion erhalten. (…)

    Wir beobachten derzeit, wie die ukrainische Seite Reserven aufstellt, und hier sticht die Aufstellung des siebten Luftsturm-Korps heraus. Das ist offensichtlich der Versuch, auf operativer Ebene verlegbare Reserve-Einheiten zu bilden. Diese Truppen agieren also als eine Art Frontfeuerwehr, die schnell verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird, um den angreifenden Russen etwas entgegenzusetzen.

    ntv: Wenn wir noch mal auf die starke Bedeutung der Drohnen zurückkommen: Wie sind da die Verhältnisse inzwischen? Kann die Ukraine den russischen Vorsprung aufholen?“

    Hierzu ist zu bemerken, daß ursprünglich die Ukraine bei den Drohnen die Nase vor hatte und sich inzwischen das Blatt gewendet hat: Rußland hat mehr Drohnen. 
    Und jetzt kommt Reisner zu den tatsächlichen Kräfteverhältnissen:

    „Reisner: Russlands Industrie, zumal in Kriegswirtschaft, ist deutlich leistungsfähiger als die der Ukraine. Moskau zielt darauf ab, 100.000 Kamikaze-Drohnen pro Monat zu erzeugen. Auch dank der Unterstützung durch den globalen Süden, China etwa, hat Russland gute Chancen, sein Ziel auch zu erreichen. Kiew hat sich vorgenommen, dieses Jahr 50.000 Kamikaze-Drohnen monatlich zu produzieren.

    ntv: 50.000 Drohnen – das klingt aber auch schon nach industrieller Produktion, nicht mehr nach Basteln im Hinterhof wie noch vor Monaten?

    Reisner: Die Ukraine erzeugt einerseits Drohnen, die tief nach Russland hineinfliegen können. Da ist die produzierte Stückzahl noch relativ gering. Die kleinen First-Person-View-beziehungsweise Kamikaze-Drohnen hingegen, die aktuell das Gefechtsfeld beherrschen, die kommen aus dem 3D-Drucker. Sie sind rasch mit vorgefertigten Bauteilen zu produzieren und werden von der Ukraine quasi schon als Ersatz für die fehlenden Artilleriegranaten eingesetzt.
    Kiew zieht in den militärischen Produktionsstätten, die es bereits gibt, die Fertigung hoch“

    – das sind allerdings die Manufakturen, die Rußland systematisch bombardiert –

    „und fordert gleichzeitig die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Jeder Ukrainer soll quasi im eigenen Haushalt versuchen, eine Drohne zu erzeugen und abzuliefern, damit sie an der Front eingesetzt wird. Im Internet kann man sich dafür Baupläne herunterladen. Es wird also viel getan, aber im Vergleich zu Russlands Ressourcen klingt es noch immer eher provisorisch.“

    Ist es auch.

    ntv: Ein Wort zu Russlands Ressourcen: Die kann Moskau so massiv ausbauen, trotz westlicher Sanktionen?

    Reisner: Schauen Sie sich den Iran an, ein Land, das unter einem sehr strengen Sanktionsregime leidet. Trotzdem konnte er sich zu einer Drohnen-Supermacht entwickeln und sendet seine Drohnen zur Unterstützung an die Huthis, liefert der Hamas Bauteile, schickt sie der Hisbollah in den Südlibanon und unterstützt Russland im großen Stil.“

    Reisner sagt damit nicht mehr oder weniger, als daß die Sanktionen von der angestrebten Wirkung her nix taugen, wenn sie auf potente Gegner treffen.

    „Die Russen haben jetzt auch ein eigenes Drohnen-Werk errichtet, Zielvorgabe sind 300 bis 350 Stück im Monat. Viele der notwendigen Bauteile kommen unseres Wissens aus China, aber manche, und das ist wirklich ernüchternd, finden ihren Weg auch aus Europa nach Russland. Über Subfirmen oder Rattenlinien.

    ntv: Rattenlinien?

    Reisner: Wege, auf denen kostbares Gut von A nach B hinter dem Rücken bestehender Sanktionen transportiert wird. Etwa über Drittstaaten, die nicht sanktioniert sind. Wenn wir Öl als Beispiel nehmen: Indien kauft in Russland Öl, lädt es auf seine Tanker, die fahren ins Mittelmeer. Dort wird es auf andere Tanker umgeladen und kommt zum Beispiel nach Europa.
    Nordkorea, ein weiteres Beispiel, hat Russland im vergangenen Jahr eine Million Artilleriegranaten geschickt. Satellitenaufnahmen zeigen, wie das Material mit nordkoreanischen Schiffen oder Zügen nach Russland transportiert wird. (…)“

    Was hat das mit den Sanktionen zu tun?
    Nordkorea hat sich denen ja nicht angeschlossen.

    ntv: Wo bleiben die westlichen Lieferungen?

    Reisner: Sie dürfen nicht vergessen: Die russische Kriegswirtschaft produziert auf Kommando. Die europäische Rüstungsindustrie ist vor allem privatwirtschaftlich strukturiert und organisiert. Die Konzerne produzieren nur, wenn es Abnahmezusagen gibt, wenn also sicher Gelder fließen. Entsprechend müssten die Regierungen die Rüstungsindustrie fragen: Was für Kapazitäten habt ihr, und was könnten wir hier gemeinsam tun? Das passiert aber nicht.“

    Das entspricht dem, was heute in den Abendnachrichten verkündet wurde und in russischen Medien schon seit einiger Zeit verbreitet wird: Die Rüstungskonzerne wollen Geld sehen, um zu produzieren, das kommt aber von der Politik nicht.
    Die Waffenschmieden müßten für die Produktion dieser Artilleriemunition eigene Werke errichten, dafür kriegen sie aber kein Geld.
    Daher werden diese Werke auch nicht errichtet – wir leben schließlich in der Marktwirtschaft.

    „Es gibt zwar Zusagen und Bestellungen, aber nicht in dem Umfang, dass es wirklich einen Unterschied machen würde im Vergleich zu dem, was Russland, Nordkorea oder andere zwischenzeitlich machen. Bei Marschflugkörpern verhält es sich ähnlich: Man nimmt an, dass Russland momentan circa 900 Marschflugkörper verfügbar hat und die Produktionsrate bereits 115 bis 130 pro Monat beträgt.

    ntv: Während Deutschland jetzt seit acht Monaten diskutiert, ob man einmalig 150 Taurus-Marschflugkörper in die Ukraine schickt.“

    Auch da wäre die Frage, wer die zahlt.

    „Wie nutzt Russland seine Ressourcen?

    Reisner: Für sie ergibt sich die Möglichkeit, circa alle zehn bis 14 Tage einen massiven Angriff durchzuführen, bei dem die Flugabwehr durch iranische Drohnen gesättigt wird und dann die Marschflugkörper durchstoßen können. Wenn die ukrainische Flugabwehr von zum Beispiel zehn Raketen acht abschießen kann, stoßen immer noch zwei durch und treffen das Ziel. Die Fliegerabwehr, die hier zum Einsatz kommt, um die Infrastruktur gegen solche Angriffe zu schützen, fehlt zugleich an der Front. Täglich kommen neue Videos von dort, die zeigen, wie russische Kampfflugzeuge ukrainische Stellungen mit Gleitbomben angreifen. Hier hat die Ukraine kaum Systeme, um sich zur Wehr zu setzen, weil die Front so lang, das Land so groß ist. Darum auch die massiven Forderungen immer wieder in diese Richtung. Ein Abnutzungskrieg wird vor allem über die Ressourcen entschieden.“

    (ntv, 29.1.)

  103. „What shall we do?“ – Antimilitaristische Positionen zum Ukrainekrieg. (Folge 5 mit Freerk Huisken) (01.01.2024)
    Uns interessieren Fragen wie: Was wird kritisiert? Warum wird dies kritisiert? Wer wird kritisiert? Was sind die strategischen Antworten auf die Frage, was zu tun ist?
    https://www.freie-radios.net/126084

    ——

    „Wissenschaft und Wehrkraft – Vortrag von Freerk Huisken“ (Vortrag von „Marxistische Einführungswochen“ 2023/24 an der Universität Marburg, Veranstalter SDAJ Marburg)
    https://www.youtube.com/watch?v=EOoHtGOlQ5g

    [Eine Einführung für werdende Wissenschaftler – also auch Naturwissenschaftler – in die Zwecke, für die ihre universitäre Ausbildung für spätere Tätigkeiten im Militärwesen und im kapitalistischen Staatsapparat nützlich sein soll….]

  104. Militäranalyse der Woche:
    Russland im Vormarsch, Awdijiwka vor dem Fall

    Russland kesselt Awdijiwka ein – die Ukraine greift Russland mit Drohnen an und tauscht ihre Militärführung aus. Was diese Woche im Ukraine-Krieg passiert ist.

    Die Lage der ukrainischen Verteidiger von Awdijiwka wird immer kritischer. Der Gegenangriff zur Wiederherstellung der Verteidigungslinien östlich der Stadt ist gescheitert, die russischen Truppen kämpfen bereits innerhalb der Siedlung. Zudem ist es Russland gelungen, auch in den nördlichen Teil vorzustoßen.

    Russland wird die Stadt – so wie angestrebt – bald umzingelt haben. Derzeit beträgt der Abstand zwischen den russischen Stellungen im Norden und im Süden des Kessels weniger als einen Kilometer. Die Sicherstellung der Versorgung der verbleibenden Verteidigungskräfte wird daher immer kritischer.

    Mangel an Artilleriemunition beschränkt Ukraine

    In Anbetracht des erheblichen Mangels an Artilleriemunition ist es höchst unwahrscheinlich, dass die ukrainische Armee einen groß angelegten Gegenangriff starten könnte, sodass die russische Zangenbewegung um die Stadt wieder aufbrechen könnte. Bleibt ein entschlossener Gegenangriff aus, müssen die ukrainischen Verteidiger möglicherweise bald die Verteidigung von Awdijiwka aufgeben, da sie sonst Gefahr laufen, eingekesselt zu werden.

    Der Munitionsmangel bleibt insgesamt kritisch. Zwar trafen erste kleinere Lieferungen aus Westeuropa ein, doch das Ausbleiben weiterer US-Militärhilfe ist unübersehbar. Dies hat nicht nur unmittelbare militärische Auswirkungen, sondern schadet auch der Moral der ukrainischen Streitkräfte. (…)

    (ZDF, 10.2.)

  105. „Die Ukraine versichert, dass Russland bei seinen Cyberangriffen die Zusammenarbeit Chinas nutzt

    Die US-Regierung sagt, Peking und Moskau hätten ihre Zusammenarbeit verstärkt. Die EU nimmt in ihrem jüngsten Hilfspaket für Kiew einen Punkt zur Cybersicherheit auf“

    Das wird als eine große Überraschung präsentiert.
    Das hat damit zu tun, daß die Freie Welt sich sehr absichtsvoll darüber getäuscht hat, wie sehr Rußland und China schon seit geraumer Zeit sowohl militärisch als auch politisch und ökonomisch zusammenarbeiten.
    Die imperialistischen Gegensätze, die man innerhalb der NATO gerne unter den Teppich kehrt, werden bei anderen Staaten zu großen Dramen aufgeblasen (Inseln im Ussuri usw.), um sich selber Sand in die Augen zu streuen darüber, daß man das größte und das bevölkerungsreichste Land der Welt gegen sich hat – was auf Dauer nicht gut gehen kann.
    (Ähnlich werden die Gegensätze innerhalb der BRICS zwischen China und Indien besonders gerne dafür verwendet, daß aus den ganzen BRICS nichts werden kann.)

    „Die russische Invasion in der Ukraine ist auch der erste Cyberkrieg in der Geschichte. Das war eine der wichtigsten Schlussfolgerungen des Kiewer Cyber-Resilienz-Forums, das am 7. und 8. Februar in der ukrainischen Hauptstadt stattfand.
    Vertreter von Cybersicherheitsbehörden aus der Ukraine, den USA, der NATO und der EU analysierten in diesem Forum die Zusammenarbeit bei Verteidigungssystemen für ihre digitalen Netzwerke. Die Treffen ergaben eine relevante Schlussfolgerung: daß der Kreml seine Zusammenarbeit mit China nutzt, um Cyberangriffe gegen die Ukraine durchzuführen.“

    Surprise, surprise.
    Beide Regierungen sind natürlich daran interessiert, ihre diesbezügliche Fitness aufzumotzen.

    „Jen Easterly, Direktorin der US-amerikanischen Cybersecurity and Infrastructure Agency (CISA), versicherte, dass die Priorität ihrer Regierung darin bestehe, der Einmischung Pekings in ihrem Land entgegenzutreten. »China ist auf lange Sicht die große Bedrohung, auch wenn unser Fokus immer noch auf Russland liegt«, erklärte Easterly. »Als die Invasion begann, verstärkten wir unsere Maßnahmen für den Fall von Gegenmaßnahmen.«“

    Gegenmaßnahmen gegen die Beschlagnahmung der russischen Vermögenswerte, weil sonst weiß man ja gar nicht, wogegen.

    „»Und wir haben gesehen, dass Russland und China kooperieren.«

    Serhij Demedjuk, Unterstaatssekretär des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, (…) bestätigte, dass chinesische Spionageprogramme »für zerstörerische Angriffe in der Ukraine« eingesetzt wurden.
    Auch von China entwickelte Datenhijacking-Programme wurden bei Angriffen auf ukrainische Institutionen eingesetzt.

    Im März 2022, nur einen Monat nach Beginn der Invasion, wurde in der Ukraine bereits ein Angriff entdeckt, bei dem führende Cybersicherheits-Analysezentren wie SentinelOne bestätigten, dass es sich dabei um ein Schadprogramm handelte, das von Scarab, einer mit der chinesischen Regierung verbundenen Hackergruppe, entwickelt wurde.

    Das National Cyber ​​​​Security Centre des UK gab im April desselben Jahres bekannt, dass es einen angeblich massiven chinesischen Angriff auf 600 ukrainische Websites in den Tagen vor der Invasion untersuchte, darunter auch die des Verteidigungsministeriums.

    Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Vera Jourová, hatte die chinesischen Behörden im September 2023 in der Zeitung Politico darauf aufmerksam gemacht, daß sie Russland bei der Invasion nicht unterstützen sollten: »Wir sind der Ansicht, daß die Art und Weise, wie China sich in Russlands Krieg gegen die Ukraine einmischt, ein entscheidender Faktor in den Beziehungen zur EU sein wird, und dazu gehören auch Aspekte im Zusammenhang mit Cybersicherheit und Desinformation.«“

    EU, wie sie leibt und lebt: China wird behandelt wie ein schlimmes Kind in der Schule und gedroht, bei Fehlverhalten passiert – was eigentlich?
    Die EU steht in Sachen Datenbearbeitung und Cybersicherheit ohnehin weit hinter China und den USA und kann froh sein, wenn der große Bruder aus den USA ihr dabei unter die Arme greift.

    „Demedjuk erklärte während einer seiner Wortmeldungen, daß Moskau die chinesischen Internet-Zensursysteme nachgeahmt habe: »Jetzt testen sie die Schwächen der DNS-Protokolle [der von Anwendungen und Internetseiten verwendeten Domänen] in ihren eigenen Ländern. Wir sind um den Schutz unserer eigenen Staaten bemüht, deshalb müssen wir internationale Allianzen stärken.«“

    Mit einem Wort: Hilfe! USA sei uns gnädig!
    Bis zur Hilfe für die Ukraine reicht es da nicht.

    „»Heute Morgen, als Kiew bombardiert wurde, erlitten wir auch Cyberangriffe«, sagte der stellvertretende Sekretär des ukrainischen Nationalen Sicherheitsrats am Mittwoch. »Sie arbeiten mit Hackern aus China, Iran, Weißrussland und Nordkorea zusammen. Jeden Tag wird an dieser Front gearbeitet.«

    »Es gibt keine Grauzone«

    »Es gibt keine Grauzone mehr, jetzt ist die Welt schwarz und weiß, man befindet sich in dem einen oder anderen Block«, sagt Jegor Auschev, Cybersicherheitsexperte und einer der Verantwortlichen für die Organisation des Kiewer Forums. »Jede Technologie, die China nach Russland bringt, wird zum Angriff genutzt.« Auschev versichert, dass ein grundlegender Unterschied darin besteht, dass die Beiträge der NATO-Partner an die Ukraine der Verteidigung und nicht dem Angriff dienen.“

    Wer ist der Adressat dieser Aussage?
    China?
    Glaubt Herr Auschev, daß diese Bemerkung China beeindrucken wird?

    „Juhan Lepassar, Direktor der EU-Agentur für Cybersicherheit, gab bekannt, dass der neue Finanzhilfeplan für die ukrainische Regierung, der sich auf 50 Milliarden Euro beläuft, einen Posten für Cybersicherheitsprogramme enthält.“

    In wessen Taschen dieses Geld wohl verschwinden wird?
    Weil wie soll überprüft werden, wie dieses Geld verwendet wird?

    „Der US-Kongress und der US-Senat blockieren die mehr als 55 Milliarden Euro, die die Regierung von Präsident Joe Biden als Hilfe für die Ukraine, insbesondere als Militärhilfe, bereitstellen will. Nathaniel Fick, Botschafter der Biden-Regierung für Cyberspace und digitale Politik, sagte gegenüber EL PAÍS, dass es andere Möglichkeiten gebe, die gesetzgeberische Blockade zu überwinden und US-Hilfe im Bereich der Cybersicherheit zu leisten.“

    Es ist anzunehmen, daß verschiedene Experten aus den USA bereits an dieser Frage arbeiten.
    Dort gibt es nämlich erstens mehr davon und zweitens warten die nicht auf eine Konferenz zu dem Thema, weil die in der Ukraine gewonnen Erkenntnisse ja für ihre eigene Militärindustrie von Interesse sind.
    Es kann allerdings sein, daß sie sich ihre Tätigkeit jetzt von der EU finanzieren lassen …

    „Fick erwähnte ausdrücklich den sogenannten Tallinn-Mechanismus, eine Allianz, die im vergangenen Dezember in Kraft trat und von den USA und neun anderen Ländern gegründet wurde, um schnell Cybersicherheitsressourcen zum Schutz der zivilen Infrastruktur bereitzustellen. »Die Ukraine legt die Prioritäten fest und die Mitglieder der Gruppe koordinieren sich, um so schnell wie möglich zu reagieren«, erklärt Fick: Wenn die Ukraine beispielsweise vorrangige Hilfe zum Schutz von Satellitenverbindungen benötigt, werde sich der Tallinn-Mechanismus zunächst darum kümmern, gibt er an.

    Demedjuk und Ilja Vitjuk, Leiter der Cybersicherheitsabteilung des ukrainischen Geheimdienstes (SSU), äußerten sich zufrieden darüber, dass die USA akzeptieren, dass die Ukraine nicht unter Cyberkriminalität, sondern unter Kriegshandlungen über das Internet und Telekommunikationsnetze leidet.
    Sie wiesen darauf hin, dass dies von entscheidender Bedeutung sei, um in Zukunft Gerichtsverfahren einzuleiten, in denen sie als Kriegsverbrechen strafrechtlich verfolgt würden. »Die russische Invasion in der Ukraine ist der erste moderne Krieg, der eine bedeutende Cyberkriegskomponente beinhaltet«, schrieb die Forscherin Vera Mironova 2023 für den Atlantic Council, ein Zentrum für geopolitische Studien in den USA.“

    Das geht allerdings nur in Gegenden, die der Jurisdiktion der jeweiligen Strafverfolgungsbehörden unterworfen sind …

    „Vitjuk sagte gegenüber El País, dass die russischen Raketenangriffe von gleichzeitigen Angriffen auf die Server der ukrainischen Organisationen begleitet seien, die das Ziel sind. Dies sei bei den Bombenangriffen auf das ukrainische Energienetz im Herbst 2022 und Winter 2023 geschehen, sagt dieser leitende SSU-Mitarbeiter.
    Andy Greenberg, einer der bekanntesten Journalisten bei der Untersuchung russischer Computer-Hacker, behauptete 2023 in seinen sozialen Netzwerken, dass die Ereignisse während der Bombenanschläge auf das ukrainische Stromnetz beispiellos seien:“

    Das inzwischen in Mode gekommene Wort „beispiellos“ soll offenbar eine Handlung als besonders verwerflich darstellen.

    „»Die Gruppe der russischen Hacker ,Sandworm’ (die angeblich mit den russischen Geheimdiensten zusammenarbeitet bzw. ihnen angehört) griffen dreimal das Stromnetz der Ukraine an und verursachten einen Stromausfall. Das dritte Mal fiel mit einer Raketenoffensive zusammen. Es war der erste Angriff dieser Art, der physische und digitale Aggression kombiniert.« Das Gleiche geschah laut Vitjuk auch beim Raketenangriff auf den Hauptfernsehturm Kiews im Jahr 2022.“

    Damit setzen sie natürlich auch digitale Verteidigungsnetze außer Kraft, was die Verteidigungskapazitäten vermindert.

    „Der Nationale Sicherheitsrat der Ukraine definiert einen Cyberangriff als Kriegshandlung, wenn er einen zerstörerischen Zweck hat, von Militäreinheiten durchgeführt oder von einem Staat finanziert wird. Vitjuk vervollständigte die Beschreibung mit dem Hinweis, dass es sich auch um Cyberkriegshandlungen handelt, wenn der Staat die Experten ausbildet, die sie ausführen. Der SSU-Vertreter räumte ein, dass legitime Angriffe im Krieg gegen militärische Ziele gerichtet seien, Russland seine Aggression jedoch vor allem auf die zivile Infrastruktur konzentriere.“

    Dieses Märchen wird bereits seit dem Anfang der russischen Invasion hergebetet.
    Wir bzw. unsere Verbündete halten uns an die Vorschriften, Rußland hingegen bombardiert in einem fort Zivilisten.

    „Auschev verteidigte unter Berufung auf Vitjuk, dass die Ukraine militärische Daten- und Telekommunikationssysteme in Russland angreift, die ein legitimes Ziel im Krieg wären. Doch führende internationale Organisationen berichten anderes.
    Das in der Schweiz ansässige CyberPeace Institut kam in einem im vergangenen Dezember veröffentlichten Bericht zu dem Schluss, dass es seit Beginn der Invasion und bis September 2023 mehr als 300 Cyberangriffe gegen russische Zivilorganisationen registriert habe und dass der Hauptangreifer die sogenannte IT-Armee der Ukraine sei, ein großes Netzwerk von Hackern mit Unterstützung der Kiewer Regierung. Das Cyberpeace Institut bestätigte im gleichen Zeitraum 574 Angriffe gegen ukrainische Zivilorganisationen.
    Die SSU gibt an, in den fast zwei Kriegsjahren 10.000 große Cyberangriffe erlebt zu haben, mit einem Tagesdurchschnitt von 13 Angriffen.“

    (El País, 12.2.)

  106. „Den ukrainischen Streitkräften könnten die Geschosse für die Luftverteidigungssysteme NASAMS und Patriot ausgehen

    Die Streitkräfte der Ukraine (AFU) könnten bald die verbleibenden Raketen für die westlichen Luftverteidigungssysteme NASAMS und Patriot aufbrauchen, berichtete das Magazin Forbes am 27. Februar. Der Veröffentlichung zufolge könnten die ukrainischen Streitkräfte die NASAMS- und Patriot-Komplexe näher an die Frontlinie verlegen, um der russischen Luftfahrt entgegenzuwirken. Diese Systeme nutzen amerikanische Raketen, aber seit Dezember 2023 gab es keine neuen Granatenlieferungen nach Kiew.

    »Mit anderen Worten: Die Ukraine wird irgendwann – vielleicht schon bald – ihre besten Flugabwehrraketen aufgebraucht haben«, heißt es in der Veröffentlichung abschließend.“

    (KP, 28.2.)

  107. Reaktionen auf geleaktes Telefonat
    Niemand in Berlin übernimmt Verantwortung, wer regiert eigentlich in Deutschland?

    Medien und Politik in Deutschland haben 14 Stunden gebraucht, um über das geleakte Telefonat deutscher Generäle zu berichten. Aber niemand will Verantwortung übernehmen, die Medien berufen sich auf Quellen, während es keine offiziellen Erklärungen der Regierung gibt.

    Das Verhalten von Politik und Medien in Deutschland wird immer erstaunlicher, denn zuerst haben sie 14 Stunden gebraucht, um sich darüber abzusprechen, wie sie mit dem in Russland veröffentlichten Telefonat, in dem deutsche Generäle Angriffe mit Taurus-Raketen auf die Krimbrücke besprochen haben, umgehen wollen. Erst mit 14 Stunden Verspätung haben die deutschen Medien begonnen, zu berichten und ihre Artikel waren – wie in einer gleichgeschalteten Presselandschaft – inhaltlich identisch. Über den Inhalt des geleakten Telefonates haben sie kaum berichtet, stattdessen wurde der Fokus auf „russische Propaganda“ und das Versagen der Bundeswehr bei der Geheimhaltung von Telefongesprächen gelenkt.

    Bemerkenswert ist, dass es immer noch keine offiziellen Erklärungen der Regierung und vor allem des betroffenen Verteidigungsministeriums gibt. Auf dessen Seite ist die letzte Meldung in der Rubrik „Aktuelles“ vom 29. Februar und sie handelt von „Engagement sichere Nutzung des Weltraumes“. Über dem Skandal hingegen findet sich nichts auf der Seite des deutschen Verteidigungsministeriums.

    Die deutschen Medien berufen sich in ihren Berichten nicht auf offizielle Erklärungen der Regierung, sondern auf ungenannte Sprecher und ähnliches, was bedeutet, dass für die Inhalte der Meldungen niemand mit seinem Namen in der Verantwortung stehen will. Selbst der Kanzler geht allen Fragen aus dem Weg und erklärt nur, das „jetzt sehr sorgfältig, sehr intensiv und sehr zügig aufgeklärt“ werde und dass das ist „auch notwendig“ sei. Kommentare zum Inhalt des Gespräches gibt er hingegen keine.

    Da es keine einzige offizielle Erklärung einer deutschen Regierungsstelle zu dem Skandal gibt, stellt sich die Frage, wer eigentlich in Deutschland regiert. Und vor allem stellt sich die Frage, was an einem Land demokratisch sein soll, in dem die Regierung dem Volk (das doch angeblich in der deutschen Demokratie herrscht) nach einem derart großen Skandal auch nach 36 Stunden noch keine offizielle Mitteilung machen kann.

    Ich mag in dieser Hinsicht verwöhnt sein, aber russische Ministerien sind um Lichtjahre transparenter. Das russische Außenministerium veröffentlicht täglich unzähligen Meldungen und Erklärungen, heute sind es bereits acht Stück, obwohl heute Wochenende ist. Das russische Verteidigungsministerium hat heute sogar schon 27 Meldungen herausgegeben. Und auf der Seite des Kreml sind für den heutigen Samstag drei Meldungen zu finden.

    Man mag Russland im Westen für eine Diktatur halten, aber die russische Regierung ist in ihrer Arbeit um ein Vielfaches auskunftsfreudiger und transparenter als jede westliche Regierung. Und während das deutsche Bundesverteidigungsministerium die Beantwortung von Fragen zu dem Skandal-Telefonat seiner Generäle mit der Begründung ablehnt, es kommentiere grundsätzlich keine Meldungen aus der Presse, beantworten die Sprecher russischer Ministerien alle Fragen, die Journalisten ihnen stellen, wie man am Beispiel der Pressekonferenzen des russischen Außenministeriums jede Woche aufs Neue sehen kann. Auf die Idee, mit einer so dummen Begründung eine Antwort zu verweigern, würde in Russland niemand kommen.

    Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, hat sich auf Telegram ebenfalls über das Verhalten der deutschen Regierung gewundert. (…)

    (Anti-Spiegel, 2.3.)

  108. Danke.

    Alles am Internet. Aus Singapur. Das ist ja direkt eine Einladung zum Mithören.
    Ich frage mich, ob das eine gewollte Sabotage von jemand bei der Bundeswehr selber ist, weil denen bei der Idee, dieses Zeug in die Ukraine zu schicken, etwas mulmig ist.

  109. „Medienbericht: Abgehörte Offiziere sollen über ungeschützte Leitung kommuniziert haben

    Der Abhörskandal bei der Luftwaffe soll nach einem Medienbericht darauf zurückzuführen sein, dass für die Schaltkonferenz der betroffenen Offiziere keine geschützte Leitung genutzt wurde. Nach dpa-Informationen sprachen die Offiziere über die Kommunikationsanwendung Webex miteinander. Die Webex-Sitzung sei wiederum über eine Büro-Festnetzleitung der Bundeswehr auf die Mobiltelefone der Soldaten abgesetzt worden, schrieb die »Bild am Sonntag« unter Berufung auf Sicherheitskreise.

    Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte der »Bild am Sonntag«: »Es gibt Anhaltspunkte, dass mit Blick auf die offensichtlich besprochenen Inhalte ein nicht ausreichend sicheres Kommunikationsmittel verwendet wurde. Dies ist unter anderem Gegenstand der weiteren Untersuchungen.«

    An der Besprechung nahm auch der Chef der Luftwaffe teil. Der Zeitung zufolge wird noch geprüft, welcher Sicherheitsstufe die besprochenen Details unterlagen. Zu klären sei auch, ob die verwendete Webex-Variante zumindest für den Austausch von Informationen der niedrigsten Geheimhaltungsstufe »Verschlusssachen – nur für den Dienstgebrauch« zugelassen sei, hieß es.“

    (Standard, 3.3.)

  110. „Die Times erfuhr Einzelheiten über die Lieferung von Langstreckenraketen an die Ukraine

    »The Times«: Russland wird in der Lage sein, SCALP- und Storm Shadow-Lieferungen in die Ukraine zu verfolgen

    Der russische Geheimdienst kann den Transport westlicher SCALP- und Storm Shadow-Raketen in die Ukraine dank Informationen aus einem Audiofragment von Gesprächen zwischen deutschen Offizieren verfolgen.
    Darüber schreibt die Zeitung Times am 3. März.
    Dem Protokoll zufolge werden Langstreckenraketen der Modelle SCALP und Storm Shadow auf verschiedene Weise in die Ukraine geliefert. Frankreich nutzt Audi Q7-SUVs und Großbritannien nutzt gepanzerte Ridgeback-Fahrzeuge.
    »Diese Informationen werden dem russischen Geheimdienst helfen, sie aufzuspüren und zu lokalisieren und möglicherweise solche Fahrzeuge in Europa und der Ukraine ins Visier zu nehmen«, schrieb die Zeitung.

    Wie in dem Artikel dargelegt, sollten Großbritannien und andere NATO-Mitglieder über einen Verstoß gegen die Informationssicherheit, der zur Offenlegung solch sensibler Daten führte, zutiefst beunruhigt sein.“

    (Izvestija, 3.3.)

    Was bei mir den Verdacht bestärkt, daß diese ganze Panne Absicht war – von Leuten, die angesichts des derzeitigen Säbelrasselns kalte Füße gekriegt haben.

  111. „Jurij Ignat wurde vom Amt des Sprechers der Luftwaffe der Streitkräfte der Ukraine entlassen. Dies gab der Kommandeur der ukrainischen Armee, Nikolai Oleschtschuk, auf seinem Telegram-Kanal bekannt. »Er wird Teil der Luftwaffe bleiben und in eine andere Richtung arbeiten«, betonte der ukrainische General. “

    (KP, 16.3.)

  112. „Die Ukraine startet eine Offensive gegen die russische Ölindustrie

    Schwärme von Bombendrohnen mit großer Reichweite beschädigen ein Dutzend Treibstoffraffinerieanlagen Hunderte von Kilometern innerhalb Rußlands

    Der ukrainischen Armee ist weit hinter der Front ein neuer Schlag gelungen. Seine Langstrecken-Bombendrohnen griffen letzte Woche erfolgreich mindestens 7 Ölraffinerien in Russland an, obwohl die Zahl nach Angaben des russischen Militärs sogar bei 9 liegt.
    Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums waren es in diesem Jahr bislang 12. Kiew und Analysezentren für den Energiesektor schätzen eine Unterbrechung von bis zu 15 % der russischen Produktion von Kraftstoffen aus Rohöl.
    Diese Offensive stellt eine Weiterentwicklung des Einsatzes von Langstreckendrohnen und der Strategie dar, den Krieg auf das Territorium des Agressors auszudehnen.“

    Diese Erfolge sind angeblich dadurch möglich, daß die Ukraine künstliche Intelligenz einsetzt. Und zwar dafür, daß diese Drohnen durch Fotos bzw. Filme ihr Ziel auch dann finden, wenn die Verbindung zu der Person, die sie steuert, unterbrochen wird. Was auch möglich ist und entwickelt werden soll, ist, daß sich die Drohnen durch KI untereinander verbinden – so eine Art Leit-Drohne soll dann die anderen steuern, ohne Verbindung zu Steuerungen vom Boden.

    An der russischen Grenze gibt es nämlich einen breiten Streifen, an dem Stationen genau für diese Unterbrechung arbeiten.

    Bei den Raffinerien zielen sie auf den Destillationsturm, ohne den die Anlage nicht funktioniert und abgestellt werden muß.

    So sind z.B. die Raffenerien von Novokuibischevsk (ca. 1000 km von der Grenze), Rjazan (450 km) und Tuapse (ca. 600 km entfernt), außer Gefecht gesetzt worden.
    Rußland verfügt über 31 Raffinerien, die sind jetzt offenbar alle im Visier der ukrainischen (und vermutlich nicht rein ukrainischen) Drohnenschwärme. (Den Treffern steht eine Vielzahl von abgeschossenen gegenüber).

    Obwohl wahrscheinlich die Schäden relativ schnell repariert werden können, soll derzeit die Raffineriekapazität Rußlands um 15% eingeschränkt sein. (Im Inland gibt es seit 2022 Probleme bei der Treibstoffversorgung.)

    Die Drohnen, die bevorzugt eingesetzt werden, sind die ukrainische Entwicklung »Ljuti« (Furie), die bis zu 75 kg transportieren und bis zu 1000 km fliegen können.
    Lettland und das GB wollen die Ukraine mit Drohnen versorgen, die sie dann mit KI ausstatten und einsetzen soll.

    (El País, 19.3.)

    Man merkt, wie interessiert diverse NATO-Staaten an der Ukraine als Testgelände sind. Der Krieg soll also möglichst lange weitergehen.

  113. In diesem Zusammenhang ein Artikel des gleichen Autors, der daran erinnert, daß die Debatte um die Entsendung von NATO-Soldaten in die Ukraine leicht befremdlich wirkt angesichts der Tatsache, daß die ja schon längst dort sind:

    „Der tschechische Präsident Petr Pavel, ein pensionierter General und ehemaliger Präsident des NATO-Militärausschusses, erinnerte in einem Fernsehinterview am 10. März daran, dass die Soldaten des Atlantischen Bündnisses seit mehr als einem Jahrzehnt in der Ukraine präsent seien, allerdings nicht in Kampfeinheiten, sondern als Ausbilder der Armee dieses Landes.
    Pavel bezog sich auf den Stützpunkt Jaworiw nahe der Grenze zu Polen, wo ein Abkommen zwischen der NATO und Kiew tausend Soldaten aus 15 Ländern die Durchreise ermöglicht habe.
    Der tschechische Präsident betonte, dass militärische Ausbildungsprogramme auf ukrainischem Boden bereits aktiv waren, als Russland 2014 die Krim gewaltsam annektierte und während des Donbass-Krieges (…).“

    Das ist allerdings auch nicht verwunderlich, wenn man sich in Erinnerung ruft, daß Bill Clinton sein „Partnership for Peace“-Programm, das den Vorhof zur NATO-Mitgliedschaft bedeutet, 1997 in Kiew vorstellte.
    Es war ja auch im Zuge eines NATO-Manövers, daß die ukrainische Armee 2001 ein Flugzeug der Sibir Air abschoß.

    „Der Stützpunkt Jaworiw wurde im März 2022 bombardiert. Nach Angaben der ukrainischen Behörden kamen 61 Soldaten ums Leben, während Russland die Zahl auf 180 erhöhte, darunter viele ausländische Soldaten.

    Informanten vor Ort

    EL PAÍS hat während des mehr als zweijährigen Konflikts mehrere Angehörige der Streitkräfte aus ukrainischen und EU-Ländern interviewt, die darin übereinstimmen, dass keine NATO-Armee an Bodenkampf-Einsätzen teilgenommen hat.“

    Eine seltsame Formulierung, die einiges an Interpretationen zuläßt: Keine ganze Armee, aber viele ihrer Mitglieder … Auch das Wort „teilnehmen“ läßt viele Interpretationen offen.

    „Sie sind sich aber auch darüber einig, dass sie über Vertauensleute vor Ort verfügen, die Informationen über die Situation an der Front vermitteln, die Wirksamkeit der gelieferten Waffen, aber auch mögliche Probleme bei deren Einsatz ermitteln und mit der bereitgestellten Hilfe mögliche Korruptionsfälle aufdecken können.
    Einige dieser inoffiziellen Informanten sind pensionierte ausländische Militärangehörige, die als Freiwillige in den Reihen der Streitkräfte der Ukraine kämpfen. Mindestens zwei Quellen, eine amerikanische und eine ukrainische, bestätigen, dass Washington bei der Kontrolle seiner Hilfe besonders aktiv ist, mit zwischen seiner Botschaft und den ukrainischen Behörden vereinbarten Missionen, aber auch bei Besuchen außerhalb institutioneller Kanäle. (…)

    Olga Husieva, Forscherin am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel, … geht davon aus, dass Gesandte der mit der Ukraine verbündeten Verteidigungsministerien vor Ort Daten sammeln. Ihrer Einschätzung nach können sie sich grundlegende Kenntnisse aneignen, um die Vorbereitung ihrer Armeen und den Einsatz ihrer Waffen zu verbessern.
    Sie könnten auch die Aufgabe haben, dafür zu sorgen, dass keine Waffen auf dem Schwarzmarkt landen, wie es nach dem Abzug der von den USA angeführten westlichen Koalition aus Afghanistan im Jahr 2021 der Fall war. »Es ist auch kein Geheimnis, dass es seit Beginn der Invasion Truppenausbilder im Land gibt«, fügt Husieva hinzu.

    Die Expertin betont, dass es sich dabei vor allem um einzelne Regierungsinitiativen handele, betont jedoch, dass eine Koordinierung zwischen den USA und dem UK sowie zwischen diesen beiden, wenn auch in geringerem Maße, mit Polen und den baltischen Ländern bestehe.

    Sie weist darauf hin, daß Deutschland aus Angst vor dem Eindringen russischer Spione in seine Geheimdienste aus dieser Zusammenarbeit ausgeschlossen ist. (…)“

  114. Der russische Auslandsgeheimdienstchef Naryschkin behauptet, in Frankreich würden schon rund 2000 Leute für den Einsatz in der Ukraine trainiert. Das wurde natürlich umgehend von Frankreich dementiert.

    Das, obwohl Zelenskij über die Perspektive nicht sehr begeistert war und meinte, die Franzosen sollten bleiben, wo sie sind.

    Das ist auch wieder verlogen, weil die Präsenz von Franzosen, auch offiziellen Militärs, in der Ukraine seit dem März 2022 ist aus mehreren westlichen Quellen belegt.

    Von russischer Seite wird darauf hingewiesen, daß Rußland den Franzosen schon einmal übel mitgespielt hat …

  115. Etwas diplomatischer, aber doch nachdrücklich, hat jetzt auch der ukrainische Regierungschef bemerkt, daß sie keinen Wert auf Bodentruppen legen:

    EP: Haben Sie um Truppen gebeten? Ist es eine reale Möglichkeit, Soldaten aus europäischen Ländern in der Ukraine zu sehen?

    Sch.: Wir haben keine Truppen angefordert. Wir haben unsere eigenen Militär- und Verteidigungskräfte. Und wir haben genug Truppen.“

    Das stimmt zwar nicht, ist aber eine deutliche Absage an diese Art von Einmischung.

    Wir sind der EU und ihren Mitgliedern sehr dankbar, dass sie Zehntausende unserer Soldaten in Europa ausgebildet haben. Wir schlagen unseren europäischen Partnern vor, Ausbilder auf ukrainisches Territorium zu entsenden, um diesen Prozess zu beschleunigen, da dies Logistik und Kommunikation erleichtern würde. Ich bin mir sicher, dass Präsident Macron von dieser Art der Zusammenarbeit spricht.“

    (El País, 21.3.)

    Diese Kooperation gibt es ja bereits, wie (u.a. dank des abgehörten Gesprächs der deutschen Generäle) alle wissen, das war also nicht das Anliegen Macrons.

    Schmyhal hat jedenfalls diplomatischer als Zelenskij, aber doch deutlich gesagt: Keine selbständigen Fremdtruppen in der Ukraine!

  116. Das schlägt dem Faß den Boden aus:

    „USA warnen Ukraine vor Angriffen auf russische Ölraffinerien

    Die US-Regierung hat die Ukraine aufgefordert, ihre Luftangriffe auf die russische Energieinfrastruktur einzustellen. Dies berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf drei anonyme Quellen.

    Demnach sollen die USA die Ukraine gewarnt haben, dass die Angriffe – beispielsweise auf russische Ölraffinerien – die weltweiten Preise für Öl in die Höhe treiben sowie russische Vergeltungsmaßnahmen provozieren könnten.
    Die Warnungen aus den USA seien an hochrangige Beamte des ukrainischen Sicherheitsapparates übermittelt worden.

    Laut dem Bericht soll die US-Regierung zunehmend frustriert sein über die ukrainischen Drohnenangriffe, die Ölraffinerien, Terminals, Depots und Lagereinrichtungen im Westen Russlands zum Ziel haben und die Ölproduktionskapazität des Landes beeinträchtigen.

    Zudem sei die US-Regierung besorgt vor russischer Vergeltung, die Energie-Infrastruktur zum Ziel haben könnte, die für den Westen von großer Bedeutung ist.

    (Standard, 22.2.)

    Und das von einer Macht, der die Nord Stream-Pipelines ein Dorn im Auge waren.
    Aber die Ukraine darf nicht ihre Kriegsführung in ähnlicher Weise betreiben.

    Man merkt auch hieran, daß bei dieser Auseinandersetzung in der Ukraine Rußland nicht der einzige Feind der USA ist, sondern auch in der EU Gegner geschwächt werden sollten und weiter sollen.

  117. Wann sind die Reserven von Zelenskijs Regime erschöpft? Es gibt keine neuen Lieferungen, und die Fabriken in der Ukraine werden zum Ziel Russlands

    Militärexperte Sivkov: Die Ukraine wird in drei Monaten keine Raketen mehr haben

    Die Ukraine startete die Produktion von Langstreckenraketen. Die Washington Post zitiert den Minister für strategische Industrien der Ukraine, Alexander Kamyschin. Er berichtete, daß Kiew Raketen mit einer Reichweite von 640 Kilometern herstelle. Und daß die Ukraine Luftverteidigungssysteme mit hochpräzisen Raketen ähnlich dem NASAMS-System entwickelt.

    Im Radio „Komsomolskaja Prawda“ sprachen wir darüber mit Konstantin Sivkov, dem stellvertretenden Präsidenten der Russischen Akademie für Raketen- und Artilleriewissenschaften.

    KP: Der ukrainische Minister Kamyschin kündigte die Produktion von Raketen mit einer Reichweite von 640 Kilometern in Kiew an.

    KS: Ja, sie produzieren diese Raketen. Und Kiew hat sie bereits im Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Rakete mit einer Reichweite von tatsächlich etwa 600 Kilometern. Sie folgt einer ballistischen Flugbahn.

    KP: Wie viele davon hat der Feind?

    KS: Nur ein paar. Viele werden es wohl kaum sein. Mit der Identifizierung der Produktionsstandorte dieser Raketen (die durchaus möglich ist) werden diese Anlagen zerstört werden.

    KP: Wie sieht es mit der Produktion von Luftverteidigungssystemen in Kiew aus?

    KS: Die Herstellung dieser Waffentypen erfordert eine intensive Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen. Auch wenn Komponenten aus dem Ausland bezogen werden und es sich um NASAMS-Komponenten handelt, muss sich die Montagewerkstatt in der Ukraine befinden. Und nicht in einer Scheune im Dorf, die schwer zu identifizieren ist – es muss sich um ein großes Bauwerk mit dem gesamten Kommunikationspaket handeln.“

    D.h., für diesen Zusammenbau ist neben anderer Ausrüstung ein Internet-Anschluß notwendig und darüber kann die gegnerische Aufklärung das Objekt identifizieren – selbst wenn es unterirdisch und gut getarnt wäre.

    KP: Prag hat irgendwo 300.000 Granaten für Kiew gekauft – wie lange werden sie für die ukrainischen Streitkräfte halten?

    KS: Wenn wir den aktuellen Granatenverbrauch des Regimes betrachten, beträgt dieser für die russischen Streitkräfte etwa 20.000 Schuss pro Tag. Dies gilt für 15 Tage intensiven Kampfes. Wenn wir über den derzeitigen ukrainischen Verbrauch sprechen, also etwa 3.000 bis 5.000 Abschüsse pro Tag, kann dies für drei Monate ausreichen. Der durchschnittliche Verbrauch heutzutage sind 2,5-3 Millionen Granaten pro Jahr.

    Die Angelegenheit Belgorod

    KP: Wann werden die Kämpfe in und um Belgorod herum enden?

    KS: Kiew bemüht sich seit einem Jahr um die Lösung eines Problems, das das Kräfteverhältnis an der Front radikal verändern würde. Zunächst wollte die ukrainische Führung die Existenz der Krim als Teil Rußlands gefährden. Schlagen wir ein Loch in das russische Verteidigungssystem zum Asowschen Meer! Unterbrechen wir die Landverbindungen, die Russland mit der südlichen Halbinsel verbinden!

    KP: Aber die Streitkräfte der Ukraine konnten das ein ganzes Jahr lang nicht schaffen?

    KS: Nein. Und Kiew versucht, ein zweites Problem zu schaffen, nämlich Instabilität in der russischen Gesellschaft, und dadurch soziale Unruhen im Land zu provozieren. Dies ist die zweite operative Aufgabe.

    KP: Werden deshalb Angriffe auf regionale Zentren der Russischen Föderation durchgeführt werden?

    KS: Auf das Gebiet des »alten Russlands«, wo es keine stark befestigten Verteidigungsanlagen gibt. Belgorod ist für sie das am besten geeignete Gebiet. Wir ergreifen jetzt sofortige Maßnahmen. Große Truppenverlagerungen finden statt. Das Ausmaß der Verluste der Ukraine ist vergleichbar mit dem, was sie während der Spitzentage der Sommer-Gegenoffensive erlitten hat.

    KP: Ungefähr wie hoch?

    KS: Die täglichen Verluste des Feindes an Panzern erreichten 18-26 Einheiten. Jetzt sind es weniger, aber sie haben immer noch sehr große Verluste. Die Menge an Ausrüstung und Personal, die sie hierher geworfen haben, lässt darauf schließen, daß sie versuchen, hier einen Durchbruch zu erreichen.

    KP: Sie schaffen es aber nicht?

    KS: Das aufgebaute Verteidigungssystem der russischen Streitkräfte wehrt diese Angriffe ab. Und die ukrainischen Streitkräfte führen täglich Artillerieangriffe auf die Städte der Russischen Föderation durch, um uns zu Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu zwingen.

    KP: Wird das noch lange andauern?

    KS: So lange, bis es gelingt, die ukrainischen Streitkräfte zu besiegen und das Zelenskij-Regime zur Kapitulation zu zwingen.

    Was für Abschußsysteme werden eingesetzt?

    KP: Die westlichen Kuratoren der Ukraine haben ihre Strategie geändert – waren sie bisher gegen Raketenangriffe auf russische Städte?

    KS: Der Westen hat diese Angriffe bisher nicht öffentlich unterstützt, aber auch keine Einwände erhoben. Selbst im Jahr 2022, als Kiew Angriffe mit Strizh-Drohnen in der Region Saratow durchführte, flogen Raketen bis Moskau. Es wäre eine Neuheit, wenn die Ukraine die Anzahl dieser Raketen erhöhen würde.

    KP: Um wie viel?

    KS: Um eine Salve von 50-60 Raketen organisieren können. Derzeit haben sie diese Menge nicht. Sie können eine große Anzahl von Drohnen in taktischer Reichweite einsetzen, aber nur in einer Entfernung von 10-15 Kilometer. Solche Drohnen werden von unseren Luftverteidigungssystemen zerstört.

    KP: Aber hat Kiew nicht Langstreckenraketen von Frankreich und Großbritannien erhalten?

    KS: Diese Raketen der Marken Storm Shadow und Scalp sind mittlerweile fast aufgebraucht, sie werden von den ukrainischen Streitkräften praktisch nicht mehr eingesetzt. Wenn es neue Lieferungen gibt, müssen Sie mindestens 15 Flugzeuge haben, um eine Salve von 20 bis 30 Raketen zu organisieren.

    KP: Hat Kiew diese Raketen von Su-24 abgefeuert?

    KS: Jetzt haben sie nicht mehr 15 solcher Flugzeuge … “

    Sivkov beantwortet die Frage also nicht und läßt damit offen, ob sich womöglich auch andere Flugzeuge zu diesem Zweck in die Ukraine begeben haben.

    „Außerdem werden diese Raketen nicht von dem Piloten gestartet, der diese Raketen in die Luft bringt und ausklinkt. Der Pilot bringt sie einfach auf ihre Flugbahn. Aber die Rakete programmieren und vorbereiten tun diejenigen, die eine Ausbildung dafür erhalten haben. Dabei handelt es sich um Stabsoffiziere mit besonderem Training.
    Ich selbst war an der Vorbereitung von Flugeinsätzen für seegestützte sowjetische Interkontinentalraketen beteiligt. Das Gleiche tun jetzt auch britische und französische Offiziere, die Flugeinsätze für die Streitkräfte der Ukraine vorbereiten. Dann werden die Raketen unter dem Flugzeug aufgehängt. Der ukrainische Pilot fliegt zum angegebenen Punkt. Er drückt einen Knopf, um das Programm der Streckenerkennung zu starten, den zweiten Knopf, um die Rakete abzuschießen.
    Und das ist alles – das ist sein Job. Wohin die Rakete fliegt und wie sie fliegen wird, weiß der ukrainische Pilot nicht.

    KP: Die von Ihnen erwähnten Länder – sind das nicht die, die in den Krieg eintreten wollen?

    KS: Wie mans nimmt. Während Raketen wie S-200, S-300 oder Tochka U eingesetzt wurden, um das international anerkannte Territorium Russlands anzugreifen, sind Storm Shadow und Scalp noch nicht dorthin geflogen. Obwohl die tschechischen »Vampire« in der Nähe von Belgorod abgeschossen werden.
    Aber das ist eine Rakete von einem Mehrfachraketenwerfer. Sie werden von ukrainischen Soldaten abgefeuert. Westliche Vertreter scheinen hier nicht direkt beteiligt zu sein.

    Französische Kommunikations-Experten

    KP: In Frankreich wurde über die Möglichkeit gesprochen, eine europäische Militärmission in die an Weißrussland angrenzenden Regionen der Ukraine zu entsenden, um die dort stationierten ukrainischen Einheiten für eine Verlegung nach Osten freizugeben …

    KS: Die 2000 Soldaten, von denen der Chef des Auslandsgeheimdienstes Naryschkin sprach und von denen die Franzosen sprechen, werden an der Front nichts grundlegend ändern. Das ist weniger als eine Brigade. Wenn sie entlang der Frontlinie platziert werden, wie hoch wird die Truppendichte dort sein? Unbedeutend. Wenn ihnen die Aufgabe übertragen wird, ein lokales Gebiet zu kontrollieren, dann werden sie es abdecken. Aber wie viele ukrainische Kämpfer werden dadurch frei – zwei- oder dreitausend? An der Front wird sich dadurch grundsätzlich nichts ändern. Solche Schritte haben demonstrativen Charakter und verfolgen ausschließlich das Ziel, die NATO schrittweise in diesen Konflikt einzubeziehen.

    KP: Wird es weitere Schritte geben?

    KS: Sicherlich. Bereits Ende Dezember war klar, dass der Vereinigte Westen in der Konfrontation mit Russland eine Niederlage erlitten hatte. Der vom Westen im Jahr 2021 vorbereitete hybride Blitzkrieg scheiterte völlig – infolge unseres präventiven Gegenangriffs in Form der Durchführung der Sonderoperation.“

    So sieht das also Rußland – immerhin wurde 2021 von der ukrainischen Führung verkündet, 2022 den Donbass und 2023 die Krim zurückerobern zu wollen.
    Also sah sich Rußland genötigt, einen „präventiven Gegenangriff“ durchzuführen.

    „Aber das Ziel ist immer noch die Aufgabe, die Kontrolle über Russland zu übernehmen – egal was passiert.

    KP: Was ist, wenn das nicht gelingt?

    KS: Die Probleme des Westens nehmen zu. Sie sind bereits in den Vordergrund gerückt. Sie müssen für Rohstoffe und andere Ressourcen Marktpreisen zahlen, nicht wie bisher“ auf Vertragsbasis günstiger wegkommen.
    „Wie wollen sie den Druck weiter erhöhen? Alle möglichen Wirtschaftssanktionen wurden bereits verhängt. Und die der Informationskrieg brachte keine Ergebnisse. Die Frage stellt sich für den Westen: Wie weiter?“

    (KP, 21.3.)

  118. Keine besonders gute Meinung von deutscher Wertarbeit:

    „Der Militärexperte Dandykin über die Eroberung eines Marder-Schützenpanzers in der Ukraine: (…)

    Am 26. März erzählte der … Hauptmann der Reserve … Wassilij Dandykin der Izvestija von den Vorteilen der Eroberung des in Deutschland hergestellten Infanterie-Kampffahrzeugs (IFV) Marder für die russische Armee. »Diese Trophäe ist sicherlich wichtig; sie wird im Patriot Park in der Nähe von Moskau ausgestellt.“

    Die Wichtigkeit scheint eher symbolisch zu sein, wenn man sie dann Schulkindern zeigt …

    „Allerdings halte ich ihn für eine modernisierte Version, da es diese Kampffahrzeuge bereits seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt.
    Wenn man zum Beispiel das amerikanische Infanterie-Kampffahrzeug Bradley nimmt, kann man natürlich mehr Komponenten darin untersuchen«, sagte Dandykin.“

    Mit einem Wort: Fuck den Marder, der Bradley macht mehr her.

    „Seiner Meinung nach wird das deutsche Kampffahrzeug nur dann einen Nutzen haben, wenn es sich um eine modernisierte Version handelt. »Aber ich wiederhole, daß dieses Fahrzeug aus dem letzten Jahrhundert stammt. Darüber hinaus sind die Deutschen derzeit im Großen und Ganzen nicht an der Spitze der Entwicklung gepanzerter Fahrzeuge, sagen wir es offen«, so das Fazit des Experten.“

    (Izvestija, 26.3.)

  119. Frankreich entrümpelt:

    „Frankreich liefert gepanzerte Fahrzeuge und Raketen

    Frankreich wird der von Russland angegriffenen Ukraine nach Angaben aus Paris »Hunderte« gepanzerte Mannschaftstransportwagen und Flugabwehrraketen liefern. Die Fahrzeuge vom Typ VAB seien für die Mobilität der Truppen unerlässlich, sagte Frankreichs Verteidigungsminister Sébastien Lecornu in einem am Samstagabend veröffentlichten Interview mit der Zeitung »La Tribune«. »Wir sprechen von Hunderten von ihnen für 2024 und Anfang 2025.«“

    Dauert also noch.

    „Frankreich ersetzt derzeit seine VAB-Flotte, die teilweise mehr als 40 Jahre alt ist, durch neue gepanzerte Griffon-Fahrzeuge. Die älteren Modelle seien jedoch noch einsatzbereit, sagte Lecornu. Daneben wird Paris Kiew den Angaben zufolge auch weitere Aster-30-Flugabwehrraketen für das Luftabwehrsystem SAMP/T liefern. Frankreich war in der Vergangenheit in die Kritik geraten, weil es im Vergleich zu Deutschland erheblich weniger Militärhilfe für die Ukraine geleistet hat.“

    (Standard, 1.4.)

  120. In der Ukraine wird darüber nachgedacht, Telegram zu blockieren.

    Die ukrainische Regierung ist nicht die erste. Der Iran hat es schon versucht und in Kasachstan wurde das ganze Internet ausgeschaltet, weil sich Telegram nicht anders blockieren ließ.

    Die Attentäter des Krokus-EKZ verständigten sich untereinander und mit ihren Auftraggebern auch über Telegram.

    „72 % der Ukrainer nutzen Telegram als ihren Hauptinformationskanal. Für 75 % ist es ihr erstes Kommunikationsmittel, darunter Hunderttausende Soldaten der ukrainischen Streitkräfte oder der Präsident selbst, Wolodymyr Zelenskij.
    Hierbei handelt es sich um Daten, die im Jahr 2023 von der Beratungsfirma Media Detector bereitgestellt und von den Befürwortern eines Gesetzes verwendet werden, die die Nutzung dieser Anwendung einschränken will. …
    Die Rada prüft seit letzter Woche einen Gesetzentwurf, der die Schließung von Telegram vorsieht. Die sehr unpopuläre, aber von Abgeordneten aus vier Fraktionen der Kammer unterstützte Maßnahme basiert auf der Hypothese, dass die russischen Sicherheitsdienste (FSB) Zugang zu Informationen über ihre Nutzer haben, und auch auf der Tatsache, dass Bürger die russischen Medien und russische Propagandaberichte konsultieren können.“

    Telegram unterläuft also auch in der Ukraine die strenge und sehr umfassende Medienzensur.
    Was die russischen Dienste betrifft, so ist es möglich, daß sie Telegram teilweise unterwandert haben und deshalb in Rußland keine Stimmen mehr gegen diesen Dienst laut werden.
    Die Kontrolle war jedoch bisher sehr lückenhaft, wie der Anschlag gegen des Krokus-Zentrum zeigt.

    „Der Gesetzentwurf, der in den Medien als »Gesetz zur Blockierung von Telegram« bezeichnet wird, erfordert Änderungen für die Unternehmen, die diese Kommunikationsanwendungen besitzen.“

    Sehr eigenartig formuliert. Telegram gehört der Firma ihres Gründers Durov, die ein sehr intransparentes Eigentümer-Modell besitzt und ihren Sitz in Dubai hat.
    Die Ukraine hat Null Mittel, auf diese Firma Einfluß zu nehmen:

    Gefordert wird, „daß Telegram sich wie Facebook oder YouTube verhält: Wenn es Inhalte gibt, die als gewalttätig gemeldet werden, oder Nutzer, denen die Verbreitung falscher Informationen angezeigt wird, müssen diese entfernt werden.
    Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SSU) hat Telegram bereits aufgefordert, gegen 26 Nutzer mit Hunderttausenden Followern vorzugehen, die die russische Invasion rechtfertigen.“

    Na viel Glück. Vermutlich kratzt das die Verantwortlichen von Telegram gar nicht.
    Die Rada kann soviele Gesetze erlassen, wie sie will – sie haben keine Rechtskraft außerhalb der Landesgrenzen.

    „Dienen diese Anwendungen als Informationskanal, müssen sie laut Gesetzentwurf dem Medienordnungsgesetz und dem Strafgesetzbuch unterliegen. Diese Unternehmen müssen laut Verordnungsentwurf eine feste Vertretung in der Ukraine haben und angeben, wer ihre Aktionäre sind und wo sie ihren Sitz haben. Wenn ein Aktionär in Russland ansässig ist, könnte die Anwendung in der Ukraine nicht betrieben werden.
    Diese letzte Maßnahme richtet sich hauptsächlich gegen Telegram: Sein Gründer, Pável Dúrov, ist Russe, obwohl er Staatsbürger der Arabischen Emirate ist und in Dubai ansässig ist.“

    Alle diese Gesetzesvorschläge sind nur Ausdruck der Ohnmacht gegenüber Telegram.

    „Jaroslaw Jurtschischin, Vorsitzender des Ausschusses für freie Meinungsäußerung der Rada und Unterstützer des Gesetzes, ist überzeugt, dass Durow weiterhin russischer Staatsbürger ist und irgendeine Übereinkunft mit dem Kreml hat. »Wahrscheinlich gibt es auf russischer Seite eine gewisse Kontrolle über Telegram, es gibt keine Garantie dafür, dass Benutzerinformationen nicht an die russischen Geheimdienste gelangen«, sagte Jurtschischin diesen Montag der Agentur RBC-Ukraine. Das Gesetz ermögliche keine so energische und komplexe Entscheidung wie die vollständige Sperrung des Zugangs zu Telegram, sagte Jurtschischin, aber sie liege auf dem Tisch, wenn sich herausstellt, dass es eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellt.“

    Na, dann sind wir ja neugierig, ob es der Ukraine gelingt, Telegram zu sperren.

    Der Geheimdienstchef Budanov und der ehemalige Sicherheitschef Danilov sind überzeugt, daß Rußland Telegram kontrolliert, deswegen müsse man es verbieten.
    Vermutlich täuschen sie sich …

    „Jurtschischin erklärte auf RBC, dass die mögliche Schließung von TikTok in den USA … ein Modell sei, dem man folgen sollte, da es sich um ein chinesisches Unternehmen handele, das die nationale Sicherheit verletzen könnte.“

    Abgesehen davon, daß TikTok anders funktioniert, ist das in den USA auch noch nicht über die Bühne gegangen.

    „Der Abgeordnete bestätigte außerdem, dass er die am 22. März vom Richter des Nationalen Gerichtshofs von Spanien Santiago Pedraz erlassene Anordnung – die aufgrund der Komplexität der Operation ausgesetzt wurde –, Telegram in Spanien aufgrund einer Beschwerde mehrer Fernsehsender über die Verletzung von Urheberrechten vorläufig zu sperren, genau verfolgt habe.“

    In Spanien sind sie damit ja auch nicht weitergekommen!

    „Ein Verbot von Telegram in der Ukraine würde eine drastische Änderung des Kommunikationsmodells des Landes bedeuten. Nicht nur, weil es der von den Bürgern am häufigsten genutzte Kanal ist, sondern auch, weil alle Behörden, ob politisch oder militärisch, ihre Entscheidungen und relevanten Themen auf ihren Telegram-Kanälen melden, von Zelenskijs täglichen Nachrichten bis hin zu Warnungen der Luftstreitkräfte vor der Ankunft russischer Raketen.
    Abgeordnete, die eine Einschränkung von Telegram befürworten, haben wiederholt, dass öffentliche Organisationen gezwungen sein könnten, den Betrieb dieser Anwendung einzustellen.“

    Man könnte also nur den öffentlichen Institutionen verbieten, Telegram zu verwenden, aber nicht verhindern, daß die Bevölkerung es weiter benützt, sogar wenn es strafbar wäre.

    „Für Kriegsanalysten sowohl aus ukrainischen als auch aus westlichen Instituten ist Telegram auch deshalb wichtig, weil es die wichtigsten Informationen über die militärische Lage auf russischer Seite enthält, die nicht vom Kreml kontrolliert werden.
    Für Bürger ist es auch eine Möglichkeit, auf russische audiovisuelle Unterhaltungsinhalte zuzugreifen, die von der Ukraine aus nicht durch Surfen im Internet abgerufen werden können. Ein Beispiel hierfür war der Erfolg der russischen Fernsehserie Slovo Patsana, die trotz ihres Verbots im Jahr 2023 die meistgesehene in der Ukraine war und die Tausende von Menschen raubkopiert auf Telegram-Kanälen heruntergeladen haben.“

    (El País, 2.4.)

  121. „A Polish general dies deep in Ukraine

    Warsaw says soldier died of »unexplained natural causes« while Moscow claims to hit Chasiv Yar command center secretively hosting senior NATO officials (…)

    Chasiv Yar was extremely important during the battle for Bakhmut. It was the feeder for troops being sent into Bakhmut and for the rotation of soldiers fighting there. 

    It was the source of supply of ammunition, food and medical support for Ukraine’s army in the city. Chasiv Yar was also the command center not only for the Ukrainians but also for their Western military advisers.

    That latter role is what has again become clear in the last week of March, as the Russians successfully bombed a six-story deep command bunker in Chasiv Yar on March 26.

    According to the Russians, the bunker was hit by one or more Iskander missiles. The Iskander is a short-range ballistic missile that can operate at hypersonic speed (Mach 5.9). It has different types of warheads including bunker busters that weigh between 1,000 and 1,500 pounds.

    Inside that command center were very senior NATO officers, some of whom were killed, according to Russian reports. One of them was Brigadier General Adam Marczak of the Polish army.

    His biography states: 

    In 1994, Brigadier General Adam Marczak graduated from the Land Forces Military Academy in Wroclaw, Poland, and was assigned as Assault Platoon Leader to the 10th Air Assault Battalion, which is part of the 6th Air Assault Brigade based in Cracow.

    In the course of the following years up to 2011, he held successive positions in the 6th Air Assault Brigade: Commander of the 2nd Assault Company, Operations Officer in S3 Section, of Section S2 Chief and Chief of Staff and Deputy Battalion Commander of the 16th Airborne Battalion. In 2011, he joined the Polish Special Operations Forces Command based in Cracow as Deputy Chief of the Exercise Division.

    He was associated with this military unit until 2017 where he finally held the post of Chief of the Certification and Exercise Division. In 2017, he assumed command of the 25th Air Cavalry Brigade in Tomaszow Mazowiecki. From 2020 to 2021, Brigadier General Adam Marczak served as Chief of the Intelligence and Electronic Warfare Division at the Armed Forces General Command in Warsaw.

    Since his appointment and assumption of office in 2021, he holds the position of Deputy Chief of Staff, Support & Enabling Euroscorps. In 2009, he served for six months as Deputy Airborne Battle Group Commander at ISAF in Afghanistan. He returned to Afghanistan for two years (between 2015 and 2017) as NATO Chief of Staff at the NATO Special Operations Component Command (NSOCC-A).

    Poland reported his death, which the Polish Army said was due to »unexplained natural causes.«”

    (Asia Times, 29.3.)

    Die meisten Analysten meinen, Tschasov Jar wird der nächste Ort sein, der an Russland fällt …

  122. „Ausländische Söldner strömen nach Charkow

    Sergej Lebedew, Koordinator des prorussischen Untergrunds in der Ostukraine, sagte, Hunderte Söldner kämen aus Georgien, Frankreich, »Ichkeria« ( = antirussische Tschetschenen) sowie Militante des »Russischen Freiwilligenkorps«. Sie sind in den letzten Tagen in Charkow eingetroffen und besetzen Stellungen an wichtigen Punkten der Stadt. Unter den Söldnern befinden sich auch Vertreter Litauens, Estlands, der Tschechischen Republik, Polens und Rumäniens.
    Die ausländischen Gruppen bringen gepanzerte Fahrzeuge und verschiedenen Kleinwaffen mit. Die Zahl der Söldner in Charkow ist vergleichbar mit der Zahl in der Stadt zu Beginn des Herbstes 2022. Auch Militärangehörige von Einheiten der nationalistischen Formation »Asow« trafen hier ein.
    Hier wächst zusammen, was zusammengehört – aber das Gelingen der Operation ist zweifelhaft.“

    (KP, 4.4.)

    Hier scheint es sich um das unmittelbare Ergebnis der Meldungen und Dementis über den Einsatz westlicher Armeen in der Ukraine zu handeln.
    Die meisten dieser neuen Freiwilligen dürften Berufssoldaten aus den Armeen der betreffenden Staaten sein, die dort angeworben und auch aus westlichen Budgets finanziert werden, da die Ukraine sowieso pleite ist.
    Weil alle Abenteurer, die sich in der Ukraine im Kampf für die Freiheit beweisen wollten, wurden schon dort empfangen, eingesetzt und teilweise verheizt. Auch die kolumbianischen Paramilitärs scheinen bereits ihre Kontingente erschöpft zu haben.

    Wieso gerade nach Charkow – anscheinend erwarten die westlichen Analysten den nächsten Angriff bzw. Durchbruch in dieser Richtung, oder wollen diesen durch solche Stationierungen im Vorfeld abwehren.

  123. Eine Reportage aus Charkow berichtet von massiver Einschränkung von Strom- und Wasserversorgung durch russische Bombardements.

    Daß Rußland in nächster Zeit eine Offensive gegen Charkow starten könnte, wird von der ukrainischen militärischen Führung dementiert. Die russischen Truppen hätten nicht die Ressourcen dafür.
    Ebenso wird eine massenhafte Fluchtbewegung aus Charkow dementiert. All das sei „russische Propaganda“, um Panik zu säen.

    Wenn das alles stimmt, warum dann so viele ausländische Kämpfer? Oder sind das auch alles Fake News?

  124. „Ein Ukrainer wurde wegen Mitwirkung an dem russischen Angriff, bei dem die Schriftstellerin Victoria Amelina getötet wurde, zu lebenslanger Haft verurteilt

    Die ukrainische Justiz sieht es als erwiesen an, dass ein Einwohner von Kramatorsk der Invasionsarmee Informationen zur Bombardierung eines Restaurants übermittelt hat, in dem 13 Menschen starben (…)

    Den von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweisen zufolge wurde der verurteilte Mann, Wolodymyr Sinelnik, vom Feind angeworben, um Informationen über die Anwesenheit der ukrainischen Armee in der Stadt zu liefern.
    Der Mann, so der Vorwurf, habe festgestellt, dass sich Militärfahrzeuge vor dem Restaurant versammelten und der Ort von Soldaten frequentiert werde. In Kramatorsk gibt es nur wenige offene Gewerbebetriebe, seien es Restaurants oder Supermärkte, und die Mehrheit der Kunden sind Militärangehörige, obwohl es auch üblich ist, sie mit ihren Freundinnen zu sehen, die sie besuchen, wenn sie die Erlaubnis zum Ausgang haben.

    Auf dem Mobiltelefon des Verurteilten stellte die Polizei fest, dass dieser den Standort und einige Videos der Pizzeria an einen Telegram-Nutzer, einen Agenten des russischen Geheimdienstes, geschickt hatte.
    Sinelnik, 57 Jahre alt und Angestellter des städtischen Gasdienstes, entschied sich nach Angaben des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SSU) aus ideologischen Gründen und nicht um des Geldes willen für eine Zusammenarbeit mit den Russen.

    Laut Zmina, einer der wichtigsten ukrainischen NGOs, die sich der Verteidigung der Menschenrechte verschrieben haben, habe Sinelnik im vergangenen Februar darum gebeten, gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht zu werden, um einer Gefängnisstrafe und einer Überstellung nach Russland zu entgehen.

    Der ehemalige Gouverneur der Provinz Donezk, Pawlo Kirilenko, bestätigte im Juli 2022 in einem Interview in Kramatorsk mit EL PAÍS, dass Kollaboration mit Rußland eine ernsthafte Bedrohung für die ukrainischen Streitkräfte darstellt.
    Kirilenko schätzte, daß die Hälfte der Bevölkerung, die trotz der Nähe der Kämpfe beschlossen hatte, in der Provinz zu bleiben, Befürworter der russischen Annexion waren. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Dokumentation russischer Kriegsverbrechen, aber auch auf der Berichterstattung über Verletzungen der Rechte ukrainischer Bürger während des Krieges.

    Ein im Oktober 2023 vorgelegter Zmina-Bericht warnte, dass fast 8.000 Menschen der Kollaboration mit dem Feind beschuldigt wurden und dass es Hunderte von Fällen gebe, in denen die Rechte der Angeklagten verletzt würden. Die überwiegende Mehrheit der Prozesse richtet sich gegen Personen, die russische Propaganda verbreitet haben.“

    (El País, 5.4.)

    Wer ist da der Besatzer, fragt sich?

    8000 dokumentierte Fälle von Kollaboration weisen darauf hin, wie viele Leute mit dem „Aggrssor“ sympathisieren.
    Dazu die hunderttausende Wehrpflichtigen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, nagen schon sehr an der Darstellung, daß alle in der Ukraine die Heimat gegen die Russen verteidigen wollen.

    Dazu kommen die „Beweise“: Unter was für Bedingungen der Angeklagte gestanden hat, wollen wir gar nicht wissen. Die Folter ist nicht nur in Rußland üblich.
    Die Information, die der Angeklagte geschickt haben soll, konnte sich das russische Militär vermutlich leicht auch aus anderen Quellen beschaffen. Jede Menge Bilder werden täglich auf das Internet hochgeladen, sicher auch aus Kramatorsk.

    Die ukrainischen Behörden wollten Schuldige finden, und man kann sicher auf vielen Telefonen solche „Beweise“ entdecken.

    Dazu kommt, daß sicher die Kollaboration mit Rußland wächst in dem Maße, als sich das Kriegsglück auf die Seite Rußlands wendet.

  125. „In der Ukraine können die Militärregistrierungs- und Einberufungsämter verlangen, daß Wehrpflichtige von der Polizei vorgeführt werden“

    Mit einem Wort, die Polizei darf diese Leute verhaften und möglicherweise sogar in Wohnungen eindringen, wo die Wehrpflichtigen vermutet werden.

    „Erscheint ein Mann nicht innerhalb von 10 Tagen beim Wehrmelde- und Einberufungsamt, beantragt das Territorialzentrum beim Gericht den Führerscheinentzug.“

    Mit dieser Maßnahme soll offenbar die Mobilität der Wehrpflichtigen eingeschränkt werden.
    Ob das viel Effekt hat, bleibt abzuwarten.

    „Mit der Verabschiedung des neuen Mobilisierungsgesetzes in der Ukraine wurde ein neues Dokument eingeführt – eine »Forderung« an Bürger, die nicht zur militärischen Registrierung für den Militärdienst erschienen sind. Dies berichtete die »Gerichtlich-juridische Zeitung«.
    Dort heißt es, dass ein Antrag gestellt wird, wenn ein Bürger nicht zur militärischen Registrierung erscheint, nicht vor der militärärztlichen Kommission erscheint oder seine Daten nicht innerhalb von 60 Tagen korrigiert.

    In diesem Fall wendet sich das Militärkommissarat an die Polizei mit der Bitte, einen solchen Bürger an die Rekrutierungsstation des zuständigen Bezirks zu übergeben.“

    Das Interessante ist, was dann passiert?
    Dürfen die Polizisten bei der Wohnadresse, wo der Betreffende gemeldet ist, eindringen?
    Dürfen sie auf Verdacht auch an anderen Adressen aufkreuzen und sich dort Zugang verschaffen?

    „Ist dies nicht möglich, wird die »Forderung« dem Betroffenen innerhalb von fünf Tagen per Einschreiben zugesandt. Ein Verweis auf die Unmöglichkeit der Zustellung des Dokuments am Wohnort gilt als Zustellungsdatum.

    Darüber hinaus können, wie es in dem Artikel weiter heißt, wegen Verstößen gegen die militärischen Registrierungsvorschriften schwere Geldstrafen gegen einen Militärangehörigen oder das Unternehmen, in dem er arbeitet, verhängt werden. … “

    Hier soll offenbar gegen Unternehmen vorgegangen werden, die ihre Mitarbeiter verstecken, um sie nicht an die Front zu verlieren.

    „Außerdem können ukrainische Staatsbürger, die mehr als ein Fahrzeug besitzen, dieses im Zuge der »Mobilisierung« des Transportwesens verlieren.“

    (KP, 21.4.)

    Man wird sehen, ob dieses Gesetz den Mangel an Soldaten beheben wird.
    Es ist nämlich nicht unbedenklich, die Heimatfront auf diese Art und Weise aufzumischen und auch die Mitglieder des Gewaltapparats vor die Wahl zu stellen, ob sie sich für diese Form der Einberufung zur Verfügung stellen.
    Falls der Krieg nämlich zuungunsten der ukrainischen Führung ausgeht, könnten sie dann von der Nachfolgerregierung zur Verantwortung gezogen werden …

  126. Eine sehr ernüchternde Reportage von der ukrainischen Front, konkret aus Pokrovsk:

    „Das Vorzeige-Regiment der Ukraine bleibt aufgrund fehlender Waffen und eigener Fehler unter der Minimalbesetzung

    Die 47. Brigade hatte in einem Jahr vier Kommandeure. Militärs und Offiziere erklären EL PAÍS ihre Schwächen, Schlüssel zum Verständnis des russischen Vormarsches an der Front“

    Laut Wikipedia hat eine Brigade eine Mannstärke von 1500-5000. D.h., die in Frage stehende 47. Brigade scheint laut Überschrift auf unter 1500 zusammengeschmolzen zu sein.
    Zu dem Begriff „Regiment“, der sich im Folgenden mit „Brigade“ abwechselt, ist festzustellen, daß diese Einheit bei den NATO-Armeen heute nicht mehr gebräuchlich ist, sich aber unterhalb der Brigade befindet. D.h., es scheinen deutlich unter 1500 Mann zu sein, die dort im Einsatz sind.

    „In der ukrainischen Armeekompanie, in der die Wachtmeisterin Magura dient, sind von den 11 gepanzerten Infanterietransportfahrzeugen, die sie im Jahr 2023 hatte, nur noch drei übrig. Und von den dreien wird eines repariert, weil das Startsystem nicht mehr funktioniert.
    Die in ihrer Einheit eingesetzten Fahrzeuge sind die amerikanischen Bradleys, eine der Ergänzungen, die NATO-Verbündete für die Gegenoffensive im Sommer 2023 in die Ukraine gebracht haben. »Aber es sind alte Fahrzeuge, die bereits gebraucht eingetroffen sind und hier nur wenige Monate halten«, sagt diese Offizierin der 47. Mechanisierten Sonder-Brigade, dem vollständigsten Regiment, das die Ukraine je hatte, mit westlichen Waffen und Ausbildung durch die NATO.“

    Daß das besonders „komplett“, also ganz super sein soll, wenn man die ausrangierte Technologie von NATO-Staaten bekommt, leuchtet nur jemandem ein, der sowieso von der Überlegenheit von NATO-Standards überzeugt ist.
    Diese Überzeugung leidet derzeit, sowohl in der Ukraine als auch bei ihren Verbündeten.

    „Magura dient an der Avdejevka-Front in der Provinz Donezk. Es könne viele Wochen dauern, bis der dritte Bradley wieder auf dem Schlachtfeld sei, fügt eine Sprecherin des Regiments hinzu: Die Teile, um ihn einsatzbereit zu machen, müssten aus Europa ankommen.“

    An und für sich liegt die Ukraine auch in Europa. Gemeint ist offenbar: Von außerhalb der Ukraine, aber zumindest nicht aus den USA.
    Die Vorzeige-Brigade scheint eine Amazonen-Truppe zu sein. Oder aber, die Verluste ließen sich mit männlichen Ersatzpersonen nicht mehr gänzlich auffüllen.

    „Die Situation der 47. Brigade sei heute dramatisch, so die von EL PAÍS befragten Militärangehörigen, da sie ein Spiegelbild der Schwäche der ukrainischen Streitkräfte angesichts der russischen Dominanz an der Front sei.

    Die 57 Milliarden Euro an Militärhilfe, die das US-Repräsentantenhaus an diesem Samstag für die Ukraine genehmigt hat, werden dieses Regiment in den kommenden Monaten stärken, doch die aktuelle Situation ist besorgniserregend. Magura – der Codename einer 28-jährigen Frau, von Beruf Architektin – liefert zwei entmutigende Fakten: Für jedes gepanzerte Infanteriefahrzeug, das die ukrainische Armee hat, hat der Feind 10. Auf jeden ukrainischen Soldaten, der das Gebiet Avdejevka verteidigt, kommen 30 Russen, die es angreifen.

    Die 47. Brigade war ein persönliches Steckenpferd von Valeryj Zaluzhni, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der Streitkräfte, zum Aufbau einer Modelleinheit, die die Gegenoffensive im Juni 2023 anführen sollte.
    Eine mechanisierte Brigade ist eine Infanterieeinheit, die über Panzerung für ihre Operationen verfügt. Der 47. verfügt, wie auch andere Einheiten dieser Art in der Ukraine oder in Russland, auch über Panzer und Artillerie.
    Sie wurde im Herbst 2022 gegründet und hatte allein im letzten Jahr vier Kommandanten, eine beispiellose Rotation.
    Ihr erster Kommandeur, Oberstleutnant Oleksander Sak, wurde im September 2023 nach der katastrophalen Offensive an der Zaporozhje-Front abgelöst. Laut militärischen Quellen, die EL PAÍS im Sommer konsultierte, verlor die 47. Brigade innerhalb von drei Monaten 30 % ihrer Soldaten.
    Die Ukraine benötigte dringend Ergebnisse an der Front, sowohl aufgrund des Drucks ihrer politischen Führung als auch aufgrund des Drucks ihrer internationalen Verbündeten, und die Armee startete eine fast selbstmörderische Mission ohne Luftbeherrschung und angesichts der sehr starken russischen Verteidigung.“

    Um ihren Verbündeten den Wehrwillen der Ukraine zu beweisen, wurden diese Elitetruppen also auf Himmelfahrtskommandos geschickt und solchermaßen verheizt.

    „Sak wurde vorgeworfen, an einer nutzlosen Taktik festzuhalten und Panzerkolonnen in den Kampf zu schicken, die in Minenfeldern steckenblieben und von Drohnen und Artillerie vernichtet wurden. »Unsere Kommandeure hatten zu große Erwartungen und schlechte Vorhersagen über unser Potenzial, als die Gegenoffensive begann«, erklärt Magura.“

    Unter anderem wurde angenommen, die Russen verfügten über keine Nachtsichtgeräte – ein weiteres Beispiel für die ständige Unterschätzung des russischen militärischen Potentials, die den Krieg von Anfang an begleitete.

    „»Dann änderten sie sich“

    – es bleibt unklar, ob die Kommandanten oder die Vorhersagen –

    „und es gab intelligentere Befehle, aber wir verloren viele Ressourcen und standen ohne viele erfahrene Leute da.«

    Sak wurde durch Oberst Oleksander Pavlij ersetzt. Er hatte die Position bis letzten Januar inne. Militärangehörige der Brigade selbst warfen ihm öffentlich vor, die interne Funktionsweise (einer Struktur nach NATO-Modellen) nicht zu verstehen und die Verluste durch Personal zu ersetzen, das nicht auf Frontkampfeinsätze vorbereitet sei, so das Analysezentrum der Brigade Militärischer Landkrieg.“

    Andere waren offenbar nicht zur Hand, aber es ist natürlich einfach, das auf den Kommandanten zu schieben.

    „Ständig steigende Verluste

    EL PAÍS interviewte am 17. April Alexander, einen ehemaligen Artillerieoffizier der 47. Brigade. Er bestätigt, dass er selbst den Einsatz der beiden Haubitzen, für die er ausgebildet worden war, aufgeben und sich einem Angriffszug anschließen mußte.
    Die von den USA gespendeten Kanonen waren aufgrund ständigen Gebrauchs nicht mehr präzise genug und vor allem benötigten sie aufgrund der fehlenden Munition nicht mehr so ​​viel Personal.“

    Kanonen durch Gebrauch kaputt und keine Munition da – ein unschönes Bild der Eliteeinheit wird hier gezeichnet.

    „Alexander, der bereits 2015 im Donbass-Krieg gedient hatte, beschloss, die Armee unter der Regelung zu verlassen, die es einem Soldaten erlaubt, in das zivile Leben zurückzukehren, wenn er im Krieg ein unmittelbares Familienmitglied verloren hat: Sein Bruder starb 2023 im Kampf. »Hätte ich die Armee nicht verlassen, so hätte mich der sichere Tod erwartet«, sagt er.“

    Klingt nicht sehr motiviert …

    „»Wenn wir so sehr auf die 47. Brigade schauen, dann deshalb, weil sie berühmt ist, ihre Probleme sich aber im Rest der Armee wiederholen«, betont Alexander. Häufige Probleme sind ein erschöpftes Arsenal und ein Mangel an Rekruten.
    Das im April verabschiedete Mobilisierungsgesetz sollte der Armee fast 400.000 Zivilisten zur Verfügung stellen. Aber die neuen Ergänzungen, so die konsultierten Quellen, werden zu einem Zeitpunkt, an dem die russischen Truppen Wissen, Waffen und Anpassungsfähigkeit an diesen Krieg angesammelt haben, ohne Erfahrung eintreffen.“

    Vermutlich auch ohne Ausbildung. Die Ukraine verheizt mehr Soldaten an der Front, als in den NATO-Staaten ausgebildet werden.

    „Drohnen sollen den russischen Vormarsch stoppen

    Die für diesen Artikel Befragten sind sich einig, dass nur die ukrainische Drohnenbombenflotte den russischen Vormarsch bremst. Doch wie Präsident Wolodymyr Zelenskij Ende März warnte, können diese Drohnen den Mangel an Langstreckenwaffen, Flugabwehr und Artillerie nicht ersetzen.
    Die Invasionstruppen verfügen über sechs- bis zehnmal mehr Munition als die Ukraine (je nach Frontabschnitt) und Zelenskij gab an, dass ihre Artillerie täglich 2.000 Projektile abfeuert, also vier- bis fünfmal weniger als im Sommer 2023.

    EL PAÍS interviewte im November 2023 zwei weitere Soldaten der 47. Brigade. Beide wurden aus der Armee entlassen. Einer von ihnen, Ivan, leitete eine Infanterieeinheit im nördlichen Teil von Avdejevka, wo seine Männer auf den Eisenbahnschienen verschanzt waren. Er verlor seine gesamte Einheit, 17 Soldaten, die vom Feind getötet und gefangen genommen wurden. Rußland nahm Avdejevka im Februar ein. Seitdem ist es 10 Kilometer in Richtung Pokrowsk, dem hinteren Stützpunkt an der Südfront von Donezk, vorgerückt.
    Die schlechten Vorzeichen werden auf den Bauernhöfen der Region wahrgenommen, die nach und nach ihre Betriebe schließen und ihre Maschinen in andere Provinzen verlagern.

    »Ich kenne eine Kompanie mit 80 Soldaten, die in einer Woche 65 Verluste erlitten hat. Früher kamen auf jeden ukrainischen Todesopfer drei Russen. Jetzt sind wir fast gleichauf.«“

    Wers glaubt, wird selig (das Verhältnis der Verluste).

    Das sagt Phönix, (…) der für das Oberkommando an der Pokrowsk-Front und für den ukrainischen Geheimdienst arbeitet. Er weist darauf hin, dass die Russen im nördlichen Sektor von Avdejevka die Koordinationsprobleme zwischen der 47. Brigade und der 25. Luftlandebrigade ausgenutzt haben.
    Magura bestätigt, daß es in diesem nördlichen Sektor, wo sie jetzt im Dorf Otscheretine Widerstand leisten, »Fehler in der Koordination zwischen den Brigaden gibt, aber das liegt daran, daß sich die Situation sehr schnell ändert.«

    Das Szenario für die Ukraine verschlechtert sich schnell und die Anpassung braucht Zeit. Phönix nennt zwei Beispiele für Veränderungen in Brigaden mit NATO-Waffen wie der 47., Veränderungen, die sich aus der Dominanz ergeben, die Rußland dank seiner Flotte von Aufklärungsdrohnen und seinen Bombern nun über den Luftraum hat: »Die Nützlichkeit des Leopard (…) an der Front ist jetzt null, sie halten nichts aus.«“

    Das Panzer-Flaggschiff der deutschen Rüstungsproduktion schaut hier also auch alt aus …

    „In einem an diesem Samstag veröffentlichten Artikel gaben von der New York Times befragte Militärangehörige an, daß die 47. Brigade in Avdejevka mehrere amerikanische Abrams-Panzer verloren habe, weil sie nicht über ausreichende Kurzstrecken-Flugabwehrsysteme gegen Drohnen verfügten.

    Es besteht nicht nur die Bedrohung durch russische Bombendrohnen wie die Lancet oder kleinere Luftfahrzeuge, die den Turm eines Panzers zerstören können.
    Magura fügt hinzu, dass der Feind in Avdejevka Panzerabwehrraketensysteme installiert habe, die schwer zu umgehen seien. »Russische Panzer fallen auch wie die Fliegen, aber sie haben Hunderte. Wenn wir zehn zerstören, erfüllen drei weitere ihre Aufgabe«, sagt Phönix.

    Die amerikanischen M-777-Kanonen, die im Jahr 2022 eine Schlüsselrolle bei den erfolgreichen ukrainischen Offensiven in Charkow und Cherson spielten, seien heute in den Hintergrund gerückt, meint Phönix, weil es sich nicht um selbstfahrende Haubitzen handele und die Einsätze mit ihnen dauern angesichts der russischen Luftbedrohung zu lange.
    »Ich habe mit tausend Soldaten an dieser Front gesprochen und bin zu dem Schluß gekommen, dass die Militärtheorie der NATO nutzlos ist, wenn man sie nicht mit der sowjetischen, also der russischen, kombiniert«, schließt Phönix. »Kein NATO-Stützpunkt in Europa verfügt über unsere Kampferfahrung, weshalb wir immer mehr auf unsere eigenen Ausbilder zurückgreifen«, erklärt eine Sprecherin der 47. Brigade.“

    Lauter vernichtende Aussagen über die NATO: Die Geräte sind veraltet, halten nix aus, die Ausbildung ist nix wert und die Militärdoktrin ist auch für die Katz.

    „Dmitro Rjumschin, Pavlijs Nachfolger, war nur zwei Monate lang Kommandeur der 47. Brigade, von Januar bis März.
    Mehrere befragte Quellen weisen darauf hin, dass der erste Grund für seine Entlassung die hohen Verluste in Avdejevka waren“

    Die hohen Verluste würden die ukrainischen Kommandanten ruhig hinnehmen – wenn sie mit entsprechenden Erfolgen gekrönt wären. Aber Verluste + Rückzug – das geht auf die Dauer nicht.

    „und der zweite, daß er nicht das Vertrauen des neuen Oberbefehlshabers der Streitkräfte, Oleksander Sirskij, genoß. »Von unserem neuen Kommandeur (Oberst Jan Jatzischen) erwarten wir intelligente Entscheidungen, keine selbstmörderischen Befehle, klare und gleichzeitig wohlüberlegte Befehle«, reflektiert Magura.
    Phönix rechnet mit sehr schwierigen Zukunftsaussichten. Rußland bildet 200.000 neue Rekruten für die Sommeroffensive aus, gibt dieser erfahrene Kämpfer des Donbass-Krieges an (das sind 100.000 mehr, als der Chef der ukrainischen Armee im vergangenen März schätzte): »Sie werden jeden Tag mehr und besser, auch ihre Waffen. Und uns fehlt alles.«“

    (El País, 22.4.)

  127. „In Charkow und Umgebung gibt es nach der Zerstörung des 250 Meter hohen Fernsehturms kein digitales Fernsehsignal

    Dies gab der Chef der regionalen Militärverwaltung, Oleg Sinegubov, am 23. April in seinem Telegram-Kanal bekannt. »In Charkow und den umliegenden Siedlungen gibt es kein digitales Rundfunksignal«, schrieb Sinegubov. Er stellte fest, dass der Turm in einer Höhe von 140 m getroffen wurde, wodurch technische Strukturen und Fernsehgeräte zerstört wurden. Auch Internet und Mobilfunk funktionieren in der Stadt nicht, fügte der Leiter des OBA hinzu.“

    (Izvestija, 23.4.)

    Ganz Charkow ohne Internet?

    Das verheißt nichts Gutes für die ukrainische Verteidigung der Stadt, auch wenn militärische Einrichtungen ein zusätzliches Verständigungssystem haben.

    Auch Starlink sollte doch noch funktionieren?

  128. Jetzt wollen in der Ukraine die Fernfahrer einen Befreiungsschein vom Militärdienst. Ansonsten drohe ein Zusammenbruch der Versorgung.

    Einerseits ist es richtig, daß die Ukraine, je mehr dort zerstört wird, um so mehr importieren muß. Also sind die Fernfahrer von gesteigerter Wichtigkeit.

    Andererseits würde da ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen und eine weitere Bereicherungsmethode für Leute, die Arbeitsbewilligungen für Fernfahrer ausstellen. Diese Berufsgruppe würde heftigen Zulauf haben und könnte sich dann in der EU weiter betätigen. Kurse für LKW-Lenken würden verstärkt angeboten.
    Und andere Berufsgruppen würden ebenfalls entdecken, daß sie unentbehrlich sind und um dergleichen Befreiungsscheine ansuchen.

  129. Rußland entwickelt seine Rüstungsindustrie weiter:

    „Russlands neuestes Artilleriesystem im Kampfgebiet gesichtet

    Im vergangenen Herbst erhält das russische Militär die ersten Radhaubitzen vom Typ 2S43 Malwa. Nun entdeckt eine Aufklärungsdrohne das neue Artilleriesystem nahe der Grenze zur Ukraine. Für Moskaus Streitkräfte ist die Waffe eine echte Neuerung.

    Die jüngste Selbstfahrhaubitze der russischen Streitkräfte ist Medienberichten zufolge erstmals im Kampfraum gesichtet worden. Wie unter anderem das proukrainische Portal Militarnyi meldet, entdeckte eine Aufklärungsdrohne das neue radgetriebene Artilleriesystem vom Typ 2S43 Malwa in der russischen Grenzregion Belgorod, die derzeit als Aufmarschgebiet für Angriffe auf die Region Charkiw dient. Mittlerweile zirkuliert auch ein kurzer Clip im Netz, der die Bedienung einer 2S43 Malwa aus nächster Nähe zeigt. Ob es sich dabei um dasselbe Exemplar handelt, ist nicht bekannt. Das Video soll an der Front bei Charkiw entstanden sein. (…)

    (ntv, 3.6.)

    Man merkt an solchen Entwicklungen, daß Rußland es keineswegs eilig hat, den Krieg zu beenden, und das Testgelände Ukraine auch Rußland recht ist.

  130. Passend dazu die etwas veraltete Erfolgsmeldung, daß die ukrainischen Streitkräfte hier nach dem Motto klein-klein auch wieder etwas abgeschossen haben:

    Schwere Verluste an Msta-S
    Russlands Panzerartillerie erlebt Horror-Monat

    Im Mai schießen Russlands Verluste an Panzerhaubitzen vom Typ Msta-S plötzlich in die Höhe. Ukrainische Verteidigungsexperten führen das auf zwei wichtige Faktoren zurück.

    Russlands Streitkräfte haben einem Bericht zufolge im vergangenen Monat eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Panzerhaubitzen vom Typ Msta-S verloren. Wie das proukrainische Portal Militarnyi meldet, wurden im Mai mindestens neun Exemplare zerstört. Demnach waren für die meisten Verluste ukrainische FPV-Drohnen (First Person View) verantwortlich. Allein die Drohnengruppe "Muramasa" der 109. Brigade der Territorialverteidigung soll in den vergangenen Wochen mindestens vier Msta-S im Raum Awdijiwka zerstört haben.

    Daten des niederländischen Portals Oryx, welches Verluste in der Ukraine anhand von Bildern und Videos dokumentiert, bestätigen die Zahl der neun zerstörten Panzerhaubitzen. Zum Vergleich: Für den Monat April listet Oryx eine zerstörte Msta-S und für den März eine beschädigte Msta-S auf, für den Februar gar keine. Militarnyi hebt hervor, dass es sich bei den erwähnten Verlusten nur um zerstörte oder beschädigte Artilleriesysteme handelt, die per Foto oder Video verifiziert sind. Die Zahlen könnten in Wahrheit also durchaus höher sein.

    Laut dem proukrainischen Portal Defence Blog sind mehrere Faktoren für die höhere Anzahl an Verlusten verantwortlich. Unter anderem würden Kiews Streitkräfte gezielt Jagd auf die Systeme machen. Zudem habe die Effektivität des ukrainischen Gegenbatteriefeuers zugenommen, was zu erfolgreicheren Gefechten mit russischen Artillerieeinheiten geführt habe.

    Die 2S19 Msta-S wurde in den 80er-Jahren in der Sowjetunion entwickelt und laufend verbessert. Das Fahrgestell basiert auf dem T-80-Panzer. Als Bewaffnung dient eine 152-Millimeter-Haubitze. 1989 wurden die ersten Fahrzeuge an die Armee ausgeliefert. Angaben der britischen Denkfabrik International Institute for Strategic Studies (IISS) zufolge soll Russland im Jahr 2020 über 850 aktive und 150 eingelagerte Msta-S verfügt haben. Laut Oryx verlor Moskau seit Februar 2022 insgesamt 241 Msta-S in unterschiedlichen Versionen.

    Russland setzt bei seiner selbstfahrenden Artillerie traditionell auf Kettenfahrzeuge. Mit der 2S43 Malwa verfügen Moskaus Verbände seit Herbst 2023 aber auch über eine Radhaubitze. Kürzlich erspähte eine ukrainische Aufklärungsdrohne erstmals eine Malwa an der Front in der Region Charkiw.“

    (ntv, 7.6.)

    Man merkt, auch ohne die horrenden (!) Verluste von 9 Haubitzen hat die russische Führung schon vor einiger Zeit beschlossen, daß die bisher eingesetzten für die heutigen Verhältnisse zu schwerfällig sind und deshalb ein neues Modell entwickeln lassen.

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